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Unverträgliche Geschwister.

Von Dr. von Gneist.

Holder Friede, süße Eintracht! Wie wohltuend ist cin friedliches Einvernehmen zwischen Geschwistern, aber nicht immer ist es zu finden.Wie fein und lieb­lich ist es, weint Brüder einträchtig beieinander woh- nen!" Dies tränen sich die Kinder ivohl in der Schule ein, aber wie wenige handeln danach, obgleich es ein Jdealzustand sein würde, für Kinder und Eltern glei­chermaßen. Wie sehr unter diesen Zänkereien, unter diesen ewigen Reibereien und Streitigkeiten die Ge­mütlichkeit und Behaglichkeit leidet, das macht sich das junge Volk gewöhnlich nicht im geringsten klar. Und doch gebt etwas so überaus Unerquickliches für die Umgebung oavvn aus, und nichts beeinträchtigt die Stimmung im Hanse so stark, wie unschönes Gezänk. Wenn nun gar Vater oder Mutter beständig zur Schlichtung der Fehden herangezogen werden, so bildet dieses meist recht schwierige Richteramt für die Eltern eine unaufhöuiche Quelle der Aufregung und Ver­stimmung. Leider trösten sich dennoch zahlreiche El­tern und Erzieher mit der bequemen Redensart, daß diese Zänkereien im Grunde nicht bös gemeint seien, ja, in ihrer Erinnerung haftet noch so manch liebliches Bild, wie sie es früher in der eigenen Jugendzeit nicht um ein Jota besser gemacht hatten, und so manches Wort­gefecht nebst i sartung 311 Tätlichkeiten damals von ihnen zum Austrag gebracht worden war. Aber wer wollte leugnen, daß in dem Augenblick, wo der Streit entbrennt, der Zorn, der Haß, ein oft sogar sehr tief empfundener ist, und wenn auch die Versöhnung bald folgt, so büdet sich durch die häufige Wiederholung solcher Szenen doch nur zu leicht so manche unschöne Charuktereigenschaft, so daß schon aus dem Grunde die geschwisterliche Unfriedlichkeit nicht als etwas so Harm­loses anzusehen ist. Gewiß wird ein gutgeartetes Kind nicht gleich Schaden an seiner Seele leiden, wenn es dann und wann mal zwischen Brüdern und Schwe­stern einen kleinen Krach gibt, denn ganz ohne Reibe­reien wird es auch in der friedlichsten Kinderstube nicht abgehen. Aber mit aller Macht sollten Eltern und Er- ziener einem Umsichgreifen des Uebels steuern, vor allem jedoch in der nüQeften Jugend hiermit beginnen, um zu verhüten. daß das häßliche Unkraut der Zank­sucht, das anfangs nur ein winziges Pflänzchen ist, weiter und weiter wuchert und schließlich die guten Regungen des Gemüts erstickt und an der Entfaltung hindert. Am leichtesten läßt sich dies erreichen, wenn man in dem Verkehr der Geschwister untereinander feine Rücksichtslosigkeiten duldet. Das Kind soll wis­sen, daß es die Rechte der Geschwister ebenso zu wah­ren hat, wie es dies bei seinen eigenen verlangt, daß jedes zügellose Sichgehenlassen auch zu Hause unge­hörig, d» es eines gesitteten Menschen unwürdig ist, Schimpfworte in den Mund zu nehmen, oder um sich zu schlagen bei der geringfügigsten Veranlassung.

Auch bei herangewachienen Kindern findet man oft eine wahrhaft erschreckende Zank- und Streitsucht. Wenn auch der Streit nicht immer in Tätlichkeiten ausartet, so erstreckt er sich doch auf eine Kette von Bos­

heiten, beißenden Spott, höhnende und beleidigende Redensarten, Kränkungen, die verwunden und oft lauge nachgetragen werden. So schießen die häßlichen Triebe und Eigenschaften wie Pilze aus der Erde her­vor und werden zu einem unausrottbaren Uebel für das ganze Familienwohlbefinden. Ja, wer wollte be- streiten, daß oft genug Familienzerwürfnisse im spä­teren Alter ihren Anfang schon einstmals daheim im listernhause nahmen, indem es versäumt wurde, durch die Erziehung zur Selbstbeherrschung und zur Rück­sichtnahme den Charakteren, die nicht zueinander paß­ten, eine wichtige Mttgabe fürs Leben zu eigen zu machen. Die Sucht, Bosheiten auszuteilen, Schwächen bei anderen zu geißeln, entwickelt sich bei den ge­schwisterlichen Streitigkeiten oft in einer verhäugms- cutten Wege, zum Schaden des Charakters der Betei­ligten und zum Nachteil des Behagens der ganzen Familie.

Man kann nicht früh genug in dem Kinde die Ueberzeugung befestigen, daß niemand die Berechtigung hat, seinen Geschwistern gegenüber einen rauhen Ton anzuschlagen oder vielleicht weniger rücksichtsvoll zu fein, als gegen Fremde. Man dulde keinen Unfrieden, keine Zwietracht, keine Spöttereien, halte die Geschwi­ster an, stets in liebenswürdiger und netter Weise mit­einander zu verkehren und treffe sofort Maßregeln, den beginnenden Streit im Keime zu ersticken. Bald genug werden die Kinder die Segnungen einer fried­vollen Häuslichkett, des friedliebenden Verkehrs unter­einander selbst empfinden und begreifen lernen; und noch in späteren Jahren werden sie sich voll Dankbar­keit daran erinnern, daß es ihre Eltern waren, die in ihren Seelen den Keim friedfertiger Gesinnung leg­ten, ihn sorgsam pflegten und zur Entfaltung brach­ten, sodaß das Elternhaus vor ihrem geisttgen Auge als eine wahre Stätte des Friedens und der Eintracht als nachahmungswertes Beispiel unauslöschlich fort- lebt.

Ausflüchte.

Es ist doch etwas schönes um ein tüchttges Mund­werk und um eine gute Portion Eigendünkel. Beides vermag einem unter Umständen über die enttäuschte Hoffnung auf Wiedereroberung eines Königreiches Hin- wegzuheifen. So scheint wenigstens Herr Lloyd George zu denken, der soeben in der Oueenshall zu London an­läßlich des Jahrestages der englischen Kriegserklärung eine schwungvolle Rede gehalten hat, die bei näherer Prüfung sich als farbenprächtiger Märchenstrauß ent­puppt, den er Verbündeten und Neutralen in Erman­gelung realer Siegesnachrichten überreicht. Wir brauch­ten das zartere,WortMärchen".Lügen" wäre eigent­lich angebrachter. Dickaufgetragene, von Eigenlob trie­fende Lügen.Was wäre aus Europa, was aus der Welt geworden, wenn wir nicht in den Krieg eingetre­ten wären?" so fragt, begeistert von den eigenen Lei­stungen, Lloyd George. Nun, der Herr braucht sich nicht zu echauffieren. Was trotz des Eingreifens Eng­lands aus Europa geworden ist, lehrt ein Blick auf die

Kriegskarte. Auch die Neutralen dürften ziemlich ge­nau wissen, wie wohl ihnen das Eingreifen Englands bekommen ist. Das Eingreifen Englands hat den Krieg unendlich verlängert, hat unermeßliches Leid über Millionen von Menschen gebracht und vermag den Bösen Deutschen doch nicht den Sieg zu entreißen. Darüber werden auch die besten Redekünste Lloyd Ge­orges niemanden hinwegtäuschen. Oder sollte er wirk­lich naiv genug sein, zu erwarten, daß man seiner Be­hauptung Glauben schenkt, die Englättder hättenalle ihre Ziele" in der Flandernschlacht erreicht? Dann Hütte er wenigstens dafür Sorge tragen müssen, vorher das enfant terrMe Sonnino aus der Queenshall zu entfernen, der als zweiter Festredner frisch und fröh­lich erklärte, daß dieErlösung des gemarterten Bel­giens" Zweck und Ziel der englischen Offensive gewe­sen sei, und der auch sonst noch aus der Schule plau­derte, indem er von englischer Artillerie an der italie- nitoeit Front erzählte und als italienisches Kriegsziel dieBefreiung der italienischem Brüder" hinstellte, rvas Herrn Sonnino jedoch nicht vom logischen Salto mortale abhielt, im selben Atemzug zu behaupten, daß Oesterreich den Dreibundvertrag geschändet habe.

Wahrhaftig, man fragt sich, ob es wirklich genug Dumme auf der Welt gibt, die noch immer den engli­schen Beteuerungen Glauben schenken. Wir , können die weiteren Ausführungen Lloyd Georges ruhig über- gehem Wir verlieren nichts dabei. Nur eine Stelle seiner Rede möchten wir doch im Wortlaut anführen. Aus dreierlei Gründen: 1. weil es der einzige aufrich­tige und wahrhafte Teil seiner Ausführungen ist;. 2. weil Lloyd George uns dort einen Einblick in die Sttm- mung des englischen Volkes gibt, und 3. und nicht zum wenigsten, weil auch wir bei diesen Worten ein wenig nachdenklich werden und uns fragen sollten: haben wir in diesem Stücke ein ganz gutes Gewissen? Sollen nicht auch wir uns diese Mahnung zu Herzen gehen lassen? Diese Worte Lloyd Georges aber lauten:

Aber während die Armee so tapfer kämpft, soll die Nation in der Heimat geduldig und stark und vor allem einig fein . . . Wir wollen unsere Augen fest darauf richten, den Krieg zu gewinnen. Laßt uns unsere bei­den Augen darauf richten. Einige haben ihr Auge ab­irren lassen, und während das eine Auge fest auf den Sieg gerichtet ist, wandert das andere nach chren Zie­len umher, oder es starrt nur nach einem Lieblings­oder Parteiprojekt. Passen Sie auf, daß Sie nicht schie­len! Richten Sie beide Augen auf den Sieg, und lassen Sie kein Auge rechts oder links schweifen, so wollen wir es haben!. Wenn in dieser Stunde irgend jemand Mißtrauen und Uneinigkeit in der Nation verbreitet, so hilft er dem Feinde und schadet seinem Vaterlands. Es macht dabei nichts aus, oh es für oder gegen den Krieg ist. Behalten Sie alle den einen Gedanken im Kopf: Wenn Sie Mißtrauen und Unzufriedenheit in der Nation säen, werden wir die Niederlage ernten. Andererseits, wenn wir den Samen der Geduld, des Vertrauens und der Einheit säen, werden wir den Sieg und seine Früchte ernten."

Sfäöf. Jrfirifcniuf HenD

Hilfsdienstmeldestelle

Rathaus Zimmer 12.

Fernruf 60.

Offene Stellen:

zeugnisse, Turbinenwärter, Vollhauer, Hauer, 1 Stein­metz, Schmiede, Schlosser, Weber, Gerbereiarbeiter,

Schreiner, Müller, Frisierer, 1 Buchdruckereileiter, Maschi­nisten, Heizer, Arbeiter, Kon­toristen, 1 Fuhrmann, Erd­arbeiter, Metzger, Strecken­arbeiter, Weberinnen, Zwir­nerinnen, Spinnerinnen, Streckenarbeiterinnen und Schaffnerinnen, Frauen zum Säckeflicken, Arbeiterinnen, Auswärterinnen, Dienstmäd­chen.

Arbeitsuchende:

3 Kaufleute, 2 Aushilfen für schriftliche Arbeiten, i Berg­werksdirektor, 1 Kontrorist (Anf.), 1 Mann für leichte Beschäftigung, 1 Lehrling (leichten Beruf), 1 Schneider, 2 Kriegsbeschädigte (nerven­krank und Armverletzg. l.), 5 Hilfsschreiberinnen (Anf.), 2 Verkäuferinnen, 1 Hofver­walterin, 1 Stütze f. Küche, 1 Heimarbeiterin (Nähen), 1 Geschäftsaushelferin, 1 Schulmädchen als Lausmäd­chen.

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