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Hersfelöer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 300

Das Wichtigste.

Der Reparationsagent Parker Silbers, der in New Park eingetroffen ist, wies auf das starke K r e d i t b e d ü r f- nis der deutschen Industrie hin.

Die deutsche Handelsbilanz für das Jahr 1925 schließt mit einer Passivität von 3,7 Milliarden Mark ab.

Auf Grund der Nachforschungen ist jetzt klar erwie­sen, daß das Attentat auf die deutsche Katto- w i tz e r Zeitung ein polnischer Racheakt war.

Der AeparaiLonsagenL über die deutsche Wirtschaftskrise.

-£ New Park. In der New-Porker Geschäftswelt ist man der Meinung, daß die Ankunft Parker Gilberts, des Reparationsagenten, und Montague Normans, des Direktors der Bank von England, mit der Unterbringung der deutschen Eisenbahnobligationen im Rahmen des Dawes- Plans in Höhe von 100 Millionen Zusammenhänge. Gilbert unterstrich auch nachdrücklich in Erklärungen für die Presse das Anleihebedürfnis der deutschen In­dustrie und erklärte wörtlich folgendes:

Das deutsche Geschäft und die deutsche Industrie leiden noch immer gewaltig unter dem Mangel an B e- triebskapital. Schwere Probleme, die der völligen Wiedergesnndung entgegenstehen, find noch aus allen Ge­bieten des deutschen Wirtschaftslebens zu lösen. Die Miß- stände haben in gewisser Beziehung Verhältnisse geschaffen, die einer Krise ähneln. Allgemein aber sind die noch be­stehenden Schwierigkeiten als unvermeidliche Begleit- erscheinunaen der Deflation und der Rückkehr ru stabilen Verhältnissen anzusehen. Diese Schwierigkeiten lassen sich nur mit der Zeit ausmerzen.

Im übrigen sprach sich Gilbert, der u. a. auch D a w e s P o u n g, seinen Vorgänger in Berlin, besuchen wird, äußerst günstig über das Funktionieren des Dawes- planes aus.

3,7 Milliarden Passivität der deutschen Handelsbilanz.

Allmähliche Verbesserung.

£ Berlin. Im November 1925 betrug die Einfuhr ein­schließlich 36,8 Millionen Gold und Silber 894,3 Millionen, mithin die reine Wareneinfuhr 857,5 Millionen gegenüber 1074,2 Millionen im Vormonat. Die Ausfuhr betrug ein­schließlich 5,1 Millionen Gold und Silber 796,5 Millionen^ mithin die reine Warenausfuhr 791,8 Millionen gegenüber 846,5 Millionen im Oktober. Es ergibt sich danach eine Passivität der Handelsbilanz im reinen Warenverkehr von 65,7 Millionen gegenüber 228 Millionen im Oktober. Der Gesamti^halt des Außenhandelsverkehrs erreicht mit 1691 Millionen ungefähr den Umfang des gleichen Monats im Vorjahre, doch betrug damals das Passivsaldo 405 Millionen. Da erfahrungsgemäß der Dezember ein Monat steigender Ausfuhr und fallender Einfuhr ist, rechnet man für den laufenden Monat mit einem Ausgleich der Handelsbilanz. - ^ ' s a mt p a s s 1 v it ät des laufenden Jahres beträgt

1 . /c rund 3,7 Milliarden.

Die Handelsvertragsverhandlungen im kommenden Jahr.

Berlin. Für den Beginn des nächsten Jahres sind folgende Handelsvertragsverhandlungen vorgesehen:

Die Abmachungen mit Oesterreich und der S ch w e i z sollen im Januar zu endgültigen Verträgen erweitert werden. Ferner wird ein neuer Vertrag mit Portugal zu ver- handeln sein. Spanien hat Anfang Dezember Vor- schlüge unterbreitet, die annehmbar scheinen. Deutschland hat bereits der spanischen Regierung in einer Note mit- geteilt, daß es bereit ist, auf der Grundlage dieser Vorschläge zu verhandeln, vorausgesetzt, daß Spanien gu weiteren Zu­geständnissen bereit ist. Die spanischen Vorschläge sehen eine 100prozentige Deckung des spanischen Exports nach Deutsch­land vor, aber nur eine 75progentige Deckung des deutschen Exports nach Spanien. Die Verhandlungen mit Polen sind durch den neuen polnischen Zolltarif vom 15. November immer noch wesentlich beeinflußt. Die deutsche Wirtschaft, und zwar Industrie und Landwirtschaft in gleichem Maße, ist der Ansicht, daß Polen besonders wegen seiner Wührungs- verhältnisse ein sehr schlechter Käufer ist und daher für uns im Augenblick wenig Interesse hat. Deutschland wird die ihm aufgegwungene Waffe des Zollkrieges erst dann aus der

Mittwoch, den 23. Derember

Hand legen können, wenn es die Züsicherung hat, daß es auf dem polnischen Markte austreten kann. In den Ver­handlungen mit England wird Deutschland bemüht sein, eine Verständigung darüber zu finden, daß England die im Handelsvertrag vorgesehenen Zollabmachungen nicht dazu benutzen darf, im Interesse des Ausbaues seiner eigenen In­dustrie die deutschen Waren vom englischen Markt auszu- sperren.

Kein Absatz für die deutschen Eisenbahnobligationen.

Paris. Der Generalagent für Reparationszahlungen, Parker Gilbert, hält die Unterbringung der deut­schen Eisenbahnobligationen für unmöglich, solange nicht das interalliierte Schuldenproblemgelöst sei. Ferner müßten die Obligationen wegen des Zinssatzes weiter unter dem Pariwert ausgegeben werden. Auch die Unterbringung der Vorzugsaktien in Höhe von zwei Milli­arden Goldmark lasse sich vorläufig nicht durchführen.

Am 15. Februar Abrüstungskonferenz.

Berlin. Die am 12. Dezember an den Reichsaußen­minister Dr. Stresemann überreichte Stete des Völker­bundrates über die Teilnahme Deutschlands an der Ab­rüstungskonferenz ist jetzt veröffentlicht worden.

Am 15. Februar 1926 wird die Abrüst'un gs - konferenz in Genf zusammentreten. An ihr werden Deutschland, die Vereinigten Staaten von Amerika, Finnland, die Niederlande, Polen, sämtliche Balkanstaaten und die S o w j e t - U n i o n teilnehmen. Das Programm für die Konferenz ist bereits festgelegt. Folgende Fragen stehen zur Untersuchung: Ist es möglich, die Kriegs- rüstung eines Landes derart einzuschränken, daß es sich mit seiner Friednsrüstung begnügen kann? Festzustellen ist dabei, ob die Bewafftrung eines Landes für einen Angriff oder nur zur Abwehr organisiert ist. Dazu gehören auch noch Fragen, wie die Unterscheidung zwischen Zivil- und Militärflugzeugen, die Bewertung der Handelsflotte für den Fall eines Krieges und dergleichen Fragen mehr.

Die Note betont, daß der Pölkerbundrat zu dem Er- gebnis"gekonnnen sech däss fichstM^yrage ver -MNMMNFimr im Einvernehmen aller Nationen lösen lasse. Das umfangreiche Programm läßt eine langwierige Konferenz erwarten.

Unterbrechung der Luftfahrtverhandlungen in Paris.

Berlin. Die Lustfahrverhandlungen in Paris, denen man von Anfang an in Deutschland mit Optimismus gegen- überstand, sind jetzt unterbrochen worden. Dank der Bot­schafterkonferenz, die den Beginn der Verhandlungen immer hinauszögerte, ist eine Beendigung vor Weihnachten nicht möglich gewesen; erst im Januar werden die deutschen Dele­gierten, die bereits in Berlin wieder eingetroffen sind, nach Paris zurückkehren.

In dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen hat Frankreich, wie stets, großen Widerstand gegen die deutschen Forderungen geleistet. Es stellte sich heraus, daß auf die französischen Unterhändler ein Druck von feiten der französischen Luftfahrzeugindustrie ausgeübt wird, die darauf bedacht ist, ihre wirtschaftlichen Interessen zu schützen, und deshalb darauf dringt, daß die Begriffs­bestimmungen für den deutschen Luftschiffbau in möglichst engen Grenzen gehalten werden. Die deutschen Dele- gierten haben selbstverständlich einen Einigung über 5 Fragen des Luftverkehrs, wie er von Frankreich ge- r. icht wird, abgelehnt, indem sie darauf Hinwiesen, nie Verständigung vorher möglich sei, bis die strittigen Fragen über den Flugzeugbau geklärt seien.'

Italienische Gemeinheiten.

£ Der italienische Faschismus arbeitet mit Hochdruck weiter daran, sich die Sympathien aller Deutschen und weiter aller Menschen, die ein klein bißchen Kultur- und Sauberkeitsgefühl haben, zu entfremden. Es geht gegen jedes Kultur- und Sauberkeitsgefühl, wenn ein kleiner, wehrloser Volksteil, der unter fremde Herrschaft geraten ist, in seinem Eigenleben drangsaliert wird.

Nachdem kürzlich in der urdeutschen Stadt Bozen der Walter-Platz auf den Sternen des italienischen Königs zwangsweise umgetauft worden ist, hat man jetzt im gleichen Bozen eine deutsche Dilettanten-Kapelle aufgelöst; hat man in Brixen die dortige, sehr reichhaltige Bezirks­lehrerbibliothek zu verbrennen angeordnet; hat man in Kältern die deutschen Kinder gezwungen, das italienische Piave-Lied, ein Hymnus auf die italienischen Kriegshelden­taten, auswendig zu lernen; hat man in St. Ulrich- G r ö d e n die Leute in Ketten abgeführt, aus deren Kindern der Lehrer herausgespitzelt hatte, jene sprächen abfällig über Mussolini oder den König; hat man in Eppan die deut­schen Lehrer verhaftet, weil sich die Kinder dort weigerten, das ihnen unverständliche Piave-Lied zu lernen; hat man in allen möglichen Orten Südtirols verfügt, daß die Vor­gesetzten und die Karabinieri von den Kindern mit dem

1925

faschistischen Gruß gegrüßt werden müssen. Und was derlei Heldentaten mehr sind.

Das Kattowitzer Bombenattentat ein polnischer Racheakt.

- Beuthe«. Zu dem Bombenattentat auf das Ge- schäftsgebäude derKattowitzer Zeitung" werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Das Gebäude liegt in einer belebten Straße gegenüber der Polizeiwache. Verletzungen von Personen wurden nur dadurch vermieden, daß der größte Teil des Betriebes bereits geschlossen war. Der Sach­schaden im Rotationsmaschinenraum, der elektrischen Schalt­anlage und der Umformerftation ist erheblich.

Es erfolgte ferner ein Ueberfall auf die Geschäftsstelle derKattowitzer Zeitung" in M y s l o w i tz.

Das Attentat dürfte die polnische ReaktwA Ef tot Stimmung der Bevölkerung darstellen, die infolge dr- wir:- schaftlichen Niederganges und der Mißwirtschaft auf eine Grenzrevision als einzigen Ausweg aus der Not drängt. Daß hier ein planvolles polnisches Vorgehen vorliegt, dürfte hervorgehen aus den gleichzeitigen Anschlägen in Kattowitz und in Myslowitz, aus der feit einiger Zeit wieder einsetzenden Hetze gegen die deutschen Führer und die Einmütigkeit, mit der die polnische Presse das Attentat als deutsche Machination hinstellt. Es gehen Gerüchte um, daß zur Einschüchterung der deutschen Be­völkerung die Gründung eines polnischen Selbstschutzes im Gange ist.

Annahme der Notverordnung zur Aenderung des Grundvermögenssteuergesetzes.

Berlin. Im Ständigen Ausschuß des Preußischen Landtages wurde die Notverordnung zur Aenderung des Grundvermögensteuergesetzes nach den Beschlüssen der Ein- zelabstimmungen der dritten Lesung, an denen die Verord­nung eine Aenderung nicht vorgenommen hat, angenommen.

-MriHmkOrsgruße des Stetchsprustoenreu

an deutsche Schiffe in Uebersee.

Berlin. Der Reichspräsident hat den beiden in Süd­amerika befindlichen Schiffen der Reichsmarine, Kreuzer Berlin" und VermessungsschiffMeteor", folgenden Glückwunsch gesandt, dem sich der Reichswehrminister und Chef der Marineleitung angeschlossen haben:

Zum Weihnachtsfeste sende ich den BesatzungenBerlin" undMeteor" und der Deutsch-atlantischen Expedition Grüße treu gedenkender Heimat und Wünsche für weitere erfolgreiche Fahrt, v. Hindenburg, Reichspräsident."

Weihnachtsferien des Reichskabinetts.

Berlin. Reichskanzler Dr. Luther und Außenminister Dr. Stresemann haben Berlin zu einem kurzen Weih- nachtsurlaub verlassen. Auch die anderen Mitglieder des Reichskabinetts werden voraussichtlich in den nächsten Tagen abreisen. Die offizielle Vertretung des Reichskanzlers über­nimmt der Reichswehrminister Dr. G e ß I e r. Die politischen Arbeiten in Berlin werden voraussichtlich erst in den ersten Ianuartagen wieder ausgenommen werden.

Nochmaliger Besuch Tschitscherins bei Stresemann.

Berlin. Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat nochmals den russischen Außenkommissar Tschitscherin zu einer längeren Aussprache empfangen. Am Dienstag abend verließ der Volkskommissar Berlin, um sich über Riga nach Moskau zu begeben.

Wirkungen der Finanzgeschäfte des Landrats Vogl.

Liebenwerda. In der gestrigen Sitzung des neugewühlten Kreistags gab der Landratsamtsverweser eine Uebersicht über die finanziellen Lasten, die sich für den Kreis aus den Geld­geschäften des früheren Landrats Vogl ergeben.

Der Kreis ist in acht Prozesse verwickelt, in denen von ihm die Bezahlung von rund 1 800 0 0 0 Mark gefordert wird. Weiter schuldet der Kreis aus diesen Geldgeschäften der Konkursmasse der Luisenstädtischen Genossenschaftsbank in Berlin den Betrag von 5 0 0 0 0 0 M a r k, so daß ins - gesamt 2 300 000 Mark auf dem Spiele stehen. An Ä n w a ! t s k o st e n sind bisher 6 2 0 0 0 Mark erforder­lich geworden, die durch S t e u e r z u s ch l ü g e im nächst­jährigen Kreisetat aufgebracht werden müssen. Der Kreistag wählte daraufhin den bisherigen Amtsverweser Regterungsrat Rührig zum Landrat.

Selbstmord der ersten deutschen Fliegerin.

Berlin. Die bekannte erste deutsche Fliegerin Melly B e e s e, die sich vor dem Kriege mit dem französischen Flieger Boutard verheiratet hat, beging in einem Anfall von see- lischer Depression Selbstmord. Sie erschoß sich mit einem