Die Engländer an der M rmMWe.
Vor einigen Monaten ließ die russische Regierung verkünden, daß die Murmanbahn vollendet miß in vollern Betriebe sei. Sie ist für das russische Reich insofern von großer Wichtigkeit, als sie den einzigen, fast eisfreien Hafen an der Murmm titste mit dem Innern Rußlands verbindet und so einen bedeutend kürzeren Weg als die transsibirische Ei envaln für die Zufuhr von Kriegs- und sonstigem OV rät bildet. Die Nachricht von der Vollendung der Bah-, stieß sofort in sachverständigen Kreisen auf ernste Weifet da es unmöglich erschien, ein solches Riesenwerk noch dazu während des Krieges, in der kurzen Zeit rou wenig mehr als zwei Jahren zu vollenden. W e begründet diese Zweifel waren, und wie die falsche N, Wicht nur zu dem Zweck in die Welt geschickt war, «K- Freund und Feind zu täuschen, erweist sich kmt. wo eine benannte russische Zeitung die Nachricht bringt, daß eine N uhprüsung des Baneu der Nd rumnbabu m w Vorsitz des Senators Davidow eingesetzt worden sei. Es stellt srch heraus, daß diese derart unsolide gebaut worden ist, daß sie nicht arbeiten kann und lediglich ein „Dekorationsstück" ist.
Diese Erkenntnis wird für die russischen Bundesbrüder, die Engländer, in gervisser Beziehung eine arge Täuschung bilden: denn eine ließe „Atrappe" samt nicht dazu dienen, ihre Handelsunternehmungen tm Innern Rußlands, für die Zeit nach dem Kriege, für die schon alle Vorbereitungen getroffen sind, zu unterstütze'.:. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, und so beeilten sich denn die Engländer sogleich nach Ans- 6iiKb der rw'ttchcn Revolution sich an strakaiim und kür den Haibei wich igen Punkten im russischen Norme -Z- -wetzen Da war es selbstverständlich, daß ihr Bttck j! erster Linie auf den Hafen Alcrandrowsk an der MnmnankiMe fiel in dem die Mu manbahn ihr Ende hübet So erschienen sie dort im zeitigen Früluahr mc- les Jahres und besetzten nicht nur Stadt und Hafen, sondern auch eine weite Strecke der Murmanbahn felbst.
Das besetzte Gebiet umfaßt ein paar tausend Quadratkilometer. In diesem Gebiete üben nun die Engländer eine äußerst strenge Aw stcht aus. Durch ihr be- kauntes schroffes, rücksichtsloses Auftreten haben sie ließ in kürzester Frist bei der einheimischen Bevölkerung,
die hauptsächlich aus Finnen besteht, äußerst verhaßt aemacßt. Das geht so weit, daß man ohne weiteres überzeugt ist, daß acht englische Offiziere, die von einer Erkundung niemals zurückkehrten, dem Hasse der Einwohner zum Opfer gefallen sind. Auch verschiedene Ex- plvsiouen, deren Entstehung niemals festgestellt werden konnte, sauten in den englischen Munitionslagern vor. Die Engländer treten vollständig als Herren dieses Gebietes auf und kümmern sich nicht im mindesten um die russischen Behörden. Polizei, Gendarmerie, Paßkontrolle, öffentliche Arbeiten, Hafen-, Zoll- nnd Eisenbahn- verwaltung, alles liegt in englischen Händen, und die Macht der Engländer wird von Tag zu Tag drückender, da sie sich in alle Angelegenheiten nttschen. Sie bestimmen darüber, wer in Alexandrowsk wohnen darf und wer nicht. Sogar Russen werden aus dieser doch immerhin noch russischen Stadt ausgewiesen. Trotz der strengen Bewachung ist es einer ganzen Anzahl deutscher und österreichischer Kriegsgefangener, dir beim Bahnbau beschäftigt waren, gelungen, zu fliehen. Neue Fluchtversuche kommen oft vor und gelingen auch oft.
Wer es noch immer nicht glaubt, daß die Engländer den Kriege lediglich zum Schutze der kleinen, schwachen Völker und zum Schutze der Kultur und Zivilisation führen, Satz sie also nur im fremden Interesse den Welt-
Ein Gefecht im Mlelmeer.
In einer lauen Mainacht wiegte sich eines unserer aroßen U-Boote auf den Fluten des Mittelmeeres, 15 Meilen vor der italienischen Küste. Ueber 30 000 Tonnen waren bereits während der nun zu Ende gehenden Fernfahrt versenkt worden. Knappheit an Oel- und Pro- vianivorräteu, starker Verbrauch der Torpedo- und Munitionsausrüstung zwangen aber zur Rückkehr nach dem Stützpunkt. Ein leichter Westwind fächelte milde Kühlung zu, und im Osten kündete ein fahler Schein die nahende Morgendämmerung. Da erschien im Süden ein abgeblendeter Dampfer. Tief beladen streßte er gen Norden und es wurde sofort beschlossen, die letzten Granaten gegen ihn zu verwenden. Untergetaucht wurde in d>c günstige Anariffsstellung gefahren und dann um 6 Uhr morgens auf ungefähr 500 Meter aufgetaucht und
das Feuer eröffnet, das von dem Dampfer kräftig erwidert wurde. Sein Geschütz schien sich überraschend schnell eingeschossen zu haben, denn kurz und weit, manchmal dicht beim Boote lagen die Einschläge und mehrere Spreng stücke gingen über Deck.
Inzwischen waren jedoch auch verschiedene Treffer auf dem Dampfer beobachtet worden. Trotzdem er immer noch mit voller Fahrt dem verfolgenden U-Boot zu entgehen suchte, begann er jetzt das Aussetzen der Rettungsboote vorzubereiten uud gab einem vorbeifahrenden spanischen Danrpfer Signale. Der Munitionsvorrat des N-Boots fing an, auf die Neige zu gehen, so daß das Feuer etwas verlangsamt werden mußte. Dafür lagen aber auch jetzt die Granaten fast alle deckend. Da krepierte um 8,20 eine besonders gutsitzende Granate auf der Kommandobrücke und richtete sofort so schwere Beschädigungen an, daß der Dampfer weiteren Widerstand aufgab. Er blies Dampf ab, stoppte und setzte seine Rettungsboote aus, von denen eins sogleich kenterte. Zahlreiche Neger und Chinesen trieben im Wasser. Von den übrigen drei Booten war nur eins ziemlich unbeschädigt, dre anderen zerschossen, daß sie bis zum Rande im Wasser lagen.
„U . .." ging an die Boote heran und nahm drei Mann, darunter den Geschützführer, gefangen. Nach Angabe der Leute hatte der Dampfer 20 Treffer erhalten, der Kapitän und vier Mann waren gefallen, zahlreiche Leute verwundet. Fast alle Treffer waren in Brücke und Maschinenraum gegangen. Der Dampfer hatte ungefähr 20 Schutz verfeuert, während das U-Boot weit weniger geantwortet Hatte, deren Erfolg um fo erfreulicher war. Handelte es sich doch um den englischen Dampfer „Caspian", 3606 Tonnen, mit 5400 Tonnen Salpeter von Antofogasta in Chile nach Savona be- stimmt. Er führte also eine Ladung, die zur Herstellung von italienischer Munition und Sprengkörpern dienen sollte. Durch einige Sprengpatronen wurde dann der zähe Engländer versenkt. Der Erfolg konnte die U-Boots-Besatzung um so freudiger stimmen, als am Tage vorher zwei von England nach Genua bestimmte Dampfer mit ungefähr 13 000 Tonnen Kohlen (260 000 Zentner) versenkt werden konnten, und dieser letzte Erfolg auf dem Heimweg einen schönen Schlußstein in dem glänzenden Versenkungsergebnis darstellte.
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