Einzelbild herunterladen
 
  

um SkoGolm.

Ob der internationale Sozialistenkongreß am 9. September, wie geplatzt, in Stockholm zusammentreten wird, ist noch ungewiß, noch weniger läßt sich vorausse­hen, welchen Verlauf er nehmen und welche Beschlüsse er fassen wird. Dieser Kongreß wirft schon merkwür­dige Schatten voraus: Der allgewaltige Machthaber in England Llvpö George hat den Arbeiterminister Hen- derson ans seinem Kabinett hinausgeworfen, weil die­ser angeblich auf dem Londoner Arbeiterkongreß unter­lassen habe, die Arbeiterdelegierten darüber aufzuklä- ren, daß das britische Kabinett von dem Stockholmer Sozialistenkongreß überhaupt nichts wissen wolle und daß er (Henderson) lediglich als Privatmann und nicht als Mitglied des Kabinetts sprechen könne. Auch die gegenwärtige russische Regierung unter Kerenski will von dem Sozialistenkongreß in Stockholm nichts wissen, sie will die russischen Sozialisier! nicht hindern, au dem Kongreß teilzunehmen, aber erklärt von vornherein die etwa zu erwartenden Beschlüsse als keineswegs belang­reich für die russische Regierung. Am liebsten würde wohl Kerenski auch den Abgeordneten des Arbeiter- und Soldatenrates die Pässe ür Stockholm verweigern, ebenso wie das in der Absicht der britischen, französischen und amerikanischen Regierung gegenüber ihren Staats­angehörigen liegt, die nach Stockholm reisen wollen. So stellen sich die parlamentarisch regierten Länder den Wünschen der Arbeiter gegenüber. In denautokra- tisch" regierten Staaten Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Bulgarien denkt man viel entgegenkommender, die deutsche Regierung hat nicht nur den Scheidemännern, sondern auch den Haase-Männern Pässe zu den Vorve- sprechungen in Stockholm aushändigen lassen, und sie wird auch dem Besuch des Hauptkongresses in Stockholm keine Schwierigkeiten in den Weg legen. Dasselbe ist zu erwarten von der österreichisch-ungarischen Regie- rung. Dabei gibr sich auf Seiten Deutschlands und seiner Verbündeten kein besonderes Interesse für Stock­holm kund, weiß man doch, wie wenig Kongreßreden und Kongreßbeschlüsse gegenüber der Sprache der Ka­

nonen zu bedeuten haben, und namentlich wenn die re­denden und beschließenden Personen nicht zugleich die Regierungsgewalt besitzen. Aber nicht einmal die rus- lichen Sendboten können sich als Regierungsvertreler n Stockholm einführen, noch viel weniger die franzö­sischen und englischen, wenn diese überhaupt die Reise- erlaubnis erhalten. Die Scheidemünner sönnen weiter aufklärend wüten das ht alles, was wir von Stock­holm erwarten aber ob sie die Arbeiterabgeordneten der uns feindlichen Staaten auch noch zu einem Verzicht auf Elsaß-Lothringen bewegen können, ist sehr fraglich und höchst unwahrscheinlich. Gleichwohl zittert das böse Gewissen des Lloyd George, Poincaree, Wilson & Co. vor dieser Stockholmer Zusammenkunft, weil doch von ihr ein wenig Licht ausstrahlen könnte über die Schuld an der Fortsetzung des entfetzlichen Völkermordens. Einst­weilen wollen wir abwarten, was in der Zwischenzeit sich noch ereignen wird. Die Verweigerung der Pässe wird in England und Frankreich böses Blut machen. Es wäre nicht unmöglich, daß vor Stockholm noch durchgreifende Ministerwechsel in London und Paris eintreten könnten.

Gehl PoiMtee?

Wenn man den Meldungen neutraler Blätter Glauben schenken darf, hat nunmehr auch für die Prä- sidentenherrlichkeit Poincarees das letzte Stündlein ge­schlagen. Briand und Delcassee, Asquith und Grey, Goremykin und Sasanow, dazu die lange, lange Reihe der ministeriellen Halb- und Viertelgötter es ist ein trauriger Schattenzug, den der Krieg in den Hades ge­zwungen hat. Und zu all den mehr oder minder be­deutenden Regisseuren des großen Völkerdramas nun auch einer der Hauptverantwortlichen: das Oberhaupt der französischen Republik, Raimond Poincaree.

Obzwar tm Augenblick eine Bestätigung über feine Amtsmüdigkeit noch nicht vorliegt, ist ihre starke in­nere Wahrscheinlichkeit auf Grund der Vorgänge der letzten Wochen sicherlich nicht zu verkennen. Ueber ein Zuviel an Volkstümlichkeit hatte sich der Präsident seit seiner kopflosen Flucht nach Bordeaux im August 1914 ia ohnehin nicht zu beklagen, und die Fehlschläge an den

Fronten haben seitdem ein übriges getan, seine Stel­lung in der öffentlichen Meinung zu erschüttern. Den eigentlichen Anstoß zur Präsidentenkrisis haben jedoch zweifellos erst die Enthüllungen des Reichskanzlers über den russisch-französische» Geheimvertrag des Feb­ruar dieses Jahres gegeben, der von Poincaree ohne Wissen des Kabinetts, also unter offenkundigem Ver- fassungsbtuch, geschlossen wurde, und der schon in der letzten Geheimsitzunff der französischen Kammer eine be­deutsame, dem Präsidenten aber nicht förderliche Rolle gespielt hat. Sollte er daher jetzt wirklich, wie es den Anschein hat, als Opfer dieses Vertrages auf der Strecke bleiben, fo würde der Kanzler mit seinem Vor­stoß hier fraglos einen ersten, und zwar in Ansehung des Objekts nicht unbeträchtlichen diplomatischen Erfolg zu verzeichnen haben.

Sicher ist das eine, daß der Weltkrieg in dem Au­genblicke zur Unabwendbarkeit geworden ist, als das Schicksal dem ehrgeizigen, willenlos in Englands Schlepptau segelnden Lothringer zur höchsten Würde und damit auch zur höchsten Macht der Republik ver- holfen hatte. Denn nun fielen die letzten Schranken, die der bedächtige Fallieres, fein Amtsvorgänger, dem englischen Einfluß noch entgegengestellt hatte, und ret­tungslos trieb das französische Volk seiner blutigen Zu­kunft entgegen.

Heute, nach drei Kriegsjahren, kann Frankreichs Schicksal als entschieden gelten. Es ist politisch, wirt­schaftlich nur bis zu einem gewissen Grade auch militä­risch zur bloßen Satrapie Englands geworden, und nur ein schleuniger Friedensschluß vermöchte es vielleicht noch aus seiner Abhängigkeit zu retten. Dem aber steht die hoffnungslose Verblendung entgegen, in wel­cher das französische Volk, mindestens feine politisch maßgebenden Kreise, noch immer befangen sind, und so würde selbst ein Wechsel in der Rräftöentfchaft heute wohl kaum einen weiterreichenden Einfluß auf die Ge­staltung seiner Zukunft gewinnen. Den einen bösen Geist wird es allenfalls los, die übrigen aber, die es in unseliger Stunde rief, bleiben, und nirgends zeigt sich der Meister, der sie zu bannen verstünde.

Fortsetzung des amtlichen Teils.

Hersseld, den 11. August 1917.

Folgende Bäckereien sind im Kreise Hersfeld (mit Ausnahme der Stadt Hersfeld) zum Verkauf von Brot und Mehl gegen Brotkarte bis auf weiteres zugelassen.

C. Bittorf, Heringen,

Frau Zirkelbach, Heringen,

Lindner, Widdershausen,

Lindemann, Philippsthal,

Schön, Heimboldshansen,

Steinbach, Friedewald,

H. Scheer, Ransbach,

Frau H. Landsiedel, Ransbach,

J. Wickert, Schenklengsfeld,

Georg Bein, Schenklengsfeld,

Frau Daube, Schenklengsfeld,

Thiel, Conrode,

Kaufmann, Friedlos,

Groß, Niederaula,

Groß, Kirchheim,

Walper, Obergeis,

Hoffmaun, Bodes,

Schott, Bodes,

Andere Stellen dürfen Brot und Mehl an Brot- kartenempfängernurnachvorherigerZulassungdurchden Kreis abgeben. Die Herren Bürgermeister und Guts- vorsteher ersuche dies auf ortsübliche Weife bekannt zu geben. Falls noch andere Personen oder Ge­schäfte Brot oder Mehl abzugeben haben, ersuche ich mir diese zu benennen.

Tgb. No. K. G. 2346. Der Landrat.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Nr 456. Meldepflicht der Arbeitsnachweise, Hilfsdieastmeldrsteüe n«d der Zentral- auskanftsstrür«.

Caffel, den 10. 7. 1917.

Auf Grund des § 9 des Gesetzes über den Be­lagerungszustand vom 5. Juni 1851 und des Gesetzes betreffend Abänderung dieses Gesetzes vom 11.12.1915 bestimme ich für den Bereich des 11. Armeekorps:

1. Jeder nicht gewerbsmäßige Arbeitsnachweis mit Ausnahme derjenigen für kaufmännische, technische und Büro-Angestellte (Ziffer 3) hat solche Arbeitsge­suche und offene Stellen, die er nicht selbst sogleich oder voraussichtlich binnen 48 Stunden erledigen kann, an die zuständige Hilfsdienstmeldestelle zu melden. Diese Meldungen sind zahlenmäßig unter genauer Berufsbezeichnung mittels vom Kaiserlichen Stati­stischen Amt, Abteilung für Arbeiterstatistik, Berlin W. 62, Landsrafenstr. 1 kostenlos erhältlicher Post- kartenvordrucke zweimal wöchentlich so zeitig zu er­statten, daß diese Postkarten spätestens an jedem Montag und Donnerstag früh bei der Hilfsdienst- meldestelle ein treffen.

2. Jede Hilfsdienstmeldestelle 'hat alle ihr zu­gehenden Meldungen, soweit sie diese nicht selbst oder mittels der Arbeitsnachweise ihres Bereichs sogleich oder vorraussichtlich binnen 48 Stunden erledigen kann, an die zuständige Zentralauskunftsstelle weiter- znmelden, und zwar so zeitig, daß die Meldungen bei der Zentralauskunftsstelle spätestens an jedem Dienstag und Freitag früh eintreffen.

Die Wettermeldung geschieht in der Weise, daß die von den Arbeitsnachweisen eingehenden Postkarten in Urschrift weitergeleitet werden, nachdem darauf die sich aus der Ausgleichstätigkeit der Hilfsdienstmelde- stelle etwa ergebenden Abänderungen vorgenommen sind. Soweit die bei der Hilfsdienstmeldestelle snü- «ittelbar gemeldeten Arbeitsgesuche und offenen Stellen bis zur Absendung der Meldekarten und vorraussichtlich binnen weiterer 48 Stunden nicht er­ledigt werden können, ist hierfür ebenfalls ein Vor­druck auszufüllen und den übrigen Meldekarten bei- zufügen.

8. Die nicht gewerbsmäßig betriebene» Arbeits­nachweise (Stellenvermittlungen) für technische, kauf­männische und Bür»-A«gestellte haben solche Stellen­gesuche und offene Stellen, die sie nicht selbst sogleich oder voraussichtlich binnen einer Woche erledigen können, an die zuständige Zentralauskunftsstelle zu

melden und zwar die Vermittlungszweigstellen des Kriegsausschusses der technischen Verbände mit dem ZusatzFür den Obmann der technischen Verbände". Die Meldungen sind mittels vom Kaiserlichen Statis­tischen Amt kostenlos erhältlicher Postkartenvordrucke einmal wöchentlich so zeitig zu erstatten, daß die Post­karten spätestens an jedem Freitag früh bei der Zentralauskunftsstelle eintreffen.

4. Die Zentralauskunftsstellen haben die ihnen zugehenden Mitteilungen, die sie nicht innerhalb 48 Stunden ausgleichen können, an das Kaiserliche Statistische Amt, Berlin W. 62, Landgrafenstraße 1 weiterzuleiten und zwar so zeitig, daß sie beim Statistischen Amt spätestens jeden Donnerstag und Montag früh eintreffen. Die Wettermeldung geschieht in der Weise, daß die von den Arbeitsnachweisen ein­gehenden Postkarten in Urschrift weitergesandt werden, nachdem darauf die sich aus der Ausgleichstätigkeit der Zentralauskunftsstellen etwa ergebenden Abände­rungen vorgenommen sind.

5' . Bei der Ausfüllung der Meldekarten (Post­kartenvordrucke) sind die Anleitungen des Kaiserlichen Statistischen Amts zu beachten.

Soweit an eiLew^Süchtage Meldepflichtige Arbeits- bezw. Stellengesuche und offene Stellen nicht vorliegen, ist Fehlanzeige zu erstatten. Auch Postkarten, die lediglich Fehlanzeige enthalten, sind in Urschrift weiterzugeben.

6. Die nicht gewerbsmäßig betriebenen Arbeits­nachweise sind verpflichtet, auf Ansuchen der Hilfs­dienstmeldestellen, Frauenarbeitsmeldestellen und Zentralauskunftsstellen weitere Aufschlüsse zu erteilen, soweit diese verlangt werden, um einen genaueren Ueberblick über die Lage des Arbeitsmarktes zu er­halten.

7. Die Meldungen der Hilfsdienstmeldestellen müssen auch die Meldungen der ihnen angegliederten Fraueuarbeitsmeldestelle» umfassen.

Insoweit Frauenarbeitsmeldestellen mit Hilfs­dienstmeldestellen nicht unmittelbar verbunden sind, sondern neben diesen bestehen,. finden auf sie die für Hilfsdienstmeldestellen getroffenen Bestimmungen überall ohne weiteres Anwendung.

8. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr, bei Vorliegen mildernder Umstände mit einer Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft.

9. Dieser Befehl tritt sofort in Kraft. Gleich­zeitig wird der Befehl vom 10. Februar 1916 aufge­hoben.

Der Kommandierende General von Kehler, Generalleutnant.

* * * Hersfeld, den 16. August 1917. Wird veröffentlicht.

Der Landrat.

I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Affessor.

Steuerzahlung.

Die kostenpflichtige Zwangsbeitreibung der rück­ständigen Steuern der 1. und 2. Rate beginnt, soweit die Steuerzettel ausgehändigt sind, am 30 ds. Mts.

Hersfeld, den 11. August 1917.

Stadtkaffe.

Reichsbankgiro, Postscheckkonto 14140 Frankfurt a. M., Bankkonto: Depositenkasse L. Pfeiffer und Mitteldeutsche Privatbank Hersseld.

Glocken- und Sicherheitsgöpel ein- und zweispännig, ScheibenradhäckseSschneidemaschinen mit gusseis. Unterbau,

Verbesserte Stiftendreschmaschinen für Hand- und Göpelbetrieb,

Glatt-, Ringel- und Cambridgewalzen vollständig aus Eisen,

Reparaturen landw. Maschinen

Ä, SBOOOFj u. Eisengiesserei Hersseld.

Um ausreichende Holzvor-' räte zur Deckung des Winter- bedarfs anzusammeln, sind wir genötigt, das städt.

Hölzmagazin oon heute ab dir Ende Mob« d. 8 zu schließen.

Es wird also in diesem Zeitraum weder Holz abge­geben, noch werden Bestel­lungen auf solches entgegen­genommen.

Hersseld, den 16. 8. 17. er Magistrat.

W^ Vogel- satter für alle BogeLarten besondere naturgemäße Mischungen.

Niederlage bei Firma

Wie Mit

Arbeitsbücher

sind vorrätig in WMWWtlei,

Die für vergangenen Sonntag angesagte Pilz­wanderung konnte des schlechten Wetters wegen nicht stattfinden. Die

Vilzwauderung fiudet Sonntag den 19. August d- I. unter Führung des Herrn Lehrers Schäfer statt.

Versammlungsort: Heiliges Kreuz (Wehnebergerstr.) nachmittags 3 Uhr. Es wird um reiche Beteiligung ge­beten. Die Wanderung findet nur bei trockenem Wetter statt.

Hersfeld, den 17. August 1917.

Der MagistratVersorgungsstelle.

Für die laufende Woche kommen auf den Kopf der Verforgungsberechtigten

60 gr Butter

unter den seitherigen Bedingungen zum Verkauf.

Verkaufstag den 18. d. M.

Hersfeld, den 17. August 1917.

Der Magistrat Bersorgaagrftrlle.

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teil­nahme von nah und fern bei dem Heimgang unseres teuern Entschlafenen sagen wir allen, besonders auch Herrn Pfarrer Scheffer für seine tröstenden Worte * herzlichen Dank.

Hersfeld, den 17. August 1917.

Geschwister Knoth

FncWH L Funks BKMntiMrti.