laugt nu „Petit Parisicu" neben beu visycrigen Abwehr- mittelu die Ausgestaltung des Seeflugzeugdienstes, die Begleitung aller Handelsschiffe mit Kriegsschiffen nnd die Aussetzung hoher Prämien.
Laut „B. L.-A." wird dem „Nieuwe Rotterö. Cour." aus London berichtet, daß die Verschärfung des Uboot- krieges zur Folge hat, daß von verschiedenen Seiten wieder gefordert wird, daß Lord Fisher zum ersten Seelord ernannt werde.
Die englische Regierung verweigert nähere Auskünfte über die Versenkungen.
Auf die Frage des Abgeordneten Holt, ob gewisse Abgänge engsischer Schiffe als Opfer der Uboote zu betrachten seien, erklärte laut „Dtsch. Tgztg." Mc Namara im Unterhause, daß es von der Regierung unpolitisch wäre, mitzuteilen, wie viel und was für Schiffe versenkt worden seien, da solche Berichte dem Feinde nützlich wären. Der Minister erklärte daß nur die Reeder und Lloyds von den Versenkungen vertraulich benachrichtigt würden. Weitere Auskünfte über die Versenkungen verweigerte der Minister hartnäckig.
Bewaffnete amerikanische Handelsschiffe.
„Daily Telegraph" meldet aus Washington: Maßregeln wurden getroffen, um 200 amerikanische Handelsschiffe zu bewaffnen. Ueber die Art der Bewaffnung verlautet nichts. Doch sollen Kanonen auf den Vorder-, Hinter- und Mittelschiffen aufgestellt und durch geübte Kanoniere bedient werden.
*
Die neueste Liste der Versenkten.
Die englischen Dampfer „Bades" (2233 Br.-Reg.- To.) und „Rochestershire" (7175 Br.-Reg.-To.) sind nach einer Lloydsmeldung von deutschen Unterseebooten versenkt worden. Ferner werden als versenkt gemeldet die holländischen Dampfer „Ootmarsum" (2313 Br.-Reg.-To.) und „Trompenberg" (1608 Br.-Reg.- To.). Die beiden Schiffe waren mit englischen Kohlen- ladungen von England nach Las Palmas unterwegs.
In Christiania wurden als versenkt gemeldet die Dampfer „Thorgny" aus Christiania (734 Br.-Reg.- To.), „Dal Beattic" aus Kragerö (1327 Br.-Reg.-To. , „Rutenfjell" aus Christiania (1744 Br.-Reg.-To.), „Cabo" -----------— ~ '
........ - , . (1254 Br.-Reg.-To.) und „Juno" (2416 Br.-3teg.-To.). — Lloyds melden, daß die englischen Segler „Terre", „Neuve Mayola" und „Dorovhy" versenkt wurden.
Wie der Ubootkrieg auf die französischen
Frontsoldaten wirkt
darüber weiß der Kriegsberichterstatter der „Dtsch.
Tgztg." einiges zu berichten. Die Mehrzahl der in den Kämpfen der letzten Tage vor Verdun eingebrachten französischen Gefangenen steht, so schreibt er, in bemerkenswerter Weise unter dem Eindruck der deutschen Ubootkriegerklärung. Die Gefangenen gaben in auffallendem Maße ihrer Freude darüber, in unsere Hand gefallen zu sein, Ausdruck. Franzosen, die sich Sturmtrupps ergeben hatten, ohne daß diese Zeit gehabt hätten, sie zurückzubringen, ließen sich die Richtung zeigen, und liefen spornstreichs bis zu den Stabsquartieren, um sich zu melden. Unterwegs lehnten sie jedes Angebot, sie zu begleiten, ab, und riefen: „Nein, nein, wir laufen nicht weg. Wir sind froh, daß wir hier sind!" Sie äußerten: „Wir glauben a« keinen Endsieg mehr. Kein einziger von uns glaubt daran!" — „Aber eure Offiziere?" — „Sie glauben es auch nicht und sagen es auch nicht mehr." — „Wer glaubt denn noch Lei euch an die Besiegung Deutschlands?"
Antwort: „Die Regierung." — „Und eure neue große Offensive?" — „Die wird ausgehen wie alle früheren oder schlimmer. Denn früher hätte uns England helfen können: aber was soll jetzt aus uns werden, wo England nicht mehr helfen kann, selbst wenn es endlich ernsthaft wollte! Viel französisches Blut wird die neue Offensive kosten, wenn sie kommt. Das wird alles sein! Auch au die Aushungerung Deutschlands glaubt keiner der Gefangenen mehr. Denn sicherlich würde Hindenburg zuerst die Millionen Franzosen im besetzten Ost- und Nordfrankreich verhungern lassen, ehe er den ersten von seinen deutschen Landsleuten Hungers sterben ließe." Den Hinweis auf Amerika beantworteten die französischen Soldaten nur mit einem Lachen: „Die Vereinigten Staaten sind ja nicht einmal mit Mexiko fertig geworden!" Diese französischen Gefangenen waren durchweg ältere Männer meist aus
Paris und Umgebung.
Mexiko macht der Union große Sorge.
Einer Amsterdamer T. U.-Drahtung zufolge meldet die „Times" aus Washington: Zuverlässige Berichte aus Mexiko lassen erkennen, daß dort die Zustände täglich ernster werden. Während Villa im Norden immer schwere Unruhen stiftet, hat Felix Diaz, ein Neffe des früheren Präsidenten, im Süden eine Revolution angezettelt. Aus allen Landesteilen kommen beunruhigende Meldungen. Carranza beabsichtigt, ein Gesetz durchzudrücken, durch das aller fremde Besitz beschlagnahmt und enteignet werden kann. Fremde sollen ohne Unterbrechung über die Grenze transportiert werden dürfen. Für alle Petroleumdistrikte uniis- fen neue Konzessionen eingeholt werden. Es heißt, WUson werde gegen dieses Gesetz protestieren: eine Intervention Amerikas dürfte aber kaum erfolgen. Der ganze Zustand mache, wie der Korrespondent hinzu- fügt, fol&n Amerikanern, die weiter seyen als ihre eigene Nasd, sehr große Sorgen.
fitlegsnßetleL
Gerard von Poincaree empfangen.
Der frühere amerikanische Botschafter in Berlin, Gerard, ist Montag nachmittag in Paris vom Präsidenten Poincaree empfangen worden. Dienstag abend wollte er nach Spanien abreisen.
Roosevelt will mit einem Armeekorps antreten.
Die „New York World" erfährt aus zuverlässiger . .... --^-^salle mit einem Armee- fe kommen wird.
Quell«, daß Roosevelt im Kriegs' korps den Verbündeten zu Hilfe
Erhöhung des Dieustalters in England?
Zu der von einer Anzahl englischer Blätter vor- geschlagenen Maßregel, das Militardienstalter auf 50 Jahre zu erhöhen, schreibt die „Daily News" es würden nicht soviel Männer in den Schützengräben, als auf dem Lande in Schiffswerften und in den Maschi
nenfabriken gebraucht.
Die systematische Mißhandlung deutscher Kriegs
gefangener.
Wie die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, bestätigen die amtlichen Feststellungen, daß die systematische schrankenlose Mißhandlung deutscher Kriegsgefangener in Frankreich und in den Kolonien schon seit vielen Monaten und sogar auf Befehl höherer und höchster Kourmandostellen fortgesetzt werden. Es lägen neue eidliche Aussagen eines aus französischer Gefangenschaft
Derdun tn die Httnde von Denegalnegern der marokkanischen Division gefallen war. Den deutschen Gefangenen wurde erklärt, diese Division habe das ausdrückliche Recht zum Plündern der Gefangenen. Erst anderthalb Tage nach der Gefangennahme bekamen die Deutschen das erste Essen und zwar für jeden Mann % Brot.
Die Amerikaner lassen sich Zeit mit der Anwerbung.
In Neuyork soll sich nach dem „B. L.-A." bisher keineswegs ein fieberhafter Eifer zeigen, sich bei Armee und Flotte anwerben zu lassen. Trotz lebhafter öffentlicher Aufrufe hätten sich in vergangener Woche im Bezirk von Neuyork nur 22 Mann gemeldet.
*
Wegen der von England angekündigten Beschränkung der Einfuhr ist die italienische Presse laut „B. L.- A." sehr beunruhigt. Der „Corriere della Sera" hofft, daß das Interesse der Verbündeten nicht geschädigt werde.
Nach verschiedenen Blättern soll der Neuyorker Hafen mit dichten Netzen versehen worden sein, die nachts in das Wasser versenkt werden sollen.
Nach russischen Blättermeldungen ist die Lebensmittelnot in Rußland auf dem kritischsten Punkt angelangt.
Nach Meldungen aus Irland ist dort infolge des anhaltenden Mangels die Unzufriedenheit der Bevölkerung so gestiegen, daß Plünderungen der Lebensmittelgeschäfte an der Tagesordnung sind.
Der „Nieuwe Rotterd. Cour." meldet, daß täglich Menschen in Griechenland aus Mangel an Nahrungsmitteln sterben. Die Blockade wird unverändert aufrechterhalten.
Die portugiesische Regierung ist zurilckgetreten. Der Präsident hat den Rücktrsit angenommen.
Französische Bestien.
Die „Nordd. Allg. Ztg." gibt einen Fall bekannt, in dem in viehischer Weise gegen wehrlose gefangene Deutsche vorgegangen worden ist. In einer Zusatzbemerkung findet sich die sehnlichst erwartete Ankündigung, wir oei den bisherigen, gänzlich wirkungslos gebliebenen Vergeltungsmatzregeln nicht Halt machen werden. Diese Bemerkung lautet: Von einer Armee, die auf der sittlichen Höhe steht wie die deutsche und in solch festgefügter Disziplin ist, kann man unmöglich verlangen, datz sie nach dem Grundsatz „Auge um Äuge, Zahn um Zahn" wehrlose französische Gefangene ebenso behandelt. Dagegen müssen Vorkommnisse dieser Art uns in dem Willen bestärken, Vergeltungsmatzregeln, soweit sie nach unserem Empfinden anwendbar sind, mit straffer Hand und so scharf wie nur möglich durchzuführen, bamit der erwünschte Erfolg erreicht wird. Die französischen Kriegsgefangenen, die darunter zu leiden haben, wie z. B. die jetzt in der Armeezone arbeitenden, mögen sich bei chren schuldigen Kameraden, insbesondere diesen Offizieren, bedanken.
Der Fall felbst, der dem Regierungsblatt Anlatz zu dieser Ankündigung gibt, Wer deren Ausführung wir wohl bald Nähers hören werden, zeigt
einen französischen Obersten als Mörder wehrloser Gefangener.
Aus französischer Gefangenschaft sind kürzlich Krankenträger nach Deutschland zurückgekehrt und haben unter Eid übereinstimmende Angaben über zwei Vorfälle während der Champagne-Schlacht (Herbst 1915) gemacht, die in geradezu erschreckender Weise zeigen, l datz auch in dem französischen Ossizier- und Unterossi- i , *iemoa oft nicht Menschen sondern Bestien stecken. Wie- dergegeben wird die Äussage eines Zeugen: er berichtet zunächst von der Erstürmung seines GrWens durch die Franzosen und fährt fort:
Plötzlich kam ein französischer Korporal der Jnfan- fanterie in Begleitung eines Gefreiten. Er sah die Löcher des Grabens und wetterte andauernd drauf los: „Die deutsche Schwobe werden heut alle kaput gemacht, heute kommen wir durch, wir haben viele Divisionen noch hinten." Er kam mit dem Revolver auf uns zu und fragte, was wir für Landsleute seien. Ich rief sofort: „Pardon, wir sind Krankenträger." Darauf sagte er: „Gut, da habt ihr Glück, sonst würdet chr auch kaput gemacht." Der Korporal hieß uns dann mit ihm nach hinten zur Division zu gehen. Da gerade ein verwundeter deutscher Husar in der Nähe lag, bat ich, diesen noch verbinden zu dürfen. Der Husar gehörte zu einer Schwadron, die als Verstärkung unserer Kompagnie in unseren Graben eingerückt war. Er war an der Hüfte schwer verwundet, die Gedärme hingen heraus. Auf meine Bitte, ihn verbinden zu dürfen, sagte der Korporal: „Es wird nichts verbunden, es tmro alles kaput gemacht." Zu dem Husaren gewendet, fragte er, halb Deutsch, halb Französisch sprechend: „Was bist Du für ein Landsmann?" Der Husar, der schon am Sterben war, hörte die Frage noch und antwortet, er sei von H..... Darauf sagte der Korporal: „So, Du bist auch so ein Dreckschwobl", zog sein Dolchmesser heraus und schnitt dem Husar von vorn die Kehle durch. Der Husar war dann sofort tot ....
Der Zeuge erzählt dann weiter:... „Alsdann folgten wir dem Korporal zum Regimentskommandeur. Als dieser uns sah, rief er dem Korporal zu, er solle uns ins freie Feld laufen lassen und uns zusammen- schießen. Der Korporal bat hierauf, uns schonen zu dürfen, da wir schon einen französischen Verwundeten verbunden hätten und Krankenträger seien. Der Oberst schickte uns dann weg und rief uns noch „bordes" nach. Das Regiment hatte eine Nummer zwischen 200 und 300.
Wir gingen dann weiter mit dem französischen Korporal. Em deutscher Verwundetr, ein ganz junger Infanterist, sollte sich uns anschließen: er hatte eine Verletzung an der Hand und konnte nicht so schnell wie wir aus dem Graben heraus und dem Korporal folgen. Als der Oberst dies sah, rief er dem Korporal zu, er solle ihn zusammenschießen. Der Korporal schoß hierauf auf etwa 5 Meter Entfernung von hinten auf den jungen Infanteristen, so daß dieser sofort umfiel. In diesem Augenblick kam ein französischer Infanterist hinzu: als er sah, daß der deutsche Infanterist noch nicht toi war, drückte er die Mündung seines Gewehrs ganz nahe an den Kopf des Deutschen heran und gab einen Schuß ab. Sofort war der Kopf des Deutschen zerschmettert."
Politische Rundschau.
Der deutsche Reichstag tritt am 22. Februar wieder zusammen. Bereits in der ersten Sitzung wird der „Post" zufolge nach der Eröffnungsansprache des Präsidenten Dr. Kaempf eine Erklärung des Reichskanzlers über die Lage erwartet
Ueber Lebens«,ittelfragen sagte in der Dienstagssitzung der verstärkten Staatshausbaltskommisston der preußische Landwirtschaftsminister u. a.: Wenn auch die Herabsetzung der Viehpreise im Hinblick auf den Futtermangel naheliegend sei, so sei doch zu bcrucksich- tigen, daß die nächste Folge hiervon Mangel an Fleisch und Dünger sein werde, wodurch wiederum eine Verschlechterung der Ernten und schließlich ein Rückgang
Mk MUch- und ButtererzeMMlü verursacht werden
würde. Der Bezug genügender Mengen von Saatkar» toffeln wäre leider schwierig, doch sei die Beschaffung von Saatgutkartoffeln selbst auf Kosten des Konsums mit Rücksicht auf die Zukunft unbedingt notwendig. Die Anbaufläche der Zuckerrüben habe seit 1913 einen Rückgang erlitten. Es sei deshalb eine Erhöhung des Preises der Zuckerrüben um 50 Pfennig zu erwägen. Die direkten Warenbezüge zwischen Land und Stadt könne er nur empfehlen. Er erkenne an, daß das Verbot der Verfütterung von Steckrüben aufgehoben werden müsse.
Die deutsche Gesellschaft für Bevölkerungspolitik hat an das Reichsschatzamt, den Reichstag, den preußischen Landtag und die Regierungen aller Bundesstaa- ten und freien Städte Eingaben gerichtet, in denen auf die Notwendigkeit einer tatkräftigen Bevölkerungspo- litik hingewiesen wird. Es wird beantragt, allen mit Kindern gesegneten Beamten, Angestellten, Staatsarbeitern, Geistlichen und Lehrern laufende Teuerungszulagen zu gewähren, die lediglich nach der Zahl der Kinder abgestuft werden.
Vermischtes.
Austern als Kohlenersatz. Da die Franzosen sich unablässig mit der Entdeckung eines Kohlenersatzes beschäftigen, werden in jüngster Seit die merkwürdigsten Vorschläge laut. Eine Pariserin hatte nunmehr die Entdeckung gemacht, daß die Austernschalen ganz wunderbar in den Oefen brennen und viel mehr Wärme spenden als z. B. ein Holzfeuer. Daher sei allen Parisern zu raten, an Stelle der nicht vorhandenen Kohlen Austernschalen zu verwenden . . . Bei diesem Vorschlag ist nur die Kleinigkeit vergessen, daß man vorher die Austern taufen muß, was mit den Vorschriften der Kriegsersparnis wohl kaum in Einklang gebracht werden könnte.
Die Todesfahrt der rumänischen Flüchtlinge. Ueber die Eisenbahnkatastrophe bei Chirurcha in Nordrumänien, bei der, wie berichtet, gegen 2000 rumänische Flüchtlinge verunglückten und allein 500 Personen auf der Stelle tot waren, bringt die „Rußkoje Slowo" aus Kiew nähere Einzelheiten. Danach erklärt sich die gewaltige Zahl der Opfer dadurch, daß sämtliche Wagen unmittelbar nach der Entgleisung in Flammen standen. Unter den Fahrgästen brach infolgedessen eine unbeschreibliche Panik aus. An Fenstern und Türen der Waggons spielten sich entsetzliche Szenen ab. „Väter und Mütter drängten ihre Kinder beiseite, um sich selbst zu retten. Männer stießen ihre Frauen ins Feuer. Frauen und Männer bissen und kratzten einander. Andere verloren vor Schrecken und Angst den Verstand und stürzten sich in die brennenden Wagen ober ließen sich von den explodierenden Geschossen töten." Es gehört schon russische Leichtfertigkeit dazu, um in einen unerfüllten Flüchtlingszug auch noch Munition verladen zu lassen.
Witze vom Tage. Trost. „Mensch, Dummkopf, das Mädel kann nicht kochen, und da grämst Du Dich, daß sie Dir einen Korb gegeben hat? Besser ’ne unglückliche Liebe als ’n chronischer Magenkatarrh!" — Im Eisenbahnkupee. „Du, gleich wird Deine Reisetasche der jungen Dame da am Fenster auf den Kopf fallen!" — „Wenn schon! Ich möchte ja gerne mit ihr anbändeln und weiß nicht, wie ich sie ins Gespräch ziehen soll . . das wäre so ein famoser Anknüpfungspunkt!" — Geeignet. „Wem können wir wohl den Gefangenentrans-
Die wahre Haltung Belgiens.
Neue interessante Dokumente.
Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt als Antwort auf die durch Funkspruch vom Eiselturm verbreiteten Erklärungen Camille Huysmans, nach denen die belgische Regierung ihren Neutralitätspflichten loyal und ehrlich nachgekommen sei, neue Belege für die wahre Haltung Belgiens. Sie weist auf den schon früher veröffentlichten Bericht des Barons Greindl vom Dezember 1911 hin, der die Drohung einer französisch-englischen Invasion, um Belgien mit sich fortzureitzen, betont und die ebenso perfiden wie naiven Erklärungen des Obersten Berna- öiston zurzeit des Abschlusses der enteilte cordiale als Fingerzeig für Englands und Frankreichs Absichten. Danach sollten englische Truppen, etwa 100 000 Mann, zwei Armeekorps, vier Kavalleriebrigaden und zwei Brigaden berittener Infanterie, an der französischen Küste landen und der belgische Generalstabschef wurde gebeten, „die Frage des Transportes dieser Streitkräfte nach demjenigen Landesteil zu studieren, wo sie nützlich sein könnten." Zu welchem Zweck er eine genaue Aufstellung der Landungsarmee erhalten sollte. Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht nunmehr militärische englische und belgische Aktenstücke aus den Akten des belgischen Generalstabes in Brüssel nebst Uebersetzung. Das sind eine Aufstellung Wer die Kriegsstärke der vorerwähnten Landungsarmee und der Pläne ihrer Landung in Calais, Boulogne und Cherbourg. Diese beiden Schriftstücke stammen offensichtlich aus dem englischen Generalstab. Tann folgen die Ausarbeitungen des belgischen Generalstabes für die Eisenbahnfahrt der englischen Truppen durch Belgien auf vier Eisenbahnlinien, und zwar gleich für zwei Aufmarschpläne. Beide Plane tragen die Bezeichnung :Herrn Bernadiston mitgeteilt (Ende März).
Nach diesem Material ist kein Schatten eines Zweifels möglich, daß Belgien sich 1906 in die Hände der Entente begab, deren Charakter als Offensivbündnis gegen Deutschland dadurch aufs schärfste beleuchtet wird, daß sie sich sofort Belgiens als unentbehrliches Werkzeug für den kommender: Angriffskrieg gegen Deutschland sichert. Angesichts dieser Tatsachen wird, so schließt die „Nordd. Allg. Ztg.", die belgische Regierung den Nachweis nicht zu erbringen vermögen, daß Belgien, wie in ihrer Note vom 10. Januar behauptet wird, allen Nachbarn gegenüber „mit peinlicher Loyalität die Pflich- ten betätigt habe, die ihm die Neutralität auferlegte".
Weitere Drahtnachrichten.
Eine neue Milliardenkrcditvorlage.
Berlin, 21. Februar. (WTB.) Außer dem Etat für das Rechnungsjahr 1917 sind dem Reichstage noch folgende Gesetzentwürfe zugegangen: 1. Nachtrag zum Neichshausbaltsetat 1916, wonach zur Bestreitung ein* maliger außerordentlicher Ausgaben 15 Milliarde« im Wege des Kredits flüssig gemacht werden dürfen. 2. ein Gesetzentwurf, wonach auf Grund des Kriegsfieuerge- setzes zugunsten des Reiches 20 Prozent Zuschlag zu der außerordentlichen Kriegsabgabe erhoben werden soll. 3. ein hiermit in Verbindung stehendes Sicher* Heitsgesetz. 4. ein Gesetzentwurf über eine weitere Kriegsabgabe der Reichsbank von 100 Millionen Mark, 5. ein Gesetzentwurf über den Haushalt für die Schutzgebiete, wotrach für sie die Bestimmungen des Etats für 1614 auch für 1917 maßgebend sind.