Einzelbild herunterladen
 

Hersfel-er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis oierteljährttch für H«sfeld IM Mark, durch die Post be­zogen IM Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Jersseidn

für den Kreis Hersfeld

fircisW

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im ( amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- ' holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. -

Nr. 185. ^"SS^***1* MUttwoch, den 18. Juni

1917

Mtlicher Teil.

Hersfeld, den 12. Junt 1917.

In den Metzgereien in Hersfeld und Kalkobes hat der Verkauf von Fleisch- und Fleischwaren am Donners­tag dieser Woche zu unterbleiben.

Der Vorsitzende des Kreisausschnsses.

I. V.:

v. H e d e m a n u, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 12. Juni 1917.

Die Herren Bürgermeister der zum Schlachtbezirk Hersfeld gehörigen Gemeinden ersuche ich, mir be­stimmt bis spätestens zum 15. d. Mts. anzuzeigen, wieviel Fleischkarten für die laufende Periode ausge­geben worden sind u. zwar:

an Fleischzusatzkarten

Fleischkarten für Erwachsene

Ktnoer

Der Vorsitzende des Kreisausschnsses.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 7. Juni 1917.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher er­suche ich, die Vertreter (besonders Ehefrauen und nahe Augehörige derjenigen Steuerpflichtigen, welche sich unter den Fahnen befinden sofort auf ortsübliche Weise davon in Kenntnis zu setzen, daß für die Kriegteilnehmer die in den Steuerbenachrichtigungs- schreiben angegebene Frist für die Anbringung der Rechtsmittel nicht zu laufen beginnt, und daß die veranlagte Staatseinkommensteuer derjenigen Kriegs­teilnehmer, welche mit einem dem Einkommen von nicht mehr als 3000 Mk. entsprechende Steuersatz ver­anlagt sind, von Beginn des neuen Steuerjahres (1 April 1917) gemäß § 70 des Einkommensteuergesetzes vorläufig außer Hebung bleibt.

Veranlagnngs-Ko

Nr. 1367. J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

VelmnnmQchung

über das Schlachten von Tieren.

Vom 2. Juni 1917.

Der Bundesrat hat auf.Grund des § 3 des Ge­setzes über die Ermächtigung des. Bundesrats zu wirt­schaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (Reichs-Gesetzbl. S. 327) folgende Verordnung erlassen.

Beim Schlachten von Rindern, einschließlich der Kälber, von Schafen und Ztegen'darf der Halsschnitt (Schächtschnitt) nur beim rituellen Schächten durch die

Was sagt Wm dar«?

fchen Sorgen krankt und

Von den Ententegenossen neueren und älteren Da­tums spielt mancher vor der Oeffentlichkeit heute eine andere Rolle, als er sich selbst im stillen Kümmerlein zugestehen wird. Eigentlich weiß nur England genau, was es will, während Frankreich jetzt wohl schon mit Blick auf Calais ebenso stark an englischen wie an deut­schen Sorgen krankt und Italien den ganzen Krieg längst dahinwünscht, wo der Pfeffer wächst und Rußland als die schwankende Gestalt in des Wortes wahrster Bedeutung zu nennen ist. Was aber hat Amerika vor? Weiß das irgend jemand ganz genau? Seme Teilnahme am europäischen Kriege muß als so wahnwitzig erschei­nen, daß man nicht einmal mit der Beweisführung durch die plutokratiiche Kette auskommt. Der Stimmen sind nicht wenige, die in dem ganzen Kriegsmanöver in Washington nur ein Verdeckungsmanöver sehen, um die Aufmerksamkeit derer, die es angeht, von den eigentli­chen Beweggründen abzulenken.

Wie denkt man in Japan über das Erwachen des schrecklichen Mtlitarismns in Amerika? Der Japaner soll wundervoll zu schweigen verstehen, markante Aeutze-- rungen sind bisher nur wenige aus des Mikado Reich gemacht worden. Dies Schweigen hat bewirkt, daß Eng­land und Amerika schon anfangen, sich ihrerseits mit der japanischen Frage zu befassen, und da kann man dann dÄttlich merfen, wie sie das mit einer gewissen Berle- aenheit tun. Der schweigende Japs 'L,"wen unheimlich. Anderseits ist es recht fraglich, ob Ntpons Kinder sehr erbaut über die Aussichten fein werden, die ihnen die englisch-amerikanischen Politiker machen.

So wirft eine angesehene englische Zeitschrift, nach­dem sie behauptet hat, Deutschland sei, als außerhalb der zivilisierten Völker stehend, vom Meere zu vertreiben, die Frage nach der Stellung Japans im Zukunftsvöl- kerkonzern auf. Es fragt direkt: Was bedeutet das Ein­greifen Amerikas für Japan? Es feiert die Javaner als ein tapferes Volk, aber es laßt doch deutlich durch­blicken, daß Amerika nicht dulden wird, daß die Japa­ner seiner Industrie durch ihre lulligen Lohnsätze Kon- kurrenz machten. Japan sei durch Zölle von der Kon­kurrenz auszuschließen.Sowohl sozwlogtiche als auch Rassenschwierigkeiten, die Japan von den ivetßen Staa­ten jenseits des Stiller, Ozeans trennen, sind für alle Zeiten unüberwindlich. Aber auf der Butten See kann Japan durch Beförderung von Frachten allem ohne lr.«

hierzu bestellten Schächter angewendet werden. Im übrigen ist der Halsschnttt verboten.

Auf Notschlachtungen, bei denen die Zuziehung eines Schlächters nicht möglich ist, findet das Verbot des Abs. 1 keine Anwendung.

§ 2.

Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten und mit Geldstrafe bis zu eintausendfünfhundert Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft.

§ 3.

Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Ver- kündung in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.

Berlin, den 2. Juni 1917.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers.

Dr. Helfferich.

Bus der Heimat.

* (Runde Rechnung bei Telegrammen.) Vom 1. Juli ab wird die außerordentliche Reichsab­gabe von Telegraphengebühren auf die dem Gesamt­betrage der Abgabe zunächstliegenöe durch 5 teilbare Zahl nach oben oder unten abgerundet. Die Tele­grammgebühren werden also wieder in runden Be trägen erhoben.

* (Schutz gegen Blitzgefahr.) Die Zeit der Gewitter hat begonnen. Es seien daher einige Winke gegeben, wie man sich am besten vor Blitzschlag schützt. Man meide Eichen, Rüstern und Ulmen, die den Blitz anziehen. Man meide ferner Schafherden und Rinderherden, da diese Elektrizität um sich sammeln. Auch eine Gruppe von Menschen ist mitunter gefähr­lich. Sichern Schutz bietet der Wald, doch nicht in der Nähe hoher Bäume, kleine Holzhütten und leere Viehställe. Man achte nur darauf, daß Türen und Fenster geschlossen sind.

* (Frtscherhaltung v7n Fleisdi-L d^r den Hausfrauen manche Sorge bereiten. Fleisch, das nicht zur sofortiger Verwendung und Genuß bestimmt ist, läßt sich für einige Tage recht gut frisch erhalten, wenn man es fünf Minuten in ein Bad einer schwacher Lösung von übermangansauren Kali legt und dann aus kühlem Kellerlager aufbcwahrt.VorderZubereitnng ist es mit lauwarmen Wasser gut einige mal abzuwaschen. Nebermangansaures Kali erhält man für wenig Geld in den Drogengeschäften und Apotheken. Es genügen einige Körnchen, um einem Liter Wasser die hell- violette Färbung zu geben, die erforderlich ist.

* (Künftige Reiseerschwernisse?) Der Reichstag hat, wie bekannt, einer neuen Reichsver­kehrssteuer zugestimmt, die auf die Fahrpreise der vierten Wagenklasse eine Reichsabgabe von 10 Pro­zent, bei der dritten Wagenklasse von 12 Prozent, bei der zweiten Wagenklasse von 14 Prozent und bei der

qendwelche großen Umwälzungen den internationalen Arbeitslohn sofort verdienen. Diese akute asiatische Fra­ge. die vor allen Dingen die Vereinigten Staaten Be­trifft, findet ihren U-anung irr der Teilnahme Ameri­kas am Weltkriege. Es muß der politische Kurs der Ver­einigten Staaten sein, China gegen eine aggressive Ausbreitung der Japaner zu schützen. Wenn die Verei­nigten Staaten dann zwar nicht javanische Güter. aber an der Stelle der deutschen Schiffahrt japanische Schiff­fahrt willkommen heißen, dann werden sie die Mon- roe-Doktrin ganz unverletzlich machen, dann werden sie mit Hilfe der dauernden Freundschaft Japans ihren eigenen Handel aufbauen, namentlich ihren Handel an der Miste des Stillen Ozeans durch die Dienste der ja­panischen Handelsmarine."

Mit dürren Worten heißt das: Japan ist und bleibt der minderwertige Asiate, wir dürfen nicht dulden, daß er uns irgendwie anf gleichberechtigter Basis Konknr- renz macht und cpensowenig dürfen wir dulden, daß er Chinaerschließt": aber da es sich nun einmal so macht und wir durch die verdammten Deutschen an Handels- schiff-Frachtraum so viel verloren haben, wollen wir ihm erlauben, in diese Bresche einznspringen. Wohlge­merkt natürlich nur so lange, als es uns patzt. Japan soll unser Seefuhrmann werden, kann dabei auch ruhig etwas Geld verdienen, aber an die großen Geschäfte werden wir ihn nicht ranlassen. Da aber Japan dies gerade will und begehrt, wird es sich mit den jetzt schon unvorsichtig bezeichneten Brocken nicht zufrieden geben, sondern mehr verlangen und dann - - ja dann wird der neue Tanz beginnen. Die Frage ist nun, bereitet sich Amerika jetzt schon auf diesen Tanz in Asien vor, wäh­rend es behauptet, seine Gewänder für den europäischen Tanz zu sammeln und zu richten? Diese Frage erörtert ganz bestimmt auch Japan ietzt schon wenn auch mehr schweigend auf javanische Art, wahrend Wstson-Roofe- velt es mit echt amerikanischen Grotztamtam tun. _____

Ein Urteil über hie Bereinigten Zimten.

Mit erheblicher Verzögerung, die anscheinend durch die französische Zensurbehörde verursacht ist, erschien vor kurzem in Paris ein Bnch' August Schwan,Die Grundlagen eines dauerhaften Friedens", dessen Vor­rede vom August 1916 datiert ist. Die »Christ will die Neutralen mit fortrefften, um endlich den Sieg der En­tente zu erzielen und den hartnäckigen Widerstand der

ersten Wagenklasse von 16 Prozent zuschlägt. Diese Verteuerung wird freilich dadurch ein wenig wettge- macht, daß gleichzeitig mit der Einführung der er­höhten Tarife der bisherige Fahrkartenzuschlag in der dritten, zweiten und ersten Klasse beseitigt wird. Aber auf der anderen Seite hat, wie man aus Berlin meldet, der preußische Eisenbahnminister schon ange- kündtgt, daß er noch besondere Zuschläge erheben werde, um die erhöhten Unkosten (Lohnsteigerung, Teuerung der Baumaterialien, Erneuerung des ge­samten Eisenbahnmatertals nach Kriegsende) wieder hereinzubringen. Diese Ankündigung hat er bereits in seinen neuen Tarifplänen verwirklicht, die soeben dem Landeseisenbahnrat zugegangen sind. Danach soll in Zukunft die Erhöhung des Kilometerpreises in der vierten Klasse 20 Prozent betragen, in der dritten 23,3 Prozent, in der zweiten 26,2 Prozent und in der ersten 28,5 Prozent. Aber diese Verteuerung wird nicht die einzige Ueberraschung für Reiselustige sein. Man will auch für bessere Ausnutzung der Plätze sorgen. Die frühere Bequemlichkeit des Reifens wird durch diese notwendige Sparsamkeitspolitik der Eisenbahnverwaltungen wohl vorüber sein. Wir werden uns freilich an noch so manche andere Unbe­quemlichkeit nach dem Krirge zu gewöhnen haben, so- daß wir auch schließlich diese in Kauf werden nehmen müssen.

):( Hersfeld, 12. Juni. (Anmeldung neuer F e r n s p r e ch a n s ch l ü ss e.) Wir machen die Leser unseres Blattes darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsse, deren Herstellung in der Zeit von August bis Oktober gewünscht wird, spätestens bis zum 1. August bei der Fernsprech - Vermittlungsaustalt angemeldet sein müssen, an welche die Sprechstelle angeschlossen werden soll.

Erfurt, 11. Juni. Eine Frau aus Güsten, die ihre Schwester besucht hatte, sprang auf dem Bahnhof Oberröblingen auf einen schon in Bewegung befind­lichen Zug. Ihr Sohn von 10 Jahren kam noch gut »fapajm^^^

auf der Stelle eintrat. Der Mann der Verunglückten steht im Felde. Sie hinterläßt 5 unmündige Kinder.

Gotha, 11. Juni. Die Frau des Gastwirts Bar­dorf, Besitzer des GasthofesZum Kyffhüuser", unter­hielt mit einem Fliegerfeldwebel, obgleich Mutter von 5 Kindern, ein Verhältnis, verließ am Montag ^hren Ehemann, kehrte jedoch am Sonnabend zurück. Der Ehemann hatte sie von der Bahn abgeholt und erschoß sie etwa eine halbe Stunde später. Alsdann erschoß sich Bardorf selbst.

Fulda, 11. Juni. Der Schweinemarkt war mit 400 Ferkeln und 5 Läusern beschickt. Für erstere wurden 35, 40 und 45 Mark, für letztere 60, 70 und 80 Mark das Stück gezahlt.

Deutschen zu brechen. Besonders eingehend beschäftigt sich der Verfasser mit den Vereinigten »tonten, wo er seit Ende 1914 fünfzehn Monate lang mit Wort und Fe­der für seine Ideen gewirkt hat. Wir greifen aus der Schilderung seiner amerikanischen Eindrucre ewige Sätze heraus:

Das wirkliche amerikanische Leben ist beherrscht vor bestechlichen Politikern, von skrupellosen Geschäfts­leuten von heuchlerischer! und betrügerischen Gewerk- schaftsfttürern, von einer ebenso dummen wie unamtan- digen Presse, von einer über die Maßen kleinstädtischen Verwaltung und von so oberflächlichen Bildungsanstat- ten, daß die große Mehrheit der Schüler, die aus ihnen hervorgehen, sich später vollständig dem schrecklichen Dunstkreis des schmählichsten Handels-Chanvinismus und der hohlsten Phrasenpolitit hingeben.

In den großstädtischen Gesellschaftskreisen des Ostens, mit denen allein die diplomatischen Vertreter Snh'lung nehmen, sind viele durch mancherlei Bande an ngland geknüpft. Die reaktionären Kreise und die Gelömänner, die über die Mehrzahl der Zeitungen ver­fügen, sind von dem unbedenklichsten Gerchäftsimperia- lismus erfüllt, den die Geschichte kennt. Sie treten für eine starke Flotte ein. Sie sagen: man müsse darauf ge­faßt sein, daß die europäischen Nationen kommen wer­den, um ihre durch den Krieg aus dem Gleichgewicht gebrachten Finanzen miedet zu ordnen. Sie sagen nicht, von welcher Seite der Angriff zu erwarten ist, ob von Deutschland oder von England. Sie fordern außer einer überlegenen Flotte ein Heer von mindestens anderthalb Millionen Mann.

Ihre Zeitungen unterstreichen unter schärfstem Ta­del gegen das Preutzentum die Notwendigkeit der Unter­haltung starker Waffenkräfte zu Lande und zu Wasser, um überall das amerikanische Ideal verbreiten zu können. Niemals hat es ein schlimmeres Pharisäertum als das der puritanischen Geldleute gegebenl Die große Masse der Bevölkerung versteht den europäischen Krieg überhaupt nicht."

Oft genug ist von den verschiedensten Seiten den Amerikanern ähnliches ins Stammbuch geschrieben wor­den. Daß diese besonders kräftig gewürzten Sätze un­mittelbar vor dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ententebund unter Btlligurig der sranzöstfchen Zen­sur, deren Spuren in mancher Lücke des Textes erkenn­bar sind, in die Welt hinausgehen komiten, entbehrt nicht eines gewissen Reizes.