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KinSon wirö in der Hauptsache Sem Versag»« See Elfe«« »ahnverwattuüge« zugeschrieben und die Abstellung der Uebelstände als dringend notwendig gefordert. Auch wird das Volk zu großer Sparsamkeit ermähnt. Inzwi­schen haben sich die Kundgebungen gegen die Teuerung auch auf die Staaten im Innern des Landes ausge­dehnt. So fand beispielsweise am Mittwochabend ein Tumult in Philidelphia statt, der großen Umfang an- nahm. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, wobei ein Mann getötet und 14 andere, darunter zwei Polizisten schwer verwundet wurden. DieNew Jork Times" weist in einem Artikel auf die furchtbaren Ge­fahren hin, die für das Land erwachsen müroen, falls die Transportschwierigkeiten noch lange anhalten und keine zweckmäßigen Schritte seitens der Behörden in die Wege geleitet würden.

Ein vielsagender Aufruf der englischen Regierung.

Die englische Regierung läßt lautB. L.-A." in allen Zeitungen des Landes ein Jnferat erscheinen, in dem es heißt: Schiffe bringen das Hammel- und Ochsen- »und das Frühstücksbrot wird aus Getreide her- t, das in Schiffen nach England befördert wird. Ohne diese Nahrungsmittel müssen die Engländer ver- hungern. Die Deutschen bauen Uboote, um unsere Schiffe zu versenken. Sie hoffen den Krieg zu ge­winnen. Eine Nation ohne Nahrungsmittel kann nicht rümpfen und leben. Mehr Schiffe müssen gebaut, mehr Nahrungsmittel erzeugt werden. Jedermann zwischen 18 und 60 Jahren muß sich freiwillig melden für den nationalen Dienst. Wir können keine Zeit verlieren.

Hilfsdienstpslichtdebatten im Unterhause.

Die Regierung droht mit Zwangsmaßnahmen.

DerNieuwe Rotterdamsche Courant" Bringt eine ausführliche Meldung über die Debatte im Unterhause über die Hilfsdienstvorlage. Carson, der die Annahme der Vorlage empfahl, gab einen Ueberblick über die Maschinerie, wie Chamberlain sie zu bedienen gedenke. Es sei nicht der Wunsch der Regierung, alle mcht we­sentlichen Industrien zu gleicher Zeit ganz still zu legen. De Regierung beabsichtige durchzusetzen, daß nach einem gewissen Datum alle zwischen 17 und 60 Jahren alten Arbeiter in nicht wesentlichen Betrieben nicht mehr ohne besondere Genehmigung des Generaldirektors für den Hilfsdienst beschäftigt werden. Der Generaldirektor werde das Recht haben, die Arbeitgeber zur Bekannt­gabe aller Arbeiter zwischen 18 und 60 Jahren, die in ihren Betrieben seien, anzuhalten. Falls die Regierung zu dem Schluß komme, daß Bedarf an Arbeitskräften bestehe, den sie durch freiwillige Werbung nicht gewin­nen könne, so werde sie andere Mittel versuchen müssen.

Lload George zweifelt an -er wirksamen Bekämpfung -es Ubootkrieges:

toi London, 24. Februar. (WTB.) Lloyd George erklärte im Unterhause, der schlietzliche Erfolg der Sache der Alliierten Hänge von der Lösung -er Schiffsraum- schwierigkeiten ab. Nach allen Abzügen feien etwa nur die Hälfte der englischen Tonnage für die gewöhnlichen Erfordernisse verfügbar. Die Regierung Boise Mittel zu finden um dem Ubootkrieg wirksam,, entgegentreten zu sönnen. Sie würde sich aber einer sträflichen Torheit schuldig machen, wenn sie ihre Politik ohne weiteres auf der Annahme anfbante, daß sie Biese Hoffnung werde erfüllen können.

Die neue Schlacht am Tigris.

ÄÄSS ÄrtoW eine schwere M-d-r^ W°L»»Ä ÄS » Derlauf nicht ohne Bedeutung ist. Die Engländer hat­ten nach der Gefangennahme des Generals Townshend im vergangenen Winter am Tigris starke Kräfte zu­sammengezogen, um einen neuen Versuch zu unter­nehmen, auf Bagdad zu marschieren. Aus Aegypten, Indien und aus Großbritannien wurden alle verfüg­baren Kräfte zusammengezogen, 6a 6te Engländer den Sparer ibrer ersten Vorstöße vermelden und rechtzeitig

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Fehler ihrer ersten Vorstöße vermelden. und rechtzeitig mit der notwendigen Uebermacht vordrmgen wollten. Die englischen Berichte der letzten Tage hatten mehr- faä den Verlust der Fellahiestellung gemeldet. Lat- Mlich ist ihnen bisher reut Erfolg von irgend welcher ^^® W WtW Wien Weg günstig. Unterhalb von Kut el Amara halten ste hier die Hauptstellung von Ellsyn am Tigris, die von Kut el Amara ungesähr 10 Klm. entfernt ist. Weiter strom­abwärts befindet sich nun die türkische Vorstellung Ser Fellahieh am Tigris 20 Klm. von Ellsyn entfernt. Der linke türkische Flügel ist durch Ausbreitung der Sümpfe geschützt. 5 Klm. östlich von Fellahiemacht der Tigris einen Boden nach Süden. Die Engländer hatten nun den Plan gefaßt, die Türken, die auf dem südlichen Ufer des Tigris mit dem Fluß mr Rücken operieren, zu umfassen und zu vernichten. Die Türken aber zürn­ten rechtzeitig diese bedrohte Stellung, um dem Feind zuvorzukommen, gingen selbst zum umfassenden An­griff über und fügten ihm schwere Verluste zu. Mr als 1000 Mann lagen allein an Toten vor den türkischen Graben. Nachdem die Engländer anfänglich mehrere Teilerfolge erreicht und diese bereits als den Beginn eines großen Sieges gefeiert hatten, durch den öy§ tür- ki che Heer Bet Kut el Amara unbedingt zusammen- firpfhen wußte hatten sie jetzt einen sehr schweren Rückschlag erfahren, der nicht ohne Bedeutung ist. Die vaar Schützengräben, die sie vorher erbeutet hatten, waren rein örtliche Erfolge, die sie durch ihre Nieder- Lae wieder völlig einbiltzten. Fm.letzten englischen Be­richt wird mttgeteilt, daß die Engländer sich genötigt ge­sellen hatten, ihre Linien ein wenig bet Sannyat zu- rückzunehmen, um angeMch vor der Uebermacht der Türken auszuweichen. Tatsächlich befindet, sich aber die zahlenmäßige Uebermacht H ben Engländern und der türkische Waffenerfolg ist lediglich auf die Ueber- legenheit der Mannschaften lind Führung znrückzu- führen. Sannyat liegt zwischen Fellahieh und den aus­gebreiteten Sümpfen auf dem linken Tigris-Ufer. Die Stellungen der Türken bei Fellahie, konnten völlig ^^^Dieses ^Vorgehen der Engländer am Tigris steht im Zusammenhang mit den Formungen Lloyd Georges nach der Besitzergreifung von Mesopotamien. Um die­ser Forderung einen starken Rückhalt zu geben, wurden die starken Kräfte am Tigris zusammenaezogen. Das heißersehnte Ziel Bagdad Haben die Enchander immer noch nicht aus ihren Auaen verloren. Die bisherigen Ereignisse am Tigris haben den Englaudern aÜer be­wiesen, daß auch starke Kräfte noch nicht den Sieg ver­bürgen. Der Vormarsch auf Bagdad dürfte darum noch in sehr weiter Ferne liegen. (OKM.)

Sriegsallerlel.

SOjaBrigeB Milttärdienftjuviläuui Graf Bothmers.

Nach einer Meldung 6erTägl. Rundsch." aus Ptünchen hat Graf Felix von Bothmer, General der feLt^gi; ää«£

dienstiuvMttttt beg-mgott. Aus Stefettt Änlich ist Hm vom König von Bayern eine herzlich gehaltene Glück- wunschdraytung zugegangen und das Großkreuz des Luöwigordens verliehen worden.

Holländische Reeder rüste« z«r Ausfahrt nach Amerika.

Mehrere Rotteröamer Reeder verproviantieren ihre für Nordamerika bestimmten Dampfer und machen sie zur Abreise fertig. Die Schiffe werden höchstwahrschein­lich ihre Reise längs der neuen nördlichen Route über Halifax antreten.

DieRochester" im Sperrgebiet?

Der Pariser Vertreter der Schiffahrtsgesellschaft, der der auierikanische DampferRochester" gehört, er­klärt lautNationalztg." im KariserNewyork Herald", daß dieses am 10. Februar von Neuyork abgefahrene Schiff innerhalb der nächsten 48 Stunden das deutsche Sperrgebiet durchfahren werde.Rochester" ist ein Dampfer von 4050 Tonnen unter Führung des Kapi­täns Kokriz: unter der Besatzung sind Amerikaner. Es ist unwahrscheinlich, daß der DampferOrleans" ihn begleitet, da letzteres Schiff viel langsamer und klei­ner ist.

Politische Rundschau.

Die Errichtung einer Reichsstelle für Kohlenversor- gnng. Die Beschlußfassung im Bundesrat über die vom Reichskanzler in Aussicht genommene Errichtung einer Reichsstelle für Kohlenversorgung findet wie dieKöln. Ztg." aus Berlin meldet, bereits am Sonnabend oder spätestens am Montag statt. Dem Reichskommissar soll mit Zustimmung des Reichskanzlers das Recht zuste­hen, auf sämtliche im Deutschen Reich vorhandene Koh- lenvorräte zu greifen und diese dahin zu leiten, wo der Bedarf aus militärischen oder sonstigen Gründen am dringlichsten ist.

Ueber eine deutsch-russische Auuähernug führt Reichstagsabgeordneter Basiermann in der nächsten Nummer derLeipz. Jllust. Ztg." u. a. aus: Der deutsch-englische Gegensatz, verbunden mit dem unver­gänglichen Haß Frankreichs gegen uns, führt zu der Notwendigkeit, nach dem Kriege unsere Politik nach dem Osten zu orientieren. Bei geschickter deutscher Po­litik werde sich eine Annäherung zwischen Deutschland und Japan ermöglichen lassen. Andererseits wird Rußland durch diesen Krieg darüder belehrt werden, daß seine nach dem Westen gerichtete Politik einschließlich des Ziels der Eroberung Konstantinopels und der Meerengen eine Utopie ist, die sich selbst in diesem Kriege der Uebermacht gegen Deutschland nicht ver­wirklichen ließ. Wendet sich die russische Politik stärker der asiattschen Machtsphäre zu, so sieht alsbald der rus­sisch-englische Gegensatz wieder auf und damit die Mög­lichkeit, ja Notwendigkeit einer Neuorientierung der russischen Politik. Gelingt es uns, den Krieg, woran wir nicht zweifeln, siegreich zu beenden, dann wird allein eine deutsch-russische Annäherung die Welt dauernd von der englischen Welttyrannei befreien und die Freiheit der Meere bringen.

Auf dem ersten deutschen Kartoffeltage in Berlin, der unter außerordentlich starker Beteiligung aller an der Kartoffelerzeugung interessierten Kreise stattfand, wurde eine Entschließung gefaßt, in der, gefordert wird: Belastung genügender Mengen von eigenen Pflanz­kartoffeln in allen Kartoffelwirtschaften,' Sicherung des Saatwechsels und des Saatkartoffelbezuges durch Frei­gabe genügender Mengen von Kartoffeln für diese Zwecke: Sicherstellung der menschlichen Arbeitskräfte und zwar sowohl von Arbeitern wie von Aufsichtsbe­amten,' Freigabe genügender Futtermengen für das Zugvieh, besonders während der Frühjahrsbestellung,' Rechtzeitig bekanntgegebene lohnende Preise, die den Kartoffelbau die Konkurrenz mit Kohlrüben, Mohrrü­ben usw. aushalten lassen.

Vermischtes.

Acht Menschen in der Mosel ertrnnke«. Aus Kob­lenz meldet dieKöln. Ztg.": Nachdem erst vor eini­gen Wochen bei heilstem elf Menschen in der Mosel ertranken, hat sich am Freitag auf dieser wieder ein schweres Unglück ereignet. Die Fähre zwischen Alken und Cattenes wurde von noch übriggebliebenen star­ken Eisschollen so heftig angestoßen, daß sie insolgedes- feu sank. Dabei sind von zwölf Personen, die sich darin befanden, acht ertrunken: die anderen konnten geret­tet werden.

Schwerer Autounfall der rumänischen Königin. Russischen Blättern zufolge ist die Königin von Rumä­nien in Jassy bei einer AutouwAlfahrt zu einem Mi­litärlazarett schwer verunglückt. Als der Wagen eine sehr belebte Straße entlang fuhr, blieb plötzlich ein kleines Mädchen mitten auf dem Bahndamm stehen. Der Führer wollte ausweichen und Bremste, aber infolge eines Defektes versagte die Bremse, das Automobil fuhr mitten in einen Laden und blieb dort stehen. So­wohl die Königin wie der Wagenführer wurden durch Glassplitter nicht unerheblich verletzt und es heißt, daß die Königin auch noch innere Verletzungen erlitten hat.

Ein eigenartiger Gaunerstreich wurde im Kreise Bordesholm in Holstein mit Erfolg durchgeführt. In einem Dorfe erschienen eines Tages zwei Männer, die der Einwohnerschaft kund und zu wissen taten, daß sie alle wegen der drohenden Pockengefahr geimpft würden, und zwar sofort, natürlich auch gegen alsbaldige Bezah­lung in bar. Obgleich in dem Dorfe gerade die Dresch­maschine tätig war und es Arbeit in Hülle und Fülle, aber wenig Zeit zum Jnipfen gab, nutzte alles Wider­reden nichts. Skur ein Landwirt war dickköpfig. An ihm verdienten die Gauner nichts,' denn um solche handelte es sich. Er wollte, wie er erklärte, keine Pocken anae- impft haben. Die übrigen wurden natürlich auch nicht geimpft. Man tat nur so. Leider machten es die Dorf­bewohner Bet der Bezahlung nicht ebenso. Sie zahlten wirklich, und als der Schwindel endlich ans Tageslicht kam, da waren leider die Gauner schon über alle Berge, wahrscheirclich neuen Jmpfabenteuern entgegen.

Witze vom Tage. Aus dem Balkan. Die Rumänen haben wieder fürchterliche Keile aekrieat. Da brummt ein Engländer:Und da wundern sich die Deutsche», daß sie im Ausland so unbeliebt sind!" Zurückgegeben. Dommersrtschlerin:Man riecht ganz nach den Borsten­tieren, wenn man durch den Stall gegangen ist!"- Magd:Ja . . . und die Schwein' riechen nachher ganz nach Veilchen!" Unüberlegt. Vater der Braut:Für das Vermögen, welches ich meiner Tochter mtigebc, ha­ben Sie also gar nichts in, die Wagschale zu werfen: (ironisch) höchstens die Gedichtsannnlung, die Sie her­ausgegeben haben?" Bewerber (junger Dichter, eifrig): Ja, es ist aber noch die ganze Auflage davon vor» Handen^

Gesängen in Zrankreich.

Bizefeldwebel Blievernicht berichtet imB. L.-A." über seine Erlebnisse in französischer Kriegsgefangen­schaft u. a. folgendes:

Kaum waren wir einige Minuten gefangen, ver­wandte man uns Gefangene am 20. April 1916 zum In- Stellung-bringen von spanischen Reitern, Drahtver­hauen, zum Fortbringen von französischen verwunde­ten Soldaten aus den vordersten Stellungen. Und das unter dem härtesten Artilleriefeuer unserer Batterien und unter dem Eindrücke der drohend erhobenen Re­volver und Gewehre der französischen Bewachungstrup­pen. Von meinen Leuten sind allein bei diesen Arbei­ten 16 Mann verwundet oder gefallen. Dann brächte man uns tags darauf zum Divistonsstab, wo wir die schärfsten Verhöre zu bestehen hatten. Eine Verweige­rung der Aussage wurde jedesmal mit Erschießen be­droht. Na, wir haben ihnen so viel erzählt, daß ihnen der Kopf rauchte!

Vom Divistonsstab wurde angefragt, wer Angehö­riger von Minenwerfer- oder Flammenwerfertruppen sei. Einige Minuten daauf wurden vor unseren Au­gen zwei Flammenwerfer und ein Minenwerfer, die ahnungslos bei der Frage vorgetreten waren, kurzer­hand erschossen. Arme stameraoen!

Vom Stab gings nach Souilly. Souilly befand sich seinerzeit tm Feuerbereich unserer Artillerie und wurde tagtäglich heftig beschossen. Dort in Souilly befand sich das erste größere Lager. Ein großes Stück sumpfigen Wiesenlandes mit doppelter Drahtumzäunung unter dem Schutze von mehreren Maschinengewehren und kleinkalibrigen Geschützen. Die Durchschnittsstärke des Lagers bestand in 1500 Mann. Für 350 Mann waren französische Feldzelte vorhanden, der Rest mußte im Morast Tag und Nacht zubringen. Hier also in Souilly nahm man mir erst freundlichst Uhr, Geld, Brustbeutel, sämtliche Uniformknöpfe und Wickelgamaschen ab.Zur besseren Aufbewahrung in meinem eigensten Inter­esse", sagte man. So erging es Hunderten. In diesem Lager habe ich 42 Nächte im Morast schlafend zuge­bracht. Alle zwei Stunden mußte ich mir eine neue Stelle suchen, um nicht einzusinken und zu ersticken.

Die Verpflegung wurde für 600 Mann zubereitet, der Rest der Gefangenen erhielt nichts. Man gab täg­lich zweimal % Liter Essen, Reissuppe oder Bohnen­suppe. Als Aufnahmebehälter dienten unsere Feld­mützen, Eßgefätze wurden nicht geliefert. In der Zwi­schenzeit mußten wir immer noch im Artilleriebereiche die schwersten und härtesten Arbeiten verrichten. Eine sanitäre Fürsorge für Verwundete und Kranke war nicht am Platz. Beim Erscheinen des Arztes traten sämtliche Gefangene in zwei Gliedern an. Der Arzt schritt die Front ab, erklärte alle für gesund und ging nach Haus. Am 30. April fielen Bet einem solchen Ap­pell 14 Gefangene, teils verwundet, teils krank, vor Schwäche zu Boden. AlsMedizin" erhielten sie ein- wöchiges Strafexerzieren, täglich zweimal zwei Stun­den,' Sandsack 20 Kilogramm. Drei Kameraden von diesen gruben wir tags darauf ein kühles Grab. Sie haben ausgelitten! Große Gefahr drohte uns vor un­seren eigenen Leuten, die an Wahnsinn erkrankt wa­ren und frei tm Lager unter dem Hohn und Spott der Franzosen herumliefen.

Die schrecklichste Zeit' verlebte ich unter der mittel­alterlichen Tyrannenherrschaft im Fort Asmeres Bei Dyon. Abgesehen von der schmählichsten persönlichen Lehg-Wimig bttseten sie--dortigen französischen Offi­ziere, geführt von ihrem würdigen Kommandanten Marquis de Perthuis, eine wahreErwerbsgenossen­schaft". Wegen Mangels an Proviantämtern erhallen die französischen Vorsteher von Gefangenenlagern die Verpflegungsrationen für die Gefangenen nicht in Form von Rationen, sondern in barem Geld. Daß da­bei der größte Betrug und die krassesten Schwindel­manöver herauskamen, erhellt wohl von selbst. M3 Küchenfeldwebel war ich 2% Monate in der deutschen Küche tätig. Beim Empfang der Fleischportionen war stets meine erste Aufgabe, große Stücke buchstäblich ver­faulten Fleisches herauszuschälen, um wenigstens einen kleinen Rest zu retten. In den letzten Tagen des Ok­tobers wurden wegen Kohlenmangels der deutschen Küche keine Kohlen mehr geliefert. Mein Küchenkoch, mein lieber Zinöler, ging im Fort auf die Jagd nach einigem Holz. Als er endlich einige alte, völlig un­brauchbare Reisigbesen zum Feuern gefunden hatte, wurde er wegen Diebstahls zu 15 Tagen Gefängnis bestraft!

Bei der Ankunft von frifcBen Kriegsgefangenen von der Front standen mir jedesmal bittere Tränen in den Augen. Mit Stockhieben trieb man die an, die nicht mehr weiter konnten. Das erste war natürlich das Av- nehmen von allen Wertsachen, die nicht schon vorher ab­genommen waren. Zerfetzt nnd zerlumpt kamen öte Armen an. Vor altem waren die Bayern schwer zu- gerichtet. Besonders gedenke ich eines bayerischen Feld­webels Günther, der buchstäblich im Hemd ankam. Die wenigsten hatten noch Fußbekleidung, Röcke waren eine Seltenheit. Die große Masse hatte Sackleinen oder Zelt­bahnen um die Schultern geschlungen. Stteren Blickes hoffnungslos stehen sie da unsere Kameraden! So mancher, der im Augenblick der Gefangenschaft sich mit dem Gefühl desGeborgenseins vor dem Kriege" ge­tröstet haben mochte, läge gern unter kühler Erde oder stände mit Freuden im ärgsten Granatfeuer.

Unter diesen Verhältnissen habe ich acht Monat« ein trauriges Dasein gefristet und mich 37 Tage tm Fortgefängnis wegen geringfügiger Vergehen aufgehal­ten. Ein Mensch, der geistig und moralisch nicht zum Tikr heruntersinken will, muß gewaltsam diesem Da­sein ein Ende machen. Ich habe mich selbst befreit. Ein seit August bis ins kleinste durchdachter Fluchtplan ist am 1. WeiHuachtsfeiertage 1916 zur Ausführung ge­langt. Nach elftägiger Flucht unter unsäglichen Leiden bin ich nach Deutschland zurückgekehrt.

Weitere Drahtnachrichten.

Neue Versenkte.

tat, London, 24. Februar. (WTB.) Lloyds mel­det, daß der englische DampferBelgien" 4588 Tonnen versenkt worden ist. Ebenso wurde der englische Dam­pferWathfield" und die englische BarkJnvercaulü" 1416 Bruttoregistertonnen versenkt.

Portoerhöhung in den nordischen Staaten.

to Kopenhagen, 24. Februar. (WTB.) SBU Extrabladet" aus Stockholm meldet, ist in den drei nordischen Staaten in nächster Zeit eine Portoerhöhung zu erwarten. Wie das Blatt meldet, soll die Erhöhung für Briefe 1 bis 2 Oere und 5 für Postanweisungen Betragen. In Norwegen fei eine große Erhöhung zu erwarten, u. a. soll der lokale Portotarif aufgehoben werden.

Außerordentliche Tagung des amerikanische« Senats.

Washington, 24. Februar. (WTB) Amtlich wird mitgeteilt, Wilson habe sich dahin entschieden, den Senat zu einer außerordentlichen Tagung susauunem