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HersWer Tageblatt

für den Kreis Hersfeld fiteWt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspret« Äerteljiihrkich kür Httsfeld 1.56 Murl^iurch die Post be- ft*«-l*IS** zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Telle 26 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Psg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 206. =*"" ^««^ Dienstag, den 4. September

1917

Amtlicher Teil.

Getäfels, d-n 30. '21u«uft 1917.

Der Königliche Domänenpächter Karl Eschtruth in Wilhelmshof hat sich in der Verwendung 6er Brot- getreidebestände unzuverlässig erwiesen. Ich habe ihm daher das Recht der Selbstversorgung entzogen. Tgb. No. K. G. 2589. Der Landrat.

J. B, 7

Funke, Kreissekretär.

Hersseld, den 29. August 1917.

Der Mahllohn für das von Selbstversorgern zum Vermahlen gegebene Getreide wird auf 1,25 Mark pro Ztr. festgesetzt.

Tgb. No. K. G. 2549: Der Lanmat.

I. B..

Funke, Kreissekretär.

Verordnung

betreffend Aenderung der Verordnung über Höchst- pretse für Hülsenfrüchte vom 24. Juli 1917 (Reichs-

Gesetzbl. S. 658).

Vom 21. August 1917.

Auf Grund der Bekanntmachung über Kriegsmaß- nahmen zur Sicherung der Volksernährung vom 22. Mai 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 401) in Verbindung mit § 1 der Bekanntmachung über die Errichtung eines KriegsernährungSamts vom 22. Mai 1916 (Reichs- Gesetzbl. T. 402) wird bestimmt:

Artikel 1

Im § 1 Abs. 1 der Verordnung über Höchstpreise für Hülsenfrüchte vom 24. Juli 1917 (Reichs-Gesstzbl. S. 653) wird nach den Wortenbei Saatwicken (Vicia savtio) . 50 Mark unter Streichung der beiden nächsten Zeilen eingefügt: bei allen im Getreide wild gewachsenen Wicken

-gW Wa^L? ÄÄ (Vicia villosa) . . . . . . 28 Mark.

Artikel 2

Diese Verordnung tritt mit dem 25. August 1917 in Kraft.

Berlin, den 21. August 1917.

Der Präsident des KriegsernährungSamts.

J. B.: von Braun.

Hersseld, den 24. August 1917.

Nachtrag

zu der Verordnung über Abgabe und Entnahme von Brot, Gebäck und Mehl.

Auf Grund der W 58 und 60 der Reichsgetreide- ordnuna für die Ernte 1917 vom 21. Juni 1917 wird gemäß Sem Beschluffe des KreiSausschusses vom 24. August mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde für den Umfang des Kreises Hersfeld folgendes ange- ordnet:

§1.

Die Abgabe und Entnahme von Brot, Gebäck und Mehl darf nur auf Grund von Brotkarten erfolgen, die von der amtlichen BrotkartenauLsabestelle ausge- geben sind. Niemand steht mehr als dre jeweils fest­gesetzte Menge Mehl oder das entsprechende Brot täglich für seine Person zu.

8 2

Das zum Verkauf gelangende Brot darf nur in folgenden Einheitsgewichten hergestellt werden:

a) Roggenbrot 4 und 8 Pfund,

b) Weizenbrot 1 und 2 Pfund.

Das in den Bäckereien hergestellte Brot muß das Datum tragen an welchem es gebacken ist.

§ 3.

Die Bestimmung im § 6 Absatz 2 der Verordnung über Abgabe und Entnahme von Brot Gebäck und Mehl vom 15. April 1917 - Kreisblatt Nr. 89 - wo­nach auf Brotkarten nur bis zu 175 gr Mehl verab­folgt werden darf, wird ausgehoben.

§ 4.

Jede Brotkarte gilt für eine Person und enthält Abschnitte die insgesamt über erne Menge von 4 Pfund Brot oder 1400 gr. Mehl lauten.

§ 6.

Der Verkauf von Mehl gegen Brotkarte ist nur mit Genehmigung des Vorsitzenden des Krersaus- schusses zulässig.

8 1 Absatz 1, 8 6 Abs.^1 und § 7 »er Verordnung über die Abgabe und Entnahme von Brotz Gebäck und Mehl vom 15. April 1917 Kreisblatt No. 89 werden aufgehoben.

Der Kreisausschutz den Kreises Hersfeld.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

(Fortsetzung auf der 4. Seite).

Bus der Heimat.

* (S p a r.t Papier!) Weiten Kreisen, selbst den unmittelbar an der Verarbeitung von Papier beteiligten Gewerben, scheint immer noch nicht klar geworden zu sein, daß zur modernen Kriegsführung auch in 'ungeheuerem Umfang Papier gehört. Wenn einst im Frieden die Milliardenziffern des Verbrauches an Rohstoffen zusammengestellt werden, wird das deutsche Volk staunend erkennen, welchen Anteil die deutsche Zellstoff-, Holzstoff-, Papier- und Pappen- industrie und die Papierverarbeitung an der Sicher- stellung des Heeresbedarfs hatten. Dutzende der wichtigsten Hilfsstoffe sind im Laufe des Krieges durch Papier ersetzt worden und täglich wächst das Ber­arbeitungsgebiet des Fabrikates, das wir im Frieden zu verschwenden gewohnt waren. Deshalb ist es dringendes Erfordernis geworden, überall in den Amtsstuben wie in den Schule«, bet der Industrie, bei den Banken und im Handel, a ch im Haushalt zur Sparsamkeit bei der Verwenöu: g von Papier jeder Art zu mahnen. Durch Einsch 'änkungen, die der Einzelne kaum verspürt, kann die Gesamtheit vor drohender Papiernot bewahrt w rden. Wenn täglich nur auf den Kopf der Bevölkern; Z 20 Gramm Papier, das sind 2 Bogen, gespart wert en, so ergaben diese 20 Gramm, auf 60 Millionen der Heimatbevölkerung berechnet, eine Jahresersparnis von 8 760 000 Zentnern Papier. Der ganze Jahresverbrauch der deutschen Presse im Kriege beträgt dir Hälsce dieser ungeheuren Zahl! Wer Papier verschwende:, versündigt sich am Vaterland!

* Der September pflegt ein fröhlicher Monat zu sein, der in meist schönen sonnigen Tagen die Freuden des schwindenden Sommers noch einmal mit denen eines strahlenden Frühherbstes vereint. Er ist ein lachender Spender, der dem Obstzüchter, und dem Weinbauern, dem Jäger und dem Fischer seine reichen Gaben in den Sch- ß wirst. Wenn man einem allen WeldmanvZwort ^..<1-3 darf daS besagt, daß Hühner und Hasen nur nach einem trockenen Sommer gedeihen, so dürften wir in diesem Jahre eine besonders ergiebige Wildbrettbeute erwarten. Das Wetter im September selbst betrachtet der Land­wirt als von großer Bedeutung für das folgende Erntejahr,- hat der September eine besonders große Anzahl von Lostagen, die nach altem Aberglauben nicht nur auf das Wachstum der Frucht, sondern auch auf Wohl und Wehe der Menschen Einfluß ausüben sollen. Es sei hier nur der wichtigste erwähnt, der St. Michaelstag, im Sprachgebrauch Michaeli genannt der auf den 29. fällt, und der den Herbstferien ihren Namen geliehen hat. Je nach der Landesgegend knüpfen sich noch vielfach alte Bräuche, deren manche sich auf den alten heidnischen Wotanskult zurückführen lassen, an den Michaelstag. Besonders aber als Wetterprophet genießt St. Michael großes Ansehen. Gemeinhin gilt er als der Tag der die erste Kälte bringt, weshalb auch ein alter Spruch besagt:Michele heizen viele, Galle (St. Gallus am 16. Oktober) alle." Ein anderer alter Bauernspruch heißt: Stehn zu Micheli die Fische hoch, kommt viel schönes Wetter noch. Wehet aber rauher Wind, wird das Wetter nicht gelind.

Caffel, 3. September. Die Bezirksfleischstelle hat Ferkel bis zu 30 Pfund Lebendgewicht ohne besondere Genehmigung zur Schlachtung freigegeben. Eine Anrechnung auf die Fleischkarte findet nicht statt. Der Höchstpreis für Ferkel wird auf 1,20 Mk. das Pfund festgesetzt. Die Ausfuhr von Echlachtferkeln äus dem Regierungsbezirk ist verboten.

Caffel, 3. Sept. Der 16jährige Fahrbursch Ludwig Goldbeck beim städtischen Reinigungswesen geriet beim Reinigen einer Mähmaschine in die Messer der Ma­schine, deren Pferde plötzlich anzogen, und wurde an beiden Beinen sehr schwer verletzt. Die Sanitäts­kolonne führte den Verunglückten dem Landkranken­hause zu

Caffel, 1. September. Zu Ehren des scheidenden Oberpräsidenten Wtrkl. Geh. Rat Hengstenberg fand gestern abend in den Gesellschaftssälen des Rathauses eine Abschiedsfeier statt, an der die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden sowie Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung teilnahmen. Regierungspräsident Graf von Bernttorff feierte den scheidenten Oberpräsidenten und dankte ihm für seine opferfreudige Amtsführung während der 10 Jahre, die die Provinz Hessen-Naffan ihm unterstellt war. Ober­bürgermeister Koch feierte Frau Oberpräsident Heng- stenberg wegen ihrer umfassenden Fürsorgetätigkeit. Sie habe sich damit vin dauerndes Denkmal in Caffel gesetzt. Der kommandierende General des stellver­tretenden 11. Armeekorps Exzellenz von Keßler ge­dachte ebenfalls in warmen Worten der Wirksamkeit des Scheidenden. Herr von Trott zu Solz, der dieser Tage sein Amt als Oberpräsident von Hessen-Nassau ««tritt, ist der siebente in der Reihe der seit 50 Jahren bestehenden Provinz. Seine Vorgänger waren von Bodelschwinsh, von Eude, Graf Eulenburg, von Magdeburg, Graf von Zedlitz-Trützschler und Heng- steuberg.

Spaugenberg, 3. September. Die feierliche Amts einführung unseres neuen Bürgermeisters Schier durch Landrat Frhr v. Gagern aus Melsungen fand am Sonnabend nachmittag in außerordentlicher öffentlicher Stadtverordnetensitzung statt.

Wolkramshausen, 30. August. Hier kletterte ein elfjähriger Knabe an dem Mast einer Starkstrom­leitung empor. Wahrscheinlich ist er dabei mit der Leitung in Berührung gekommen. Man fand ihn später total verbrannt vor.

Beiseförth, 30. August. Gestern ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall mit tötlichem Ausgang. Ein Landwirt aus Sipperhausen hatte Frucht abgeliefert. Beim Ausgang des Dorfes auf dem Heiwwege scheuten die Pferde, der Mann wurde durch Hufschlag des einen Pferdes auf den Kopf getroffen und blieb blutüberströmt und besinnungslos liegen. Die Frau des Ziegeleibesitzers sprang herzu und mit Hilfe des Gefangenen, der bei dem Manne war, wurde er sorg­fältig verbunden. Ein Müllerbursche der hiesigen Kunstmühle fuhr das Gefährt nach Sipperhausen zu­rück Der Schwerverletzte ist in der Nacht verstorben.

Gleichen, 31. August. Beim Arbeiten an einet Dreschmaschine erlitt gestern nachmittag hier der Hof­meister Wilhelm Ohlwein einen doppelten Bruch des rechten Unterarmes. Er wurde heute früh in das Caffeler Landkrankenhaus überführt.

Hoya, 31. August. Als Zeichen dankbare« Aner­kennung der tapferen Landesverteidigung unserer Soldaten hat sich unser Kreis erboten, 200 bis 300 in Er­holungsurlaub kommende Kriegsteilnehmer, die keine Angehörigen mehr haben, kostenlos aufzuehmen. Zur Nachahmung empfohlen.

Belbel, 28. August. Von abstürzenden Sandmasien verschüttet wurde in einer Grube an der Franksurter Straße der 13jährige Schüler Kauchler von hier. Auf die Hilferufe eines anderen Knaben eilte der Land­sturmmann Braden herbei und befreite den Knaben aus seiner lebensgefährlichen Lage.

Ger«, 31. August. Mne S-ndwirtsfrau t« oe- nachbanten Kaltenborn, deren Mann im Felde ge­fallen ist, traf beim Mähen ihren kleinen vierjährigen Sohn, der ungesehen herangetreten war, mit der Sense am Halse. Der Junge erhielt eine so schwere Verletzung, daß der Tod alsbald eintrat.

Göttingen, 31. August. Als Heiratsschwindler ge­fährlichster Sorte entpupte sich der zum Heeresdienst eingezogene Kellner Willi Müller von hier. Obwohl Müller verheirat und Vater von drei Kindern ist, versprach er einem hiesigen jungen Mädchen die Ehe. Vorbereitungen zur Hochzeit waren getroffen, ebenso Vermählungsanzeigen und-eine Zeitungsanzeige auf- gegeben. Als am Montag die Kriegstrauung statt- finden sollte, benachrichtigtigte Müller den Vater des Mädchens, daß die Trauung statt um 11 erst um 12/2 Uhr stattfinden »könne. Als M. auch zu dieser Zeit nicht erschien, wurde man stutzig, und die Nach­forschungen ergaben, daß M. «erheiratet ist und auch seine Familie in «bttingen wohnt.

Cobnrg, 31. August.. Eine entmenschte Mutter stand hier vor dem hiesigen Schöffengericht. Die 25= jährige ledige Damenschneiderin Johanna Müller von hier hat ihren 9jährigen Sohn, der ihr lästig war, derart mißhandelt, daß der Amtsanwalt ihreEr­ziehungsmethode" als Mordversuch bezeichnete. Das Kind wurde halbnackt bei großer Kälte in eine Kammer gesteckt, gefesselt und mit Fußtritten u«d Schlägen mißhandelt. Das Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis.

Schwein«, 30. August. Seit einem Vierteljahr war eine jüdische Familie hier in Sommerfrische. Immer wurde schon von den Einwohnern gemunkelt, daß diese Familie viel Lebensmittel Heimschaffe. Ver­gangene Woche folte^nun die Ausreise losgehen. Vor dem Hause standen 7 nicht eben kleine, gepackte Kisten. Der hiesige Wachtmeister bekam von der Ab­reise Wind und ließ sich eine Kiste öffnen. Da lauter Lebensmittel zum Vorschein kamen, wurden sämtliche Kisten beschlagnahmt und auf das Gemeindeamt ge­bracht. Dort kamen nun zum Vorschein 75 mit Ge­müse, Beeren, Obst, Fleisch usw. gefüllte Einmach­gläser, dann folgten Erbsen, Reis, Graupen, noch gut gebrannter Bohnenkaffee, Nudeln, Zimmt, Seife, 10 Gläser Bienenhonig usw. Auch 20 Flaschen Beeren­saft fehlten nicht. Ferner war noch ein geräucherter Schinken mit 81/2 Pfund vertreten. Die Leute hatten sich sehr gut eingedeckt. Wo soll es aber hinführen, wenn jeder Sommerfrischler soviel Lebensmittel aus der sowieso mit Lebensmitteln nichtreich gesegneten Gegend mit fortnehmen wollte in dieser schweren Kriegszeit.

Aus der Rhön, 31. August. Ein Unglücksfall mit tödlichem Ausgange bat sich gestern in der Dorf­gemeinde Kippelbach im Amtsgerichtsbezirk WeyherS in der Rhön zugetragen. Eine ältere Frau namens Richter wollte einen Korb voll Kartoffeln aus dem Keller heraufholen. Der zu stark gefüllte Korb war der Frau zu schwer geworden, sie rutschte auf der Kellertreppe aus und stürzte so unglücklich, daß sie den erlittenen Verletzungen alsbald erlag.