HersMer Tageblatt
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zogen 1.00 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckersi
Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in HersfeL. ^ 8
für den Kreis Hersfeld
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amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklancen Me Zeile 25 ^. Bet «ireSe» Rötungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag»
Nr. 18.
Lediger Bezugspreis ulerfeljabrlich
1.80 wk.
Dienstag, den 23. Januar
1917
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 15. Januar 1917.
An die Herren Bürgermeister des Kreises.
Ich erinnere an die umgehende Vorlage der noch rückständigen Ziegendeckregister, damit rechtzeitige Erhebung -es Sprunggeldes erfolgen kann.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. No. 402. J. V. :
v. Hedemann, Reg.-Assefsor.
HerSfeld, den 15. Januar 1917.
Im PhilippSstift zu Jmmenhausen sind zur Zeit eine Anzahl Betten frei, die zur dauernden Aufnahme von lungenkranken nvalidenrentenem- pfängern gegen Abtretung der Rente dienen können.
Aufnahmeanträge sind füjdHicf) bei dem Ver- sicherungsamte hier einzureick.cn. Es kommen besonders alleinstehende oder solche Personen in Betracht, die in ihrer Familie keine genügende Pflege haben, oder durch ihren Krankheitszustand ihre Familie gefährden. Mit dem Aufnahmeantrag ist zugleich eine Rentenadtretuugserklärung des Antragstellers und eine Anerkenntniserklärung der Gemeindebehöröe darüber mit einzureichen, daß durch die Aufnahme des Rentenempfängers im Philippsstift eine Aenderung des bisherigen Unterstützungs- wohnsitzes nicht eintritt.
Falls die Aufnahme des Antragstellers nicht sofort erfolgen kann, so wird sie vorgemerkt und nach der Zeit ihrer Anmeldung berücksichtigt.
Königliches Versicherungsamt. Der Borsitzende-
J. B. No. 68. J. V.:
Funke, Kreissekretär.
Hersfeld, den 18. Januar 1917.
Der Spende für Deutsche Soldatenheime in Berlin ist von dem Herrn Staatskommissar für die Regelung der Kriegswohlfahrtspflege in Preußen die Erlaubnis zur Veranstaltung von öffentlichen Sammlungen am 27. und 28. Januar zugunsten -er Deutschen Soldaten. Heime an der Front erteilt worden.
Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, die Veranstaltung, an deren Spitze Ihre Exzellenz Frau Generalfeldmarschall von Hindeubnrg steht, durch tunlichst« Förderung -er Sammlungen zu unterstützen. Tgh. Nr. L 629. Der Landrat.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
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CntfiüMmig aber das tmwieif6e Hermes«
Ein rumänischer Fähnrich,. Angehöriger einer hohen rumänischen Osfiziersfannlie, hat als Kriegsgefangener bemerkenswerte Züge des rumänischen Heerwesens enthüllt, die von dem sittlichen Verfall der Armeeverwaltung und des Offiziersgeistes zeugen. Er erzählte: „Es fehlte nicht an Männern, die auf diese Verwilderung Hinwiesen. Averescu sagte Juni 1916 in einer Sitzung der Armeeinspektion: Ein Land, das mit dem inneren Feind, dem Schmindelgeist, nicht fertig werden könne, dürfe gar nichtdaran denken, sich nach außen zu wenden. Das politische Gefolge des Ge- neralstabschefS Jliescu war zugleich eine Erwerbsgenossenschaft: ihr Gebiet war Heereslieferung nach russischem Borbilde Ein Beispiel für viele: Jliescu vergab an die Schuhwarenfabrik Vastlescu u. BoAscha im Spätherbst 1915 eine Lieferung von 150 000 Paar Schnürschuben. Die Schuhe wurden ohne die vorschriftsmäßigen Lederschnüre geliefert und auch genommen. Für jedes Paar Schnüre wurden 10 Bank gleich 8 Pfennig abgesetzt. Nach 5 Wochen wurde die Lieferung von 1S0000 Paar Schuhriemen an dieselbe Firma zum Preise von 75 Nani gleich 60 Pfennig vergeben. Filivescu entrüstete sich in der „Epvea" über Un er- schleife im Reiche des Jliescu. Dieser aber rechtfertigte das GeMift mit Dringlichkeit des Bedarfs und Ledermangel. Gewinn: 97 500 Lei.
Die großen Vorbilder weckten Nachelserring bei den Kleineren. Rittmeister Stauccscu ein berüchtigter Kartenspieler verlegte sich am deü L-porr der Löümmgs- prellerci. Während meiner Waffenübmig im Januar 1916 filmen die Leute an zu murren. Der Riltmente^ ließ die Schwadron antreten, und nach allgemeiner Auspeitschmig herrschte er sie in sittlicher EntrUtung an: „Ich habe eure Löhnungen -natürlich aufgespart und versucht sie an der Börse zu'verdoppeln. Geld von Bösewichten hat aber kein Glück. Auch diesmal habt ihr Schweinebande verloren," machte kehrt und ging spvrcnklirreud ab. Derselbe Herr wußte anch seine Offiziere zu schröpfen. Jm Eiuvernehweu mit dem Wachtmeister wußte er den Zugführern fortgesetzt ungerechtfertigte Vermögensabgangc nachznweiien. Bezahlte der angegangene Offizier nicht, so wurde er dem Kommandanten, Oberstleutnant Jernici, einem der geriebensten Ausplünderer, gemeldet. Folge: Bestrafung für mmMiwteS umgeben mit Staatseigentum und Ersatz des Schadens im Wege von Gehaltsabzügen. Arrch der Kriegssold wm'de zum größten Teil nicht gezahlt. Nur die Günstlinge wurden ordinmgsmäßig gelöhnt, dafür aber im Spiel kahl gerupft.
Schon auf den Aufmarschliuicu wnrden die Mannschaften nicht mit mariner Kost versehen. Die Habgier der Führer verwies sie auf Requirieren und füllte sich
flbgeordnstenhaus.
Das Abgeordnetenhaus befaßte sich am Sonnabend mit mehreren Anträgen. Ein Antrag der Fort- schrittler auf Zulassung der Frauen zu städischen Verwaltüngsdeputationen und Stiftungsvorständen rief eine längere Erörterung hervor, in der von allen Seiten die Verdienste der Frauen gerade in der Kriegszeit anerkannt wurden. U. a. sagte Abg. v. Kessel (konf.) eine wohlwollende Prüfung des Antrags im Gemeindeausschuß zu, während Abg. Heins (Hosp. der Kousavtivenj auf die Gefahren hinwies, die eine allzu starke Betätigung der Frau gerade auf politischem Gebiete besonders für das Familienleben in sich berge. Erlangen die Frauen erst einmal in der Gemeinde Stimmrecht, dann werden sie es auch im Reiche-verlangen und erhalten. Deshalb müsse er sich grundsätzlich gegen den Antrag erklären. Der Antrag wurde schließlich dem Gemeindeausschutz überwiesen. Ein Antrag des Zentrums auf Beseitigung jeder Bevorzugung von Vorschälern bei Aufnahme in die Sexta fand zu- sttmmer.de Aufnahme und wurde dem" UnterrichlL- ausschnß überwiesen. Auch ein weiterer Antrag, die Vergünstigung der wehrfähigen Schüler, 6 bis 9 Monate früher ihre Reifeprüfung abzulegen, auch auf die Untersekundaner auszudehnen, die sich einem technischen oder landwirtschaftlichen Berufe widmen wollen, wurde nach kurzer Erörterung dem Unterrichtsausschuß überwiesen. Damit war die Tagesordnung erledigt. Dem Vorschläge des Präsidenten, das Fideikommißgesetz am Montag zu beraten, stimmte das Haus gegen die Stimmen der Fort- schrittler, Polen und Sozialdemokraten zu. Das Haus vertagte sich demgemäß.
« OUS üer neiinai.
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):( Hersfeld, 22. Januar. (Deutsche Soldatenheime und Marineheime.) In den nächsten Tagen wird eine Sammlung im Kreis und in unserer Stadt
selbst die Taschen. Auf dem Rückzüge von Siebenbürgen ließ der Kommandant des 6. Jägerregiments den ganzen Verpflegungspark an Gastwirte und Händler verkaufen. Die Pferde wurden im nächsten Dorfe vor remittierte Wagen gespannt und der Materialverlust mit feindlichem Beutefang verdeckt. Gleich bei Kriegsbeginn fehlten allerwärts Strümpfe, Schuhriemen und besonders Stacheldraht. An das 10. und 11. Infanterie-Regiment und das 10. und 2. Feldartillerie- Regiment wurden Schuhe mit Pappsohlen geliefert. Die Stimmung der mit Jubel eingerückten Reservisten sank unter diesen Umständen täglich tiefer.
Ein Brise an seine Volksgenossen.
„Das betörte britische Volk."
Einer Budapester T. U.-Drahtung zufolge veröffent- ÄArtur Rolland, Professor an der Budapester llni- ät, im „Pester Llond" einen Aufsatz, betitelt: „Das betörte britische Volk." Der Berfaste- führt aus, vor 18 Monate« habe er in einem offenen ief an seine früheren Volksgenossen die ofentlidK inung Englands im voraus auf die Entwicklung kriegerischen Ereignisse aufmerksam gemacht, wi jetzt eingetreten ist. Der seit Jnli 1915 eingetret ngeheure Unterschied in dem Umfang der besc' Gebiete, die Liste der versenkten KriegstranSporr- Handelsschiffe, die furchtbaren Einbußen an M ninraterial, können auch dem Mindesten nicht cn m. Man sage mir, fährt Professor Rolland fort, ob meine vor 18 Monaten an meine früheren Volksgcnssfen gerichtete Warnung übertrieben war. Kürzlich war in der Simeö die Prahlerei zu lesen, die Ernennung Llvnd Georges und dessen Parlmventsrede habe bei den Völkern der Zen- tralmächte einen inmefienren Schrecken verursacht. Auch liier wird das englische Volk wieder angelogen. In Wirklichkeit war die öffentliche Meinung Europas nur neugierig darauf, ob Llond George klug genug sein wird, die Tür nicht hinter sich zuznklappen. Schließlich sagt Rolland: Ich möchte es meinen gewesenen Volksgenossen ein für alle Mal sagen, daß es bei uns ebenso wenig einen Schrecken, wie auch nur die Spur der von ihnen so oft geschilderten Hungersnot gibt. Der Artikel klingt in die schärfsten Angriffe fielen die Rortheliffe-Pressc aus. Das englische Volk möge seine Augen vor der Wahrheit nicht verschließen. Ntrgeiröö in den Staaten" der Zentralmächte sei Furcht oder Schrecken zu bemerken, sondern höchstens Bedauern darüber, daß das große britische Volk sich ün- fähia erweist, die Ränke NorthclisteS gegen sein eigenes Vaterland zu dnrchschanen, ebenso wie man es bedauert, daß die führenden Staatsmänner dieses großen
veranstaltet, deren Ertrag zur Errichtung von Soldaten- und Marineheime Vorwendung finden soll. Diese Heime solle«, wie eS in dem betr. Aufruf heißt, in den besetzte« Gebieten, an der Front und in der Heimat, im Kriegund i« Friede«, der deutschen Wehrmacht, die fern von Haus und Hof, fern von den Lieben daheim, im Dienst des Vaterlandes steht, eine Stätte der Erholung bieten. Wir machen auf die Sammlung scho» jetzt aufmerksam in der Hoffnung, daß zu dem edlen Zweck die so oft bewährt« Opfer- Willigkeit auch diesmal nicht versagen wird.
Caffel, 20. Januar. Durch einen Rodelschlitten auf der Straße überrannt und getötet wurde der an der Ecke Kaiserstraße und Kirchweg wohnende Professor Bode, als er abends den Fahrdamm überschreiten wollte. Er stürzte und erlitt eine Gehirnerschütterung, an deren Folgen er starb, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben.
Caffel, 20. Januar. Schwere Verbrühungen zog sich das vierjährige Kind des in der Gartenstraße wohnenden Bierhändlers Heimbrecht zu, das in einem unbewachten Augenblick in einen Topf siedenden Wassers fiel. Das bedauernswerte Kind wurde dem Krankenhause vom Roten Kreuz -»geführt.
Caffel, 20. Januar. Die Verhandlungen der ersten diesjährigen Ichwurgerichtsperiode des Landgerichts- bezirks Caffel nehmen am Montag, den 12. Februar ihren Anfang.
Frankenberg, 20. Januar. Ein Wagenunglück ereignete sich an -er abschüssigen Straße zwischen HalbS- hausen und Herzhausen, wo das Einspännerfuhcwerk des Bürgermeisters Büchsenschütz von Harbshausen, in dem dieser nebst seiner Tochter Platz genommen hatten, infolge Scheuens des Pferdes umstürtzte. Der Mann erlitt eine Riypenqnetfchnng, während vu +uu;ici einen Wimirncp oavvnlkug.
Marburg, 20. Januar. Bei -er Einfahrt eines Zuges wurde in Fronkmusen -er mitten im Gleise stehende 17 Jahre alte Rottenarbeiter Johannes Elmshäuser von einer von der anderen Seite kommenden Maschine überrannt und auf der Stell« getötet.
Hinterkorn, auch das nicht mahisahige, ist bei Vermeidung von Strafe adzu- liefern, wird in keinem Falle zur Ver- fütterung freigegeben.
I Volkes Die furchtbare Verantwortung für Die nutzlose Fortsetzung des Blutvergießens auf sich geladen haben.
Englische Ausblicke in die militärische Zukunft.
In einem längeren an Haias letzten Bericht an. knüpfenden Aufsatz über „Die Führer in der Schlacht" rühmt die Londoner „Nation" zunächst die Vermenste und Fähiakeiten Sir Henry Rawlinsons, General Äl» lenbys und Sir Hubert Goughs aus englischer Seite als fähige Handhaber der „Siegestaktik" und auf französischer Seite der „Schöpfer dieser Taktik" Petain, Nl- vellc, Mangin, Foch und Dubail, um dann fortzu- fahren:
„Im Osten kann man sich schwer der Schlutzfolge- rund verschließen, daß der deutsche Erfolg in Ruma- nien der Führerschaft zuzuschreiben ist. Mackensen ist wohl Dent'chlands geschicktester Führer im Felde und, da er Falkenhann zum Gehilfen hatte, konnte das Entweichen der schlecht aefübrten rumänischen Armeen nur so lange hinausgezögert werden, bis der Feind sich gänzlich entwickelt hatte. Jetzt aber wird die rnmämft^ Front zu einer Verlängerung von Brussilows Flügel. Das aber berührt wieder das Schicksal der rnnismen Front in Galizien. nnd wir müssen daher die Grundlagen eines rnssisch-rnmänischen «gegenstotzes oder we- ntgstens standhaften Widerstandes prüfen. Einiges in dem Material der Führung ist muctfcHoS gut. Berthe- lot, JoffreS früherer Gebilde, hilft als Berater. Sacha- row, der Bezwinger von Brodv, bat eine maßgebende Stellung, aber da mir noch ein kleiner Winkel der Do- brüWcha gehalten wird, ist es schwer ah sagen, was sie tent bedeutet. Wen« keine Erboliing am Sereth ein« tritt, kann das Schicksal der rnsstsche« Front von den Fäbiqkesicn Leschitztvs abbängcn der die Bukowina im Juni nnd Jnli säuberte. Er ist ein kühner und gedankenreicher Führer: wenn aber seine Flanke im Lüden nmgangen wird, muß er unter großen Nachteilen sümpfen.
Jedenfalls ist im Osten und Westen, Norden und Süden das Siegesproblem MS Problem der Fnhrimg. Nicht die GeMütze und Geschosse werden ihn erringen, nWt das Feuer des JufantericangEfS «nd auch triebt die Neberlegenheit in der Lust, sondern die geistige Beherrschung und die geordnete Verwendung all dieser Elemente. Der Sieg wird endlich gewvmren oder verloren werden durch die Arbeit des Generals, der Die drei Waffen mit instinktiver Anpassung zusamlnenGgen und sie als ein einziges vollendete KguWstverkzeuq verwenden wird. Und die jüngue KrcegsgeiÄllbte hat von seid-er Meisterschaft mehr auf Seiten des Verbandes gezeigt."