Hersfeld er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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für den Kreis Hersfeld
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Nr. 76. w =«Ä^ Sonnabend, den 31. März
1917
Amtlicher Teil.
Bekannntmachung
Über Bef«g»iffe der ReichSbekleid«»ssstette.
Vom 22. März 1917.
Der Bundesrat hat auf Grund des § 8 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (Reichs-Gesetzbl. S. 327) folgende Verordnung erlassen :
§ 1.
Die Reichsbekleidungsstelle wird ermächtigt, die im Deutschen Reiche vorhandenen Web-, Wirk- und Strickwaren und deren Ersatzstoffe, die aus diesen gefertigten Erzeugnisse sowie getragene Schuhwaren und das von solchen herstammende Altleder für den Bedarf der bürgerlichen Bevölkerung in Anspruch zu nehmen, soweit diese Gegenstände nicht von den Heeresverwaltungen oder der Marineverwaltung für ihren Bedarf in Anspruch genommen sind.
§ 2.
Die Reichsbekleidungsstelle kann zur Durchführung des § 1 die erforderlichen Bestimmungen treffen und Auskünfte fordern. Sie kann insbesondere die Herstellung und den Verbrauch der im § 1 bezeichneten Gegenstand« sowie den Verkehr mit diesen regeln, Bestandsaufnahmen anordnen und Bestimmungen über Beschlagnahme und Enteignung treffen.
Bei Enteignungen wird im Streitfall der Ueber- nahmeprets durch das Reichsschiedsgericht für Kriegswirtschaft endgültig festgesetzt. Nähere Anordnungen über die Besetzung des Gerichts und das Verfahren trifft der Reichskanzler.
Soweit die Reichsbekleidungsstelle bei Anordnungen oder Bestimmungen auf Grund von Abs. 1 von den vom Bundesrat erlassenenen Verordnungen über Web-, Wirk-, Strick und Schuhwaren abweichen will, bedarf sie der Zustimmung des Reichskanzlers.
Mit Gefängnis bis ^r etnem^ahre und mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark oder mit einer dieser Strafen wird bestraft,
1) wer den auf Grund des § 2 getroffenen Anordnungen oder Bestimmungen zuwiderhandelt,
2) wer die gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 erforderten Auskünfte nicht rechtzeitig erteilt oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht.
Neben der Strafe kann auf Einziehung der Vorräte erkannt werden, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Unterschied ob sie dem Täter gehören oder nicht.
Neben der Strafe kann ferner angeordnet werden, daß die Verurteilung auf Kosten der Täters öffentlich öekanntzumachen ist, auch kann neben Gefängnisstrafe auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden.
Deutschlands Ausgaben nach dem Kriege
im schwedischen Urteil.
Der schwedische Professor Fredrik Büök erzählt in seinem Buch „Deutschland und Polen" von Begegnungen mit deutschen Soldaten, die er in Berlin auf der — - ■ — — -—"-^giften, die er
gen mit deutschen « Durchreise gehabt Hat. Es waren zufällig und absichtslos machte: mit einem Soldaten an meinem ~. .... ...
hatte einen hellen, spitzigen Bart, und in dem dichten Netzwerk von Falten um seine Augen spielte der Schalk. Er hatte 19 Monate lang in einer EtsenbaHnkvmvagnie gearbeitet, war zweimal verwundet worden und zum Schilift aus Ueberanstreugmlg in Nisch erkrankt: er war
jedoch nahezu wiederhergestellt und sollte bald zurück an die Front. Was hatte er nicht alles erlebt, wie voll von Eindrücken, Vergleichen und Ansichten war er nicht, wie kochte und arbeitete es in seinem Kopf! Er war äußerst zufrieden mit seinem Geschick. „Ich war arm," erzählte er, „und konnte in Friedenszeiten höchstens eine Reise nach Oesterreich machen (seine Heimat war Rieften). Jetzt baue ich auf Kosten des Staates etwas von der Welt gesehen, darüber taun ich mich freuen." Er hatte bei allen Armeen gedient, in Rußland, Belgien, Frankreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien und der Türkei, er hatte Eisenbahnen gebaut, Lieferungen überwacht, Brücken geschlagen, telegraphiert.
Mit Interesse tauschte ich seinen politischen Idee». Bor den .Kriege hatte er geglaubt, daß Frankreich und Belgien mit ihrem demokratischen Regierungswesen Deutschland in allem weit voraus feien; jetzt aber mußte er, daß das falsch war. Er hatte in Frankreich beim SrMof von Saun Menschen in Höhlen leben sehen, er tte mit den Arbeiterwohnnngen in Belgien Bekanntschaft gemacht und versicherte, daß es ein solches Elend in Deutschland nicht gebe, .wenn es auch keineswegs überall so wäre, wie es sein sollte. Er war während des Krieges zu der Ueberzeugung gekommen, daß Deutschland „die gesittetste Nation der Welt" sei; das hatte er wirklich vorher nicht geglaubt. . ..
Während ich fast und diesem einfachen Mann zu- bürte, der einmal aus dem Krieg zu seiner frteblidjeir Arbeit zu rück kehren wird, mit einer Menschenkenntnis, einer vielseitigen Erfahrung, einem realistischen Blick für politische und wirtschaftliche Probleme, wie die All taasverhältnisse eS ihm nie hätten schenken können, wenn ich mir hinter ihm die Himderttaufende, die MM- onen von Kameraden umstelle, die sich in wechselnd««
§ 4.
Die Verordnung tritt am 26. März 1917 in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.
Berlin, den 22. März 1917.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers.
Dr. Helfferich.
Mitteilung der Kriegsumtsstelle Cassel.
% 16» MteriöndMek Hilfsdienst.
Bildung der Feftftellungs- nud Emberufrmgsausschüsse.
Kriegsamtsstelle Caffel.
Nr. 3477. A. n. Caffel, den 7. 3. 1917.
Durch Verfügung des KriegsamteS sind die Fest) stellungsausschüsse (§ 4 Abs. 2 des Hilfsdienstgesetzes- gebildet:
Sitz, Bezirksabgrenzung nnö Zusammensetzung der Ausschüffe ist wie folgt.
(Die Namen unter 1 und 2 sind die Mitglieder, die unter 8 und 4 deren Stellvertreter.)
I. Festellungsausschüsse
A. Sitz Caffel.
Vorsitzender: Hauptmann d. L. Clauß, Vorstand der Kriegsamtsstelle.
Stellv. Vorsitzender: Hauptmann d. L. Hansen, Caffel. Bezirksabgrenzung.
Bezirkskommandos: Arolsen, Caffel 1, Caffel 2, Hersfeld, Marburg.
Beamte für Preußen: Beamtef.Waldeck-Pyrmont:
1. OberregierungSrat von Lentze, Caffel.
2. Regierungsrat Löwenstein, Caffel.
3. Regierungsrat Mühl- pfordt, Caffel.
Kreisamtmann Dr. Schmieding, Bad Wil° düngen.
Kreisamtmann Klapp, Corbach, Stell«.
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Arbeitgeber:
1. Kommerzienrat Georg Rosenzweig,i.Fa.Rosen- zweig und Baumann,
Caffel.
2. Ludwig Wentzel, Caffel.
3. Kommerzienrat Rech- berg, Hersfeld, i. Heffen.
4. Zimmer - Ehrenober- meister Wilh. Zimmermann, Caffel, Hohen- zollernstraße 118.
1. A. GrezesinSki, Gewerkschaftssekretär, Caffel, Giesbergstr. 85.
2. Herman«, Hering, Land- tagsabgeordneter, Gera (Reuß) Tscherstr. 10.
3. Ernst Ecker, Textilarbeiter, Caffel, Obere
Karlsftr. 17.
4. O. Neumann, Direktor, Caflel, Elfbuchenstr. 4.
II. Ernberufungsausfchüsse
Die Namen unter 1 sind die Mitglieder, die unter 2 deren Stellvertreter.
Sitz und Bezirksabgrenzung stimmen mit denen
Formen und mit verschiedenen Anlage« die strenge Schule des Krieges zunutze machen, dann verdichtet sich alles zu einem deutschen Buchtitel: „Deutschland vor den Toren der Welt!" Welch unerhörte Erweiterung des Horizonts ist nicht für das deutsche Volk die FrucK der Absperrung geworden, welche unerhörten, bisher nur halb erwachten Kräfte sind nicht znm Durchbruch gekommen!'....
_ Die Generatton, die die unzählige» Problevre des Weltkrieges siegreich gelöst hat, wird vor Schwierigkeiten und Aufgaben nicht zurücksÄrecken, vor denen die Menschheit bisher kleinmütig Halt gemacht hat. Diese Geistesverfassung bewirkt, daß mein Freund, der Eisen- m'ldat, so ruhig und überlegen davon überzeugt ist, eutschland einer sozialen Erneuerung und Vollendung entgegengeht. Sein Zukunftsglaube ist nur eine Ausstrahlung der unerschütterlichen Siegesgewitzheit, mit der er lächelnd meinen Versuchen, den Zweifler zu spielen, begegnet: „Uns kriegen sie nicht", ist der gut» mütige Refrain in all seinen Ausführungen." Professor Böök wendet sich gegen die Anschauung, in mnmbeit Züaen von Selbstbewußtsein etwa die Beweise von Ueberüebung zu sehen, und meint: „Ich für meinen Teil kann die Sache nicht so ansehen. Von Leichtsinn, Uebermut, bornierter, Selbstgenügsamkeit Und Verhetzung habe ich keine Spur gefunden. Daß ein Volk nach solchen kriegerischen und friedlichen Taten, wie sie Deutschland während der letzten 30 Monate voübradn hat, sich in anmutige Unkenntnis seiner Stärke hüllen soll, ohne sich eine Idee davon zu bilden, worin diese Stärke begründet ist, das ist eine Forderuna. die mir mild ausgebrückt, n «psychologisch vorfommt. Das heißt, nicht Anspruchslosigkeit verlangen, sondern dumme Gleichgültigkeit, Gedankenlosiakelt. Im Gegeuteil, fast in jedem Augenblick muß sich der Fremde über die klare und besonnene Atmosphäk'c in einem Land wundern, das doch von Gefüülen und Erlebnissen der tiefsten und ergreifendste« Art durchzittert worden ist."
Aue englische Stimme übet Amerika.
Amerikas KriegSvetetligung wäre ei« Danaergeschenk für England.
Im Gegensatz an den meisten englischen Stimmen, welche die Teilnahure Amerikas am Kriege freudig begrüßt haben, steht die Aeußerung der „National Ne- view", welche stets einen amerikafetndlichen Standpunkt vertreten Hai, in der Monat-schau ihre« Märzheftes. Hi-r v«M «»:
SerSchltchtungsausschüffe überein. Auch die IZusammen- setzung ist hinsichtlich der Arbeitgeber- und Arbeit- nehmervertreter dieselbe. Hinzu kommt für jeden Bezirk ein höherer Beamter bezw. dessen Stellvertreter als Mitglied und ein besonderer Vorsitzender. ES sind dies:
pp. PP-
11. Bezirk Hersfeld:
Vorsitzender:
von Mansard, Oberstleutnant und stellv. Bezirkskommandeur, Hersfeld,
Beamte:
1. von Hedemann, Regierungs-Affeffor HerSfeld,
2. Schultze, Gewerbeinspektor, Fulda.
* L * HerSfeld, den 22. März 1917. Wird veröffentlicht.
J. M. Nr. 2271. Der Landrat.
Funke, Kreissekretär.
Bekanntmachung
über die Aenderung des Gesetzes, betreffend Höchstpreise.
Vom 22. März 1917.
Der Bundesrat hat auf Grund des $ 3 deS Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (ReichS-Gesetzbl. G. 327) folgend« Verordnung erlaffen.
Artikel 1.
Das Gesetz, betreffend Höchstpreise, vom 4. August 1914 in den Fassungen vom 17. Dezember 1914 und vom 23. März 1916 (ReichS-Gesetzbl. 1914 6. 319, 518; 1916 S. 183 wird dahin geändert:
1. Der § 5 Abs. 1 erhält folgende «affunE.
fest. *Sow^t de / BundSsrat " der Reichskanzler^ö-er die von diesem bestimmten Behörden Höchstpreise nicht festgesetzt haben, können die Lanöeszeutralbehöröen oder die von ihnen bestimmten Behörden Höchstpreise festsetzen.
2. Der § 6 erhält folgenden Abs. 4:
Neben der Strafe kann auf Einziehung der Gegenstände, auf die sich strafbare Handlung bezieht, erkannt werden ohne Unterschied, ob sie dem Täter gehören oder nicht.
Artikel 2.
Diese Berordnung tritt mit dem Tage der B«r- kündung in Kraft.
Berlin, den 22. März 1917.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers.
Dr. Helfferich.
Wir können immer noch an der Hoffnung festhal- ten, daß Amerika abseits stehen bleibt und weiter Dollars verdiem, im übrigen aber es der europäischen Zi- vllisation überläßt, mit Hilfe Japans sich selbst zu red- ten. Natürlich, wenn aus reiner Bösartigkeit oder irgendeiner anderen Ursache Deutschland Amerika in den Krieg hineinbrtngen will, bann wird es dies fertig bekommen, und wir können dann Amerika nicht davon zu- rückzuhalten, obwohl wir das unbedingt vorziehen müßten, weil Amerika, wenn es dem Kriege sern- bleibt, auch vom Friedensschluß ferngehalten werde« kann. Wenn es sich am Kriege beteiligt, hat es auch beim Frieden mitzureden. Dies würbe aber die Lage der Berbandömächte sehr erheblich erschweren: denn deren Lage ist schon erschwert genug durch Leute wie Haldane, Caillaux, Stürmer, Gioltttt und andere Bewunderer und Apostel beutüber Kultur, welche sich bemühen werden, dem Feinde die Sache zu erleichtern.
angen bat. Zuver- stig freundfchaftttch )efahr, das „Weiße
Wilson, dessen sämtliche Aeußerungen und Betättgungen beweisen, daß er noch nicht irgendeines der europäischen Probleme richtig zu würdigen angefangen hat. Zuver. lässige Amerikaner, die uns auMwtta freundschaftlich gesinnt sind, warnen uns vor der Gefahr, das „Weiße Haus" oder irgendein anderes „Haus" auf dem Friedenskongreß vertreten sein zu lassen. Hier haben mu einen anderen schlüssigen Beweis gegen die Einberu-
Aber wir fürchten, daß die Vereinigten Staaten, mögen sie wolle» oder nicht, in den Krieg getrieben und infolge ihres Pazifismus eine Last für uns alle sein werden. Nur ein einziger Vorteil würde sich ergeben, nämlich der, daß Amerika dann nicht in die Lage käme, auf die andere Seite zu treten, was wir früher gefürchtet haben. Denn wir sind uns klar darüber,
■intgten Staaten als Gegner von Grotzbri- r zu fürchten sind denn als Gegner vo« weil Amerika sich in einen Krieg gegen m Behagen stürzen würbe, das ihm im an»
Deutt uns r deren
Die im „Spectator" ausgesprochene Bermutuna. Satz die „National Review" sich früher anders über die ameritantfdhe Politik geäußert hätte, wenn sie von den kommenden Ereignissen etwas geahnt baden würde, wird von der „National Review" entschieden in Abrede gestellt Die Zeitschrift erklärt vielmehr. -atz sie