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ersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

Wlatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im I amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 205. m*b«z&^ Sonntag, den 2. September

1917

Amtlicher Teil

Hersseld, §en 24. August 1917.

Nach den Jahresberichten der Hessischen Brand- versicherungsAnstalt findet eine nicht geringe Zahl der Brandunglücke ihre Eutstehunssursachs in dem Spielen der Kinder mit Streichhölzern und sonstigen Zündstoffen.

Ich sehe mich daher veranlaßt, jetzt wo beim Hüten des Viehes die Kinder Streichhölzer mit sich führen, um der verderblichen Sitte gemäß im Felde respektive auf dem Weideplätze Feuer anzumachen und Kartoffeln etc. zu braten, an die Bewohner des Kreises die dringendste Aufforderung zu richten, die Streichhölzer doch so aufzubewahren. daß sie unver­ständigen Kindern nicht zugänglich find, denn es sind Fälle vorgekommen, daß Kinder ebenso wie im Freien in Wohnräumen, Scheunen etc. ein Feuerchcn ange- zündet haben, wodurch dann große Schadenfreuer entstanden sind.

Daß auch die Herrn Lehrer ihren Einfluß in dieser Hinsicht auf die Schulkinder zur Geltung zu bringen wissen werden, setze ich als selbstredend voraus.

Die Herrn Bürgermeister ersuche ich die Bekannt- machunZ wiederholt in der Gemeinde zu veröffentlichen. Tgb. Nr. I. 10137. Der Sanirat.

Funke, Kreissekretär.

Gemäß § 58 der Retchsgetreideordnung für die Ernte 1917 vom 21. Juni 1917 R. & Bl. S. 507 werden für den Kreis Hersfeld folgende Brot- und Mehlhöchstpreise festgesetzt:

1. Roggenbrot 19 Pfennig pro Pfund,

2. Weizenbrot und Brötchen 30 Pfennig pro Pfund,

3. Roggenmehl 20 Pfennig pro Pfund,

Die Mehlhöchstpreise gelten nur für den Verkauf im Kleinhandel. Die Ueberschreitunz dieser Höchst­preise wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestraft.

Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Ber- öffentlichunA in Kraft.

Die bisher bestehenden Brot- und Mehlhöchst­preise werden aufgehoben.

Hersseld, den 31. August 1917.

Der Kreisausschutz des Kreises Hersfeld.

J. :

Reinhard, Kreisdeputierter.

Berlin, den 10. August 1917.

An die Midien Landwirte nt die deutsche Zm8m«uneM«st!

jSchluß.)

Auch die folgenden Jahre, nach dem Frieden, werden noch hohe Anforderungen an unsere Eigen- erzeugung stellen, um vom Auslande unabhängig zu bleiben und das Geld iin Lande zu behalten. Der Versuch, uns die notwendigen Lebensmittel auch späterhin zu verteuern, liegt ja doch im Ziele unserer Feinde, in ihrer uns angedrohten wirtschaftlichen Ab­sperrung. Machen wir ihre Pläne für immer zu schänden, arbeiten wir weiter, wie wir es jetzt unter dem Zwange der Verhältnisse tun müssen, aus freiem Entschluß, in kluger Voraussicht, zu unserem eigenen Nutzen. Dann wird aus der Saat des Krieges, aus den Opfern unserer Väter, Söhne und Brüder, eine reiche Ernte aufgehen. Aufwärts und vorwärts muß unser Streben gehen, in treuer Arbeit und Pflicht­erfüllung aller Stände, nicht in Bequemlichkeit und Genußsucht wie vielfach in jüngst vergangenen Tagen. In der Erziehung unserer Jugend müssen wir unsere höchste Ausgabe erblicken. Der deutschen Jugend ge­hört die Zukunft! Wer aber den Nutzen genießen will, muß ihn sich selbst erwerben. Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen! Wodurch können wir aber dieses Ziel nur restlos er­reichen? Dazu bedürfen wir in erster Linie unserer Lehrer. Sie müssen selbst sich der Aufgabe unterziehen, «itzulernen mit den Schülern. Die Winterschul- direktoren, Garteudirektoren der Städte und erfahrene Landwirte müssen unseren'städtischen Lehrern und Jungen Unterricht erteilen; zunächst wissenschaftlich und dann auch praktisch bei der Arbeit selbst. Die Lehrer müssen nicht nur die Schüler beaunichttgen, sondern sie müssen sie auch anleiten können. Das Beispiel des Lehrers vermag viel und bedeutet alles für das Gelingen. Führen wir unsere Aufgabe so durch, so erreichen wir das hohe Ziel.

Schon die diesjährige Kartoffel- und Rübenernte gibt die beste Gelegenheit hierzu. Ohne rede Kosten, ohne rede Umstände kann der praktische Unterricht er­folgen. Auch in alle» Stadtgebieten find dre Kar­toffeln zu ernten, die die Gemeinden oder Grundbesitzer gepflanzt haben. Was liegt da näher, als sich bei ihnen zur Hilfe anznbtcten und die Jungen sehen zu

lassen, wie unter der welken Staude das Bündel der Kartoffelknollen geborgen liegt und wie mit leichten Handgriff der Saaten die nährende Frucht hebt. Der Junge sieht gleichzeitig, das eine Frucht vielfache Früchte hervorgebracht hat und erkennt den Frevel, der durch Diebstahl der Aussaat der Allgemeinheit zu- «esüqt wird. Neben der praktischen auch eine ethische Wirkung. Aber auch schon für die kommende Früh­jahrsbestellung lernt er. Er sieht den Nutzen der Anhäufelung, des Behakens, des Lockerns des Bodens und er lernt es verstehen, daß dies alles zum Ge­deihen der Frucht, und zu ihrer Vermehrung das regelrechte Pflanzen gehört. Er sieht das Verbrennen der Kräuter und erfährt, daß es notwendig ist um Schädlinge und Krankheitskeime zu vernichten. Er lernt die Arbeit des Landmannes schätzen, die unaus­gesetzt jahraus jahrein geleistet werden muß, um uns unser tägliches Brot zu geben, um das wir heute wohl alle recht herzlich bitten lernten. Für diese hohen Ziele sollten wir ruhig an einigen Unterrichtstagen die erforderliche Zeit gewinnen. Unsern Lehrern sollten aber mehr als bisher die Besuche unserer land­wirtschaftlichen Schulen in Sonderkursen ermöglicht werden. Die Erziehung unserer Jungen zu körper­licher Ertüchtigung Hot während des Krieges voll ein­gesetzt- mag sie auch einsetzen zur Erkennung der Wichtigkeit, die eine voll ausgenutzte Landwirtschaft für unser Vaterland bedeutet. Die Eltern aber mögen ihr Bedenken, daß der Junge in der Schule zürück- bleiben könnte, wo sie etwa heute noch gehegt werden sollten, fallen lassen. Die Zeit der Landarbeit wird dem Jungen Körper, Herz und Geist stärken, wird ihn reifer und aufnahmefähiger machen und die gekräfttgte Gesundheit wird die verlorenen Schulstunden reichlich wieder einbringen. Die Ernährung auf dem Lande ist wohl ausnahmslos eine bessere, als sie in der Stadt heute möglich ist. Ein Stück Landbrot ist für den Jungen heute Kuchen.

Und nun die Frage der Kleidung. Was schadet .es, wenn die Hofe einen Fielen, mehr bekommt und wenn es auch nicht einmal vsn dem selben Stoff ist? Der Rock leidet ja überhaupt weniger, denn er wird bei der Arbeit abgelegt. Ein gut geflicktes Hemd kann jeder deutsche Junge sehen lassen. Es ist ein schönes Zeichen dsuschen Mutter- und Hausfrauenfleißes. Was tut es, wenn auch die Schuhe einen Flicken mehr erhalten? Im Felde gehts den Schuhen nicht besser. Der bei der Arbeit verschlissene und verflickte Anzug und Schuh sind ein Ehrenkleid, das der Junge im nächsten Jahre durch einen »der mehrere kunstgerecht auf- oder eingenähte Flicken weiter verschönt, mit Stolz tragen wird. Der Bauer wird ihn dann um so lieber begrüßen, wenn er die Zeichen der Arbeit daran erkennen kann, die ehrenhalber der deutsche Jungmann für ihn geleistet hat. Wie der Soldat heute seinen durch Kugeln und Granaten, durch Stiche und beim Kriechen durch Drahtverhaue zerfetzten Rock geflickt als Ehrenkleid trägt, so soll die deutsche Jung- mannenschaft ihr Arbeitskleid in Ehren tragen, un­bekümmert um das Gigerltum vergangener Tage, das heute zum Spott werden sollte. Erkennt unser ge­samtes Volk die Wahrheit dieser Ausführungen, so wird der Gipfel in kurzer Zeit auch im Lande erstiegen sein, im Schutze unserer Waffen, die uns allein ein blühendes Land erhielten und eine sichere Ernte er­möglichen.

Groener.

Bus der Heimat«

* sBor einem Mangel an Brot unter allen Umständen geschützt.) Die Frühdrusch- prämien haben die Wirkung gehabt, daß in diesem Jahr ein Ueberblick über das Ernteergebnis weit früher ermöglicht ist, als in den letzten Jahren. Im großen und ganzen darf man, so wird aus Berlin geschrieben, unsere Ernte als eine Mittelernte be­zeichnen, teilweise liegt das Ergebnis darunter, teil­weise haben sich auch die Schädigungen der Notreife als nicht so erheblich herausgestellt, als vielfach be­fürchtet wurde. Sollen wir bis zur nächsten Ernte mit unserm Brotgetreide durchhalten, dann ist auch in diesem Jahr größte Sparsamkeit erforderlich. Wenn diese aber walten wird, besteht kein Zweifel, daß wir vor einem Mangel an Brot geschützt sind. Es ist zutreffend, daß die über Erwarten großen Mengen von Korn, die unter dem Einfluß der Frühdruschprämien zur Ablieferung gelangten, teilweise Schwierigkeiten in der Unterbringung verursacht haben. Zu Be­fürchtungen, wie sie in der Presse zum Ausdruck ge­kommen sind, es könnte Getreide infolge unzu­reichender Lagerung in größerem Umfange verderben liegt kein Anlaß vor. Die Trockenheit während der Erntezeit hat in dieser Beziehung sehr günstige Wirkungen gehabt.

* (Die Vernicht» ngder Raupen.) Jeder Gartenbesitzer oder Besitzer von Kohlpflanzen hat in diesem Sommer außerordentlich über die Raupenplage zu klagen gehabt und hat die Raupen zerstört, wo er nur konnte. In diesen Wochen kommt die Zeit, zu der die Raupen sich verpuppen. Dem Beobachter

wird des auffallen, daß an den Zäunen und Wänden in der Nähe von Kohlpflanzungen Raupen anhaften, die unter und über sich kleine Kokons haben, welche man allgemein fälschlich alsRaupeneier" bezeichnet. Der Gartenfreund zerstört diese Gebilde und glaubt ein gutes Werk getan zu haben. In Wirklichkeit schädigt er sich aber selbst sehr und sollte diese Gebilde und Raupen leben lassen. Diese Gebilde sind nämlich keine Raupeneier, sondern haben ihre Entstehung dem grimmigsten Feind der Raupen zu verdanken. Ein jeder kennt die sogenannte Schwebefliege, die gleich­sam in der Luftstehen" kann. Es ist in der Regel Apanteies xiomersws, aus der Familie der Microgasterinae, Kleinbäuche, eine Wespenart, der den deutschen Namen Weißlingsschmarotzer trägt. Er stellt vor allem den jungen, kaum aus dem Ei gekrochenen Raupen des Kohlweißlings nach, sticht sie an un­belebt sie mit unzähligen Eiern. Äußerlich ist an den Raupen nichts zu bemerken. Wenn aber die Zeit der Verpuppung herannaht, und sie zu diesem Zweck sich einen geschützten Platz oberhalb des Erdbodens (oft kriechen sie zwei Stockwerke hoch) suchen, dann sind die in ihrem Innern lebend gewordenen Laven des Apanteles ihrerseits reif zur Verpuppung und kriechen in Mengen aus der Raupe heraus, um sich gleich wieder einzuspinnen. Diese Kokons bilden dann die kleinen gelben Häufchen. Nach 1014 Tagen öffnen sich an den Kokons kleine Deckelchen, und die fertige 2,5 Millimeter lange Apanteles-Wespe schlüpft aus. Diese Gespinste dürfen also keinesfalls zer­stört werden, entstehen doch aus ihnen wirksame Helfer, die uns bei der Unterdrückung der Raupen­plage sehr unterstützen. Andere Microgasterinen- larven fertigen sich nach dem Verlassen der von ihnen befallenen Raupen Gespinste an, die wie weiße oder gelbliche Wattebäuschchen im Grase hängen.

):( Hersfeld, 1. September. (7 Kriegsanleihe). Die Landeskreditkasse die wie bei früheren Kriegs- anleihsn auch bei der in nächster Zeit zur Zeichnung ÄSMäW8& WW M des Zeichuuugsergebniffes zwei begrüßenswerte Maß­nahmen getroffen: 1. Sie hat, um das ganze Interesse ihrer Kundschast der Kriegsanleihe zuzu- wenden, den Verkauf ihrer eigenen Schuldver­schreibungen eingestellt. 2. Sie löst die zum 1. März 1918 ausgelosten Schuldverschreibungen der Serie 16, 17 und 18 (3o/o und 3v<o/o) schon vom 1. Oktober 1917 ab ein, wenn dagegen bei ihren Kassen Kriegsanleihen gezeichnet wird und zwar zum vollen Nennwert. Im übrigen verweisen wir auf die Bekanntmachung im Anzeigenteil unseres Blattes.

):( Oberhaun, 1. September. Der Garde-Jäger Heinrich Schacht im Garde-Jäger-Regt. 14 wurde mit demEisernen Kreuz" ausgezeichnet.

Witzenhausen, 31. August. Der 16jährige Sohn Walter der Witwe Wedemeyer in Fürstenhagen kam durch einen Unglücksfall ums Leben. Beim Kartoffel- holen kam der Wagen ins Rollen, der Knabe geriet unter die Räder und erlitt so schwere Quetschungen, daß bald darauf der Tod infolge innerer Verblutung eintrat.

Göttingen, 31. August. jD e r Zigeuner.) Ein heiterer Vorfall spielte sich hier auf einem Landgrund­stück am Hainberge ab. Einige Kinder hatten einen Mann bemerkt, der eifrig mit dem Bohnenbrechen beschäftigt war. Man hielt ihn für einen Zigeuner und sofort holten die Kinder Hilfe herbei. Mehrere Männer und Frauen, mitHacke und Schippe" 6e= waffnet wollten den Zigeuner festnehmen. Dieser ließ sich jedoch durch Nichts stören. Die Verständigung ergab jedoch, daß der Zigeuner auf seinem Grundbe­sitz Bohnen aberntete. Schließlich bemerkte einer der Anwesenden:Wenn sei seck nich härren utwiesen können, harren sei aber ne düchtige Bracht he kriegen."

Schiffelbach (Kr. Kirchhain), 31. August. Wie lohnend das Aehrenlesen ist, zeigt nachstehender Fall. Hier hatten die Schulkinder unter Aufsicht des Lehrers an zwei Nachmittagen, die in den Furchen liegen- gebliebenen Weizenähren gelesen. Das Ergebnis ihrer Bemühungen betrug vier Zentner Körner.

Weisungen, 31. August. Um das verbotswidrige Ausmachen unreifer Kartoffeln unter allen Umständen zu verhindern, droht der Landrat den Gemeinden, aus denen nicht völlig ausgereifte Kartoffeln zum Verkauf kommen, mit Herabsetzung der Höchstpreise.

Marburg, 31. August. Ein Unglücksfall mit töd­lichem AuSgang hat sich beim Ausdreschen des Ge­treides durch eine Dreschmaschine im Dorfe Nenters- hausen zugetragen. Ein Schulknabe namens Speier im Alter von 13 Jahren wollte Getreide, welches sich an der Einlegetrommel verstopft hatte, mit den Füßen herunter stoßen. Dabei wurde er von dem Räder­getriebe erfaßt und ihm das rechte Bein buchstäblich abgedreht, außerdem eine tödliche Verletzung am Unterleibe zugefügt.

Bauerbach, 31. August. Unsere Gemeinde löste aus dem Verkauf des diesjährigen Obstes 1001 Mk.,eine Einnahme, die noch in keinem Jahre erzielt wurde.