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liegenden Nerfchkell «M den nerMevenen fit Peters­burg erlassenen Proklamationen gehe deutlich hervor, daß der friedensfreundliche A.- und S.-Rat das eigent­liche Regierungsorgan sei und sich im Einvernehmen mit Kerenski der Heeresleitung bemächtige. Welchen Einfluß diese Machtstellung auf den Krieg haben werde, könne man sich denken.

Kornilow und 23 Generale und Offiziere verhaftet.

^ Amsterdam, 18. September. (T. U.) Reuter mel­det aus Petersburg: Kornilow und 23 Generäle und an­dere Offiziere wurden vom Generalstabschef Alexe jew in Mohilew halbwegs Petersvnrg-Kiew verhaftet. Sie wurden in einem Hotel untergebracht, das streng be­wacht wird. Das Verhör Kornilows wurde am Montag beendet. Der Exgeneralissimus schrieb selbst alle seine Erklärungen nieder. *

Kerenskis persönliche Sorgen.

Da auf Kerenski in der letzten Zeit Attentate ver­schiedenster Art verübt worden sind, wagt er es nicht mehr, sich öffentlich in Petersburg zu zeigen. Hieraus erklären sich auch die inzwischen als grundlos festge- stellten Gerüchte von seinem Tode. Nunmehr wird Ke­renski, wie lautB. L.-A." aus Haparanda gedrahtet wird, dauernden Aufenthalt im Hairptguartier nehmen, da er sich dort am sichersten fühlt.

Ein deutlicher Wink von der Seine.

Der ehemalige französische Blockadeunterstaatssek­retär Cochin richtet imPetit Parisien" eine sehr scharfe Erklärung gegen Rußland. Er versichert, es gäbe ei­gentlich kein europäisches Rußland mehr. Es gäbe nur einen Weg für Rußland, sich zu rehabilitieren, nämlich Deutschland aus Riga und Kurland zu verjagen. Da­für habe man ihm ja die Waffen geliefert. Die Kano­nen Kerenskis und Kornilows stammten von Creuzot und St. Chamond. Die Herren in Rußland sollten sie gefälligst endlich gegen die gemeinsamen Feinde ab­feuern.

Soldatenanfrnhr in Wivorg.

Nach einer Devesche aus Hclsingfors vom 17. Sep­tember kam es in Wiborq zu einem Soldatenaufruhr, bei dem 22 Offiziere getötet wurden. Sechs Offiziere sind verschwunden.

Englands beabsichtiget Einbruch über

Hokanb.

Die Unmöglichkeit der Durchbrechung uuserer Westfront.

Die Aussage eines gefangenen englischen Offiziers, daß ein Einbruch englischer Heereskörper nach Holland im nächsten Frühjahr nicht ausgeschlossen sei, beleuchtet die gesamte militärische und politische Lage an der eng­lischen Front blitzartig. England sieht immer klarer, daß eine Durchbrechung unserer Flandernfront völlig ausgeschlossen ist. Alle bisherigen ungeheuren Opfer der Engländer waren vergebens, denn die verhaßten U-Boot-Nester" können auf diese Weise nicht unschädlich gemacht werden. Eine Offensive zerschellte nach der an­deren, trotzdem nach menschlichem Ermessen die Aufbie- iung der englischen Machtmittel Hätte ausreichen müssen, um auch ein starkes Heer zu vernichten. Da die An­strengungen kaum noch überboten werden können, auf der anderen Seite aber dasgeschwächte und entmu­tigte" deutsche Heer noch sehr unangenehme Zeichen von Kraft und Mut gibt, so sieht sich England genötigt, zu anderen Mitteln seine Zuflucht zu nehmen, wenn es den Krieg mit Erfolg zu Ende führen will.

Was England von der Unverletzlichkeit neutraler

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sehen. Hier konnte man englischeAchtung vor den kleinen Völkern", die es so gern predigt, in Reinkultur studieren. Auch bei der Verletzung des Hoheitsrechtes neutraler Völker im Seekrieg hat England schon Er­kleckliches geleistet. So dürfen wir von der Rücksichts­losigkeit dieser Politik auch noch ganz andere Dinge er­warten. Immer versucht England noch, in Flandern unsere Front zu zernagen. Wie der jüngste Heeresbe­richt von neuen Artilleriekämpfen in Flandern zu mel­den weiß, so bringt fast täglich die Darstellung unserer Heeresleitung ähnliche Kunde. Es bleibt aber bei dem schon alt bewährten Mißerfolg gegenüber unseren Waf­fen. Ein Einbruch nach Holland und ein Vormarsch gegen unsere Front von dieser Stelle aus würde den Engländern die Möglichkeit geben, unseren Truppen in den Rücken zu kommen und somit vielleicht auf diese Weise den Erfolg gegen unsereU-Boot-Nester" zu er­zielen, den England angesichts der bedrohten Lage des englischen Marktes notwendig braucht. Für England ist die Bekämpfung der U-Bootgefahr, die der englrschen Bevölkerung mit Sicherheit den Atem raubt, eine Le­bensnotwendigkeit.

Gegenüber derartigen Fragen von Bedeutung küm­mert sich England nicht um das Recht der kleinen Völ­ker, zu deren Schutz es angeblich in den Krieg gezogen fein will. Aber es Hat wohl auch hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das holländische Volk hat schon mehrfach betont, daß es sich keinen Eingriff, in feine Rechte als neutrales Land gefallen« lassen wrrd. Vor allem ist die holländische Regierung darauf bedacht, die Schrecken des Krieges von dem Lande und Volke fern- zubalten. Die von England drohende Gefahr wurde schon vor mehr als Jahresfrist in Holland erkannt, wie man aus den aufgeregten Verhandlungen in Holland erkennen konnte. Noch heute sind diese Vorgänge in aller Erinnerung. Damals aber erfolgte von feiten Englands nichts, sei es, daß England wieder den Wolf im Schafspelz spielen wollte, sei es auch, daß England sich nicht stark genug für die Ausführung derartiger Pläne fühlte. Das muß aber England wissen, daß die Verhältnisse in Holland anders liegen, wie in dem ganz von der Seezufuhr abhängigen Griechenland. Wir wis­sen, daß alle dahinzielenden Pläne Englands seinen Erfolg haben werden, denn wir haben das feste Ver­trauen zu unserer Heeresleitung, daß sie auch dieser Gefahr mit demselben Erfolg zu begegnen wisten würde, mit dem sie bisher den ganzen Krieg geführt hat. Was itt Flandern Millionen und Abermillionen bester -Sol­daten und taufende von Geschützen nicht erreichten, das wird auch einer kleinen Expeditconsarmee auf dem Wege über einen neutralen Staat* nicht gelingen.

Holland bleibt wachsam.

Eine Ansprache des Ministerpräsidenten bei Eröffnung der Generalstaaten.

Der holländische Ministerpräsident eröffnete im Namen der Königin die Generalstaaten mit einer An­sprache, in der er sagte: Die AuSsichten für den kom­menden Winter sind wenig befriedigend. Die von ver- schiedenen Seiten ausgehenden Bestrebungen dem schrecklichen Bölkerkampfe ein Ende zu machen, die von unserer Nation mit marinem Interesse begrüßt wurden, haben das angestrebte Ziel noch nicht erreicht. Wir sind noch immer genötigt, uns inmitten von einander heftig bekäuipfeudM FehldM MMMaM«. «m MMM

DerkeWpgen unserer NeuiraUM avzuweyren. Die Versorgung unseres Volkes mit Lebensbedürfnissen und Rohstoffen für unsere Industrie wird immer schwieriger. Der Verkehr mit den Kolonien ist in zunehmendem Maße erschwert. Fiir die Einfuhr der indischen Pro­dukte fehlt es am nötigen Schiffsraum, und die Ein­fuhr von ausländischen Gütern kann nicht in ausrei­chendem Maße geschehen. Mehr als je ist das Zusam­menwirken aller ohne Unterschied von Klasse und Stand unentbehrlich, um uns angesichts der steigenden Not der Völker aufrechtzuerhalten.

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Jagdflieger Oberleutnant Wolfs gefallen.

Oberleutnant Curt Wolfs, zuletzt Führer der lauge Zeit von Richthofen geführten Jagdstaffel ist am 15. September gefallen, nachdem er zum Oberleutnant be­fördert worden war Oberleutnant Wolff, der 1895 als Sohn des Baurats Wolff in Greifswald geboren wur­de, war einer der jüngsten und erfolgreichsten Jagd­flieger.

Feindliche Flieger über Süddeutschland.

Unsere Gegner unternahmen am 16. September Bombenflüge gegen das süddeutsche Heimatgebiet. Es wurden angegriffen: Stuttgart, Tübingen, Freuden - stadt, Oberndorf, St. Jngbert. Saarbrücken und Kolmar. Bei Stuttgart wurde ein Soldat leicht verletzt. In Kal­mar und Freudenstadt entstand Gebäudeschaden. Alle übrigen Angriffe verursachten weder Verluste an To­ten oder Verwundeten noch Sachschaden. Drei der feindlichen Flugzeuge wurden innerhalb des Heunatge- bietes abgeschossen.

Ein englisch-holländisches Abkommen.

Die Versammlung der stiederländischen Bereini­gung der Reeder und der Fischereibetriebe. welche in Nmuiden stattfand, nahm lautFrkf. Zt." mit 145 gegen 38 Stimmen den bereits gemeldeten tw England vor­geschlagenen Vertrag an. Wie erinnerlich, dürfen nach diesem Vertrag bis zum 31. Oktober höchstens 2000 Ton­nen Fische nach Deutschland ausgeführt werden Im übrigen bezweckt der Vertrag die allmähliche Stillegung der niederländischen Fischerflotte, wofür die englische Regierung Geldprämien aussetzt.

Neue schwere Unruhe« in Portugal.

Nach der Meldung einer Lissaboner Zeitung sind demB. L.-A." zufolge in Lissabon und Oporto neue schwere Unruhen ausgebrochen. Es ist zu heftigen Zu- fammenstötzen zwischen den Aufständischen und den Re­gierungstruppen gekommen. Die Nachrrchtenzensur ist verschärft worden.

Streik amerikanischer Werftarbeiter.

Central News" melden: Am Montag sind 25 000 Werftarbeiter an der pazifischen Küste in den Ausstand getreten. 15 % der streikenden Arbeiter wurden beim Bau von Kriegsschiffen verwendet. Die Ausständigen verlangen eine Zbprozentige Lohnerhöhung. Wie ver­lautet, kam es zn aufrührerischen Szenen.

Suchomlinvws Verteidigungsrede.

Suchomlinow wies in seiner Verteidigungsrede auf die industrielle Rückständigkeit Rußlands hin und die Nichtbesolaung seiner Anordnungen. Selbst Napoleon, Friedrich und Peter der Große würden außerstande ge- wesen sein, hier Abhilfe zu schaffen. Die Jury besteht aus Beamten, Bauern und Lehrern.

An MtetWiWt Gedenktag

Zum 19. September 1914.

In der Geschichte unseres nationalem Opfersinns wird der 19. September 1914 einen dauernden Mark­stein bilden. Heute vor drei Jahren wurde der erste deutsche Finanzsieg bekanntgegeben, auf einem Schlacht­felde, wo nach dem Worte des gcldstolzen England die silbernen Kugeln rollen und die Schecks durch die Lüfte saufen. Das deutsche Volk, bereit, dem.Baterlande zu geben, was des Vaterlandes ist, hatte einmütig begrif­fen, daß zu einem Krieg von so gewaltigen Ausmaßen in erster und letzter Linie Geld und nochmals Geld ge­höre, und als der Ruf an die Heimat erging:Zeichnet Kriegsanleihe!", da wurden im Lande die finanziellen Streitkräfte mobil, da vollzog sich in wenigen Tagen un­ter Teilnahme aller Schichten und Stände der Aufmarsch der Millionen und Milliarden. Dichte Menschenmassen stauten sich vor den Schaltern der Reichsbank und ihren Filialen, und ein nie gesehener Ansturm auf Banken und Sparkassen setzte ein, da jeder nach Kräften die goldene Rtistung des Vaterlandes verstärken wollte.

In jener Einigkeit, die das deutsche Volk so stark und unüberwindlich macht, wurde als Ergebnis der ersten Kriegsauleihe die gewaltige Summe von 4,6 Mil­liarden erreichte, eine Leistung, die bis dahin noch von keinem Volke der Welt erzielt worden war. Ein Tag stolzer Freude war es für unser Volk, das sich seiner unerhörten wirtschaftlichen Kraft zum ersten Male stau­nend bewußt ward, und ein schwarzer Tag für unsere Feinde, vor allem England, das sich an seiner verwund­barsten Stelle getroffen fühlte. In dünkelhaftem Hoch­mut hatte matt jenseits des Kanals auf dasarme Deutschland" herabgesehen, das sich im Laufe der Zeiten großgehungert hatte.Wir haben die Schiffe und die Menschen und das Geld dazu", fo sang man übermütig an der Themse, und meinte, den Krieg mit mathema­tischer Sicherheit gewinnen zu müssen.

Das Resultat der ersten deutschen Knegsanleche vom 19. September 1914 hat den Glauben an die All­macht britischen Goldes arg ins Wanken gebracht. Mit jenem Tage hat zugleich ein ruhmreiches Kapitel deut­scher Finanzgeschichte begonnen, und wir haben durch die Aufbringung weiterer 5 Kriegsanleihen seither be- wiesen, daß uns im Kampfe um Hans und Herd der Atem nicht ausgeht. Rund sechzig Milliarden hat das deutsche Volk in drei Fahren härtesten Kamvfes auf dem Altar des Vaterlandes dargebracht, und während unsere Feinde immer tiefer in die Schuldknechtschaft Amerikas geraten und dem wirtschaftlichen und finan­ziellen Zerfall mit eherner Notwendigkeit zutreiben, bat das Geld im deutschen Lande Handel und Industrie be­fruchtet und dem Wirtschaftsleben über die Not des Krieges hinwegaeholfen.

Die letzte Milliarde wird siegen", haben Englands Minister verzweifelt ausgerufen. Uns soll's recht sein! Die letzte Milliarde wird aller Voraussicht nach vom deutschen Volke am Tage der Entscheidung präsentiert und in die Wagschale des Sieges geworfen werden, da­für bürgt uns der Geist der Vaterlandsliebe und der unbegrenzten Opierwilligkeit, der nach drei Jahren bit­tersten Existenzkampfes noch so frisch und ungebrochen ist wie am ersten Tag. Die siebente Knegsanleihe wird es erneut beweisen.

Volktlkcke Rundschau.

Ein Dank des Reichskanzlers. DieNordd. Allg. Zig." meldet: Von Vereinen und Körperschaften aus allen Teilen des Reiches gehen dein Reichskanzler Kund» gebungen zu. die das Bekenntnis zur vaterländischen Zuversicht mrd Entschlossenüeit und das Gelöbnis un-

Beirrten, zielsicheren AUsyarrens bis zum glücklicher Ende zum Ausdruck bringen. Der Reichskanzler ist lei­der außerstande, alle diese Telegramme einzeln zu be­antworten. Wo deutsche Männer durch Wort und Tat für deutsche Selbstbehauptung, für die Erkämpfung ei­nes Friedens wirken, der Freiheit, Blüte und Entwick­lung des deutschen Volkes fest und sicher verankert, be­gleitet die freudige Zustimmung und der Dank des ober­sten Reichsbeamten ihr Streben und Schaffen.

Aus Prinz Heinrichs Taufrede für den Kreuzer Spee. Beim Stapellauf des Großen KreuzersGras Spee" auf der Danziger Schichauwerft führte Großad­miral Prinz Heinrich von Preußen in der Taufrede aus: Aus eigener Kraft" sei die Parole des heutigen Tages, der heutigen Zeit. Aus eigener Kraft steht inmitten des schwersten Völkerringens, das die Welt wohl jemals sah, zu einer Zeit, da Deutschland um sein Dasein, um seine Ehre kämpft, eine neue Gefechtseinheit der Kaiser-, lichen Marine vor uns, aus Nieten und Stahlplatten zusammengefügt. Wenn diese Nieten und diese Platten nicht angefressen sind, dann trotzt ein solcher Ban den Stürmen. Sind aber faule Nieten und faule Platten darunter, so droht das Gebäude zu zertrümmern, eine Mahnung an uns in der heutigen schweren Zeit. Nicht nur den Anwesenden, sondern dem ganzen deutschen Volke gelte sein Ruf: Nietet zusammen, schweißt zu­sammen, aber zerpflückt nicht! Wer auf sein deutsches Volk baut, hilft ihm sein schweres Amt in diesen Zeiten tragen. Darum: Nietet zusammen! Laßt uns an unse­rem Siegeswillen nicht hindern!"

Reichstagsersatzwahlen. Nachdem die Niederlegunp der Reichstagsmandate der Abgg. Spähn (Ztr.) und Schiffer (natL) infolge ihrer Ernennung zum Fustiz- minister bezw. Unterstaatssekretär erfolgt ist, werdeu für die Wahlkreise Vonn-RheiNbach und Wollmirstedt- Neuhaldensleben alsbald die Anordnungen zur Vor­nahme der Ersatzwahlen eraehen, so daß noch bis Ende dieses Jahres die beiden Mandate besetzt sein werden. Abg. Spähn hat seinen Wahlkreis 27 Jahre, Abg. Schif­fer fünf Jahre vertreten.

Vermischtes.

Herabsetzung der Mehlausbeute? Wie derBaye­rische Courier" vernimmt, wird die künftige Mehlaus­beute bei der Vermahlung von Weizen von 94 auf 82 Prozent und bet der Vermahlung von Roggen von 90 auf 88 Prozent herabgesetzt werden. Dadurch würde sich die Qualität von Mehl und Brot merklich bessern. Nach anderen Blüttermeldungen sind bestimmte Be­schlüsse darüber noch nicht gefaßt worden.

Aufhebung einer Urlaubsscheinfabrik. Eine Ur­laubsscheinfabrik wurde von der Berliner Kriminal- polizei in der Rosenthaler Straße aufgehoben. Ein ge­wisser Alfred Richter fertigte Vordrucke an, die er mit den erforderlichen Stempeln und Unterschriften versah, und die dahin lauteten, daß ein kleiner Trupp, etwa ein Unteroffizier mit einem Gefreiten und 10 bis 12 Mann, zu diesem oder jenem Zwecke abkommandiert sei. Aus diese Scheine hin holte er für die Soldaten bei den Brot- kommissionen in Berlin, Schöneberg und Charlotten- burg Nahrungsmittelkarten, die er dann gleich in gan­zen Reihen, die Reihe zn 15 Mark, verkaufte. Seine Einnahmen waren so hoch, daß er mit seiner Gelieb­ten ein sehr flottes Leben führen konnte. Ein anderer > Fälscher wurde ebenfalls ertappt und festgenommen. Es ist ein 38 Jahre alter Arbeiter Hermann Wagenknecht, der in Düsseldorr Urlaubsscheine für Berlin fälschte und dann nach Berlin fam, um sie zu vertreiben. Man fand bei ihm noch über 200 gefälschte Karten.

Geleimt"! Eine Frankfurter Firma kündigte an, sie Juche alle Posten Leinn zw den höchsten Preisen an- zukaufen, zugleich gab sie aber auch bekannt, daß sie Leim aBaeße. Ein Buchbindermeister im Elsaß, der Leim brauchte, wandte sich an die betreffende Firma, wählte dabei aber einen kleinen Umweg, indem er der Firma zwei Zentner Leim zum Kauf anbot. Bald kam auch das Angebot, man zahle für den Zentner 100 bis 110 Mark und für besonders gute Ware 120 Mark. Unser Meister ließ nun aber inzwischen durch einen Bekannten bei der Firma anfragen, wie teuer sie Leim abgebe. Er war nicht wenig erstaunt, als er ngch einiger Zeit eine Kgrte in der Hgnö hatte, in derPrima Leim die 50 Kilo zu 520 Mark" angeboten wurde. Die beiden Angebote wurden der militärischen Behörde, für die der Buchbinder die Liefercing hatte vorgelegt, von dort aus wurde das weitere veranlaßt und nach einiger Zeit hatte der Buchbinder zwei Zentner Leim, für die er nun nicht 1040 Mark, sondern 400 Mark zu zahlen hatte, wobei der Firma immer noch ein ansehnlicher Gewinn ver­blieb. Wie viele andere kleine Gewerbetreibende mögen auf ähnliche Artgeleimt" worden sein.

Das Schwein im Kinderwagen. Eine Frau in Königshütte, die einen sorgsam zugedeckten Kinder­wagen schob, wurde von einem Polizeibeamten ange­halten, der trotz des Protestes der Besitzerin des Wa­gens diesen zu untersuchen begann. Als er die Decken und Bettchen entfernt hatte, kam ein geschlachtetes Ferkel zum Vorschein. ' _____

Weitere Drahtnachrichten.

Eine englische Auslastung zur Friedensfrage.

^ Haag, 19. September. lT. U.iDaily Chro- niele" bespricht lautB. T." die deutschen Meldungen betreffend die Zukunft Belgiens. Wenn es zutreffe, daß Deutschland feilte Absicht, eine Kontrolle über Bel­gien zu behalten, aufzugeben bereit sei, so sei damit der erste Schritt auf dem Wege zum Frieden getan. Aber dieser Weg noerde lange sein, denn niemand werde da­rin, daß Deutschland seinen Annexivusgelüstcn im We­sten entsage, eine geuüaende Grundlage für sämtliche Friedcnsproblemc erblicken. Es sei eine Pflicht der Entente dazu mitzurvirken, daß zur Erfüllung dieser wesentlichen Bedingung die Entente ihre Friedensziele Leröffeutlickc. Die Friedensbedingungen der Entente noch gebeimzuhalten, wenn Deutschland auf seine An- nexiousgelüste verzichte, sei ein schwerer Fehler, wenn nicht eine Missetat.

Die Antwort auf die Papstnote.

Wien, 19. September. (T. II.) Die Antwort der Mittelmächte auf die Papstnote werde am 20. Septem­ber in München bezw. Wien überreicht und am 22. Sep­tember veröffentlicht werden..

Bernhignngsversnche der englischen Admiralität.

»^ Bern, 19. September. (T. II.) Dem Druck der öffentlichen Meinung nachgebcnd. bat sich lautBosf ^ig." die englische Admiralität endlich veranlaßt gese­hen, mit der Veröffentlichung über die Form der eng­lischen Abwehr hervorzutreten. Bis jetzt liegen Schil­derungen von Kämpfen mit acht Ubooten vor, die aller­dings keinerlei Zeit, Ort oder sonstige Angabe enthal­tend Es ist auch nicht gesagt, ob die angebliche Vernich­tung der acht deutschen Uboote während des verichärster Ubootkrieges oder schon früher stattfand. Diese plötz­liche Flucht in die Oeffentlichkeit ist so wenig befriedi­gend, daß ihr die Zeitungen nur lediglich Raum ge. wührew