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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- fiA«»8At)«Aw zogen 1.60 Mark. DruS und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfell,. 5

für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, tml MTOUlUU amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- | holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 124

^"^Ä^^ Donnerstag, den 31. Mai

1917

Amtlicher Teil.

Aekanntmachuas

über eine Ernteflächenerhebung im Jahre 1917. Vom 20. Mai 1917.

Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Ge­setzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (Reichs-GesNzbl. S. 327) folgende Verordnung erlassen: § 1.

In der Zeit vom 15. bis 25. Juni 1917 werden durch Befragung der Betriebsinhaber oder ihrer Stell­vertreter festgestellt:

Die Ernteflächen beim feldmäßigen Anbau von

1. Weizen

af Winterfrucht,

b) Sommerfrucht,

2. Spelz — Dinkel, Fesen — sowie Einer und Ein­korn (Winter- und Sommerfrucht),

3. Roggen

i) Winterfrucht, 0 Sommerfruch

a) Winterfrucht, b) Sommerfrucht,

4. Gerste

a) Winterfrucht,

b) Sommerfrucht,

5. Hafer,

6. Gemenge aus den Getreidearten 1 bis 5, 7. Buchwei.

8. Hirse,

zen,

9. Hülsenfrüchte»»,

a) Erbsen und Peluschke»»

b) Eßbohnen (Stangen-, Buschbohnen)

c) Linsen

b) Acker- (Sau-) Bohnen e; Wicken ' .

zur

11. Gespinstpflanzen

i) Flachs (Lein),

•) Hanf,

a b^

12. Kartoffeln

a) Frühkartoffeln,

b) Spätkartoffeln,

13. Rüben und Wurzelfrüchten

a) Zuckerrüben,

b) Runkelrüben,

c) Kohlrüben (Steckrüben, Bodenkohlrabi, Wruken, Datschen),

d) Mairüben, Wasserrüben, Herbstrüben, Stoppel­rüben (Turtlips),

e) Möhren (Karotten),

14. Gemüse zur menschlichen Nahrung

a) Weißkohl,

b) alle sonstigen Kohlarten,

e) alle sonstigen Gemüsearten,

15. Futterpflanzen zur Grünfutter- und Heuge-

winnung

a) Klee an Gräsern,

er Art, auch mit Beimischung von

richtiger Angaben über die Ernteflächen die Grund­stücke der zur Angabe Verpflichteten zu betreten und Messungen vorzunehmen, auch hinsichtlich der Größe der landwirtschaftlichen Güter oder einzelner Grund­stücke Auskunft von den Gerichts- oder Steuerbe­hörden einzuholen.

. § 7.

Die Landeszentralbehörden erlassen die Be- ftimmungen zur Ausführung dieser Verordnung.

Dem Kaiserlichen Statistischen Amte sind die Ausführungsbestimmungen bis zum 10. Juni 1917 einzusenden.

§ 8.

Die Landeszentralbehörden haben eine nach Be­zirken der unteren Verwaltungsbehörden gegliederte Zusammenstellung über die Ergebnisse der Erhebung (Muster 2)*) dem Kaiserlichen Statistischen Amte bis zum 20. Juli 1917 einzusenden.

§ 9.

Die Retchskartoffelstelle wird ermächtigt, eine besondere Erhebung über die Ernteflächen beim feld-

Fortsetzung auf der 4. Seite.

b) Luzerne,

c) alle sonstiger» Futterpflanzen (Serradella als Hauptfrucht, Esparsette, Mais u. a.), auch in Mischung,

sowie die Bewässerungs- und anderen Wiesen, die gesamten bestellten und nicht bestellten Ackerfläche»» und die Weideflächen.

§ 2.

Die Erhebung erfolgt gemeindeweise. Die Aus­führung der Erhebung liegt den Gemeindebehörden oder den zu diesem Zwecke ernannter» Sachver­ständigen oder Vertrauensleuten ob.

§ 3-

Die Erhebung erfolgt grundsätzlich durch Orts- ltster» (Muster 1).*) Die Landeszentralbehörden können bestimmen, inwieweit neben oder an Stelle von Ortslisten Fragebogen zu verwenden sind.

Bus der Heimat«

*(FrühzeitigeSchuhreparaturen.)Zu den Notwendigkeiten, die der Krieg geschaffen hat, ge­hört eine schonende Behandlung unseres Schuhwerkes. Bei der Knappheit des Leders ist es jedem dringend zu empfehlen, Schuhe schon bann zur Ausbesserung zu geben wenn nur kleine Schäden an ihnen vorhanden sind. Das Material für kleinere Ausbesserungen her- beizuschaffen, ist verhältnismäßig leicht, während dies bei großen Reparaturen mit beträchtlichen Schwterig- rigkeiten verbünde,» ist. Wer daher seine schadhaft gewordenen Schuhe frühzeitig zum Schuster bringt, beugt daöuch dem vorzeitigen Abreißen vor und spart

«d«

' Körner-

treibe oder anderen Körnerfrüchten)

g) Lupinen zum Unterpflügen, zur Grünfutter­oder' Körnergewinnung,

h) alle Arten Hülsenfrüchte, außer Lupinen, zur Grünfuttergewinnung, rein oder im Gemenge, auch mit Getreide,

10. Oelfrüchten

a) Raps nnö Rübsen,

b) Mohn,

c) übrige Oelsaaten (Leindotter, Senf, Sonnen­blumen und andere),

Erhebung auf andere Früchte zu erstrecken und sonstige Aenderungen der Fassung der Ortsliste vor- , insbesondere statt Hektar ein anderes

zunehmen, Flächenmaß vorzüschreiben.

Die Herstellung und Versendung von Drucksachen erfolgt durch die Landeszentralbehörden.

§ 6.

Die zuständige Behörde oder die von ihr be­auftragten Personen sind befugt, zur Ermittelung

*) Die Muster sind hier nicht mit abgedruckt.

ren tilgen möchte ein in einem Dorfe der mgegenö lebender hochbejahrter Mann. Dieser hatte vor sechzig langen Jahren von einem hiesigen Kaufmann mit Namen Kaiser für 30 Mark Garn auf der Casseler Messe gekaust und angeblich schlechter Verhältnisse wegen die Schuld nicht beglichen. Jetzt will der Schuldner das Versäumte nachholen und läßt darum nach den Erben des längst verstorbenen Geschäftsfreundes suchen. K. aber starb kinderlos, auch die Geschwister sind tot. So wird es dem Reuigen schwer fallen, sein Versäumnis gut zu machen.

Mehr vermiworliichkeilsgesühl bei -er- Aimemeüw^ ^Es ^^b ftMft^ " Wort Hunger getrieben. Aber daß du so denkst

häusliche»» Kreise w sprichst, genügt nicht. W.......

" ■ ‘ -ant» rede und mahne zur

man zunächst über dich her- 'er. Gib. dich nicht zu- ) das bejammere den ' : stehe!», »n den Rücke»» . Tod vieler deut-' scher Männer fordern kann. Durch dein Mispiel »ver- den vor allem die Kriegerfrauen und -Mütter auftnerk-, fam gemacht. Sie werben merke»», daß sie auch vor dem Schlächterlade»» in der Kriegsfront stehen. Ein solches . Verantwortungsgefühl sollen die Schlangen- und Polo- uaisenmenschen auch bekmnmen, weun sie überhaupt noch deutsche Männer und Frauen sein wollen. Darum rufe ihnen zu, so oft du kannst: „Euer bejammere hat den Krieg verlängert, hat das Blut vieler Deutscher auf dem Gewissen und wirb weiter blutige Opfer "verlangen, wenn es nicht sofort verstummt." ... .

inneten Zronl!

Wir alle haben die Gewißheit, daß wir mit unseren Lebensmittelvorräten bis zur neuen Ernte, zwar knapp, aber doch durchhalten werden Ein Brie», den erw Kamp­fer nach kurzer Urlaubszeit, in der er Zuen Emblick m das kleinliche, jämmerliche Gehabe mancher Leute m der Heimat gewann, an seine „liebe und tapfere Frau schrieb, zeigt uns in der erschütternden Einfachheit ferner Schreibweise, welches Unheil aus dem gedankenlosen Jammern über die schwere Zeit, aus dem „Anstehen" nach Süßigkeiten und dergleichen für Heer und Volk entstehen kann und muß. Es heißt in diesen» Brief, der als ernster Mahnruf von der Front ein Meltau,endfal- tiaes Echo in der Heimat finden möge, unter anderem:

„. . . Du selbst hast ja immer wieder gesagt, daß Ihr mit bem auskommen könnt, was Euch zugeteilt wird, wenn Ihr vernünftig einteilt und Euch einrichtet. Du hast mich und die Kinder in den vierzehn Urlaubs­tagen nicht schlecht verpflegt. Ich bin. also sehr zuver­sichtlich abgefahren. Die Sorge, ob wir in der Heimat durchkommen, war von mir genommen.

Heute habe ich erfahren, daß für den Frieden das nicht entscheidet, was wir denken und hoffen, sondern mehr noch, was der Feind glaubt.

Jn der Hölle der Arrasschlacht habe»» wir englische Gefangene gelnacht. Durch ihre Aussagen, die bet thneu Vorgefundene»» .Briefe, Bettungen und Befehle habe»» wir ein sehr genaues Bild darüber erhalten, was Eng­land denkt. Der englische Soldat geht mit Grausen in die Schlacht. Was trotzdem ihm immer wieder ben Mut gibt, vorzugehen, und was England unerschüttert am Kriege festhalten läßt, ist die feste Ueberzeugung, daß wir nicht bis zur nächsten Ernte durchhalter» können.

Und woher nimmt man diese Ueberzeugung? Aus den vielen Polonaisen, die englische Spione ja täglich beobachten können, aus den Jatnmerreden, die die Kla­geweiber dabei halten und aus den Jammerbriefen, die sie ihren Männern ins Feld senden und die den E»»g- länderu mit Gefangenen in die Finger fallen. Wenn die Feinde diese nach ihrer Meiiunig untrüglichen Zei­chen unserer Not nicht hätten, wurden sie heute schon zu Verhandlungen bereit sein.

Also warum kämpfen wir noch, warum müssen wir täglich noch diese furchtbaren Opfer bringen? Der Klageweiber wegen. Sie starken mit ihrem sträflich Kleinmut und mit ihrer sündhaften Schwarzseheret du. Mut unserer Feinde und halten ihre eigenen Männer. und Söhne in der Glut der Artchsschlacht fest. . . .

Du hasi mir oft gesagt: Wir hungern nicht, man soll nur nicht jede Entbehrung gleich als Himaer an- iehen, und man soll (ein Mitleid mit denen haben, die

gen, die bei ihnen

-d Befehle haben

ICH

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und im

mit in der Schlange

Vernunft. Ich weiß, «uP «.™ < fallen wird, aber du bist ja tapp srieden! Zeige, wie man durch i eigenen Leuten, die vor dem Feinde steh fällt, daß jedes unvorsichtige Wort,den

enn du

Englische kriesssitten vor 180 Zahler

Bor neun Jahren hat die Gräfin Günther Groebeir die Papiere ihres 1830 in Gaffel verstv» denen Groß­vaters, des englischen Offiziers Heatheote, veröffentlicht. Die Mitteilungen, die in,diesen Briefen über englisches Militärleben und -ausfassungen enthalten sind, spiegeln so deutlich den Unterschied zwischen englischen und deut­schen Verhältnisse wider, der auch heut noch besteht, daß es der Mühe lohnt, sie der Vergessenheit zu entreißen.

)eut noch besteht, daß ssenheit zu entreißen.

Es heißt da z. B.:

„Der Sergeant-Btajor brächte mir (Heatheote war eben als Cornet bet den Dragonern eingetreten) die Liste der Korninandoworte für der» Exerzierdienst. Ich wünschte, mich vorher damit vertraut zu machen. Er sagte mir, ich möchte mich nicht bemühen. Wen»» ich mir die Kommandos gäbe, wüßten die Leute schon, was sie an tun hätten."

Der Tag des Cornets verläuft folgendermaßen: „Gegen 9 Uhr rufen die Trompeten zur Fußparade. Die Wbletluitgen marschieren von den Stautüren in die Mitte des Kasernenhofes, bilden eine Linie und werden dann vorn Major besichtigt. Darauf steigt die Wache Alt Pferde und die Offiziere verlassen das Regiment, da ihr Dienst au Ende. Der Sergeant-Major läßt exer­zieren. wir haben damit nichts zu tun. Um 10 Uhr früh­stücke ich mit einigen anderen im Metzraum. Um 11 Uhr sollen die Suvalternoffiziere z»»r Reitschule gehen. ~ n man sich wochenlang nicht

e Subalternofftziere dem

Doch fällt es nicht auf, wenn .............„ .......

zeigt. Um 12 Uhr sollen die Subalteruvfftüere dem FnßeNxzieren beiwohnen. Darin ist ihr Dienst zu Ende. Ist Feldtag angesetzt (etwa viermal die Woche),

so fallen Reitschule und Futzexerzieren aus. Unter Feld- tagen versteht man die, wo das ganze Regiment zu Pferde exerziert. — Um 5 ruft die Trompete zum Mit­tagessen." .

„Während der Abwesenheit einiger Offiziere hatte ich das alleinige Kommando der Kompagnie, ohne je marschieren usw. gelernt zu haben. Ich bin persönlich überzeugt, daß das deutsche System, wonach der Offizier zuerst als gemeiner Soldat Dienst tut, bevor er den Oft nzierdienst lernt, weit besser als unseres ist. Da wir aber mit dem Drill, der alleinige Sache der Sergeanten ist, nichts zu tun haben, ist es nicht unbedingt nötig für uns, den Dienst zu lernen . . . Die Hauptaufmernam- keit wird der Reinlichkeit gewidmet. Ein Mann kann schlecht exerzieren, wenn er nur ein reines Hemd trägt."

Die Offizierstelleu wurden damals gekauft. Welche merkwürdigen Folgen diese Sitte hatte, davon zeugt fol­gende Erzählung Heathcotes. „Vor kurzem wurde ein Offizier vom Kriegsgericht wegen Feigheit kassiert. Aber er durfte nichtsdestoweniger seine Stelle verkaufen. Er verklagte darauf die Offiziere seines Regiments, weil sie sich über ihn beschwert und geweigert hatten, länger zusammen mit ihn, zu dienen, wodurch er sich gezwungen gescheit, seine Stelle zu verkaufen. Die Geschworenen sprachen ihm nun 20 000 Mark Schadenersatz zu, welche die Offiziere, die ihn kassiert hatten, bezahlen mußten!" Nicht weniger charakteristisch für die Engländer ist, was der Briefschreiber am 15. November 1807 über die Stim­mung unter ihnen seiner Mutter meldete. „Dank un­sern Ministern sind mir nun mit fast ganz En»ßpa im Krieg zur großen Genugtuung unserer Flotte. Ihr Motto ist: je mehr, desto besser. Wenn du hier wärst, teiltest du vielleicht ihre Ansicht, denn mir spüren den Krieg nicht und unsere Soldaten gewinnen dabei. Un­sere Papiere stehen so hoch wie je, Gelb läuft in Masse um, es fehlt uns an nichts. Alle Welt ist der Ansicht, daß es auch ohne den Kontinent geht. Sollten die Fran­zosen uns mit ihrem Besuch beehren, um so besser! Wir werden sie nach Kräften empfangen, und unsere Unter­haltung wird diese Herren vielleicht etwas in Staunen

Ergänzend heißt es etwas später: „Wir scheinen den Krieg mit großer' Leichtigkeit 'zu ertragen.. Außer den Kaufleuten fühlt niemand seine Wirkungen. Um diese Herren brauchen wir uns aber nach den hohen Gewin- uen, die sie letztes Jahr gemacht, nicht zu forr""‘ verlieren nichts- nur gewinnen sie nicht wie bis»^ yilll- dert Prozent." Sehr oft ist von den Beutegeldern die Rede, die für gOaperte Schiffe, eingenonnuene Städte u. dgl. dem Heere nach altem englischen Brauch in oft Hohem Betrage gezahlt wurden.

weit. Sie isber hun- . eloeni die

Diese mittelalterliche Einrichtung besteht noch heute in England. Die Freude am Krieg wird aber diesmal den Briten durch die U-Boote wohl etwas versalzen werden.