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von Versailles habe den Korridor zwischen Ostpreußen und das übrige Preußen gelegt, und so auch die wirtschaftlichen Verhält, niste Ostpreußens katastrophal beeinflußt. Besonders traurig sei . es mit den Schulverhältnisten bestellt. Die wirtschaftliche Not sei groß, di" Landwirtschaft sei nicht in der Lage, kurzfristige Kre­dite sofort zurückzuzahlen. Wenn nicht baldigst geholfen werde, )fei die Katastrophe Ostpreußen unvermeidlich. Der Kommunist )5 a r t e I s Krefeld forderte größere Sparsamkeit, die preußischen Kesandtenstellen in den Hansestädten und Einzelländern könnten 'gestrigen werden. Abg. Heymann fDv.) setzte sich dafür ein, daß endlich den Uranträgen seiner Fraktion über die Abgeltung der Ruhrkampfschäden entsprochen werde, damit die geschädigten Kommunen wenigstens schleunigst in den Besitz besten kämen, was ihnen das Paterland überhaupt noch geben könne. Abg. G r e s s - i e r (Dem.) bezeichnete eine Revision der Bestimmungen über die Vertretung der preußischen Provinzen im Reichsrat als not­wendig. damit die Richtung der preußischen Politik im Reichsrat in angemessener Weise zum Ausdruck kommt. Abg. Laden- dorff (Wirtsch. Der.) warf den Sozialdemokraten vor, den ge- weiblichen Mittelstand hetzerisch verfolgt zu haben, dagegen für Kartelle, Syndikate und Trusts Vorliebe zu zeigen. Abg. W u l I e (D Dv.) erklärte die Staatsform sei Nebensache. Das Funda­ment des Staates dürfte nicht erschüttert werden. Unter den Hohenzollern sei mehr für soziale Freiheit geschehen, als unter den Sozialisten. Das heutige Staatsgefüge habe keine Staats- iüee. die sei nur eine Versorgungsanstalt von Parteifunktionären. Abg. Bäcker- Berlin (Du.) wandte sich gegen die Behauptung, daß durch den Zolltarif das Brot verteuert würde. Er nahm den bisherigen Minister Schiele in Schutz, dem in seiner Personal­politik Vorwürfe gemacht worden seien. Ministerpräsident Braun erklärte, mit Polen werde noch wegen der ungerechten Grenzziehung an der Weichsel verhandelt. Pflicht sei es, den Wünschen Ostpreußens Rechnung zu tragen. Abg. Schmelzer (Ztr.) betonte, in der Frage Locarno müsse man erst die Rück­wirkungen abwarten. Darauf vertagte das Haus die Weiter- beratung auf Montag, 12 Uhr.

Der Dolchstoß-Prozeß in München.

@tne Rebe «che deurarrns.

München. Mit besonderer Spannung wurde am Schluß der zweiten Verhandlungswoche der Vernehmung des sozial- demokratischen Reichstagsabgeordneten Scheidemann entgegengesehen. Der Zeuge verwies auf die außerordentliche Tapferkeit.der deutschen Soldaten, die hinausgezogen feien, um das Vaterland zu verteidigen. Deutschland sei infolge des Hungers und des Elends unterlegen und weil es an einer Führung gefehlt habe, die rechtzeitig Frieden gemacht habe. Deutschland sei nicht allein schuld am Kriege. Schuld seien alle am Kriege beteiligten Staaten.

Der Zeuge Scheidemann kam dann auf die Stockholmer Konferenz von 1917 zu sprechen. Er bezeichnete Ebert und sich als die treibenden Kräfte dazu. Dann wandte sich Scheide­mann dem päpstlichen Friedensvermittlungsversuche zu. Er bezeichnete diese Friedensaktion als einen der wichtigsten, aber auch der traurigsten Vorgänge und erklärte zu dem vierten Punkt in dem päpstlichen Friedensvermittlungsver- uch, zur Herausgabe Belgiens sei deutscherseits kein offenes Wort gesprochen worden, weil man gehofft habe, Belgien als wichtiges Kompensationsobjekt bei den Friedensverhand- luugen verwerten zu können. Man fei nicht nur belogen in der Angelegenheit der päpstlichen Friedensvermittlung, son­dern auch über den Verlauf des Krieges. Aus dem Telegramm Hindenburgs und Ludendorffs, in dem es geheißen habe, daß das deutsche Heer noch festgefügt dastehe und alle Angriffe siegreich abwehre, sei keine Folgerung erkennbar gewesen von einer revolutionären Unterwühlung und vom Dolchstoß. Hin- nchtlich der Kieler Vorgänge im Anfang November wieder­holte der Zeuge im wesentlichen die Darstellung des Zeugen Noske und betonte, die Flottenmeuterei sei seiner Meinung nach nicht deshalb entstanden, weil die Flotte, sondern weil die Leitung gemeutert habe, und zwar gegen die Reichsregie- rung. Woran Deutschland zugrunde gegangen sei, sei die Aushungerung und Ausbeutung des Volkes und ein von der Uebermacht der Gegner erdrücktes Heer gewesen. Scheide­mann schilderte weiter die Vorgänge vom 9. November und betonte, daß die Sozialdemokraten zwar zur Abdankung des Kaisers ein Ultimatum gestellt hätten, daß aber im Falle der Nichterfüllung ihrer Wünsche von einer Drohung, auf die Straße zu gehen, keine Rede gewesen sei. Als dann der Kaiser zuriickgetreten war, habe Prinz Max von Baden zu Ebert gesagt:Wenn überhaupt noch jemand uns in dieser Situation vor dem Schlimmsten bewahren kann, ist es Ihre Partei." Sa.erdemann erklärt weiter, er stehe auf dem Stand­

punkt, daß Deutschland überhaupt keine Revolution gehabt habe. Er hätte nicht den Ehrgeiz gehabt, Führer der Revo­lution zu sein. Er schwöre die Revolution aber auch nicht ab, das Schicksal Deutschlands habe in den schwierigsten Zeiten, wo man gegen die Bolschewisten ankämpfen mußte, in den Händen von drei Männern gelegen. Wenn Ebert, Landsberg und er ausgerückt wären, säßen heute Liebknecht und seine russischen Freunde in Berlin, und Deutschland wäre eine Provinz von Rußland.

Scheidemann faßte schließlich seine Ausführungen dahin zusammen: Das Dolchstoßmärchen ist das schlimmste Gift, an dem Deutschland noch krankt. In Wahrheit ist Deutschland zusammengebrochen, weil seine militärische und politische Führung in der schlimmsten Zeit versagt hat. Gegenüber den Beschimpfungen haben wir nur das Gefühl der Ablehnung des Gegners. Diese Gefühle werden chre Auswirkung finden in dem schärfsten Kampf gegen die unser ganzes Volksleben vergifteten Lügen des Dolchstoßfriedens. Dieser Kampf ist notwendig im Interesse unseres armen, lieben Vaterlandes.

Professor Loßmann stellte darauf fest, daß dieSüd­deutschen Monatshefte" immer die Auffassung vertreten hatten, daß sich die Vorwürfe gegen die U.S.P.D. zu richten hätten. Es sei eine Fälschung derMünchener Post", daß die Vorwürfe gegen die Mehrheitssozialdemokraten gerichtet seien.

Generalleutnant Müller tödlich verunglückt.

^ Jüterbog. Bei einem auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog abgehaltenen Scharfschießen von Artillerie und In­fanterie wurde der Kommandeur der vierten Division in Dresden, Generalleutnant Müller, durch ein verirrtes Jn- fanteriegeschoß, das in den Unterleib drang, tödlich verletzt.

Wie hierzu von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, war Generalleutnant Müller von Dresden herübergekommen, um dem Scharfschießen eines Bataillons seiner Division beizu- wohnen. Der General hielt sich in der Nähe der Truppe auf, als er tödlich getroffen zu Boden sank. Soweit sich bisher übersehen läßt, handelt es sich um eine verirrte Kugel. Nähere Untersuchungen sind eingeleitet worden.

Generalleutnant Müller ist als Befehlshaber der sächsischen Truppen aus den Kommunistenunruhen bekannt. Er unterdrückte damals als Landeskommandant von Sach­sen die Ausstandsbewegung und stellte im Lande die Ruhe und Ordnung wieder her.

Die Untersuchungen in Jüterbog.

Dresden. Die Untersuchung über den Unglücksfall in Jüterbog, wo bei der Scharfschietzübung Generalleutnant Müller getötet und der Oberstleutnant H ö r a u f schwer verletzt worden sind, ist von den in Frage kom­menden Kommandobehörden, der Reichsrcgierung, des Reichswehrministeriums, des Standortes in Jüterbog und des Wehrkreiskommandos IV eingeleitet worden. Die Er­mittlungen ni Jüterbog werden von Oberstleutnant Marx geleitet. Durch Vernehmung der in Frage kommenden Schützen, sowie durch eingehende Untersuchung des tötlichen Geschosses an Hand des ärztlichen Obduktion'sbefnndes soll versucht werden, die Ursache dieses verhängnisvollen Unfalles zu ermitteln.

Nach Ansicht von Sachverständigen bestehen zunächst drei Möglichkeiten, aus denen sich das Unglück er­klären ließe, einmal, daß bei einem Maschinengewehr der Lauf ausgeschossen oder daß das Kühlwasser ver­siegt war. In diesen beiden Fällen fängt die Geschoßgarbe des Maschinengewehrs stark zu streuen an, so daß die Gefahr besteht, daß die Schüsse rechts und links weit von dem ins Auge gefaßten Ziel entfernt einschlagen. Die dritte Möglich­keit besteht in dem Vorhandensein einer zu schwachen Pulverladung in einer Patrone, wodurch die Flugbahn des Geschosses gegenüber ihrer normalen Länge stark verkürzt werden kann, und zwar je nach dem, wie fehlerhaft die be­treffende Ladung war. Die Kommission hat bereits das Maschinengewehr festgestellt, aus dem die tödliche Kugel ab­gegeben worden ist.

Die Leiche des Generalleutnants Müller ist vom Trup­penübungsplatz Jüterbog nach Dresden überführt worden. Beim Abmarsch der Leiche hatte das Bataillon, um dessen willen Generalleutnant Müller nach Dresden gekommen war, Paradeaufstellung genommen. Reichswehrminister Dr. Geßler kann an der Beifetzungsfeierlichkeit nicht teilnehmen, dagegen wird sich der Chef der Heeresleitung, General von Seeckt, nach Dresden begeben. Beide haben Beileidstelegramme gesandt.

Sie Mahnung des Weltsgartages.

Auf dem ersten Weltkongreß der Sparkassen aller Länder, der vor Jahresfrist in Mailand tagte, wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, den jedesmaligen 31. Oktober zum Weltspartag zu erklären und an diesem Tage überall besonders eindringlich für den Spargedanken in der Oeffentlichkeit zu werben.

Der Grund für diese außerordentliche Maßnahme war bei allen Sparkassen der gleiche: überall merkt man als verderbliche Folge des Krieges und der Nachkriegszeit ein Nachlassen der Spartätigkett und stattdessen den Hang zu unnützen und leichtsinnigen Geldausgaben. Von diesen Schäden ist kein Land, auch nicht die Siegerstaaten, verschont geblieben. ES ergibt sich daher zwangsläufig die gemeinsame Front aller Sparkassen in dem Kampf gegen das unnötige Gelüvertun und für die einfache Lebensweise früherer Zeiten. .

Wenn die deutschen Sparkassen, deren Hauptauf­gabe von jeher die unablässige Pstege des SparsinnS im deutschen Volke ist, sich an dem ersten Weltspar. tag beteiligen, so benutzen sie diese Gelegenheit, um an diesem Tage den Spargedanken tn seiner Bedeutung für das gesamte Volk und die Menschheit überhaupt darzulegen.

Nur ein Land, das arbeitet und spart, erzielt auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet Fortschritte und behauptet seinen Platz im Rate der Völker. Nur eine intensive und ausreichende Spartätigkett sichert die notwendige finanzielle Unabhängigkeit vom Auslande und bietet die festeste Stütze für die Währung.

Nur ein Volk, bet dem Sparsamkeit zur nationalen Tugend geworden ist, gewinnt auch die Achtung und das Vertrauen der Welt. Die Geschichte der Völker lehrt, daß reich gesegnete Länder, deren Bewohner verswwendertsch lebten, in kurzer Zeit zur Bedeutungs­losigkeit herabsanken, während eine arbeitsame nnd unermüdlich sparsame Nation ihren Staat, auch wenn er nicht von der^Natur begünstigt ist, zur Höhe und Bedeutung führt.

Sparsamkeit ist die Grundlage jeder stetigen und friedlichen Entwicklung. Auch rationelle Wirtschafts­führung ist sparen und ist in gleicher Weife Not­wendigkeit für die Hausfrau wie für die Industrie und den Staat. Von besonderem Wert für die Ge- samtwirtschast aber ist die Form des produktiven Sparens, die Betriebskapital schafft und Arbeitern und Unternehmungen Beschäftigung gibt. Das Sparen bet der gemeinnützigen Sparkasse ist heute zum Auf­bau der Wirtschaft mehr denn je notwendig. Das innerdeutsche Sparkapital allein schafft die gesunden Grundlagen für die Weiterentwicklung unserer Wirt­schaft.

Diese wichtigen, wenn auch einfachen Wahrheiten mit aller Eindringlichkeit dem Volke vor Augen zu führen, ist der Sinn der gemeinsamen Aktion der Sparkassen aller Länder am Weltspartag.

Sie fordern zur Mitarbeit alle berufenen Persön­lichkeiten auf, in erster Linie wenden sie sich an die Frauen, die den größten Teil des Volkseinkommens verwalten und denen tagtäglich praktische Gelegenheit zum Sparen geboten ist, dann an die Erzieher in der Schule und Kirche, denen kSvdnesst, schon irem fünftel^ Menschen die Ehr fürcht vor dem Pfennig und den Sinn für die einfache Leber sfl-ckn ung riuznpfl,rvzev, nicht zuletzt aber auch an tu Behörden, von feien Unterstützung und Hi lie der Eifola der Lpariäiistteii abhäun! en jeden Einzelnen >nul>n tu 6 ya: L. fb u ilr > Bu!» «ntb e M»bn. bu, zu nn , u. ih u ini» z-u gven zu > liebei :ytuönng öt i gCni an äiii^i 11 Hlv.b Ktgftbfme durch unablässiges und regelmaßlges Sparen.

Wer spart, gleichviel in welcher Art und an welcher Stelle, der hilft dem Volk, der Wirtschaft und dem Staat.

Wer spart, handelt deutsch!

Der heutigen Ausgabe liegt

Nr. 20 der Heimat Schollen bei

Gonntagsbetrachtungen eines alten Hersfelders.

So will ich meine Pflicht denn nun als deutscher Steuerzahler tun!"

Geheimnisvoll wird noch immer mit den Kandi­datenlisten für die Kreistagswahlen verfahren. Ob­aleich die Spitzenkandidaten der beiden Liften, die bis jetzt auf dem Plane sind, ListeFürst" und Liste Schnabrich" endlich der Oeffentlichkeit genannt worden sind, von den anderen Bewerbern fehlt jede Spur. Ob dieselbe in dem Kirmestrnbel verloren gegangen ist, oder ob die Wahlkomitees in Anbetracht dessen, daß die Wahlgeheim" ist, auch die Namen der übrigen Kandidatengeheim" halten, bedarf noch der Auf- klärung. Ebenso muß restlos aufgeklärt werden, daß die ListeFürst" nicht eine Abkürzung vonFürsten" ist und somit kein Angriff auf die Republtck geplant ist DteSchlagferttgkeit" des linken Spitzenkandi­daten würde dies auch wohl verhindern können. Aber bet diesen Wahlen wird wohl mit aßen Finessen ge» arbeitet werden müssen, denn die Wahlmüdigkeit der Wähler haben dte Stadtverordnetenwahlen in Berlin zur Genüge dargetan. Nur die Wahlver sammlungen ziehen noch einigermaßen, 1. weil min- bestens die Hälfte der Besucher hingeht, um sich zu amüsieren, und 2 weil dieselben meistens aus ihre Kosten kommen. Für die Locarno-Versammlung am Dienstag in der Turnhalle könnte das Wort Hebbels gelten:

Es find zwei treue Brüder, Die ziehen in den Streit hinaus, noch reden sie hin und wieder, da schmetterts den einen darnieder der andere siehts mit Graus!"

Und das müßte erreicht werden, daß die Zeugen­

vernehmungen von Reichstagsabgeordneten während der Wahlkampagne unterbleiben, damit bet Abhaltung der vorgesehenen Wahlversammlungen auch die an- gekündigten Redner auf dem Plan erscheinen können

Was dem einen recht ist, ist dem andern billig. Und so gut wie die Stadtverordneten unserer Lolls- stadt nach einer donnernden Philippika eines hoch- weisen Stadtvaters in der letzten Stadtverordneten­versammlung erfahren haben, daß sie selber Polizei sind, so wollen wir auch hoffen, daß die Kreistags­kandidaten, die am 29. November in den Kreistag einziehen, das ihnen hiermit verliehene Amt eines Landjägers (nt$t zu verwechseln mit Feldjäger) an­nehmen und mit ihrer vollen Kraft ausfüllen. Den einzigen Streit könnte es geben um die Bezeichnung zu Fuß" undzu Pferd", denn in biefem Falle wird jeder reiten wollen. Und wer fest tm Sattel sitzt, dem kann man es auch nicht verdenken. Nun, der Kreis besitzt auch Motorräder, und wer bei be< Verteilung zu kurz kommt, fährt mit ü mTöffcköff" und sieht im Lande nach dem Rechten. Ex officio.

Die elektrischen Lampen im städtischen Beleuch­tungsnetz scheinen von der allgemeinen Nervosität, die jetzt herrscht, angesteckt zu sein. Da war sich dieser Tage mal beschwert worden über die schlechte Straßen- beleuchtnng abends, schon kriegen sie es mit der Angst zu tun und brennen am hellen Tage. Wobei doch nur von der Abendbeleuchtung die Rede war, die auch wirklich etwas vernachlässigt worden war und zwar besonders an solchen Ecken, dte an und für sich schon etwas Geheimnisvolles an sich haben. Zum Beispiel lag aus dem Kirchplatz infolge der Ar­beiten an der Heizung in der Stadtkirche ein großer Hausen Sand, natürlich ebenfalls in ägyptische Finster­nis gehüllt und hier sind nicht nur junge Pärchen, die vom Ktrchtor nach der Frauenstraße oder dem Steingraben gingen, gestrauchelt und gefallen, sondern

es ist auch älteren soliden Ehemännern und Ehe­frauen passiert. Hierbei ist der Beleuchtungskom­mission nicht in schmeichelhaften Worten gedacht wor­den. Wenn die Gasverluste auch noch so groß sind, deshalb darf auf keinen Fall an der Straßenbeleuch­tung gespart werden

Ein Kapitel für sich ist ja die Wohnungsnot in Hersfeld. Es ist deshalb eigentlich zu verwundern, daß die Wohnung auf dem Kirchturm noch immer leer steht. Bei Einrichtung eines elektrischen Auf- zuzes, elektrischen Lichtes und Wasserleitung würden sich genug Liebhaber finden, die diese Wohnung wegen der dort oben herrschenden reinen und gesunden Luft jeder anderen vorziehen würden. Besonders geeignet wäre sie für junge Eheleute, die ihre Flitterwochen im Gebirge verleben wollen; diese Ausgaben könnten di an gespart werden. Die Wohnungs - Kommission feilte nicht so ohne weiteres über diese Anregung h nweggehen, wie sie schließlich schon vielmals durch die Untere Frauenstraße gegangen ist, ohne daß ihr ote schon längere Zeit teerstehende Wohnung anfge. fallen ist, von der man mit Schiller sagen kann: In den öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen!"

Die Post modernisiert sich immer mehr. An Stelle des Postpaketwagens werden von Montag ab Phäno- mobile, richtiger gesagt Paketomvbile durch die Straßen Hersfelds fahren, so daß sich dte Paketbestellung ganz phänomenal gestaltet. Der Postwagen macht heute festlich geschchückt seine letzte Fahrt und wird dann in irgend einer dunklen Ecke ein ruhiges beschauliches Dasein führen. Die Zeit wird nicht mehr fern sein, da alles im öffentlichen Leben automatisch und elek­trisch betrieben wird, und Menschenhände ausgeschaltet werden, denn in diesem elektrisch.phänomenalen Zeit­alter ist alles möglich.