Hersfelder Tageblatt
) hersfel-er Kreisblatt*
| Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 302
Montag, den 28. Derember
1925
Zwischen den Festen.
Der letzte Klang der Weihnachtsglocken ist verhallt. Die Weihnachtsfreude in den Menschenherzen sitzt noch so tief eingewurzelt, daß sie vorhält für die wenigen ~age K zumnächsten Festem Neujahrsfest. In dieser kurzen Zwischenzeit werden die Alltagssorgen kaum noch Raum finden um sich dazwischenzudrängen, herrschen werden die Festtagsfreuden. Und das ist 8"^ so. ^zeder Mensch braucht ein gut Teil Freude, jeher Mensch brauch eine Ausspannung, bei der er einmal, und ist es auch nur für wenige Tage, sich freimacht vom düsteren Alltag und sich sonnt in der Freude des Feiertags,
Uns Deutschen wird leider eine restlose Freude nicht vergönnt sein, denn zu sehr hängen uns die Nachwehen des verlorenen Krieges an, und zu tief haben uns die Sorgen und die Not der Zeit gebeugt, rzast uns allen, mit wenigen, fehr wenigen Ausnahmen, sitzt dieSvrge im Nacken und schaut uns mit verzerrtem Gesicht über die Schultern. Wir versuchen sie abzuschütteln, aber sie klammert sich fest und immer fester von Tag zu Tag; ben einen bekommt sie unter, der andere wehrt sich gegen sie' und verzagt nicht im Kampfe, dem dritten gelingt es, sie sich aus ■, dem Nacken zu reißen und zu zertreten, er ist der glu^ liebste. Schwer ist es, sich zur Freude zu zwingen, und fast keine Familie wird es in deutschen Gauen geben, die am Weihnachtsabend ehrlich bekennen konnte: Wir sind srer von jeder Sorge, öffnet die Herzen weit, damit die ^reude ihren Einzug halten kann! Und doch, wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen, für uns heiyt es: standhatten und ausharren! Der Wille muß doch Macht gewinne» über die Sorge und die Rot, und wir werden uns durch- ringen zu besseren Tagen, in denen die Sonne der Freude und Zusriedenheit die dicken Wolken der Sorge und Rot durchbricht und strahlend aus uns Deutsche herabfchaut. Und wenn wir in den Weihnachtstagen uns das Gelübde aegeben haben, durchhalten zu wollen bis zum Tage der wahren Freude, den uns das Schicksal doch nicht vorent- balten wird, so werden wir auch den Mut gefunden haben, uns zu freuen an dem Weihnachtsfeste, wie es die Sin=
W'ir steuern.dem Jah:ese:Le. z^. .LUckeu-^vw-zurück^ auf das vergangene Jahr 1925, so wird sich wiederum Vielleicht unser Blick verdüstern und wir werden sagen: Es war ein schweres Jahr, ein Jahr voller Sorge und Kampf ums Leben. Gewiß, so wird fast jeher vv» uns sagen und keinem wird es gelingen, ohne xmen Rückblick auf das vergangene Jahr in das neue Hmuberzugletten Aber wieder gilt es vorwärts zu schauen, zu hoffen und den starken Willen im Kampf gegen Not und Sorge nicht erlahmen zu lassen. Darüber allerdings wollen wir uns klar sein, daß der Jahreswechsel auch nicht eine plötzliche Wendung bringen kann. Die Geschicke nehmen ihren Lauf, und vor allem die leidige Politik wird sich durch den Em- trttt in eilt neues Jahr kaum beeinflussen lassen. Und da ist das unerfreuliche Gebiet, auf dem wir Deutschen uns> mit vielen überflüssigen Sorgen belasten, hie leidige Politik, v!m der viele sagen - vielleicht mit Recht -, sie verdürbe den Charakter des>Menschen, und die uns so viele Sorgen bereitet, von denm wir vielleicht doch manchmal elmge ab- werfen könnten. Wir Deutschen sind ein politisches Volk, out so aber nicht zu viel der Politik, nicht so viel frucht- lose Politik die zu Hader und Streit führt. Wollen wir wieder ein Volk mit Machtgeltung und deutschem Stolz werden, so dürfen wir nicht reden und uns politisch be^ kämpsen, sondern müssen arbeiten und schassen am Wiederaufbau unseres deutschen Namens. Unsere Wirtschaftsnot, unter der wir gerade heute mehr denn je leiden, verlangt tüchtige Menschen zu ihrer Bekämpfung. Wir, die wir jeder nur ein kleines Rädchen in dem großen Werke sind, müssen den Platz, auf den wir gestellt sind, voll und ganz ' ausfüllen, kein Mädche» ;» dem großen Räderwerke darf zum Stehen kommen, wollen wir hie Stockung des großen Werkes vermeiden. Nur das eine dürfen svir nie ver- gessen, daß wir Deutsche sind mit einer großen Vergangenheit dürfen nie vergessen, daß wir uns dieser.Vergangenheit würdig zu zeigen haben, und dürfen uus nicht beugen unter die Knechtschaft fremder Unterdrücker. Aufrecht wollen wir stehea, ivollen für unser Recht kämpfen und ftir die Wahrheit und wollen unseren Stolz verteidigen, der uns Deutschen eigen ist. .
। Wenn wir -ingedenk dieser Forderungen, hte ein jeher non uns an sich selbst stellen muß, zwischen den Festen Hin- » SÄ J-»r I° wI,d »nä hme Macht der Welt zwingen können. Wir müssen uns durch- setzen, und mir werden es schaffen, wenn wir es wollen. Sicki unterkriegen lassen von der Not her Zeit und der So?ge He ßt ein Schwächling sein, der nicht die Kraft findet auch das Schwere und Schlechte auf sich zu nehmen, um sich aus ihm Herauszukämpsen zu besseren Tagen und leichterem Dasein. Dr. M.
I Dar Weihnachtsgeschenk für die .
i deutsche Industrie.
Berlin. Als besonderes Weihnachtsgeschenk für die deutsche Industrie werden die Einzelheiten über hte Ausbringung der Zinsen für die Jndustrieobligationen aus dem Dawes-Gutachten im ersten Reparatiorrsjahr il>T>/26 bekannt. Das Kabinett bat sich vor einigen Tagen mit den
Einzelheiten der Aufbringung beschäftigt und eine Verordnung beschlossen, die Mitte Januar bekanntgegeben werden soll, sobald der Verteilungsschlüssel festgestellt werden kann. Die Jndustrieobligationen sind bekanntlich zunächst in roher Form auf einzelne Industrien umgelegt worden, während die Aufbringung der Zinsen und der Tilgung einen wesentlich größeren Kreis der Wirtschaft, nämlich alle Erwerbszweige, mit Ausnahme von Landwirtschaft und Handel, umfaßt.
Im ersten Reparationsjahr müssen 2% % Zinsen von 5 Milliarden gleich 125 Millionen und 10 % von 125 Millionen als Reserve für die Bank für Jndustrieobligationen aufgebracht werden, zusammen 137% Millionen, und zwar in zwei Raten: am 15. Februar und etwa Anfang August, ha die Regierung die Summe am 1. April und am 25. August überweisen muß. Das gesamte Betriebsvermögen der in Betracht kommenden Erwerbszweige wird auf 30 bis 32 Milliarden geschätzt, Davon würden 5 Milliarden als Wert der Jndustrieobligationen anzusetzen sein, so daß bei 30 Milliarden jedes Betriebsvermögen mit einem Sechstel belastet fein würde, Von dieser Summe würden dann 2,5 % plus Zuschlag, also 2,75 %, zu leisten sein. Das würde ungefähr 0,45 % des einzelnen Betriebsvermögens ausmachen. Das Kabinett hat beschlossen, alle Anträge auf Privilegien, soweit sie sich nicht auf den § 108 der Reichsabgabeordnung stützen können, abzu- lehnen. Eine Bevorzugung wurde nur beschlossen für See- und Binnenschiffahrt und für die Luftverkehrsgesellschaften unter Ausschluß der Luftbauindustrie,
Ein englischer Appell in Sachen der Kriegsschul-Iüge.
Paris. Die radikale „Volonts" veröffentlicht einen Appell englischer Intellektueller an das Weltgewissen, gegen die Kriegsbeschuldigung Deutschlands, wie sie in Artikel 231 des Versailler Vertrages enthalten ist, Stellung zu nehmen. Dieser englische Appell ist veranlaßt worden durch den vor einigen Monaten veröffentlichten französi- ^chi4i-Az>P»ll- Es AMt-da-iu. ,^i ^.^^.t^ tikel 227, 230 und 231 des Versaillere Vertrages als unter den schwersten Bedrohungen einer besiegten Ration aufgezwungen, als die Kundgebung eines Geisteszustandes der alliierten Mächte, der jetzt als vollkommen unzeitgemäß angesehen werden muß. Wir glauben, daß sie ungerecht sind und ein großes Hindernis für die internationale Verständigung bilden. Infolgedessen fordern wir die interessierten Regierungen auf, diese Artikel in kürzester Frist abzuändern oder, wenn die Revision des Versailler Vertrages ein längeres oder verwickelteres Verfahren erfordert, getrennt ihre Absicht kundzugeben, diese Paragraphen als nicht bestehend anzusehen."
Weihnachtsbotschasten deutscher Politiker an Amerika.
Newyork. Vermittelst in Deutschland hergestellter besonderer Schallplatten verbreitete die Westinghouse-Ge- sellschaft durch ihre Rundsunksender Pittsburg, Chikago, Newyork, Springfield (Massachusetts), Hastings (Rebras- ka) deutsche Weihnachtsbotschasten des Außenministers Dr. Stresemann, des früheren Staatssekretärs Dr. Br e- d o w , des Reichstagspräsidenten L ö b e und Dr. Ecke - n e r s an das amerikanische Volk. Die Botschaften wurden englisch wiederholt. Dr. Stresemann erklärte in seiner Botschaft, die starke, gesunde amerikanische Ration sei wie kaum eine andere berufen, ein festes Fundament für die künftige weltpolitische Entwicklung zu schaffen. Die amerikanischen Bürger möchten es als ihre Aufgabe ansehen, starke und Weise Förderer humanitärer Ideale zu bleiben. Staatssekretär Dr. B r e d o w betonte, daß die größte Bedeutung des Funkwesens in der Möglichkeit liege, die Nationen der Welt einander näherzubringen. Die Rundfunksender verbreiteten auch musikalische Darbietungen von Mitgliedern der Berliner Staatsoper sowie anderer Künstler. Es war das erstemal, daß eine derartige Wiedergabe von Reden usw. in Amerika erfolgte.
Waffenstillstand in Syrien.
Kairo. Unbestätigte Nachrichten aus englischer Quelle wollen wissen, zwischen den Franzosen und den aufständischen Dru^n ein Waffenstillstand unterzeichne worden sei. Sultan Atrasch würde keine wetteren Kamp - Handlungen vornehmen. De ^ouvenel habe alle Peli tischen Gefangenen in Freiheit gesetzt Der Posten eme Gouverneurs von Syrien sei dem Scheich Tamdian, dem Sohne des Kadi von Damaskus, angeboteu worden. Cr solle den bisherigen Gouverneur ersetzen, der als Türke bei der syrischen Bevölkerung unbeliebt war.
Die Anmeldung des Altbesitzes von Reichsanleihen.
Berlin. Seit dem 5. Oktober läuft bereits die Frist, innerhalb derer die Altbesitzer von Neichsanlechen ihre Rechte die sie nach dem Anleihcablösungsgesetz haben, geltend machen müssen. Die Frist läuft am 28. Februar
1926 ab, mit einer Verlängerung kann nicht gerechnet werden. Es wird daher empfohlen, die Beschaffung der Unterlagen für den Nachweis des Altbesitzes und die Beantragung der Altbesitzerrechte nicht hinauszuschieben. Zur Geltendmachung der Rechte müssen die Altbesitzer bei einer Vermittlungsstelle (Bank, Sparkasse, Genosienschaft) ihre alten Anleihen zum Umtausch in die Anleiheablösungsschuld anmelden und Gewährung von Auslosungsrechten beantragen. _________ _
Die Vertreibung der deutschen Geistlichen aus der Schule in Südtirol.
Innsbruck. Wie aus Bozen gemeldet wird, ist an alle Seelsorger des Unterlandes, des deutschen Nons- und Fleimstales kürzlich ein Erlaß ergangen, der den Auftrag erteilt, den Religionsunterricht ausschließlich in italienischer Sprache zu erteilen. Am
Schluß heißt es wörtlich:
„Während ich mich beehre, Ew. Hochwürden die vorstehenden Verfügungen mitzuteilen, damit diese sofort durchgeführt werden, fühle ich mich verpflichtet, zu bemerken, daß deren Nichtbefolgen ein hinreichender Grund für die Ausschließung des H atecheten vom Unterricht ist.“
Die Pfarrer von Laurein und Proveis (Non tali sind bereits enthoben, weil sie den deutschen Kindern deutschen Religionsunterricht erteilt haben sollen. Andere Pfarrer sind gefolgt, man zählt gegen 20. _
Kündigung der Haager Konvention VI durch England.
London. In einer von Sir Allsten Ehamberlain unterzeichneten Zirkulardepesche an Die britischen diplomatischen Vertreter .im Ausland wird mitgeteilt daß die britische SEegierung die Konvention Nr. VI, die am 18. Oktober 1907 im Haag unterzeichnet wurde und »ch auf die Behandlung feindlicher Handelsschiffe beim Ausbruch eines Krieges bezieht, gekündigt hat. In der Begründung heißt es, daß die Konvention nachweislich ihren ■ Zweek völlig "vvr .i?*r l/gi." "Sie ^nto trägeren <:ich? i. = liches Vorgehen der verfchiedenen staaten noch den feindlichen Schiffen eine liberale Behandlung gesichert. Die Konvention hatte u. a. besagt, es sei „wünschenswert", daß bei Kriegsausbruch den Schissen gestattet sein solle, einen feindlichen Hafen binnen einer gewissen Frist zu verlassen. _________
Breutzens Etat für 1926.
Ausgleich zwischen Einnahme» und Ausgaben.
Für das Rechnungsjahr 1928 sind veranschlagt: Die laufenden Einnahmen auf 3144270 697 Mark, die einmaligen Einnahmen auf 178 061000 Mark, das sind zusammen 8 322 331697 Mark: die dauernden Ausgaben auf 3 032 468 778 Mark, die eitlmalrgeu Ausgaven auf 289 802 919 Mark ^ zusammen 3 322 331697 Mark. Das Gesamtaufkor u an Einkommen- und Korper- schaftsstcuer ist im Rew für das Rechnungsiahr 19-6 auf insgesamt 2350 M onen Mark angeietzt. Ilnikommen an Umfasste r schätzt das Reich entsprechend dem voraussichtlich Rückgang dieser Steuer am 1350 Millionen Mark. Die vrozentuale Beteiligung der Länder und Gemeinden an der Umsatzsteuer wird sur das Rechnungsjahr 1926 etwas hoher winals nn Vorjahre. Gleichwohl reichen die sich, ergebenden Mevrer träae nicht aus um die Mindereinnahmen auszuglet- chen die sich Mr d7n reinen Staatsanteil an der Einkommen- und Körperschaftssteuer durch die im Finau^- aukaleich erfolgte Kürzung des Anteils von 06 aus <2 Prozent gegenüber dem Vorjahre ergebenwerdem wohl alle Einnahmen mit ihren voraussichtlichen höchstmöglichen Erträgen eingesetzt sind, vttrd das Gleichge wich' des Staatshaushalts nur dadurch erreicht, dau bei der Bemessung des Ansatzes der Hauszinssteuer (Ge- bäudeentschuldungssteuerl von der in drm vorgelegtev Gesetzentwurf betreffend die GebäudeentschuldungoU^ vorgesehenen Regelung ausgegangen ist. Bei Bemei suna des Nilsgabebedarfs ist die durch die Geiamtlage gebotene äußerste Zurückhaltung geübt worden.
Ein asiatischer Völkerbund.
Wniircnh in den englischen Blättern die Kritik über wirrden. .
Die Einnahme von Tientsin.
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Nach einer Meldung aus Tokio tvird dort die Em- nahme von Tientsin durch (General c o n o l ^
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