Hersfel-er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Bezugspreis vierteljährlich für HersfeL 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in H«sfeld.
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Mr den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis betrügt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amüichen Teile 20 Pfennig, ReSamen die Zeile 25 Pfg. Bei «aber* holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 843.
Seliger Bezugspreis DlerieljabrU*
Mittwoch, den IV. Oktober
1917
Amtlicher Teil.
HerSfel-, -en 16. Oktober 1917.
Die in Nr. 289 des Hersfelder Tageblatts veröffentlichte TageSordnnnz für -ie auf Sonnabend, den 27. Oktober d. Js. vormittags 10 Uhr ««beräumte Kreistags-Gitzung ist wie folgt ergänzt worden:
pp. Ziffer 7: Neuwahl eines Mitgliedes der Körungs-Kommission für den verstorbenen Rentier H. Bätz in Hersfeld, sowie eines Stellvertreters für den von Kirchheim verzogenen Gutspächter W. Hold.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J. A. No. 10190. ' I. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 10. Oktober 1917.
, Betrifft Hsusschrachtungen.
Ich weise zur Beachtung auf folgendes hin:
1. Jedes für die Hausschlachtung bestimmte Schwein ist sofort bei der Einstellung der Ortspolizeibehörde anzuzeigen,' sofern es bet Veröffentlichung dieser Anordnung bereits eingestellt war, hat die Anzeige binnen 3 Tagen nach dem Tag der Ber- öffentltchungzu erfolgen, der Ginstellungstaz ist in diesem Falle anzugeben und auf Anfordern nach- zuweisen. Die Ortspolizeibehörden haben über die Anzeigen eine Liste zu führen. Dies gilt nicht für Landwirte im Hauptberuf.
2. Zu jeder Hausschlachtung ist meine schriftliche Genehmigung erforderlich.
3. Die Genehmigung ist schriftlich zu beantragen auf dem hierfür vorzeschriebenen Formular und zwar mindestens 2 Wochen vor der beabsichtigten Schlachtung. — Die Formulare sind zum Selbstkostenpreis bei dem Gemeindevorstand erhältlich. Jede Frage in dem Antragsformular ist genau zu beantworten,- geschieht das nicht, so wird das Formular dem Antragsteller ohne Weitere- zurückgegeben.
-. Die ertettte Genehmigung ist vor der Schlachtung dem Fleischbeschauer vsrznlegen. Ohne «e- nehmigung darf keine Schlachtung vorgenommen werden, andernfalls tritt Bestrafung und Einziehung des Fleisches ein, für das alSdann kein Entgelt gewährt wird.
5. Nach erfolgtet Schlachtung hat der Fleischbeschauer daS Schlachtgewicht festzustellen und auf dem Senehmigungsschein einzutragen. Alsdann ist der GenehmigungSschein durch die Hand deS Bemeindevorstandes an mich möglichst schnell zu- rückzugeben.
6. Auf Grund der Echlachtgewichtsangaben und der Angaben im Genehmigungsantrage wird festge- stellt, ob die Hausschlachtung zulässig ist, welche Menge Schlachtviehfleisch innerhalb der Anrech- nungszeit verbraucht und wieviel Fleischkarten noch bezogen werden dürfen. Hierüber erhält »er Hausschlachtende eine schriftliche Nachricht, welche dem Gemeindevorstand zur Notiz für seine Liste und zur Zustellung übersandt wird.
Notschlachtungen.
Das Fleisch aus Notschlachtungen kann für den eigenen Verbrauch im Haushalte überwiesen werden. Falls die gesetzlichen Voraussetzungen für die Haus- schlachtung (insbesondere Einhaltung »er Fütterungszeit) erfüllt sind, gilt die Notschlachtung als
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Der Sturm an der Küste.
Dem Engländer zum Kummer war zwischen Dir- muiden und Nieuport ein sinwegsames Sumpfgelände entstanden. Bloß der knapp 4 Krlom^er breite Saum -wischen den Dünen und dem Kanal Nieuport-Brügae bietet sich als Schlachtfeld an. Den aber haben wir Teutschen, englische und französische Langsamkeit aus- uüvend, im Jahre 1914 rasch entschlossen bis Lom- bartzyde in Besitz genommen.
„In der Schlacht von Lombartzyde jagteri wir den Franzmann müde, daß er nicht mehr laufen funnt,"
haben,"
lösten
singen die Marineinfanteristen. Die Engländer, die nach dem Urteil des „Manchester Guardian" vom 16. August „alle großen Schlachten dieses Jahres
Besitz der belgischen Küste geschlagen haben," losten im Juni die französischen Truppen bei Nieuport ab. schoben sie südwärts in das unwichtige sulnpfgebiet sind bekundeten damit den LLillen zum ernsten Kamps. Seitdem donnert die Artillerieschlacht mit geringen GMmiitmuwt in das Rauschen der Nordsee.Die lieb- lichen Bäder Westende und Lombartnide mit Hinter- land sind Trümmerfelder geworden. Dunkel aber sind die Absichten der englischen Führer geblieben. Will man abwarten, bis die flandrischen Arnieen durchgebrochen sind und siegreich mmon Norden einschwenken, um dann längs der Küste mit vor,wol eilen und sich auf dem Marktplatz von Brügge die Hand zu reichen, oder wird die selbständige Schlacht am Seegesiade, im Bund mit der Flvttenartillcrie, ernsthaft erwogen und vor bereitet? Der schmale Streifen erscheint zu eng für einen großen Stoß. Auf 3 Kilometer Breite sann man wohl eine Division zum Angriff aufbauen, vielleicht eine weitere zum Nachstößen bereit stellen größere Truvpenmassie- rung verbietet jedoch die Enge des Raumes. Und die
um den
Hausschlachtung; im übrigen wirb »as für den eigenen Verbrauch überwiesene Fleisch aus Notschlachtungen auf die Fleischkarten »oll a«gerech«et.
Wird »ie Ueberweisung von Notschlachtungen beantragt, s» ist entsprechen» ben An»rdnungen für »ie Hausschlachtung zu »erfahren, ». h. »er v»rgeschriebene Antrag ist vorzulegen zugleich mit dem Vermerk des Fleischbeschauers über das Schlachtgewicht und bet Bescheinigung, daß es sich um eine Notschlachtung handelt. Die Vorlage des AntragS ersetzt die Not- schlachtungsanzeige.
Der Barsitzende des KreiSausschusseS.
I. F. No. 2289. I. B.:
v. Hedemann, Reg.-Affessor.
Hersfeld, den 5. Oktober 1917.
An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher »es Kreises.
Infolge des Arbeitermanzels und bei gesteigerten Nutzholzeinschlages zur Lieferung für Heereszwecke sind die Staatsreviere nicht in »er Lage, mit ihren Arbeitskräften ben Loosholzeinschlag zu bewältigen. Die Gemeinden werden daher daS Loosholz in größerem Umfange selbst werben müssen, »a ihnen keine nennenswerte durch Sie Forstverwaltung geworbene Holzmenge abgegeben werben kann. Sie wollen deshalb Ihr Augenmerk darauf richten, daß alle in den Wintermonaten in der Landwirtschaft freiwerdende Kräfte der Forstwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Es sind dies in erster Linie die Heerespflichtigen zurückgestellten Landleute, Sie nach Rs. 566 vom 1. September 1917 »es Kriegs-Korps-Ber- »rsnungsblattes für »en Bereich bei ftellv. 11. Armeekorps zur Mitarbeit in der Forstwirtschaft verpflichtet sin». Dann aber kommen auch ältere Leute über 45 Jahre, die nicht mehr wehrpflichtig sind, in Betracht. Gerade diese versuchen unter dem Borgeben, daß landwirtschaftliche Arbeit eine Beschäftigung im Sinne bei Gesetzes über den vaterländischen HilfSSieust sei, sich einer Ueberweisung zu ber dringlichen notwendigen Arbeit in den Forsten zu entziehen. Die Regierung hat hie unterstellten Oberfürstx 7 angewiesen, auch alle in der Landwirtschaft in ben «intermonaren nicht unbedingt nötigen älteren Leute auf Grund bei Gesetzes über ben vaterländischen Hilfsdienst zur Waldarbeit tunlichst an 4 Tagen in bet Woche hinterein- nander heran,»ziehe« unb »erartige Anträge bei »er zustän»igen KriegSamtstelle zu stellen. Ich ersuche Sie, Sie Oberförster bei diesem Vorhaben in jeder Weise zu unterstützen.
Gleichfalls wollen Sie tarauf bedacht fein, daß kein überflüssiger Kriegsgefangener in ben Wintermonaten von einem Landwirt festgehalten wirb. Diese sind eS vielfach von FriedenSzeiten her gewöhnt, einen Arbeiter, selbst wenn er zeitweise nicht voll beschäftigt wird, auf dem Hofe zu haben; so wird auch jetzt aus verschiedenen Gründen die Abgabe der freiwerdenden Kriegsgefangenen mitunter verabsäumt. In solchen Fällen wollen Sie eingreifen unb unbedingt dafür Sorge tragen, »aß bie in bet Lan»wirt- schaft frei werdenden Gefangenen in den Wintermonaten der Forstwirtschaft entweder vollständig ober doch an den zum Betriebe bet Landwirtschaft nicht erforderlichen Tagen zur Verfügung gestellt werben. Evtl. ist an mich zu berichten.
Auch Frauen können sich bei der Holzarbeit be» tätigen; nur wenn alle Kräfte zur Verfügung stehen, können Staats-, Gemeinde- und Privat-Forstverwalt- ungen ben an sie gestellten Anforderungen bezüglich
Monitore haben Angst vor den bemühen Stranovatte- rien, meinen englische Gefangene. Aber ruckweise in kleinen Stößen Boden gewinnen und dann jenserts Westende im Rücken des Sumrslandes sich nach Osten ins Landinnere verbreitern, schwere weittragende Bat-
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t Ufern l Wir
ins Landinnere verbreitern, schwere weittrag« terien so allmählich in Reichweite gegen Blende vorschieben, das erschien aussichtsvoll. Bor dem 10. Juli!
Am 15. Juli in der Frühe richteten sich die tapferen Seesoldaten, die Kämpfer oder Nachfolger der Kämpfer in China, in Südwest und an der Somme m den Gräben zwischen dem Strand und der Straße Lombartzyde—Nieuport zum Angriff ein. Trotz dem böigen Wetter beobachteten Fesselbavvnc und mehr als hundert Flieger die Lage des Feuers. Schlag auf Schlaa wurden die Gesechtsstände, die Beobachtungsstellen und Reservenester zerstört. Um acht Uhr tracht die erste äferßrücfe nördlich Nieuport zusammen, um nenn Uhr flattert ein großes Munitionslager von Groeneudtjk in die Luft, von elf Uhr ab hämmert die ganze deutsch- Artillerie auf die Jnfankrtestellungn auf beiden Ufo der User. Jetzt bekommt der Engländer Wind. Wir hatten am Abend zuvor eine starke Patrouille hei Sir« nmiden losgelösten: das hat ihn vielleicht irregeführt. Seine Batterien scheinen zunächst wie ausgestorben. Erst aecum Mittag erspähen Flieger, wie der Feind Kolonnen von Truppen und Lastkraftwagen eilt« her- anführt. Um zwei Uhr klatscht mattes Sperrfeuer aus den Groenendijker Batterien in unsere Stellung, die werden schleunigst noch einmal zugedeckt. Während der Feiierpaufen herrscht unheimliche Sttlle über dem Schlachtfeld, nur die Flugzeugmotoren brunmren in der Luft. „Nasborndüne und Pyaredttne haben noch nichts abbekommen", melden die Flieger, sogleich brüllen unsere Steilfenerbairbitzen los. Um fünf Uhr ist auch die mittlere Aserbrücke zerstört, abends alle.
Punkt acht Uhr abends, nachdem Minenwerfer und Flammenwerfer der englischen Infanterie den letzten Aerverlsioß versetzt haben, dreien in den Dünen, im
des Holzeinschlages gerecht werden.
Ferner «olle« Sie »«hin wirke«, »«ß in te« Gemeinde- u. s. w. Hit6 Privatwaldungen d«s Bre««- holz vorwiegen» freihändig, tunlichst zur SelsstwerSuug, «n Gemrin-emitglieder ober Einzelpersonen «bge- gehen wir» un» »aß ungesunde Preistreiberei unterbleibt. Für die St««tsreviere ist ein Erlaß vom 26. Juni 1917 in. 4423, Allgeweine Beifügung UV88 1917, der auch im Ministerialblatt« veröffentlich ist, ergangen, durch den die freihändige Abgabe von Nutzholz an Sägewerke, die Heereslieferungen haben, zu «nge- messenen Preisen angeordnet wird. Da der StaatS- wal» den Bedarf allein nicht decken kann, so ersuche ich Ihren Einfluß zur Geltung zu bringen, daß auch von Gemeinde», Anstalt-- und Privatwaldungen Nutzholz freihändig zu angemessenen Preisen abgegeben wird. Die Staatsoberförster sind angewiesen, sie Preise, die für freihändig abgegebenes Nutz- und Brennholz gefordert werden, auf Anfrage mit. zuteilen.
Der Lorfitzende des Kreisaussch«fl«S.
I. A. Nr. 9889- I. B. :
v. Hedemann, Reg.-Afsessor.
Bekanntmachung
über Höchstpreise für Zement.
Auf Grund des $ 1 der »unöesratsverorsnung vom 25. Januar 1917 (RGBl. 6. 74) wirb bestimmt:
Die vom Reichskanzler (Reichsstelle für Zement) für »ie Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1917 festgesetzten KriegsteuerungSzulagen für Zementlieferungen werden vom 1. Oktober bis 81. Dezember 1917 um den Betrag von 85,— M. erhöht.
Es werden also für Zementlieferungen in »er Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1917 die Grenz- preise für 10 t Zement, ab Werk ohne Verpackung, wie folgt, festgesetzt:
a. Für den Rheinisch-Westfälischen Zement-Verband einschl. der Berkaufsvereinigung Rheinischer Hochofen- Zementwerke:
1) Staatspreis (Front, Militär- h. Zivilbaubehörden auf 400 u. 180 N. 85 = 695, - M.
.^ L) Listenpreis auf -^vt, 175 u. 85 -= 690, — M.
b) Für den Süddeutfchen Zement-Berban» :
1) Staatspreis (Front, Militär- «. Zivilbaubehör»««) auf 400 u. 180 u. 85 = 165, - M.
2) Listenpreis auf 470 u. 180 u. 85 = 735, — M.
c) Für »e« Norddeutschen Ze«e«t-Berban» :
1) StaatspreiS (Front, Militär u. Zivilbaudehdrden) auf 400 u. 180 u. 85 = 665, — M.
2) Listenpreis auf 465 u. 185 u. 85 = 735, — M. Berlin SW. 48, den 1. Oktober 1917.
Der ReichSkommissar für Zement. Germelm«»«.
Bus der Heimat.
m HerSfel», 17. Oktober. Bet Friedensschluß wirb die Heeresverwaltung voraussichtlich in >" Lasset», aus ihren Beständen Materialien allerArt: Pser»e, Fuhrwerke, Geschirre, Geräte usw. käuflich abzuseben. Um Interessenten »ie Zahlun« zu erleichtern, ist in AuSsicht genommen, auf Wunsch der Käufer -ie Be- rahluna durch Eingabe von Schuldverichreidunse« und Schatzanweisungen bei verschiedenen deutsche« KriesSanleihen zuzulassen. Ob die Kriessanleihe zu« Nennwert ober zum Ausgadekurs dabei verrechnet werden wirb, wird seinerzeit zu entscheiden sein.
Polder und bet Lombartzyde die Marlnemfanteriste« zum Sturm vor. Das deutsche Arttlleriefeuer springt von fünf zu fünf Mimrten pünktlich wie der Uhrzeiger ein Stück vorwärts bis an das Ufer -er Yser, wo es als Rückzugsperre stehen bleibt. „Die erste Welle muß den feindlichen Graben in dem Augenblick erreichen, wr das Feuer von diesem absprinat", lautet der Befehl, und eS geschieht wirklich, so daß Die in ihren Betonhöhlen überraschten Tonnnies gefangen sind, ehe ihnen der Slir griff dämmert. Ihre noch unterm frischen Schrecken bei fürchterlichen Feuerwirkung gestammelten Aussage» drücken eine dem britischen L>tolz mühsam abzuringende Bewunderunq für das Punktschietze« der deutschen Artillerie und den unerhört plötzlichen Ansturm -er Infanterie an den Ferien des zermalmenden Feuers aus. Binnen zwanzig Mirmten sind drei englische Gräben genommen, in den Dünen wird der Jnfanteriestiefcl durch den Sand gehemmt, aber um neun Uhr sann die Brigade melden: Alles erreicht. Die User an Stellen 300 Meter breit und unüberschreiibar, die Brücke» geborsten, ein Brennzünderriegel über dem Strom verhindert die Kampftruppe an der Flucht, die Reserven am jenseitigen Ufer am Eingreifen. Rettungslos fällt der Rest der Besatzung in Gefangenschaft. 31 Ofst- ziere, 1253 Mann und reiche Beute werden von den Seesoldaten abbefördert. Die meisten sind entsetzt oder betäubt, manche scheinen irrsinnig geworden, lachen blöde ober schmeißen sich einfach auf den Boden. Errrst- hafter Widerstand wird selten geleistet. .Eincaen Ve- berzten Offizieren und Leuten gelingt es, über die Äser zu schwimmen, um dem englischen General von dem Schicksal seiner Truppen zu erzählen. Der wagt „keinen Gegenangriff während der Nacht. Am 11. rächt er sich, indem er unsere alten Stellungen mit schwersten Kalibern bearbeiten läßt. Seitdem hat die Artillerieschlacht am Meere nicht aufgehört. Der Engländer weiß, was er verloren bat.