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DieKrtegsbe-eistemng" in Amerika.

Ein Gruuözug des bodenständigen Amerikanertums der Bereinigten Staaten, wie er sich im Laufe des ersten Jahrhunderts der staatlichen Selbständigkeit entwickelt hat. ist seine Beaeisterungsfähigkeit für ideale Güter. Kür die nationale Ehre ist der Amerikaner zu den größ­ten Opfern bereit, und wenn die berufenen Führer ihn dort zu packen und zu überzeugen verliehen, können sie auf einen vollen Widerhall rechnen. Präsident Wilson wußte ganz genau, welche Saite der amerikanischen Volksseele er anzuschlagen hatte, als er seine Botschaft über den Kriegszüstand mit Deutschland an den Kon­greß ergehen ließ. Die wirklichen Gründe der Kriegs- treiber wurden klug beiseite geschoben, mit einem gro­ßen Aufwande von Rhetorik aber wurde das Volk zu einem Kreuzzuge für Recht. Freiheit und Menschlichkeit ausgerufen, alles Dinge, für die der Amerikaner immer einen warmen Platz in seinem Herzen gehabt hat. Das Volk staunte dgs blendende Feuerwerk an, das Wilson vor ihm abbraniite, doch es konnte sich nicht für ein Vor­gehen erwärmen, das die alten, noch auf Washington zurückgeheuüen und von Monroe später schärfer geratz­ten Grundlagen der äußeren Politik verlassen wollte, um sich in nicht amerikanische Handel zu mischen. Denn so geschickt Wilson auch den Mantel des Idealismus in malerische Farben warf, unter dem Mantel schaute doch der Pferdefuß des Rüstungs- und Kriegsgewinn-Kapi- talismus hervor, und die Zuschauer konnten ihn bei jeder Wendung hes Schauspielers auf der Bühne nur zu deutlich erkennen.

So kommt es, daß in den Vereinigten Staaten von einer Kriegsbegeisterung offenbar bis heute nichts zu spüren ist. Als 1914 Rußland, Frankreich und Eng­land über Deutschland herzufallen gedachten und der Kaiser zum Kampfe rief, da flammte ganz Deutschland in heiligem Zorne auf und binnen 14 Tagen hatten sich 1 500 09(1 Mann als Kriegsfreiwillige gemeldet. In den Vereinigten Staaten aber muß man jetzt alle möglichen Mittel der Ueberredung' gebrauchen, um nur das kleine reguläre Heer und die Flottenmannschaft auf den vor­gesehenen Stand zu bringen. Es mittet geradezu ko­misch an, zu lesen, wie zu diesem Zweck sogar die Suffra­getten des Staates Reunork sich für den Krieg einsetzen. Auch sonst wird eifrig die Werbetrommel gerührt, aber das Ergebnis entspricht kaum der aufgewandten Mühe. DieNew Aork Times" vom 11. April konnte an diesem Tage aus Neuovrk nur 100 Rekruten fürs Heer und 832 für die Marine melden, und zwei Tage später be­kannte sie, daß trotz größerer Anstrengungen der Erfolg mit nur 71 Mann für das Heer nachgelassen habe. Auf ein besonderes Mittel ist die Verwaltung der Prm- ceton Universität verfallen. Sie hat beschlossen, alle äl­

teren Studenten, die ins Heer eintreten, für einen aka­demischen Grad zu empfehlen.

In Einklang mit der geringen Neigung zum Ein­tritt in das reguläre Heer steht der Widerstand gegen die Wehrpflicht, die Wilson bereits in seiner Kongreß- botschaft gefordert und seitdem durchgesetzt hat. Da von ihr zunächst nur ledige Leute betroffen werden, so em- wickelte sich gegenüber dem aufgezwungenen Heeres­dienste, der keiner wirklichen vaterländischen Notwen- digkeit entsprang, eine allgemeine Heiratseptdemie. In Chikago'z. B. belief sich die Zahl der Eheschließungsge- snche an einem Tage auf 1250.

Der eine Schluß ist jedenfalls erlaubt, daß Wilsons hohe Worte die Amerikaner keineswegs von der Gefahr, die ihrer Freiheit drohen soll, noch von der Notwendig- keit des Krieges gegen dieAutokratie" überzeugt ha­ben. Die Enttäuschung des Vierverbandes über bett neuen großen Verbündeten macht sich denn auch immer deutlicher bemerkbar. Während namentlich die franzö­sische und italienische Presse die pessimistischen und pazi­fistischen Elemente der beiden Länder mit dem Hinweis auf die zu erwartende amerikanische Hilfe zu beruhigen suchen, wird dieselbe amerikanische Hilfe von einem Teil der englischen Presse mit Aeußerungen einer kaum mitzzuverstehenden Unzufriedenheit begleitet. So weist Pall Mall Gazette" darauf hin, es sei notwendig, daß Amerika begreife, wie sehr es jetzt auf seine schnelle mt= litärische Beteiligung am Krieg ankomme. Dann heißt es: Wir sind uns wohl bewußt, daß Amerika noch un­fertiger ist, als wir selbst es waren . . . Aber sollte nicht eine Nation, die berühmt ist für die Schnelligkeit ihres Denkens und Handelns, durch die Krisis, in welcher sie eine so dramatische Rolle zu spielen berufen ist, dazu aufgerüttelt werden, sich selbst zu übertreffen?"

Die Vor würfe, die man in England nach Amerika zu richten glaubt, werden der Regierung des Präsidenten Wilsini gemacht. Es wurden harte Worte darüber ge­sagt, wie der Präsident die Mängel seiner Kriegsmaschine durch unberechtigte Geheimniskrämerei zu verbergen suche. Man hat das Gefühl, daß die Regierung nicht be­sonders glücklich bei ihrer Organisation gewesen ist. Aber auch dem amerikanischen Volke bleiben Vorwürfe nicht erspart. So läßt sich dieTimes" bedauernd berich­ten, in den mittleren und westlichen Staaten wolle die Bevölkerung durchaus nicht zu einem Gefühl der Wirk­lichkeit des Krieges erwachen. Darunter litte auch die populäre Beteiligung an der Kriegsanleihe,' eine fnfte= matische Aufklärungspropaganda werbe eingeleitet wer­den.

Keine Levensmikel ins ZelS!

DieDeutschen Kriegsnachrichten" schreiben:

Nur noch wenige Wochen trennen uns von einer aussichtsreichen Ernte: die die Ernährung unseres Hee­res und Volkes für das nächste Wirtschaftsjahr mensch­licher Voraussicht nach besser ficherstellen wird als bei unseren Feinden. Alle Anzeichen berechtigen uns durch­aus zu dieser frohen Hoffnung. In den nächsten Wo­chen aber gilt es besonders hauszuhalten, um mit den Resten der Borräte aus der vorjährigen Ernte auch sicher auszuhalten. Diese Notwendigkeit zwingt zu der dringenden Mahnung, keinerlei Lebens- und Genuß- mittel an die Front und in die Etappengebiete zu sen­den. Unser Heer ist ausreichend versorgt, während in der Heimat trotz aller Bemühungen um .gleichmäßige und gerechte Verteilung zeitweise hier und da vorüber­gehend fühlbarer Mangel an Nahrungsmitteln auf» tritt. Die Sorge für das Heer steht allen andern voran: darüber gibt es keine Meinungsverschiedenheit im deut­schen Volke. Unzugänglichkeiten und Klagen, die in ei- uem so großen Heere niemals ganz ausbleiben werden, ist die Heeresverwaltung stets bemüht nachdrücklich ab- zuhelfen. Es besteht also tatsächlich sein Bedürfnis, die Versorgung des Heeres durch Sendungen ans der Hei­mat zu ergänzen.

Nicht um unseren braven Truppen willkommene Annehmlichkeiten vorzuenthalten, sondern aus Rück­sicht auf die Ernährungs- und Berteilungsschwierigkei- ten im Inlande und auf die Gefahr des Verderbens soll­ten die Sendungen von Lebensrnitteln an die Front unterbleiben. In welchem Umfange das trotz aller Mah­nungen noch geschieht, dafür nur ein Beispiel: Bei bem Feldpostamt einer Heeresgruppe sind in drei Tagen 3115 Beutel mit Päckchen im Gewicht von 93 400 Kilo­gramm eingegangen,' das würde im Monat 934 000 Ki­logramm ausmachen. Nimmt man an, daß 70 Prozent des Inhalts Lebensrnittel waren, so samt man berech­nen, daß allein bei dieser einen Heeresgruppe etwa 653 000 Kilogramm oder 65 Eisenbahnwagen Lebens­rnittel im Monat eingehen. Es handelt sich also keines­wegs nur kleine Mengen, die auf diese Weise den im­mer knapper werdenden Beständen in der Heimat ent­zogen werden und bei der steigenden Hitze zum großen Teil dem Verderben ansgesetzt sind. Während dem ein- zeluen in den seltensten Fällen genutzt wird, liegt hier eine enrpsindlche Schädigung der Allgemeinheit vor. Pflicht unserer Soldaten ist es, ihre Angehörigen vor der Hinaussendung von Lebensmitteln, so gut sie auch gemeint ist, zu warnen; Pflicht derer aber, die sich jetzt noch etwas absparen können, namentlich der Landbe­wohner, alle entbehrlichen Nahrungsmittel der städti­schen Bevölkerung und der Arbeiterschaft in den kriegs­wichtigen Betrieben durch die zuständigen Berteilungs­stellen zukommen zu lasten.

(Fortsetzung des amtlichen Teils.)

Bekanntmachung,

betreffend Erhöhung des Wochengeldes.

Vom 6. Juni 1917.

Der Bundesrat hat auf Grund des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (Reichs-Gesetzbl S. 327) folgende Verordnung erlassen. *

Der Betrag deS Wochengeldes, welches nach den Bekanntmachungen vom 3. Dezember 1914, 28. Januar und 23. April 1915 (Reichs^Ge setz bl. 1911 S. 492, 1915 S. 49, 257) für Rechnung des Reichs weiterhin zu zahlen ist, wird von einer Mark auf ein und eine halbe Mark täglich erhöht- "

§ 2.

Die Verordnung tritt mit dem Tage der Ver- kündung in Kraft.

Berlin, den 6. Juni 1917.

Der Stellvertreter des Reichskanzler-.

Dr. H e l ff eri ch.

Der Regierungspräsident. A. II No. 2637 c.

Hersfeld, den 19. Mai 1917.

Auf Grund des im 30. Stück des Kriegskorpsver­ordnungsblatts vom 15. März S. 161 abae- Befehls des stelln? Kommandos 11. A. K. vom 13. März d. I. habe ich folgende Bekanntmachung er- laffen, welche in dem nächsten Stück des Amtsblattes erscheint.

rxAuf Grund der Ziffer 1 vorstehenden Befehls des stelln. Generalkommandos 11. A. K. setze ich nach Ver­ständigung mit dem Vorstände der Landwirtschafts­kammer für den Regierungsbezirk Cassel den Mindest- tagelohn fest auf '

1. Der Holzabfuhrausschuß besteht aus den Staats-, Gemeinde- oder Privat-Oberförstern des Waldes, in dem das abzufahrende Holz lagert, als Vor­sitzenden, und dem Bürgermeister der Gemeinde (Gutsvorsteher des Gutsbezirks) des Wohnorts dessen, der zur Holzabfuhr in Anspruch genommen wird, als Beisitzer. Ist der Wald keinem Ober­förster unterstellt, so ist der nächstwohnende Oberförster zuständig.

2. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vorsitzenden und dem Beisitzer ist die Entscheidung des Ersteren maßgebend. Dem Beisitzer steht das Recht der Beschwerde an den Landrat zu.

3, Gesuche der Holzkäufer um Vermittlung des Holzabfuhrausschusses sind an den zuständigen Oberförster zu richten. Das Gesuch muß genaue Angaben über den Lagerort, die Menge und Art des Holzes, den Kaufvertrag, den Namen des Ver­käufers, den Bestimmungsort, wohin das Holz gefahren werden soll, und die Lieferfrist enthalten.

4. Die durch Vermittlung des Holzabfuhrausschusses entstehenden Kosten hat der Holzkäufer zu tragen.

Ich ersuche, den Befehl und meine vorstehende Verfügung sofort in dem dortigen amtlichen Blatt zu veröffentlichen und die Bildung von Holzab­fuhrausschüssen der Kriegsamtstelle Cassel un­mittelbar mitzuteilen.

gez. Unterschrift.

An den Herrn Landrat in Hersfeld.

* * *

Hersfeld, den 2. Juni 1917. Wird veröffentlicht.

Tgb. No. I. 5837. Der Landrat.

J. B.:

Funke, Kreissekretär.

Rathaus Zimmer 12. Fernruf 60.

Im Anschluß an die Hilfsdienstmeldestelle hier ist ein

Städtisches Arbeitsamt

errichtet worden. Dasselbe bezweckt die Arbeitsvermitt­lung von männlichen und weiblichem Personal jeder Art und für jeden Beruf, auch für Halbtags-, Stunden- und Heimarbeit.

Unterbringung Kriegsbeschädigter.

Lehrstellen-Vermittlung. Berufsberatung.

Besondere Vermittlung für weibliches Personal durch weibliche Angestellte.

Alle Vermittlungen kostenfrei.

Wir bitten im Interesse der in heutiger Zeit besonders erforderlichen gleichmäßigen Verteilung der Arbeitskräfte von der Einrichtung recht regen Gebrauch zu machen.

DerMagistrat.

für Männer für Frauen

im allgemeinen während der Ernte 3,10 Mk. für die Zeit nach dem 16.11. 2,50 Mk. i,60 Mk.

Auf diesen Tagelohn finden etwa gewährte Deputatbezuge mit folgenden Sätzen Anrechnung: 1 Liter Vollmilch 28 Pf. ~

2,80 Mk.

1,90 Mk.

2,20 Mk.

3. Dömidi, madier, ßersfeld gegenüber der Post

1

1

1

1

1

1

Pfd.

//

Erbsen Graupen Mehl Brot Fleisch Salz

25

28

20

15

150

12

//

1

1

1

1 1

1

1

Liter Pfd.

//

Magermilch 14

Ackerbohnen 25

Gries 28

Gerstenmehl 25 Kartoffeln

Zucker Butter

Pf

6

30

240

//

, Der Vorstand der Landwirtschaftskammer hat schloffen, als Muster für den abzuschließenden Ar­beitsvertrag, den Mustervertrag der Deutschen Ar- beiterzentrale gelten zu lassen. Ich nehme an, daß die Veröffentlichung in deutscher Sprache genügt und es einer polnischen Ueberfetzung nicht bedarf.

be

Vom 18. Juni ab wird der Pz. 4749 Bad Salz- fchlirf-Niederaula früher gelegt; er fährt Bad Salzschlirf ab 5.40 Vorm. (bisher 5.50) und kommt in Niederaula 6.37 Vorm. (bisher 6.&0) an. In Niederaula erhält er Anschluß an den um 6Zi dort abfahrenden Pz. 2263 nach Hersfeld.

Königliche Eisenbahndirektion Frankfurt (M)

L. Pfeiffer,

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täglich rückzahlbar 3Va %

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In Vertretung, gez. Unterschrift.

* *

._^Hersfeld, den 7. Juni 1917.

Wird veröffentlicht.

Tgb. No. I. 5755. Der Landrat.

I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Der Regierungspräsident.

A in No. 1995. Cassel, den 24. Mai 1917.

Unter Bezugnahme auf den Befehl des Kommandierenden Herrn Generals des 11. A. K vom J917 im Kriegskorpsverordnungsblatt 54. Aück ^eite 303 lfü. No. 334, betreffend Holzabfuhr be- bezüglich der zu bildenden Holzabfuhr, ausschüffe folgendes:

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