Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
KMlatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- L , k 6k zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Umltml Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 184. =*' b™ä,M6w Donnerstag, den 9. August
1917
Amtlicher Stil
Hersfeld, den 8. August 1917.
Die Herren Bürgermeister bezw. die Ausgabestellen der Lebensmittelkarten werden um Einsendung der Bestätigungsschreiben bis zum 10. ö. Mts. ersucht.
Der Landrst.
J. V.:
__,_______________v. Hedemann, Reg.-Assessor
No. 474. Verordnung
betreffend Verpflichtung zur Anmeldung von Flugschriften, Flugblättern, Geschäftsberichten und sonstigen literarischen Erzeugnissen vor ihrer Veröffentlichung oder Aushändigung an Besteller oder dritte Personen.
Auf Grund des § 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4.6.1851 und des Reichsgesetzes vom 11. 12. 1915 (R. G. Bl. S. 813) wird hiermit im Anschluß an das Verbot der Herstellung und Verbreitung nicht genehmigter Flugblätter vom 26.8.1916 folgendes verordnet:
§ 1.
Drucker und Vervielfältigungsanstalten haben alle nrcht zum öffentlichen Verkauf oder Vertrieb be- stimmten Bücher, Denkschriften, Flugschriften iBroschuren), Flugblätter, Geschäftsberichte, Korrespondenzen, Aufrufe und sonstige literartsche Erzeugnisse, in denen öffentliche »der die Allgemeinheit berührende Fragen behandelt werden, spätestens nach Fertigstellung der Vervielfältigung vor Verbreitung oder Aushändigung an den Besteller oder an dritte Personen unter Vorlage eines Abdruckes des Erzeugnisses bei der Presse-Abteilung des stellv. Generalkommandos anzumelden. § 2.
Die Anmeldepflicht für den Drucker oder die Ber- vielfältigungsanstalt fällt fort, wenn die zum Druck oder zur Vervielfältigung übergebene Unterlage bereits den deutlich sichtbaren Freigabevermerk der Presse-Abteilung des stellv. Generalkomandos trägt.
Es ist verboten, das^ angemeldete Erzeugnis zu verbreiten oder auszuhändigen, bevor ein Bescheid der Presse-Abteilung, der stets umgehend erfolgen wird, ergangen ist.
Die Bezeichnung als „Manuskript" oder „als Brief" oder als „Vertraulich". „Nur für Mitglieder", zum „Privatgebrauch" usw. entbindet nicht von der Anmeldepflicht, desgleichen ist die Höhe der Auflage und Umfang der Verbreitung für die Anmeldepflicht ohne Belang.
§ 5.
Als Vervielfältigungen sind auch anzusehen: Druckstöcke (Klischees), Gießformen (Matrizen) und ähnliche zur Herstellung von weiteren Vervielfältigungen dienende Erzeugnisse.
8 6.
Den Preffeerzeugnisse stehen alle auf mechanischem oder chemischem Wege bewirkten Vervielfältigungen einschließlich der Abzüge und Durchschlage von Schreibmaschinenschrift sowie Abbildungen gleich.
„Wer gegen zehn".
Den Kriegführenden ist im allgemeinen das Gefühl dafür abhanden gekommen, wie beschämend doch ergent- lich das Bild ist, das die Entente der Welt bretet, wenn [ie Volk auf Volk gegen dre Mrttelmachte aufbretet, chne einen Sieg erringen zrkönnen. Unter denNeu- traten dagegen hat man sich dreses. Gefühl bewahrt. Bo kommt „Aftonbladet" vom 7. Julr auf die bekannte tlpsalarede zurück, in der der frühere Justrzmmtster Ha selrot Veranlassung fand,, daran zu ermnern, rote ^der Schwede an Tcgners Lred von Karl XII. denken müsse, das er in seiner Jugend von dem „Ernen, der ge- ren zehn kämpfte" gesungen habe. „Es war", sagte der Redner, „nicht nur der berechtigte patriotische Stolz, der
^cvuc. „^ -------„..„-- patriotische Stolz, der unsere Herzen bewegte, sondern das Lied von dem euren Manne, der gegen zehn kampfte und ffe durch Heldenmut und Entschlossenheit überwand, war an sich genug, - * Äh. »»et
" ^^er teilt, finden wir, wie
bis zum äußersten feindliche Lager teilt, finden wir, wie Karls XII. Kampf für das Recht gegen eine unerhörte tiebermacht sich in einem um vieles größeren Maßstabe wiederholt. Um Deutschland und seine Bundesgenossen schließt sich ein Ring von Feuer und Eisen, der sich über den ganzen Erdkreis erstreckt.. Von der Bewohner- zahl der ganzen Erde, dre jetzt auf 1657 Millionen ge- ichätzt wird, stehen 1324 Millionen auf der Seite, der Entente und 147 Millionen auf der der Zentralmachte. Von den 146 Millionen Quadratkilometern des festen Landes gehören 101,5 Millionen zu dem Bunde der Ententemächte und 2% Millionen zu dem der Zentral- müÄte Deutschlands von Feinden besetzte Kolonien sMd bei dieser Berechnung nicht mitgezählt. Dies ist ein Zahlen Verhältnis, das an Tegners Heldenlied erinnert J Bon den geordneten Staaten der Welt haben, wenn wir Griechenland und die Miniaturstaaten San MaAn^ und Monako nicht mitzählen, nunmehr 25 sich dem Bunde gegen die Zentralmachte angeschlossen. Deutschland dagegen haben sich OesterreichMngarn, die Türkei und Bulgarien angeschlossen, während an Englands, Rußlands und Frankreichs Seite in Europa Belgien, Italien, Alonterregro, Portugal, Rumänien und
8 7.
Zuwiderhahndlungen werden, wenn die Gesetze keine höhere Strafe bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre und bei Vorlieben mildernder Umstände mit Haft oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft.
8 8.
Vorstehende Anordnung tritt sofort in Kraft.
Caffel, den 16. Juli 1917.
Der Komandiereude General von Kehler,
Generalleutnant.
Bus der Heimat.
):( Hersfeld, 8. August. (K i n d e r f ü r s o r g e). Zur Freimachung weiblicher Arbeitskräfte für Fabriken, Verkehrsbetriebe, Landwirtschaft usw. sind Maßnahmen zum Schutz der Kinder der weiblichen Arbettsbevölkerung notwendig, nicht nur im Interesse der Erhaltung und Erstarkung der Kinder selbst, weil die fehlende mütterliche Pflege von anderer Seite ausgeübt werden muß, auch auf die ruhige Entfaltung der weiblichen Arbeitskräfte, auf die Stetigkeit der Arbeitsausübung wirkt die seelische Sicherheit und Ruhe der arbeitenden Mutter. Weiß eine 'Frau in jedem Augenblick, in dem die Berufstätigkeit sie aus der Nähe des Kindes reißt, das Kind in sachgemäßer, zuverlässiger Pflege, so arbeitet sie ohne nervöse Erregung und mütterlicher Sorge und konzentriert ihrefKraft auf ihre Leistung. Hat sie außerdem die Möglichkeit, ihr junges Kind während der Arbeit in regelmäßigen Pausen zu stillen, so führt sie in der Zeit der großen Ernährungsschwierigkeiten dem Kinde die billigste und natürlichste Nahrung zu, und gibt seiner Gesundheit für die Zukunft gleichzeitig die festeste Grundlage. In ihr erstarkt das beruhigende Bewußtsein durch den Beruf die Mutterpflichten ungeheuren Zuwachs weiblicher Arbeiter genügen die Pflegestätten privater oder öffentlicher Fürsorge für die Kinder, im besondern für die Säuglinge und Kleinkinder außerhäuslich erwerbstätiger Mütter nicht, obwohl die Friedenseinrichtungen erheblich vermehrt worden sind. Die Unterbringung von Kindern in Einzelpflege begegnet heute ungeheuren Hindernissen,' Frauen, die bisher ohne Beruf sich der Pflege von Kostkindern widmeten gehen, in Fabriken, übernehmen Heimarbeit, — die Gefahr der nicht sachgemäßen und auskömmlichen Ernährung des Pflegekindes ist gewachsen, die fachkundige Ueberwachung der Pflegestellen erschwert. Dringend notwendig erscheint daher die Errichtung von Anstalten zur Unterbringung von Säuglingen und Kleinkindern, zuzeiten auch von Schulkindern überall dort, wo eine größere Anzahl weiblicher Arbeitskräfte tätig ist, d. h. die Errichtung von Stillstuben, Krippen, Kindergärten und Horten. Die Erfahrung von großen Betrieben Deutschlands und Frankreichs, die seit Jahrzehnten Fabrikkrippen nnd sonstige Einrichtungen der Kinderfürsorge unterhalten,
Serbien, in Asien China und Japan, in Afrika Aegyp- ten, Marokko und Liberia und in Amerika die Vereinigten Staaten, Guatemala, Honduras, Nikaragua, Panama, Kuba, Haiti, San Domingo, Brasilien, Bolivia und Uruguay in den Kampf gezogen sind. Die Zahl 25 wurde erreicht, als die berden schwarzen Staaten Haiti und Liberia die für das Recht und die Zivilisation Kämpfenden durch ihren Eintritt in den Krieg auf der Ententeseite stärkten.
Nun ist es zwar eine Tatsache, daß die angegebenen Zahlen keineswegs die effektive Kriegsstärke der beiden Machtgruppen repräsentieren. Diese kann nur mit der Stärke der. effektiven Kriegsmacht, die jeder ins Feld schicken kaun, richtig gemessen werden, und darüber hat man in diesem Augenblicke keine hinreichenden Angaben zur Hand. Es bleibt immerhin noch genug übrig, um deutlich zu zeigen, mit welch erstaunlicher Uebermacht die Zentralmächte und ihre Verbündeten ihren Riesen- kampf auszufechten haben. Obwohl aber dieser Kampf schon eine viel längere Zeit dauert, als man je für möglich gehalten hat, deutet nichts auf eure Ermattung seitens der mit außerordentlicher Kraft kämpfenden Mittelmächte hin. Sie scheinen vielmehr imstande zu sein, auszuhalten, wie lange der ungleiche Kampf auch dauern wird, und nichts läßt darauf schließen, daß der Ausgang des Krieges ihr Erliegen unter der Ueber- macht fein wird. Viele Zeichen deuten vielmehr auf das Gegenteil hin."
die tosen Freiheitskämpfer.
Mahagonischwarze, kaffeebraune, olivengrüne und zitronengelbe Blut- und Bundesbrüder hat die Entente schon lange in ihren Reihen. Nun kommen auch mich rote Freiheitskämpfer hinzu, die Nachkourmen jener stolzen, schweigsamen, todesverachtenden Indianerhäuptlinge, die in offener Prairteschlacht ihre heulenden Scharen gegen die Blockhäuser der Bleichgesichter am Erisee oder Red River führten. Der alte Seldenzauber vom fernen Westen aber ist längst in ein Nichts, in schemenhafte Erinnerung zerronnen. Jetzt sollen unsere deutschen Jungens von einst ihre Jndranerabenteuer in
sprechen durchaus für die Borteile, die dem Betriebe aus diesen Wohlfahrtseinrichtungen erwachsen. Der Zustrom der Arbeiterinen zu diesen Fabriken ist stark, unter den Arbeitssuchenden herrscht das solide zuverlässige Element vor. Ein Wechsel der Arbeitsstelle wird nach Möglichkeit vermieden, sodaß ein Stamm gut geschulter, eingearbeiteter weiblicher Kräfte verfügbar wird. Auch in den Fällen, in denen zuerst die Arbetterbevölkerung sich den Kinderfürsorgeeinrichtungen gegenüber ablehnend verhielt, weil sie fürchtete, die Arbeiterinnen würden dadurch in ein zu starkes Abhängigkeitsverhältnis vom Arbeitgeber kommen, hat unmittelbar nach Eröffnung der Einrichtung jeder Widerstand aufgehört, im Gegenteil sind Fabrikkrippen, — Kindergarten und Hort sehr bald der Ort geworden, an dem die Arbeiterin Rat in Fällen persönlicher Schwierigkeiten holt, — der eine Verbindung herstekt zwischen Hei« und Arbeitsstätte. Selbstverständlich muß der Betrieb der einzurichteten Krippen, Kindergärten und Horte in jedem Punkt dem Fabrikbetrieb angepaßt werden. Die Frauen, die in der Nachtschicht arbeiten, müssen auch des Nachts ihre Kinder unterbringen können, — es muß Rücksicht auf den Schichtwechsel, den Beginn und das Ende der Arbeitszeit in jedem einzelnen Falle genommen werden. Ein sachgemäß auSgebildeteS Pflegepersonal wird die Forderungen des FabrikbetriebeS mit den hygienischen Forderungen für die Pflege des Kindes zu vereinen wissen. Wo Stillkrippen eingerichtet worden sind, sind die Störungen, die dem Betriebe aus der Notweu-tgkett des vierstündigen Stillen- erwachsen erfahrungsgemäß sehr klein, wenn die Einrichtung gut überwacht wird, und beeinträchtigt, wie die Fabrikleitungen von C»nzernen mitteilen, die seit 43 und 36 Jahren Krippen für die Kinder ihrer je 2000 Arbeiterinnen unterhalten, in keiner nennenswerten Weise die Arbeit der Frauen. Der Gewinn, der in dem fröhlichen Gedeihen der Kinder besteht, ist dagegen von allergrößter Bedeutung. Um die Verwaltung der Betriebe nicht mit neuer Arbeit zu belasten, EWdW«MMM«WtMWWWv।1 StlUstuven, Faortkkrtppen, Kindergärten und Horten auf die großen Organisationen verwiesen, denen jahrzehntelange Erfahrungen aus praktischer Friedensarbeit und angespanntester Tätigkeit während des Krieges zur Seite stehen. Das Kriegsamt (Gruppe A. Z. ®. c.) Frauenarbeitszentrale ist bereit, in jedem Teile des Reiches erfahrene und geeignete Persönlichkeiten zur Beratung bei Neueinrichtung, zur Leitung und zur Ueberwachung des Betriebes namhaft zu machen, auch geeignetes Pflegepersonal nachzuweisen. In Fällen in denen eine Fabrik oder ein Betrieb die Einrichtung einer Kinderanstalt für sich allein nicht für wünschenswert oder durchführbar hält, sei auf die MöglikeU eines Zusammenschlusses mehrerer räumlich nahegelegener Arbeitsstätten zur Begründung einer gemeinsamen Anstalt hingewiesen, in der die Kosten vereint getragen werden und jedem Betrieb eine Anzahl Plätze zur Verfügung steht.
Wirklichkeit erleben. Eine ganze Herde von Rothäuten im Schmuck ihrer Adlerfedern und Leibesmalerei konnnt nach Europa. Es sind nicht etwa Barnum und Bailey, die sie bringen, sondern der Friedensapostel Wilson sendet sie frisch auf dem blutigen Kriegspfade seinem Bruder im Kulturkämpfe Poincaree, damit sie das heilige westgallische Reich schützen, das die eigenen Landeskinder vom niedersten Pmlu angefangen bis hinauf zum obersten Nivelle vor den germanischen Streichen nicht zu behüten vermögen. Der „springende Panther" und die „schwarze Krähe" werden um Elsaß- Lothringen kämpfen. Voll höchster Befriedigung meldet die Pariser Tageszeitung „Le Gaulois", daß man in Amerika bereits mit der Musterung der für die Schützengräben der Ententefront im Westen bestimmten Indianer begonnen habe. Das Einzige, was die in= dianischen Krieger von der Kulturmenschbett kennen lernen, für deren erhabene Sache sie die saaenurmvo- bene Streitaxt ausgegraben haben, ist diese Musterung, die es in ihrer Geschichte von der ersten Rothaut bis zum „letzten Mohikaner" niemals gab, es sei denn, daß dre roten Apachen vom Ontario bald die weißen Apachen von der Seine zu Gesicht bekommen und rasch zur Erkenutnis der Edelart eines lateinischen Volkes gelangen. Europäische Schlachtfelder werden zum ersten Male seit Erfchafsung der Welt vom wirklichen und nicht figürlich gemeinten indianischen Kriegsgeheul erdröhnen,' die Enkel französischer Geistes- und Tathelden werden sich mit Rothäuten verbrüdern, die allerdings ebenso wie jene die Scheitelhöhe ihres Ruhmes und ihrer Bedeutung längst überschritten haben. Die Empfindung für den schweren kulturellen Abstieg ist dem französischen Volke längst schon abhanden gekommen. Eiu Blatt vom ehemals geistigen Hochstand des „Gaulois" schwelgt in Bewunderung für das indianische Volk, „dessen Größe neu aufzuleben beginne", und verkündet, augenscheinlich ohne jedes Bewußtsein, welcher Lächerlichkeit es sich preisgebe, „daß diese roten Freiheitskämpfer entschlossen sind, ihre berühmte Friedenspfeife nicht eher, als an den Ufern des Rheins zu entzünden!" Der große Denker Descartes bat einst gesagt: „Ein Volk ist nie unglücklicher, aber auch nie widerwärtiger, als wenn es die Not zu garstigen Schelmenstreichen verleitet"