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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

fireisNott

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen TeUe 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 314. ^ ^Ä"'"1* Donnerstag, den 13. September

1917

Amtlicher Seil

Hersfeld, den 5. September 1917.

Nach den Bestimmungen der Reichsgetreideprönung für die Ernte 1017erf»Igtin diesemJahreeineverschärfte Kontrolle der Selbstversorger. Es liegtdaher im Interesse jedes Landwirts, wenn er sich mit den einschlägigen ge­setzlichen Bestimmungen vertraut macht. In erster Linie warne ich die Landwirte, mehr Getreide in die Mühle zu bringen als ihnen ausweislichder Mahlkarte zusteht und ferner keine Gerste und Hafer sowie Hinterkorn ohne Schrotkarte schroten zu lassen oder zu verfüttern. Hinter- korn ist ebenfalls beschlagnahmt und wird von derReichs- getreidesteke abgenommen werden. Dasselbe gilt für Gerste und Hafer. Neu ist insbesondere dieBestimmung, daß die gesamte Gerstenernte beschlagnahmt ist. Freige- geben sind nur insgesamt 8 kg Gerste und Hafer pro Kopf für menschliche Ernährung für die Zeit bis zum 30. September. Zum Verfüttern sind bis jetzt noch keine Gerstenmengen freigegeben worden. Denjenigen Land­wirten, die mehr Getreide in die Mühle bringen, als ihnen ausweislich der Mahlkarte zusteht, oder die Gerste oder Hafer ohne Schrotkarte schroten lassen, werde ich im Betretungsfalle das Recht der Selbstversorgung ent­ziehen. Es wird ihnen alsdann der gesamte Vorrat an Brotgetreide fortgenommen und sie erhalten Brotkarten. Diese Maßnahme ist für den Landwirt sehr hart. Jeder hüte sich daher, Unzuverlässigkeiten in der Verwendung seiner Getreidebestände an den Tag zu legen.

Tgb. No. K. ®. 2515. Der Landrat.

J. V.:

Funke, Kreissekretär.

Hersfeld, den 7. September 1917.

Mit Bezug auf meine wiederholte Bekannt­machung im Kreisblatt, die Ueberlassung von Last­kraftwagen für Wirtschaftszwecke betreffend, mache ich bekannt, daß die Entschädigung für die Verwendung der Lastkraftwagen neuerdings anderweitig festgesetzt ist. Es sind für die Folge für den Nutztonnen-Kilo- meter 60 Pf. zu bezahlen. Die industriellen Betriebe haben eine Pauschale von 100 Mark für jeden Tag, an dem die Lastkraftwagen in Anspruch genommen

werden, an die Reichskasse zu vergüten.

Tgb. No. I. 10680. Der Landrat.

Funke, Kreissekretär.

Hersfeld, den 4. September 1917.

Zur Vermeidung von Zweifeln gebe ich bekannt, daß § 5 des Nachtrags zu der Verordnung des Kreis- ausschusses über die Abgabe und Entnahme von Brot, Gebäck und Mehl vom 25. August Kreisblatt No. 206 so auszulegen ist, daß Händler, die Mehl gegen Brotkarten verkaufen loele«, die Genehmigung des Vorsitzenden des Kreisausschusses einholen müssen. Tgb. No. K. G. 2809. Der Landrat.

J. V.:

Funke, Kreissekretär.

Hersfeld, den 12. September 1917.

Wegen der israelitischen Feiertage findet die nächste Viehabnahme nicht am Dienstag den 18. sondern am Mittwoch den 19. September am Bahnhof Hersfeld statt.

B a u m a n n, Vertrauensmann.

Hersfeld, den 7. September 1917.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher er­innere ich an die Vorlage der Gemeindesteuerhebeliste. I. A. No. 8965. Der Landrat.

J. B.:

Funke, Kreissekretär.

Bas der Heimat.

Caffel, 10. September. Der bei Explosion seines Kaffeekochers schwerverbrannt« greife Invalide Methe aus der Kastenalsgasse ist heute nacht im Landkranken- Hause seinen schweren Verletzungen erlegen. Nicht, wie zuerst gemeldet, der Landwirt Fr. Drönert aus Gänsterode, sondern dessen Ehefrau wurde mit einem Oberschenkelbruch in das Landkrankenhaus einge­liefert.

Treffurt, 10. September. Schwer getroffen wurde von dem Kriege die hiesige Familie Karl Meng. Sie erhielt vor einigen Tagen die erschütternde Nachricht, daß nun auch ein vierter Sohn, der als Kanonier im Felde stand, den Heldentod gestorben ist. Drei Söhne hatte die Familie bereits dem Baterlande geopfert.

Westig (Sauerland), 10. September. Die Ruhr tritt hier in erschreckender Weise auf. Von einer Familie sind allein fünf Personen gestorben. Man hat das Gemeindehaus in ein Hilfslazarett umge- wandelt, da das Amtskrankenhaus überfüllt ist.

Papier ist eine der wichtigsten Waffen im Kampfe um unsere Existenz!

Darum schränke deinen persönlichen Verbrauch ein.

Suchomlinows Lüge Wer SeuWands

Im Prozeß Suchomlinow hat der minister. dem man in Rußland die Hauptschuld an den katastrophalen Niederlagen der russischen Armee zu­schreiben will, zu seiner Rechtfertigung unter anderem die Behauptung ausgestellt, Deutschland habe seit 40 Jahren unablässig zum Kriege gerüstet, während Ruß­land so gut wie nichts dafür getan habe. Dre Verlg- genheit dieses Schlagwortes, mit dem unsere Gegner geflissentlich Deutschland als planmäßigen Anstifter des Weltkrieges verdächtigen und zugleich ihre eigenen Miß­erfolge bemänteln, ergibt die einfachste Prüfung nüch­terner Tatsachen. , . , ,.

Deutschland hatte nach Vernnrklichung seiner natio­nalen Einheit in den darauf folgenden Frredensiahren seine ganze Kraft dem inneren Ausbau des Reiches ge­widmet. Nur widerstrebend wurden Schritt für Schritt die notwendigsten Erhöhungen der Friedensstärke 6e» Heeres vom Reichstage bewilligt, so daß diese dem schnel­len Wachstum der Bevölkerung auch nicht annähernd entsprach. 1910 hatten wir ein stehendes Heer von ei­ner halben Million Mann, also noch nicht ein Prozent der Bevölkerung des deutschen Reiches unter Waffen. Erst kurz vor Ausbruch des Krieges, im Jahre 1913, als die Balkankriege und die Rüstungen, unserer Femde Deutschlands gefährdete politische Lage in den Vorder­grund treten ließen, entschlossen wir uns und zwar erst nach der französischen Heeresvermehrung zu einer außerordentlichen Wehrvorlage, die unsere Frie­densstärke auf ca. 800 000 Mann erhöhte. Selbst letzt hatten wir noch nicht die Hälfte unserer WeHrpflichtigen ins Heer einaeftent, denn die Millionen der Ersatzre­serve und des unaedienten Landsturms lernten den Dienst mit der Waffe überhaupt nicht kennen. So sah es mit demMilitarismus" in Deutschland aus. .

Wie ganz anders stand es Bet unseren Feinden. Nach dem Zusammenbruch von ISWI llatte sich die französische Regierung, von leidenschafillc^n Patrioten unterstützt, zähe uns) konsegnent auf ^n Tag der Ver­geltung vorbereitet. Ein großes Wnnüilr^ich wurde gegründet, um Frankreichs abnehmende VolkJ ioft ourch Millionen schwarzer Soldaten zu ergänzen. ImLand«, führte man die Heeresvermehrungen bis an dre Grenze des Möglichen rücksichtslos durch, mit dem brennenden Ehrgeiz, die Friedensstärke des deutschen Heeres um leben Preis zu übertreffen, obwohl «vrankreichs Bevol- kerungsziffer um 70 Prozent hinter der deutschen, zu- rückstand. Dieses Ziel wurde durch Verlängerung der aktiven Dienstzeit Erreicht, die bei der letzten großen Heeresvorlage von 1913 trotz der damit verbundenen großen volkswirtschaftlichen Nach.eile sogar auf 3 Jahre ausgedehnt wurde. Dementsprechend waren die- stungsauSaaben Frankreichs für Heer und flottemit 29,67 Mark pro Kopf der Bevölkerung bedeutend höher als die deutschen, die nur 21,86 Mark betrugen. Daoei blieb Frankreich in seiner verblendeien Revanchevolitik aber keineswegs stehen. Seit der in den 99er Jahren zustande gekommenen Annäherung an Rußland, hatte Frankreich den stets geldbedürftiaen. Rmidesgenossen an der Newa mit reichlichen Geldmitteln überhauft. Diese den Russen gewährten strategischen Auleihen soll­ten vor allem dazu verwendet werden, die russische Rü­stung so stark als möglich zu machen, um Deut chland an seiner Ostgrenze ständig zu bedrohen. Dre russisch- iranzösische Verbrüderung trat innner deutlich^ zut^ 1912 kam es in der Presse beider Länder, anläßlich der eben erfolgten französisch-russischen Marinekonvention zu maßlosen Hetzereien gegen Deutschland. Bald da­rauf nahm der Großfürst Nikolai Nikolatewitsch in de­

monstrativer Form an den französischen Manövern teil. Delcassee wurde als Botschass-'r nach Petersburg Äe- w|eu. w oer ruPffche Mvötlmaüstmgsplan gegen Deutschland im Sinne einer Offensive gegen Deutsch­land schleunigst nmqestaltet. Die letzte Anleihe von 1913 erhielt Rußland nur unter der Bedingung, da­mit seine strategischen Bahnen nach der Westgrenze aus- zubauen. In welchem Maße Rußland in den letzten 33 Jahren, von 1880 bis 1913, gerüstet hat, beweist die Tatsache, daß es in diesem Zeitraume 82,9 Milliarden Mark für Heer und Flotte verausgabte, ungerechnet der Kosten des russisch-japanischen Krieges, die 5 Milliarden betrugen. Gegen diese Summe, die allein eine einzige Macht der uns feindlichen Koalition für Rüstungs­zwecke aufwandte, erscheinen die im gleichen Zeitraum aufgewenbeten, gesamten deutschen Kosten für Heer und Flotte außerordentlich gering. Trotzdem hatten wir >913 mit unseren 800 000 Soldaten nur 40 Prozent des feindlichen Aufgebots, das über 2 Millionen Friedens­stärke aufwies, erreicht, während wir im Falle einer Mobilmachung den 12 Millionen unserer Feinde nur etwa den dritten Teil entgegenstellen konnten. Das wäre für eine angeblich 40jäbrige Kriegsvorbereitung wahrlich ein recht ungenügendes Resultat gewesen.

Was endlich England Betrifft, so konnte in Deutsch­land, nachdem Eduard VJL den Dreiverband zustande gebracht hatte, kein Mensch mehr daran zweifeln, daß die größte Flottenmacht der Welt in einem künftigen Kriege gegen uns eingesetzt werden würde. Unseren Flottenbau, der für den Schutz unserer Handelsbezie­hungen eine absolute Notwendigkeit war, stellte Eng­land den Zweimächte-Standard entgegen und baute, da­mit nicht zufrieden, seine Armada so gewaltig aus, daß es überhaupt jeder denkbarenFlottenkoalitiön in Eu­ropa gewachsen war. Die Ausgaben Englands für Heer und Flotte waren mit 33,05 Mark pro Kopf der Bevölkerung um ein Drittel höher, als die deutschen mit 21,86 Mark, und die Ausgaben allein für die Ma­rine Betrauen mit 20,54 Mark pro Kopf der Bevölke­rung das Dreifache der deutschen Flottenaufwendungen in Höhe von 6,92 Mark.

So sah es in großen Umrissen mit der deutschen Vorbereitung zum .Kriege aus. Wohl war die deutsche Rüstung, dank der unablässigen Arbeit der Heeresver­waltung in mustergültigem Zustande, wohl konnten wir hoffen, die ungeheure Uebermacht der Zahl durch die glänzenden Eigenschaften unserer Wehrmacht aus- zugleichen, aber ein kurzer Blick auf die Tatsachen lehrt doch, daß wir in den 40 Jahren friedlicher Entwicklung an nichts weniger gedacht haben, als daran, ein furcht­bares Krieqsinstrument zu schaffen, um eines Tages die wehr- und ahnungslose Welt damit zu Überfällen. Unsere Rüstung im Frieden war, wie ihr Gebrauch im Kriege, lediglich auf Verteidigungeingestelli.

Äst eine valrenille.

In jenen großen russischen Sommerschlachten des Jahres 1915, als sich der deutsche Sturm wie ein wild­empörtes, eisernes Meer über Land und Festungen da- hmwülzte, gewaltig und unaufhaltsam, da wurde das seither oft zitierte Wort geboren:Im Osten kämvft das tapfre Heer, im Westen steht die Feuerwehr." Ob es damals die Heimat geprägt hat unter Flaggenschmuck und ®Iocf enteilten, oder ob es in ehrlicher, froher Be­geisterung von den Lippen der glücklichen Sieger kam, sei dahingestellt. Heute jedenfalls hat man es verlernt und vergessen: vergessen in der Ueberzeugung, daß man vielleicht ungewollt jenen Truppen tief weh getan hat, die, eine lebendige Mauer im Feindesland stehend, den schrecklichsten aller Kriege von den Grenzen ihrer teuren Heimat abhalten.

Feuerwehr? Verdun, Champagne, Aisne. nem Griffel in die Erztafeln der Geschichte geschrieben.

Aber das, was zwischen diesen großen Ereignissen und alleraewaltiqsten Schlachten liegt, wird aus einer gewissen Verwöhnung heraus tibersehen. Und Hun­derte von Tagesberichten tiberfliegt man mit dem viel gehörten, kurzen Urteil: Nichts Besonderes, nur eine Patrouille! Ihr, die ihr nie einen Blick tun durftet in das Leben der Front, könnt ihr euch überhaupt aus- denken, was in diesen knappen, trockenen Telegrannn- Worten liegt? Wieviel stilles Heldentum aus ihnen spricht?Nichts Besonderes."Nur eine Patrouille." Könnt ihr euch vorstellen, was es heißt, jahrelang sich anstemmen gegen die Uebermacht brutaler Feinde, un­entwegt, ohne müde zu werden? Das ist eben der Un­terschied zwischen Bewegungskrieg und Stellungskrieg: Dort das Auslösen flammender, erleichternder Begei­sterung, hier das stille Warten und Dulden und Tra­gen, ein snstematisches Abnützen der Nervenkraft.

Auf übelriechenden Feldern, zwischen zerschossenen Mauerresten, in wüsten Trichtern liegend, allen Wet­tern und Unbilden ausgesetzt, so ringen sie mit Hand­granate und Gewebr Mann gegen Mann, täglich und stündlich. Ist es nicht geradezu erstaunlich, wenn sich dann viele oft noch den Rang ablaufen und sich zu irgendeinem Unternehmen freiwillig melden? Dutzend- fach den Tag machen wir diese Erfahrung. Allerorts gibts kleine Vorstöße und Erkundungen, sei es aus tak­tischen Gründen, sei es zum Zwecke der Aufklärung. Das sind dann jene kirrzen Notizen, die so gern gering­schätzig ausgenommen rverden.

Vor Verdnn war in den vergangenen' Wochen un­sere Patronillentätigkeit ziemlich rege. Brandenburger und Badener hatten dabei schöne Erfolge. Gegen Ende des verflossenen Monats wurden durch energischen Vor­stoß 40 Gefangene aus dem stark verschanzten Eau- risreswald geholt. Am Toten Mann griffen wir zwei, und erst kürzlich brachten badische Truppen an der Straße Kamoaneux-Vacherauville 12 Franzosen zurück.

Meistens finden diese Patrouillen nachts statt. Um so bewundernswerter ist die Tat badischer Grenadiere vom 7. August die nach kurier Vorbereitung durch Ar­tillerie und Minenwerfer beim Dorf Vezonvaur am bellen Mittag überraschend in die feindliche Linie ein- dranaen und 5 Mann gefangen nahmen. Der Haupt- teil der Besatmng hatte sich nach genossener Mahlzeit zur Ruhe niedergelegt, nur wenige Posten waren aus­gestellt. Unser vorbereitendes Feuer lag so gut, daß die betreffenden Franzosen ihre kleinen Untersdilüpfe nicht zu verlassen wagten, bis sie von unseren Angrei­fern beransgezoaen wurden. Und bis der Gegner recht zur Besinnung kam und endlich mit seinem Sverrfeuer losleote, waren schon alle wohlbehalten im schützenden denffchen Graben.

Noch eine Menge solcher Fälle gibt es, die immer wieder »Zeugnis davon ablegen von der zähen Aus­dauer und dem unverwüstlichen Draufgängertum, das eben im deutschen Blute lebt. Gerade hier zeigt sich am meisten Mnt und Tapferkeit des einzelnen Mannes. So dürfen wir getrost sein: Drei stürwüsche Jahre konn­ten unsere Feldgrauen und seine vielfach von goldeßem Humor getragene Soldaterlnatur nicht umbringen. Nicht nur im Kämpfen und Schlagen, auch im Aus­halten größter Strapazen ist der alte, fernste, trotzige Michel geblieben.

Ganz abgesehen von den Riesenschlachten blickt uns selbst aus dem einfachsten und kürzesten Bericht ein ewiges, stilles Heldentum an. Es ist das Schwerste und Bitterste, was menschlicher Krast zugemutet nürd, was sich auch in der Meldung'Nichts Besonderes", oder nur eine Patrmtille" offenbart.