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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vietteljähtlich für Hersfeld 1:50 Mark, durch die Post be- zogenst.KOMark.: Druck unv'VerlagwonLüdwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die-Redaktton oerantwortlichWranz Funk in-Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Nr. 110,

m,«,b,s^ Sonnabend, den 13. Mai

1017

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 9. Mai 1917.

Es sind in letzter Zeit wiederholt Schriftstücke ohne Unterschrift hier eingegangen, in denen An- schuldignngen gegen einzelne Personen und auch amtliche Stellen erhoben worden sind. Ich weise da­rauf hin, daß ich künftig deratige anonyme Briefe grunösetzlich unbeachtet lassen werde. Wer glaubt, Beschwerde führen oder auf etwaige Mißstände Hin­weisen zu sollen, muß auch den Mut haben, solche Angaben mit seinem Namen zu decken. Alsdann werden diese Angaben gewissenhaft geprüft werden. Ich be­merke noch, daß auch das stellv. Generalkommando in Cassel denselben Standpunkt anonymen Eingaben gegenüber vertritt und es daher auch zwecklos ist, der­artige Eingaben an das stellv. Generalkommando zu richten.

Tgb. No. i. 1017. Der Landrat.

I. B.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Bekanntmachung über den Großhandel mit Gemüse, Obst oder Südfrüchten

1. Nach § 9 der Verordnung des Reichskanzlers über Gemüse, Obst und Südfrüchte vom 3. April 1917 (Reichsgesetzblatt Seite 307) bedarf jeder, der im Deutschen Reiche Großhandel mit diesen Waren betreiben will, vom 20. Mai 1917 ab neben der in der Verordnung über den Handel mit Lebens- und Futtermittel und zur Bekämpfung des Kettenhandels vom 24. Juni 1916 (Reichs- gesetzblatt Seite 581) vorgeschriebenen Erlaubnis einer besonderen Genehmigung, welche für die im Regierungsbezirk wohnhaften Personen durch die unterzeichnete Bezirksstelle erteilt wird.

Als Handel im Sinne dieser Vorschrift gilt nicht der Verkauf selbstgewonnener Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft sowie es Garten- und die von der Reichsstelle für Gemüse und Obst' Geschäftsabteilung oder von einer Landesstelle für Gemüse und Obst errichtet oder von der Reichsstelle für Gemüse und Obst, Verwaltungs­abteilung sonst zugelassen sind, dieser Genehrngung nicht.

2. Die Genehmigung wird in der Regel «ur Per- ! sonen erteilt werden, welche den Großhandel mit den genannten Waren oder einer Gattung bereits vor dem 1. August 1914 im Deutschen Reich be­trieben und vor diesem Tage eine gewerbliche Niederlassung in Deutschland besessen haben.

Das Vorhandensein eines Großhandels wird im allgemeinen nur angenommen werden, wenn vorwiegend Geschäfte mit Kleinhändler abge­schlossen und im Durchschnitt der letzte» drei Jahre vor dem 1. August 1914 ein Jahresum­satz in Gemüse, Obst oder Südfrüchten von mindestens 100000 Mark erzielt worden ist.

3. Genehmigsgesuche sind von den in den Stadt­kreisen Cassel und Hanau Wohuenden an den betreffenden Magistrat, im übrigeu gn den Landrat zu richten. Aus ihnen muß ersichtlich sein, ob die nach Ziffer 2 erforderlichen Voraus­setzungen vorhanden sind, die Angaben hierüber müssen auf Erfordern glaubhaft gemacht werden.

4. Die Genehmigung wird durch eine von uns aus­gestellte Urkunde erteilt.

Wer ohne einen solchen Genehmigungsschein nach dem 20. Mai 1917 Großhandel mit Gemüse, Obst oder Südfrüchten betreibt macht sich nach § 16 Ziffer Z der eingangs angezogenen Verordnung vom 3. April 1917 strafbar.

5. JedemGroßhändler,dereineGenehmigungzumGroß- Handel erhalten hat, wird auf seinem Antrag, der an die unter Ziffer 3 benannte amtlicheStelle zu richten ist, ein Formuarlhelft ausgehändigt, welches er auf der Innenseite des Deckels mit seiner Namens­und Firmenunterschrift versehen muß.

Die Formularhefte enthalten je 200 Schlutz- scheinformulare, von denen je zwei aufeinander folgende dieselbe Seitenzahl tragen, fo daß die Seiten des Heftes fortlaufend von 1 bis 100 numeriert sind.

Wegen der Verpflichtung zur Ausstellung von Schlußscheinen wird auf 8 10 der Verordnung

6. Die VorschrifteHber Widerruf H« Genehmigung sowie über die Beschwerde gegen die Versagung und gegen den Widerruf der Genehmigung sind im $ 9 der Verordnung enthalten.

Cassel, den 29. April 1917.

Bezirksstelle für Gemüse und Obst.

* » *

Hersfeld, den 8. Mai 1917. ** Wird veröffentlicht. ? M» Tgb. No. I. 4860. Der Landrat.

I. V.: '

v. Hedemann, Reg.-Affefsvr.

Bus der Heimat.

):( Hersfeld, 8. Mai. Von dem Kommando 1000 Gewerkschaft Wintershall bei Heringen sind nach­stehend bezeichnete russische Kriegsgefangene ent­wichen : Schafchkow Michael 6321, Ussene» Alexander 633 10, Schipit Peter 594 21, Kuranow Krigori 630/20.

Frankfurt a. M., 8. Mai. Am SamStag nach­mittag spielte sich in einem Geschäft -er Fahrgaffe zwischen zwei Kriminalbeamten und einem Einbrecher ein erbitterter Kampf auf Leben und Tod ab. Als die Beamten den Gefchäftsraum betraten, fanden sie hier einen jungen Mann vor, der anscheinend Ein­käufe besorgen wollte, sich aber bei näherer Betrach­tung als der von vielen Staatsanwaltschaften gesuchte 25jährige Monteur Friedrich Herbert aus Staßfurt entpuppte. Seiner Verhaftung fetzte der Mann den heftigsten Widerstand entgegen. ES entspann sich ein schweres Ringen, in dessen Verlauf es dem Verbrecher gelang, einen Revolver zu ziehen und ihn auf die Gegner abzudrücken. In dem gleichen Augenblick schlug einer der Kriminalbeamten die Waffe zur Seite Der Schuß.entlud sich und drang dem Verbrecher selbst in den Kopf. Herbert sank erheblich verletzt zu Boden und konnte nun mit leichter Mühe über- wältigt werden.

Deutscher Kamps, fein Sport!

Einer der tiefsten Unterschiede menschlichen Fühlens zeigt sich in der Art, wie die Deutschen und ihre Feinde, vor allem die Engländer, den gegenwärtigen Kampf empfinden. Auch der einzelne Engländer hat das Ge­fühl einer Sportbetätigung, einer sehr mühseligen, ge­fährlichen, noch anstrengender als Fußball oder Groß­wildjagd, aber immerhin eine Leistung, die Anforderun­gen nur an Körper und Mut stellt. Von Regungen des Herzens ist wenig 2" V "" 7 7

Herz, das seelische Bewußtsein, im Mampf um die ei­gene Existenz und um die des Volkes zu stehen, das den deutschen Soldaten zu Taten befähigt, die er feit

nig zu spüren, und doch ist es gerade das ische Bewußtsein, im Kampf um die ei­gens Existenz und um die des Volkes zu stehen, das den deutschen Soldaten zu Taten befähigt, die er seit Kriegsbeginn, feit mehr als tausend Tagen, an allen Fronten vollbringt.

Für ihr Land und seine Freiheit sümpfen alle, der Infanterist im Graben, der Artillerist am Geschütz und der Flieger in der Luft. So wäre es auch ein Mangel an Ehrfurcht vor den Gefallenen und vor den todver- achtenden Opfern der Lebenden, wenn die Meldungen, die der Heeresbericht täglich von unseren Fliegern bringt, im deutschen Volke das Gefühl auslösen wurden, hrer eine ArtSportbericht" zu erfahren.

Als Richthofens Siegeozahl jäh hinauffchnellte, als sie sich der bisher unerreichten Leistung Boelckes näherte, dann weiter stieg, sonnte matt hier und da hören, wie bei manchem das Gefühl wach wurde, einen sehr auf­regenden Sportwettkampf zu verfolgen.

Nein, das ist nicht die rechte Art, die Leistungen unserer Flieger zu werten. Ganz vorn stehen unsere Flieger, mmer zu schwerstem Mampf bereit, in dem es nur Tod und Leben, fast.nie eme Berwundung^ubt. Und wenn unsere Jagdflieger arstiteigen, dem «.remd entgegenstürzen, ihn stellen und fragen, dann wollen sie die Späher des Gegners verruchten, verjagen, die feindlichen Augen des Heeres" blind machen, die Bc- weaunaen im Rücken der eigenen Truppe schützen, dem !wK Meldungen bringen, aber nicht Rekordziffern

aufstellen. . , _

Ein Vergleich stimmt - so wie der Sporttstimpf die Kräfttasteil und Geübtesten an der Spitze sieht, so ist auch bei de>k Fliegern d e Auslese unverbrauchter Ner­ven! fester," unerschrockener ' Herzen vereint, die Blüte deutscher Mannesjugend. 1'1 ber eme UnterÄ^M"'Z wollte wem sie Wirt) den $cwe(vilcit /l 01wii i^iffcxit Lten unreine S

iwt hew jteiii ö iitif dem Wluöfe!d du t_Ox l fielen. Odet glaubt jemand, ein Frankt, ein Parstban, ein von Ken- dell, ein Manchott seien nun coemgct wert?

Das gleiche gilt von den Leistungen der Beobach- tungsUege^ Auch hier klafft der Unterschied zwischen Deutschen und ihren Feinden. Die englischeHeeresleUung meldete kiirÄ'ich stÄ '7tlt. Lichi- bilder von ErkundnngsflugenZfermgeMacht. Auch lner tritt wieder der rein sWrtniäHigeBetrachtungSwinkel

hervor, der zugleich einen üblen Renommicrveigefchmack erhält. In Wirklichkeit sind dem Laien 1700Luftbilder" gar kein Begriff, mit dem er etwas anfangen sonnte. Und dann bleibt noch die Frage offen, was auf. den Platten zu sehen war. Die deutschen Flieger könnten leicht eine weit größere Zahl von Aufnahmen heraus­rechnen, wenn dieses gegenseitige Behaupten und Be­streiten einen Zweck hätte. Aber unsere Beobachtungs- slieger wissen selbst, wie wichtig ihre Beobachtungen für alle Waffen sind, die auf der Erde sümpfen; ihr Ehrgeiz find: geuane Beobachtungen, gute Bilder nicht 1700 Platten?

Und weiter die Tätigkeit unserer Infanterieflie­ger und Schutzstaffeln! In wenigen hundert Metern Höhe fliegen sie den Jnfarrterietruppen voraus oder die Gräben der ersten Linie entlang, helfen mit dem Ma­schinengewehr den bedrängten Kameraden und halten durch Funkenverkehr die Verbindung mit den Reserven und mit der Führung aufrecht.

Diese Infanterieflieger fliegen in so geringer Höhe, sümpfen, beobachten und melden, dem feindlichen In­farkte riefener und nod) mehr der Artillerie leicht erkenn­bar, find alle diese jungen unbekannten Leutnants der Kameradschaft Boelckes, Richthofens nicht würdig, ihnen nicht gleichwertig?

Das haben alle unsere Flieger um uns verdient, daß wir uns klar werden über das Höchstmaß ihrer Pflicht­erfüllung, über die Selbstvergessenheit ihrer Taten. So wie der Mann im Schützengraben das furchtbarste Trom­melfeuer aushält und dann noch zum Sturmangriff vor- geht, so gibt der Flieger her, was seine Nerven leisten. Sie alle sind deutsche Soldaten, keine Rekord- und Sport­leute!

Sieg oder Hungerknechtschasl.

Die gesamte Kriegslage zu Wasser und zu Lande steht zu unseren Gunsten das wird nach der Wirkung des deutschen Tauchbootkrieges und nach der siegreichen Abwehr der bisherigell franzosisch-englisckeli ArÜäufe durch unser tapfres Westheer kein besonnener Beurtei­ler bestreiten. Trotz ihrer Mißerfolge denken jedoch un- fere Feinde über den Frieden auch heute noch nicht an­ders als vor vier Psoriaten, wo sie unser Friedensan­gebot mit den unverschämtesten Forderungen beantlvor- tet haben. Tag für Tag beweisen es uns die Reden ihrer Staatslenker, die Auslassungen ihrer Presse. Am 16. April schrieben die englischenTimes":Es gibt nur einen Weg zum Siege, und der besteht darin, die gepan­zerte Faust Deutschlands so zu zerschmettern, daß das Vertrauen des deutscheii Volkes in seine Unbesiegbar- seit Act stört wirf."

Der LondonerGlobe" stellt heute noch folgende Mindestforderungen auf:«amtliche Kriegskosten der Vervaudsuiächte müssen erstattet werden. Die Flotten der Mittelmächte werden dem Verbände ausgeliefert. Deutschland und Oefterretch hören auf, Kaiserreiche M

sein. Deutschland wird wieder, was es vor 1870 war. Es darf keine deutsche, auch keine preußische und bäue­rische Armee existieren."

Die französische Presse sucht die englische noch zu übertrumpfen. In ihr werden Friedensbedniguugen vertreten, die für uns hundertjährige Zwangsarbeit be­deuten. Im PariserMatin" vom 7. April vertritt einer der ersten Finanzmänner Frankreichs, de Verneint, die Forderung, daß der Krieg bis zum endgültigen Sie­ge der Entente fortzusetzen sei, worauf man Deutschlaird eine jährliche Krieqsentschädigung von 16 Milliarden Franken auferlegen müsse.

Diese wohlgemerkt jährlich zu zahlende Stim­me soll aufgebracht werden durch eine Kopfsteuer von 10 Franken auf jeden Einwohner, durch besondere Kon- tributtonen der größeren Städte, durch Steuern auf Kohlen, Zucker, Bier, Tabak, durch Erhöhung der Ei- senbahntarife usw. Aber, sagt de Berneuil weiter, diese 16 Milliarden jährlich genügen noch lange nicht!Wir müssen die Deutschen mit aller Macht daran hindern, sich unseres Platzes auf dem Weltmarkt zu bemächtigen. Deshalb müssen wir sie zwingen, allen Schaden, den sie angerichtet haben, möglichst tu uatura wieder gutzu- machen: alle Schäden des Krieges zu beseitigen, den Bo­den für den Anbau vorzubereiten, die Bergwerke wie­der instand zu setzen, alle Eisenbahnlinien wiederaufzu- bauen usw."

Das ist die Aussicht auf eine Hungerknechrschaft, wie man ihr höchstens auf den schtvärzesten Blättern der englischen Kolonialgeschichte begegnet. Die gleiche Zu­kunft stellt uns der Senator Humbert im PariserJour­nal" vom 15. April vor Augen: Eine große Geldenrschä- digung genügt nicht, «eine Bergwerke, seine Fabriken, seine Werften werden ulls umsonst Kohlen, Stahl, Schie- tten, Lokomotiven, Waggons, Maschinen, Schiffe liefern müsseit. Es wird arbeiten, um uns die Grundlagen des Wohlstandes, die es zerstören wollte, wiederzugeben. Und wir werden als Sklaven die Rasse von Sklaven be­handeln, die davon träumte, das Weltall tyrannisch zu beherrschen."

Italien ist nicht viel weniger anspruchsvoll. Dort werden in derPerseveranza" vom 20. April folgende Mindestforderuligen auf gestellt:Neutralisicrunq der Dardanellen, vollständige Wiederherstellung Belgiens, Polens, Rumäniens und Serbiens unter Angliedentne der polnischen, rumänischen und serbischen Landesteilk Oesterreichs, Auslieferung der italienischen Provinzen Oesterreichs an Italien und Riickgabe Elsaü-Lotüringene an Frankr-eich."

Solcher Sprache gegenüber gibt es von den Ueber Seite nur eine Antwort: Fortsetzung des Kampfes mit allen Kriegsmitteln. Da ist noch nicht die Zeit zum Ver­handeln. Gewiß ist es richtig, daß der Krieg trotz der Maßlosigkeit in den Forderungen unsrer Feinde der Endentscheidung uaherückt. Der letzte Sieg aber fällt uns nicht von selbst in den Schoß, er muß erfämpft werden, und dazu muß das ganze Volk einschließlich des HeimatheeM seine letzte Kraft einietzetl.