Hersfelder Tageblatt
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tMlMpGäs.ÄertMWich M H«sfeld 1.60 Mark, durch disWoftbL- MM IM Warf. Druck und Verlag von LudwigFunks BuchdruckeM SersM. Mir die Redaktton verantwortlich^wnz Funk iuHsrsM.
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für den Kreis Hersfeld
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Nr. 14. w’" "^Ä-"«"* Donnerstag, den 18. Januar
1917
Amtlicher Teil.
Der Vorsitzende des Kreisansschnsses.
Hersfeld, den 9. Januar 1917.
Nach § 164. e. Abs. 1. der Ausführungsbe- stimmnngen zum Warenumsatzstempelgesetz ist für das Steuerjahr 1917 für die Verpflichtung zur Entrichtung der Abschlagszahlungen und deren Bemessung der Gesamtbetrag der Zahlungen oder Lieserungen im ganzen Kalenderjahr 1916 maßgebend. Dementsprechend ist auch in der Anmeldung zur Entrichtung des Wareuumsatzstempels Muster 39 a der Aus- führungsbestimmungen) auf Seite 2 unter 4 sowohl die Angabe des Gesamtjahresbetrages wie des aus das letzte Kaien dernierteljahr 1916 entfallenden Betrages der Zahlungen oder Lieferungen Vorgeschrieben.
Vertreter der Industrie und des Handels haben auf die mit der Feststellung des Gesamtjahresbetrages für 1916 verbundene große Arbeit hingewiesen, die für zahlreiche Firmen gerade in der Kriegszeit als außerordentlich empfunden werde und angeregt Erleichterungen zuzulassen, welche geeignet sind, diese Schwierigkeiten zu beseitigen.
Diesen Wünschen wird, soweit die Neichskasse dabei keine Gefahr läuft, entgegengekommen werden. Ein Interesse des ReichS, für das Steuerjahr 1916 den genauen Jahresumsatz zu kennen, liegt dann nicht vor, wenn außer Zweifel steht, daß der Jahresumsatz 200 000 Mark nicht übersteigt. In allen diesen Fällen wird also nichts dagegen zu erinnern sein, wenn in der Anmeldung zur Entrichtung des Warenumsatzstempels unter 4a oder 4b statt genauer Angabe des Umsatzes während des Kalenderjahres 1916 angemeldet wird „der Gesamtbetrag belauft sich auf nicht mehr als 200 000 Mark".
bei dieser Gelegenheit nochmals auf die in No. 296 des Hersfelder Tageblatts ye.rojiejmuyu: «c- kanntmachung betreffend die Anmeldung zur Entrich- tnng des Warenumsatzstempels Hinweise — der Stempel muß im Laufe des Monats Januar entrichtet werden — gebe ich hierbei bekannt, daß Formulare
zur Anmeldung in Kürze den Herren Ortsvorständen des Kreises übersandt werden und von den Abgabepflichtigen unentgeldlich daselbst in Empfanggenommen werden können.
Die Steuerstelle.
I. W. No. 5. I. B.:
v. H e d e m a n n, Reg.-Bssessor.
Bus der Heimat.
):( Hersfeld, 17. Januar. (Austausch tragender Stuten gegen kriegsbrauchbare Pferde.) Voraussichtlich werden noch in diesem Monat tragende, belgische Stuten in den Bezirk des 11. Armeekorps überwiesen, die im Austausch gegen kriegsbrauchbare Wallache und Stuten an Pferdebesitzer abgegeben werden sollen. Gewerbsmäßige Pferdehändler sind ausgeschlossen. Gegen die tragenden Stuten sind einzutauschen in erster Linie schwere Zugpferde und soweit diese zu erlangen Stangenpferde. Reit- oder Vorderpferde sind ausgeschloffen. Der Austausch der Pferde erfolgt in Form einer schriftlichen Vereinbarung mit der die Pferde ab- gevenden militärischen Stelle. Pferdebesitzer, welche bereit sind, kriegsbrauchbare Pferde der vorge- schrtebenen Art gegen tragende Stuten einzutauschen, werden hiermit aufgesordert ihre Anmeldungen an die Landwirtschaftskammer in Cassel zu richten. Die eingehenden Anmeldungen werden dann an die Inspektion der Ersatz - Eskadrons in Cassel, Husaren-Kaserne weitergegeben,welche mit derDurch- führung der weiteren Angelegenheit beauftragt ist.
ß Hilmes, 17. Januar. Der Musketier Heinrich Detseroth von hier, im Jnf.-Regt 96, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
Holzhausen, 13. Januar. Der seltene Fall, daß ein Vater sein achtzehntes Kind zu Grabe bringt, M*, Wt* . ft ^ welbet, bWeT. StaR« in der Familie des Weichenstellers Wilyelllu Kiern» schmidt eingetreten. 20 Kinder wurden dem Vater geboren, und 18 davon starten fast alle im jugendlichen Alter von einigen Jahren.
AlSfeld, 14. Januar. In Crainfeld erschoß sich der Sohn des Landwirts Konrad Müller auS Gram über den Tod zweier Geschwister.
Biedenkopf, 13. Januar. Auf der Eisensteingrube am Stahlberg bei Musen im benachbarten Siegener Lande hat sich während der Arbeit vor Tage in eine« Stollen ein schweres Unglück ereignet. Eine zu« Sprengen gelegte Dynamitpatrone war wider Erwarten nicht rechtzeitig losgegangen. Als man nun, vermutlich unter nicht genügender Beobachtung der vorgeschriebenen Vorsichtsmaßregeln, hernach seststellen wollte, woran das liege, explodierte plötzlich die Dynamitpatrone noch nachträglich und drei Bergleute wurden durch die herumfliegenden Gesteinsmassen in so fürchterlicher Weise zugerichtet, daß sie auf der Stelle tot waren. Es sind die Bergknappen August Klare, Heinrich Meuchels und Wilhelm Haak. Die anderen konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Hanau, 15. Januar. Bei dem BootSunglück am Sonnabend auf dem Main sind, wie jetzt festgestellt wurde, 15 Personen ums Leben gekommen. Die Zahl der Opfer hat sich demnach um 3 vermehrt.
Hauan, 12. Januar. Vor der Strafkammer hatte sich der Metzgermeister Wilhelm Heilmann hier zu verantworten. Mehrere Personen waren nach dem Genuß von Wurstwaren, die aus dem Heilmannschen Geschäft stammten, erkrankt. Eine Revision ergab, daß fortgesetzt größere Mengen von Därmen und Flechsen zur Wurstbereitung Verwendung gefunden hatten, daß auch schlecht gereinigte und verdorbene Ware hierzu benutzt und die Wurst trotz Kenntnis dieser Eigenschaft an die Kundschaft verkauft worden war. Der Angeklagte meinte, er habe nicht in gewinnsüchtiger Absicht gehandelt, sondern sei nur be- strebt gewesen, im Zeichen der Knappheit dem »batum etwa?, zu bieten. Die Beweisaufnahme war ftßrden «ngerragren n««^ ^**?^-*- Das Urteil lautete auf 3600 Mark Geldstrafe.
Die Wirkung des zrieuensangedols
anf die rümpfenden feindlichen Truppen.
Die wahre Stimmung der rümpfenden Truppen -er Entente offenbart sich in den Aussagen von französischen und englischen Gefangenen, die unmittelbar nach dem 12. Dezember eingebracht wurden, dem Tage, an dem der deutsche Reichskanzler im Reichstag das Friedensangebot der Mittelmächte bekannt gab. Gemeinsam war in allen Aussagen die Schilderung der
0:n Freude, die die Friedensbotschaft bei den Mann
en an der Front ausgelöst hatte. Gemeinsam war freilich auch allen französischen und ebcmso den kanadischen Gefangenen die niederdrückende Befürchtung, daß England versuchen werde, eine Verständigung der Kriegführenden zu hintertreiben. Ein Mann vom 29. Infanterie-Bataillon (Vancouver) 6. kan. Brigade, 2. tut. Division, der am 28. Dezember abends nordöstlich Souchez in Gefangenschaft geriet, sagte aus:
„Das deutsche Friedensangebot ist den Leuten nicht offiziell bekanntgenlacht worden, doch haben sie durch die Zeitungen Kenntnis davon. Ohne Ausnahme wünschen sie, daß das Wort in die Tat unbesetzt werde, glauben aber, daß das Bestreben des deutschen Kaisers an der Dickköpfigkeit der Engländer, wie er sich ausdrückte, zerschellen wird."
Aehnlich sprachen sich durchweg bte französischen Gefangenen aus, wobei die seit langem bekannte Avuet- gung gegen die englischen Bundesgenossen in.scharfer und bitterer Weise zum Durchbruch kam. Brrand sei das gefügige Werkzeug Englands „und state nur, was dieses befehle. Ein Mann vom Jager-Batl. 59, P. S. 157, der am 17. Dezember im Presfoirewalde eingebracht worden war, meinte über die Aufnahme des Friedensangebotes:
„Die Nachricht erweckte allgemeine Freude. Aber die Hoffnung, daß ein Erfolg damit bei der Entente erreicht werden könnte, war äußerst gering. Es wurde geäußert, England werde sich nie zu einem derartigen Frieden vergeben, und Frankreich sei zu sehr in de en dessen Hand, um einen selbständigen Entschluß fassen zu können."
Ein gewisser Unterschied der Wirkung ließ sich je nach der Art feststellen, in der den Triwpen die Botschaft zugegangen war, ob durch die Vorgesetzten, oder schon durch die Zeitungen. Ein Mann vom Fnf.-Regi. 281 58. Div., der am 18. Dezember abends bei Chilly eingebracht wurde, und der die Stimmung seiner Ka- meraden als sehr kriegsmüde schilderte, zumal sich viele Familienväter und ältere Leute unter ihnen befanden, meinte geradezu:
„Eine bestimmte Meinung hätten sie sich noch nicht bilden können, da sie aus unbekannten Gründen in den letzten Tagen keine Zeitungen mehr bekommen hätten:. Der Offizier habe ihnen das Friedensangebot nur mit kurzen Worten und ohne Erläuterungen mitgeteilt — ein Zeichen von Sdjwädx sei das Angebot i ebenfalls nicht, da den Verbündeten der Durchbruch in Nordfrankreich ja nicht geglückt sei.'
Der Eindruck, daß nicht etwa die Erkenntnis,den Krieg nicht bis zu einem siegreichen Ende dnrchsühren zu können, das Friedensangebot hcrvmgcrufen habe, ist bei diesen Leuten, die schließlich am besten die Stärke
des deutschen Widerstandes ermessen müssen, überhaupt allgemein. An einen Sieg der Verbündeten durch Waffen oder Aushungerung glaubt keiner der vernünftig denkenden Soldaten mehr. Das Märchen von der Hungersnot in Deutschland sei ihnen nun schon zwei Jahre in ihren Zeitungen aufgetischt worden, ohne daß sich eine Erschöpfung Deutschlands bemerkbar mache. Ein Heer, das eine Macht wie Rumänien in so kurzer Zeit auf die Knie zwingen könne und einem Feind an der Westfront gleichzeitig die Stirne biete, könne nicht am Ende seiner Lebensmittel und Reserven sein.
Bemerkenswert ist die Beurteilung, die bei dieser Gelegenheit den verantwortlichen Staatsmännern zuteil wurde. Ein Gefangener von der 6. Kompagnie I. R. 410 der 151. Division meinte: „Briand treibe sein Handwerk solange weiter, bis er eines Tages wie Jau- res ermordet würde, denn auch das Inland sei des Krieges sehr überdrüssig." Ein Engländer dagegen, Sergeant vom XII. R. Fuß, 34. Div., äußerte sich über Llond George: „Nachdem Asquith, der den Verbündeten gegenüber sein Wort verpfändet hatte, nicht mehr zur Verantwortung herangezogen werden könne, werde Llond George als gerissener Advokat sich schon aus der Klemme her aus,zuziehen wissen, um dann als Friedensengel in den Augen des englischen Volkes zu erscheinen."
Die allgemeinen Eindrücke werden von denjenigen Gefangenen bestätigt, denen man den deutschen Frue- densvorschlag vorenthalten hatte, um den Gefechtswert der Truppe nicht herabzudrücken, so offenbar bei den französischen Truppen, die an denh großen Angriff am 15. Dezember teilnahmen, und die nun erst hinter der deutschen Linie die Nachricht von dem Friedensangebot erfuhren. Die Leute waren sichtlich tief und freudig bewegt, sagten dann aber traurig, wenn Frankreich allein wäre, dann, ja, bamt gäbe es Friede. Alle Franzosen, Soldaten und Zivilisten hätten genug. Aber England wolle nicht, und die französische Regierung habe Angst vor England.
„Sie momilschen Gründe fit Rumäniens Wederlage."
Unter diesem Titel veröffentlicht in „Stockholms Dagblad" vom 24. 12. 1916 ein rumänischer Student, der lange in Paris studiert hat und mit französischen wie mit rumänischen Verhältnissen wohlvertraut ist, einen Artikel, in dem folgendes ausgeführt wird:
Die Erklärung für den raschen Zusammenbruch Rumäniens ist nicht nur in militärischen, sondern auch in moralischen Ursachen zu suchen. Rumänien leidet unter dun Mangel einer natürlichen Entwicklung: es ist ein frühreifes Kind. Von starkem stavischen Einschlag und lange Zeit kulturell ganz unter slavischer Herrschaft stehend, hat es, zu nationalem 'liewuntrem erwacht, plötzlich seine Zugehörigkeit zu der große romaniidten Schwester „Frankreich" entdeckt und krampfhaft deren Kul- trr fielt aufzupfropfen bemüht. Daher dieser klaffende Zwiespalt in dem Wollen und Können dieses Volkes, hohe diese Großmannssucht und Affektiertheit auf allen Gebieten, die G tebisch für den Rumänen ist es hM- deu sich dabei nalürlict) nur um die oberen, aber aus- ■
schlaggebenden Schichten, Adel und Bourgeotste. DaS gesuchte, theatralische in der Sprache, die dekadente Li« teratur, die schiefe und flache Lebensauffassung, die grotesken sozialen Zustände, schließlich auch die Selbstüberhebung, mit der sie mit der Kriegserklärung den Zentralmüchten den Todesstoß zu versetzen meinten — alles das geht auf die eine große Ursache zurück.
Politisch zeigt Rumänien bei freiester Verfassung — sie ist der belgischen nachgebildet — unumschränkte ______' I 7______ ein Land, iw individuelle Freiheit und Menschenrechte so wenig gelten, als hier. Rumäniens soziale und politische Struktur, so führt der Verfasser fort, weist überhaupt die stärksten Widersprüche auf. Die Armut der großen Mehrzahl des Volkes steht in grellem Gegensatz zu dem natürlichen Reichtum des Landes. Not und Elend bet den 5 Millionen Bauern, die eine kleine Minorität von
Beamtenwillkür. In Europa gibt es kaum wo individuelle Freiheit und Menschenrechte
Hl
Großgrundbesitzern und Politikern in wirtschaftlicher Knechtschaft hält, Haben stets die Träume des offtstenen Rumäniens durchkreuzt. Es ist die Agrarfrage, die das Leben des jungen Staates vergiftet hat, und indirekt ist sie auch eine der Hauptursachen der letzten großen Niederlagen gewesen. Wie soll man sich ein irredentifti- sches Ideal und Expansionsgelüste bei diesen Bauern vorstellen, die dem Hungertode nahe sind, und deren Gerechtigkeitsgefühl und Billigkeitssinn ein Ministerium nach dem anderen snstematisch zu ersticken sucht? Wie ollte man wohl den rumänischen Bauern für die Befreiung der Runstinen unter fremder Herrschaft begeistern können, wo deren wirtschaftliche Lage und materielle Wohlfahrt ihm selbst als fernes Ideal vorschwebt. nach dem er sicher streben würde, wenn nur seine materiellen Sorgen und die Unwissenheit, unter deren Druck er kümmerlich sein Leben fristet, ihm Zeit zum Nachdenken ließen? Die durch so viele Unbilden zur Verzweiflung getriebenen Bauern erhoben sich 1907. Im Blute von 11 000 Bauern wurde der Aussiand erstickt, und das Land setzte sein Leben des hohlen Scheines fort.
So braucht man sich nicht zu wundern, daß die rumänischen Bauern, die die Mehrzahl des Heeres aus- mad)en. sich ohne Ueberzugung und Begeisterung schlagen. Rumänien bedarf innerer Reformen, eines Körnchens sozialer Gerechtigkeit und Mitgefühls für die Landbevölkerung. nicht die problematische Annektion von Gebieten, die historisch nie zu ihm gehören.
Haß gegen die Deutschen, die er nur als Lehrer und Meister kennt, liegt dem rumänischen Soldaten fern. Nie haben sie in seiner BvrstellungSwclt als Gegner figuriert, sondern als das Volk, mit dem er in friedlichen .ssgndelsbeziebungen stand, das seine Industrie geschaffen, sein Land wirtschaftlich gefördert bat. Seftr Haß richtet sich vielmehr gegen bte „eicckoi", die Adeligen und Großgrnndbesitzer. Dieser Haß bildet den ständigen Grnndton ihrer Lieder, ihrer Klagen.
Wenn nur die deutschen Behörden, so schließt der Artikel, die das besetzte Rumänien verwalten, ein n-entg Mitgefühl für den Bauern zeigen und diese 5 Millionen, jetzt in Sklaverei Schmachtenden, nur ein klein wenig nachsichtiges WoblnuRen spüren lasten so wird dies Volk zum ersten Male mit einem Gefühl der Erreich- terung aufatmen.
en und diese 5 Millionen.
Dann werden viele Rumänen die Niederlage des vssiziellen Rumänien als ein Ereignis von hoher fokaler Gerechtigkeit anfeven.