herslelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^|^ für den Kreis Hersfeld
B^ugsprei» vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- L^^-L-s^^^ zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ^®I5J®|0Bl Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
«% t /f ,. Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im .
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bohmgen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. ;
Nr. 103. w^***» Freitag, den 4. Mai
1917
Amtlicher Teil.
BekleidungSstelle Hersfeld.
Das Büro der amtlichen Ausgabestelle 1 für den Kreis Hersfeld bleibt
Freitag den 4. Mai und
Sonnabend den 5. Mai geschlossen.
Die bis zum 3. Mai eingelieferten Bezugsscheine AI und Bi können in dringenden Eilfällen in der Wohnung des Leiters, Herrn Georg Bolz, Klausstr. 24 am Freitag und Sonnabend abgeholt werden.
Der Landrat.
J. V.:
v. Hedemann, Reg.-Affessor.
Hersfeld, den 28. April 1917.
Ich erinnere nochmals an die Einsendung der Kreishundesteuerhebeliste für das Rechnungsjahr 1917 sowie an die Vorlage der Hundesteuerzugangstiste für das iv. Birteljahr des Rechnungsjahres 1916 mit Frist bis spätestens zum 10. Mai ds. Js.
Der Vorsitzende des KreisauSschuffeS.
J. A. No. 4329. J. B.:
v. Hedemann, Reg.-Affessor.
Stell». Generalkommando 11. A.-K.
vh/ivb No. 4111.
, Cassel, den 26. März 1917.
Die Reserve-Lazarette dürfen bis zum 30. Sep- MMer.^^A tzen Genesendem sofern die militarärzt- behördlich bescheinigter Anträge zu landwirtschaftlichen Arbeiten Urlaub bis zu 4 Wochen erteilen. Die Beurlaubten haben jedesmal bei der Rückkehr eine Bescheinigug der Ortsbehörde über die tatsächlich in der Landwirtschaft geleistete Hilfe vorzulegen.
Den Lazaretten steht eS frei, die Genesenden jederzeit zurückzurufen, jede Unterbrechung deS UrlaubS, zwecks ärztlicher Kontrolle, ist möglichst kurz zu befristen, rechtzeitige Benachrichtigung der Leute zur Vereinbarung mit den Arbeitgebern wird den Lazaretten zur Pflicht gemacht.
Von fetten des stellv. Generalkommandos.
Der Chef des Stabes.
Frhr. von Tettau, Oberst.
* * *
Hersfeld, den 25. April 1917.
Wird veröffentlicht.
Tgb. No. i. 4757. Der Landrat.
J. B.:
Funke, Kreissekretär.
Hersfeld, den 25. April 1917.
Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr eines Brandunglücks umso größer ist, je mehr Nahrung dem ausgebrochenen Feuer sich bietet, veranlaffe ich die Herren Ortsvorstände des Kreises tunlichst darauf hinzuwirken, das jetzt wo nach begonnener Ernte, die Scheuern mit brennbaren Stoffen angefüllt sind, soweit möglich, ein Jeder seine Vorräte gegen Feuersgefahr versichert, damit im Falle eines Unglücks eine tunlichst erreichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens stattsinden möge.
Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. Kreisblatt Nr. 20) die Abhaltung von Hauskollekten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand, ebensowenig wie bei Hagelschlag genehmigt werden wird.
Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk auf die sichere Aufbewahrung der Streichhölzer zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon oft geschehen, Feuerschaden verursachen. Die Herren
Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schulkinder hinzuwirken.
Tgb. No. 1. 44.92. Der Landrat.
J. V.:
Funke, Kreissekretär.
Befehl betreffend Beschäftigung feindlicher Ausländer.
Auf Grund der §$ 4 und 9 des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 und deS Reichsgesetzes vom 11. Dezember 1915 verordne ich für den Bereich des 11. A. K. folgendes:
1.
Jeder Arbeitgeber, der die Genehmigung zur Beschäftigung ausländischer Arbeiter erlangt hat, ist verpflichtet, zu Beginn jeder Arbeitsschicht, mindestens aber einmal am Tage durch Namensaufruf oder durch sonstige sorgfältige Prüfnng festzustellen, ob Arbeiter unentschuldigt bei der Arbeit fehlen. Die Fehlenden hat er sofort der Polizeibehörde durch Fernsprecher und daran anschließend schriftlich anzuzeigen.
2.
Den feindlichen Arbeitern ist es verboten, ohne genügenden Grund von der Arbeit fernzubleiben.
3.
Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis lii zu einem Jahr, beim Borliegen mildernder Umstände mit Haft oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft, sofern nicht nach den allgemeinen Strafbestimmun-en eine höhere Strafe verwirkt ist.
Gaffel den 13. April 1917.
Der Kommandierende General, von Haugwitz, General der Infanterie.
* * * Hersfeld, den 25. April 1917.
Wird veröffentlicht.
Tgb. No. I. 4758. Der Landrat.
J. V.:
Funke, KreiSsekretär.
Der gespannte Logen.
König Georg von England und Herr Poincaree von Frankreich tauschen Siegestelegrarmne aus. Die erste Linie der deutschen Stellungen ist an einigen Orten besetzt, ein paar zerschossene Dörfer sind in feindlichen Besitz geraten, einige unbrauchbar gemachte Batterien sind im Stich gelassen worden und einige tausend deutsche Soldaten — die in den gegnerischen Berichten angegebene ZqHl wird von unserem auttlichen Berrcht bezweifelt — sind in die Hände der Feinde gefallen. Dem stellen auf feindlicher Seite gegenüber schwerste blutrge Verluste und die niederschmetternde Erkenntms, daß das Ziel nicht erreicht, das Opfer vergeblich, gebracht, der Durchbruch nicht gelungen ist. Aber Komg Georg und Herr Poincaree wechselten Siegestelegramme.
Die Erfolge unseres U-Bootkrieges waren du erste große Nachricht des Kriegsjahres 1917, die der Telegraph in die Welt spielte. Hier ist die zweite: Die große Offensive, die die Entscheidung des Krieges bringen sollte, für die unsere Gegner ein Semester lang die wahnwitzigsten Rüstungen vvrgenvmmeu hatten, von der sie alles erwartet haben, diese große Offensive der Welt gegen dre deutsche Mauer hat in ihrem ausstchtsrerchsttn Zeupunkt, nämlich dem mit dem Ueberraschungsmoment rechnen-
Wa^hatte^^ nicht weniger als alles auf diese Karte gesetzt. Längst hat man in EbAlanderkannt, daß durch das Eingreifen der deutschen/Uboote die Zeit Nicht mehr gegen, sondern für die Mittelmächte arbeitet. Seit Sueben sprachen es englische Zeitungen und ^ugtische Minister aus, daß die Englands schl^aum mrd damit Englands Wirtschaft bedrohende Gefahr nach» dem Versagen aller Abwehrmittel durch die landmilitärMe Offensive beseitigt werben müsse und solle, ^us Gesange- nenaussagen und erbeuteten Befehlen gehen beim auch die weitgesteckten Durchbruchsziele der„^ranzofen^uud (Sitöllitbet öewbr EK ist ein trdiliiß^^ iwcr ö€Qitif- liebes Spiel, das die fcittdlichcn Heeresberichte mit ihren Siegesnachrichten spielen, um ihre Völker, dieunter ba Wahrheit zusammeubrechen mußten, öü ^erMtgen. Jeder geringe Geläudegewinn, iede einzelne movertt Ortschaft wird als Sieg gefeiert, um die, militärischnicht ge- schalten Leser über den verhaugutsvollen .. < Nu i st lg der grösttaugelegten Offensive zu beruhigen .
Meisterhaft und neuartig ist wieder die Hinden- burgsche Strategie. Die denl übe_ Front ist m?L.i ^ m Führung mit einem gespannten Bogen zu vergle icheu,. ber jedem kräftigen Druck elastisch nachgibt, dabei al er gttuil- zeitig iUsolge seiner Spmmkrast den stärkstcu druck ansübt. Während wir in den Tmmmtanivsen noch die starre Verteidigung führten, bieZeden Fußbreit Boden, jeden Graben, koste es was es wolle, zu erhalten suchte, ist es Hiubenvurg jetzt gelungen, g^ leu unserer Gegner den Bewegungskiieg ihihelen zu
“W^te Utltil^äbiacn in FralttMick si^ sich natürlich
über das Fiasko klar. Hervee schreibt in der „Bictvire": „Niemand nmche sich Illusionen, die Schlacht ist über alles Erwarten schwer", und drückt dann ebenfalls seine Furcht vor deu deutschen Reserven, die also auch nach seinem Urteil bisher unberücksichtigt geblieben sind, aus.
Wir können wahrlich mit dem Beginn dieses, wenn nicht alle Anzeichen trügen: letzten Kriegsjahres zufrieden sein.
Anpassung an die neue Ernährung.
Ueber die Frage, wie wir uns am besten an die jetzige Art der Ernährung, in der heute die Pflanzenkost eme ganz überragende Rolle spielt, anpaffen, schreibt Professor Dr. Emil Abderhalden in Halle u. a.: Wir müssen genau so wie der Pflanzenfresser unsere Nahrung möglichst zu zerkleiner« und erweichen. Eigentlich müßten unsere Zähne ausreichen, um die^ Zerkleinerungsarbeit zu leisten. Leider sind die meisten Gebisse unzureichend. Dazu kommt, daß viel zu wenig Zeit zum Kauen aufgewandt wird. Wir haben uns gewöhnt, ge- dankeittos zu essen! Wir lächeln, wenn uns zugermuet wird, mit Ueberlegung jeden Bissen gründlich zu kauen und etnzuspeichelu! Der Ernst der Zeit lehrt uns, daß Schweigen Silber und Kauen Gold wert ist! Ohne Bedenken setzen wir den Kiefer bei einem Wortschwall tau= sendmal in Bewegung und sträuben uns doch, die Kau- arbeit gründlich und mit Bewußtsein durchzuführen! Gründliche Kauarbeit könnte jetzt geradezu als vatrw- tische Pflicht gefordert werden!
Wir können nun aber die Ausnutzung auch durch unsere Kochkunst garrz crutzeroroem-i v - n -^ ;<n nächst können wir mittels der „Küchenmechamk" die Pflanzennadrung in fein verteilte Form drinnen. Wir können zerkleirrern, zerquetschen usw. Dann kommt das Kochen. Es muß solange fortgesetzt werden. ou - ie Nap- ruug weich gekocht ist. Ganz allgemein wird die Pflan- Aemtalmmg viel zu wenig lang gekocht. Man müßte die Kochkiste viel mehr benützen. Dazu ist noch zu bemerke«: Das Kochwasser von Fleisch und von Pflanzen enthält wichtige Naürungsstoffe, vor allem Salze. Niemals schütte man es weg! Es würde das eine Berichleude- rung von Wahrung bedeuten!
Endlich noch folgender Hinweis: Ab und zu liest man in der Zeitung, mau solle die Pflanzenuahrimg dadurch „aufschlietzen", daß man besonders, wenn das Wasser hart ist Soda zum Waster znsetzt. Man erreicht in der Tat ein rascheres Weichwerden der Wab runn Allein gleichzeitig werden, wie jetzt erwiesen ist, wichtige Stoffe zerstört! Der schaden ist größer als der Nutzen. Es ergibt sich aus dem Mitgeteilteu. daß wir uns der besondere« Befchatzenbeit der Pflanzennahrung aupassen müssen. Es fehlen uns manche Einricktungen, die der reine Pflanzenfresser zur Erschliebuua der Nahrung hat. Unsere Kochkunst und ausgiebiges Kauen ermöglichen uns, die Verwertung der in der Mlanzeu- nahr« ng enthaltenen Nabrunasstoffe ganz «ebedliw zu steiaeru.
550 000 qkm in 1000 Sagen erobert.
Eme Tagesleistung von 550 Quadratkilometer.
Am 26. April ist das deutsche Heer 1000 Tage im Kriege. Es verlohnt sich darum festzustellen, wie groß unsere Erfolge in diesen ersten 1000 Kriegstagen sind, so weit sie in den eroberten Gebieten zum Ausdruck kommen. Das gesamte Gebiet, das von unseren verbündeten Truppen bisher mit Waffengewalt genommen wurde, hat den ungeheuren Umfang von 550 000 Quadratkilometer. Es kommen also auf leben Tag im Durchschnitt nicht weniger als 550 Quadratkilometer. Das eroberte Gebiet ist uns mehr als 10 000 Quadratkilometer größer, als das gesamte deutsche Reich und mehr als 200 000 Quadratkilometer größer als Preußen. Durch die Eroberung von Rumänien sind die eroberten Quadratkilometer um 100 000 vermehrt worden. In Belgien sind bekanntlich 29 000 Quadratkilometer von uns besetzt. In Frankreich haben die Franzosen und Engländer ehi kleines Stück zurückerobert und ein anderes
Stückchen ist von uns geräumt worden, aber immerhin befinden sich noch mehr als 21000 Quadratkilometer in unseren Händen. In Rußland behaupten wir 280 450 Quadratkilometer, in Serbien 85 865, in Montenegro 14 200, in Albanien ungefähr 20 000 und in Italien ungefähr 380 Quadratkilometer. Die gesamte eroberte Fläche beträgt demgemäß etwas mehr als 550 000 Quadratkilometer. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß unsere Eroberungen nicht weniger als 17 Mal so groß sind, als das Gebiet, das unsere Gegner von uns in Händen haben. Bekanntlich haben sie ungefähr 1000 Quadratkilometer in Elsatz-Lotürtngeu und 30 000 in Oesterreich-Ungarn besetzt. Diese Berechnung ist gerade heute nicht ohne Bedeutung, wo die Engländer und Franzosen der ganzen Welt erzählen, daß sie in dieser ungeheuren Offensive den Deutschen das ganze eroberte Gebiet entreißen wollen. Während der ganzen großen Somme- Offensive im vorigen Jahr und jetzt bei Arras und an der Aisne haben die Franzosen und Englütider gemeinsam nur wenige 100 Quadratkilometer zerschossenen Bodens in ihre Hände zurückbekomuien könne«. Bei der Verhält«rszahl 30 zu 550 000 müßten die Angriffe mit gleicher Stärke noch 100 Jahre geführt werden können, um, das gauze besetzte feindliche Gebiet von unseren Truppen zu säubern. Wenn man sich aber die ungeheuren Verluste vergegenwärtigt, die sowohl das englische als auch das französtsche Heer bei den Offensiven erlitten haben, durch die beide Heere stets nach einer Schlacht von wenigen Tagen gezwungen wurden, neue Verstärkungen heranzuziehen, dann wird man einen klaren Ueberblick bekommen, welch' Hirngespinste die Behauptungen unserer Feinde sind, daß sie durch mlliärt- schen Sieg den Krieg entscheiden werde«. Insofern stellt auch diese Berechnung zum 1000. Kriegstage einen treffenden Beweis unserer großen Neberlegerchett in die- lv» «rle« dar. üC. L 8U