Artillerie gab eine Salve ab und öffnete sich alsbald einen Weg und zerstreute die Menge. Ein sehr lebhaftes Gewehrfeuer fand auch in der Ertelew-Stratze und später am Lateiny-Prospekt statt. Die bewaffnete Menge versuchte sich des militärischen Nachrichtenbureaus auf dem Wonosenak-Kai zu bemächtigen, wurde aber von den Truppen daran gehindert. Dank der von der Regierung ergriffenen Maßnahmen, so heißt es weiter, wurde der Aufstand unterdrückt. Um die Wiederholung derartiger Unruhen zu vermeiden, ergriff die Regierung alle nötigen Matznahwen.
Eine neue Friede«se«tschlietz««g im Arbeiter- «nd
Soldatenrat.
Der „Matin" meldet aus Petersburg die erfolgte
Annahme einer neuen Friedensentschlietzung im Arbeiter- und Soldatenrat am Donnerstag mit 410 gegen 125 Stimmen. — „Central News" meldet aus Petersburg: Der Arbeiter- und Soldatenrat verlangt mit geringer Mehrheit die Abberufung Brnssilows.
Wie gefährlich die Lage für die provisorische Regierung geworden fft, geht auch aus einer Petersburger Reuter-Meldung hervor, wonach Truppen von der Front nach Petersburg gebracht wurden, um die Re-
gerung und den Soldaten- und Arbeiterrat
■en.
Von Unruhen in der Provinz
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den
wird Wer Stockholm gemeldet: Gleichzeitig mit .... Petersburger Unruhen geht durch alle Gouvernements eine Gärung, die durch Nachrichten über die Offensive und durch den Protest der Soldaten, wiederum zum Frontdienst abgesandt zu werden, hervorgerufen wird. In Helsingfors meutern die Matrosen, die zum größten Dell Volschewlli find; Offiziere wurden ermordet. .
I« Petersburg gibt es keine Autorität «tehr.
Nach dem Amsterdamer „Allg. Handelsbl." wird der „Daily Mail" aus Petersburg von ihrem dortigen Ve- richterstatter gemeldet, daß in Rußland chaotische Zustände herrschen. In Petersburg gäbe es keine anerkannte Autorität nrehr. Petersburg habe mit dem Stnrz der Regierung seine bisherige Bedeutung verloren. Das Volk blicke mit immer größerem Verlangen nach Moskau und warte auf den Augenblick, in dem die vorläufige Regierung die verfluchte Stadt Petersburg verlassen und nach Moskau übersiedeln werde.
Der ausgesprochen verbandsfeindliche Charakter der Petersburger Unruhen und besonders das Anwachsen der allgemeinen Abneigung gegen England erregt in London ernste Besorgnis.
Schüsse auf Kerenski.
Einer Reuter-Drahtung aus Petersburg zufolge find in Plozk auf Kerenski Schüsse abgegeben worden, die aber fehlgingen.
Eine Beruhigungsdrahtung.
^ Petersburg, 21. Juli. (WTB.) Kriegsminister Kerenski ist nach Petersburg zurückgekehrt. Die Anarchlsten haben ihre letzte Feste, die Villa Darnowi, vor der Ankunft der Truppenabteilungen verlassen, die stch,aegemvartig darin befinden. Heute hat die Mehrzahl der Fabrikarbeiter in Petersburg die Arbeit wieder ausgenommen.
Lenin aus Petersburg geflüchtet?
Petersbü ., ... ___________________ ___________^ils See
mann verkleidet, nach Kronstadt begeben hat.
Finnlands Selbständigkeit.
Der finnische Landtag hat mit 136 gegen 55 Stimmen den Gesetzentwurf über die Autouomie Fmulaubs angenommen. Der Abänderungsvorschlag des Jung- finnen Uallas, nach dem der Vorschlag der provisorischen Regierung unterbreitet werden sollte, wurde mit 104 gegen 86 Stimmen abgelehnt.
Wie die „B. Z." von höherer türkischer Seite mit Bestimmtheft erfährt, hat auch die Krim ihre Unabhängigkeit «klärt.
Akws 1917.
Die große« Angriffe am 23. und 28. April.
Aus dem großen Hauptquartier wird uns geschrieben:
Das feindliche Artilleriefeuer hatte sich bis zum 21. April auf der ganzen Front in solchem Maße gesteigert, daß man mit einem bevorstehenden Angriff im großen Stil rechnen konnte. Der Gegner führte feine Massen da und dort durchs Gelände aus die Mätze, wo sie ihr Stichwort zu erwarten hatten, schon vor chrem Auftreten von unserer Artillerie lebhaft beschossen. Mehrfache Angriffe auf unsere Fefselballons zeigten uns, daß auf feindlicher Seite etwas vorging, was wir nicht sehen sollten.
Am 21. April kontrollierte die gegnerische Artillerie iwifdicn Oppy und Gavrelle in aller Form die Lage ihres Verenichtungsfeuers und an der Scarpe drang der Gegner sogar nach Trommelfeuer und Beschießung mit Rauchgranaten in geringer Breite vorübergehend mit Infanterie in unsere Stellung ein.
Bereitgestellte feindliche Kavallerie Wie sich abermals in der nnöankbaren Rolle des fruchtlos Hoffen- öen, Tanks wurden, bevor sie losgelasien werden konnten, unter unser zusammen gefaßtes Vernichtungsfeuer genommen.
" *Ein Nach sehr starker Fenervorbereitung am 22. April vormittags 9 Uhr erfolgt« Jusanterieauariff am äußersten Ende der Kampffront, in der Geaend von Loos, der die Engländer vorübergehend in unsere Stellung führte und der etwas aus dem Rahmen der fon= stiaen Angriffsvorbereitungen fiel, hatte offenbar nur bcii Zweck, unsere Reserven nach Norden zu locken, während der Hauptstoß im Süden der Kampffront ge-
11111'lieber Nacht auf den 23. April lebhafte Artillerie- tütigkest die bis 4 Uhr morgens sich erheblich steigerte und nach zwei weiteren Stunde zu kurzem Trommelfeuer überaina. D e Spannung löste sich. Auf der ganzen Front voll Loos bis Vullecourt war der In- fantertekampf im Gange.
Während uns der Feind von Lens bis Avion den ganzen Tag über nur mit etwa drei Brigaden veschäf- ttgte, führte er bei Gavrelle, Roeux, Monchy und süd- lid) davon gewaltige Kräfte zum Angriff vor.
Seine Absicht, da frontal weiter zu bohren, wo er bisher den meisten Erfolg zu vebichnett^
, verkenn dar zutage. Er fand hier auch die besten Bor- atSngctt für W Gelingen f^
um Arras die bewahrten alten, hinter Athies und Fam- « neue Bnttcriestcllungen, die rückwärtigen ^Ver
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Rauchwand der ganz ausnehm Vorbereitung und unter Einsatz Tanks,_________... .. Anlauf unsere Infanterie von Gatelle bis zur Scarpe hinter eine Linie zurückzudrücken, le vom Ostrand von Gavrelle bis zu dem von Roeux erlief.
Aber schon setzte der Gegenavriff ein. Gavrelle wurde umfassend von Norden ub Osten wiederge- stürmt, die Höhe südlich Gavrelle nd Ortschaft Roeux gleichfalls wieder gewonnen. Bahhof Roeur war das einzige, was dem Gegner von feinm Vormittagserfolg
zunächst verblieb.
Südlich der Scarpe hatten stet die Württemberger den ganzen Tag über mit fchwälscher Zäüiakeit voll behauptet. Wo der Feind im esten Ansturm sonst kleine Vorteile erringen konnte, wrden sie ibm nachmittags wieder entrissen. Abends >46 Uhr hatten wir im wesentlichen unsere alte Linie jviedergewonnen.
Die englischen Divisionen, untr denen an diesem Tage drei bereits zum zweiten Aale in der Arras- fchlacht eingesetzt waren, hatten nch Gefanaenenaus- fagen den Befehl, unter allen Unständen den Durchbruch nördlich und südlich der Sccrpe, vor allem'aber an der Straße Arras—Cambrai zt erzwingen.
Ab 5 Uhr 30 nachmittags übrschütteten sie daher unsere ganze Linie von Oppy bis üblich Fontaine aufs neue mit stärkstem Trommelfeuer. Eine Stunde später stürmten neue Massen mit neuen Lankgeschwadern gegen unsere Linien. Unsere Artillete war kampfunfähig geblieben, unsere Jnfanteriereservn waren zur Stelle, an ein Durchkommen war nicht mhr zu denke«.
Nördlich der Scarpe verblutetm sich die englischen Massen schon in unserem Artilerrefeuer. Hart am Südrande des Flusses verloren die Württemberger auch diesmal keinen Fußbreit Boden.
Weiter südlich bei Monchy unt Guemappe verstärkten die Engländer ihren Angriff durch neu ins Treffen geführte Divisionen und vermichten fo unsere Kompagnien nach und nach in zähem Ringen aus den eben wiedergewonnenen Stellungen naü Osten wieder zurück- zudrücken. Da weiter südlich unsere Infanterie wiederum standhalten konnte, waren bei Eintritt der Dämmerung Freund und Feind derart ineinander verzahnt, daß sich unsere Führung entschloß, zur Herstellung klarer Verhältniße von der Ausnützung einer neuen, in ihrem Verlause ausgeglichenen und zur Verteidigung vorbereiteten rückwärtigen Stellung Gebrauch zu machen.
Die neue Linie, die in der Nacht ohne Störung durch den Feind und unter Zurücklassung von Patrouillen im Borgelände eingenommen wurde, beginnt westlich Roeux, läuft nach Süden zwischen Monchy und Bois du Bert hindurch zum Westrand von Chrisy und biegt unmittelbar westlich von Fontaine in unsere alte Front ein. In der gleichen Nacht wurde Bahnhof Roeux wiedererobert. So hatte die zweste Riesenwelle der Arrusschlacht sich an unseren Linien gebrochen.
SriegssNerlel.
Der argentinische Protest.
Vor kurzem wurde, wie berichtet, in Berlin ein argentinischer Protest überreicht, der u. a. eine Entschädigung wegen der Versenkung argentinischer Schiffe verlangte. Bis vor einigen Tagen wurde die Sache als recht ernst für die Aufrechterhaltung der Beziehungen zwischen Deuffchland und Argentinien angesehen. Inzwischen aber hat sich, wie die „Voss. Ztg." erfährt, die " ' " " JvteMtcbe Erledigung
der
Wie aus den Berichten der Firma Philipps in Paris hervorgeht, beträgt dort der Höchstpreis für jetzt 220 Francs die Tonne. Dafür kann man jedoch von Kleiubändlern in Paris keine Kohle erhalten. Man bekommt sie nur in kleineren Mengen und muß ' ' ' 400 Francs für die Tonne Anthrazit bezahlen, noch eine Kommission von 50 Francs tritt.
Kohle
dabei wozu
Vervandsschiffe vor den holländischen Gewässern.
Der „Mattn" meldet, daß die Verbündeten gegen ane Ueberraschungen in Holland gesichert wären und daß vor den niederländischen Gewässern Kriegsschiffe der Verbündeten kreuzen.
Das brennende Peking.
Nach einem Bericht aus Schanghai stehen laut „B. L.-A." gtrötzere Stadtteile von Peking in Flammen. Das Feuer sei durch die kriegerischen Ereignisse in und um Peking entstanden. Angeblich ist der bertihrnte Himmelstempel ebensalls von den Flammen ergriffen wor- den. Zahlreiche führende Offiziere der Monarchisten wurden hingertchtet als Sühne für die Ermordung zahlreicher bedeutender Republikaner durch die Truppen Tschang-Suns.
PolitiMie Rundschau
Zur Neubesetzung der Regierung. Nach dem „V. £=91/ wird die Parlamentarisierung der Regierung unverzüglich in Angriff genommen werden. Es handelt sich nicht nur um die Neubesetzung verschiedener Staatssekretariato, sondern auch um die Heranziehung von Parlamentariern innerhalb der preußischen Ndi- nisterien. Sie dürfte im Laufe des nächsten Monats vollzogen werden, sodaß beim Wiederzusarmncntrllt des Reichstags der Wechsel dnrchgesührt sein würde.
Bei der namentliche» Adsiimmunq über die Frie- densfchließnng haben für die Emschlietznna aeschiosscn gestimmt die sozialistische Fraktion und die fortschrittliche Volkspartei mit ßinLnahnie des Abgeordneten Dr. Heckscher, der sich der Stunme enthielt. Vom Zentrum haben gegen die Mehrheit gestimmt die Abgg. Freiherr von Frankenstein, Graf von Galen, Dr. Pfleger, Graf Praschnm und Schlvartze-Lippstast. Von der Deutschen Fraktion stimmten gegen die Entschließung die ehemaligen Rcichspartetler und der Abaeordnete Mumm. Die unabbän.nigen Sozialdemokraten stimmten geschlossen gegen die Entschließung, mit ihnen auch der wilde sozialdemokratische Abgeordnete Ruble. Außer den Polen enthielt itew der Abstimmung der Abgeordnete Dr. Becker lwrM.
lieber die Regelung der Kohlen versorg«»« stehen wichtige Bekanntmachnugen des inständigen Reichs- kommissars unmittelbar bevor Denr Vernehmen nach wird eine gewisse Klaßenverteilung stattfinden, und zwar nicht nach der Einwohnerzahl für den Kopf, sondern nach Gruppen und gegebenen Bedürfrktssen. Besondere Berücksichtigungen finden die großen Städte mit über 100 000 Einwohnern, die eine starke Arbeiterbevölkerung haben. Eitle zweite Gruppe bilden die Städte über 10 000 Einwohner, den Reit die dritte Gruppe. Auch für die Verteilung ist eine Bildnna von verschiedetien Gruppen vorgesehen, ivelche die Industrie, den Hausbrand und das deftige werde, die kleinen i Städte und das fünde Land, sowie die Wittbr nach den verbündeten und neutralen Staaten umfassen fot=
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Eine aufgehobene Kettenhändler-ZeUtML. Das Kriegswucheramt hat in den letzten Tagen durch Aushebung einer oberschlesischen Kettenhändler-Zentral^ deren Ausläufer bis nach Berlin und Dresden gingen, einen Erfolg gehabt. Es konnte eine Wuchergesellschaft von 14 Personen verhaftet werden: weitere Verhaftungen stehen noch bevor. Den Verhafteten wurden Waren im Werte von mehr als 1 Mill, Mark abgenommen.
Zwei Kinder verbrannt. In der Treptower Straße zu Kolberg brach ein Feuer aus, dem die beiden zweiund dreijährigen Kinder eines im Felde stehenden Arbeiters zum Opfer fielen. Als in der verschlossenen Wohnung Feuer ausbrach, konnte man den Kindern nicht rechtzeitig Hilfe bringen, sodaß eines nur als verkohlter Leichnahm geborgen wurde. Das andere konnte noch nicht gefunden werden.
Nikolajewitsch schreibt „Memoiren". Der russische Generalissimus Nikolai Nitolajewitsch soll nach einer Schweizer Meldung in Aalta mit der Abfassung von Erinnerungen beschäftigt sein. Angeblich arbeitet er eine vielbändige Geschichte der Regierungszeit Nikolaus II. und eine Monographie aus, die den Titel tragen soll: Wer ist der wirkliche Urheber des Weltkrteaes?
Einheitsbier in Bayern. Durch Verfügung der bayerischen Generalkommandos wurde bestimmt, daß vom 15. August an mit Ausnahme des Bedarfes für das Feldheer nur noch ein Einhestskriegsbier mit einem Stammwürzgehalt von 3,5 bis 4 Prozent gebraut werden darf. Bereits vorrätige stärkere Biere sind zu verschneiden.
„Jgelkotletts." Die Engländer können den Mund erfahrungsgemäß nicht weit genug aufreitzen, wenn es gilt, über „deutschen Krähenbraten" oder ein anderes Ersatz-Nahrungsmittel zu witzeln, obgleich sie eigentlich wissen sollten, daß die Saatkrähe schon im alten Rom, wo man sich doch sicher auf die Geheimnisse der Verfeinerung des Gaumens verstand, als Leckerbissen gewertet wurde. Als Gegenstück dazu möge festgestellt sein, daß die „Daily Mail" angesichts der in England mehr und mehr sich fühlbar machenden Nahrungsmittel- not neuerdings auf die geniale Idee verfallen ist, ihren Leseirn — Jgelkoteletts zu empfehlen. „Igel sind sehr wohl eßbar", sagt sie belehrend und fügt dann das folgende Rezept hinzu, bei dem man trügt weiß ob man mehr die Einfallt des Blattes oder seine Unverfrorenheit belächeln soll, der Oeffentlichkeit solche Scherze an- zubieten. „Man bereitet sie ld. h. die Fael) folgen^r- maßen zu: Die Tiere werden in Lehm gerollt und über einem Holzfeuer gebraten. Die Stacheln fallen dann von selbst aus, und das Fleisch schmeckt ausaezerchnest" Man sieht, ebenso einfach rote appetitlich. .Vrellmcht wenden die Herren ihr Rezept auch einmal auf Stachel- bestrahle Unvorsichtigkeit. „Warum siehst Du so unzufrieden aus?" wurde ein Tagedieb von eurem Freund gefragt. „Du hast doch vor kurzem erst einen Hunderter bekommen, well Du Dem Bild.in den Zeitungen veröffentlicht und daneben schwarz auf weiß versichert hast, daß Du durch eine gewme Sorte von Pib len von sämtlichen Leiden der Welt geheilt worden seist." — „Das ist es ja gerade. Jetzt werde ich von ab len Seiten gefragt, warum ich nicht zu arbeiten an- fange, da ich ja nun so kräftig sei." .
wie das srmzSfische Heer hungert.
Ueber den inrmer größer werdenden Nahrungsmittelmangel in Frankreich und die schlechte Verpflegung sonders de ranzösischen Heeres, wird uns von unrer-
Wirkungen auszuüben. Der von Tag zu Tag steigende Mangel an Nahrungsmitteln macht sich bereits in stärkstem Matze Bei der Verpflegung des englischen und sogar des französischen Heeres bemerkbar. Das Mitglied der französischen Heereskommission, der Abgeordnete Charles Peronnet, macbte vor einigen Tagen darüber recht bemerkenswerte Mitteilungen. In den beiden ersten Kriegsjahren war nach Auslassung des Deputierten Peronnet die Ernährung der Soldaten einwandfrei gut Diese Glanzepoche gehört aber der Vergangerchest an, und seit Monaten häufen sich die Klagen der Truppen, die als begründet gelten müssen. Bei vielen Trup- penteileit sind die Soldaten schlecht verpflegt, Gemüse äußerst selten, das Brot oft verschimmelt, die QualUät des Fleisches höchst minderwertig und die besten Stücke verschwinden trotz aller Dienstvorschriften in gehermnis- voller Weise. Die Kartoffeln, das unentbehrlichste Nahrungsmittel für den Soldaten, fehlen fast vollständig. Er erhält nur einmal wöchentlich solche. Infolge des Harten Winters ist der Manqel an frischem Gemüse groß. Das Heer bekommt augenblicklich nur ein Viertel von dem, was es an Geustise aufordert.
Die Aushungerer Deuticharrds Beginnen den Hunger bereits am eigenen Leibe zu spüren. Keine Kartoffeln und kein Geustise, und das, trotzdem die klimallschen Vorbedingungen für den Gemüsebau in Frankreich bei weitem günstiger sind als in Deutschland, und Frankreich zudem ja. dank der englischen Seebeherrschung, erführen können ustitzte, was es wollte. Kann es das mcht, muß es mit dieser „Seeherrschaft" einigermaßen null aussehen. Tatsachen reden eben eine riberzeugenoere Sprache als politische Schönredner und Beschwichtigungsapostel. Hungert aber schon der französisch« Frontsoldat, so dürfte es im Jmieren des Landes mchl besser aussehen, denn zur Ehre der Franzosen können wir wohl annehmen, daß sie nicht selbst prassen iverden, während chre Kämpfer draußen Mangel leiden. Ertragen wir daher die uns noch bevorstehenden schmalen Wochen mit Ruhe und Geduld. Wer nicht lache« kann — und viele werden’« nickst können — der beiße die Zähne zusammen. Durch müssen wir und durch komme» wir auch.'l^KM.)
Weitere Drahtnachrichten.
Der militärische Begleiter des Kanzlers.
----- Berlin, 21. Juli. (T. 11.) Als militärischer Begleiter ist zum Kanzler Leutnant v. Prlltwitz kom- mandiert, der laut „B. T." vor dem Kriege im diplomatischen Dienst stand und während des Krieges erst dein Staatssekretär v. Jagow, dann Herrn Zimmermann attachtert war.
Die Lissaboner Unruhe«.
Genf, 21. Juli. (T. U.) Die Zahl der «ach den blutigen Lissaboner Zusammenstötzcn Verhafteten wird anf über 1000 angegeben. Die Gefängnisse find nach Pariser sozialistischen Blättern überfüllt.
Ein weiblicher rvssischer Bersorgnngsminister.
----- Kopenhagen, 21. Juli. (T. 1t.) „Politiken" meldet laut „Bl. Mp." aus Paris: Nach Petersburger Meldungen wird die Gräfin Pamina Schakowskaja Nachfolger des Versoranngsministers werden. Sie ist damit der erste weibliche Minister in der Welt. Die Gräfin war bisher Abtellttttgschef in dem genannten