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Herssel-er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- fi.v^U^« zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei JjBlSItlOBl Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

»-x . n Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 234.

Jetziger Bezugspreis vierteljährlich 1.80 MK.

Dienstag, den 25. September

1917

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 19. September 1917.

An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises».

Mit Bezug auf die heutige mündliche Besprechung in der Bürgermeisterversammlung ersuche ich wir die Zahl:

a. der Butterversorgungsberechtigten

b. der Vollmilchversorgungsberechtigten erneut bis spätestens zum 1. k. Mts. mitzuteilen.

Ich weise nochmals besonders darauf hin, daß als Butterversorgungsberechtigte nur diejenigen Personen in Frage kommen, die nicht selbst Erzeuger in Kuh­milch sind. Als vollmilchversorgungsbereHtigt gelten die Kinder bis zum 10. Jahr, schwangere Frauen, stillende Mütter und Kranke (vergl. Anordnung des Kreisausschusses vom 14. Mai 1917 Kreisblatt No. 117). Der Termin ist genau einzuhalten, da ich dem Herrn Regierungspräsidenten zu berichten habe.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

J. A. No. 9009 ii. J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Bus der Heimat.

* Unsere Kriegsanleihen sind Vaterlands» dienst. In einer Rede, die der Präsident der Reichs­bank Hafenstein in Frankfurt a. M. hielt, führte er aus: Unsere Kriegsanleihen sind Vaterlandsdienst ge­worden und bis tief in die kleinsten Sparerkreise hinein lebt heute das Gefühl: Kriegsanleihe zeichnen ist die allgemeine Wehrpflicht der Daheimgebliebenen. Die siebente Kriegsanleihe ist hoffentlich die letzte, die den Kriegszwecken dient und die schon die Wege zum Frieden ebnet, denn wir stehen im Endkampf. Auf die Frage, wie man die Betriebsgelder für die Zeit nach dem Kriege, die man zur Wiederaufnahme der Friedensarbeit braucht, wieder flüssig machen könne, erklärte Hafenstein: Es sind Maßnahmen ins Auge gefaßt, die nach menschlicher Annahme ausreichend sein werden, um auch sehr große, auch nach Milliarden zählende Verkaufsanträge anzunehmen. Dieses Ziel

M»S»>sche Tageb«chbM!er.

Kürzlich aufgefundene Tagebuchblätter eines rumä­nischen Offiziers, die in ihrer Art typisch für den genügen und moralischen Tiefstand des rumänischen Volkes und sogar feiner Führer sind, geben uns erneut Gelegenheit, festzustellen, welche Propagandamittel unsere Femde zur Stimmungsmache in ihren Heeren verwenden, und wie sich, in ihrer hoffnungslosen Lage, Offtäter und Mann auch an die irrsinnigste Lüge wie an den rettenden Stroh­

halm klammern.

Unter dem 1. April 1917 verzeichnet der rumänische Offizier in seinem Tagebuch:Es geht ein Gerücht, der deutsche Kaiser wäre ermordet. Die Türken wollen nicht mehr kämpferi. Der Sultan hat einen Erlaß herau»- gegeben, durch den er seine gesamten, an fremden Fron­ten kämpfendew Armeen zurückruft, zur Verteidigung Konstantinopels. Aus Deutschland können keine Funk- sprüche ausgenommen werden: man vermutet, daß erne schwere Revolution wütet. Der Kronprinz befindet sich im Irrenhause."

Man könnte glauben, daß diese Aufzeichnung aus den ersten Tagen des Krieges stannnte, wo unter dem Druck der einsetzenden Kriegspsychose die größten Ver­rücktheiten gläubig ausgenommen wurden. Aber, wohl- gemerkt, die Notiz stammt aus dem Jahre 1917!

Unter dem 14. April 1917 heißt es dann weiter: In Deutschland große Revolution: Hamburg, Stratz- -bura und Kiel stehen in Flammen. Dre Türken be­sänftigt (st die Revolutionäre. Große Niedergeschla­genheit Das erhitzte Volk ist verrückt geworden."

Am 21 April 1917 schreibt der rumänische Offizier als das wichtigste Ereignis des Tages in fern Büchlein: Der rumänischen Zivilbevölkerung werden vom Feinde gewaltsam Syphilis-, Gift- und andere Vazillen (!) ein- geimpft." AM 21. Juli 1917 weiß der Tagebucksichreiver noch von dersich in Köln mehr und mehr ausbreiten- 6m SXftSffi«» «etWe». Me M» -u. manische Heer durchstiegen, als Ursprungvguelle eine aeschüitstüLtiae Propaganda zugrunde, die man schwer­lich mit M recht bei den englisch-französischen Verbün­deten suchen dürfte. Diese vielbewährten Meisterin der Lüge und Verleumdung, die&VSn^^ Ä^^^

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Nrku'ng haben. Also zögert man nicht, durch derartige Machenschaften deu. durch-Macken- sens Siegerzug zerschmetterten Angriffsgerst^dei rumä­nischen Armee und ihre durch die Umwälzung w Ru^ land angekränkelte Stinmmna su heben. Daß aber auch Offiziere den plunwesten Liigenschwindel glanbig hin- nehmen, ist ein kennzeichnender Beweis für die Minder­wertigkeit rumänischen Offiziersmatertals.

kunde sich sel Analphabeten

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wird, wie ich hoffe, die Reichsbank zusammen mit der gesamten Bankwelt erreichen. Auch hier sollen die Darlehnskassen, die ja überhaupt erst nach dem Kriege ihre volle Bedeutung erhalten, zur Lösung der Auf­gabe herangezogen werden.

* (Herabsetzung der Kartoffelhöchstpreise) Die Provinzialkartoffelstelle hat den Erzeugerhöchst­preis für Spätkartoffeln von 5,50 Mk auf 5 Mk. für den Zentner herabgesetzt. Hierzu kommen die von der Reichskartoffelstelle festgesetzten Zuschläge, nämlich die Schnelligkeitsprämie mit 50 Pf. für den Zentner und die Kilometergelder mit je 5 Pf. für den Kilo­meter und Zentner.

):( Hersscld, 24. September. Der Magistrat hat sich in seiner letzten Sitzung mit der Einführung der durchgehenden Arbeitszeit im Interesse der Ersparnis an Heizung und Licht befaßt. Es wurde beschlossen vom 1. November ab für die städtischen D i e n st st e l le n die Mittagspause fort­fallen zu lassen, sodaß der Schluß der Dienststunden in den Nachmtttagsstunden vor Beginn der Dunkel­heit erfolgt. Wetter wurde beschlossen, den Ladenin­habern eine Vereinbarung dahin nahe zu legen, daß sie die Geschäfte um 5 Uhr nachmittags schließen, vielleicht mit der Einschränkung, daß Sonnabends bis 7 Uhr offen gehalten werben darf.

):( Hersfeld, 24. September. (Zirkus Pierre Althoff.) In den nächsten Tagen gibt der bestens bekannte Zirkus Althoff in Hersfeld, auf dem Markt­plätze einige Vorstellungen. Schon heute oder morgen werden seine Zelte aus Hanau, wo er zuletzt spielte, mit Sonderzug eintreffen. Dieses Zirkusunternehmen gehört zu den bestrenommiertesten Deutschlands, seine. Leistungen auf dem Gebiete der Zirkuskünste, Pserde- dressur sind ganz hervorragende und allgemein aner­kannt. Am Freitag Abend 8 Uhr ist die Eröffnungs­vorstellung, auf die wir an dieser Stelle Hinweisen. Was das Programm bietet, ist aus den Inseraten und Plakaten ersichtlich. ^

Widdershausen, 21. September. Heute wurde ein Patenkind bef Kaisers in der hiesigen Kirche getauft. Er ist der 7; Sohn des hiesigen Bergmannes Johs. Friedrich Schäfer. Dem jungen Weltbürger wurde ein kaiserliches Patengeschenk zuteil.

Jedoch auch in anderer Beziehung sind die Aufzeich­nungen des genannten Offiziers sehr interessant. Unter dem 28. April 1917 heißt es darin:Die Russen machen große Kundgebungen in Jassy. Sie wollen nicht mehr kümpfen. Es sollen von der Front über 200 000 Russen desertiert sein. Die rumänische Militärbehörde bat von der russischen provisorischen Regierung die Ermächtigung erhalten, die Deserteure von der Front zu erschießen?

Am 30. April 1917 stellt der Offizier fest:Es be­steht eine außerordentliche Spannung zwischen den freut« zösischen und russischen Offizieren." Die Freude an den russischen Verbündeten scheint im Laufe des Sommers immer mehr getrübt worden zu sein. Am 21. Juli stellt der Tagebuchschreiber die schriftliche Tatsache fest, daßdie Frauen und Töchter der Flüchtlinge aus der Walachei sämtlich von den Aerzten schwer geschlechtskrasik befun­den wurden." Er bemerkte dazu lakonisch:Die Rus­sen haben lange genug in unserem Lande'gelebt."

Selbst bei dem Kultur- und Bildungstiefstand des rumänischen Volkes scheint es auf die Dauer doch un­möglich zu fein, die Wirkungen derartiger Feststellungen auf die breiten Massen der Kämpfer wie der Daheim- gebliebenen durch freche Lügen über Deutschland und die Mittelmächte wieder wettzumachen. Das getäuschte Volk, das unnütz geopferte Heer, die den viehischen Begier­den einer verseuchten russischen Soldateska preisgege- bene, von Haus und Hof vertriebene Masse werden einst von ihren Machthabern furchtbare Rechenschaft fordern.

Lchlschiffe Wer England.

Mit westlichem Kurs fliegen sechs Zeppeline über die Nordsee. Unablässig westwärts, gen England! In wilden Umdrehungen rattern die Motore, wirbeln die Schrauben durch die Luft. Aber sanft gleiten die gewal­tigen Segler der Lüfte durch den klaren Aether. West­wärts, gen England! Weit hinten verschwinden die letz­ten deutschen Vorpostenschiffe, und im Süden grüßt in schwachem, braunroten Schimmer das deutsche Land her­über, blinkt der helle Streifen des sandigen Streifens unserer Küste. Weit, unabsehbar weit liegt die dun­kelgrüne Nordsee, träumt das deutsche Meer wie ein ungeheurer dunkler Teppich, auf dem die eingewebten helleuchtenden Muster von blitzenden, perlenden Schaumkronen dargestellt werden. Fast 50 Meilen weit reicht der Blick, ab und zu taucht in dem abwechselnngs- losen Bild das Helle braune Segel eines einsamen Fi- scherfahrzenges auf, oder zieht im Norden die schwache Rauchfahne eines nordischen Danwfers ihre Bahn. Der Abend naht. Das belle Bild der See beginnt zu ver­blassen, und am wellen Firmament funkeln die ersten schwachen Himmelslichter. Unernrüdltch dröhnen, ras­seln und knattern die wackeren Motore, und in geradem Kurse fliegen die Luftschiffe in weitem Abstand ihrem Ziel entgegen, westwärts, gen England!

Vernunft Vorteil Vaterlandsliebe

gebieten Dir: Zeichne Kriegsanleihe!

Marburg, 22. September. Wegen Entwendung von Lebensmitteln hatte sich vor der Strafkammer ein bis -jetzt noch unbescholtener, sich des besten Rufes er­freuender Mann zu verantworten. Ihm wurde zur Last gelegt, im April mittelst Einsteigens und Er­brechens bei zwei Landwirtsfrauen Erbsen, Mehl und Kartoffeln entwendet zu haben. Der Angeklagte war geständig. Er gab an, in bitterer 3tot gehandelt zu haben; er wohnte mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Westfalen. Letztere seien infolge der un­genügenden Ernährung krank geworden, da sei ihm der Gedanke gekommen, einmal seine Heimat im Kreise Ziegenhain aufzusuchen. Der Staatsanwalt bean­tragte die mindest zulässige Strafe von 3 Monaten und 1 Woche Gefängnis. Das Gericht erkannte dem­gemäß.

Gießen, 22. September. Bor einigen Tagen traf ein hiesiger Schutzmann einen Bahnbeamten aus Frankfurt a. M. mit einer schweren Traglast. Der Schutzmann hielt den ihm verdächtig vorkommenden Mann an und verlangte Einsichtnahme der Traglast. Nach anfänglichem Zögern und der Erklärung, daß die Last Gemüse enthalte, stellte sich heraus, ^daß der Inhalt aus mehreren Speckseiten und fünf Kalbs­keulen bestand, die bei einem Metzger in Wieseß ge­kauft waren. Die Hamsterware wurde beschlagnahmt.

Eisenach, 22. September. Donnerstag morgen fand man auf den Gleisen am Güterbahnhof einen Soldaten, dem beide Beine abgefahren waren. Wahrscheinlich ist er aus einem kurz vorher durchgesahrenen Zug gestürzt. Der Verunglückte wurde ins Schwesterhaus gebracht, wo er seinen Verletzungen erlegen ist.

Thale, 20. September Der 17jährige Sohn und

Der Vater und die älteste Tochter sind mit dem Leben davongekommen. Ein zweiter Fall traf die Familie des Hüttenarbeiters Kamp, in der der Vater und die 28jährige Tochter gestorben sind. Die Mutter schwebt noch in Lebensgefahr.

Die faire Novembernacht hat ihre Herrschaft ang«. treten und in der hohen Luftschicht macht sich empfindlich« Kalte bemerkbar. Drunten, in dem tiefen, gähnenden Dunkel, blitzt jetzt häufiger ein Lichtlein auf, vermutlich der schwache Schein irgendeines Handelsfahrzeuges oder Fischerbootes. Die englische Küste nmß in ziemliche: Nahe sein. Da steigen plötzlich mehrere Raketen von der dunklen See empor, und ein schwacher Scheinwerfer tastet suchend nach oben durch die hohe Leere des Luft- raums. Man scheint die nahenden Luftschiffe bemerkt zu haben, und die Bewachungsfahrzeuge sollen durch dir Raketen alarmiert werden. Einige Schüsse blitzen auf von anderen weiter abstehenden Schiffen greifen die grellen Streifen der Scheinwerfer durch die Finsternis, doch ohne Erfolg, denn in schnellem Fluge wird die Küste überflogen, und hinein geht es ins Herz des feind­lichen Landes. Die vorher auf See klare Luft ist nun durch Wolkenbänke und Nebelschwaden verdrängt. Schnee- und Hagelböen pfeifen heran, und wie Millio­nen von Kieselsteinen prasselt der Hagel auf den brei­ten Rücken der Luftschiffe, die sich nun nach mehreren Richtungen auseinanderziehen. Durch eine Lücke zwi­schen dem verhüllenden Wolkenvorhang tauchen jetzt Lichter auf, feuersprühende Schornsteine, ahblasenoe Hochöfen. Dort unten arbeitet die Industrie unseres bestgehaßten Feindes, um Kriegsmaterial zur Vernich­tung deutscher Menschenleben herzustellen. Spreng- und Brandbomben sausen herunter! Hell spritzt das Feuer auf, wo sie ihr Ziel erreichen! Grünliche und rötliche Stichflammen zwischen wie Schlangenzungen aus dem Lichtermeer! Laute Detonationen ertönen. Ge­bäude stürzen zusammen, gewaltige Dampf- und Rauch­wolken steigen auf! In ein Flammenmeer sind einzelne Gebäude getaucht, und der helle Widerschein der Feuersbrunst erleuchtet die niedrigen Wolken.

Mit größter Beschleunigung sucht man dort unten die Lichter zu verlöschen, m die feindliche Abwehr tritt in Tätigkeit. Zu spät! Zwar wachsen mehrere blen­dende Strahlenbündel starker Scheinwerfer aus der dunklen Stadt empor, und aus den Feuerschlttnden feindlicher Batterien brüllt der englische Zorn über den kecken Einfall in das Herz derHeiligen Insel". Ver­geblich.

Unversehrt drehen die Luftschiffe auf Gegenkurs und wenden den Kurs heimwärts, nachdem noch die letz­ten Bomben auf die Batterien geworfen sind. Lange noch sieht man den Hellen Feuerschein brennender Fab- riken, hört noch mehrfach Detonationen, die wahrschein­lich von explodierender Munition herrühren. Schnell entschwindet die Miste, und frohen Herzens gebt es in schneller Fahrt ostwärts, der Heimat zu. Die drahtlose Meldung über den guten Erfolg der Unternehnmng knattert durch die Luft, und am nächsten Morgen landen die LustschMe wieder wohlbehalten im Hafen.