Herssel-er Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
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N^AE ' '**' °°ML-^» Donnerstag, den 4. Oktober 1917
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- ^ » «^
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ^ttSItlSBt Hersfeld. MrUlje Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 29 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Amtlicher Teil.
Dachfrag
Nr. Me. 1700 8. 17 K. R. A. oom 2. ßttober 1917.
Nachstehende Nachtrsgs-Bekanntmachungen werden zufolge Ersuchens des Königlichen Kriegsministeriums auf Grund der Bekanntmachung über die Srcher- stellung von Kriessbedarf in der Fassung vom' 26. April 1917 (Reich-Gesetzbl. ®. §76) hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht.
A» Betr. EinTichtungsgegsnftäNde
Z» der Bekanntmachung Nr. Mc. 1/8. 17 K. R.A. vom
20. Juni 1917, betreffend Beschlagnahme und freiwillige Ablieferung von Einrichinngsgegenständen aus Kupfer und Kupferlegierungen fMefling, Rotguß,
Tombak, Bronze).
Mit Beginn des 2. Oktober 1917 erhält § 7 6er Bekanntmachung folgende Fassung: Freiwillige Ablieferung der 6
freiwillige Ablieferung der beschlagnahmten Gegenstände und Uebernahmepreise.
Die beschlagnahmten Gegenstände und andere ähnlicher Art, soweit sie nicht zur gewerbsmäßigen Veräußerung oder Verarbeitung bestimmt sind können bis auf weiteres gemäß den Ausführungsbestimmungen der zuständigen beauftragten Behörde freiwillig zu den nachstehend genannten Uebernahmepreisen an die Lammelstellen abgeliefert werden.
Die von den beauftragten Behörden zu zahlenden
Zapaus Aufschwung.
Von allen kriegführenden Großmächten ist Japans Eingreifen an den Fronten bisher am wenigsten sichtbar geworden. Die unrühmliche Episode von Tsingtau, die Mitwirkung japanischer Arttllerie in den Brussilow- Schlachten des Jahres 1916 ist eigentlich alles, was von der Kriegführung der gelben Großmacht bekannt geworden ist. Um so bedeutender war die mittelbare Unterstützung seiner Verbündeten mit Geschützen, Gewehren, Munition, Ausrüstungsgegenständen. Dieses Ver- schontbleiben Japans von den unmittelbaren Wirkungen des Krieges, den Menschen- und Kapitalverlusten, hat Sie innere Festigkeit des Staates und das Wachstum seiner Volkswirtschaft in erheblichem Maße gefördert. Die japanische Regierung erntet jetzt überreiche Früchte für Sie großen Opfer, die sie in den letzten Jahrzehnten für volkswirtschaftliche Zwecke gebracht hat.
Japan war bisher ein kapitalarmes Land: der Staat hatte Mühe, auf dem Steuerwege die Gelder auf- zubringen, die YOcte ein wachsender Grotzstaat braucht. Dennoch sind in keinem Lande Industrie, Handel, Schiffahrt in solchem Umfang von der Regierung unterstützt worden. Die Regierung regte an und beteiligte sich an Neugründungen, garantierte Verzinsungen, warf Summen aus für das Studium neuer Entwicklungsmöglichkeiten. Aber bis zum Kriege blieben Handels- wie Zahlungsbilanz stark passiv. Heute ist die Handelsbilanz um einige hundert Millionen aktiv, die Menge der Ausfuhr ist stark gestiegen, rwch viel gewaltiger ihr Wert.
Das alles gründet sich nicht auf bloße Kriegslieferungen im engeren Sinne. Der Munitwns- und Ge- schützbedarf, den Japan aus natürlichen Gründen — knappe Erz- und Kohlenlager — herstellen kann, ist nicht überwältigend. Am wichtigsten ist die Entwicklung der Industrien von Fertigfabrikaten, wie Textil- und Lederindustrie. Sicherlich liefern auch .diese während des Krieges die größte Menge ihrer Favrlkate.au die Kriegführenden. . So hat z. B. Rumänien einmal .500 000 Militärstiefel in Japan gekauft. Diese Industrien, die sich fortwährend vermehren, unerhörte Dividenden nus- schütten, sich kartellieren und fusionieren, werden sich auch im Frieden behaupten. Es ist selbstverständlich, daß die.finanziell so sehr gestärkte Regierung ihnen dabei helfen wird. Den ganzen Osten Asiens sehen sie als ihr natürliches Absatzgebiet an. Wir sollten, so führt Sie „Post" aus, den Knegszustand mit Ebina nicht so gleichgültig hinnehmen, denn wir werden dort nach dem Kriege mit den allergrößten Schwierigkeiten kampfen müssen. Aber auch unsere jetzigen Feinde werden sich gegen den japanischen Wettbewerb nur schwach behaupten können. M. .
Den größten Aufschwung wahrend des Krieges hat wohl die japanische Schiffahrt genommen, nachdem die europäische Konkurrenz im fernen Osten fast ganz weg- gesallen ist. Und die Japaner verstehen sich zu hüten, ihre Schiffe in größerer Zahl nach den Gefahrzonen der U-Boote zu bringenI So konnte eine der größten Schm- fahrtsgesellschaften, neben einer erheblichen Dividende, aus eigenem Gewinn ihr Kapital auf das Doppelte erhöhen. Diese Schiffahrtsgesellschaften sind es wiederum, die mit politischer Hilfe China, Korea, die Mandschurei „aufschließen", Häfen ausbauen, Bahnen erwerben und bauen, Bergwerke in Betrieb setzen. Auf diese Weise bereiten sie den anderer; Gewerben ihrer Heimat die Wege. So konnte das kapitalarme Japan in diesem
Uebernahmepreis für 1 kg
Kupfer
Mark
Kupferlegierungen
Mark
Gruppe A
5,00
4,00
Gruppe B
5,75
4,75
Gruppe C
6,50
5,50
Hierzu wird ein Zuschlag von 1 Mark für 1 kg gemährt, wenn die freiwillige Ablieferung bis znm 31. Oktober 1917 erfolgt.
Die Beratungs- und Sammelstellen des Kommunalverbandes erteilen Auskunft hinsichtlich der Ablieferung von Gegenständen ans Kupfer und Kupferlegierungen.
Etwa an Gegenständen haftende, nicht aus Kupfer oder Kupferlegierungen bestehende Teile sind soweit als irgend möglich vor der Ablieferung zu entfernen. Das Gewicht der Beschlagteile, die sich nicht vorher entfernen lassen, wird geschätzt und vom Gesamtgewicht des Gegenstandes abgesetzt.
Die Uebernahmepreise enthalten den Gegenwert für die abgelieferten Gegenstände einschließlich aller mit der Ablieferung verbunden Leistungen.
1$. Betr. Dachkupfer und BNtzableiLsr.
Zu der Bekanntmachung Nr. M. 2001 17 K. R. A. vom 9. März 1917, betreffend Beschlagnahme, Meldepflicht, Enteignung und Ablieferung der bei öffentlichen und privaten Bauwerke« zu Blitzschutzanlagen «ud zur Bedachung verwendeten Kupfermeugen, einschließlich kupferner Dachrinnen, Abfallrohre, Fenster- und Gestmmsabdeckungen, sowie einschließlich der an ^ MickfchvIanlaHL«. l ^s.eidlichen Platinteile.
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Kriege bereits Geldgeber für Rußland und China werden, so wird es später für die Europäer zu einem recht gefährlichen Wettbewerber.
Mgreug und II-800L
Der Krieg, der von jeher die wichtigsten Anregungen auf dem Gebiete der Technik gegeben hat, bietet auch die beste Gelegenheit zu einer letzten und entscheidenden Probe inbezug auf die Richtigkeit der in Friedens- zeiten entwickelten Anschauungen über Sie Verwendung der verschiedenen Kriegswerkzeuge. Was die beiden Waffen der Neuzeit, das U-Boot und das Flugzeug, anbetrifft, so glaubten zahlreiche Theoretiker, sich viel von dem Zusammenwirken dieser beiden Kauwsmittel versprechen zu sollen, eine Erwartung, die sich bisher in nennenswertem Umfange nicht als berechtigt erwiesen hat. Eher hat die praktische Erfahrung denjenigen Recht gegeben, die in dem Flugzeug ein Mittel zur Bekämpfung der durch das U-Boot drohenden Gefahr sahen.
Wie in einer englischen Fachzeitschrift ausgeführt wird, ist das am Häufigsten in die Erscheinung tretende Anzeichen für die Anwesenheit eines U-Bootes die Fahrspur des Sehrohres. Von Bord eines Schiffes ist diese nicht leicht zu bemerken, wohl aber von einem Flugzeug aus, da der Flieger nicht durch die Lichtbrechung gestört wird, mit welcher beim Sehen von Bord aus zu rechnen ist. In einer Höhe von 300 bis 500 Meter mit einem Gesichtsfeld von mehreren Kilometern hebt sich die weißliche Fahrspur scharf gegen die dunkle Oberfläche des Wassers ab, selbst bei bewegter See. Bei klarem Wetter kann ein Flieger in dieser Höhe sogar das U-Boot in einer Tiefe von 30 Meter erkennen, bei weniger klarem Wetter, wenn das Wasser nicht so durchsichtig ist, immer noch in einer Tiefe von 6 bis 10 Meter. Die zunehmende Größe der U-Boote hat es ferner mit sich gebracht, daß sie sich nicht nur durch den Gegensatz an ihrer Umgebung im Wasser verraten, sondern auch durch ihr schaumiges Kiel- oder Schraubenwasser. Der Gedanke lag nahe, den U-Booten einen Anstrich zu geben, durch welchen sie sich ihrer Umgebung besser an- passen und dadurch weniger sichtbar werden, doch verspricht dieses Mittel nur Erfolg bei kleineren, für einen enavegrenzten Bezirk, etwa für die Küstenverteidigung bestimmten Booten, wogegen es bei größeren Booten, die auf weiter Fahrt verwendet werden und in den ver- fcbieöenften Gebieten kreuzen sollen, versagt. Um sich nicht durch die Fabrspur des Sehrohres vorzeitig zu verraten, sind die U-Boote selbstverständlich bestreb;, das Sehrohr möglichst wenig und dann nur bei möglichst geringer Fahrt zu gebrauchen.
Hat der Flieger verhältnismäßig gute Aussichten, ein U-Boot zu entdecken, und zwar um so bessere, je besser und klarer das Wetter ist, so entstellen ihm große Schwierigkeiten, sobald es gilt, das U-Boot anzugreifen. Zunächst ist er vor allen Dingen gar nicht imstande, zu unterscheiden, ob er Freund oder Feind vor sich hat, und er wird daher in den meisten Fällen von einem Angriff absehen, sich auf eine Meldung seiner Entdeckung beschränken und die näheren Feststellungen anderen Streitkräften überlassen müssen. Je schlechter und unsichtiger das Wetter ist, desto mehr sinken die Erfolgs- augfkbtcn des Seeflngzeuges, wogegen das U-Boot bei schlechtem und stürmischem Wetter einen, wenn auch nicht übermäßig gefährlichen, so doch nicht ganz harmlosen Gegner los wird und desto ungestörter seinem Bernichtimaswerk rmchqehen kann. (OKM.)
Mit Beginn des 2. Oktober 1917^ erhält:z^8 der Bekanntmachung folgende Fassung.^ s
I 8. : T
Uebernahmevreis.
Für Gruppe 1 bis 3 setzt sich der Uebernahmepreis zusammen aus:
a) dem MaterialpreiS für das Kupfer zum erhöhten Preise »0« 2,85 Mark für das Kilogramm,
b) den Kosten für die frühere Herstellung einschließlich Anbringung (ausschließlich Materialpreis),
c) den Kosten für die Abnahme des Kupfers,
d) den Kosten für etwa zur Abnahme erforderliche Rüstung.
Für Gruppe 4 beträgt der Uebernahmepreis 5,50 Mark für jedes Kilogramm abgelieferten Kupfers.
Für Platinteile beträgt der Uebernahmepreis 8 Mark für jedes Gramm abgelieferten reinen Platins.
Die Uebernahmepreise enthalten die Gegenwerte für die abgelieferten, in § 2 bezeichneten Gegenstände einschließlich aller mit der Ablieferung verbundenen Leistungen.
Die Preiserhöhungen haben rückwirkeude Kraft. Für alle auf Grund der Bekanntmachung Nr. M. 200/1. 17 K. R. A., also nach dem 9. März 1917 abgelieferten und nach den früheren Sätzen berechneten Mengen wird dem Ablieferer der Preisunterschied nachträglich vergütet und der Betrag ohne Aufforderung möglichst im Laufe des Monats November zugestellt werden.
Die Verwendung einer Rüstung bei Abnahme der Kupfermengen der Klassen 1, 2 und 3 muß nachgewiesen und begründet werden können. Im allgemeinen erscheint eine Rüstung bei Dachflächen von einer Neigung von 30° und darunter nicht erforderlich.
€. Betr. DeftMationsapparate
Zu der Bekanntmachung Nr. Mc. 100/2. 17. K. R. A.
(Fortsetzung auf d^r 4. Seite.)
Die schlechte englische Brate.
Unter den vielen Rezepten, die Herr LlooS George zur Bekämpfung der Ubootgefahr Sem englischen Bolke empfahl, spielte die Steigerung der englischen Anbaufläche keine geringe Rolle. Mit der ganzen Kraft feiner Beredsamkeit versuchte der Premierminister, dem englischen- Volke klar zu machen, daß hiervon Ser Sieg Englands nicht zum geringsten Teile abhinge. Unter dem Einfluß dieser Propaganda wurde die Umstellung Englands auf den Ackerbau mit großem Eifer betrieben. Die Großgrundbesitzer stellten ihr Werdeland, die Städte ihre Parks für den patriotisM» Zweck zur Verfügung. In einer Parlamentsreöe vom 14. August wies Lloyo George auf die Erfolge der englischen Bemühungen hin und berechnete die Steigerung der englischen Anbaufläche für das Jahr 1917 auf 1 Million Acres. Aus dieser Tatsache zog er den Schluß, daß Großbritannien, dessen landwirtschaftliche Erzeugung sich dadurch um 3 bis 4 Millionen Tonnen steigern würde, von der überseeischen Versorgung so gut wie unabhängig sein würde. Ein Sachverständiger hat aber die Behauptungen Ses englischen Prevüers ad absurdum geführt und die gewiß einwandfreie Quelle, das Acker- bauamt, hat nach einer in der „Times" veröffentlichten Statistik die Steigerung des anaufähigen Landes in den vereinigten Königreichen auf 347 000 Acres berechnet.
Diese Zahlen verdunkeln die Schönfärbereien LloyS Georges um ein Beträchtliches. Aber auch dieser ge- rinae Vorteil der englischen Anstrengmrgen ist dadurch zunichte gemacht worden, daß die englische Ernte autzer- orderrtlich schlecht zu werden verspricht. Die „Daily Mail" nennt das Ergebnis für 1917 das schlechteste in der Geschichte Englands. Die Frühernte ist durch Regen und Stürme fast völlig vernichtet worden. Das in Garben auf dem Felde stehende Getreide konnte aus Piangel an Arbeitskräften nicht rechtzeitig eingebracht werden und hat schweren Schaden erlitten. Im Süden und Südwesten Englands beträgt nach Berichten von Sachverständigen der NUnöerertrag der Weizenernte 8 bis 9 Bushels für den Acre gegen das Vorjahr. Ebenso ist die Kartoffelernte um ein Beträchtliches geringer als 1916, da die andauernde Nüsse den Keim zu der fast überall im Lande austretenden Kartoffelkrankheit gelegt hat.
Die Sorgen der englischen Oefferftlichkeit machen sich bereits in der englischen Presse bemerfbar, die dringend nach Rationierung der wichtigen LEensimttel ruft. Einen etwas schwachen Trost hat die „Times entdeckt, sie weist auf die gute kanadische und wäre konische Ernte hin. Gerade dadurch aber läßt sich die Grope der englischen Verlegenheit ermessen, denn durch die Erhöhung der eigenen landwirtschaftlichen Prvöiiktivn wollte England sich ja eben von der bedrohten überseesichen Zrmhr unabhängig machen.
Der schlechte Ausfall der englischen Ernte trifft England gerade in diesem Stadium des Krieges schwer, ja vctbängnidvon. Bei dem Mangel an Schiffsraum und unter dem Druck des U-Bootkrieges wird die Le- bcnSmittelveilorguna Englands zu einem kaum lösbaren Problem. Die Widerstandsfähigkeit Englands wird dadurch nicht unwesentlich gehemmt, und es ist keineswegs muvahrscheinlich, daß Grvtzbrktarmten im vierten Kriegsjahr die Folgen einer Hungerblockade am eigenen Leibe zn svüren bekomurt.