Kaiser und Volk.
DaS deutsche Volk in allen seinen Gliedern und Teilen bietet heute einen erhebenden Anblick. Wie in den Augusttagen des Jahres 1914, als der Kaiser sein Volk aufrief zum Kampfe gegen die frevelhaften Störer -seines Friedens, gcht auch heute, wo es sich um die uns aufgezwungene Fortsetzung dieses Kampfes handelt, ein gewaltiger Zug der Entschlossenheit und Tatkraft durch das deutsche Volk. Die markigen Worte, mit denen Kaiser Wilhelm die schnöde Zurückweisung unseres FrieLenSangeboteS gekennzeichnet hat, haben bis in die letzte deutsche Hütte hinein einen Widerhall gefunden, der nicht nur Zeugnis ablegt, daß unser Volk bis zum letzten Mann begriffen hat, um was es sich für uns lest handelt, sondern auch bekundet, daß Deutschland bis zum testen Manne sich treu um seinen Kaiser schart, entschlossen zum äußersten, bereit zu jedem Opfer, um feine Freiheit und Selbständigkeit, ieiue Ehre und seine Zukunft auch gegen eine Welt von Feinden zu verteidigen. -
Unter den begeisterten Zustimmungserklärungen, welche die Worte des Kaisers gefunden haben, fehlt keine Volksschicht, kein Berufskreis. Stadt und Land, Industrie und Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, Unternehmer und Arbeiter, sie alle erklären einmütig, in den uns kounnenden Kämpfen ebenso wie in dem bisherigen Völkerringen in unerschütterlicher Treue zu Kaiser und Reich zu stehen. Die Kundgebungen, die von den berufenen Vertretrn des gewerbtätigen deutschen Volkes, von den frei zusammengeschlossenen Körperschaften der städtischen und ländlichen Kreise, wie von den politischen Parteien erlassen sind, bilden einen unwiderleglichen Beweis für die vollkommene Einheit des deutschen Volkes im Willen zum Liege, in der Zuversicht auf den Lieg. Graf von Schwerin-Löwitz hatte Recht, wenn er in seiner Ansprache au das preußische Abgeordnetenhaus als eine hochwillkommene Frucht der Abweisung unseres Friedensangebotes durch unter Feinde die Tatsache bezeichnete, daß jetzt auch der letzte Deutsche ersannt habe, daß es um unser Sein oder Nichtsein geht. Wenn bei unseren Feinden noch der Wahn bestanden hat, Deutschland und das deutsche Volk seien durch innere Zerrissenheit geschwächt und die Zerrissenheit werde ihnen den Lieg erleichtern, so müssen sie durch die einmütige Antwort, die unser Volk auf die Worte des Kaisers gegeben hat, eines anderen belehrt worden sein. Die Klarheit, die die Unverschämt- üeiten der letzten Noten über die Ziele unserer Gegner, ihren Vernichtungswillen verbreitet haben, konnten nur die eine Folge haben und haben sie tatsächlich auch gehabt, daß heute wie am ersten Tage dieses Krieges das deutsche Volk mie ein Mann sich hinter den Kaiser stellt.
Niemand bei uns verhehlt sich, daß die kommenden Tage noch Lchwere, sehr schwere Opfer von uns heischen werden, bis der endgiltige Sieg, der uns allein den Frieden zu bringen vermag, mit viel Blut und Gut erkämpft ist. Aber der Siegeswille verleiht uns die Siegeskraft. Kann es einen besseren Beweis für diese innere Kraft* und Stärke geben, als die in der jüngsten Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses von dem Finanzminister Lentze bekannt gegebene Tatsache, daß bis jetzt schon, mitten im Kriege, fast 700 Millionen Mark für Las von den Russen Heimgesuchte Ostpreußen ausgegeben sind? Unsere Siegeszuversicht äußert sich bei uns nicht bloß in Worten, Re wurzelt in unserer Tatkraft, unserem Opferwillen. Diese beiden Quellen unserer Erfolge, vereint mit dem Bewußtsein unteres guten Rechtes, ..machen uns stark, auch das Schwerste gedungen von Verbänden, Gemeinden und Korporationen des Reiches zu dem Erlaß des Kaisers an das Rutsche Volk erfolgt.
Die Angriffsziele der Buffett
Nach den Vorstoßversuchen des Generals Rußki auf der Linie Riga-Dttnaburg, wo es jetzt wieder ruhiger geworden ist, sind von den Russen neue Angriffe aus dem südlich davon gelegene»! Abschnitt im Raume von Smorgon, südöstlich von Wilna, festgestellt worden. Der russische Angriff, der südlich von Smorgon ein- setzte, erstreckt sich aus das Gefechtsfeld von Krewo, wo schon mehrfach von den Russen in früherer Zeit Durch- brnchsrersuche gemacht worden sind. Wie früher, so sind auch diesmal die russischen Vorstöße gescheitert. Alle Bemühungen hier gegen die Bahnlinie Wilna—Grodno an Raum zu gewinnen, sind blutig erstickt worden.
Ueber die Ziele der russischen Osensive auf dem Nordabschnitt der Ostfront hat sich jüngst ein russisches Blatt eingehend geäußert. Die franzöftschen Zeitungen hatten nämlich die anfänglich sehr schnell vorübergehenden und sehr geringen Erfolge der Russen an der DUna in den pomphaftesten Worten als den beginnenden „Siegesmarsch des Generals Rußki" angekündigt. Da dieser Siegesmarsch schon nach wenigen Wiefern sein Ende gefunden und in das Gegenteil verkehrt worden war, beeilte sich ein russisches Blatt, den französischen Jubelgesang dahin abzu schwächen, daß die Vorstöße des Generals Rußki nur der Erkundung der feindlichen Streitkräfte dienen solle, um festzustellen, wie stark das deutsche Heer durch den Vormarsch in Rumänien an anderen Stellen der Front beeinflußt werde. Da nun jetzt der Angriff bei Smorgon in dem anschließenden Abschnitt erfolgte, so kann man annehmen, daß der eben angegebene Grund eine der Ursachen der russischen Vorstöße sei. Wichtig ist die Tatsache, daß der russische Angriff völlig zusammengebrochen ist, da die Vorstöße sicherlich auch über die Erkundnngszwecke hinans- gehende Ziele haben werden.
In Rumänien haben wir gleichfalls eine kräftige russische Angriffstütigkeit zu verzeichnen. Der Massen- vorstoß bei dem Brückenkopf Funden! wird in unserem jüngsten Heeresbericht gar nicht mehr erwähnt, ist also offenbar infolge der ungeheuren Verluste der Russen als gänzlich zusammengebrochen zu betrachten.. Die Russen haben wieder die Ueberraschung erleben müssen, die sie in ihrer Presse während des rumänischen Krieges schon oft zum Ausdruck brachten, daß unsere Füh- rung es versteht, trotz der Angriftstätiakeit an vielen Stellen an den anderen bedrohten Abschnitten genügende Reserven zur Abwehr jedes Durchbruchversuches bereit zu halten und rechtzeitig einzusetzen. Dagegen haben die Russen im Susira-Tal eine starke Tätigkeit entwickelt und in Verbindung mit Rumänen gegen unsere Stellung vorgestoßen. Es gelang ihnen, eine Kuppe zu nehmen, an allen übrigen Stellen wurden sie aber ab- gewiesen.
Die Wichtigkeit der Festung Galatz hat die Russen offenbar veranlaßt, neue starke Kräfte über den Sereth zu werken, um die der Festung auf dem Südufer des Sereth vorgeschobenen Stnvpnnkte dem Sieger wiederum zu entreißen. Die siegreichen Türken, die den Russen Badeni und andere Stützpunkte entrissen hatten, sind durch die nenauftretende russische Uebermacht veranlaßt worden, auf ihre Hauptsicherungslinie zurückzu- gehen. Auch gegen den Stützpunkt La Burtea versuchten starke russische Kräfte aufs neue vorzustoßen, wurden jedoch durch unsere Artillerie ausgehalten. Der Kampf um Galatz gestaltet sich nunmehr durch die gewaltigen russischen Anstrengungen zu einem zähen und schweren Ringen. lOKM.)
-^^ WjWh» MmmmM
„Die Armeen leben heute von der Gesinnung des Hinterlandes. Sie sind Fleisch vom Fleisch des Volkes, und jede Volksstimmuna findet an der Front sofort
e
ihren Widerhall" so schreibt das conservktw-crerttan' russische Blatt, der „Kolokol". Man muß ihm recht geben. Wie ist es denn aber mit der „Gesinnung" der ruft fischen Armee bestellt, wenn dasselbe Blatt in demselben Artikel die Stimmung des russischen Hinterlandes wie folgt schildert: „Die Duma ist unzufrieden, der Reichsrat (das Oberhaus) ist unzufrieden, der Adel, die Gutsbesitzer, die Bergwerksbesitzer, die Landschaftsvertreter, die Städte, — alle sind unzufrieden . . ."
Und in der Tat: die ganze russische Gesellschaft von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken bemwet sich heute in einem Zustand der Erregung, oer nur zu beseitigen ist, wenn die russische Regierung entweder Kraft und Willen hat, die Ruhe des Kirchhofs cm Zarenreiche zu schaffen oder die unzufriedenen oppositionellen Elemente durch weitgehendste Zugeständnftse für sich zu gewinnen. Was aber tut der Zar? Seit Beginn des Kriegs treibt er seine Innenpolitik, die einer jedenfesten, zielbewußten Linie entbehrt, die im Falle militarftcher Mißerfolge durch kleine Konzessionen die Oppostttonen zu beruhigen versucht, bei günstigerer militärischer Lage jedoch die Zügel wieder fest anzieht und das Volk die Macht der Regierung fühlen läßt. Es ist ein ständiges Lavieren, ein trostloses Hin und Her. Goremykin, Stürmer, Trepow, Golitzin, so hießen die Ministerpräsidenten seit August 1914; Ssasonow, Stürmer, Neratoff, Po- krowski — das waren die Außenminister,' A. N. CHwo- stow, Stürmer, A. A. Chwostow, Vrotopopow — die Innenminister: A. A. Chwostow, Makaroff, Dobrowolskt — die Justizminister usw. usw. Gibt es ein einziges Land unter den kriegführenden Mächten, das in dieser kurzen Spanne Zeit eine so bunte Folge von Ministern aufzuweisen hat? Kein einziges. Und fragen wir, welche Aenderung in der Richtung der russischen Politik dieser ständige Wechsel qezcitiyr hat, so lautet aufs neue die Antwort: keine einzige. Ein bißchen mehr nach rechts, ein bißchen mehr nach links: ein wenig englandfrennd- licher, ein wenig zurückhaltender.
Die Personen haben gewechselt, nicht aber die Politik. Nach außen hat sich die Linie die slavischen Abhängigkeit von England unverändert erhalten: nach innen ist man vom Prinzip des Lavierens bis heute nidit abgekommen. Das gilt auch vom neuen Minister- präsidenten Golitzin. Gleichgültig ist es, ob dieser nun Dimitri, Alexander, Feodor usw. heißt. Das Vertrauen der Opposition wird ein aus der höfischen Hocharistv- kratie hervorgegangener Ministerpräsident niemals fin- den, — er mag vor seiner Ernennung auch noch so sehr mit den Liberalen geliebäugelt haben. Drohend sprach Miljukoff, der Führer der liberalen Opposition in der Duma, auf der denkwürdigen Sitzung vor ihrer Vertagung: „Wir erleben jetzt einen furchtbaren Augenblick: vor unseren Augen tritt der Kampf der Gesellschaft aus dem Rahmen der strengen Gesetzlichkeit heraus, und es erstehen aufs neue die Formen vom Jahre 1905 (die russische Revolution) . . . Die Atmosphäre ist mit Elektrizität geladen: man spürt in der Luft die An
näherung des Gewitters, und niemand weiß, wann und wo es einschlagen wird."
Ist die so oft während des Krieges geweissagte russische Revolution nun wirklich im Anzüge? Wir wissen es nicht. Wollen es auch kaum glauben. Noch sind die Führer der Revolution von 1905, die russischen Liberalen, so sehr vom Deutschenhaß beseelt, als daß sie sich bereit finden dürften, das Vaterland durch Anzet- telung einer Revolution dem Feinde preiszugeben. Wohl aber wissen wir, daß ein Land, dessen Körper von inneren Zuckungen bebt und dessen Volk von Unwillen, MMMWMMlM^^
Feindes auf die Dauer zu widerstehen. Wir können der Entwicklung der Sinne an unserer Ostfront mit Ruhe und höchster Zufried-^beit entgegcnfehen.
In letzter Zeit mehren sich die Fälle in denen
geieB^mitttlhrten
verloren worden sind. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß jeder die Verpflichtung hat, dis Karten sorgfältig aufzubewahren.
Äbhaudengekvmmenr Lebensmittelkarte« werden nicht ersetzt.
Hersfeld,
am 24. Januar 1917.
Der Magistrat
— Versorgungsstelle —
Betr. Bollmilchlarten.
Die Ausgabe der Vollmilchkarten für Februar findet in der Turnhalle des Gymnasiums in folgender Weise statt:
Am Montag, den 29. d. Mts. für die Buchstaben A.—H., Dienstag, den 30. d. Mts. für die Buchstaben I.—R. und Mittwoch, den 31. d. Mts. für die Buchstaben S.—Z., jedesmal in der Zeit von 2—4 Uhr.
Die Magermilchkarten werden noch bis aus weiteres durch die zuständigen Brotkartenausgabestellen verabfolgt und zwar am Mittwoch, den 31. d. Mts., in der Zeit von 8—1 Uhr.
Hersfeld, den 25. Januar 1917.
Der Magistrat — Bersorguagsstellr.
Ju Gemäßheit des "§ 8 der
ßi^Mrlitriag^ drünunt
für die hiesige Stadt vom 22. September 1904 liegt das Sinquartierungskataster für das Jahr 1917 14 Tage lang im Amtszimmer des Quartieramts (Stube Nr. 3) im Rathaus öffentlich aus.
Einwendungen gegen dasselbe sind innerhalb einer Ausschlußfrist von 21 Tagen nach beendeter Offenlegung bei uns anzubringen.
J. No. 175,
Hersfeld,
den 25. Januar 1917.
Der Magistrat.
Vom 1, Februar 1917 ab wird der Preis für den cbm.
Heiz- und Znduftriegas von 15 auf 18 Pfennig erhöht.
Für Gasautomaten ist vom gleichen Zeitpunkt ab eine Miete von mouaklich 30 Pfg. zu zahlen.
Hersfeld, am 24. Januar 1917.
Der Magistrat.
In mein Kolonialwaren- geschäst kann zu Ostern ei« Lehrling unter günstigen Bedingungen eintreten.
E. hirschberger.
Wir haben seststellen müssen, das der
Gasverbranch
über das durch die Kriegslage gebotene Maß von Sparsamkeit erheblich hinausgeht. Die städtischen Behörden sind dadurch gezwungen, folgende Maßregel zu treffen: Der Gasverbrauch an Leucht- Heiz- und Industrie- gas zusammen darf vom 1. Februar 1917 ab in jedem Monat 9/s des im gleichen Monat des Jahres 1916 in den Büchern des Gaswerks festgestellten Monatsverbrauchs nicht übersteigen. Jeder über diese Grenze hinaus verbrauchte ebm Leucht- Heiz- oder Jndustriegas ist mit 50 Pfennig zu bezahlen.
Wer weniger als 15 cbm Leucht- Heiz- oder Industrie- gas im Monat verbraucht, wird von'dieser Bestimmung nicht betroffen. Er hat also keinen Aufschlag zu zahlen, auch wenn er im 1. Monat mehr als 2/a seines vorjährigen Gasverbrauchs hat.
Hersfeld, am 24. Januar 1917.
Der Magistrat,
meiHtt miM
Aktiengesellschaft, Male ßersfeld.
Oeschäfts-Betriebs
Annahme von Spareinlagen zu günstigen Bedingungen An- und Verkauf von Wertpapieren.
Einlösung von Zins- und Dividendenscheinen sowie gelösten Wertpapieren.
Handel in fremden Geldsorten.
Besorgung neuer Zins- und Dividendenscheinbogen
Diskontierung und Einzug von Wechseln.
Ausschreitung von Wechseln und Schecke Auf In- und Ausland.
Domizilierung von Wechseln.
Eröffnung von laufenden Rechnungen.
Gewährung von Vorschüssen.
Beleihung von Wertpapieren.
Scheckverkehr. — Reise-Kreditbriefe
Vom 25. Januar ab fallen die
Bedarfs-
Schnellzüge
D 243 Frankfurt Süd ab 7,30 V. Berlin an 5,53 N. D 201 Frankfurt H. ab ll,6i N. Berlin an 10,14 V. D 208 Berlin ab 7,28 N. Frankfurt H. an 5,49 A u. D 144 Berlin ab "7,00 V. Frankfurt H. an 5,26 N. bis auf weiteres aus.
Königliche Eisenbahndirektion Frankfurt a. M.
Zahlungsbefehle
empfiehlt Ludwig Funks Buchdruckerei.
Israelitische Gemeinde.
Freitag den 26. Januar.
Abends 4.45
Samstag den 27. Januar: Vormittags 8,30 Festgottesdienst anläßlich des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers.
Nachmittags 3 Uhr. Abends 5,55 Uhr.
i Papier- i i Zigarren- i i spitzen |
! in jeder Ausführung ! ♦liefert billigst
•L. Funks Buchdrucherei. i
♦ Muster zur gest. Ansicht!