Einzelbild herunterladen
 

Hersfelöer Tageblatt hersfel-er Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfelö

Nr. 214 Eonnabend, den 12. September 1925

Der Bezugspreis ^betrügt? durch ^Ls sPoBVbezogen monatlich L— (Dh., aussdillebl, Beltellgeld, für Bersfeld 1.— Mk.'bei freier Zellteilung, Abholer —.80 01k. * Drude/und Verlag von hudwlg Funks Buchdrudcerel in Bersfeld, Hiltglled des VDZV.

Anzeigenpreis für Sie einspaltige Pefitzelle 15 Pfg. die Reklamezeife 50 Pfg. Bei Wiederholungen DadM. + Für die Schrlffleltung verantwortlich Franz Funk in Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8.

Dss WiOügste.

— Reichspräsident von Hindenburg weilt bei den Reichswehrmanövern in Mecklenburg.

“ Nach Meldungen aus <&mf ist die Einladung zur Paktkonferenz an Dr. Stresemann abgeaan - 9en. In Berlin ist jedoch bisher davon noch nichts bekannt.

— Der polnische Außenminister tritt für Beilegung des deutsch . p 0 lnischen Zoll­krieg e s ein.

Reden und keine Taten.

Die Völkerbundversammlung in Genf hat eine Reihe von Konferenzen bereits hinter sich, ohne daß auch nur das geringste positive Ergebnis bisher festzustellen wäre. Wenn- glerch nicht unterschätzt werden soll, daß die Hauptarbeit der diesmaligen Völkerbundversammlung die Vorbereitungen für Das Zustandebringen eines Sicherheitspaktes in Europa ist, |o stand doch auch eine ganze Reihe anderer Fragen auf dem Programm der Tagung, die einer dringenden Erledigung warteten. Es handelt sich immerhin um das Schicksal von Völkern und Staaten.

Da warten mir zuerst auf die Entscheidung der Völker­bundversammlung in dem Danziger Brief kästen - st reit. Wie erinnerlich, ließ Polen in seinem Bestreben, den Danziger Staat möglichst nach und nach in sich aufzu- ne-hmen, im Frühjahr dieses Jahres des Nachts plötzlich pol­nische Briefkästen im Danziger Hoheitsgebiet anbringen. Der Danziger Staat protestierte natürlich sofort dagegen, da er darin eine Verletzung seiner Hoheitsrechte in Danzig erblickte. Danzig berief sich bei seinem Protest gegen Polens Ver­halten auf die Entscheidung des Bölkerbundkommissars vom Mai 1925, die auch damals von Polen nicht beanstandet wor­den war. Das Haag er Schiedsgericht aber, dem die Entscheidung nunmehr vorgelegt wurde, entschied gegen den Völkerbundkommissar und entzog damit der schiedsrichter- liitoiMf'!^-^^'* jeden Rechts- boden. Da aber das Haager Urteil gegen die Abgrenzung des Danziger Hafengebietes, die seinerzeit vom Völkerbund erfolgt war, sprach, so mußte die letzte Entscheidung wieder­um beim Völkerbund selbst liegen. Mehrere Tage hat jetzt die Genfer Völkerbundversammlung über den Fall beraten, und mit Spannung wartete man auf das Resultat, das nicht nur für Danzig, sondern auch für uns Deutsche überhaupt von größtem Interesse sein mußte. Statt einer Entscheidung kam aber ein Aufschub der Frage heraus. Der Völkerbund erklärte sich für nicht zuständig und verwies die Angelegenheit an den Haager Schiedsgerichtshof zurück. Damit ist eine brennende Frage wieder bis auf unbestimmte Zeit vertagt, und wir fragen uns, welchen Wert hat denn der Völkerbund, wenn er sich für nicht zuständig erklärt, und wenn er Dinge, die bereits monatelang auf Entscheidung warten, wieder zu- rückstellt, ohne eine Aenderung herbeigeführt zu haben.

Etwas ferner liegt unserem Interesse vielleicht die Frage der österreichischen Finanzkontrolle; aber doch ist auch hier die Hirt, wie der Völkerbund die für Oesterreich dringendste Frage behandelt, beachtenswert. Seit dem un­seligen Ende des Krieges liegt Oesterreich genau so wie unser oeutschesVaterland in -enGklavenketten. „Die Sieger" befehlen und üben einen fühlbaren Druck auf Oesterreich aus. Die Zertrümmerung der alten österreichischen Monarchie hatte den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes zur Folge, und so kam es, daß Oesterreich sich an die Völkebbundstaaten um finanzielle Hilfe wenden mußte. Die Hilfe wurde Oesterreich zuteil, doch sollte sie nur so lange wahren, bis Oesterreichs Finanzen wieder in Ordnung waren. Oesterreich fühlt sich jetzt wieder stark genug, um sich aus eigenen Mitteln zu er= halten, und deshalb hatte es beim Völkerbund den Antrag auf Aufhebung der Finanzkontrolle gestellt. Der Antrag kam wohl zur Beratung, eine Entscheidung aber fiel nicht, Man vertagte auch diese überaus wichtige Frage bis zum De­zember und verlängerte damit für Oesterreich die Leidens­zeit, die eine fremde Finanzkontrolle für ein Land bedeutet. Man geht wohl kaum fehl, wenn man in dieser Entscheidung des Völkerbundes eine Niederlage der österreichischen Dele­gation in Genf erblickt. Zwar will der Völkerbund die Tätig­keit des Generalkommissars Dr. 8 i m m e c m a n n aufheben, aber eine Beaufsichtigung der österreichischen Nationallmnk

8 i m m e c m a n n aufheben, ... österreichischen Nationallmnl durch sogenannte Berater des Völkerbundes soll für weitere drei Jahre fortbestehen. In dem Falle, in dem die öfter- reichische Währung wieder gefährdet sein sollte, soll die Völ­kerbundkontrolle automatisch wieder in Kraft treten. Daraus spricht einerseits das Mißtrauen des Völkerbunds gegen Oesterreich, andererseits aber will man dem internationalen

Kapital, das in Oesterreich sich überall eingefressen hat, nicht die Möglichkeit zu weiterer Ausnutzung Oesterreichs ab- schneiden. Man unterstützt also die internationale Finanz­welt,, für die Oesterreich ein Tummelplatz geworden ist und an die Oesterreich blutenden Herzens, doch ohne etwas daran ändern zu können, feine Industrie, sein Land und seinen

Das ist Völkerbundarbett. Das ist die Institution, von der aus der Bölkerfrieden in die Welt gebracht werden soll. Bisher ist aus den Bölkerbundsitzungen noch nichts für die Welt Erspießliches herausgekonunen, und jeder neue Tac

Berechtigt uns Deutsche zu dem Glauben, daß der Völker­bund in seiner jetzigen Form nur ein Werkzeug in der Hand Der sogenannten Siegerstaaten ist. Dr. M.

Deutschland zur Mimsterkonferenz eingeladen.

$ Genf. Wie von der englischen Delegation in Genf versichert wird, ist eine Note Briands und Chamber- lains nach Berlin abgegangen. In dieser Note ist die Anfrage an die Reichsregierung gerichtet, wann sie bereit sei, an einer Ministerkonferenz teilzunehmen. Die Antwort auf diese Note wird erst im Laufe der nächsten Woche in Genf erwartet.

Der erste italienische Delegierte in Genf, Selal 0 ja, der an Mussolini die Anfrage Chamberlains und Briands rich­tete, ob Mussolini bereit sei, an einer Ministerkonferenz mit Dr. Stresemann teilzunehmen, hat eine Antwort Mussolinis erhalten. Die Antwort soll bejahend gewesen sein.

Wie verlautet, soll wenige Wochen nach Abschluß des Sicherheitsvertrages eine Vollversammlung des Völkerbundes zur Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund in Genf zu­sammentreten.

*

Genf. Nach einer Meldung des Journal G e n ä v e bestätigt sich die Nachricht über die an den deutschen Außenminister Dr. Stresemann gerichtete Einladung zur Teilnahme an der geplanten Ministerkonserenz. Das Blatt teilt mit, daß Briand gestern den Brief unterschrieben hat und daß dieser Brief unverzüglich nach Berlin abgehen wird. Die vorgeschlagene Ministerkonferenz wird wahr­scheinlich in der ersten Hälfte des Oktobers in der Schweiz aboeh alten werden. Die Teilnahme Italiens am Sicherheits- patt selbst gelte noch als problematisch, obwohl man glaube, daß die von der italienischen Regierung erwartete Antwort bejahend ausfallen werde. Das Watt will weU^. wissen daß die Absicht bestehe, B e n e s ch und S k r z y n s k i zur Ministerkonferenz hinzuzuziehen. Dieser Umstand lasse ver­muten, daß der deutsch-polnische und der deutsch-tschechoslo­wakische Schiedsvertrag parallel und gleichzeitig mit dem Rheinpakt verhandelt werden sollen. Offiziell werden jedoch Benssch und Skrzyniski nur an den Beratungen über die Ost­fragen teilnehmem

*

Von offizieller deutscher Stelle wird dazu erklärt, daß bis zur Stunde entgegen anderslautenden Meldungen noch keine Einladung der Alliierten an die Reichsregierung oder an das Auswärtige Amt, eine Ministerbesprechung über den Sicherheitspatt abzuhalten, in Berlin eingetroffen ist Der Reichsregierung ist auch nichts von Abänderungsvorschlägen für den Sicherheitspatt bekannt geworden. Die Fühlung­nahme über die Frage des Sicherheitspaktes liegt lediglich in den Händen der Botschafter.

Kabinettsrat über das Ergebnis von London.

- Berlin. Ministerialdirektor Gaus erstattete am Freitag dem Reichskanzler Bericht über die Londoner Iu- riftenJonferenj. Wie wir erfahren, steht der Zeitpunkt des großen Kabinettsrats in Berlin noch nicht fest, er dürfte aber in kürzester Fristt angesetzt werden, sobald die sachlichen Grundlagen gegeben sind. Im unmittelbaren Anschluß an den Kabinettsrat soll, wie ferner mitgeteilt wird, der Aus­wärtige Ausschutz des Reichstages ein- berufen werden.

Chamberlain über die Genfer Beratungen.

- Genf. Der englische Außenminister Chamberlain gab ^Pressevertretern Itn Genf einige Ausführungen über die Genfer Beratungen. Schlagfertig pariert er jede irgendwie verfängliche Frage. Natürlich ist er zuerst über das Ueber- einkommen zwischen Deutschland, Großbritannien und Frank­reich ausgefragt worden. Der Wortlaut des Schreibens an Deutschland sei festgestellt, aber über den Inhalt desselben oder über Ort und Zeit der Ministerzusammenkunft vor-« weigerte er jede Auskunft. Alle darüber in der Presse er­schienenen Mitteilungen seien bloße SBermutungeau Auch über eine etwaige Teilnahme anderer Mächte an der Zusam­menkunft (gemeint sind Italien, Polen und die Tschecho­slowakei) war nichts zu erfahren. Die

Räumung der Kölner Zone

hänge von der Erfüllung der Entwaffnungsbedingungen durch Deutschland ab. Den Tag der Räumung hätten die Alliierten zu bestimmen. Er selbst wünsche ebeuschehr von Köln abzuziehen, als die Deutschen wünschen ihn dort loszu- werden. Bei seinem mit Painlcve gemachten Besuch in Aix- les-Bains habe es sich lediglich um einen Höflichkeitsbesuch zur Erneuerung alter Bekanntschaften gehandelt, Die Politik sei überhaupt nickst einmal gestreift worden. Eine von der französischen Presse verbreitete Meldung über einen Ab. änderungsantrag zu gewissen Bestimmungen des Völker-

oundpaktes von feiten Frankreichs und Großbritanniens sei wfunden. Auf die Frage, ob Großbritannien durch einen mit anderen Mächten abgeschlossenen Vertrag seine 5>* minions, soweit sie SelbstverwailtUTrg besäßen, binden könne, erwiderte er, daß dieses nach der britischen Verfassung voll- kommen ausgeschlossen sei. Das britische Reich stelle zur­zeit den vollendesten Völkerbund vor. Jeder Staat handele für sich, aber alle in Uebereinstimmung miteinander. Ueber seine etwaige Rückkehr zur Teilnahme an den Völkerbund- verhandlungen meinte er, dieses sei sehr unwahrscheinlich. Lord Robert Cecil werde ihn dort vertreten und Amery werde auch nur solange bleiben, als es die Mossulfrage er­fordert. ■ . _ _

Polen lenkt ein.

Das polnische Finanzelend mahnt zur Einigung mit Deutschland.

^ Warschau. Der polnische Ministerpräsident Grads k i gab in der Budgetkommission des polnischen Sejm eine Er­klärung über die Wirtschaftslage ab, in der er die Mrt- schastskrise hauptsächlich auf den Zollkrieg mit Deutschland zurückführt. Der Sturz des Zloty, so führte er aus, sei nicht zuletzt auf die wirtschaftlichen Differeuzen mit Deutschland zurückzuführen. Beide Parteien hätten unter dem Zollkrieg gelitten, jedoch müsse zugegeben werden, daß Polen die größeren Verluste erlitten habe. Der Zollkrieg habe sehr stark und sehr schnell die polnische Wirtschaft ungünstig beeinflußt, während er in Deutschland nicht die Folgen wie in Polen hervorgerufen habe. In Deutschland wirke er sich nur langsam und schmerzloser aus. Es müsse daher her Weg zu einer Verständigung mit Deutschland gefunden werden. Die polnische Handelsvertretung, die sich zu neuen Verhand­lungen nach Berlin begebe, habe den Wunsch, möglichst schnell mit Deutschland zu einem Vergleich zu kommen. Zum Schluß betonte der Ministerpräsident, daß neben dem Zollkrieg auch die Zustände im Lande einen großen Teil der Schuld an der gegenwärtigen Wirtschafskrise trügen.

Die deutsch-französischen Wirifchafts- vechandrungen.

Eine Rede des französischen Handelsministers.

- Paris. Auf Dem Bankett, das zu Ehren Painlevös in Straßburg gegeben wurde, sprach nach dem ÜDtinifter» Präsidenten auch der Handelsminister Chaumet. Er sagte, Frankreich träume ebensowenig von einer wirtschaftlichen wie von einer politischen Vormachtstellung, es strebe nur in vollem Bewußtsein der internationalen Solidarität nach der freien Entfaltung seines Tatendranges (!). Diese Solidarität hätte die große Lehre des Krieges sein müssen, und doch sehe man, wie die verschiedenen Rationen sich mit unerträglichen Zoll- schränken umgäben. Frankreich wünsche mit allen Nationen Wkommen zu treffen, die für beide Teile gleich vorteilhaft sein sollten. Chaumet erklärte: „Es ist nicht unsere Schuld, wenn die französisch-deutschen Besprechungen nicht vor Ende der letzten Session znm Abschluß gebracht worden sind. Wir haben im Geiste der größten Versöhnlichkeit ver­handelt. Am 15. September werden die Verhandlungen mit Trendelen bürg wieder beginnen. Wenn Deuffchland wirklich ein Mkommen wünscht, so wird ein Ülbschluß zu- ftanbetommen. Man darf uns nicht zumuten, daß wir die Interessen der großen Industrien und namentlich der elsäs- sischen Industrie zum Opfe rbringen." Dann sprach der Un- terftaatsfefretär Bonnet. Er betonte in seiner Rede die Not­wendigkeit einer inneren Verschmelzung Frankreichs mit dem Elsaß durch beschleunigte Einführung einer neuen Derwal- tungsreform.

Der Kampf gegen das Deutschtum in der Tschechei.

^ Prag. Im tschechischen Parlament soll bei seinem Wiederzusannnentritt ein Gesetz vorgelegt werden, das im Gegensatz zu der Praxis der Zerschlagung des Großgrund- besitzes mit Hilfe der Bodenreform die Zwangszusarmnen- legung von kleinen Grundstücken zur Erhöhung der Produk- tivität vorsieht. Die Behörden sollen danach mit sehr weit­gehenden Vollmachten ausgestattet werden. Ein solcher An- trag auf Zusammenlegung kann amtlich verfügt werden, wenn es irgendwelche öffentlichen Interessen erheischen. Die landwirtschaftliche Gruppe der Deutschen Nationalpartei hat gegen diesen Gesetzentwurf scharfen Protest mit dem Hinweis erhoben, daß damit die Ueberführung deutscher Kleinbauernwirtschaften in tschechische Hände angebahnt würde.

Der Jglaner Gauobmann des deutschen Kulturverbandes, E ö t h, wurde verhaftet. Die Anklage lautet auf Ueber- tretung des Schutzgesetzes der Republik durch Verbindung mit fremden Mächten, um einen Angriff auf die Tschechoslowakei auszuführen. Gleichzeitig wurde die Arbcitsgemeinsä)aft für Heimatkunde für die Sahntet Sprachinsel behördlich aufgelöst. Göth hatte die Heimatbewegung auf diesem Gebiete ins Lebe« gerufen und für den Schutz der Heimatscholle Propaganda ge­markt Eine thüringische Reise, die er in ben Ferien unter­nahm, wobei er Lichtbildervorträge über das bodenständige Iglauer Deutschtum hielt, benutzte man, um ihn zu beseitigen.