Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 163.
=*^3« Sonnabend, den 14 Juli
1917
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 11. Juli 1917.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche meine Berfttgung vom 4. Juli — I. 8184 — betreffend Angabe derjenigen auswärts wohnenden Personen die gemäß Ziffer 5 der Anleitung für die Gemeindevorstände zur Aufstellung SerOrtslisten über dieErnteflächenerhebung imdortigen Gemeinde- (Gutsbezirk) Grundbesitz haben, noch nicht erledigt haben, werden an deren umgehende Erledigung erinnert.
Tgb. No. I. 8445. Der Landrat.
J. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 7. Juli 1917.
Sämtliche Landwirte, welche die in der Bestandsaufnahme vom 15. April zu Saatzwecken angegebenen Hafermengen tatsächlich nicht verbraucht haben, werden hierdurch aufgefordert, die noch vorhandenen Bestände der Firma Löwenberg hier anzuzeigen, welche deren Abnahme sofort zu bewirken hat. Jede übrig gebliebene Menge ist für die Heeresverwaltung dringend nötig und wird die Ablieferung den Landwirten zur strengen Pflicht gemacht. Die Herren Bürgermeister wollen für ortsübliche Bekanntmachung Sorge tragen. Tgb. No. K. G. 1821. Der Landrat.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Der Vorstand der Landesversicherungsanstalt
Hessen-Nassau
I. Nr. Cassel, den 27. Juni 1917.
amts vom 2. Dezember 1916, Amtliche Nachrichten 1916 Seite 781, unterliegen die aus dem Königreich Polen stammenden Arbeiter und Arbeiterinnen seit dem 5. November 1916, dem Tage der Errichtung des Königreichs Polen der deutschen Sozialversicherung, da sie seitdem nicht mehr als Angehörige eines feindlichen Staates und versicherungsrechtlich auch nicht mehr als unfrei angesehen werden können. Die Bestimmung des § 1233 der Reichsversicherungsordnung, daß von Arbeitgebern für Ausländer, denen der Aufenthalt im Jnnlande behördlicherseits nur für eine bestimmte Dauer gestattet ist, nur ihre Beitragshälfte zu entrichten ist, findet auf Arbeiter aus dem Königreich Polen keine Anwendung, denn diese Borschrift setzt die Anwendbarkeit des Bandesratsbeschlusses vom 21. Februar 1901 (Centralblatt für das deutsche Reich Seite 78 voraus.
Es sind daher, falls dies noch nicht geschehen sein sollte, auch für diese Arbeiter und Arbeiterinnen aus dem jetzigen Königreich Polen Quittungskarten ans- zustellen und die seit dem 5. November 1916 fällig gewesenen Wochenbeträge durch Beschaffung und Einklebung von Beitragsmarken ebenso wie für jeden anderen hiesigen Versicherten voll zur Verwendnng zu bringen.
Der erwähnte Bundesratsbeschluß vom 21. Februar 1901 erstreckt sich nur noch auf polnische Arbeiter österreichischer Staatsangehörigkeit.
An die Versicherungsämter in der Provinz Hessen- Nassau und im Fürstentum Waldeck.
* * *
Hersfeld, den 2. Juli 1917.
Wird veröffentlicht.
Ich ersuche die Ortspolizeibehörden nötigenfalls die Ausstellung von Quittungskarten nnd die nachträgliche Markenverwendung zu veranlassen.
Kgl. Versicherungsamt.
Der Vorsitzende
I. V. No. 1181. I. V.:
Funke, Kreissekretär.
Verhütung von Wildschaden.
Auf Grund des Art. 68 der Reichsverfassung in Verbindung mit § 4 des Preußischen Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 wird für die Dauer des Kriegszustandes für die zum Bezirk des 11. A.-K. gehörenden Teile des ehmaligen Kurfürstentums Hessen-Cassel in Ausführung des § 26 des Kurhessischen Gesetzes vom 7. September 1865 betr. das Jagdrecht und dessen Ausübung (§ 86, Nr. 13 der Jagdverordnung vom 15. Juli 1907) nachstehendes angeordnet:
... .
Beschwert sich ein Grundbesitzer oder Pächter über einen auf seinem Grundstück angerichteten Wildschaden, so beruft das Generalkommando eine Kommission, die sich über den Umfang des Schadens zu äußern und darüber sich auszusprechen hat, ob er über den Schaden, wie er zu Friedenszeiten beobachtet ist, hinausgeht.
In diese Kommission werden berufen:
1. Der Eigentümer oder Pächter des vom Wildschaden betroffenen Grundstücks oder ein Vertreter des Eigentümers oder Pächters.
2. Der Besitzer oder Pächter desjenigen Eigen- Jagdbezirks oder gemeinschaftlichen Jagdbezirkes, in dem das beschädigte Grundstück belegen ist oder aus dem — der Wahrscheinkeit nach — das schädigende Wild stammt.
3. Der Bürgermeister der Gemeinde, in deren
Bezirk das beschädigte Grundstück sich befindet.
4. Zwei weitere, unparteiische Personen, die vom Generalkommando bestimmt werden.
Kommen zu Ziffer 1 und 2 mehrere Besitzer oder Pächter in Betracht, so bleibt es ihnen überlassen, einen gemeinschaftlichen Vertreter zu bestimmen. Wird von dieser Befugnis kein Gebrauch gemacht, so beruft das Generalkommando für die Beteiligten (Ziffer 1 und 2 je einen gemeinschaftlichen Vertreter aus ihrer Mitte.
2.
Auf Grund des Gutachtens der Kommission entscheidet das stellv. Generalkommando, ob der Jagd- berechtigte bezw. Jagdpächter zum Abschuß des Wildes auch während der Schonzeit aufzufordern ist.
(Fortsetzung auf der 4. Seite.)
Bus der Heimat
):( Hersfeld, 13. Juli. Der Po st verkehr zwischen Deutschland und Griechenland ist gänzlich eingestellt und findet auch auf dem Wege über andere Länder nicht mehr statt. Es werden daher keinerleiPostsendungen nach Griechenland mehr angenommen. Bereits vortiegendeoder durch die Briefkästen zur Einlieferung gelangende Sendungen werden den Absendern zurückgegeben. Der private Telegraphenverkehr nach Griechenland ist ebenfalls eingestellt.
§ Hersfeld, 13. Juli. Am 25. Juni 1917 ist eine Bekanntmachung veröffentlicht worden, durch welche alle gebrauchte und ungebrauchte Kautschuk- (Gummi-) Billardbande in vulkanisiertem und unvulkanisiertem Zustande beschlagnahmt wird, und zwar ohne Rücksichtda- rauf, ob sie sich inBillarden oder Teilen von Billarden Nutzung derBillaröbanöe in Billardeufzirm Zwecke des Spielens erlaube. Ebenso ist die Veräußerung und Lieferung von Billardbande gestattekgeblteben, sofern sie als Bestandteil eines Billards oder zur Ausbesserung eines Billards veräußert oder geliefert wird. Dagegen ist das Herausnehmen der Billardbande aus Billarden oder Teilen von Billarden sowie die Veräußerung oder Lieferung der herausgenommenen'Billardbande oder von BillardbaNden in Teilen von Billarden nur nach ausdrücklicher Einwilligung der Kriegs-Rostoff- Abteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums zulässig. Alle Einzelheiten ergeben sich aus dem Wortlaut der Bekanntmachung, deren Veröffentlichung in der üblichen Weise durch Anschlag und Abdruck in den amtlichen Tageszeitungen erfolgt. Außerdem kann der Wortlaut bet den Lanbrats- Aemtern, Bürgermeister-Aemtern und Polizei-Behörden eingesehen werden.
Die Untätigkeit der Berbandsmächte, die von den Mittelmächten errungene und unerschütterliche Ueberle- aerrheit der Waffen zu brechen, mußte die Entente immer wieder durch neue Schlagwörter vor den Augen der Welt zu verbergen suchen. Lange Zeit schob man hie Schuld darauf, daß bei der Vielheit der gegen uns kaurpfenden Völker nur schwer eine so eittyeuMK tu sich zusammengefatzte Führung der Kxiegshandlung zu erzielen sei, wie sie den Vorteil DeMschlands und seiner Verbündeten ausmachen. Mit anderen Worten: Je weniger gern man auf der Gegenseite von den durchaus verschiedenen und auseiuanderftrebenden politischen nnd wirtschaftlichen Interessen der 10 oder 11 Ententevölker sprach — denn diese Gegensätze sind in der „Tat aufs Greifbarste vorhanden — um so lieber und öfter Wrgch man von der UneiVbeitlichkcst der militärischen Führulrg deren nian Herr werden müsse und auch Herr werden könne. Inzwischen ist die einheitliche Front und die einheitliche Führung in der Tat auf der Gegenseite mehr und mehr erreicht worden, d. h. das militärische Selbstbestimmungsrecht der englischen Gefolgschafto- völker tu Europa ist immer mehr zummmenge- schruilipft. England befiehlt zum Kampf, wo undwann es ihm nützlich scheint, England stoppt ab, schreibt Of- feusiven vor und setzt militärische 2Ele, die zu erreichen sind (freilich nie erreicht werden), und dav einzige Volk, auf dessen Wünsche notgedrungen m E^ noch etwas Rücksicht genommen wird, sind die Franzosen. Denn wenn ine Republik imes ^Wrs dw -uU verlöre, englische Kartoffeln aus deutschem Feuer zu holen, so würde der europäische ^Landkrieg von England endgültig verloren sein, und der Ausgang des ^ee- und Kolonialkrieges zu feinen Ungunsten nur noch eine
Frage kürzester Zeit.
England befiehlt, befiehlt auch dem „freien ^Rußland und wird vielleicht die.Völker, dieden' ^Aöaren stürzten, noch einmal in ein. Blutmeer^hinemtrewen. Dann würde die heiß ersehnte Emhettlichkeit der mili- tärischen Front endlich erreicht. Ob ^t^n,1^ lich anders aussehen würde, als die leltsame.»Emvest- lichkeit", von der schon heute
nheitlichkeit der
wer möchte das Voraussagen. Heute, nm
der Frühlingsoffensiven, ist die,n feindlichen Fronten und der feutälKsjCtt
dem S nne erreicht, daß überall die äleiche UntaU herrscht. Im Westen ist sowohl an der fran^ wie an der englischen Front von den Stürmen, die uns bekanntlich wieder einmal den knok out versetzen wll-
ten, nichts übrig geblieben als die gewohnten Teilun- ternehmungen, die regelmäßig fehlschlagen, während wir selbst in der letzten Zeit beträchtliche Stücke dessen wiedergewonnen haben, was die Feinde als winzigen Erfolg ihrer Offensiven gesetzt hatten. Besonders einheitlich ist die flandrische Front gworden, wo die Engländer auch die letzte französische Division, die links von den Belgiern stand, durch ihre Truppen ersetzt ha ben. Nordwestfrankreich ist jetzt einheitlich in britischer Hand. Auch an der russischen Front wird nur da ge- kämpft, wo englische und französische Offiziere krampfhaft mit russischen Geschützen schießen, um die geschwundene Angriffslust der Russen zu beleben. Der Sturm der Italiener ist verbranst, und au der mazedonischen Front haben es die Engländer für nötig gefunden, von selbst auf dem linkeil Struma-Ufer um ein erhebliches
Stück zurückzugehen.
Aber sollten sich selbst aus dieser eittbei fliehen Atempause, M der die Gegner der Mittelmächte sich genötigt sehen, neue Anstrengungen entwickeln, so wird auch ein gemeinsamer und gleichzeit ger Angriff an der Widerstandskraft unserer Fronten mit der Emhcttlich- keit scheitern, die bisher das Kennzeichen und das letzte Ergebnis jedes solchen Versuches gewesen ist.
MsrmehMh M „MMMschs GMr."
Der japanische Bundesgenosse bereitet den grossen imperialistischen Verbandsmächten, England und den Vereinigten Staaten, wegen seiner kriegerischen Beta- tigung. die sich vornehmlich auf Ausdehnung seiner Machtsphäre im fernen Osten und auf Eroberung der irgend erreichbaren Weltmärkte beschrankt, nicht unerhebliches Alpdrücken. Aber auch den übrigen Entente- staaten kommt der gelbe Bundesgenosse nicht ganz geheuer vor. Die italienische Presse besaßt sich in jüngster Zeit auffällig mit Japan und seinem wirtschaftlichen Aufschwünge. In der „Roma" vom 2. Juni 1917 kommt Enrico de Mariais, nachdem er vieldeutenderweise erklärt hat, daß er sein Thema mit Rücksicht auf die Japaner nur unvollständig behandeln könne, zu folgenden Feststellungen:
„Auf den amerikanischen und asiatischen Märkten ist es (Japan) in wenigen Monaten au die Stelle der anderen kriegführenden Staaten getreten. Im süd- amerikanischen Handel nimmt es jetzt die Stelle von England, Deutschland, Frankreich und Italien ein, und tritt schon in Wettbewerb mit dem dort an erster Stelle flehenden Nordamerika. Kaufleute, die jüngst aus Südamerika nach Europa kamen, erzählen von der sicher«
haften Tätigkeit der Jamner, die nach Art der Deutschen langfristige Handelsgeschäfte abschließen. Eine ähnliche Tätigkeit eutwitfeln sie in Britisch- und in Hol- lärldtsch-Jndien, in Jndochina, in Australien und auf den Philippineic, indem sie neue Industrien schaffen und so die verschiedensten europäischen Ausfuhrartikel durch ähnliche japanische ersetzen, wie Spielzeug, Biersorten, Woll- und Baumwollgewebe, Kautschukpneumatiks, Geschirr usw. . . . Japan erwartete bett europäischen Krieg, um aus ihm Nutzen zu ziehen, und sein Glück vergrößerte sich iwch durch die russische Revolution, die mit ihrem Berzichtprogramm ganz zum Nutzen Japans aus- schlägt, indem sie den Japanern neue asiatische Besitzungen schafft."
. ------- —-—"mr zittern
der „Pre-
sitzungen schafft."
Noch genauer in der Nachrechnung, die ga mäßig vorgenommen wird, ist „Nauticus" in . parazione" vom 1. Juni: „Japan, heißt es dort, das vor dem Kriege Schuldner Europas war, ist jetzt nächst Amerika der größte Bankier geworden. Es hat seine Goldreserve von 830 Millionen Mn auf 860 Millionen Den gebracht, hat Rußland 150 Millionen Lire, England 500 Millionen Lire geliehen, hat eine innere Anleihe von 40 Millionen Yen ausgegeben, 50 Millionen “ ’ ' . 1916 hatte es
>nen Yen." Hin- ______________g und der wirt-. ung, die ihr unmittelbar nachfolgt, " fest: „Bei Kriegsausbruch gab es in japanische Auswanderer, in Amerika nien 106 165, in Europa 1231. Die cug-
Aen in chinesischen Bahnen angelegt, einen Exportüberschuß von 750 MiNv... . sichtlich der japanischen Auswanderung uw 1 (hässlichen Entwicklung, die ihr unmittelba stellt „Nauticus" fest. ~ ..... : ' ____ _____
Asien 134 498 japanische Auswanderer, tu Amerika 117 122, in Ozeanien 106 165, in Europa 1231. Die englischen Kolonien und Nordamerika haben deutlich zu verstehen gegeben, daß sie der japanischen Einwanderung einen Riegel vorschieben werden. Um so mehr betrachten die Japaner China und Südamerika als Ziel ihrer Aus- Wanderung. Hauptmittel dazu ist die großartige Entwicklung ihrer Handelsflotte. Während noch im Jahre 1914 27 500 Tonnen in Japan gebaut und 177 298 Tonnen im AUsland gekauft wurden, ist im Jahre 1915 die Situation vollkommen umgekehrt: 28 081 kommen aus dem Auslande und 78 918 wurden in Japan gebaut. 1916 wurden sogar 300 000 Tonnen gebaut. Nach dem Kriege wird, aller Voraussicht nach, Japarr über 2 Millionen Tonnen Schiffsraum verfügen, bei einem jährlichen Stapellauf von einer halben Million Tonnen. Diesen wachsenden Schiffsraum hat Japan zirnächst dazu benutzt, den englischen Handel aus China zu verdrängen. In Slidamertka ist das gleiche den nordame- rikanischen Erzeugnissen gegenüber tm Werke. In Peru und Brasilien hat sich die Zahl der Japaner bereits verdoppelt, füllt großer Aufmerksamkeit, um nicht zu sagen, mit Sorgen, muß man die stille Arbeit dieses Outsiders verfolgen, der für alle Gefährlich wirb.
im Werke. In Peru "apancr bereits