Englands Militarismus.
England, das sich immer wieder als Bekämpfer des preußischen Militarismus aufspielt, hat während des Krieges alle militärischen Einrichtungen von seinem Hauptgegner übernommen und findet nun augenscheinlich Gefallen daran, denn immer unverhohlener treten Aeußerungen maßgebender Persönlichkeiten hervor, in denen ein englischer Militarismus gepredigt wird. So sagte jüngst die „Morningpost" in einem Leitartikel, den Charakter des britischen Weltreiches sehr richtig bezeichnend: „Das britische Reich, das sich auf Krieg ausbaute, muß durch Krieg aufrechterhalten werden." Noch klarer drückt diese Idee der bekannte Militärkritiker der Londoner „Times". Oberst Repington, im Novemberheft des „London Magazin" aus, wenn er sagt: „Der Krieg wird eines Tages enden, und wie werden wir dann Sastehen? Wenn wir Armee, Flotte und alle unsere Hilfsauellen zusammen nehmen, so werden wir die erste militärische Macht der Welt sein. Wir werden als die Säule der Slllianz anerkannt werden .... Die militärische Schwäche Englands war das Schreckgespenst seiner Soldaten eine Generation hindurch. Sie war eine beständige Bedrohung des Friedens. Sie umroe schließlich eine der ersten Ursachen des Krieges. Diese Dinge gehören nun der Vergangenheit an.... Wir haben die Führung in dem Bündnis übenwmmen und die Führung Europas gehört uns mit Recht. Weil wir die Tchiife. das Geld und die Leute haben, werden wir niemals die militärische Vorherrschaft begehren, noch danach streben, einen Militarismus durch den anderen zu ersetzen. Wir werden in der Hauptsache eine Ozean- und eine Seemacht vor allen anderen bleiben, aber die Landesgrenzen des Reiches werden weiterhin dem Erdumfang gleichen, und wir werden uns nicht wieder dem irrtümlichen Glauben hingeben, daß »eemiW alles ist... . Unser Volk hatte und hat den Willen, zu erobern. Darin liegt alles. Niemals, selbst in den dunkelsten Tagen, wenn unsere Armeen im Westen halb zertrümmert vor dem Feinde sich zurückzogen, dachten oder sprachen oder träumten unsere Soldaten von einem anderen möglichen Ende als vom Siege. In diesem großen Geist ist der Krieg gesucht^ das Andenken an unseren «uerschutterlichen Entschluß, z«'erobern, wird das vornehmste Erbe sein, das wir unseren Nachkommen hinterlassen können, den Söhnen and Töchtern von England und seiner glorreichen Ko- 'onien."
snetz es nicht immer „England käulpft nur für die Rechte der kleinen Staaten": wie verträgt sich das mit dem hier ausgesprochenen Grundsatz zu erobern!
Das „rücksichtsvolle" England.
In einem Leitartikel, welchen das Kopenhagener Blatt „Socialdemokraten" vom 4. Januar, heranzieht, vergleicht „Daily Telegraph" vom 3. Januar die Haltung Englands und Deutschlands den Neutralen gegenüber und hebt hervor, daß England die Blockade mit einer Rücksicht durchführe, wie sie nie von einer Macht früher geübt worden sei. England habe seine Mühe gescheut, um die kleinen nordischen Staaten vor den schwersten Folgen ihrer Nachbarschaft mit Deutschland zu bewahren. Würde Deutschland ebensoviel getan haben? Würde es Belgien ernährt haben? Jedes neutrale Land wisse, daß Deutschland die Macht zur See so unbarmherzig wie möglich ausgenutzt haben nwr*- M» wie l««,-M^M.rL. RückuM- E &nk, lands, Schwedens und Norwegens Freiheit genommen haben, als es sie aus diejenigen Länder nahm, deren Grenzen es respektieren sollte. England sei in den Krieg eingetreten, um Belgien zu verteidigen. Es
bade die belgisch« Bevölkerung seit KriegSdeginn [ton- big verteidigt, selbst wenn die englischen militärischen Interessen darunter gelitten hätten. So habe England das Deutsche Reich von seiner Pflicht befreit, das belgische Volk zu erhalten. Weiter habe die englische Barmherzigkeit die Deutschen in den Stand gesetzt, Lebensrnittel zur Ernährung des deutschen Heeres zu bekommen. Die Deutschen kämpften um ein größeres Deutschland. England kämpfe für die Freiheit in der Welt und es unterwerfe sich dem Urteil der unpartei- ifcheu Geschichte, was seine Feinde nie tun könnten.
„Socialdemokraten^ bemerkt hierzu: Daß England in den Krieg eintrat, um Belgien zu verteidigen, ist von der „Times" entschieden abgeleugnet worden. England wäre selbstverständlich mitgegangen, selbst wenn Deutschland nicht freien Durchmarsch durch Belgien verlangt hätte. Dazu war es durch seine Politik Rußland und Frankreich gegenüber verpflichtet. Eug- land ging mit, um seine Weltmachtstellung zu behaupten. Aber die Verletzung der belgischen Neutralität war das Mittel, das die englische Regierung gebrauchte, um das friedensfreundliche englische Volk kriegsbegeistert zu machen, und deshalb war die Neutralitätsverletzung ein ungeheurer diplomatischer deutscher Fehlgriff.
Von der Rücksicht gegenüber den neutralen Staaten, die „Daily Telegraph" erwähnt, haben diese nicht «viel bemerkt. Wir wissen nicht, was „Daily Telegraph" meint mit seiner Bemerkung, England habe die nordischen Staaten vor den schwersten Folgen der deutschen Nachbarschaft bewahrt. Auf alle Falle hat uns England der besten Folgen dieser Nachbarschaft, eines guten und lohnenden Handelsverkehrs, beraubt. Rein human betrachtet, kann wohl keine Kriegführung für grausamer gelten, als diejenige, ein ganzes Volk von 70 Millionen mit Frauen und Kindern aushnn- gern zu wollen. Für diese englische Aushungerungs- politik müssen die neutralen Staaten büßen.
Sie Hungerwaffe.
In England mehren sich die Stimmen, die hinsichtlich der Ernährung des Jnselretchs trübe in die Zukunft sehen. Die Waffe, die Deutschland schlagen sollte, wendet sich immer mehr gegen das Britenreich selbst. Mehrere Umständen wirken dabei zusammen.
Zunächst die Verminderung des Boden-Anbaus in England selbst. „Die Aushebung landwirtschaftlich notwendiger Arbeitskräfte hat jetzt Hunderttausende von Morgen Land der Bestellung entzogen. Sie wird eine weitere ernste Verminderung unsrer heimischen Versorgung im nächsten Jahre bringen" — so schreibt die „Nation" am 18. November 1916. Dazu kommt als für England, das zum weitaus größten Teil von der überseeischen Nahrungsmittelzuführ abhängig ist, besonders ins Gewicht fallend, die Abnahme des bebauten Bodens auch in andern Ländern, so in Amerika, wo das durch den Krieg veranlaßte starke Anwachsen der Industrie- tätigkeit die Bodenbebauung stark beeinflußt hat. Eine Zusammenstellung der Verminderung des bebauten Bodens ergibt folgende Zahlen: Amerika um 17,2 vom Hundert, Rußland um 16,7 v. H., Kanada um 22,3 v. H., England um 12,1 v. H.
Recht bedrohlich ist weiter für England die Mißernte des Jahres 1916. Auch hier fallen wieder die überseeischen Länder für England ganz besonders ins Gewicht. Die Mißernte 1916 hat zur Folge eine Verringerung des Bestandes in Amerika um 40,2 v. H., Rußland um 20,6 v. H., Kanada um 57,5 v. H., Indien um 15,6 v. H., England um 23,2 v. H.
— Li«»- spitzten eröffnen in der Tat üMtin,n»«^»«K- sichten für das Juselreich. Nun ist aber noch ein dritter Umstand vorhanden, der wohl die größte Gefahr in sich schließt. Das ist die Frachtraumfrage, deren Bedeutung jetzt in den weitesten Kreisenerkannt wird. Es ist das
die Folge der leibhaften KreuorrUlttgrett unser«: SM< boote in den letzten Monaten. Der Frachtraum ist Nr verwundbarste Stelle des Britenreiches. Gelingt es uns, die Versenkung in gleich starkem Maße fortzusetzen, dann ergeben sich für England hieraus Schwierigkeiten, hinter denen alle anderen zurücktreten. Jedes Schiff, das ver- senkt wird, wirkt jetzt schon verteuernd auf den Lebensmittelmarkt. Welche Preise in England jetzt bezahlt werden müssen, darüber gibt eine Zusammenstellung der „Times" vom 9. November 1916 Ausschluß: „Rind- und Hammelfleisch sind sehr teuer, Kartoffeln find nicht billiger zu haben, als 8 Pfund für 1 Sh. (— 1 .M Ein Dutzend frisch gelegte Eier kostet 4 Sh. 3 d l— 4,25 .M, der Butterpreis ist auf 2 Sh. 4 d (= 2,35 «M das Pfund gestiegen. 7 Pfund Mehl kosten 1 Sh. 9% d (= 1,80 .M Weißer Zucker ist in vielen kleinen Läden überhaupt nicht zu erhalten, braunen Sirupzucker bekommen nur solche Leute, die auch andere Waren abnehmen. Ein Pfund Aepfel kostet 4 d (= 0,35 .M und 6 b (= 0,50 ^"
Bekannt ist, daß die Preissteigerung beim Brot in England nahezu 80 v. H. beträgt, während Deutschland nur halb so hohe Brotpreise hat. Die Engländer wer- beu es uns nicht verübeln, wenn gerade wir Deutschen mit besonderer Spannung der weiteren Entwicklung der Ernährungsfragen in England entgegensehen.
Angriff eines deutschen Flugzeuges auf einen Fesselballon.
Am 11. Dezember 1916, 3,20 Uhr nachmittags, starteten in ihrem Kampfflugzeug Leutnant F. und Leut- itant A., um einen englischen Fesselballon bei La Croix Mamuse abzuschießen. In 1300 Meter Höhe überflo- gen sie die feindlichen Linien und griffen kurz darauf den Ballon in 1100 Meter Höhe an. Das Flugzeug kam bei diesem Angriff in heftiges Feuer der feindlichen Abwehrgeschütze,' der Ballon wurde aber sehr rasch von unten eingeholt und verschwand für kurze Zeit in einer niedrigen Wolkenbank. Darauf setzte das Flugzeug zu einem zweiten Angriff an. Dem immer tiefer- gehenden Ballon stieß es dabei bis auf 200 Meter über dem Boden nach. Auch dieser Angriff erfolgte im ständigen schwersten Abwehrfeuer von Geschützen und Maschinengewehren. Trotzdem unternahm die Besatzung noch einen dritten Angriff in nur 200 Meter Höhe, um endlich den Ballon in Brand zu bekommen.
Da erhielt die Maschine einen Treffer in den Benzintank,' gleichzeitig wurde der Führer durch einen Prellschuß am rechten Arm verwundet. Das bedingte den Abbruch der Unternehmung. Beim Rückflug wurden Truppenlager und übende feindliche Truppen allerorts erkannt. Mit Maschinengewehrfeuer griff die Besatzung diese an, und ging dabei bis auf 20 und sogar 10 Meter über den Boden herunter. Feindliche Reiter verfolgten das Flugzeug in d im nächsten Augenblick notlanden werde. Die Besatzung beobachtete, daß sich einzelne Leute, über die das Flugzeug in dieser niedrigen Höhe hinwegflog, zu Boden warfen. Bei dem jeweiligen Niedergehen verstummte dns feindliche Jnfanteriefeuer.
Plötzlich einsetzender Regen zwang zur Orientierung nach dem Kompaß in östlicher Richtung. Kurz daraus mußte wegen der erhaltenen Verwundung des Führers und infolge NachlgsienS des Motors zur Notlandung geschritten werden. Das Flugzeug hatte außer je 1 Schutz durch den Benzintank und den Propeller 3 Schüsse in das Kurbelgehäuse des Motors sowie zahl- reiche Treffer in, den Tragflächen und im Höhensicuer *eww***twe*ewweeii^^
Geschicklichkeit der Besatzung gelang es, das Flugzeug hinter den eigenen Linien glatt zu landen. Die schneidige Tat der Besatzung hat im Korps- Tages- und Armeebefehl Anerkennung gefunden.
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Der Vorstand:
Hch. Schäfer, Vorsitzender.
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Kirchliche Nachrichten.
Sonntag, den 14. Januar.
Vormittags ValO Uhr: Herr Pfarrer Scheffer (zugleich MilitärgotteSdienst) Vormittags 11 Uhr: Kinder- gotteSdienst (Sonntagschule) Nachmittags V26 Uhr: Herr Pfarrer Uloth.
Petersberg.
Mittags 1 Uhr Gottesdienst
Uuterhanu.
Vormittags 9 Uhr Gottesdienst.
Mittwoch, AbendS 8 Uhr Kriegsbetstunde in der Stadtkirche.
Donnerstag Abends 8 Uhr Gottesdienst in der Hos- pitalskapelle.
Kathol. Gottesdieust.
Sonntag, den 14. Januar.
7 Uhr hl. Messe.
8 Uhr: hl. Messe.
ValO Uhr: Amt, Predigt, Christenlehre.
V-3 Andacht
Werktags : Va7 Uhr hl. Messe Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonnabend 5 u. 8 Uhr.
Sonntag Va7
Freitag Abend 8 Uhr Bitt- Andacht.
Gemeinschaftliche hl. Com- munion des Jungfrauen- Vereins.
Männer-Verein.
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