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mer; die Tür nach dem Salon aber war geöffnet, er hörte" Schritte darin, und fo ging er quer durch den großen Raum hinüber. Aber wie angewurzelt blieb er da plötz­lich stehen er hatte Nvonne erblickt!

Und sie war genau so fassungslos wie er sie zit­terte am ganzen Körper und mußte nach einem Halt suchen.

Sprachlos starrten sie sich beide an.

Nvonne Komtesse Sie?" rang es sich endlich mühsam von seinen Lippen.

Herr von Steinhagen, ich glaubte, Sie seien ver­reist!" stammelte sie.Der Herr Justizrat sagte es mir doch!"

Der Justizrat? Ja, wo ist er?" Lothar sah sich nach ihm um; er war nicht mehr da. Das war doch höchst sonderbar ein Geheimnis mußte sich dahinter ver­bergen!

Leidlich hatte er sich jetzt gefaßt.Komtesse, was ver­schafft mir die Ehre Ihres Besuches?"

In hilfloser Verlegenheit krumpfte sie die Hände in­einander.

Der Justizrat wird Ihnen alles erklären."

Nein, Sie selbst, Komtesse. Der Justizrat sagte mir, ich würde hier den den neuen Besitzer" er sprach langsam, stockte mit einem Male, blickte fragend auf das Mädchen vor sich, und da begriff er.

Sind Sie das vielleicht. Komtesse? Haben Sie etwa gar Steinhagen gekauft?" fragte er atemlos.

Nvonne senkte den dunklen Kopf. Glühende Röte überflutete ihr Gesicht; sie konnte nicht antworten.

Warum haben Sie das getan. Komtesse?"

Weil ich wußte, wie sehr Sie Steinhagen liebten, und da sollte es nicht in fremde Hände fallen; es soll in Ihrem Sinne verwaltet werden."

Wer aber würde das tun? Denn Sie selbst"

Da hob sie die Augen voll zu ihm empor.

Sie, Herr von Steinhagen. Ich wollte Sie bitten, nun wir doch einmal zusammen sind vielleicht als Pächter---." Sie war ein wenig verwirrt, fand nicht die rechten Worte, und er ging gar nicht darauf ein, sondern fragte:

Und Sie, Komtesse?"

Ich muß vorläufig bei Großmama bleiben; sie hat einen großen Schmerz erlitten."

Ah, ich sehe, Sie tragen Trauer!"

Ja, um meinen Vetter, Herrn von Brücken. Sie kannten ihn ja und wissen wohl auch von seinem plötz­lichen Tode."

Er starrte sie an, als habe er nicht recht gehört.

War er Ihr Verwandter? Das wußte ich nicht!" Ist es nicht erklärlich, Herr von Steinhagen, daß ich das nicht sagte in abhängiger Stellung, in der ich damals war?"

Und er war Ihnen sehr teuer?" fragte er in so ein­dringlichem Ton, daß sie ihn befremdet ansah.

Ja, Herr von Steinhagen, denn er war der einzige gewesen, der mit mir heimatlosem Kinde Mitleid hatte. Mein Vater hatte gegen den Willen seiner Mutter ge­heiratet, und deshalb war ich kein willkommener Gast auf Burgau bei Großmama, als mir die Eltern früh­zeitig durch den Tod genommen waren und ich dort er­zogen werden sollte. Ich bekam bald Differenzen mit der Großmama. Sehen Sie, Herr von Steinhagen, das war rs, was mich drückte, mich so ernst sein ließ! Meine Kind­heit war trübe die wenigen freudigen Stunden darin habe ich meinem Vetter Lutz zu danken. Was Wunder, daß ihm mein Herz da entgegenflog! Und deshalb be­trauere ich seinen Verlust aus tiefstem Herzen, obgleich rr uns allen durch seinen Leichtsinn schwere Sorgen ge­macht hat! Sie wissen vielleicht noch mehr als ich. Ich erinnere mich, daß Sie einmal zu Fräulein Konstanze von ihm sprachen, sie auch vor ihm warnten!"

Er nickte mehrere Male vor sich hin nun ver­mochte er sich vieles zu erklären. Aber der letzte Besuch des jungen Offiziers er hatte ihn doch vor Nvonne knien sehen hatte ihre lieben Worte, das vertrauliche »Du" gehört.

lSchlutz folgt.)

Das Haustöchlerchen.

Der Sonnenschein des Hauses ist's oft das HauS- töchterchen. Licht und Wärme verbreitend, schaltet es in Mutters Reich,;durch sein liebenswürdiges, heiteres Wesen alle Herzen im Sturm erobernd. Keine Blume kann schöner aus'chauen als solch ein junges, schmuckes

Menschenkind mit seinen lachenden Augen, Bäckchen wie Apfelblüt' und den frischen, loten Lippen. Hinter denen sich zwei Perlenreihen von blitzblanken Zähnchen verstecken. Wie lieb Backfischchen plaudert, wie glocken­hell sein bei 3t es Lachen durchs Haus tönt! Und wie gut ihm der modische Haarputz, Bubikopf oder Schnecken am Ohr, wie ihmBluse", Röckchen oder Tändelschürze stellt! Ein allerliebster Kerl! Jung und alt muß an Prinzeß Sonnenschein helle Freude haben!

So wenigstens steht das deutsche Gretcken vor uns, so stellen es die Maler und Dichter unseren Augen dar.

Ein paar prächtige Zeiten hat der unvergeßliche Jean Paul über die Heiterkeit solch eines jungen Menschen­kindes geschrieben:Ich möchie einen ganzen Paragra­phen bloß über und für die Heiterkeit und Scherzhaftig- keit der Mädchen schreiben und ihn den Müttern zu- eignen, die sie jenen so oft verbieten. Denn etwa den Mädch'N selber ernsthaft vorzuichlagen, sie möchten ge- lecentlich lachen, hieße fast, ihnen den Gegenstand so« gleich mitbringen. Hingegen Mütter murren gern,sollten sie auch oft innerlich lachen, wie umgekehrt die Töchier häufig nur äußerlich. Nun, ihr Mütter, gönnt dem lieben, leichten Wesen das Spielen um die Blumen, die Flatter- minute vor langen Ern stjahren! Gibt es etwas so Schön­es und Poetisches im Leben, wie das Lacken und Scher­zen einer Jungfrau, welche, noch in der Harmonie aller Kräfte, mit und auf allen in übiger Freiheit spielt, und die weder höhnt noch haßt, wenn sie scherzt? Lackende Heiterkeit wirft auf alle Lebensbahnen Tageslicht. Kann eine Frau diese Komödie aus dem Stegreif in die Ehe hineinspielen und zuweilen das starre Epos des Mannes oder Helden durch ihr komisches Heldengedicht anleuckten oder gegen Unglücksfälle, wie die Römer taten, ein lustiges Spiel anordnen: so hat sie Freude und Mann und Kinder bestochen und gewonnen."

Das Haustöchtercken! Wie schön ist seine Aufgabe als Stütze der Mutier! Wo mehrere Töchter im vame sind, hat gewöhnlich die Älteste ein gewisses Vorrecht, Mutters Stütze zu sein, bis schließlich das Nesthäkchen das Amt der Ältesten übernimmt.

Nun kann zwar auch eine Familie, die nur mit Jungens gesegnet ist, eine sehr glückliche sein. Aoer auch in einem solchen Falle wird sich die Mutter hin und wieder heimlich danach sehnen, ein Haustöchterchen zu besitzen geradeso wie eine andere Mutter, die nur mit Töchtern gesegnet ist, gar zu gern einen Stamm­halter hätte, der den Familiennamen ferneren Genera­tionen überträgt. Wünscht man nicht gerade das, was man nicht besitzt?

Doch wir sprachen von dem sonnigen Reiz, den ein Haustöckterchen dem Daheim bereitet. Leider kommt es aber sehr häufig vor, daß ein solches Mädchen auch ein rechtes Sorgenkind wird. Nur zu viele Eltern schaden dem Charakter ihrer Heranwachsenden Tochter oadurch, daß sie das Mädchen gar zu ängstlich behüten und von der rauhen Wirklichkeit des Lebens entfernt halten. Da soll sich das liebe Kind nur um Gotteswillen nicht anstrengen, keinem Lüftchen ausgesetzt sery, damit es sich ja keinenbösen Schnupfen" hole, da wird jeden Morgen gefragt:Fehlt dir was?", bis sich die Tochier selbst wie ein verfehltes Menschenkind vorlommt, das im stillen Gehege des Hauses mit unverwerteten Kräften und unbefriedigtem Gemüt als immer unlustiger und zimperlicher werdendes Mauerblümchen seine Jurend verbringt die Sorge, wohl aber nicht der Sonnen­schein des Hauses!

Andererseits wieder wird das heranreifende Mädchen mit Kleidern, Putz und Tand maßlos verwöhnt und durch rauschende Vergnügungen wenig edlen Zielen entgegengeführt. Da wird auf eine vornehme Denkungs- act und feinen Herzenstakt nur geringer Wert gelegt; um so mehr wird dasÄußere" berücksicht. Die Tochter kann dumm, unwissend, schnippisch, lieblos und tn der Führung eines Hauswesens vollkommen unerfahren sein wenn es nur der Welt, besonders ber Herrenwelt gegenüber, das fixe, fertigt Weltdämchen beraussteckt. Denn Sitzenbletben wäre fa das Schlimmste, unter die Haube denn um jeden Preis! Allerhand Fertig­keiten werden dem Mädchen angelernt, nur nichts gründ­lich. Denn es soll ja nur locken, durch seine Vielseitig­keit überraschen. Da heißt es: Wir haben's ja! Wir können Ansprüche machen! Unsere Tochter ist eine kom­plette Dame! Und so wird dafür gesorgt, daß das gnä­dige Fräulein einen Mann bekommt, bis endlich auch nach einem kurzen unverstandenen Eheleben die Schei­dungkomplett" ist.

Wie reizend ist dagegen ein einfaches kerniges, hei­teres Töchterchen, mit Liebe und Strenge iür alles in­nerliche Gute und Schöne erzogen. Die- Anmut selbst. Mit ihm zu leben muß eine Herzensweide sein! Wohl dem Manne. der solch ein frisches, liebes Mädchen be­kommt!