Amerika mid die Friedensfrage.
Die Mehrheit des amerikanische« Volkes für den Friede«.
Nach einem Neuyorker Telegramm der „Frkf. Ztg." ist ein klares Bild über den Fortschritt des Friedens- werkes unmöglich. Die Zeitungen vom Donnerstag sind voller Widersprüche. Die Regierung zeigt sich verschlossen, die Bevölkerung ist jedoch hoffnungsvoll, weil Deutschland angeblich Wilson vertraulich einen Umriß seiner Friedensbedingungen gab und England die Konferenz der Dominions (die bekannte Reichskonferenz) anberaumte.
Der Korrespondent der „Morningpost" in Washington telegraphiert seinem Blatte, daß die wahren Gründe für die Friedenspolitik des Präsidenten Wilson darin zu suchen seien, daß die überwiegende Mehrheit des amerikanische« Volkes für den Frieden sei, obgleich namentlich in den östlichen Staaten starke Sympathien für die Entente vorhanden seien. Die starke Preissteigerung aller Lebensbedürfnisse haben die Friedensliebe der Bevölkerung verstärkt, da diese die Teuerung auf den Krieg zurückführe. Der Präsident habe auf die Volksstim- mung Rücksicht nehmen müssen und sich entschlossen, feinen Einfluß aufzubieten, um den Frieden zustande- zubringen. Im amerikanischen Kongreß sei heute eine starke Mehrheit vorhanden, die die vom Präsidenten unternommenen Schritte billige.
Diese Mitteilungen verfehlen nicht, Eindruck in der englischen Presse zu machen.
Eine englische Stimme der Vernunft.
Das Blatt der englischen Liberalen, die „Daily News", hat es laut „Köln. Ztg." gewagt, das Angebot Deutschlands auf Einleitung von Friedensverhandlungen zur Annahme zu empfehlen. Das ist bemerkenswert insofern, als das Blatt damit eine seltene Ausnahme in der englischen Presse bildet. Die „Morning- post" erklärt dieses Eingeständnis für einen schamlosen Versuch, den Feind zu ermutigen und die eigenen Landsleute pessimistisch zu stimmen.
Eine Friedenskonferenz der Eutentestaaten?
Die „Nationalzeitung" berichtet aus Pest: Wie aus Sofia gemeldet wird, erfährt das Blatt „Kambana" aus guter Quelle, die russische Regierung bemüht sich unter den Alliierten, die Eutentestaaten zu einer Friedenskonferenz unter sich z« veranlassen.
Deutsche Fürsten über den Frieden.
Wie der „Bcrl. Lok.-Anz." mitteilt, hat König Ludwig von Bayern aus einen Neujahrs-Glückwunsch der Stadt Augsburg au den Oberbürgermeister Wolfram ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: „Ich weiß mich eins mit meinem Volke in der Hoffnung aus einen baldigen Frieden. Aber ich kann für uns alle nur einen Frieden wünschen, der unseren Waffenerfolgen entspricht und uns zugleich eine Gewähr für eine ungestörte wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in der Zukunft bietet."
Die „Mecklenburg. Warte" veröffentlicht folgenden Ausspruch des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg, des Präsidenten der Deutschen Kolonialgefell- schaft: „Für meines Mecklenburger Vaterlandes, wie des ganzen Deutschen Reiches Friedenszukunft wolle Gott den Führern vor dem Feinde und daheim feste«, zielsicheren und weisen Geist erhalten uitb stärken und unserm ganzen Volke in diesem Entscheidnngskampfe um unsere Zukunft harten, nnveugsamen Siegeswillen schenken; denn nicht durch einen weichlichen Vergleich, Knoern nur durch einen MW» Wa
nd werden wir einen Frieden erlangen, in dem der Deutsche unbesorgt wird leben und sich weiter entwickeln können."
Griechenlands Antwort erfolgt?
Ein Ultimatum a« die Entente?
Laut Mailänder Zeitungen meldet das Athener Blatt „Asty", daß die Antwortnote Griechenlands an die Entente ein Ultimatum darstellt.
Einer Meldung des „Daily Telegraph" aus Athen zufolge sind praktisch nunmehr die diplomatischen Beziehungen zu Griechenland abgebrochen, was jedoch nicht notwendigerweise zum Kriege führen muß. Alle Ge- sandtschasten des Verbandes, auch die rumänische und serbische, sind geschlossen worden. Die Gesandten haben mit ihrem Personal und den Untertanen ihrer Staaten die Stadt verlassen und sind an Bord der Kriegsschiffe gegangen. Nur der italienische Gesandte steht noch in Verbindung mit der Athener Regierung.
Englische Stimmungsmache.
Wie die „Morningpost" laut „B. L.-A." aus Paris meldet, seien die Zustände in Athen infolge der Blockade sehr ernst. Täglich gäbe es Kämpfe um Brot. Die Getreidevorräte sollen nur noch 14 Tage reichen. Die Bevölkerung werde von den Reservisten terrorisiert, die ganz Herr der Lage seien.
krlegsMeriei.
Tirpttz Losungswort für 1917.
Wie Berliner Blätter der „Coblenzer Zeitung" entnehmen, hat Großadmiral von Tirpitz in einem Neu- jahrsbrief an den Landgerichtsrat Otto Händler in Cob- lenz die Worte geschrieben: „Für 1917 sei Flandern das Losungswort."
Die Furcht vor deutschen U-Boote«.
In einem Leitartikel der „New York World" wird Deutschland vor der Wiederaufnahme eines schonungslosen U-Bootkrieges gewarnt. Dies wurde nur ein Anlaß für die Neutralen sein, auf der Seite der Verbündeten einzugreifen.
Schamlose französische Völkerrechts- verletzungen an deutschen Kriegsgefangenen
Vor wenigen Tagen erst ist ein unglaublicher russischer Völkerrechtsbruch bekannt geworden. Drei deutsche Offiziere, denen die Flucht aus russischer Gefangenschaft gelungen war, wurden auf chinesischem Boden durch russische Soldaten erschossen. Die „edle französische Mattem" scheint aber den Ehrgeiz zu haben, russischer Brutalität den Rang abzulünsen. Durch eidliche Aussagen mehrerer aus französischer Gefangen- schast entronnener Unteroffiziere und Mannschaften t)t neuerdings einwandfrei erwiesen, welcher geradezu unmenschlichen Behandlung deutsche Kriegsgefangene durch die Franzosen ausgesetzt sind.
Die Deutschen wurden nach der Gefangennahme systematisch ausgeplündert. Uhren, Geld und Wertsachen wurden ihnen geraubt, die Oröenvbander abgerissen. Die Gefangenen mußten nicht nur Verwundete aus der Kampffront zurückbringeu oder in vorderster Linie Tote bestatten: im schwersten Feuer haben sie bei jedem Wetter Schanzarbeiten auöführen, Munition nach vorne schassen nnd den Franzosen Essen in die Stellung bringen müssen. Hierbei sind zahlreiche deutsche Gefangene durch ArnÜertefeuer getötet oder perwun- det wvLdütl.
Mek darüber Knalls Satten die Deutschen, die zu solchen „Arbeitskommandos" zusammengestellt werden, noch körperliche Mißhandlungen zu erdulden. Die Verpflegung der deutschen Gefangenen war überaus schlecht. Erst am zweiten Tage bekam jeder ein Viertel Brot, und erst am dritten Tage die erste warme Verpflegnng in Gestalt — eines kleinen Trinkbechers voll Kaffee! Leute, die sich krank meldeten, bekamen tagsüber nichts zu essen, sondern nur abends Suppe. Koch- und Wasch- gelegenheit fehlten vollständig.
Geradezu unglaublich war die Unterbringung: Wie die Schafe wurden die Deutschen in einem von einem Drahtverhau umgebenen Viereck zwei Tage und eine Nacht zusammengepfercht. Der Morast ging bis über die Knöchel. Es wurde ihnen keine andere Gelegenheit gegeben, als stehend ihre Notdurft zu verrichten! So dicht gedrängt waren die Aermsten bei Souilly untergebracht! Ein Mann, der dem umgebenden Drahtzaun zu nahe kam, als er austreien wollte, erhielt von dem Posten einen Bauchschuß, so daß er nach kurzer Zeit verstarb!
Man vergleiche mit dieser unerhört schändlichen menschenunwürdigen Behandlung die Art der Behandlung, die wir den feindlichen Kriegsgefangenen in Deutschland zuteil werden lassen, und die oft genug von neutralen Beobachtern dokumentarisch bezeugt worden ist. Grundsätzlich werden bei uns die Kriegsgefangenen sofort aus dem Feuerbereich gebracht und selbstverständlich nie in der vordersten Linie beschäftigt. Unterkunft und Verpflegung entsprechen den gesundheitlichen Regeln, die wir für unsere eigenen Landeskinder anwenden. Wir lassen uns stets von dem Grundsatz leiten, im Kriegsgefangenen nicht mehr den Feind, sondern den Menschen zu sehen. Möge dieser krasse Fall unwürdigster völkerrechtswidrigster Behandlung deutscher Kriegsgefangener erneut dazu beitragen, dem neutralen Ausland die Augen darüber zu öffnen, wer in Wahrheit die „Barbaren" sind.
Politische Rundschau.
Bei der Neichstagsnachwahl im Wahlkreise Cöln- Stadt für den verstorbenen Reichstagsabgeordneten Hofrichter sind im Zeichen des Burgfriedens für Redakteur Meerseld (Soz. Frakt.) 3057 Stimmen abgegeben worden.
Die Zukunft Belgiens. Von Vertretern der führenden Stände und Berufsklassen aus Stadt und Bezirk Frankfurt a. L. ist, wie die „Kreuzztg." berichtet, dem Kanzler eine Eingabe unterbreitet worden, in der es u. a. heißt: Wir brauchen Belgien, seine reichen Bodenschätze und Industrieanlagen zur Mehrung unserer wirtschaftlichen Macht. Wir sind es unserem Volkstum und sind es dem lebenskräftigen, fleißigen und eigenartigen niederdeutschen Stamm der planten selbst schuldig, sie nicht unrettbarer Verwelschung preis- zugeben. Wir verweisen schließlich und nicht zum wenigsten auf die Stimme des gesunden Volksinstinktes; Volk und Heer würden eine Rückgabe Belgiens nicht verstehen. Was die Form des Besitzes anbelangt, so wird sie sich unter dem Zwange der Verhältnisse und der politischen Einsicht von selbst ergeben. Wir legen keinen Wert auf eine eigentliche Annektierung und denken an eine Angliederung in irgendeiner Form, wobei der flämische und der wallonische Teil getrennt zu behandeln ^^Die Schiffahrt nach dem Kriege. Die „Leipz. N.
Reichstagsabgeordneten, im der Generaldirektor Ballin gegen Angriffe wegen angeblicher Flanmacherei in Schutz genommen wird. Der Verfasser teilt u. a. mit, daß Ballin seinerzeit ziemlich wörtlich erklärte: Ich würde den Staatsmann verachten, der wegen unserer Schiffe in Amerika sich von der Anwendung des Mittels zurückhalten ließe, das ihm den Sieg über England gewährleistet. Für die deutsche Schiffahrt gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder Deutschland siegt, , und dann steht die deutsche Schiffahrt groß und mächtig tn der Welt da, gleichgültig, wieviele Schiffe sie im Kriege verloren hat, oder Deutschland erleidet eine Niederlage, dann geht die deutsche Schiffahrt zugrunde^ gleichgültig, ob sie ihre Schiffe in den Vereinigten Staaten sich erhält oder nicht.
Vermischtes.
Ueber 215 Millionen Kricgsuuterstükttng in Berlin. Im Dezember 1916 wurden in Berlin allem an Krieaersamilien an Unterstützungen mehr als 13^- Mst- ltonen Mark gezahlt. Jnsgesaun betragt die bwher an Kriegsunterftützungen gewahrte Summe 215h Millionen. .
Der Schisführer Kanuwischer, der am 28. Juli <916 auf der Dahme bei Grünau durch Fahrlässigkeit ein Motorboot zum Sinken gebracht haue. wobei 22 Menschen ertranken, wurde von,der Strafkammer oes Landgerichts Berlin wegen fahrlässiger /Tötung und fahrlässiger Ttransportgefährdung zu einem Jahr G^aug- nis verurteilt.
Die psmmersche Hindenvurgspends. Laut „Berl. Tagebl." wurden als Pommersche Hindendurgwende an Wurst und Fett bisher 42 000 Pfund abgesandt, 10 000 Pfund nach Bochum, 11000 Pmud nach Duisburg, 20 000 Pfund nach Bochum-Land.
Neuyorker Wohltätigkeitsbazare. Nach einer Mit- teilung der deutsch-amerikanischen Handeiskamnrer hat der Wohltätigleitsbazar, der Wi Jnli in Neuyork zu Gunsten der Entente unter dem Protektorat der Muftar- däre, Waffen- miß Munitionslieferanten und.der Damen der Gesellschaft stattsand und sich der imitgehend- sten Reklame durch d e anglo amerikanische Press, er- freute, nack) Abzug der Unkosten von 171191 Dollars einen Reingewinn von 477 475 Dollars ergeben, ein klägliches Resultat, wenn man sich ermnert, da« man zwei Millionen erwartet mit) gehofft Satte. den deutschen Bazar, der im März veranstalret wurde, tu den Schatten stellen zu können. Dieser deutsche Bazar hat bekanntlich 730197 Dollars Remgewmu erbracht bei 58 462 Dollars Unkosten. Und dabei hatten die Deutschen NeuyorkS bereits im Jahre vorher einen erfolgreichen Bazar veranstaltet!
Der el«geschkki»Ne SohleMerbrasch.
' Die Einschränkungen auf dem Gebiete der Beleuchtung, die Verkürzung der Polizeistunde und der nächtlichen Verkehrrgelegenheiten wird eine beträchtliche Ersparnis au Licht hervetführen und eine erhebliche Verringerung des Kohlenverbranchs im Gefolge haben. Es scheint nun wünschenswert, einmal den Versuch zu machen, die tatsächlichen Vorteile der durch die aßen aufgektthrten Verordnungen herbeigeführten Koy- lenermainiS einigermaßen "-dmerlfä ru erfasse«.
Nach der StakiMk der deutschen EiertrizitütSwer?« beträgt der Anschlußwert der elektrischen Lampen am 1. April 1913 alles in allem rund 1 400 000 Kilowatt d. h. nimmt man für den Stromverbrauch der Lampen, der ja ein sehr verschiedener ist, eine durch die Erfahrung gegebene Durchschnittszahl an, so ergibt sich der obige Wert. In normalen Zeiten hätten wir heute sicherlich mit einem Anschlußwert von zwei Miliwnen Kilowatt zu rechnen. Da aber der Krieg die Entwickelung hinderte und da außerdem Wer verschiedene Elektrizitätswerke keine Angaben zu erhalten sind, die jedoch gleichfalls Lampen speisen, da weiter die Zahl der lichtstarken Lampen zugenommen haben dürfte, und da erfahrungsgemäß ein sehr großer Teil der Lampen viel zu selten erneuert wird, so daß sie übermäßig viel verbrauchen, so kann man mit Wahrscheinlichkeit an- nehmen, daß sich bei Verkürzung der täglichen Brenn- zeit aller im Betrieb stehenden Lampen um eine Stunde eine tägliche Ersparnis von 1800 000 Kilowattstunden ergeben würde.
Diese Energie wird nun durch die verschiedenartigsten Maschinen erzeugt, deren Betriebskraft, von wenigen Ausnahmen abgesehen, durchweg entweder un- mrttelbar oder mittelbar die Kohle ist. Die Ausnutzung der Kohle ist bei diesen verschiedenen Maschinen eine außerordentlich verschiedene. Wir wollen aber zunächst einmal mit einer ziemlich günstigen Ausnutzung rechnen und auch annehmen, daß nach ganz besonderen Verfahren und mit einer guten Kohle, nämlich mit Anthrazit, gearbetket wird. Dann läßt sich die Kilowattstunde im Durchschnitt wohl aus 0,5 Kilogramm Anthrazit erzeugen. Zur Erzeugung der obigen 1800 000 Kilowattstunden sind somit 900 000 Kilogramm Anthrazit nötig. Nun kommen aber auch — und zwar meist — geringere Kohlensorten zur Verfeuerung. Die Äusnützung ist eine sehr verschiedene. Es liegen also in der Mehrzahl der Fälle sicherlich ungünstigere Verhältnisse vor, so daß man nicht also fehl gehen wird, wenn man behauptet, daß zur Erzeugung der eben angeführten Energie etwa 1200 000 Kilogramm Kohle oder rund 1200 Tonnen Kohle nötig sind.
Ein gewöhnlicher zum Kohlencransvort dienender Güterwagen faßt 10 000 Kilogramm oder 10 Tonnen Kohle. Die durch eine Stunde weniger Brennzeit ersparte Kohle entspricht also der Ladung von 120 Güterwagen. Nun sind aber noch eine Anzahl von Faktoren in Rechnung zu ziehen, die sich bei der Erzeugung und dem Verbrauch des Lichtes eraeben, auf die vier nicht im einzelnen eingegangen werde soll, die aber den Kohlenverbrauch so steigern, daß man alles in allem wohl annehmen darf, daß eine Stunde täglicher L^chtersparnis einer Ersparnis von reichlich 150 Güterwagen gleichkommt.
Dazu kommen dann noch die nicht zu unterschätzen- den Ersvarmsse auf dem Gebiete der Gasbeleuchtung, io daß sich durch einfachste Maßregeln täglich sicherlich vielleicht 200 Waggons Kohle und mehr ersparen lassen. Jede Stunde ersparten Lichts bedeutet somit eine be- trachtliche Erhöhimg unserer Kriegsbereitschaft, zu der abgesehen von allen behördlichen Maßnahmen, auch jeder einzelne nach besten Kräften beitragen sollte.
Weitere Drahtnachrichten.
Die Lage an der mazedonischen Front.
Sofia, 6. Januar. (T. U.) Die bei Monastir kampfenden Uebericfle der serbischen Armee wurden Wie tnÄn
nicht vertrauenswürdig erwiesen haben. Sie sollen durch Italiener ersetzt werden. Auch die russischen U^itkräfte sollten zurückgezogen werden. Das rus- Nlche Oberkommando bestand aber darauf, daß sie weiter au der Expedition in Mazedonien teilnehmen.
Fieberhafte militärische Tätigkeit in England.
^ Amsterdam, 6. Januar. (T. u.) Wie man laut „Voil. Ztg." aus London meldet, herrscht in England augenblicklich sowohl was die Land- als auch was die Seeltreitkrüfte betrifft, eine fieberhafte militärische Rü- stungstatrgkert. Die Minister halten täglich lange Kon- ferettzen mit den in Betracht kommenden Steuen ab. Mit Parrs «nd dem englischen Hauptquartier herrscht er« ständiger Telegrammwechsel. Der neutralen Schifffahrt sind verschiedene Einschränknngeil auferlegt wor- öen. 3tach der Ansicht der englischen Polstiker sind an der Westfront große Ereignisse zu erwarten. --
Bande! und Verteiln
Der jetzt zur Beröffentkichuug gelangte Steuer- kurszettct gewährt zum ersten Male seit Ausbruch des Krieges einen vollstandigerr Einblick in die Kursent- wicktuiig an den deutschen Börsen. Ein völliges 3to= »um bilden die Kriegsauleihen im Kurszettel. Sie sind — und zwar gilt dies für die sünsprozentige Reichsanleihe wie die 5- und ft prozemigen Scharranweisungen — nicht unter den durchschnittlichen Zeichnungspresten eingesetzt, nämlich mit 98 vezw. ü) und 95 Prozent. Die alleren Anleihen des Reiches und Preußens lassen bei einem Vergleich mit den letzten Friedenskursen nennenswerte Rückgänge erkennen, die jedoch immer noch geringer sind als die in England uno Frankreich zu beobachtenden Kursverluste der Staatsreuten. Namentlich sind die Kriegsanleihen der genannten feirw- lichen Länder im Kurse stark entwertet. Eine der auffälligsten Erscheinungen ist der ungewöhnlich hohe Kursstand der neutralen Wertpapiere, der zum größten Teil in dem Sinken der Marklvährung begründet ist. Die Anleihen der übrigen feindlichen Länder lassen, soweit sie an deutschen Börsen. umgesetzt werden, sämtlich beträchtliche Kursrückgänge erkennen, so in erster Linie russliche Wertpapiere, ferner rumänische, serbische, italienische und portugiesische. Bei allen diesen ist viel Geld verloren worden. Bet den zahlreichen Rü- stungswerlen zeigen fim stattliche Kursgewinne. Fast alle Gesellschaften, die sich der Herstellung von Pulver und Dtunition, sowie von sonstigem Kriegsmaterial zu- tvendelen, hatten eine sehr günstige Bewertung ihrer Aktien zu vei zeichnen. In diesen Kreis gehören auch die gm beschäftigten Waggon-, Automobil- und Fahrrad-, Maschinen- und Werkzeugfabriten, die teilweise noch nie erlebte Höchstkurse erreichten. Schon bei ober- slächlicher Betrachtung wird man gemabr, daß viele Papiere einen Kurs von mehr als 400 Prozent haben. Zwei Wertpapiere haben sogar einen Kurs von 700 Prozent erreicht, nämlich die Aktien der Brüxer Koh. lcnwerke und der Vereinigte!. Glanzstoffabriten. Daneben »rangen die Daimler Motorenwerke mit einem Kurs von 630 Prozent, d. h. einem 300 Prozent über der letzten Friedensnotierüng liegenden Kurse. Der Merkwürdigkeit wegen sei entminn, saß der Kurszettel auch ein Papier enthält, das mit 1 Prozent bewertet ist, nämlich die Aktien der Dresdner Kreditanstalt fit' Industrie und Handel,