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Rumänien unter VeuMM Verwaltung.

Stockholms Dagbladet" vom 19. Juli bringt fol- tzenden Bericht über die gegenwärtigerr Zustände in bku- münien:Es klingt erstaunlich, wenn man hört. daß in den okkupierten Gebieten nicht weniger als 95 Pro­zent des im Frieden bebauten Bodens jetzt benutzt Wer­den. Dies ist eine Tatsache, die nach den authentischen Angaben, welche mir in Bukarest gemacht wurden, nicht bezweifelt werden kann. Die Landleute in Rumänien, mit denen ich sprach, sind überzeugt, daß sie im Frieden, wenn die nötigen Arbeitskräfte besser als jetzt zur Ver­fügung stehen und vor allem das erforderliche Zugvieh da ist, noch weit über das jetzige Resultat hinauskom- men werden. Alle Fachleute sind der festen Ansicht, daß die Landwirtschaftsprodukte der Mittelmächte und Ru­mäniens Getreideernten voll ausreichen zur Ernährung des Volkes. So wurde Rumäniens Beteiligung am Kriege, die man seinerzeit als ein Unheil für die Mit­telmächte ansah, ein Vorteil für sie. Es sind dadurch Ga­rantien geschaffen, "die die Aushungerungspläne zunichte machen. Bei der Uebernahme der Getreidevor- räte sah man von Zahlungsaufschub bis zum Friedens­schlüsse ab, obwohl das Völkerrecht ihn gestattet hätte. In der Geschichte des Weltkrieges wird es den Mit­telmächten zur Ehre gerechnet werden, daß während am Sereth die Geschütze noch ihre gewaltige Sprache re­deten die deutsche Militärverwaltung die Ernte des Jahres 1916 von den rumänischen Bauern gegen Bar­zahlung aufkaufte, und daß die diesjährige Ernte eben­falls in barem Gelde sogar zu erhöhten Preisen bezahlt werden wird. Dadurch ist im rumänischen Landwirt- fchaftsleben eine Ordnung wie im tiefsten Frieden er­möglicht worden.

Ein Bankett englisch- serhischer Verbrüderung.

Die serbische Gesellschaft Großbritanniens gab zu Ehren des ferbischen Premierministers Paickitsch ein Frühstück, an dem auch der Unterstaatssekretär der ' Auswärtigen Angelegenheiten, Lord Robert Cecil, so­wie die Gesandten Griechenlands und Rumäniens teil- nahmen. Lord Robert Eecil führte in seiner Rede u. a. aus: Serbiens Geschichte während des Krieges war eine ruhmvolle Tragödie.. Obwohl Serbien niederge­worfen wurde, ist fein Geist ungebrochen und seine Tapferkeit über alles Lob erhoben. Wir müssen seine volle Wiederherstellung erlangen für feine Leiden. Es war ein Lieblingsplan des Feindes, zu versuchen, die Alliierten zu trennen. Wir werden zu unseren Ver­bündeten bis zum Ende stehen. In seiner Erwiderung sagte Paschitsch: Nach drei Jahren Krieaes beginne Deutschland wieder zu Sinnen zu kommen und von einem ehrenvollen Frieden zu reden. Seine erste Be- dingung müsse Bestrafung derjenigen sein, die den Weltbrand Hervorgermen hätten. Ein ehrenvoller Friede könne nur gesichert werden, wenn alle unter dem Joch Oesterreich-Ungarns befindlichen Völker be­freit werden, wenn Frankreich Elsaß-Lothringen zu- rückerhalte, wenn die Italiener ihre Vereiniaung mit den noch unerlösten Brüdern vollziehen, wenn die Ver­einigung der Serben, Kroaten und Slovenen vollendet ist, wenn die Tschechen und Slovaken vereinigt und unabhängig sind, wenn die polnisch-ruthenische Frage gelöst ist: dann, nur dann wird ein ehrenvoller Frieden für alle Völker gesichert sein. Lloyd George sagte u. a.: Die erste Friedensvedinguna ist völlige Wiederherstellung ohne Vorbehalt. Wie lange der Krieg auch dauern mag, es ist eine Forderung der britischen Ehre, Serbien befreit zn sehen.

Asquith Kein LordksnZler.

In parlamentarischen Kreisen Londons verlautet, Lloyd George habe Asquith das Amt des Lordkanzlers angeboten. Asquith habe die Annahme aber endgültig abgelehut.

Henderson Botschafter in Petersburg?

Der VernerBund" berichtet: Wie der Londoner Korrespondent desUtro Rofstj" in dortigen diploma­tischen Meisen zuverlässig vernimmt, soll der englische Arbeitsminister Henderson an Stelle Buchanans zum englischen Botschafter in Petersburg ernannt werden.

Die Gefahr der englischen Arbeiter- und Soldatenräte.

Im Unterhause erklärte der Unterkriegsminister Mac Pharson, daß es den britischen Soldaten verboten sei, Mitglieder von Arbeiter- und Soldarenräten tn England zu werden.

krieWMerlei.

Englische Mißachtung der Neutralität.

Wie Svenska Telegrambyran meldet, ist der deut­sche Dampfer Friedrich Karro aus Rostock am 8. August nordwärts gehend außerhalb der Mundungdes Skellef- tes Elf versenkt worden. Nach werterer Meldung be­deutet die Versenkung eine schwere Kränkung der schwe­dischen Neutralität. Nach Mitterlung des Lotsen wurde das Schiff 800 Meter innerhalb der schwedischen Hoherts- grenze torpediert. Das fremde Uboot ging nach voll­brachter Tat über Wasser, doch trug es keme Abzeichen. (Wieder eine englische Heldentat.)

Trostlose Brotverhältnisse".

^. Genf, 10. August. (T. U.) JmMatin erklärt laut B. L.-A. Minister Violette: Dre Aussichten auf Besserung der jetzt recht trostlosen Brotverhaltnisse han­gen von den weiteren Erfolgen des Ubootkrreges ab. Der Ntinisterwechsel würde, da der Uebelstand nrcht durch Fahrlässigkeit verursacht sei, keine Besserung erzielen.

Das amerikanische Kriegssteuergesetz.

Times melden aus Neuyork, daß das abgeänderte Krieassteucraesetz. das von der Fmanzkommrsston dem Senat vorgelegt wurde, allgemeine Zustimmung find^ Der ganze Ertrag der Einkommensteuer werde auf 3vv wiKinnott ^m^ rrpfrsiätit. der Ertrag der Krregsge-

Millionen Dollars geschätzt, der Ertrag der Kriegsg winnsteuer auf 112,4 Millionen., Dre Schätzung der üi rigen Steuern betrage 40 Mlllronen.

Veröffentlichung der Kriegsziele Italiens?

Nach demEcho de Paris" wird die. amtliche Be­kanntgabe der Kriegsziele Italiens nach der Rückkehr Sonnmos von den Verbands-Beratungen in ^.ondon

h-

erfolgen.

Amerika baut Riesenfunkstatloue«.

Bergen Asten Blad" zufolge sollen bei Sandiego (Kalifornien an der Küste des S^.llett Men es^ ^uf den Philippinen und Honolulu ^frefenhtttifiact^ dem System des Dänen Doulsue f^^eanertfa^ Regierung im Bau begriffen fern. Sie sollen im Herbst schon fertig werden, ebenso zwei oder drer weitere in

Argentinien und Brasilien.

Rosa Luxemburg.

Der Strafsenat des sächsischen Oberlandesgerichts zu Dresden verwarf die Revrston ber radctal-wzi- alistischen Schriftstellerin Dr. Roia Lmembmgin Ber­lin gegen einen sowohl vom Schöffengericht als auch vom Amtsgericht Leipzig bestätigten Strafbefehl wegen Ver­gehens gegen die Verfügung des Kourmandierenden Generals des 12. und des 19. Armeekorps betreffend die

MM'MWr DMMMstg TORF« fit prMffMÜ Versammlungen. Damit bleibt die Über Rosa Luxem­burg verhängte sechsmouatige Gefängnisstrafe aufrecht- erhalten.

Anwachsen der friedeusfreundliche« Presse in Frankreich.

Eine bemerkenswerte Schwenkung beginnt sich in­nerhalb der französischen Presse zu vollziehen.Libre Parole" stellt voller Besorgnis fest, daß in letzter Zeit nicht weniger als acht große Blätter der französischen Hauptstadt ins Lager der Friedensfreundlichen über- gegangen sind. Das Blatt verschweigt jedoch die Nanren der pazifistischen Organe und nennt nur das neunte Blatt dieser Richtung, denBonnet Rouge".

Englische Verlustzifferu.

Die Times vom 4. und 5. August verzeichnen eng­lische Verluste von 307 Offizieren und 3370 Mann.

Unruhen in Bahia.

Wie Havas lautF. Z." aus Bahia meldet, sind dort infolge der Lebensmittelteuerung Unruhen ausge- vrochen. Zwischen Polizei und Bevölkerung fanden sammenstötze statt: mehrere Personen wurden getötet.

Kanzler Sr. Michaelis weiler bei der Arbeit

Der neue Reichskanzler hat mit der Umbesetzung einer Anzahl von Ministern und Reichsämtern feine Arbeit noch nicht vollendet, weitere Veränderungen in hohen Beamtenstellen des Reichs und Preußens stehen bevor und werden bereits Halbamtlich angekündigt. Der nationalliberale Landtags- und Relchstagsabgeordnere Schiffer zieht zunächst als dritter Direktor in das Reichs­schatzamt ein, um später Unterstaatssekretär zu werden neben dem jetzige!» Unterstaatssekretär Iahn. Er soll die Steuerabteilung übernehmen, der die Aufgabe unter­stellt ist, alle dre Steueranlagen vorzubringen, die not­wendig sind, die Mittel aufzubringen nicht nur für den jetzrgen Geldbedarf des Reichs, also Hauptsächlich für den Zmsenöienst unserer Kriegsanleche, sondern für den noch viel größeren Bedarf nach dem Krrege. Der Reichs­tag hat ja fchon einige bedeutende Steuerquellen eröffnet, aber ihre Ergebnisse reichen wohl augenblicklich aus, aber bet weitem nicht auf die Dauer, überdies handelt es sich bei der Kriegsgewinnsteuer nur um eine einmalige Steuer, während das Reich dauernd große Einnahme» brauwt. So spricht man von einer neuen Erhöhung der Postgebühren für Briefe, Karten, Telefongespräche, Te­legramme usw. Allerdings wird die Nachricht einstweilen für unbegründet erklärt, aber von solchenDementis" braucht man erfahrungsgemäß nicht viel zu halten. Auch dre Warenumsatzsteuer soll erheblich gesteigert werden. Die neue Kohlensteuer beginnt erst jetzt Ertrüge abzu- wttfen und die Inkraftsetzung der neuen erhöhten Ei- se«bahnfahrrarten soll, wie es fetzt heißt, erst am L April (statt schon am 1. Januar) 1918 erfolgen, sodaß die Reichskasse erst für das nächste Rechnungsjahr etwas von dieser Steuererhöhung erhalten wird. Nach dem Kriege soll die große Finanzrelmm kommen, die schon Helfferrch als ehemaliger Schatzkanzler angekündigt hat, und die dazu gehörenden Steuer- und Monopolanlagen vorzubereiten wird die Hauptsache für Herrn Schiffer sein. Da Herr Dr. Michaelis selbst aus dem Finanzfach hervorgegangen ist, so wird man annehmen können, daß er auf das Retchsschatzamt ein besonderes Augenmerk haben wird und daß auch die Berufung Schiffers auf fei­nen persönlichen Antrieb hin erfolgt ist. Mit der Be­rufung ins Reichsschatzamt verliert Herr Schiffer sein , ^eicWaQsman bot und kann ebensowenig ein neues Mandat erhalten, wie der neue Justizminister Spayn, wenn der § 9 der Reichsverfassung nicht aufgehoben wird, denn beide werden 'zu preußischen Bunöesratsbe- vollmächtigten ernannt werden, nach der Reichsverfas- sung kann aber Niemand zugleich Mitglied des Bundes­rats und des Reichstags sein. Ob die Reichsverfassung in diesem Punkt geändert werden wird, muß abgewar­tet werden. Im Reichstag ist jedenfalls eine große Mehrheit dafür vorhanden. Die Verfassungsänderung würde dem Reichstag keinen Einfluß auf die Abstimmun- gen im Bundesrat einräumen, denn im Bundesrat wird abgestinrmt nach den Weisungen, die von den Regierun­gen an ihre Vertreter im Bundesrat gegeben werden, dagegen würden die Parteiführer, die zugleich dem Bun­desrat angehören, ein erwünschtes Bindeglied zwischen diesem und dem Reichstag darstellen und könnten im Sinne einer Verständigung zwischen beiden wirken. Der neue Reichskanzler wird auch noch Veränderungen tref­fen in anderen Aemtern, so im Auswärtigen Amt und im Reichsamt des Innern, vielleicht auch im Reichs- justizamt, in dem es bisher keinen Unterstaatssekretär gegeben hat. Es ist möglich, daß dabei auch ein Mitglied der fortschrittlichen Volkspartei für die Uebernahme ei­nes Postens gewonnen wird, nachdem der Redakteur der Frankfurter Zeitung Dr. Oeser einen Posten im Reichsamt des Innern abgelehnt hat. Die Fortschrittliche Volkspartei darf übrigens den neuen Staatssekretär und bisherigen Bürgermeister von Straßburg Schwan- Her sich zurechnen. Der Kanzler ist inzwischen ins Haupt­quartier gereist, wo dann zweifellos die weiteren Ent­scheidungen fallen werden.

Politische Rundschau.

Hindenburgs Dank an die Post. Das neueste Amts­blatt des Reichs-Postamts veröffentlicht ein Schreiben des General-Feldmarschalls von Hinöenbura. an den bisherigen Staatssekretär des Reichs-Postamts Dr. Kraetke, worin es heißt: Neben der Bewältiaung des gesamten Heimatverkehrs ist mit einer den Verhältnis­sen des Friedens fast gleichkommenden Pünktlichkett und Ordnung die Feldpost versorgt worden. Dazu be­durfte es unermüdlicher, treuester Arbeit der aesamten Post, vom höchsten Beamten bis zum einfachen Aushel­fer in der Postsammelstelle. Auch dadurch sind enge Ban­de zwischen Feldheer und Heimat geknüpft. Allen Be­teiligten in der Heimat, die dazu mitgeholfen baven, sa­ge ich Dank und Anerkennung für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit im Dienste der Feldpost und damit des ge­samten deutschen Heeres.

Die Führung der Nationalliberglen Parier. Die Na­tionalliberale Korresp. schreibt: Die nattonalliberale i Reichstagsiraktion und der Zeiüralvorstand der natio- I nalliberalen Partei haben ihren Vorsitzenden neu zu ; wählen. Die Reichstagsfraktion wrrd dazu voraussicht- i lich erst im September in der Lage sein. Die Einbe- ! rusung des Zentralvorstandes steht ihren» Zeitpunkt nach noch nicht fest. Ehe nicht diese beiden berufenen Körperschaften die Neuwohl vollzogen haben, sind alle Namensnennungen, die mit dem künftigen Vorsitzenden ! der Partei in Verbindung gebracht werden, nichts weiter als Kombiuütionen. ,

Der Landtags-Kandidat Frauksurt a. O.-Leb«s. Für die Landtagsersatzwabl im Wahlkreis Frankfurt a. O.- Lebus ist nach einer Meldung desB. T" der Präsident der Handelskannner »ür Franksirrt und die Neumark Kommerzienrat Vogel von den Natwnalliberalcn auf- l afcftent worden.

TM SitWer ElRercuSe DMMkttteisler M. FM King, der dem Senate seit 21 Jahren angehört und sich in dieser Zett auf den verschiedensten Gebieten der Ver. waltung um Lübeck große Verdienste erworben hat, feierte seinen 70. Geburtstag. Die ganze Stadt trug aus diesem Anlaß reichen Flaggenschnnlck. Der Senat verlieh ihm die Große Goldene MedaMe bene merentt. Vom Kaiser, dem Reichskanzler und von den Senaten von Hamburg und Bremen trafen warme Glückwünsche ein, während die Universität Rostock ihn zum Doktor der Philosophie ernannte.

Vermischtes.

Ein Rittergut für Kriegsbeschädigte. Die Stadt

Tilsit hat für 400 000 Mark das Gut Ballgardehnen zur Aufteilung angekauft zur Ansiedlung von Kriegsbe­schädigten. , ,

Eine Kirchenglocke gestohlen. In Zabortowo bei Posen wurde nachts die größte Gwcke, die zum Ein­schmelzen gelangen sollte, von unbekannten Personen gestohlen.

Mordtaten. Der Anbauer Albert Otte aus Ever- sen (Kr. Celle), der am 2. d. M. sein Haus verlassen hatte, um seine Jagd zu besuchen, wurde mit zerschla­genem Schädel im Walde tot aufgefunden. - Im Ge­richtsgefängnis zu Oels in Schlesien ist der Werkmeister Schoebel ermordet worden. Die Mörder, der 27jährige Strafgefangene Btaschinenschloffer Otto Loruns und der aus Antonienhütte in Oberschlesien stammende 19jäh- rige Kesselhetzer Joseph Jenczmyk sind flüchttg.

Siebzig Blitze in der Minute. Aus dem südlichen Holstein wird demFrkf. Generalanz." geschrieben: Ueber das südliche Holstein und das westliche Mecklen­burg sind schwere Nachtgewitter niedergegangen, die ein Himmelsschauspiel seltenster Art boten. Die elektrischen Entladungen folgten einander so schnell, daß die Zahl der Blitze bis auf siebzig in der Minute stieg. Die lauen- burgische Wetterwarte verzeichnete für die dortige Ge­gend sogar 74 Blitze, einige von einer Blitzbahnlänge bis zu 16 Kilometer! Infolge dieser ununterbrochenen Entladungen von Ausstrahlungen, von denen viele die gewohnte Blitzgeschwindigkeit nicht innehtelten, sondern längere, große Feuerflächen über die nächtliche Erde warfen, schien das ganze südliche Holstein buchstäblich in Flammen zu stehen. Zu diesem blendenden Leucht­feuer trat eine zweite seltene Erscheinung, und zwar ein fast gleichfalls ununterbrochenes Donnergetöse von leich­ten und schweren Schlägen, das von Seit zu Zett von klirrenden Einschlägen übertönt wurde. Während die­ses furchtbaren Aufruhrs der Elemente gingen wolken- brucharrige Regengüsse nieder, die stellenweise in 10 Minuten 11 Liter Wasser auf jeden Geviertmeter Erd­oberfläche brachtem Ein Naturschauspiel, wie man es selten erlebt hat.

Schwere Bluttat an einem Kinde. Aus Leipzig wird gemeldet: Am 8. August vormittags hat eine 37- jährige ledige Arbeiterin aus Markranstädt das vier Jahre alte Töchterchen ihrer verheirateten Schwester, die in Leipzig-Lindenau wohnt, in derGottge", dem Walde in der Nähe des Charlottenhofs, mit einem Beile, in der Absicht, es zu töten, auf den Kopf geschla­gen und es dann an Ort und Stelle für tot liegen las- sem Später stellte sich noch heraus, daß die geistesge­störte Person, im Struinpfe versteckt, noch einen Ham- mer und ein Messer bei sich hatte. Auf Veranlassung der bedauernswerten Mutter nach dem Tatorte ent­sandte Beamte des Polizeiamts fanden das Kind noch röchelnd im Walde liegend vor und veranlaßten die so­fortige rmch. dem LUnderLranLenHünch, wofelbst es an den schweren Verletzungen gestorben ist.

Eine großfürstliche Hochzeit in London. Für höfische Hochzeitsfeste ist Heute in Rußland kein Platz mehr. Mit großem Gepräge ist in London in diesen Tagen die Hoch­zeit des Majors Harold Wernher, des zweiten Sohnes des verstorbenen Sir Julius Wernher, mit der ältesten Tochter des Großfürsten Michael Mtchaelowitsch und der Gräfin Torby, der Komtesse Zia Torby gefeiert worden Nach der Trauung, die nach russischem Ritus erfolgte, fand eine Wiederholung der Trauungszeremonie in der Kapelle des St. James Palastes statt. Der Feier wohnte das englische Königspaar mit seiner Tochter Prinzessin Mary, der Königin-Witwe Alexandra und anderen Mtt- gliedern der königlichen Familie bei. Großfürst Michael führte feine Tochter zum Altar, der als Brautjungfer« die Prinzessinnen Nina und Lenia, die Töchter der Großfürstin Georg von Rußland, folgten. Dre engli­schen Blätter bringen lange Berichte über den Verlauf und die Toilettenpracht dieses gesellschaftlichen Ereig­nisfes in der Kriegszeit. Mit besonderer Anerkennung gedenkt man dabei auch der Tatsache,, daß entgegen dem früher üblichen Brauch bei der Aufstellung des musika­lischen Programms nur französische und englische Kom­ponisten berücksichtigt worden waren. Wenn beim Herz ausschreiten des Paares aus der Kirche Mendelssohns Hochzeitsmarsch erklang, so mußte man diese bedauerns­werte Ausnahme von der Regel als ein notwendiges Uebel mit in den Kauf nehmen, da ja eine Hochzett ohne MendelssohnsHochzeitsmarsch" überhaupt nicht zu denken ist.

Ein Opfer der Berge. Der seit 3. Juli vermißte Professor Otto Hettwer aus Berlin wurde am Kaiser­gebirge tot aufgefunden. Er hatte sich bei einer Berg­tour verirrt.

Weitere Drahtnachrichten.

Beschlagnahme der Obsternte in Deutschland?

.^ Berlin, 10. August (T. U.) Wie dasB. T." hört, fanden gestern in der Reichsstelle für Gemüse und Obst Besprechungen zwischen den Vertretern der Regie­rung und verschiedenen interessierten Kreisen über die Beschlagnahme der Obst-, Birnen- und Pflaumenernte statt. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Doch dürften sie zu dem Ergebnis sichren, daß die Be­schlagnahme der Obsternte durchgeführt wird.

Eine deutschfeindliche Kundgebung in Geuf.

^ Genf, 10. August. (T. U.) Die Genfer deut­schen Vereine hatten laut Bl. Mp. ihre Mitglieder und Freunde zu einer privaten Kinovorstellnng eingeladen, um ihnen den deutschen Sommefilm zu zeigem Abends um 9 Uhr begann sich eine Gruppe vor dem Kino au- zusammeln, die nach und nach zu einer tausendköpfigen Menge anschwoll. Inzwischen war die Polizei Herbet- geholt worden und sperrte die Umgegend des Kmos ab. Als aber die ersten Deutschen gegen %12 Uhr durch die Haupttüre, die meisten aber durch eine Hintertüre, das Theater verließen, begann man sie aus den Fenstern der Straße mit Wasser zu begießen. Steine flogen und die Menge pfiff und johlte. Die Polizei bahnte den etwa 400 Landsleuten eine Gasse, sodaß sie ohne weitere Zwischenfälle nachhause gehen konnten.

Pessimistische Auffassung der militärische« Lage.

Berliu, 9. August. Die amerikanischen Offizier« an der Westfront erklären, und) einer Meldung der Morning Post", die derDeutsche Kurier" weitergibt, die militärische Lage des Verbandes als aussichtslos.