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sein Besuch in Berlin die Brücke schlagen soll. Die Zu- famMnarbeit auf kulturellem Gebiet müsse bestehen m dem Austausch von führenden Köpfen der Wissenschaft, in dem Austausch der studierenden Jugend und in wechsepertiger Beteiligung an den Ausstellungen von Kunst und Kunst-

Um eine persönliche Aeußerung gebeten, ergriff der Pro- fessor Brunot das Wort. Die Mehrzahl der franzö- fischen Gelehrten verbeuge sich vor dem, was die deutsche Wissenschaft zum Fort- schritt der Geister beigetragen habe und vor den Vorzügen der deutschen Rasse, die durch ihre Methode und ihren Fleiß auf geistigem Gebiet Großes geleistet habe. Es würde für die Menschheit ein Unglück bedeuten, wenn die beiden größten Kulturvölker nebeneinander arbeiten woll­ten, ohne sich um eine gegenseitige Ergänzung zu bemühen. Als eines der ersten Werke der intellektuellen Zip ammen- arbeit nannte er die Schaffung einer gemeinsamen Bibliothek, ferner eine fortlaufende Berichterstattung in den Haupt­kultursprachen über alle wissenschaftlichen Fortschritte und Entdeckungen. Auf solche Weise würde ein_ Werk wieder ausgenommen werden zum gemeinsamen Fortschritt und zur gegenseitigen Achtung.

Die Zerrüttung des deutschen SMthelen- und Anleihemarktes.

Vom Deutschen Bankiertag in Berlin.

■£ Berlin. In der Mittwoch sitzung des Sechsten Deut­schen Bankiertages sprach zunächst Herr L ö b, in yirma Mendelssohn L Co., über das Thema: „Auslands- kredite und Ausländsbeteiligungen in der deutschen Wirtschaft".

Im zweiten Referat über das gleiche Thema gab Hofrat Josef Schreyer, Direktor der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, München, zunächst einen Ueberblick über den deutschen Realkredit und seine Organisation. Als Kreditgeber kommen in erster Linie die deutschen Hypothekenbanken in Frage, deren Pfandbriefe bestgesicherte Dermögensanlagen Darstellern Der Pfandbrief war in der Friedenszeit das gesuchteste Anlagepapier, waren doch in ihm 11% Milliarden Gold mark investiert. Auch jetzt sind bereits wieder etwa 620 Millionen Goldmark dem ^Im- mobilienbesitz über die Pfandbriefe zugeflosseru Angesichts des Immobiliarkreditbedürfnipes von Landwirtschaft, Haus- besitz und Industrie, ist das sich in Deutschland bildende Bar- kapital als bei weitem nicht ausreichend zu betrachten. Der Versuch der Heranziehung von Auslands­kapital scheiterte bisher jedoch vor allem an drei Punkten: Das Ausland verlangte Stellung ^der Obligationen auf eine ausländische Valuta, ferner ein ^pezialpfand im Gegensatz zu unserer Generaldeckung der Pfandbriefe und endlich Freiheit von der Kapitalertragssteuer. Ein solcher Fein­goldpfandbrief stellt bei den vorsichtigen Beleihungs- grundsätzen der Hypothekenbanken eine Vermögensanlage von höchster Sicherheit dar, dessen Qualität auch der Aus­länder anerfennen muß. Nun verlangt aber der Ausländer, besonders der Amerikaner, für den Pfandbrief ein Spezial- pfanbftatt der generellen Deckung. Diesem Wunsche kann

Bankier Moritz Lichten her n^m Firma

ger und Lichtenhein, sprach über das Thema „Effektenver- kehr und Börsenterminhandel". Das gleiche Thema be- hmrdelte Bankier Willy Sick, wobei er auf die Zerrüttung des Anleihemarktes hinwies und u. a. ausführte: Das Ver­trauen zu den ehemals mündelsicheren, goldgeänderten Wer­ten, ist restlos erschüttert. Die Folgen des verlorenen Krie­ges, der Inflation und zuguterletzt der Kuhhandel der Par­teien bei Beratung des Anleiheoblöfungsgesetzes haben dieses Marktgebiet breitesten Kreisen verleidet. Den Rest gab ihm aber die Unbilligkeit des Anleiheablösungsgesetzes selbst! Die gesamten deutschen Börsenvorstände haben in einer Ver­sammlung noch in zwölfter Stunde vor den Härten und Un­gerechtigkeiten dieses Gesetzes gewarnt. Die Regierung hat diese Warnungen überhört. Ich darf wohl feststellen, daß sich trotzdem an dieser Auffassung der Börsenvorstände nichts geändert hat, daß auch die heutige Versammlung sich auf den Boden der von den Börsenvorständen seinerzeit gefaßten Resolutionen stellt. Wenn das Bankgewerbe und die Börsen­vorstände trotzdem bereit sind, sich nach wie vor in den Dienst des Staates zu stellen, so glauben sie doch, im Interesse der Neubelebung des erschütterten Vertrauens

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Verbannt.

Roman von M a r g. von Oertzen-Fünfgeld.

9] (Nachdruck verboten.)

Er lief, sie zu suchen.

Sorontjeff drückte hastig Aglajas Hand: „Mein armes, armes Kinv."

Da senkte sie tief das Haupt und fühlte, wie er ihr langsam und zärtlich über das Haar strich.

Seit ihre Mutter tot war, hatte dies niemand mehr getan.

Und immer tiefer neigte sich ihr blasses Gesicht, bis es an seiner Brust ruhte.

Ihnen zu Häupten spannte die Wundernacht des Som­mers von Montreux ihren funkelnden Sternenbogen. Aus den Tiefen schlafender Gärten trug ein warmer Südwind Düfte über Düfte.

Die großen Kandelaber über der Einfahrt brannten düster wie Grabesfackeln hinter geschwärzten Scheiben.

Ussopoff brächte Nanette Pietrowna angeschleppt, die des Guten ein wenig zu viel getan hatte und noch nachträg­lich über diesen ausgezeichneten Witz, über diese Eugenie, in Lachkrämpfe verfallen toar. Jetzt freilich lachte sie nidjt mehr; sie fürchtete sich.

Ussopoff schleuderte sie mehr in den Wagen als daß er ihr hineinhalf und zischte ihr zu: „Benehmen Sie sich nicht so albern!"

Er betrachtete das schweigende Brautpaar mit miß­trauischen Blicken.

Sorontjeff sah dem Wagen nach, lange, lange, bis die Nacht ihn verschlang.

Schon wehte Morgenluft vom See her, ein Schauer kroch über seine Glieder.

Nun ja, wenn man sich verweichlicht von Jugend an! Dies elende Ringen mit dem bißchen Leben.

Irgendwo wartete sein Diener mit dem Rollstuhl.

Sorontjeff schickte ihn mit einer Handbewegung fort und ging ju Fuß nach Hause.

zu Den inländischen festverzinslichen Wer- t c n die Ausdehnung des Zulassungsverfahrens und des Prossuktzwanges auf Anleihen des Reiches, der Länder und der sonstigen inländischen öffentlich-rechtlichen Körperschäf­ten fordern zu sollen.

i Entschließung des Deutschen Bankiertages.

i Berlin. Auf dem Bankiertag wurde nach dem Referat des Hofrats Schreyer eine Entschließung angenommen, die die Heranziehung ausländischer Kredite und ausländischer Beteiligungen für die deutsche Wirtschaft gegen­wärtig für äußerst erwünscht erklärt, namentlich auch im Hinblick auf die Notwendigkeit einer schnellen Steigerung der Leistungsfähigkeit, um die im Londoner Abkommen (Dawesplan) übernommenen Verpflichtungen durchzuführen. Die Eingehung neuer ausländischer Ver­pflichtungen erscheine aber nur insoweit gerechtfertigt, als die vom Ausland hereingenommenen Beträge in Deutsch­land, selbst auch bei richtiger Bewirtschaftung der vorhan­denen Gelder, nicht aufgebracht werden könnten, ferner nur insoweit, als mit Sicherheit zu erwarten ist, daß durch die Verwendung der Betrüge eine Steigerung der deutschen Produktivität mit der Wirkung einer Vergrößerung der Ausfuhr oder einer Verringerung der notwendigen Einfuhr erzielt werde. Richtige Bewirtschaftung der in Deutschland vorhandenen Gelder bedeute besonders in einer Zeit großer Kapitalnot die Vermeidung alles dessen, was die Kapitals­bildung hindere. Die K a p i t a l s b i I d u n g könne durch nichts mehr gehemmt werden, als durch eine reichliche Aus- gabenbewirtschaftung in den öffentlichen Verwaltungen und durch die sich daraus ergebende Notwendigkeit der Erhebung übermäßiger Steuern und Abgaben. Der Bankiertag spricht in der Entschließung weiter die Ueberzeugung aus, daß bei der exponierten Lage der deutschen Volkswirtschaft alles ge= schchen müsse, um zu verhindern, daß Ausländer, die Gel­der nach Deutschland hergüben, Verluste oder Enttäuschun­gen erlitten. Zum Schluß weist die Entschließung darauf hin, daß der Goldpfandbrief der Deutschen . Hypothekenbank eine geeignete Grundlage für die Hereinnahme von Auslandskrediten sei.

Der Gachssnsireit vor dem sozial- HsmokmLWen DarieziKH.

H Heidelberg. Bei der Sachsendebatte auf dem sozial- demokratischen Parteitag in Heidelberg vertrat Lipinski die Landesorganisatton, B e t h g e die Fraktionsmehrheit. Bethge erklärte, daß es sich bei allen Differenzen nicht um die Frage der Mandate handele, sondern im Mittelpunkt des Streites die Frage stehe, welche Stellung zum Staat einzunehmen fei. Er wies mit lebhafter Empörung den Gedanken zurück, daß die dreiundzwanzig Mitglieder der sächsischen Landtagsfraktion an ihren Mandaten klebten. Als Kern des Streites fei die Frage Staats bejah u n g oder Staatsverneinung anzusehen. Jedes Pak­tieren mit dem Bürgertum zwecks Erhaltung der Republik sei eine Todsünde. Der Einzug der Kommunisten in das Parlament geschah von diesen nur, um den Parlamentaris­mus zu diskreditieren. Denn kurz vor dem Abschluß wert­voller Gesetze wurde die Partei durch sie in Krisen ver- wurde. Später erst geschah die Unge^uertidjteuTöa^ liche Abmachungen mit den Kommunisten getroffen wurden. Noch vor den Gemeindewahlen hatten die Parteien in 15 von 18 Bezirken die Mehrheit, später in keinem. Bei der Hinden- burgwahl hat das rote Sachsen dann über Kommunisten, Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum für Hindenburg eine Mehrheit von 70 000 Stimmen davongetragen. Es handelt sich nicht um einen Kampf gegen die sozialdemo­kratische Partei, sondern um einen Kampf gegen die offizielle Parteipolitik. — Lipinski führte dann aus, daß es leicht wäre, in einem Lande mit 75 Prozent proletarischer Be­völkerung dem Proletariat die Mehrheit im Landtag zu sichern, wenn die Kampffront geschlossen bliebe. Auch der Beschluß des Berliner Parteitages der Sachsen solle nur gelten, solange die augenblickliche politische Situation die Auflösung des Landtages unmöglich mache. Er forderte vom Parteitag die Entscheidung in dem Sinne, daß nicht jeder selbstherrlich Politik treiben dürfe, sondern die Organisation für alles verantwortlich sei. Der Reichstagsabgeordnete Keil rechtfertigte die Haltung der Fraktion in den Kämpfen um den Zolltarif und die Steuervorlaae.

Drittes Kapitel.

Im gemeinschaftlichen Salon ihrer Etage angelangt, entlud Alexeis Zorn sich über Nanette.

„Schämen Sie sich! Gehen Sie sofort zu Bett! Sie werden überhaupt nun hier überflüssig, wenn Aglaja Dmitriewna heiratet."

Nanette weinte laut auf.

„Ich arme, alte Person, was soll ich anfangen?"

„Beruhigen Sie sich doch, Tante Nanette," tröstete Aglaja, ihr über die Wangen streichend, „ich bin reich ge­nug, mir überflüssiges zu gestatten. Aber gehen Sie wirk­lich zu Bett, tun sie's und vergessen Sie nicht, sich auszw- kleiden."

Nanette warf noch einen trostlosen Blick in die Runde, raffte ihren wattierten Radmantel auf und verschwand.

Aglaja lächelte.

„Sie können noch lachen," sagte Alexei mit fliegender Brust, „nachdem Sie mich zum Gespött gemacht, nachdem Sie mich getroffen in meinem Stolz, meiner Liebe, meiner Seele! Haben Sie denn kein Herz im Leibe?"

„Ich weiß nicht, was Sie von mir begehren, Alexei Milanowitsch," erwiderte Aglaja ohne Leidenschaft. „Sie stellten mich vor die Alternative, zwischen zwei Männern zu wählen, und ich habe gewählt. Zuerst, ich gestehe es ein, blindlings und aus Verzweiflung, später, nachdem ich den andern kennengelernt, aus Überzeugung."

„So lieben Sie ihn!" schrie Alexei außer sich.

Aglaja ergriff einen der silbernen Kronleuchter, die auf dem Tische standen, und näherte sich der Tür.

„Zu dieser vorgerückten Stunde sind mir Auseinander­setzungen im Tete-a-tete unsympathisch. Gute Nacht."

Er sprang vor und versperrte ihr den Weg.

„Darüber habe ich zu entsechiden!" Ich bin immer noch Ihr Vormund! Also gut, heiraten Sie Ihren kränk­lichen Engel, messen Sie ihn jeden Abend nach und kochen Sie ihm seine Grützt; die Stunde wird auch für Sie kom­men, — wo sie all' die Qualen erleiden, die mich heute zer­fleischen. Das ist mein Glückwunsch zu Ihrer Verlobung, Lalja, möchten Sie dessen noch oft gedenken." „ ,

Das Einladungsschreiben zur Ministerkonferenz.

„Bei Uebergabe der Note vom 24. August d. J. an Herrn Stresemann war der französische Botschafter beauftragt wor­den, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten mitzu- teilen, daß die französische Regierung in Uebereinstimmung mit ihren Alliierten es für zweckmäßig halte, im Falle einer günstigen Aufnahme der bezeichneten Note durch die deutsche Regierung den Abschluß der eingeleiteten Verhandlungen durch eine Zusammenkunft juristischer Sachverständiger und weiterhin durch eine Begegnung der Außen­minister der beteiligten Staaten zu beschleuni­gen. Nach den nunmehr abgeschlossenen Besprechungen der Juristen in London glaubt die französische Regierung und ihre Alliierten, daß die in Frage kommende» Staaten ein gemeinsames Interesse daran haben, die Verhandlungen nicht in die Länge zu ziehen, und daß der Augenblick gekom­men ist, um einen Zeitpunkt für die geplante Zusammenkunft festzusetzen. Für diesen Zweck dürfte das Ende des Monats September oder spätestens die ersten Tage des Monats Oktober eine geeignete Zeit fein. Die Konfe­renz würde auf neutralem Gebiet, zweckmäßigerweise in der Schweiz, stattfinden, und zwar an einem' Ort, über den sich die Rgierungen noch zu einigen hatten.

Die französische Regierung und ihre Alliierten hoffen zuversichtlich, daß diese Vorschläge den Wünschen der deut­schen Regierung entsprechen, und daß diese in der Lage ist, ihnen alsbald ihre Zustimmung mitzuteilen."

Der Auswärtige Ausschuß einberufen.

Berlin. Am Mittwoch, dem 23. September, vormittags 10 Uhr, tagt der Auswärtige Ausschuß des Reichstags mit der Tagesordnung: Außenpolitische Aussprache.

Die erste Rate des zweiten DawesjahreS gezahlt.

Berlin. Der Generalagent für Reparationszahlungen teilt mit: Die Reichsregierung hat den am 15. September 1925 fälligen Betrag von 30 000 000 Goldmark als erste Rate der im zweiten Jahre des Sachverständigenplanes zu leistenden Annuität pünktlich gezahlt. Die Zahlung er­folgte durch Ueberweisung des Gegenwerts in Reichsmark auf das Konto des Generalagenten für Reparationszahlun­gen bei der Reichsbank.

Erfolge -erRifkabyLenarr allen Ironien

£ London. Der Kampf an der französisch-marokka­nischen Front ist recht wechselvoll. Nach einer englischen Meldung aus Fez ist der viel umstrittene, 2500 Meter hohe Bibanb erg den Franzosen entrissen worden und wieder fest im Besitz der Ristabylen.

„Daily Mail" meldet aus Melilla, daß die Rif- kabylen die spanischen Stellungen auf dem Vorgebirge Morro-Ziueva mit großer Heftigkeit angriffen. Der Kampf schwankte eine Zeitlang hin und her, bis es den Spaniern mit inzwischen eingetroffenen Verstärkungen gelang, die Stellung zu behaupten. Die Truppen des Generals S a r o haben durch das Feuer der Rifartillerie schwer gelitten. Die Taktik des Feindes besteht darin, die Landungstruppen dauernd durch Nachtangriffe zu ermüden. Dadurch werden auch die spanischen Flugzeuggeschwader so weit wie möglich äus oent xamprüusnMMort ;ede weitere Landung in Alhucemas und damit die Zufuhr von Wasser für die gelandeten Truppen. Es werden deshalb Brunnen gegraben, und man hofft, in 25 Meter Tiefe Wasser zu finden Die Panzerschiffe konnten die Beschießung der Küste fortsetzen, alle übrigen Schiffe mußten die Bucht von Alhucemas verlassen. Die Lage an der Front bei Tetuan Mit sich nach dem Siege der Spanier nicht verändert. Neun Kilometer von der Stadt entfernt wird weitergekämpft.

Wie der französische Ministerpräsident Painlev 6 am Schluß des Ministerrats den Journalisten versicherte, hofft man, daß das Marokkoproblem noch vor dem

Oktober feine Lösung finbet. Es hänge allerdings viel von der Geschwindigkeit ab, mit der sich die Operationen in der Ostregion abspielen. Dennoch beschäftigt wan sich mit den Maßregeln, die für die Ueberwinterung gewisser Truppenteile nötig seien. Es handle sich dabei nur um die Truppen, die Marokko als ständigen Aufenthaltsort bekommen hätten, um die vollständige Befriedung des Landes zu sichern.

Er stürzte aus dem Zimmer. Aglaja zuckte die Achseln und griff nach dem Buche. >

Langsam zog sie die Schildpattnadeln aus ihrem Haar, bis es sie weit wie ein Mantel umhüllte.

Der Morgen graute über dem See und nahm dem Lichtschein in dem stillen Gemach feine Kraft.

Aglaja schlug das Buch auf: Gedichte von Lermontoff.

Ein wüster Lärm schreckte sie aus dem Traumzustand, in den sie nach und nach versunken war, während die ganze Melancholie der Lermontofsschen Verse sie in einen weichen, dunklen Nebel hüllte.

Das Klirren von zerbrochenem Glas, unterdrücktes Schimpfen in russischer Sprache, Poltern, Stampfen, leises Jammern und Wehklagen; Lalja kannte diese ganze Skala, und es war gut, daß niemand weiter auf dieser Etage wohnte.

Sie warf ihr Buch hin, löschte das Licht, und eilte auf den Flur.

Wie eine indische Gottheit, prachtvoll und furchtbar, in einem goldüberladenen Gewände, das von Seide starrte, ragte der kolossale KörperAlexets in die Schatten der mächti­gen Diele. Das Gewand war ein Schlafrock, aber dies Kleidungsstück umgürtete den Mann geradezu mit Majestät.

Am Boden wälzte sich das Ungetüm, Onkel Alexeis kleiner lettischer Diener von unbestimmbarem Alter, aber von höchstens zwanzig Jahren. Sein Ohr blutete; seine gelbe Backe war geschwollen; der Wandspiegel hinter ihm zerschellt, denn Alexeis dreiarmiger Leuchter warf als Wurf­geschoß in die Ecke gefahren, außer dem Spiegel noch einen Spucknapf zertrümmernd.

Aglaja betrachtete dies Bild mit unsäglichem Wider­willen.

Murko, zusammengekauert wie ein Affe, hörte auf zu schreien und verwandte kein Auge von ihr.

Da streifte sie langsam einen ihrer Reife von getriebe­nem kaukasischen Silber vom Arm und reichte ihn lächelnd dem Jungen.

„Nimm doch, nimm, und morgen soll Nanette Pie­trowna dix eine Apfelsine geben." (Fortsetzung folgt.) j