Hersfelder Tageblatt
für bot Kreis Hersfeld
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Nr. 43. ‘»"X1*“ Mittwoch, den 21. Februar
Der AnzSigsnprsiS beträgt M die MMVge Zekke lv IRatwig, im ' amtlichen TÄL 28 Pfennig, Riemen die^Me WPtz. Bei M»M | holMgen wird Rabatt gewährt. Erscheint leben Werktag »"^—Wut*
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1917
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung
Nr. W. III. 4700/12. 16. K. R. A„
betreffend Höchstpreise für Spinnpapier aller
Art sowie für einfache, gezwirnte oder geschnürte Papiergarne, welche mit anderen
Faserstoffen nicht vermischt sind.
Vom 20. Februar 1917.
Die nachstehende Bekanntmachung wird auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 in Verbindung mit dem Gesetz vom 11. Dezember 1915 (ReichS-Gesetzbl. S. 813) — in Bayern auf Grund des Bayerischen Gesetzes über den Kriegszustand vom S. November 1912 in Verbindung mit dem Gesetz vom 4. Dezember 1915 und der Allerhöchsten Verordnung vom 31. Juli 1914 — deS Gesetzes, betreffend Höchstpreise vom 4. August 1914 (ReichS-Gesetzbl. G. 3.39) in der Fassung vom 17. Dezember 1914 (ReichS-Gesetzbl. S. 816) in Verbindung mit den Bekanntmachungen über Sie Aenderung diese» GesetzeS vom 21. Januar 1915, 23. September 1915 und 23. März 1916 (ReichS-Gesetzbl. 1915 S. 25, 603 und 1916 S. 183) zur allgemeinen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken, daß Zuwiderhandlungen gemäß den in der Anmerkung*) abgedruckten Bestimmungen bestraft werden, sofern nicht nach hen allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen angedroht sind. Auch kann der Betrieb deS HandelSgewerbes gemäß der Bekanntmachung zur Fernhaltung unzuverlässiger Personen vom Handel vom 23. September" 1915 «■ÄÄjiigjilj*^
Es dürfen nicht übersteigen die Preise
a) für Spinnpapier die in der Preistafel I (Spinn- papierhöchstpreise)**)
I) für einfache, gezwirnte oder geschnürte Papiergarne, welche mit anderen Faserstoffen nicht vermischt sind, die in der Preistafel H (Papiergarn- Höchstpreise) genannten Sätze.**).
§ 2.
1. Die Höchstpreise für Spinnpapier verstehen sich auf Grund eines Feuchtigkeitsgehaltes des Papiers von 6 bis 8 vom Hundert des absoluten Trockengewichtes, einschließlich Hülsen und Verpackung in Packpapier, ab Fabrik oder Lagerstelle deS Verkäufers, netto Kaff» mit einem Ziel von 14 Tagen ab Versand. Innerhalb 3 Monate — gerechnet vom Tage deS Eintreffens — zurückge- sandte Holzhülsen müsse« bei frachtfreier Rücksendung in gebrauchsfähigem Zustande zum Papierpreise zurückgenommen werden.
2. Die Höchstpreise für Papiergarn verstehen sich für Krenzspulaufmachung auf Grund eines Feuchtigkeitsgehaltes des Garne» von 15 vom Hundert des absoluten Trockengewichtes, einschließlich Spulen und au-schließlich des Gewichtes der Verpackung, ab Fabrik oder Lagerstelle deS Verkäufers, netto Kasse mit einem Ziel von 14 Tagen ab Versand.
DaS Gewicht der Hülse« darf 1 vom Hundert deS Gesamtgewichtes (Gewicht von Gar« und Hülsen) bei 15 vom Hundert Feuchtigkeit nicht übersteigen. Ueberschreitet das Hülsengewicht diese Grenze, so ist der Unterschied zwischen dem erlaubten und dem tatsächlichen Hülsengewicht zum vollen Garnpreise zu vergüten. Packung darf in Rechnung gestellt werden, muß aber bei spesenfreier Rücksendung innerhalb eines MouatS — gerechnet vom Tage des Eintreffens — in gebrauchsfähigem Zustande zum vollen Betrage zurückgenommen werden.
r W^BWch^ctWW'MWI rechnet werden.
8 3.
Diese Bekanntmachung tritt am 20. Februar 1917 in Kraft.
(Preistafeln auf der 4. Seite.)
*) Mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark oder mit einer dieser Strafen wird bestraft:
1. wer die festgesetzten Höchstpreise überschreitet:
2. wer eine« anderen zum Abschluß eines Vertrage» auffordert, durch den die Höchstpreise überschritten werden, oder sich zu einem solchen Verträge erbietet:
3. wer «ine« Gegenstand, der von einer Aufforderung (§ 2, 3 des GesetzeS, betreffend Höchstpreise) betroffen ist, beisetteschafft, beschädigt oder zerstört:
4. wer der Aufforderung der zuständigen Behörde zum Belauf von Gegeuständen, für die Höchstpreise festgesetzt sind, nicht «achkommt:
5. wer Borräte an Gegenständen, für die Höchstpreise festgesetzt sind, den zuständigen Beamten gegenüber verheimlicht:
6. wer den nach § 5 deS Gesetzes, betreffend Höchstpreise, erlassenen AuSführungSbestimmunge« zuwiderhandelt.
Bei vorsätzlichen Zuwiderhandlungen gegen Nummer 1 oder 2 ist die Geldstrafe mindesten» auf daS Doppelte des Betrage» zu bemessen, um den der Höchstpreis überschritten worden ist oder in den Fällen der Nummer 2 überschritten werden sollte; übersteigt der Mindestbetrag zehntausend Mark, so ist auf ihn zu erkennen. Im Falle mildernder Umstände kann die Geldstrafe bis auf die Hälfte dc» Mtnbest- betrageS ermäßigt werde«.
In Fällen der Nummer 1 und 2 kann neben der Strafe angeordnet werden, daß die Verurteilung aus Kmren veU-SWM«M» M^ ist: auch kann «eben der Gefängnisstrafe auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden.
Die neuen Unterseeboote
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Einer unserer Mitarbeiter schreibt uns: Die Unterseeboote sind jetzt in aller Mund. Und dennoch stellt man sich kaum vor, welche Arbeit notwendig ist, um ein Unterseeboot hervorzubringen. Man darf ruhig sagen, Saß das Unterseeboot, besonders das neue, große, das deutsche Erfindung, deutsche Gründlichkett mrd deutsche Wissenschaft und Technik geschaffen, zu den kompliziertesten Schöpfungen der Technik gehört und geradezu eine Häufung modernster Maschinen und Apparate darstellt.
Unsere neuen großen Unterseeboote sind moderne, über und unter Wasser schwimmende Kreuzer, die mit Artillerie und Torpedos Tod und Verderben in die Reihen der Feinde seichen. Die bei dem neuen Uboot- Typ verwendeten Propeller-Antriebsmaschinen sind so vollendet, daß sie den Antriebsmaschinen der schnellen Kreuzer in keiner Weise nachstehen. Dies ist ausschließlich deutschem Erfindergeist zu verdanken. Andere Na- ttonen verfügen über diese neuartigen, ungeheuer konrplizierten Propeller-Antriebsmaschmen nrcht, da es ihnen, bisher wenigstens, nicht gelungen ist, mehr als IVOOpferdige Zwei- und Viertakt-Motoren, inSechs- Zylinder-Aggregaten bei absoluter Betnebssicherhert zu verbinden und dadurch unübertreffliche Dauer- Höchstleistungen zu erreichen. Den neuen Unternee- boot-Motor macht uns keine andere Nation nach. Der Verbrennungsmotor bleibt auchUlster Wasser genau so betriebssicher und in seiner Lerstungsfahrgkeit steige- rungsfähig, wie über Wasser. Das bedeutet also, daß das Ubovt auch unter Wasser seine Schnelligkeit. Nicht einbüßt, ja sogar noch in der Lage ist, diese zu. steigern.
Bei den neuen Unterseebootmotoren verbindet sich bei der Verbrennung der in dem Treiböl vorhandene Kohlen- und Wasserstoff mit dem Wasserstoff zu Kohlensäure und Wasser. Die Berbrennungsgase werden über eine Calciumverbindung geleitet, wodurch sich die Kohlensäure und das Wasser abscheiden. Den. indcffe- renten Bestandteilen der Verbrennungsgase wird nun wieder soviel Sauerstoff zuaeftthrt, als für die Verbrennung notwendig ist. _^eser ^merstoff mußi natürlich vom Land aus in lwchkomprimitierter ,vmm in Flaschen mitgeführt werden.
Betriebsart an die «stelle der Akkumulatoren eitle Sauerfloff-Flaschenbatterie. und nran kann sich leicht ausrechnen, daß hinsichtlich des Gewichts nennenswerte Vorteile gegenüber.Am elekuischen Unter- wasserantrieb bestehen. Das wichtigste ist indessen, daß ein nahezu gänzlich geräuschloser Mo^ fen worden ist. Die mst den teWfü^ serschallsignalen ausgerüsteten feindlichen Sclnffe die sonst schon auf weite Entfernungen hin das Heranna- Heu eines mit großer Motorkraft arbei^ angezeigt erhalten, können an öem etwa unter Wasier fahrenden Uboot vorüberfahren, ohnc dttsts mit Hilfe ihrer Unterwasserschallsignale wahrgUnevmen. wahrend anderseits das Unterseeboot durch ^^.^ dienst sofort auch unter Wasser ohne Benutzung des Periskops von der Nähe des Schiffes genauestens un- ^^^ Erwülmenswert ist noch, daß durch die neuen Verbesserungen (namentlich durch die Mstvertvendung der Säuerstvff-Flaschenbatterien) gegen früher e u vtel an- -".nehmerer Aufenthalt im Innern eines Ubootes er
möglicht wird. Die Mannschaft hat jetzt überhaupt nicht mehr unter den Einwirkungen giftiger Gase, Verbrennungsdünsten und Oelausschwitzungen zu leiden, was früher den Aufenthalt im Innern des Ubootes, namentlich bei langen Unterwasserfahrten, oft bis zur Un- träglichkeit für den Einzelnen steigern konnte, (zb.)
Sie verstimmten Zapaner und Miene.
Das neue amerikanische Einwanderungsgesetz stößt nicht nur in Japan auf lebhafte Widersprucks- kundgebungen, sondern auch Italien fühlt sich von den Aankees schwer beleidigt und in seinen wirtschaftlichen Interessen beeinträchtigt. Der alte Streit zwischen den kleinen gelben Insulanern an der Ostküstc Asiens tritt wieder in die Erscheinung, weil die Vereinigten Staaten von Nordamerika die Aufnahme der Japaner derartig erschweren wollen, daß ihnen die Lust zur Fahrt über den Großen Ozean überhaupt vergeht. Wie es aus Tokio heißt, sind entscheidende Schritte gegen Washington zu erwarten, und so kann die große Kre- ditbewillignng für die Mobilisierung der amerikanischen Marine wohl ebensogut mit Sicherheitsmaßnahmen gegen die japanische Flotte als mit Drohungen gegen Deutschland zusammenhängen. Die Verständigungsversuche, die in jüngster Zeit zwischen Japan und den Vereinigten Staaten gemacht wurden, sind durch den Beschluß des amerikanischen Senates in der Einwandererfrage empfindlich gestört, rmd die konsularischen Vertreter der Union haben vor ihren Fenstern in den großen Städten Japans zu hören bekommen, welche Erbitterung das japanische Volk erfaßt hat.
Daß auch die Italiener das neue amerikanische Einwanderungsgesetz als einen Schlag empfinden, liegt daran, daß es sich im Wesentlichen auch gegen die Leute richtet, die weder lesen noch schreiben können. Jtaltenertum und Analphabetentum bilden gewissermaßen den gleichen Begriff. Von sno rinn Italienern, die jährlich nach Amerika kamen, waren 80 Prozent völ- m unterrichtslos, und der „fein gebildete" Onkel Sam schämt sich dieser Zuwanderung. Italien fürchtet, daß Ritter ndkKwirtschast der starke Zustrom von dem in Amerika ersparten Gelde seinen Bewohnern künftig fehlen könne. In der italienischen Presse wird bitter bemerkt, man vergesse in Amerika wohl, wieviel die „mechanische Zivilisation" der Vereinigten Staaten den italienischen Analphabeten verdanke. Man muß gestehen, daß in diesen Mahnungen eure rührende Bescheidenheit liegt. Das moderne Italien, das sich auch dem Bunde zur „Erkaltung der Zwilisation in Europa" angeschlosien hat, zeigt, wie Koch es sich selbst als „Kul- turtr-äger" einfdiätü. Wir Deuficken werden ledenfaNs durch den italienisch-amerikanrschen streit, an die großspurige Rede des früheren Mnnstervrmidenten «-a- landra erinnert, in der er kurz vor Eintritt Italiens in den Krieg Koch und teuer verycherte, „das alte Römische Reich sei gegenüber. dem Deutschen Reiche um zwanzig Jahrhunderte weiter vorgeschritten. Krast seiner höheren und älteren Kultur verlangt bekanntlich Italien auch die Vmkerrschast in der Adria gegenüber Oesterreich-Ungarn. Doch der Amerikaner verhängt die Seesperre gegen Japaner und Italiener wegen Unwissenkeit und brüht sozusagen die persönlichen Bi ziehniratn zu den beiden Rassen ab!
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Die neuen ^[»Postadressen.
A.: Heute besam ich eine Feldpostkarte von meinem Sohn, in der er mir mitteilt, daß seine Adreffe vom 15. Februar ab nur noch lautet:
An Traitisolöat Otto Abel, Fuhrparkkolonne 284, Deutsche Feldpost Nr. 682.
Statt der letzteren Angabe setzte ich früher hinzu: 26. Infanterie-Division, 10. Armeekorps, 4. Armee, Westen. Jede Angabe über Kriegsschauplatz, Armee, Armeekorps und Division soll ich vom 15. Februar ab fortlassen,' die Angaben seien sogar verboten,- ich weiß nicht, wie die Post meinen Sohn finden wird,' die Adresse soll doch so deutlich wie möglich sein und nun beschränkt sie sogar selbst die Deutlichkeit.
B.: Mir ging es ebenso: Ich erhielt ebenfalls eine solche Postkarte und meine Nachbarn, die Söhne im Felde haben, ohne Ausnahme auch. (Die Heeresangehörigen haben Weisung erhalten, ihre vom 15. Februar ab gültigen Feldpostadressen rechtzeitig nach der Heimat nfitzutetlen.) Ich soll schreiben: An Unteroffizier Michael Bierncaun, Infanterie-Regiment 13, 1. Bataillon, 3. Kompagnie.
Und, setzte mein Sohn hinzu, um Gotteswillen nichts mehr hinzufügen, also nicht einmal die Nummer der Deutschen -Feldpost.
A.: Ich nröchte wissen, wozu jetzt noch eine solche Aenderung: der Krieg ist ja bald zu Ende.
B.: Da bin ich doch anderer Ansicht. Wenn jetzt solche Aenderungen getroffen werden, so müssen wohl schwerwiegende Gründe vorliegen: und die Hauptsache ist ja, daß der Brief schnellstens seinem Empfänger zu- tmmin. Der Sinn der neuen Vorschrift ist kurz folgender:
Bei allen Truppenteilen, die einem Regimentsverband angebören, also bei Infanterie-, Kavallerie-, Artillerie- und Pionier-Regimentern, sorvie bei den höhe- ren Stäben von Armeekorps (Generalkommandos» sowie von Divisionen und Brigaden ist n u r die Adresse des Empfängers mit seinem Truppenteil (der Formation) anzugeben, bei allen übrigen Truppenteilen wie selbständigen Jägerbatatillmren. selbständigen Fnß- artillerte-Battcrien, Kolonnen, Stäben der Etappen- Jnspektionen, Armeen. Ar'-ecabtcttnngen usw. ist außerdem noch der Zusatz: „Deutsche Feldpost Nr. . . . ." linzususügen. In beiden Fällen darf die x»'eldpmt- adreffe nur die Bezeichnung des Truppenteils bis zum Regiment aufwärts, also nur den Dienstgrad, Name, Kompagnie (Eskadron, Batterie), Batarllon (Abter- lung), Regiment oder die amtliche Bezeichnung der Formatton enthalten. Die Angabe eines höheren Statbes ist nur bei den Angehörigen der höheren Stäbe selbst oder da, wo sie noch zur Benennnng der rvorma- tion unbedingt gebraucht wttd, zugelassen.
A.: Ich verstehe. Aber was man heut M Tag« nicht alles wissen imtü, die vielen, vielen Verordnungen.
B.: Ja freilich. Vor allen Dingen, genau die von Ihrem Sohne angegebene Feldpostadresse anwen- den, genaue Angabe der .Formation und, wenn nötig, die richtige Deutsche Feldpost-Nummer. Sonst erleidet der Brief Verzögerungen. Ordnung nnrtz rein und die Ordnung in allen Dtimen bringt nus den -sieg, den deutschen Sieg, den wir alle erstreben.