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Haß die Schlacht an 5er Somme die Mittelmächte nicht gehindert hat, die große russische Offensive zum Stehen zu bringen und Rumänien niederzuwerfen, bleibt un­erwähnt, ebenso wie im Leitartikel derTimes" und den Betrachtungen ihres militärischen Mitarbeiters. Eine Karte des Geländegewinns in fast fünfmonatiger Schlacht fehlt, auch des ungeheuren Verbrauchs an Men­schen uns Munition wird nicht gedacht. Das Fazit soll ein Sieg sein.

Ein holländisches Urteil über die Sommeoffensive.

Der militärische Mitarbeiter derTijd", ein ange­sehener früherer Generalstabsoffizier, gelangt in einer Betrachtung über die Sommeoffensive zu folgenden Schlüssen:Alles zusammen betrachtet, müssen wir das Ergebnis der Alliierten ärmlich nennen, so ärmlich, daß wenn es in diesem Stile weiter geht, die Alliierten noch nicht in 15 Jahren am Rhein sein werden, was auch Joffre hierzu sagen möge, der dazu 15 Monate glaubte nötig zu haben.

Englands Eroberungspolitik.

' T. U.-Drahtungaus Amsterdam.

Der frühere Ministerpräsident Dr. Kuyper schreibt imStandard" überKleine Staaten" und wirft die Frage auf, ob in dem kurzen Zeitraum von 16 Jahren, die das 20. Jahrhundert nun dauert, irgend ein kleiner Staat endgiltig durch eine Großmacht ihrem Länderbe­sitze einverleibt wurde, und wenn diese Frage bemht wer­den müßte, welches dann diese kleinen Staaten seien, und welcher Staat sie dauernd in sein Reich ausgenom­men habe. Auf diese Frage, so sagt Kuyper, lautet die Antwort der Geschichte, daß im 20. Jahrhundert als kleine Staaten zu bestehen aufhörten 1. die südafrika­nische Republik, 2. der Oranje-Freistaat, 3. Aegypten, 4. der Sudan. Wer vernichtete nun die siidasrikanrfche Republik? Antwort: Großbritannien. Wer vernichtete den Oranje-Freistaat? Antwort: Großbritannien. Wer nahm Aegypten unter seine Verwaltung? Antwort: Großbritannien. Und wer eignete sich den Sudan an? Antwort: Großbritannien. Man könnte hierbei auch noch Cypern anführen. Und fragt man nun, welche kleine Staaten die Gegenpartei verschlang, dann lautet die Ant- ' wort: Polen wurde befreit, Litauen desgleichen. Und Belgien, Serbien und Montenegro wurden zwar besetzt, aber mit der bestimmtesten Erklärung, daß sie beim Frieden ihre Volksexistenz zurückerhalten würden.

Msimfür für unsre Zeinde werilss!

Als die deutsch-bulgarischen Truppen am 18. No­vember eine günstige Stellung nördlich von Monastir bezogen und damit die Hauptstadt des ehemaligen gleich- namrgen türkischen Wilajets aufgegeben hatten, kannte der Jubel bei den Serben keine Grenzen. Unsere Feinde feierten die Besitznahme Mouastirs als einen glänzenden Sieg, und der serbische Ministerpräsident Paschitsch ver­stieg sich zu der voreiligen Prophezeiung, die Erobe­rung der Hauptstadt Mazedoniens bedeute den Beginn der mazedonischen Befreiung. Von deutscher Seite wurde gleich damals mit Recht darauf hingewiesen, daß unsere Feinde ihren Erfolg sowohl in militärischer wie in po­litischer und moralischer Hinsicht stark übertrieben hatten, und tatsächlich kommt nun für die Serben der Katzen­jammer früher und empfindlicher, als sie selbst wohl be- fürchteten.

Das serbische BlattSlavjanskij Jug" meldet aus Saloniki, daß der Plan, Monastir zum Sitz serbischer Regierungsbehörden zu machen, fallen gelassen werden mußte. sutonaftir ist heute nur noch ein Drümmerhaufen UM liegt beständig in der Keuerlime. JNsvtge der Hei­ligen Artilleriebeschietzung haben sämtliche Truppen die Stadt verlassen und Feldstellungen bezogen. In der ganzen Stadt stehen höchstens noch 80 Häuser, die an­deren Gebäude sind völlig eingestürzt oder mehr oder minder schwer beschädigt. Bon öffentlichen Gebäuden sind der Bahnhof, die Präfektur, die Kirche des St. Ne- dell und die Kirche der Heiligen Jungfrau vollständig durch Artillerie- und Flugseuer zerstört worden. Die Stadt ist heute wie ausgestorben. Der größte Teil der Zivilbevölkerung hat die Stadt verlassen. Die feindliche Artillerie ist infolge ihrer vorzüglichen Höhenstellung sehr gut in der Lage, die Stadt unter zielsicherem Feuer zu halten. Ehe die Höhen nördlich und östlich von Monastir nicht genommen sind, ist der Besitz von Monastir wert­los. Das feindliche Feuer hat auch die Proviautstapel für die Armee und für die Zivilbevölkerung völlig ver­nichtet, so daß Monastir nicht einmal als bescheidenster Etappenort in Frage kommen kann."

So gering bewerten die Serben heute selbst den Be­sitz von Monastir, der Sehnsucht ihrer nationalen Träume, und sie wagen nicht einmal die Hosfuuug aus- zusprecheu, daß es ihnen und ihren Berbüudeleu ge­lingen könnte, den deutschen und bulgarischen Truppen den Besitz ihrervorzüglichen Höhenstellung" zu ent- reitzen. So schwindet dem Vierverband eure Balkan- hoffnung nach der andern.

Die Furcht vor unseren UbooLen

Der französische Marinefachmann Feuquieres er­klärt lautB. T." in einem stark zensurierten Artikel desPetit Parisien", die jüngsten drei Monate seien für die französische HandelsmaAne geradezn verhängnisvoll gewesen. Die deutsche Unter,eeboot-Tättgkect nn Aer- melkanal übersteige an Kühnheit alles Dagewesene. Ins­besondere hätten es die Deutschen auf die Kohlentrans- portschiffe abgesehen. Die bezüglichen Ziffern seien er­schreckend. Feuquieres fordert das Marmeamt auf, die in seinen Archiven schlummernden Pläne zur Abwehr der feindlichen Unterseeboote unverzüglich zur Grund­lage einer Gegenaktion zu machen, denn jeder Tag, den man müßig verstreichen lasse, sei ein Gewinn für Dentsch- lands Zerstörnngskrieg.

Unter den englischen Seeleuten, die zur BesaWig remittierter Schiffe gehören, nimMt lautHb. Frdbl." die Furcht vor den deutschen Ubooten stark zu,- vielfach weigern sich die Seeleute trotz aller Belohnungen, ihr Leben aufs Spiel zu setzen. 3« der abgelaufenen Woche ist allein in Liverpool eine ganze Anzahl britischer See­leute wegen Dienstverweigerung auf remittierten Schif­fen zu drei Monaten Zwangsarbeit verurteilt worden.

Ubootskommandaut Crompton als Austauschgesaugener in der Schmerz.

Der bedauernswerte Oberleutnant zur See Cromp- ton, der als schiffbrüchiger U-Bootskommanbant bekannt­lich ein Opfer englischer Grausamkeit und Gemeittheit geworden ist, ist inzwischen, wie wir hören, als Aus- tauschgefangener in der Schweiz anqemngt. Er bestätigt nicht nur alle Schandtaten der Briten, sondern hat sie in vielen Fällen noch unterstreichen können. Insbeson­dere wird durch ihn aufs neue einwandfrei erhärtet, daß die Engländer ihn unter amerikanischer Flagge ange­griffen haben. Auch geht aus seinen SchildermMn her­vor, dast der Feind alles daran gesetzt hat, um ihn als unbequemen Zeugen britischer Grausamleit sterben zu lassen. Für den Grad der englischen Empsinvuug ist es bezeichnend, daß die Briten den hilflos und verwundet im Wasser herumschwimmenden Mann mit den Fausten bedroht und von Deck aus bespuckt haben. Crompton weiß auch zu melden. dab derEmden"-Held, Kapitän

von Müller, zum mindesten einen Tag in einem Ge­fängnisraum zugebracht Hat. Und das ist derselbe See­offizier, der bei feinent Kaperkrieg glorreichen Angeden­kens ein feindliches Schiff freiließ, nur weil sich die Frau und ein Kind des Kapitäns an Bord befanden. Es geht nichts über die englische Ritterlichkeit.

Die neuesten Forderungen an Griechenland

T. U. -Dr ah tung aus Lugano.

Nach Meldungen aus Athen erklärt die königs- treue Presse die neuesten Forderungen der Entente für unannehmbar. Griechenland könne nicht dulden, daß die Entente sich über die Verfassung hinwegsetze. In­dessen glaubt man hier zumeist, daß Griechenland doch einlenken werde, undTribuna" meldet, König Kon­stantin werde die Forderungen doch annehmen, voraus­gesetzt, daß die Entente Garantien gegenüber der re­volutionären ventzelistischen Nebenregierung gäbe, und daß vor allem Griechenland die von der letzteren gegen­wärtig besetzten Cykladen zurückerhielte.

^Corriere della Sera" meldet aus Athen: Diens­tag abend fand eine Demonstration von etwa 300 Per­sonen statt, die unter Vorantragen des Bildes des Kö­nigs Hochrufe auf das Herrscherhaus und Protestrufe gegen die neue Note ausbrachten. Es kam zu keinen Zwischenfällen. Die Note wird zwischen dem König und den Ministern und Zivilbehörden viel besprochen. In­nerhalb der Presse und in bürgerlichen Kreisen ist nach Bekanntgabe der Note eine gewisse Gärung zu er­kennen.

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Ein neues Montenegro?

Das ,',Berner Tagblatt" meldet aus Petersburg: Die Petersburger diplomatischen Kreise wurden nach der Börsenzeitung" davon unterrichtet, daß gegenwärtig in einer schweizerischen Stadt zwischen den Vertretern Oesterreich-Ungarns und Montenegros unter Beteili- gung von Vertretern Deutschlands Verhandlungen statt- fänden,die die Bildung eines neuen südslawischen Staa­tes unter der Führung Oesterreich-Ungarns bezweckten. Als montenegrinischer Vrtrauensmann nahm Miuskovic an den Verhandlungen teil. Als Anwärter für die Kö­nigswürde in dem geplanten südslawischen Staate wer­den Prinz Mirko oder der frühere montenegrinische Thronerbe Danilo, der mit der Prinzessin Jutta von Mecklenburg-Schwerin verheiratet ist, genannt.

Die Nachricht ist natürlich mit allem Vorbehalt auf- zunehmen.

Sriegssllerlei.

Der Neujahrsgottesdienst im Hauptquartier.

Wie derB. L.-A." von Augenzeugen aus dem Großen Hauptquartier hört, hat Feldmarschall von Hin- denburg am Neujahrstag an dem Gottesdienst im Gro­ßen Hauptquartier gemeinsam mit Sem Kaiser teilge- nommen. Die Hunderte von Menschen, die Zeugen die­ses Kirchganges waren, haben sich ebenso von der un= gemeinen Frische und kräftigen Gesundheit des Feld- marschalls überzeugen können, wie dies täglich die Of­fiziere tun können, die mit ihm stundenlang dienstlich zu tun haben.

Englands Dezemberverluste.

Die englischen Verluste im Monat Dezember be- trugen in der Armee 953 Offiziere (250 gefallen) und 39 711 Mann, in der Flotte 69 Offiziere (47 tot) und 2577 Mann. Die Verlustlisten vom 1. und 2. Januar ent­halten die Namen von 84 Offizieren (16 gefallene.

Rußland schickt.die politischen Verbrecher an Sie Front!

DieK. Z. meldet aus Kopenhagen: Nach einer Meldung desNutzkoje Slowo" sind die nach Sibirien verbannten politischen Verbrecher in ausgedehntem Maße zwangsweise zum Heeresdienst einberufen wor­den. Sie sollen vorzugsweise an der Front verwandt werden.

Herauziehuug deutscher Gefangener in England zur «ebensmittelgewinuung.

Das euglische Lau dwirtschaftsamt bemüht sich laut Köln. Zig." um die Vermehrung der Gewinnung von Lebensmitteln. Dieser Aufgabe widmet sich eine beson­dere Ministerialavteilung. Sämtliche deutschen Gefan­genen, die in der Landwirtschaft tätig waren, werden dafür bestimmt und über das ganze Land verteilt. Man rechnet auf 10 000 Mann.

Poliütiie Rundschau.

Der AusammeuMtt des Ausschusses für den Reichs- Haushalt wird nach demTeutschen Kurier" jedenfalls noch in der ersten Hälfte des Januar stattfinden.

Eine Beratung der sozialdemokratischen Minder- Heitsgruppen zur Spaltung der Partei. Wie dieDres- dener Bolksztg." erführt, soll am nächsten Sonntag in Berlin die Beratung von Vertretern der beiden sozial- demokratischen Minderheitsgruppen erfolgen. Die Ver­anstalter dieser Beratung legen es, so schreibt das Blatt, wenn sie es nach außen auch ableugnen, offensichtlich daraus an, die Spaltung der Partei endgültig herbei- zuführen.

Spannung in Ungarn. Die innere Politik Un­garns stellt nach einer Budapester T. U.-Drahtuug zur­zeit im Zeichen der Unsicherheit. Der neue Kurs König Karls will scheinbar auch in Ungarn Platz greifen. Es verlautet, daß der König die Versöhnung der Parteien wünsche, die aber Graf Tisza nicht Herbeiführen kann. Andrasiv rechnet mit Tisza ab und verkündet schärfsten Kannst für die am 14. Januar beginnende neue Sitzung des Abgeordnetenhauses._____________________________

der brand im Iresdeaer Arti!Ierie-Sepol.

Der Verlust an Menschenleben gering. Ein Anschlag völlig ausgeschlossen.

Aus Dresden wird amtlich berichtet: Um die enl= standene große Beunruhigung zu bebebeik, sonnen wir auf Grund i!ns gewordener duichaus zuverlässiger Alk- gaben mitteilen, daß der am 28. 12. im Magazingelände des Artilleriedepots Dresden ausgebrochene Brand le­diglich durch einen Unglücksfall beim Untersuchen aus dem Felde hereingekourmener minderbrauchbarer Niu- nttion entstanden und daß irgend ein Anschag völlig ausgeschlossen ist.

Die explodierenden Geschosse wurden fortgeschlen- dert und es entzündeten sich dadurch nach und nach eine Anzahl von Arbeitsstätten und Ntagazinen des Artille- riedepots, so daß ein Teil der dort lagernden oder in ; der Fertigstellung befindlichen Munition verloren ge- i gangen ist. In den erhalten gebliebenen Arbeitsstätten : ist der Betrieb bereits wieder im Gang. Die in den ab« I gebrannten Betrieben vorgenommenen Arbeiten werden I schnellstens nach den in anderen Orten im Bau befind­lichen Anlagen verlegt, so daß die Störung baldigst bc- : hoben sein wird. Der vielfach in der Stadt geäußerten i Befürchttlug einer bevorstehenden Dynamitexplosion ge« I genüber ist zu bemerken, daß Dynamit überhaupt nicht i vorhanden war.

Durch die Exproskon wurden auch die vemrchocnrm technischen Institute insofern in Mitleidenschaft gezogene als viele Oberlichte und Glasfenster zerstört wurden, während Acafchinen so gut wie gar keine Beschädigungen erlitten haben,- vielmehr ist der Betrieb der Juststute zum großen Teil bereits wieder ausgenommen und wird den bisherigen Umfang in wenigen Tagen erreicht haben, sobald die Glasscherben und der herabgefallene Wandputz beseitigt sind. Ein größerer Schaden ist ledig­lich durch den teilweisen Einsturz eines Daches der tat Bau befindlichen Schmiede entstanden. Die für diese Schmiede bestimmten Maschinen werden in anderen Räumen vorläufig Verwendung finden. Dank der Um­sicht und Kaltblütigkeit aller Offiziere, Beamten, Arbei­ter und Arbeiterinnen und der ganz allmählichen Ent- wicklccng des Brandes sind Verluste an Menschenleben und Verwundeten nur in geringe« Umfange eiuge- treie«. Es wurden insbesondere alle Arbeitsstätten schnell und ordnungsgemäß geräumt. Wie nunmehr hat festgestellt werden können, belaufen sich die Verluste an Menschenleben auf acht, einschlieUich eines am 31. De­zember bei Aufräumungsarbeiten tödlich verwundeten Soldaten, während sich in den Krankenhäusern zehn Verletzte in ärztlicher Behandlung befinden.

Vermischtes.

Das dicke Ende kommt nach. Eine Kaufmanns- Witwe aus Berlin, die im Sommer 1916 als Kurgast in Bad Mergentheim sich aufgehalten hat» hatte sich vor ihrer Abreise mit oerschieoeneu Nahrungsmitteln: Rauchfleisch, Speck, Wurst, Käse u. a. m. versehen. Ein Koffer, in dem die Etzwaren zur Versendung gebracht werden sollten, wurde nach seiner Aufgabe zur Bahn polizeilich geöffnet. Wegen unerlaubten Aufkaufs unb Ausfuhr von Fleischwaren und Käse hat das dortige Amtsgericht eine Geldstrafe von 3000 Mark ausge­sprochen.

Berliner Straßenbahnschmerzen. Der Berliner Magistrat hat an den Polizeipräsidenten das dringende Ersuchen gerichtet, die Einschränkungen der Straßen« bahnfahrplüne den berechtigten Bedürfnissen des Nacht- verkehrs anzupassen. Der Magistrat erklärt, daß die Erfahrungen bereits jetzt gezeigt haben, wie schwere Unzuträglichkeiten eine Regelung Herbeiführen muß, die sich einseitig von dem Wunsche nach einer übrigens recht geringfügigen Kohlenersparnis leiten läßt.

Wasser statt Milch. In ganz ungehöriger Weise hatte die 62jährige Händlerin Dorothea Götz von Hei- dingsfeld in UMerfranken die Milchfälschung betrie­ben. Sie zersetzte die von ihr verkaufte Milch mit 100 Prozent Wasser. Das Würzburger Schöffeugericht ver« urteilte sie zu nur 1 Woche Gefängnis.

Das Ende Rasputins, des ungekrönten Herrschers von Rußland. Ein märchenhaftes Lebensschicksal hat auf gewaltsame Weise seinen Abschluß gefunden. Schon den ersten Schritt zur Höhe machte er durch die Httse seiner hohen Frau, nünrlich der Großfürstin Sergius, die ihn an den Zarenhof brächte. Sein Einfluß auf den Zaren und somit auf ganz Rutzlaird ist oft genug in der Duma und auch in der ganzen außerrussischen Presse gebrandmarkt worden, so daß darauf nicht näher eingegangen werden braucht. Charakteristisch ist aber, wie er es verstand, sich feiner Macht zu bedienen. Er wußte, welche Wirknnq er auf Frauenyerzen ausübte und schwelgte nun darin, in der eigenartigsten Weise einen mystischen Dienst einznrichten, an dem nur Frauen teilnehmen durften. Er bezeichnete es als seine Haupt-

die Seelen der Frauen von ihren Sünden M reinigen. Zi diesem Zwecke hielt er in einem großen Saal Betstunden ab, die von den Frauen der besten Gesellschaft eifrigst besucht wurden. In fanatischer Weise sprach er hier von seiner hohen Sendung, und da er in ungewöhnlicher Weise das Wort beherrschte, so machten seine mystischen Reden großen Eindruck. Dieser Unfug hatte in Petersburg die größte Empörung hervorgerufen. Bezeichnend für den unheilvollen Ein­fluß, den Rasputin am Hofe ausübte, ist aber die Tat­sache, daß niemand im Stande war, dem Unfug ein Ende zu machen. Der ermordete Mönch soll in anrü­chige Finanzgeschäfte verwickelt und darauf verbannt gewesen sein, auf Veranlassung des früsteten Minister­präsidenten Stürmer jedoch die Erlaubnis zur Rückkehr erhalten haben.

Ueber eine halbe Million Kronen gestohlen. In der Nebenstelle der österreichisch-ungarischen Bank in Lublin wurde einer Krakauer Meldung derNeuen Freien Presse" zufolge nach den Feiertagen ein großer Diebstahl entdeckt. Von einer Geldsendung, die von Olmütz abgeschickt wurde und die zwei Millionen Kro­nen enthielt, wurden 600 000 Kronen, wahrscheinlich in Tauseud-Kronennoten, gestohlen. Die Diebe hatten an den Gelüsäcken die Siegel erbrochen uns diese hinter­her wieder nachgemacht. Der Diebstahl dürfte zwischen Krakau, wo die Sendung unberührt durchging, und Lublin ausgeführt worden sein.

Weitere Drahtnachrichten.

Zerstörung rumänischer Petroleumgrube« durch Amertkauer.

Berlin, 4. Januar. (Privattelegr.) Blätter- melditngcit zufolge flüchteten amerikanische Ingenieure aus Rumänien über Rußland nach Schweden. Sie hat­ten den Auftrag, rumänische Petroleumgruben zu zer­stören, teilweise ausgeführt.

Eine Verschwörung gegen den Kadettenführer Miljukow.

^ Genf, 4. Januar. (Privattelegr.) Wie dem Petit Journal" lautB. T." aus Petersburg berichtet wird, besitzt man Beweise dafür, daß der Schwarze Hundert genannte Geheincbund einen Anschlag gegen das Leben des Kadettenführers Miljukow plant. Die Polizei kenne durch ein mit der Ausführung des Mord­planes beauftragtes Individuum die ganze Organisa­tion der Verschwörung, von der schon beim Sturze Stürmers mehrfach die Rede war.

Schweres Fährunglück auf der Mosel.

5^ Koche«, 4. Januar. Im benachbarten Beilstein an der Niosel sank gestern nachmittag eine Fähre. Etwa 20 Personen, meist Frauen und Kinder, und der Fähr­mann ertranken. 2 Kinder ivm'den gerettet.

Rückzug aus Saloniki?

$-$> Rotterdam, 4. Januar. (T. II.) DieDaily Mail" be für morset lautB. T." in einem Leitartikel den Gedanken, die Truppen aus Saloniki zurückzuziehen, oder jedenfalls die Stadt mit einer viel kleineren Streit» macht besetzt zu halten.

Deutschenhetze des Expräfidenten Roosevelt.

>^ Amsterdam, 4. Januar. (T. II.) Expräsident Roosevelt, der sich von seinem Erstaunen über Sie Nie­derlage von Hughes wieder erholt zu haben scheint, be­nutzt die erste Gelegenheit, um feinem wüsten Haß gegen Deutschland und den deutschfreundlichen Bestrebungen Luft au machen. In einem Artikel imMetropolitan Magacine" bespricht der Expräsident dieLiga zur Er­zwingung des Friedens", welche er für vollsutndig ver­kehrt hält