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Wie Sem „Mattn" laut „B. T." aus Bordeaux gemeldet wird, sehe man in den nächsten Stunden bereits der Ankunft des amerikanischen Dampfers „Orleans" entgegen, der ebenso wie die „Rochester" ihre Reise nach Europa auf die persönliche Initiative der beiden Direktoren der Kerr Steamship Company unternommen habe.
Weitere Schiffsverluste.
Pariser Blätter melden aus Le Havre: Infolge dichten Nebels sind der englische Postdampfer „Northwestern Miller" (6504 B.-R.-T.) und der norwegische Dampfer „Snetoppen" gescheitert. Ferner wird die Versenkung des schwedischen Dampfers „Manningham" (1688 B.-R.-T.) und des französischen Schoners „St. Sauveur" (158 B.-R.-T.) gemeldet.
Beunruhigung in Frankreich.
Die Torpedierung des Dampfers „Athos" hat laut „Boss. Ztg." in Frankreich große Beunruhigung hervorgerufen. Der Kapitän starb, als er an die Küste gebracht war. Der amerikanische Missionar Haben, der bereits gerettet war, ertrank vei dem Versuch, zum Schiff zurückzukehre», «m den Schiffbrüchigen Hilfe zu leiste«.
; - Die Haltung Amerikas.
Der Kongreß wahrt seine Rechte.
Der Senat hat einstimmig eine vom Republikaner Fall eingebrachte Tagesordnung an die Kommission für auswärtige Angelegenheiten verwiesen. Durch diese Tagesordnung wird der Präsident ermächtigt, die Streitkräfte der Bereinigten Staaten zum Schutz von Handelsgütern «nd Leben der Bürger der Bereinigten Staaten zu verwenden. Der Senat wird über die Tagesordnung am Mittwoch abstimmen. „
Die Republikaner im Senat beschirmen laut „Frks. Ztg.", Wilson keine umfassenden Vollmachten zu bewilligen. Sie verlangen vielmehr, daß er den Kongreß befrage, bevor er ernste Schritte tue.
Die Korrespondenten der englischen Blatter m Amerika melden, daß in Washington die Hoffnung aus Erhaltung des Friedens abnehme. Worauf sich dieser Umschwung gründet, wird allerdings nicht gemeldet.
Folgen der russischen Verkehrsnöte.
r Güterstockung und Hungersnot.
Das Moskauer Blatt „Utro Rossis" veröffentlicht das Ergebnis der Inspektionsreise, die der Landwirtschaftsminister kürzlich zur Prüfung der Frage der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln durch, die verschiedenen Landesteste gemacht hat. Der Minister habe feststellen können, daß der Mangel an Organisation im Verkehrswesen die größten Schwierigkeiten für eine befriedigende Lösung der Frage Bildet. Zum Beispiel lägen auf verschiedene» Stationen des Gouvernements Tambour nicht weniger als neun Millionen Pud Getreide, im Gouvernement Samara sogar 18 Millionen Pud, die wegen Wagenmangels nicht weiterbeför- dert werden könnten. Eine Besserung der Verhältnisse sei in den nächsten Monaten nicht zu erwarten. Während an einigen Stellen des Reiches die Lebensmittel sich immer mehr anhäuften, leide die Bevölkerung im ganze« übrigen Reiche in steigendem Maße unter der Hungersnot, besonders in einer Reihe größerer Städte.
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Englands Furcht vor der Levensmittelnot.
Im Unterhause erklärte Runciman, wenn das Land den döeÄxnttrnW emiW^ werde großer Mangel eintreten, ehe die neue Ernte hereingebracht sei, und die Bevölkerung werde sich vielleicht einer viel weitergehen- den zwangsmäßigen Ratiomerung an unterwerfen haben. Runciman warnte davor, der Landwirtschaft zuviel Arbeitskräfte zu entziehen: sie seien notwendig und könnten nicht durch ungeschulte Kräfte ersetzt werden. Wenn die Landwirte 5 Millionen Quarters Weizen mehr produzieren können, so würde er ihnen nicht
Vergebliche französische Angriffe.
UM Höhe 185.
Die Franzosen haben durch abermalige Angriffe wiederum vergeblich versucht, die verlorengegangenen Stellungen auf Höhe 185 südlich Ripont suruckzuer- obern. Freitag früh begann die französische Artillerie, sich auf die neuen deutschen Stellungen in ihrer ganzen Ausdehnung nach Breite und Tiefe emzuschießen., Von Mittag an verstärkte sich das Feuer, das sich zwischen 3 und 6 Uhr abends zum stärksten Trommelfeuer steigerte. Um 6 Uhr 25 Minuten brachen die Franzosen gegen die neue deutsche Front zum Angrrff vor. Allein aus de« für zertrommelt gehaltenen deutschen Graben empfi«a sie wütendes Gewehr- und Maschinengeweyr- feuer, während ein Feuerriegel das Vordringen «o» Verstärkungen verhinderte. Unter schweren.Verlusten flutete« die französischen Angriffswelle« in ihre AuS- gangsgräben zurück. Um 10 Uhr abends versuchten die Franzosen einen zweiten Angriff. Nach kurzem Trommelfeuer brachen neue Sturmkolonnen vor. Allein ihr Ansturm brach teilweise schon m dem sofort einsetzenden deutschen Feuerwirbel zusaunnen, wahrend der Rest durch das Kleingewehrfeuer der Grabenbe- fatzuna blutig abgewiesen wurde. Noch in der Nacht Le lebhaftes Artilleriefeuer. Mit ihren wiederholten hartnäckigen Wiedereroberungsversuchen straft die französische Heeresleitung sich, selbst Lügen, die die von den Deutschen genommene Hohe 185 in ihrem amtlichen Bericht bekanntlich einen verlorengegangenen vor- ivrinaenden Winkel genannt hatte. — An der Ostfront sank die Kälte in der Nacht bis zu 38 Grad. Am Sereth toben Schneestürme.
Srlegsalleklel.
Rußland muß nette Opfer bringen.
Mit dem nunmehr veröffentlichten Mas des Zaren über die sofortige Einberufung der Achtzehnjährigen bat nach einer Stockholmer Meldung der „Bosf. Ztg." die westlicheKontrolitommission einen gewiß niaft zu unter- schätzenden Erfolg erzielt. «"Nußlaub s«AM^plötzlich die Weisung ausgegeben zu sein, Deutschland als gleichsam am Vorabend seiner großen Offensive stehend zu betrachten, und die russischen Berichterstatter in den neutralen Ländern ffchwuren „aus allerbester Quelle erfahren zu haben, daß die Mittelmächte eine Offensive großen Stils vorbereiteten. r Man ist sich aber noch nicht einig darüber, wem die Offensive gelten sollte.
Beschlagnahme der Butter in Frankreich.
Lyoner Blätter melden aus ParK da infolge der Festsetzung von Höchstpreisen für Butter diese fast ganz vom Markte verschwunden sei, beabsichtige die Regie- runa die Beschlagnahme aller Buttervorrate.
Schwere Explosion in französischen Munitionsfabriken.
Nach Schweizer Meldungen wird laut „Frankfurter Nachr." jetzt auf Umwegen aus Paris bekannt, daß. sich am 2. Februar in den ausgedehnten Munitionsfabriken von Rennes eine schreckliche Explosion ereignete, die das Lager mit 80000 Tonnen Munition vernichtete. Unter ^n^Trümmern fanden sich über 200 Tote und über 700
Der V«Wr zwischen Rußland und seinen Verbündeten liegt füll.
Aus Lemberg wird laut „B. L.-A." gemeldet, die polnische Presse berichtet, zwischen Rußland und den Ententeländern sei infolge des Ubosikrieges der Personen-, Brief- und Frachtverkehr vollständig eingestellt worden, wodurch die russische Handelswelt ungeheuren Schaden erleidet.
Ein portugiesisches Kanonenboot zerstört.
Wie die Agentur Havas aus Lourenco Marquez meldet, zerstörte eine Kesselexplosion das portugiesische Kanonenboot „Telo" auf dem Zambesi. Vier Personen wurden getötet, eine wird vermißt und sieben sind verwundet.
Amerika errichtet einen Generalstab.
Eine Kopenhagener Meldung aus Washington besagt laut „Nationalztg.": Nach einer Konferenz mit dem Präsidenten Wilson erklärte der Kriegsminister Baker, daß er dem Kongreß einen Gesetzvorschlag zur Errichtung eines amerikanischen Generalstabes einreichen werde.
Politische Rundschau.
Borträge beim Kaiser. Der Kaiser hörte am Sonnabend den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts, Exzellenz von Valentin), und den regelmäßigen Vortrag des Generalstabes.
Eine Zentralstelle für Kohlenveriorgnng. Eine Verordnung des Bundesrats vom 24. Februar ermächtigt den Reichskanzler, durch eine von ihm zu errichtende Stelle die im Deutschen Reiche vorhandenen Erzeugnisse der Steinkohlen- und Braunkohlenwerke (Steinkohlen, Braunkohlen, Briketts und Koks) für die Versorgung des Inlandes sowie für die Ausfuhr in Anspruch zu nehmen. Die Regelung soll den Handel keineswegs ausschalten, sondern lediglich ergänzend dort für rasche und ausreichende Bedarfsdeckung sorgen, wo diese kriegswirtschaftlich nötig ist und auf dem gewöhnlichen Wege nicht in genügendem Ausmaße oder nicht schnell genug erfolgen kann.
Im Zentralausschuß der Fortschrittliche« Volkspartei hielt Abgeordneter Dr. Müller-Meiningen eine Rede über das Thema „Es wird geschafft". In einer Entschließung des Ausschusses, die einstimmig angenommen wurde, wird der Laötagsfraktion Dank gesagt für die entschlossene Bekämpfung des Fideikommiß- entwurfes und der bestimmten Erwartung Ausdruck gegeben, daß die Entscheidung über die Fideikommißfrage der Zeit nach dem Kriege vorbehalten bleibe.
Batocki über das kommende Erntejahr.
Erfassung aller vorhandenen Lebensmittel.
Im Reichstagsausschuß zur Beratung der Ernährungsfragen verwies am Sonnabend Präsident Batocki auf die Notwendigkeit, den Wirtschaftsplan für das kommende Erntejahr so rechtzeitig festzustellen, daß alle Beteiligten sich danach einrichten können. Die Grundsätze des Plattes sollten spätestens bis 15. März veröffentlicht werden. Die Erfassung aller vorhandenen Lebensmittel sei eine Notwendigkeit. Er hoffe, daß alle Beteiligten hierfür volles Verständnis haben und die Rationierung willig hinnehmen würden. Ein Hauptaugenmerk sei auf die Bereitstellung von Frühgemüse und Frühobst zu richten, das durch die öffentliche Wirtschaft den Verbrauchern zuzuführen fei. Der Anbau von Frühkartoffeln, insbesondere im Rheinland und in Westfalen, solle nachdrücklichst gMrderl MerdM uaft). Re,öüenUM Bewirtschaftung der Kartoffeln ab 1. Juli erfolgen. Er müsse ferner erklären, daß eine Erhöhung des Weizen- und des Roggenpreises ohne gleichzeitige Herabsetzung der Rindvieh- und Schweinepreise unannehmbar sei. Eine Preiserhöhung für Brotgetreide sei bedingt durch die Lage des Weltmarktes und die Bedürfnisse der Produktion, die Herabsetzung der Viehpreise durch die Rücksicht auf die Verbraucher. Schließlich wäre auch möglich, trotz Erhöhung der Brotgetreidepreise den Brotpreis auf der gleichen Höhe zu halten. Dabei müßten aber die Gemernden mitwirken und sich noch dazu äußern. Bezüglich der Kartoffeln fei geplant, den Preis im ganzen Reiche und für das ganze Jahr auf 5 Mark den Zentner festzusetzen. Dabei solle unter Aufsicht der Reichskartoffelstelle den südlichen Bundesstaaten und dem Westen gestattet sein, bis zu 6 Mark zu gehen. Eine Erhöhung der Fleischration könne jedoch nicht mehr, wie früher in Aussicht gestellt, zugesagt werden. Eine Hauptsache sei Erhaltung der Milchkühe und Förderung der Milch- und Buttererzeugung.
Vermischtes.
Im Berliner Prozeß Schiffmann ist letzt endlich die Beweisaufnahme geschloffen worden. Sie hat sich vier Monate hingezogen und wies viele stürmische llucer- ürechugen durch Zusammenstöße des Angeklagten mit dem Gerichtshof auf, die in zahlreichen Fällen zur Aus- fchltetzung Schiffmanns von der Verhandlung führten. Montag beginnen die Plädoyers.
Ein schweres Stratzeubahnunglück hat sich am Sonntag im Rheinland ereignet. Wie der „Köln. Volksztg." berichtet wird, ist in Niederberg bei Ehrenbreitenstein ein Wagen der elektrischen Straßenbahn entgleist und eine mehrere Meter hohe Mauer herabgestürzt. Dabei 'ahrgüste mehr oder weniger schwer verletzt
Zwei von ihnen dürften kaum mit dem Seben
sind 20 F, . worden. Zwe. .... ..... ................_ . .
davonkommem Das Unglück wird auf Versagen der
Bremse zurückgeführt.
Kohlen stehe« in London. Im Hmbftck auf manche Unannehmlichkeiten in der Kohlenversorguna, welche wir in letzter Zeit durchgemacht haben, ist es beruhigend zu hören, daß auch die Engländer mit erheblichen Schwierigkeiten auf diesem Gebiete bekannt geworden sind. Die „Times" vom 12. Februar 1917 gibt ein recht anschauliches Bild, wie die Verhältnisse in London liegen. Sie spricht von einer tatsächlichen „Kohlenknapp- Heit in London", die darauf zurückzuführen sei, daß die Großhändler keine Leute für den Transport und die Lieferungen hätten. Das Kohlenstehen beschreibt die „Times" mit folgenden Worten: „Die Kohlen-Polonä- sen waren am Sonnabend so zahlreich wie zu irgendeiner' Zeit in der letzten Woche. Frauen und Kinder warteten stundenlang an einzelnen Stellen, um geringe Mengen von den Detaillisten zu bekommen. Sie kamen mit Karren, Handwagen, Kinderwagen, Säcken oder irgendwelchen Gegenständen, welche die wenigen Kohlen, welche man käuflich bekommen konnte, fasten konnten. Vermögendere Leute nahmen Droschken nach den Lagerhäusern und fuhren mit einigen Säcken Kohlen wieder fort." , c
Ei» einfaches Mittel, eingesessene Rohrstühle auf- zvfrische». Ein „eingesessener" Rohrstubl wurde in früheren Zeiten gewöhnlich bald zum Stuhlflechter geschickt — lediglich des unschönen Aussehens wegen. Denn ein neues Geflecht kam ja nicht allzu teuer. Jetzt ist es anders — das Rohr ist knapp, Arbeitskräfte sind knapp: darum, Hausfrauen, helft Euch selbst! Man hat über — wie eine praktische Leserin in der beliebten Wochenschrift „Dieß Blatt gehört der Hausfrau" schreibt — ein W einfaches Mittel, um dieses Uebel ohne Scha-
mit Karren, Handwo irgendwelchen Gegend len. welche man känfli
den für das Geflecht zu beseitigen. Das Rohr M um lauwarmem Wasser zu übergietzen: dann nimmt man gleich darauf recht heißes, möglichst kochendes Wäger, mit dem man das Geflecht oben und unten gut ab« wäscht. Daraus stellt man den von Wasser triefenden Sluyl in einen kühlen Raum oder gar ins Frere, aber immer so, daß das Geflecht einem ziemlich starken Luft- zyg ausgesetzt wird. Man. wird gut daran tun, den Stuhl umzulegen, damit der Wind von rechts und links an das Rohr herankann und nicht nur das Geflecht von oben bestreicht. Je höher man den Stuhl setzt, also zum Beispiel auf einen Tisch oder eine Bank, um so besser wird der Luftzug herankönnen. Das Geflecht hat, wenn das Rohr getrocknet ist, sich ganz bedeutend zusammengezogen, und die Rohrfläche ist wieder vollkommen stramm und tadellos. Es ist noch zu beobachten, daß man mit Stühlen, deren einzelne Rohrfäden unmittelbar vor dem Zerreißen stehen, solche Dta» nipulatton nicht mehr vornehmen darf, weil es sehr leicht geschieht, daß durch das „straffe Anspannen" des Rohres der reinen Widerstand mehr leistende Rohrfaden zerreißt. Man fehe sich daher vor dem Waschen die Stühle genau an.________________________________
Deutsche Stiegsgefangene in der
Gewalt non Senegal-Hegern.
Es häufen sich die amtlichen Feststellungen, daß die systematischen schamlosen Mißhandlungen deutscher Kriegsgesangerwr in Frankreich und seinen Kownien schon seir vielen Monaten und sogar auf Befehl höherer und höchster Kommandostellen fortgesetzt werden. Einen neuen Beweis dafür bieten die eidlichen Aussagen des aus französischer Gefangenschaft entkommenen Unteroffiziers St., der am 24. Oktober 1916 bei Ver- dun in die Hände von Senegal-Negern der Marokkanischen Division gefalln war.
Den deutschen Kriegsgefangenen wurde erklärt, diese Division habe das ausdrückliche Recht zur Plünderung der Gefangenen. „Die Neger nahmen uns," so gibt Unteroffizier St. an, „unter Duldung, ja sogar unter Mitwirkung der Vorgesetzten unser Geld, Uhren, Ringe und sämtliche Privat-Gebrauchsgegenstände ab. Ein betrunkener Senegal-Neger stach mit dem Bajonett nach mir, traf mich aber nicht. Fast alle Zteger waren betrunken, stanken wie die Pest und behandelten uns brutal."
Erst 1% Tage nach der Gefangennahme besamen öre Deutschen das erste Essen, und zwar für jeden Mann % trockenes Weißbrot. Zu trinken gab es nichts. Bis dahin hatten die Gefangenen in schwerem deutschen Artilleriefeuer französifche Verwundete aus der vordersten Linie tragen müssen. Auch späterhin mußten sie ausgesprochene Kriegsarbeit verrichten: Maschinengewehre, Ntunition und Essen in die vorderste Linie schaffen, Schanzarbeiten verrichten usw., und dies alles tu deutschem Artilleriefeuer. Verluste waren unausbleiblich. Infolge der rohen und gemeinen Behandlung und der völlig unzureichenden Verpflegung stürben zwei Mann an Entkräftung, ein Mann wurde wahnsinnig.
Da faßte Unteroffizier St. den festen EntMuß, unter allen Umständen aus dieser Hölle zu fließen. Und man kann es ihm nachempfinden, wenn er seinen erschütternden Bericht schließt mit den befreienden Worten: „Wir waren gerettet!"
MM beckms heideutülSL
_ O Deutschland hoch in Ehre«!
Am 11. November 1916 lag die Stellung der 7. Kompagnie Infanterie-Regiments 161 schon mehrere Stunden unter Trommelfeuer. Am Nachmittag gegen 2 Uhr steigerte es sich zu äußerster Hefttgkeit, und ein Angriff der Franzosen war mit Besttmmtheit zu erwar- ten. Die Verluste der Kompagnie waren dem Feuer entsprechend schon erheblich. Trotzdem ließen die Leute den Mut nicht sinken. Die Offizierstellvertreter Netz- band (2. Mafchinengewehr-Kompagnie) und Krumme (7. Kompagnie) gaben den Leuten das beste Beispiel. Als das Feuer immer heftiger wurde, stimmten die beiden Offizierstellvertreter das Lied „O Deutschland hoch in Ehren" an. Alle Leute rechts und links fielen begeistert mit ein. Mittlerweile stürmten die Franzosen an. Singend und stechend wurden sie empfangen und von den wenigen, die noch übriggeblieben waren, glänzend abgeschlagen. Die Stellung wurde restlos gehalten. Die beiden Offizierstellvertreter, von denen Netzbrand selbst das Maschinengewehr bis zu seiner tödlichen Verwundung bediente, besiegelten ihre Treue für das Vaterland mit dem Heldentode.
Eine schneidige Patrouille.
Schon mehrmals war die gegenüberliegende Walbstellung des Gegners das Ziel von Patrouillenunter- uehmungen gewesen. Die Freude war groß, als es wieoer eimnal hieß, es sollte an bestimmten Tagen nach vorheriger Beschießung der feindlichen Stellung in diese vorgestoßen werden, um möglichst Gefangene heraus- zubringen. Punkt 6 Uhr 30 Minuten nachmittags begann die Beschießung. Währenddessen saß die vorher aus 20 Freiwilligen bestimmte Patrouille mit ihrem Äußrer in Sappen und Unterständen und harrte aus den Zeitpunkt zum Hervorbrechen. Punkt 7 Uhr 35 Minuten gab der Führer seinen Leuten das Zeichen zum Vorgehen. Mit Ungestüm brach die Patrouille durch das zerstörte Drahthindernis, über Baumstämme und Aeste hinweg unter heftigem feindlichen Maschinengewehrfeuer in die teilweise stark zerstörte Stellung des Gegners ein. Plötzlich sah der Leutnant aus einem unbeschädigt gebliebenen gepanzerten Unterstand eine ganze Anzahl Franzosen bedächtig herauskriechen: sie wollten den Graben besetzen, um die Deutschen gehörig zu empfangen. Ein Wink, und schon waren sie umzingelt. Die Aufgabe der Patrouille war erfüllt. 8 Franzosen und eine Anzahl Beutestücke waren das Ergebnis.
Das feindliche Flugzeug zwischen den Kampfstellungen.
Am 1. Juli 1916 wurde ein englischer Doppeldecker mit zwei Motoren zwischen den deutschen und den feindlichen Linien jenseits der Somme zur Landung gezwungen. Der Gefreite Fritz Scholz von der 4. Kompagnie des 4. Obcrschlestfchen Infanterie-Regiments Nr. 63, Sohn des Fabrikaufsehers Wilhelm Scholz aus Sacrau, Kreis Oels, bemerkte das und faßte den Entschluß, Wer die Somme zu fahren und das feindliche Fttrgzeug zu vernichten. Schnell sprang er in einen kleinen Kahn und ruderte langsam und vorsichttg, um nicht vom Feinde bemerkt zu werden, über die Somme, die von der feindlichen Artillerie stark unter Feuer gehalten wurde. Glücklich erreichte er das jenseitige Ufer und schlich sich, meist auf dem Bauche kriechend, an das Flugzeug heran. Die beiden Insassen, zwei englische Offiziere, waren bereits tot. Scholz nahm den Höhenmesier, einen pbotographischen Apparat, den Tourenzähler und einen Offiziershelm mit, steckte das Flugzeug in Brand und machte sich dann auf den Ritckweg. Trotz starken Feuers kam er wieder glitcklich über die Summe. Der Gefreite Schulz ist bereits mit dem Eisernen Kreuz 2. Klaffe ausgezeichnet.