Einzelbild herunterladen
 

Herssel-er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

z> . / I >i Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Telle 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 204. ^iger Bezuyspr^ Sonnabend, den 1. September

1917

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 23. August 1917.

Der die Ergänzungsbefchau im Kreise HersfelS Ausübende, Schlachthofdirektor Tierarzt Friedrich ist für die Zeit vom 30. August bis 3. September vrts- abwesend. Die Ergänzungsbeschau wird in dieser Zeit von dem Kreistierarzt Hartmaun in Homberg ausgeübt. Die notgeschlachteten Tiere müssen zu die­sem Zwecke in den städischen Schlachthof in Hersfeld gebracht werden, was keine besondere Schwierigkeit bedeutet, daß dieses Fleisch in jedem Falle in Hersfeld verwendet werden wird. Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich für die Durchführung dieser Anordnung zu sorgen und die Fleischbeschauer mit Anweisung zu versehen.

Der Landrat.

Tgb. No. l. 10333. I. V.:

Funke, Kreissekretär.

Errichtung eines Schiedsgerichts für den Regierungs­bezirk Cassel zur Entscheidung von Streitigkeiten aus Gemüse- und Obstlieferungsverträgen.

Auf Anordnung der Reichsstelle für Gemüse und Obst ist für den Umfang des Regierungsbezirks Cassel ein Schiedsgericht gebildet, das über alle Streitigkeiten aus Anlaß von Lieferungsverträgen über Gemüse und Obst nach den amtlichen Mustern der Reichsstelle zu entscheiden hat (§ 10 der Lieferungsverträge über Frühgemüse, § 11 der Lieferungsverträge über Früh- gemüse für Fabrikbetriebe, § 9 der Herbstgemüfever- träge "nnd § 8 der Obstlieferungsverträge.

Das Schiedsgericht hat feinen Sitz in Cassel. Für dasselbe bestimmte Sendungen sind zu richten an die Bezirksstelle für Gemüse und Obst (Schiedsgericht) Cassel, Regierungsgebäude.

-___.Alle Anträge und Schriftsätze sind in doppelter Ausfertigung vorzutegen,- »«s^chHMMMtz welche als Beweismittel dienen sollen, ist gleichzeitig uoch eine Abschrift beizufügen. (A U. G. 5016 a).

Cassel, am 1. August 1917.

Bezirksstelle für Gemüse und Obst. Spieß.

* . *

Hersfeld, den 25. August 1917.

Wird veröffentlicht.

Tgb. Ro. i. 9984. Der Landrat.

J. B.:

F h n k e, Kreissekretär.

Eigenbau von Gemüsesamen.

Veröffentlichungen des Preußische« Landwirtschafts- ministeriums.

Die Deckung des Bedarfes von Gemüsesamen stößt während des Krieges auf Schwierigkeiten. Die Witterung der Kriegsjahre war dem Gemüsesamen­bau ungünstig, außerdem ist der Bedarf erheblich ge­stiegen. Um einem Mangel an Samen für das nächste Jahr vorzubeugen, sollte jedermann bestrebt sein, den im nächsten Jahr benötigten Samen selbst zu erzeugen. Bei den einjährigen Pflanzen, wie Bohnen, Salat usw. läßt sich das ohne besondere Schwierigkeiten und Kosten durchführen.

Berlin, den 11. August 1917.

Nach den Bestimmungen des Verbandes hat der Händler spätestens bis zum Dienstag, dem Vertrauens­mann anzumelden, welche Mengen Vieh er in der folgenden Woche abliefern will. Dabei ist Ort und Name des Besitzers «nzugeben. Erfolgt von mir keine Absage, so kann das Vieh angeliefert werden, jeden Dienstag vormittag, Bahnhof Hersfeld. Vieh jeder Gewichtsklasse wird abgenommen.

Julius Baum ann, Vertrauensmann für die Fleischversvrgung Hersfelds.

Berlin, den 10. August 1917.

A» die deotsche» Lavdwirte md die deotsche ImgmimneME!

Der Beginn des 4. Kriegsjahres steht im Zeichen der größten Erfolge. Im Osten folgen wir in glänzendem Siegeslauf dem zuruckwerchenden Feinde, im Westen schlagen wir die Rresenangrrffe unseres verbissensten Gegners siegreich zurück. Auch der politische Himmel beginnt sich aufzuhellen. Die eng­lischen Lügen fangen an, zu zerrinnen und Dämmer­ung steigt selbst bei Englands Verbündeten und seinem eigenen Volke auf. Der Aushungerungskrieg, Englands Ziel, ist zuschanden geworden. Die Fronten stehen bombensicher, sagte unser Katzer. Bombensicher steht aber auch fest, daß die Erträge unserer Fluren für unsere Volksernährung ausreichen. Nur müssen wir sie einbrinzen unter Ö«8 J$ufcen6e Dach, und alle Arbeitskräfte, je nach Maßgabe der Leistungs­fähigkeit jedes Einzelnen, müßen zusammengefaßt und verfügbar gemacht werden.

Eine planmäßige Arbeitsteilung ist bei der In­dustrie und bei den Behörden erfolgt. Es gilt, diese Arbeitsteilung durchzuführen auch in unserer. Land­wirtschaft. Die schwerere Arbeit muß den Gefangenen, die leichtere und schnell erlernbare unserer deutschen Jungmannenschaft zufallen, die sich bereits an vielen Orten in erfreulicher Zahl zum vaterländischen land­wirtschaftlichen Hilfsdienst begeistert zur Verfügung gestellt hat. Aber viele Tausende von ihnen sind noch

froher Erwartung, da

an

nicht ausgenutzt und mit jugendlichem Eifer und in her Erwartung, daß der Ruf zur Tat nun auch sie ergehe, harren sie des RusH der Landwirtschaft. Daß geradezu 'voll befriedigende Ergebnisse erziehlt worden sind, bezeugen die Hilfeleisten der rheinischen Jungmannenschaft, die bereits vielfach schon in den

verflossenen drei Kriegsjahren ihre jugendliche Kraft erfolgreich eingesetzt hat. Die Berichte der Führer und der die Kommandos besuchenden Abordnungen von Regierungs-Behörden, die Zeugnisse der Land­wirte als Arbeitgeber und auch der ländlichen Be­hörden, legen beredte Zeugnisse dafür ab, daß der feste Wille, der jugendliche Ehrgeiz, wurzelnd in warmem, vaterländischem Empfinden, den scheinbaren. Mangel an Körperkraft und die Arbeitsunkenntnis zu ersetzen vermag. Leicht, wie dem Jungmann vom Lande, wird es dem Stadtjungmann sicherlich nicht und in der ersten Woche der Arbeit rinnt der Schmeiß in Strömen und der Körper biegt sich unter der un­gewohnten Arbeit. Die in dieser ersten Zeit ein= tretende größere Ermüdung, die dem landwirtschaft­lichen Berufsarbeiter als Schwäche erscheinen mag, ist nur die Folge der ungewohnten Tätigkeit, der naturgemäße Rückschlag, der nach der Zeit des Drückens der Schulbank unbedingt eintreten muß. Aber schon in der zweiten Woche straffen die Muskeln sich und der Wille ringt siegreich die Müdigkeit nieder. Jetzt merkt der Landmann auch, daß die Hilfe zur Tat geworden ist. Wer einen Versuch mit Jung- manuen bei richtiger Arbeitsteilung gemacht hat, wird es dankbar begrüßen, wenn er sie zur Ernte- oder MrWatzMLeüLttmleder^bekommen kann. Arbeits­teilung ist die erste Vorbedingung MU»MDMWMMM der jugendlichen Kraft. Auch die Kinder des Land­manns wachsen erst mit den Jahren in die schwere Arbeit hinein. Nicht anders darf es bei den städtischen Jungmannen erwartet werden. Jeder Mann an seiner richtigen Stelle, so heißt es überall im Geschäfts- leben, dann wird das Ziel erreicht.

(Schluß folgt).

Bus der Heimat.

* (Wiespare ichGas?) Zweckmäßige Regeln für Gasersparnis stellte kürzlich das städtische Gas­werk in Frankfurt a. M. auf: Lösche sämtliche Zünd- flammen. Lasse große Brenner durch kleinere Liliput- oder Zwergbrenner ersetzen. Halte jeden Brenner in Ordnung, lasse Mängel beseitigen. Halte die Unter­seite der Kochgefäße rein; Ruß ist schlechter Leiter. Verwende dünnwandige flache Kochgesäße nnd nur solche mit Deckel. Stelle die Flamme so ein, daß sie nicht über den Boden des Kochgefäßes hinausschlagt, sondern den Bodenrand 2 Finger breit unberührt läßt. Benutze den Rippenring für Kochgefäße, die größer sind als der Kochplattenausschnitt. Drehe, sobald der Inhalt des Gefäßes kocht, den Gashahn zurück. Stelle nach dem Ankochen geeignete Kochge- fätze zum Weiterkochen übereinander und bedecke die oberen Gefäße mit Deckel und Tuchhaube. Bereite warmes Wasser in einem Topf, der statt des Deckels auf das Kochgefäß gefetzt wird, und erwärme das Wasser nicht über die notwendige Temperatur. Zu­mischen von kochendem Wqfser zu kaltem Wasser ist unvorteilhafter, als die Erwärmung der ganzen Waffermenge. Verwende nach dem Ankochen zum Garkochen die Kochkiste, die stundenlange Feuerung unnötig macht und am besten zur Gasersparnis bei- trägt. Brenne den Gasofen nicht bei offenem Fenster.

* Zur Förderung der Schafzucht sind bekanntlich vom Ministerium den preußischen Laudwirtschaftskammern erhebliche Mittel zur Ver­fügung gestellt worden. Der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel sind für diesen Zweck 30000 Mark überwiesen worden.

* (Ein beschränktes Rauchverbot?) Es ist bekannt, daß unsere Tabakvorräte gering sind und daß die Möglichkeit, neuen Rohtabak aus dem Auslande hereinzubekommen, sehr begrenzt ist. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß die beteiligten Kreise sich seit einiger Zeit mit der Frage befassen, in welcher Weise die vorhandenen Bestände gestreckt werden können. Bei den Beratungen soll nach dem Hann. Kurier" angeblich ernsthaft angeregt worden sein, daS Rauchen auf der Straße behördlich zu ver­bieten, da man sich hiervon eine Einschränkung des Verbrauchs verspricht. Wie demFrkf. Gen.-Anz." aber von maßgebender amtlicher Seite auf Anfrage mitgeteilt wird, ist nicht daran zu denken, daß die Behörden dem Gedanken, ein allgemeines Rauchver­bot für die Straße zu erlassen, ernsthaft näher treten werden.

* Die Konservierung von Mairüben in luft­dicht verschlossenen Behältnissen ist durch eine Be­kanntmachung der Reichsstelle für Gemüse und Obst vorn 12. August 1917 verboten worden, um eine un­wirtschaftliche Beeinträchtigung des FrischmarkteS zu verhindern.

§ Hersfeld, 31. August. Der Postverkehr zwischen Deutschland und China ist gänz­lich e i n g e st e l l t und findet auch auf dem Wege über andere Länder nicht mehr statt.. Es werden daher keinerlei Postsendung nach China mehr ange­nommen. Bereits vorliegende oder durch die Brief­kästen zur Einlieferung gelangende Sendungen werden den Absendern zurückgegeben. Der private Telegramm-Verkehr nach China ist ebenfalls eingestellt.

):( Hersfeld, 31. August. Der Gefreite Wilhelm Kniese, Art.-Rezt. 47, erhielt das Eiserne Kreuz.

Rotenburg, 30. August. In die Fulda gesprungen und ertrunken ist vorgestern abend ein 20jähriges Mädchen aus einer Nachbargemeinde. Ein wildge- wordener Stier raste am Dienstag durch unsere Stadt und verletzte eine Anzahl Personen schwer. Schließ­lich gelang es einem Einwohner, das Tier »zu er- schießen.

Cassel, 28. August. Ein schweres Unglück trug sich gestern morgen in einem Hause im Grünen Weg zu. Eine im dritten Stock wohnende 62 Jahre' alte Witwe beugte sich zu weit zum Fenster vor und stürzte plötzlich in die Tiefe. Sie blieb mit zer­schmettertem Kopfe auf dem Hofe liegen. Die Frei­willige Sanitätskolonne war schnell zur Stelle. Man konnte aber uur noch den wenige Minuten nach dem Sturz eingetretenen Tod der Kran feststellen.

Eisenach, 30. August. Wegen Ueberschreitung der Höchstpreise beim Verkauf von Gänsen sollte ein junges Bauernmädchen aus Zimmern bei Langensalza zwecks Feststellung ihrer Personalien zur Polizeiwache ge­bracht werden. Sie w*ndte sich jedoch zur Flucht und

wtoer über, soöaß folgen muß

n-

Göttingen, 29. August. Wegen unerlaubten -Ver­kehrs mit Kriegsgefangenen verurteilte das hiesige Schöffengericht die 30jährige Witwe Lechte aus Reyers- Hausen zu zwei Monaten Gefängnis. Der Verkehr war nichts ohne Folgen' geblieben. Ihre Berufung

wurde verworfen.

Bad Wildlingen, 21. August. In einer der letzten Nächte statteten Diebe dem Anwesen eines hiesigen Einwohners einen gerade nicht erfreulichen Besuch ab und stahlen 19 Hüh

mer.

Marburg, 30. August. Die hiesige Polizetver- waltung gibt wieder die Namen von vierzehn Per­sonen bekannt, die in der letzten Zeit wegen Ent­wendung von Garten- und Feldfrüchten rechtskräftig bestraft wurden.

Wiesbaden, 30. August. In einem Hause an der Blechstraße wurde eine Glücksspielergesellschaft aus- gehoben und dabei ein größerer Geldbetrag beschlag­nahmt. Die Spieler waren meist kleinere Leute.

Erfurt, 28. August. Der Regierungspräsident hat die Versteigerung von Brennholz verboten. Beim freihändigen Verkauf von Brennholz sind die von der Bezirkspreisprüfungsstelle nach Benehmen mit der königlichen Forstverwaltung bekanntgemachten Taxpreise als Richtpreise zu beachten. Die An­ordnung tritt mit Beginn des neuen Forstwirtschafts­jahres am 1. Oktober 1917, in Kraft.

Weruswig (Kr. Homberg), 30. August, «roßfeuer entstand hier im Anwesen des Landwirts Liemon, während er in der Scheune mit Getreidedreschen beschäftigt war. Das Feuer griff sehr schnell um sich und vernichtete die retchgefüllte Scheune mit allen Neben- und Okonomiegebäuden sowie einen großen Teil des Wohnhauses. Ueber die Entstehungsur­sache des Feuers ist nichts bekannt. Die Viehbestände konnten vollständig gerettet werden. von dem An­wesen des nebenan wohnenden Landwirts Rompf wurden die Scheune, Oekonomiegebäude und einHTeil des Wohnhauses ein Raub der Flammen.

HilderS (Rhön), 27 .August. Der in weiterer Um­gebung als Rhöner-Musikant bestens bekannte und geachtete 77jährige Ludwig Etzel dahier ist verstorben. Er hat früher wie andere Rhöner in Bädern usw. gespielt und seine Meisterschaft auf der Violine bis in fein Alter bei Freud und Leid betätigt.

Mainz, 30. August. Gegen die Bestimmungen zur Erzielung einer Einschränkung des Gasverbrauchs hat die Stadtverordnetenversammlung Mainz einstimmig einen Protest nach Berlin gerichtet, weil die Bestim­mungen in der praktischen Durchführung auf große Schwierigkeiten stoßen, unsozial sind, weil sie den Klein- verbraucher stärker belasten als den Mehrverbraucher und weil sie schematisch keinen Unterschied zwischen sparsamen und unwirtschaftlichen Gasabnehmern in der Behandlung machen.