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Hersfelörr Tageblatt

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DadM. + für die SdirIJtleltung verantwortlich: Z ' 5nSJ;n^iSX ÄiS

Fl""'" °"E * *■ । Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfelö °--«" ^""-»- °>°-°-- -°-"°-°

Rr. 266 Donnerstag, den 12. November 1925

Das Wichtigste.

— Reichspräsident von Hindenburg ist in Stuttgart zum Besuche der württembergischen Regie­rung eingetroffen und von einer vieltausendköpfigen Menge mit großem Jubel empfangen worden.

— Die Reichsregierung hat die Antwort auf die Entwaffnungsnote der Botschafterkonferenz in Paris überreicht.

— In den nächsten Tagen wird das gesamte Mate­rial über die Rückwirkungen und die Verhand­lungen in der Entwaffnungsfrage veröffentlicht werden.

Der deutsch-spanische Zollkrieg.

Völlig überraschend, plötzlich über Nacht, hat Spanien gegen Deutschland den Zollkrieg erklärt. Die Maßnahme kam derart unerwartet, daß die deutsche Regierung gar nicht erkennen konnte, welche Veranlassung dieser überstürzte Zollkrieg haben könnte. Kurzerhand hat Spanien der deut­schen Regierung Die Schuld an dem Abbruch der Verhand­lungen zugeschoben.

Bei der Gelegenheit sei auf den Gang der bisherigen Verhandlungen und die bisher geltenden Wirtschaftsab­machungen hingewiesen. Vorausbemerkt fei gleich, daß Spanien, entgegen den meisten anderen Ländern, mit denen Deutschland nach dem Kriege schwierigste Handelsvertrags­verhandlungen anknüpfen mußte, während des Krieges neu­tral war und stets Wert auf feine deutschfreundliche Gesin­nung legte. Um so mehr ist es zu verwundern, daß gerade ein stets Deutschland wohlgesinntes Land jetzt derartige Schwierigkeiten bei der Anbahnung wirtschaftlicher Beziehun­gen macht. Schließlich hat doch Spanien das größere Inter­esse an einem wirtschaftlichen Zusammenarbeiten mit Deutsch­land. Mag auch in Spanien seit dem Ende des Weltkrieges

- die wirtschaftliche Entwicklung dahin geleitet werden, aus Spanien trotzdem bemüht fein, feine landwirtschaftlichen Produkte und vor allem den großen Ueberschuß an Süd­früchten abzusetzen. Wer aber hat in dem Maße spanische Apfelsinen abgenommen wie Deutschland? Als unser Land während der Inflation mit den größten Wirtschaftsschwierig­keiten zu kämpfen hatte, da fanden die spanischen Südfrüchte auf dem deutschen Markte unbehinderten Eingang. Das deutsche Geld, das im Lande bleiben sollte, um die Währung nicht ins Unergründliche stürzen zu lassen, wanderte zu einem nicht geringen Teil nach Spanien, um damit die ein­geführten Südfrüchte zu bezahlen, die doch wirklich nicht zum täglichen Lebensunterhalt eines Menschen gehören. Es war ein unvergleichlicher Luxus, den sich Deutschland leistete und den es nur deshalb nicht abstellte, um einem Lande, das sich während des Krieges trotz der Machenschaften und Einflüsterungen unserer Feinde nicht dazu verleiten ließ, uns mit den Waffen in den Rücken zu fallen, Entgegen­kommen zu zeigen.

Aber schließlich muß dieses Entgegenkommen da eine Grenze haben, wo sich schwere Schädigungen für das deutsche Wirtschaftsleben ergaben, oder wo der Vertragsgegner das ihm gezeigte Entgegenkommen nicht in der gleichen Art er­widert. Das aber ist jetzt in der Frage der deutsch-spa­nischen Wirtschaftsverhandlungen der Fall. Die deutsche Regierung mußte notgedrungen unter Zustimmung des Reichstags den Handelsvertrag mit Spanien kündigen, um die beiderseitigen Wirtschaftsbeziehungen auf einer zeitge­mäßen und sachlich gerechtfertigten Grundlage neu zu regeln. Vor zwei Jahren legten die Spanier für deutsche Waren- einfuhr einen Zuschlag von 80 Prozent auf den spanischen Mindesttarif. Dieser Zoll, der sich daraus ver­stand, daß Spanien die Einfuhr deutscher Jndustrieerzeug- nisse, die seiner eigenen jungen Industrie schädlich war, möglichst unterbinden wollte, war schon damals reichlich hoch. Wenn aber Spanien heute auf diesen Höchsttarif einen Z u - s ch l a g z o l l von weiteren 8 0 Prozent legt, so ist das gleichbedeutend mit der Sperrung der deutschen E i n f u h r. Spanien verlangt, daß wir ihm seine Erzeug­nisse möglichst ohne Zollaufschlag abnehmen, Erzeugnisse, die wir gut entbehren können, es verhindert aber die Einfuhr deutscher Erzeugnisse in sein Land. Welches Land wird jetzt die 50 Prozent der gesamten spanischen Obsternte und dazu noch die beträchtlichen Mengen an Wein und Erzen aufnehmen, nachdem Deutschland sich veranlaßt sieht, als Gegenmaßnahme auf diese Einfuhr zu verzichten? Wohin sollen nun die spanischen Apfelsinen wandern, imb welches Land soll seine Valuta für derartige Luxusartikel ins 9lus- land werfen?

Es ist wohl niemals klarer gewesen als hier, daß Deutschland durch den Abbruch der Handelsbeziehungen den bedeutend geringeren Verlust erleidet als Spanien, und wir werden mit Ruhe der Entwicklung entgegensehen und abwarten können, bis die Spanier wieder zu ruhiger Ueber» legung gekommen sind, die ihnen sagen muß, daß sie sich durch die Anzettelung eines Wirtschaftskrieges mit Deutsch­land gehörig ins eigene Fleisch schneiden. Dr. M.

Gegenwärtig werden in Madrid zwischen der deut­schen und der spanischen Delegation Verhandlungen

geführt, die durch das neue spanische Angebot zur Regelung der Zolltarifmaßnahmen eingeleitet sind. Der spanische Vor­schlag steht die Schaffung eines kurzfristigen Provisoriums vor, das im wesentlichen die Unter­bringung der spanischen Weintraubenernte bezweckt. Das spanische Angebot wird in der gegenwärtigen Form auf deutscher Seite nicht als brauchbare Basis für die Verhandlungen angesehen. Jedenfalls wird in der nächsten Zeit auf das spanische Angebot eine Antwort der deutschen Regierung erfolgen.

In Spanien sind die durch die Verordnung der Re­gierung vom 9. November vorgesehenen Zollkriegssätze be­reits in Kraft getreten. Auf deutscher Seite sind alle Vor­bereitungen zur Einführung von entsprechenden Ge­genmaßnahmen bereits getroffen worden. Die Ein­leitung derselben hängt jedoch ausschließlich von den gegen­wärtig im Gang befindlichen Verhandlungen in Madrid ab.

Zurückweisung der Forderungen der Boischasierkonftrenz.

Die deutsche Antwort abgesandt.

£ Berlin. In den Besprechungen, die zwischen den be­teiligten Reichsressorts und den Vertretern der Länder unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Luther geführt wurden, vertrat man übereinstimmend den Standpunkt, daß ange­sichts der gesamten innerpolitischen Verhältnisse an ein Auf­geben der

Kasernierung der Schutzpolizei unmöglich gedacht werden könne, wenn man nicht neue Be­unruhigung in weite Schichten der Bevölkerung tragen wolle. Die Aufhebung der polizeilichen Kasernierung würde auch den Bereitschaftsdienst der Ueberfallkommandos auf­heben, und man wäre nicht mehr in der Lage, bei kriminellen oder politischen Ausnahmefällen sofort mit der nötigen Energie einschreiten zu können. In der deutschen Antwort wird deshalb der Vorschlag gemacht, für die deutschen Groß­städte die polizeiliche Kasernieruna beibehalten zu dürfen. Um den von ven cutterten behaupteten angeblichen Mnnnr» charakter der Polizei zu beseitigen, wird die Umbenennung verschiedener Dienstgrade sowie eine Umformung der Exer- zitien zugestanden.

Ueber die von den Alliierten geforderte

Umgruppierung in der Reichswehr

dürfte der deutsche Standpunkt dahin gehen, daß man die Stelle des Chefs der Heeresleitung aufhebt. Dafür würde der dienstälteste Offizier in der Reichswehr gewisse größere. Befugnisse erhalten. Im übrigen haben über die von der Bot­schafterkonferenz zur Erörterung gestellten drei Hauptpunkte sehr eingehende Beratungen mit den Alliierten-Vertretern in Berlin stattgefunden, so daß man annehmen kaun, daß der deutschen Antwort nur noch formale Bedeutung zu- komme.

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Die deutsche Antwort auf die Entwaffnungsnote der Botschafterkonferenz ist fertiggestellt und ist bereits nach Paris abgegangen. Eine Veröffentlichung des schriftlichen Verhandlungsmaterials über die Entwaffnuugsangelegen- Heit soll nicht vor Abschluß der Verhandlungen erfolgen.

Veröffentlichung des Materials über die Rück­wirkungen und die Entwaffnungsfrage.

£ Berlin. In den nächsten Tagen wird die Veröffent­lichung des gesamten Materials über die Rückwirkungen er­folgen. Gleichzeitig wird dann auch das gesamte Material über die Entwaffnungsfragen der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Reichsregierung steht mit den Alli­ierten auf dem Standpunkt, erst eine Veröffentlichung zu- zugestehen, wenn das gesamte Tatsachenmaterial vorliegt. Chamberlain wird am 18. November im Unterhaus, Vander- velde am 19. November sprechen.

London in Erwartung des»!. Dezember.

$■ London. In London werden alle Vorbereitungen zu einer festlichen Ausgestaltung des 1. Dezember, des Unter- zeichnungstages der Locarnoer Verträge, getroffen. Am Abend des 1. Dezember soll im Buckingham-Palast ein großes Bankett beim Königspaar stattfinden, wo jum ersten Male nach dem Kriege Deutsche erscheinen werden. Das berühmte goldene Tafelgeschirr der königlichen Familie soll bei Tisch gereicht werden. Keine Ausgaben sollen gescheut werden, um diesem Tag festlichen Glanz zu verleihen.

„Gegen ein zweiies Locarno."

Eine deutschnationale Protestversamm lung i n M ii n ch e n-

^ München. Die Deutschnationale Volkspartei in München hatte eine große öffentliche Protestversammlung „gegen ein zweites Versailles" einberufen, in der Reichstagsabgeordneter 6 ch I a n g e - S ch v n i n g en als Redner auf trat.

Alle gegenwärtige Not führte Schlange-Schömngen auf den Friedensvertrag von Versailles zurück. Deshalb dürfe das deutsche Volk nur den einen Gedanken haben:

Wie komme« wir los von Versailles?

Der Vertrag von Locarno bedeute aber ein zweites Ver­sailles. Die großen weltpolitischen Perspektiven auf die Zu­kunft Deutschlands lägen, namentlich wirtschaftspolitisch, nicht im Westen, sondern im Osten. Die Unterzeichnung der Locarno-Verträge würde der deutschen Vernichtung den Rest geben. Nicht die Deutschnationalen hätten die Front ver­lassen, sondern die anderen hätten eine Frontveränderung vorgenommen. Der erste Erfolg der deutschnationalen Oppo. sition sei der, daß das schlafende Volk bereits zu erwachen beginne. Eine Entente, die uns heute noch so unglaublich be. handle und schikaniere, könne uns Versprechungen marinen soviel sie wolle, es sei ihr nicht zu glauben.

Die letzte Auslegung des Vertrages liege nicht bei uns, sondern bei denen, die die Macht hätten. Es bejahe die einzige Hoffnung, daß das deutsche Volk eines Tages die

Notwendigkeit der nationalen Zusammenfassung einsehen werde. Der Tag der neuen Atmosphäre werde erst dann kommen, wenn beim deutschen Volke der Gelbsterhal- tungswille lebendig werde.

Als Diskussionsredner kam u. a. der frühere Reichs­tagsabgeordnete Exzellenz S ch o ch von der Deutschen Volks. Partei zu Wort, der die Deutschnationale Volkspartei an- klagte, die Zusammenarbeit der bürgerlichen Parteien zer­schlagen zu haben- Ex klagte weiter die Deutschnationalen an, daß sie den Weg zur Befreiung des besetzten Gebietes aufs neue verrammelt hätten. In dem Augenblick, in dem Locarno abgelehnt werde, werde Köln nicht geräumt Ob der Weg zur Freiheit über Locarno führe, wisse er nicht, ober er wisse das eine, daß durch den Weg, den die Deutschnatio­nalen eingeschlagen hätten, Versailles verewigt werde, weil eine Ablehnung von Locarno die Entente aufs neue gegen uns zusammenschweiße.

Abgeordneter S chlange-Schöningen trat diesen Ausführungen in einer kurzen Erwiderung entgegen und «chtov mir oem ^iramSK1 van es sich M-vas "verasche Volk nicht so sehr um den Weg zum Frieden, als um den Weg zur Freiheit handele. 6s liege an Stresemann, mit den Deutschnationalen die neue deutsche Einheitsfront zu schaffen.

Wo ist der „Geist von Locarno"?

❖ Paris. Das Kriegsgericht in Amiens hat den deut­schen Obersten Weicke vom 56. Infanterieregiment und Leut­nant Schulz vom 17. Artillerieregiment in Abwesenheit zum

Tode verurteilt.. Der Oberst soll 1914 in einem Gute bei Betheneourt 12 Einwohner der Ortschaft zur Deckung seiner Truppen benutzt haben. Mehrere wurden dabei durch französische Kugeln getötet. Bethencourt und das in der Nähe gelegene Dorf Alaincourt sollen auf Befe^ des Obersten niedergebrannt worden sein. Die gegen Leutnant Schulz erhobene Anklage lautet dahin, daß er im September 1914 einen französiMn Pächter erschoß und dessen Gut seinen Mannschaften zur Plünderung überlassen haben soll.

Telegrammwrchsel Muffolmi-Briand.

£ Paris. Mussolini hat auf das Telegramm des französischen Außenministers Briand, in dem der fran­zösische Außenminister ihn zur Teilnahme an der Konferenz von Locarno und der Unterzeichnung des Pattes durch Italien beglückwünschte, geantwortet.

Der italienische Ministerpräsident bedankte sich bei Briand für dessen liebenswürdige Mitteilung, aus der er ersehen habe, wie sehr die französische Regierung die Hand­lungen des italienischen Kabinetts und seine persönliche Hal­tung zu würdigen wisse.

Die italienische Regierung schätze sich glücklich, an dem Pakt mitzuarbeiten und sei überzeugt, daß dieser wesent­lich dazu beitragen werde, den europäischen Frieden zu begründen.

Zum Schluß erklärt Ätnssolini, er werde sich zur Rati- fizierung des Paktes nach London begeben und das Ver­gnügen haben, dort erneut mit Briand zufammenzutreffen.

Deutschenverfolgungen in Südtirol.

£ Wien. Aus Innsbruck wird berichtet, daß in den letzten Tagen im Zusammenhang mit der Ver­schwörung gegen Mussolini in vielen Städten Südtirols zahlreiche Verhaftungen erfolgt seien. Es wurden über hundert Personen auf Grund von Denunziattonen ver- haftet, darunter befinden sich Geschäftsleute, Lehrer, Beamte und Geistliche. Die Verhaftungen erfolgten mit größter Rück- sichtslosigkeit. Die hiervon Betroffenen wurden, zur Nacht- zeit aus den Wohnungen gemalt und auf die Präfettur oder auf den Karabüneriposten gebracht. Ein Teil der Verhaft^ ten mußte allerdings bald wieder entlassen werden, da |td) die Grundlosigkeit der Verdächttgungen ergab. Der Zustand ist aber heute noch so, daß niemand weiß, wie es um ferne Sicherheit steht. Der geringste Argwohn geaSA Mi NÄ' Übung irgendwelcher Repressalien, , ------^