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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Postbs- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

AmWer

für den Kreis Hersfeld

MWW

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im ( amtlichen TAle 2v Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- - holungen wirb Rabatt.gewährtErscheint jeden LLerktgg nachmittags. .

Nr. 102.*taÄ* Donnerstag, den 3. Mai

1917

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 28. April 1917.

In der KreiStagssitzung am 81. März ös. JS. ist die Erhebung einer allgemeinen Kreissteuer in Höhe von 5O°/o der sämtlichen direkten Staatssteuern für das Rechnungsjahr 1917 beschlossen worden.

Das Veranlagungsschreiben wird den Herrn Orts­vorständen in Kürze übersandt werden. Es ist darin von einem Teile der im Interessengebiet der Bahn Hersfeld-Heimbuldshausen gelegenen Gemeinden auch die aus sie entfallende Vorausleistung zu den Kosten des Grunderwerbs dieser Bahn angefordert worden.

Ich ersuche alsbald nach Empfang des Beran- lagungsschreibens die Gemeindekasse mit Zahlungs- anweifung zu versehen.

Die Kreissteuer ist wie bisher einschließlich der Vorausleistungen in vierteljährlichen Raten und zwar die 1. Rate sofort, die 2. Rate am 1. August, die 8. Rate am 1. November und die 4. Rate am 1. Februar 1918 an die Kreiskomunalkasse hier einzuzahlen. Bei jeder Zahlung ist das Veranlagungsschreiben zur Erteilung der Quittung mitvorzulegen.

Der Vorsitzende des KreiSanSschuffeS.

I. A. No. 4380. J. B.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 28. April 1917.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister derjenigen Gemeinden, die im Jahre 1915 über 1S0° » Umlagen erhoben haben, mir bestimmt bis zum 10. Mai üs. Js. anzuzeigen, sb die^dortigen Einwohner im Jahre 1915 von der Gemeinde zu Hand- und Spanndiensten heran gezogen worden sind. Gegebenenfalls ist anzu- geben, für welche Zwecke die Dienste geleistet wurden und

(nach Tagen gerechnet) tatsächlich geleistet worden sind.

Nicht zu berücksichtigen sind solche Hand- und Spanndienste, für welche der Bezirksverband aus Langwegebaufonds Entschädigung gewährt hat. ($ 56 des Reglements vom 2. Juli 1905, Amtsbl. Seite 130 81.)

Der Vorsitzende des Kreisausschnsse».

I. A. No. 4196. J. B.:

». Hedemann, Reg.-Assessor.

Bereitstellung von Fundprämien für abbauwürdige Phosphatlager.

Veröffentlichungen des Preußischen Landwirtschafts- ministerinms.

Der Bedarf der deutschen Landwirtschaft an phosphorsäurshaltigen Düngemitteln wurde in FriedenSzeiten in der Hauptsache durch die aus überseeischen Phosphaten hergestellten Super- phosphate und das Thomasphosphatmehl gedeckt. Die Erzeugung des letzteren ist im Kriege nur wenig zurückgegangen. Die überseeischen Phosphate konnten zum Teil durch die Phosphate Nord- frankreichs und BelgienS und die Wiedereröffnung des Phosphatbergbaues an der Lahn durch die Kriegsphosphatgesellschaft gedeckt werden. Durch die Auffindung neuer Verfahren ist es möglich

Alle Mahn-Docle.

Mitgeteilt von Prof. Ferdinand Tönnies, Kiel.

Was die ganze neueste Geschichte auf das unzwei­deutigste bewährt, ist in den folgenden «ätzen begriffen:

Erstens: Mas ine Völker stark macht,, ist nicht ter Leib, sondern ine Seele,- was sie unüberwindlich macht, ist allein die begeisternde Kraft des Herzens: was sie vor der Unterjochung rettet, ist allein der kräftige Mut, der Freiheit wert zu sein.

Zweitens: Was die Throne befestigt und aus gro­ßen Gefahren rettet, ist nicht bei diesem oder jenem Stande, sondern bei der Gesauilbeit der Untertanen, in dem Gemeinsinue der Bürger, in der Liebe und Be- aeifterung für Fürsten und Vaterland.

Drittens: Was die Staaten zum Untergänge führt, ist, wenn sie den Geist der Zeitnicht erkennen und ver­stehen und dem Stegerwaaen des Genius der Mensch­heit verblendet in die vom Abhang rollenden Räder greifen.

Endlich: Die (Gegenwart mit ihren Erscheinungen verkündigt nicht eine Rückkehr zur alten Zeit, sondern nur die Fortsetzung und Entwickelung einer schon lange begonnenen neuen Zeit.

Und die Lehre für das Künftige? Wer sie zu fassen fähig ist, findet sie in seinem eigenen Geiste: wer sie erst aus fremdem Munde erMren mutz, wirb sie auch mit eigenem Geiste nicht fassen. Aber wer Ohren hat ^u hören, der höre! Wer Augen hat au sehen, der

Mit diesen gewichtigen Sätzen schliefst die kleine Sctrrift Anselm v. FercerbachsUeber die Unter drückn na und Wiederbefreiung Europas , die zu München 1818 in der ersten Woche nach der Leipztcrer Völkerschlacht tierauguegeOeu wurde. Feuerbach, ein Jünger der Knu­

geworden, auch solche phosphorhaltige Gesteine, die man früher nicht aus Düngemittel verarbeiten konnte diesem Zweck nutzbar zu machen. Um die Erträge der Landwirtschaft dauernd auf der Höhe zu halten, ist eine Vermehrung der Be­stände an phosphorsäurehaltigen Düngemitteln er­forderlich.

Aus Mitteln des Preußische« Staates, der Deutschen Landwtrtschasts-Gesellschaft der Bezugs- vereinigung der deutschen Landwirte, der BereinS deutscher Düngerfabrikanten und der Chemische» Fabrik Rhenania in Aachen ist daher ein Betrag von 100 000 Mk: ausgeworfen worden, der zur Gewährung von Prämien für die Auffindung neuer Lagerstätten und zu der weiteren Untersuchung der letzteren bestimmt ist.

Die Untersuchungen sollen sich nicht nur auf das Gebiet des Deutschen Reiches, sondern auch auf die besetzten Gebiete deS Ostens erstrecken.

Da auf die Mitarbeit nicht nur von Fach­leuten, sondern auch von Laien gerechnet wird, können solche Personen, die sich an den Nach­forschungen beteiligen wollen, von dem Rheinischen Mineralien-Kontor Dr. A.Krantz, Bonn, Herwarth- straße 36, kleine Proben der in Betracht kommenden Gesteine nebst einer kurzen Beschreibung der Vor­kommen beziehen.

Meldungen bisher unbekannter, noch nicht gebauter Phosphatlagerstätten sind an die Roh- matertalstelle deS Landwirtschaftsministeriums, Berlin, Leipziger Platz 7, zu richten. Die Königliche Geologische Landesanstalt Berlin, Jnvalidenstratze 44, hat sich zur Mitarbeit und AuSkunftertetlung bereit erklärt.

Erweist sich die angegebene Fundstelle als aus- sichtsvoll, so erfolgt eine Untersuchung durch Sach­verständige, von deren Ergebnis eS abhängt, ob eine Rückgewähr der für die Austtusung aufgewenöeten

Findet ein Abbau der neuen Lagerstätte statt, so wird dem Finder eine angemessene Vergütung für jede Tonne des tatsächlich geförderten Gesteins zuge- sichert.

Berlin, den 11. April 1917.

Der Herr Gtaatskommtffar für die Volksernäh- rung weißt in nachfolgendem Aufruf auf den Ernst der Lage hin:

Die nächste« Monate werden über das Schicksal Deutschlands entscheiden. Unsere Feinde, die die Schlinge der U-Bootsperre an ihrem Halse fühlen, sind trotz ihrer furchtbaren Verluste bei den bisherigen Angriffsversuchen anscheinend entschlossen, noch ein­mal ohne Rücksicht auf Menschenleben gegen unsere eiserne« Fronten anzurennen. Sie hoffen, sie zu durchbrechen, mordend und brennend wie die Russen es 1914 in Ostpreußen getan haben, in das blühende deutsche Land einzubrechen und uns zu einem Friede« zu zwingen, der dem Vaterlands Schande und jedem einzelnen Deutschen Hunger und Elend bringen soll. Sie werden sich auch dieses Mal wie bisher blutige Köpfe holen. Dazu gehört aber, daß unsere den Entscheidungskampf kämpsenden Soldaten, daß auch die Millionen von Arbeiter, die ihnen in schwerer Arbeit das Rüstzeug zum Kampf herstellen, in den

tischen Philosophie, war schon damals als einer der eilten Rechts gelehrten Deutschlands anerkannt.

Der Herausgeber von Feuerbachs kleinen Schrif­ten (1833) sagt über unsere Flugschrift:Es waren dies die ersten freien Worte, welche damals im südlicherr Deutschland laut in die Welt himrusgeworfen, die un­heimliche Stille, das bängliche Schweigen unterbrachen, das, selbst nach dem Vertrag von Ried (mit diesem hatte am 7. Oktober 1813 Bayern sich der deutschen Sache angeschlosseli) fortwäbrenb, teils von der Furcht, teils von einer schüchternen, zweideutigen, tut voraus auf Ausflüchte zielenden Politik uutertmlteu wurde. Wie die wenigen Worste dieser Schrift gewirkt, wissen die­jenigen, die für jene Zeit noch ein Gedächtnis haben. Welches Schicksal dem Verfasser zugetkicht war, falls Napoleon wieder Sieger werben sollte: darüber wurde ihm wenige Tage nach dem Erscheinen der Schrift eine ganz nnzweidentige Urkunde ausgestellt, die ihm zu verstehen gab, daß er sich der Majestätsbeleidrgnna an der Person des fnitiAöfWn Kaisers und Protektors des Rheinlandes schuldig gemacht habe."

Eine lehrreiche vrnlgeschichle.

Eili Leser erzählt uns folgendes Mschichtchen, an befien Wahrheit nicht zu zweifeln ist: Bis zum 16. April gabS bei mir ein ewiges Plagen und Jammern. Meine Frau kam mit dem Brot nicht aus. Wenn sie ausging, legte sie vor den Brotkasten ein Schloß und wog und rechnete jedesmal, wenn einmal Brot gegessen werden sollte. Es war keine ante Zeit, weder für meine Frau, die immer nagen mußte, noch für meine sechs Kinder, die immmer nach Brot verlangten, am wenigsten aber für »sich, der ich alles auböreu mufitc, vhne beiseit zu können. Meinen Zustand kann sich deshalb jeder erklä­ren, als der 16. April yeranrücttH der die Brotrationen i noch mehr beschnitt und jedem für die Woche nur drei i

kommenden knappen Monate« bis zur neuen Er«te ausreichend ernährt werde«.

Die letzte Kartoffelernte hat unS schwer enttäuscht und ist auch durch die harten Fröste in «suchen Be­zirken noch weiter geschädigt. Auch die Körnerernte hat nicht die Hoffnungen erfüllt, die wir im Herbst nach dem Stande der Felder und der Zahl der Fuhre» auf sie setzten. Trotzdem müssen und werden wir biS zur neuen Ernte durchhalten.. Dazu gehört aber, daß jeder Landmann und jede Landfrau in Gedenken an unsere Krieger und Rüstungsarbeiter ihre Abliefer­ungspflicht voll erfüllen und sich und die Ihrigen, wenn eS sein muß, denselben Entbehrungen unterwerfen, die der Städter ertragen muß.

Leider sind mehrere Einzelfälle bekannt geworden, wo Lanüleute Getreide, Kartoffeln oder sonstige Er­zeugnisse, die sie abzuliefern verpflichtet waren, ent­gegen dem Gesetz selbst verbraucht «xd verfüttert haben und wo sie um das weiter tun zu sönnen, bei den letzten Bestandsaufnahme» Borrätte ver­schwiegen oder gar arglistig versteckt habe«. Diese Leute sehe» ihrer Bestrafung entgegen. Sie haben sich schwer am Baterlande versündigt, sie habe» aber auch ihre Berufsgenoffen schwer geschädigt. Denn wegen dieser Bergehungen Einzelner müssen jetzt, um die Aolksernährung zu sichern und dem Gesetz Achtung zu verschaffen, in allen Bezirken Nachforschungen von Hans zu Haus mit militärischer Hilfe durchgeführt werden. Es muß dabei, damit das gesamte Volk «icht in unerträgliche Not kommt, den Landleute» gegen die vorgeschriebene Bezahlung sofort alles abge- Hommen werden, waS ihn«« nicht nach dem Gesetz unbedingt belasten werde» muß. An Brotgetreide, Gerste, Hafer und Hülsenfrüchte« darf nur zurückde- halten werden, was zur Ernährung der Selbstver­sorger und Erhaltung deS Viehbestandes nach den erlassenen Bestimmungen hierfür bis zur neuen Ernte verwendet werden darf. An Kartoffeln ist

städtischer Kinder oder Arbeitshilfen bereit erklärt hat, behält auch die auf diese entfallende Kopfmenge aller Erzeugnisse. Knapp wird die Nahrung d»r Landleute bei ihrer schweren Arbeit und ihren bis­herige» Leben-gewohnheiten für die nächsten Monate werden. Aber ihre städischen VolkSgenoffen hadex zum großen Teil schon seit Monaten in «och größerer Knappheit gelebt,- und sie können überhaupt nur dann bis zur neuen Ernte weiter bestehen, wenn die Lauöleute alles jetzt Vorgeschriebene schnell und rest­los abltesern. Wer vaterlandsloS genug fein sollte und trotz dieser Mahnung irgendwelche Borräte vor dem Nachprüfung-auSschuß zu verheimlichen, beiseite zu schaffrn und widerrechtlich zn verfüttern sucht' wird streng bestraft werden und die Vorräte werden ihm ohne vergüinng fortgenommen. Jeder Bater- landsliebsnde ist verpflichtet, Fälle solcher Art zur Anzeige zu bringe«.

ES wird unS schw«r, wegen der Bergehung Einzelner gerade i« der beginnende» Bestellungszeit, die besonder« schwere Anforderungen an die Hingabe und den Fleiß der Landleute stellt, so harte Maß­nahmen treffen z« müssen; aber wo eS um das Schicksal des Vaterlandes geht, müssen alle anderen Rücksichten schweigen.

Sattteilte. Noch rechtzeitig kam mir ein erlösender ke: Am Mmsiag den 16. April ließ ich acht Brote holen und opferte sämtliche Brotkarten auf einmal. Jede^ Kind, die Mutter und ich, erhielt sein Brot: wir gin­gen zur Selbstverwaltung über. Das Schloß vor Mut- ters Brotkasten konnte entfernt werden und das Kla­gen meiner Frau und der Kinder hörte augenblicklich auf. Da lagen acht Brote in Reih' und Glied. Auf je­dem steckte eine Karte mit dem Namen des Eigentümers. ES war eine Freude zu sehen, wie die Kinder vor den -Broten standen und sie dahin prüften, wer am meisten verzehrt hatte und mit stillem Vergnügen konnte ick beobachten, daß alle bestrebt waren, die Woche erfolgreich zu überstellen. Oft kam es vor, daß der Kleinste nach Brot rief, sich jedoch besann und ermähnte:Ach nein, denn komm' ich ja nicht aus!" Er verstand sich zu be­herrschen und sogar wenn die Mutter ihm von seinem Brot eine Scheibe schneiden wollte, erinnerte er:Nicht zu dick Vkuttt, ich hab' ja nur noch so wenig!" Der Sun»- tag kam und alle meine Selbstverwalter hatten noch Brot. Am Abend atzen wir alle, freilich glücklich mtb zufrieden, unsere Reste. Nun sollte man meinen, daß die Kinder in dem Bestreben, mit ihrem Brot auszu- kommen, manchmal lieber etwas hungerten und nicht mehr wie früher zu ihrem Recht kamen. Dell Eindruck hatte ich nicht. Ich glaube vielmehr, daß früher oft Brot gegessen wurde, ohne hast es notwendig war. Jeden­falls behalte ich in meiner Familie die Selbstverwaltung bei. Ja, ich habe sie in dieser Woche schon uns Marme­lade und Wurst und was sonst noch auf Karten gibt, ansgedehlst. Jeder erhält seinen Teil und jeder wirt­schaftet für sich. Bei uns herrscht in letzter Zeit das wun­derbare Bestreben der Kinder vor, sich der Selbstver- waltuirg würdig zu erweisen. Alles Klagen über Hun­ger, alles Rufen nach Brot hat ein Ende, unb ich glaube, wir überstehen den Krieg, wenn Schmalhans auch länger noch Küchenmeister wird, wie selten jemand anders.