' Ernste ZwischensSlle bei den Belgiern.
Nach holländischen Meldungen aus La Panne er* eigneten sich unmittelbar vor Beginn der englischen Offensive im Wutschaete-Bogen ernste Zwischenfälle in der belgischen Armee. Belgische Mannschaften, vornehmlich vlämischer Abstammung, machten ihren unmittelbaren Vorgesetzten die Mitteilung, daß sie nicht als Opferlruppe ins Flankenfeuer der Deutscheil geworfen werden möchten. Infolge dieser gedrückten Gemütsverfassung der Belgier mußte der Angriff oder eigentlich die gewaltige Mnensprenauna um 12 Stun- den verschoben werden. Die beiden belgischen Regimenter, wurden aus den vordersten Sturmstellungen genommen und durch Kren ersetzt.
Ueberführuug der italienischen Kolontaltruppen an die italienische Front.
„Carriere della Sera" meldet, daß die sübitalieni- schen Häfen gesperrt wurden. Schweizer Blatter schreiben von der italienischen Grenze, die Ueberfübrnng der italienischen Kolonialtrnppen an die italienische Front sei im Gange.
Deutsches Entgegenkommen gegen Holland.
Deutschland stellt Ersatzschiffe.
Die Verhandlungen zwischen der deutschen und der niederländischen Regierung wegen der am 22. März 1917 infolge eines unglücklichen Zufalls durch em deutsches Unterseeboot im Sperrgebiet versenkten acht niederlän- dischen Handelsdampfer sind nunmehr zum Abschluß gelangt. Die deutsche Regierung konnte eine Verantwor- tung für den auch von ihr lebhaft bedauerten Vorfall nicht anerkennen. Sie hat sich jedoch aus Teilnahme und in freundnachbarlicher Gesinnung bereit finden lassen, zur Milderung der den Niederlanden durch die Schifsverluste erwachsenen wirtschaftlichen Schäden gleichwertige, in Niederländisch-Jndien liegende deutsche Schiffe der niederländischen Regierung zur Verfügung zu stellen, wogegen diese die für die versenkten Schiffe zu zahlende Versicherungssumme herausgeben will. Die Ersatzschiffe sind für die niederländischen transozeanischen Fahrten bestimmt und werden erst auslaufen, nachdem unsere Gegner den Flaggenwechsel anerkannt haben. Die deutsche Regierung wird weiter den Be- satzungen der versenkten Schiffe, wovon glücklicherweise niemand ums Leben gekommen ist, einen etwa erltt- Enen Schaden ersetzen. Die niederländische Regierung hat das bei diesen Verhandlungen bewiesene Entgegen- kommen der deutschen Regierung mit Dank anerkannt, so daß damit der die Beziehungen der beiden Länder trübende Zwischeufall glücklich erledigt ist.
SriezMerlei.
Das Trommelfeuer.
Im „B. T." stellt der Kriegsberichterstatter Meyer gegenüber einer Behauptung des Berichterstatters des „Petit Parisien", daß die Verluste der deutschen Divisionen in der Wytschaete-Schlacht 70 bis 80 Prozent erreicht hätten, auf Grund des ausführlichen Vortrages eines Generalstäbsoffiziers einer Division, die in den fraglichen Tagen einen besonders arg bedrängten Abschnitt der Kampslinie zu halten hatte und restlos hielt, fest: Die Verluste der Division in dem elftägigen furchtbaren Trommelfeuer, das auf den Divisionsabschnitt täglich über 30 000 Schutz von 18, 24 bis 38 Zentimeter Kaliber schleuderte, betrugen durchschnittlich auf den Tag etwa 60 Mann, dank der Gewandtheit unserer Führer
wiederum manches Menschenleben gerettet.
Scharfe Angriffe gegen Lloyd George.
Aus dem Haag meldet die ?FE. Zlg.": Die englische Wochenschrift „Statist" enthält sehr erregte Angriffe gegen Lloyd George als höchste Amtsstelle für die Luftverteidigung Englands, weil er den Zeppelm- anariff auf London nicht habe abwenden können. Das Blatt fordert nicht nur, daß Lloyd George seines Am- tes enthoben, sondern daß er auch streng bestraft wird.
Eine englische Antwort auf die Frage nach dem Kriegsende.
Der „Temps" meldet aus London: Der Deputierte King fragte int Unterhaus, wann voraM der Kriea zu Ende gehe. Ein Unterstaats ekretar erwiderte dieses Jahr werde wenigstens die Frage klären, wer Sieger im Kriege bleibe.
Die «krainische Bewegung.
Nach einer Meldung der Wiener „Retchspost" steht, wie die „Köln. Ztg." berichtet, das ukramsiche Volk am Vorabend großer Ereignisse. Die zwischen den Ukrainern und "den Moskowitern entstandene Spannung spitzt sich immer mehr zu.
Mexiko soll Getreide für die Entente liefern.
W Berlin, 28. Juni. (T. u.) Die „Voss. Ztg." meldet indirekt aus London: Die Vereimgten Staa- ten boten Mexiko unter sehr chmstigenBedmM
:in Darlehen von 50 Millionen DollarsgeaenöieVer- pflichtung an, einen erheblichen Teil des Geldes zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Erzeugung zu benutzen, um die in Mexiko nicht benötigte Ernte der Entente bht Verfügung zu stellen.
Japanischer Ankauf niederländischer Unternehmungen.
w Amsterdam, 28. Juni. (T. U.) Ein hiesiges Blatt erfährt aus Batavia: Das fapamsche Syudlkat, das kürzlich für zwei Millionen die Zuckerunterneh- rmmg Svekoreöjo angekauft hat, beabsichtlgt nun noch 15 andere Unternehmuugen anzukaufen. Die niederländisch-indische Presse spricht fast einstimmig ihre Miß- billignng über dergleichen Ankäufe aus.
Englands Ansturm im Zahre 1917.
Garde-Reseroeregimenter bei OPPY am 28. April.
Bon militärischer Seite wird uns geschrieben: Die Garde-Reservekompagnien hatten die Stellung Zeit bezogen, als die Engländer, in südlich der Searpe enttäuscht, ihre t Nordteil der Kampffront richteten,
bei Oppy zu einer. ihren Hoffuimgen . ganze Wut auf den
just wo Oppy liegt.
Der 28. April war für unsere Garderegimenter ein Ruhmestag. „Sechs Angriffe auf OPPY abgeschlagen!" Die höhere Führung ist an solchen. Tagen für die Kampfhandlung selbst ausgeschaltet. Sie bat die schwere Aufgabe, von rückwärts die Kräfte voransahuend so zu verteilen, daß sie zur rechten Zeit am rechten Platze
Aber vorn ist schon der Kowpaguiechrf höhere Führung. Er behält den Ueberbltck, greift selber ein, wo es nottut, und dann ist er ".Zugführer oder Gruppenfübrer. Die kleinen nnd kleinsten Verbände
Ein Gutes haben die fetnöltchen Granaten. Sie grcchen Trichter in den Boden, in denen kleine Kampfeinheiten der genannten Art Platz fiudeii. In solch eruem Nest machen sich's vier, sechs, acht wackere Gardisten gemütlich. Sie sind eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung für einander, eine Blutsbrüderschaft aus Lebe« und Tod. Wie Freundschaft, Vertrauen oder Zufall sie zusammengeführt hat, so bleiben sie für den Tag aneinander.
Am 28. April kamen die Engländer in hellen Haufen augelaufeu. Sie waren der Meinung, ihr Trommelfeuer hätte bei uns alles Lebende vernichtet, und sie brauchten bloß Nachlese zu halten. Aber unsere Ma- schtuengewehre waren wach. Sie ratterten wie Mähmaschinen. Was drübe« nicht in seinem Blute lag, duckte sich in Granattrichtern.
Die Granattrichter waren die Basis für die weiteren Unternehmungen. Ueber ihnen erhoben sich vorsichtig flache Stahlhelme. Sie nahmen Verbindung auf von Trichter zu Trichter. Ein Pfiff, und eine Horde vrauu- gelber Gestalten kam auf die Nusrigeu zugestürmt. Unsere Maschinengewehre waren auf ihrem Posten, die braungelbe Kette tauchte aufs neue unter. Aber schon waren sie so nahe, daß sie Haudgrauateu schnreißen können, nun sind die eigentlichen Nahkämpfe im Gange. Das nächste Ziel ist, dem Gegner mit Haudgranateu Kuckuckseier htd Nest zu setzen. Wem es gelingt, sich in die gegnerische Linie einzuuisteu, der hat den Vorteil, die nächste Trichterreihe hausierend aufzurollen. Das „Aufrollen" war ehedem ein hochstrategischer Begriff, heute ist er das Handwerk des einzelnen Mau- nes. Am 28. April gab's bei der 11. Kompagnie eines der bei Oppy eingesetzten Regimenter eine Gruppe vvu acht Mann, die für sich drei-, viermal eine Strecke von je hundert Meter im Kampf von Trichter zu Trichter aufgerollt hat. Am Abend waren nur noch zwei dieser Braven kampffähig. Was sie aber dem Feinde geschadet, übersteigt das Zehnfache ihrer eiaetteit Verluste. Wo es einem Teil gelingt, auf größeren Strecken ein- zudringen, erfolgt durch den andern der Gegenstoß. Stoß und Gegenstoß sind die taktischen Elemente dieser Kämpfe. Unbedingtes Vertrauen derer da vorne auf die rückwärtigen Reserven, unbedingte Treue der Re- serven gegen ihre Brüder im vorderen Graben sind die Voraussetzungen dieser Kampfeswetse.
Man ergibt sich nicht, man hält, auch wenn der Gegner im Rücken sitzt. Der erwartete Gegenstoß der eigenen Reserven wird alles. ändern.
Die Einzelkälnpse, wie sie am 28. April um Oppy tobten, veränderten das Bild der Schlacht von Stunde zu Stunde. Es ging hin und her. Die Beherzteren behalten schließlich recht. Die Beherzteren waren wir. Hierfür als Beispiel eine hübsche Geschichte:
Der Vizefeldwebel Wittorf der 9. Kompagnie des erwähnten Regiments befand sich in früher Morgenstunde des 28. April zwischen Oppy und Gavrelle mit einem kleinen Kommando aus dem Rückmarsch aus der vorderen Linie. Plötzlich setzte feindliches Trommelfeuer ein. Man suchte im Granatloch Schutz. Abwechselnd beobachtete einer. Nichts Verdächtiges! Plötzlich ein Krach, Stimmengewirr, Revolverschüsse. Einer sank tödlich getroffen nieder, einer war verwundet, die andern von einer Ueberzahl gefangen. Alles wurde den Grenadieren genommen, vor allem die Gasmaske. Im heftigsten Artilleriefeuer suchte dann Freund und Feind im Trichter Deckung. Durch Angenzwickern verabredeten die Unsrigen die Flucht. Sie entkamen in südöstlicher Richtung. Vizefeldwebel Wittorf lag mit Unterof- frzier Katein in einem Loch zusammen, als zwei Engländer erschienet! itnd auf die Waffenlosen anlegten.
Die beiden Geretteten liefen zu ihren Freunden. Diese gehörten einem Reserve-Infanterieregiment au, das dort mit etwa vierzig Mann ein kleines Grabenstück gegen alle Aufrollungsversuche des Gegners von rechts und links verteidigte. Mau gab und bekam Feuer von rückwärts und vorwärts. Die Engländer ließen die kleine Schar zur Uebergabe auffordern. Sie hörte nicht, obwohl der aufsteigende Tag unzweifelhaft enthüllte, daß der Gegner rechts und links durch- gebrochen war.
Nirgends Verbindung! Endlich kam ein Jnsan- terieflieger, mit dem Zeichen gewechselt wurden. Er flog zurück und schickte Entsatz. Leutnant Reuter kam mittags mit seiner 9. Kompagnie im hellsten Sonnenschein durchs englische Sperrfeuer hindurch augerückt, wie auf dem Kaseruenhofe, ein prachtvoller Anblick. Er sprang mit dem Gewehr in der Hand in die Linie und rief: „Wo sind die Tommtes?" Die andern sprangen mit nach links gegen Gavrelle zu. Aus allen Granaltrichtern sprangen die Engländer wie aufgescheuchte Hasen. Sie rissen aus oder gaben sich gefangen.
So girrg's durch den Kugelregen vor bis zu der Windmühle von Gavrelle. Dort fiel Leutnant Reuter zu Tode getroffen. Aber die Lage war gerettet.
Feldwebel Wittorf sammelte seine Gefangenen und trat den Rückmarsch an. Ein englisches Gewehr war seine einzige Waffe. Bei Jsel hinten zählte er schmunzelnd seine Beute: zwei Offiziere, 71 Mann, dazu ein preußischer Grenadier als Begleitkommando."
Am nächsten Tage schrieb er in seine Gefechtsmeldung: „Herr Leutnant Reuter war der schneidigste Offizier, den ich je sah. Mit seinem Geiste läßt sich aües durchsetzen."
Politische Rundschau.
^ Die «enc Kreditvorlage. Der Draht meldet uns aus Berliu: In dem dem Reichstag zugegangenen Entwurf eines Nachtragsgesetzes zürn diesjährigen Reichshaushalt wird der Reichskanzler ermächtigt, zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben die Summe von 15 Milliarden im Wege des Kredits flüssig zu machen.
Gegen eine parlamentarische Regierung, spricht sich der Landesausschutz der uationglliberalM Partei in Thüringen aus. Er nahm eine Eulschlietzuug an, in der es heißt: Der Landesansschutz lehnt für Reich und Staat die Parlamentsherrschast mit Entschiedenheit ab. Er zieht eine starke und stetige Regierung, deren Mitglieder über den Parteien sieben, der von wechselnden Parlameuts-MehrveNen avh^ugigeu parlamentartschen Regierung vor. Dabei G er mit der Reichstagsfraktion der Ansicht, das: eine n.veckmMige Neuordnung des politischen Lebens tw Reime eingeleitet werden muß, und daß es dazu ein ■ engeren Zusammenwirkens zwischen Parlament und Reglernug und eines stärkeren parlawentarisuev Eusinnneo auf letztere bedarf.
Entente und Demokratie. In der svzialdernokratt- schen „Feldpost" ist zu lesen: „Die Kriegsparteien in ; England, Frankreich und Amerika veyanpten zwar, ! einen Kren-zug der Demokratie gegen die kaiserlichen : Mittelniächte zu führen, aber acrode jenen Kriegsparteien ist es mit dem Aushängeichildc der Dernokratie ' am allerwenigste.» ernst. Damit ttlcheu sie auf die Stirn- *
mung der eigenen Vorrsmasien wie aus die Neutralen zu wirken. In Wahrheit kämpfen sie um materielle Ziele. Eine deutsche Demokratie, die sich ihnen nicht willenlos unterwürfe, sondern den nationalen Verteidigungskrieg mit der gleichen oder noch größerer Energie fortfiihrte, würde von ihnen genau so beschimpft werden wie das bisherige Regiment."
Vermischtes.
Der Prozeß Kupfer. Die gesamte Verhandlung am Miltivoch im Prozeß Kupfer war durch das Zeugenver- Hör ausgefüllt. Sehr eingehend gestaltete sich die Vernehmung des Ingenieurs Fritz Körting. Körting bat mit einer Einlage von ungefähr 50 000 Mark einen Gewinn von weit über 100000 Mark von Frau Kupfer ausgezahlt erhalten. Zu Buche stehen hat er allerdings noch weit über 600 000 Mark. 150 000 Mark Gewinn hat er der Konkursmasse wieder zugeführt. Auch die Schwester Körtings, Frau Fia Wille, hat mit geringe!' Einlagen Gewinne von über 100 000 Mark erzielt. EU früherer Cafetier Leopold Mandl soll einen Reingewinn vorr tast 200 000 Mark erzielt haben. Leute aller Gesellschaftsschichten ziehen vorm Auge des Publikums vorüber: Schauspieler, Großindustrielle, Kaufleute usw. Nur wenige fühle» sich geschädigt. Die meisten haben verdient.
Kartoffeln oder Husaren! Das Amsterdamer „All- gem. -vandelsblad" schreibt: „In einer nordüollttndi- schen Gemeinde hatte man es mit der jetzt so gewöhnlichen Erscheinung zu tun der Kartoffeluot. Da fant dem Bürgermeister ein Gedanke, den er rasch in die Tat umsetzte, indem er an den Vorsteher der Lebens- mittel-Verteilungs-Zeutrale ein Telegramm des folgenden Inhalts sandte: „Grotze Kartoffelnot. ^Aufruhr befürchtet. Schickt sechs Wagen Kartoffeln oder starke Polizeimacht, am besten Husaren" — Am nächsten Tage langten vorläufig vier Wagen Kartoffeln an und einen Tag später der Rest.
Schwer heimgesucht.wurde die Familie des Land- manns Kühl in Linden bei Heide in Holstein. In Ab- rvesenheit des Vaters gerieten die beiden 10 und 8 Jahre alten Söhne in ein Wasserloch. Die Mutter, die das Unglück gewahrte, sprang den ertrinkenden Kindern nach, konnte sich dann aber selbst nur mit knapper Not wieder ans Land retten. Der Vater konnte bei seiner Rückkehr nur die Leichen seiner Kinder bergen. Zwei andere Söhne des K. sind bereits im Kriege gefallen.
Die russische Revolution im Urteil der Muschiks. Ein scharfes Schlaglicht auf die rührende Verständnislosigkeit mit der der russische Bauer der Umwälzun gegenüber- steht, werfen die nachstehenden Bruchstücke aus Unterhaltungen russischer Bauern, wie sie russische Offiziere gelegentlich belauschten. Nach ihren Erzählungen gibt Robert de Lezeau im „Figaro" einige Proben aus dieser für den Geisteszustand des russischen Bauern bezeichnenden Kritik der Revolutionsvorgänge. Zunächst war der Zar selbst für den Muschik der Gegenstand sorgender Betrachtung: denn der Gedanke, daß man auch ohne den Zaren leben könne, war ihm vollständig unfaßbar. Später schrieb man- Väterchen dann die Wohltat der erhaltenen Freiheit und einen bedeutsamen Anteil an den geschichtlichen Ereignissen zu. „Wird denn der Zar nicht mehr derselbe fein, wie früher?" fragte ein Muschtk. — „Nein," antwortete ihm einer der Kameraden. „Jetzt, nachdem man die Revolution gemacht hat, wird er ein freier Mann." — „Und was wird aus uns?" — „Wir werden selbstverständlich auch frei." — „Wie der Zar?" «MlGOi»H^WMW ^»UW UW»^« weil wir ja jetzt die Freiheit haben." - „Was ist dem das, die Freiheit?" „Ja, so richtig kann ich dir dae auch nicht sagen. Ich weiß nur, daß es eine große, eine ungeheuer große Sache ist." „Zioch größer, als unsei Rußland?" — „Wenn Du Rußland neben die Freihei stellst, ist es wie ein winziger Zwerg neben einen Berge." — „Liegt denn auch Schnee darauf?" — „Rein von Schnee kann gar keine Rede sein, denn die Freihei. ist ja der ewige Frühling." - „Gibt es bei dieser ewiger Freiheit denn auch Wutkt?" — „Ja, auch Wutki, du Freiheit hat überhaupt alles." - „Ja, warum Hat war denn aber nicht schon heute Wutki?" — „Weil es die Freiheit verbietet!"
Weitere Drahtnachrichten.
Bevorstehender Besuch Kaiser Carls in München.
** München, 28. Juni. lT. U.) Ein Besuch des österreichischen Kaiserpaares in München steht laut „B T." in den nächsten Tagen bevor. Daß dieser Beiuch nicht Nur höfischen, sondern auch politischen Charakter hat, geht daraus hervor, daß sich der Minister des Aeu- ßern Gras Czernin im Gefolge des Kaisers befinden wird.
Japans Haltung gegennder Rußland und Chiua.
^- Amsterdam, 28. Juni. lT. U.) Lord Robert Cecil teilte laut „Voss. Ztg." Zeitungsvertretern mit, daß Japan jede Einmischung in RuMands innere Verhältnisse ablehne und nur in Wladiwostok vorübergehend Ordnung halte. Zur Nnterdrückuug der chinesischen Unruhen werde Japan Südchina besetzen, um die Interessen der Verbündeten zu schützen.
Die Aussichten auf griechische Hilfe.
w Lugano, 28. Juni, «T. U.) Der „Messaggero" warnt die französischen Zeitungen wegen deren Ernar« tungeu auf Venizelos Rückkehr zur Macht. Die Erneuerung des griechischen Heeres werde lange Zeck in Anspruch nehmen: die Hoffnung, daß die Griechen die Offensive gegen die Bulgaren ergreifen werden, ist sehr verfrüht.
Die Bersenkungeu in einer Woche.
London, 28. Juni. lWTB.j Die Admiralität meldet: 21 Schiffe über und sieben unter 1600 Tonnen find in der letzten Woche versenkt worden.
Wahlrechtskundgebungen in Budapest.
s-j> Budapest, 28. Juni. (WTB.) Gestern ver- anstaltete die Organisasion der sozialistischen Arbeiter im Hof des Stadthauses eine Volksversammlung, wobei sie die Forderung nach einem allgemeine» geheimen Wahlrecht erhob. Die Teilnehmer zogen dann zum Klub der Arbeiterpartei. Die Menge, die auf etwa 25 000 Personen geschätzt wird, zog später teils durch die Andrafsystraße, teils durch die Ringstraße, wobei Fenster eingeworfen wurden, und kleine Gruppen durchzogen bis spät in die Oiadnitunöen die Straßen, wo sie schließlich von der Polizei zerstreut wurden.
Interessante Kammerdebatte« in Parjs bevorstehend.
m-- Paris, 28. Juni. lWTB.j Die Stemmer hat beschlossen, die Besprechung der Anfragen über die militärische» Operationen erst am Freitag zu beginnen. Painleve wird walmdiehilüb die Erörterung mit einer Erklärung einleiten. Man nimmt an, daß Thomas über feine Reise »ach Rußland berichten wird.