Einzelbild herunterladen
 

hersfel-er Tageblatt

Anzeigenpreis für die einspaltige Peiltzelfe 10 Pfg.: für amtliche und ausoärtlge Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezeile so Pfg. Bei Wiederholungen Dadilafc. + Für die SdirlHIeltung nerantmorillch Franz Funk in Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8. H

hersfelöer Kreisblatt^

Amtlicher Mzeiger für den Kreis Hersfelö

Der Bezugspreis betrügt; durchdle'Post bezogen monatlich L (Dk., aussdillebL Bestellgeld, für Bersfeld L MK. bei freier Zustellung, Abholer .80 lilk. * Druck und Verlag non hudwlg Funks Buchdruckerel in Bersfeld, Mitglied des VDZV.

Rr. 197

Das Wichtigste.

Die Völkerbundkommission hat eine Polengünstige Entscheidung in der Frage der Abgrenzung des Danziger Hafengebietes getroffen.

Italien möchte die ihm lästigen Deutschen in Südtirol nach polnischem Muster nach Inns­bruck und München abtransportieren.

Frankreich verbreitet weiter Sieges­nachrichten, die jedoch einen erheblichen Wi­derstand Abd el Krims nicht leugnen können.

Der Entscheid über die Abgrenzung des Danziger Hafengebietes-

£ Genf. (Drahtbericht.) Die Völkerbundkommifsion, die vom Rat beauftragt war, die Danziger Hafengrenze für den polnischen Postdienst festzulegen, hat ihre Arbeiten be­endet. Ihr Bericht ist den Mitgliedern des Rates durch Vermittlung des Danziger Oberkommissars mitgeteilt worden, der persönlich in einem Begleitschreiben zu den Vorschlägen der Kommission Stellung genommen hat. Der Kommission liegen sowohl die polnische wie die Danziger Auffassung vor. Erstere ging von dem Gesichtspunkt aus, daß unter dem Danziger Hafen nicht nur die Hafenanlage und die Wasser­oberfläche zu verstehen seien, sondern die Stadt mit jenen Geschäften, Banken und Handelsunternehmungen, die die Schiffe im Hafen befrachten und die technischen Anlagen des Hafens für ihre Handelsbeziehungen ausnutzen. Nach Dan­ziger Auffassung dagegen waren unter dem Hafengebiet nur die Hafenanlagen und die Wasseroberfläche zu verstehen. Der polnische Postdienst soll sich daher nur auf den Teil des Hafens erstrecken, der dem Danziger Hafenrat untersteht. Der Bericht der Kommission macht s i ch den polni­schen Standpunkt mit geringer Einschrän- kung zu eigen. (!) Das Hafengebiet soll alle wirtschaft­lichen Unternehmungen umfassen, die mit dem Hafen in engerem Zusammenhang stehen. D i e Kommission i st andererseits der Auffassung gewesen, gezahlt werden soll, nicht großer als not­wendig sein dürfte. Die Kommission glaubte daher nach Recht und Billigkeit die Grenze für den polnischen Post­dienst auf das Zentrum Danzigs zu beschränken, wo eine genügend große Anzahl von Unternehmungen sich befinden, deren Tätigkeit sich auf die Benutzung des Hafens richtet. Innerhalb dieses Gebietes dürfen überall polnische Post­kästen aufgehängt werden. (!) Für die postalische Bedienung derjenigen polnischen Arbeitsgebäude innerhalb Danzigs, die außerhalb der neuen Hafengrenze liegen, wie beispielsweise das polnische Generalkommissariat, soll innerhalb von drei Monaten auf gütlichem Wege eine Regelung gefunden werden. Falls eine Einigung in dieser Frage mißlingt, soll die Hafen­grenze neu gezogen werden. (!) Die Kommission empfiehlt weiter, daß alle fünf Jahre die Hafengrenze auf Antrag Danzigs oder Polens von neuem festgelegt werden soll.

Die Regierungserklärung des neuen Danziger Senats.

Danziq. (Telegramm.) Senatspräsident Sahm ver- las die Regierungserklärung des neuen Danziger Senats. In der Erklärung wird besonders die Notwendigkeit betont, mit Polen auf friedlichem Fuße zu leben Der Senat stelle sich loyal aus den Boden des Versailler Vertrages und er- warte daher auch von der polnischen Regierung, daß auch sie den Vertrag und damit auch die staatliche Selbständigkeit Danzigs achten werde. Der Senat hofft, daß die schwebenden Streitfragen mit Polen bald auf friedlichem Wege geregelt werden. Besonders wichtig sei die Verteilung der Zollein- nahmen, der Ausbau des Hafens und die Regelung der Verkehrsfragen. Die äußerst schwierige wirt­schaftliche Lage Danzigs, die durch den ständigen Rückgang des Zloty und die polni- schen Maßnahmen gegen das Danziger Ge- schäftsleben bedeutend verschärft werde, verlange vor allem größte Sparsamkeit i m Staatshaushalt.

Der polnische Handelsmimster über den polnischen Export auf dem Wasserwege.

^ Warschau. (Telegramm.) Der polnische Handels­minister Klarner führte über die polnische Ausfuhr aus beut Wasserwege folgendes aus:Die Exportkosten ober- schlesischer Kohle werden durch die Verladung auf Schiffe in Gdingen statt in Danzig oder Stettin erheblich herabgejetzt. Obwohl die Hafenarbeiter in Gdingen sich noch im Anfangs­stadium befinden, können trotzdem schon monatlich 25 000 Tonnen verladen werden. Diese Ziffer wird in diesem Jahre auf 100 000 Tonnen erhöht werden können. Polen kann auch über Dirschau seine Erzeugnisse ausführen. Es werden Versuche angestellt, große Frachtkahne bis nach Dirschau zu leiten, wo sie auf der Weichsel direkt aus den Eisenbahnwagen beladen und nach den baltischen Häfen ge­leitet würden. Der polnische Seehandel ist jedoch mangels eigener Schiffe vom Auslande abhängig, und darum muß Polen alles nufbieten. um eine eiaene Sandelsilotte au

Montag, den 24. August

gründen. Erst dann wird Polcn auf'den Weltmärkten mit den anderen Ländern konkurrieren können."

Staatshaushaltsnöte in Polen.

Warschau. Ministerpräsident Grabski erklärte einem Pressevertreter, daß der Staatshaushalt trotz der im allge­meinen ausgezeichneten Ernte nicht verringert werden könne. Die Staatseinnahmen würden vermutlich kleiner feilt als im vorigen Jahre, besonders da die Vermögens­steuer einen viel geringeren Betrag abwerfen werde.

Der Michsvelhand der deutschen Industrie zur Preisfrage.

^ Berlin. (Sonderbericht.) In Berlin fand eine ge­meinsame Sitzung der Vorstände des Reichsverb an- des der Deutschen Industrie und der Vereini­gung Deutscher Arbeitgeberverbände statt, in der auch Vertreter fast aller Reichsnmnisterien, einiger Länderregierungen sowie der Neichsdahnverwaltung und des Reichsbankdirektorrums teilnahmen. Anlaß zu dieser Tagung boten die Ausführungen des Reichskanzlers am 8. August im Reichstag bei Verabschiedung der Zollvorlage. Die Aus­sprache zeitigte folgendes Ergebnis: Der Reichsverband der Derrffchen Industrie und die Vereinigung der deutschen Ar- beitgeberverbände sind bereit, mit allen Kräften die Wünsche der Reichsregierung hinsichtlich der Preisgestaltung zu un­terstützen. Sie halten es für erforderlich, daß die Ermäßi­gung der Umsatzsteuer am 1. Oktober auf ein Prozent in vollem Umfang in der Preisgestaltung auf alle Stoffe der Gütererzeugung und der GLtervermittlung zum Ausdruck kommt. Sie erwarten deshalb, daß die ihnen angeschlossenen Unternehmungen bei der PveisLalkulatio-n dementsprechend verfahren. Auf dem Gebiet des Kartellwesens vertreten die Spitzenverbände der Industrie die Ansicht, daß unter der Voraussetzung einer gesunden und verantwortlichen Kartell­politik Kartelle notwendig sind. Die gegenwärtige Lage verlangt von den Kartellen in besonderem Maße eine An­passung ihrer Alaßnahmen an die Erfordernisse der gesamten Wirtschaft. Ueberspannung und Mißbrauche im Kartell­wesen können unter keinen Umständen eine Stützung durch die Spitzenorganisation der Industrie finden. Diese sind deshalb bereit, eine gründliche Durchprüfung der Grund- lagenchWKartelle vorzunehmen und tn Bervinvung nur M Regierung urrgesunde Erscheinungen auf dein Gebiet des Kartellwesens zu beseitigen. Die Spitzenverbände weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die von der Oeffent- lichkeit vielfach beklagten Erscheinungen weit weniger durch die Industriekartelle als durch die nicht kontrollierbaren freien Älbreden und kartellähulichen Abmachungen auf allen Gebieten des gewerblichen Lebens hervorgerufen werden. Die Spitzenverbände sehen die Möglichkeit des von der Re­gierung erstrebten Erfolges nur dann, wenn sich auch die übrigen Berufsstände und die öffentlichen Betriebe dem Schritte der Industrie anschließen. Die Verringerung der Preisspanne vom Erzeuger bis Verbraucher muß erreicht werden. Eine allgemeine Lohnsteigerung würde jeden Ver­such eines Preisabbaus von vornherein zum Scheitern ver- urteilem Die Erkenntnis muß Allgemeingut werden, daß eine Steigerung des Reallohns durch Pkodukttonsverbilli- gunq und Preissenkung wertvoller ist als weitere nominelle Lohnerhöhungen. In Reich, Ländern und Gemeinden sowie bei allen Privaten muß endlich die Sparsamkeit eintreten, die die heutige Lage Deutschlands erfordert.

Wiederaufnahme der deutsch-französischen Handels­vertragsverhandlungen.

Paris. Das französische Handelsministerium teilt mit, daß die deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen vereinbarungsgemäß am 15. September wieder ausgenom­men werden. Zunächst werden die Delegationen nur zur Fühlungnahme zusammentreten. Die eigentlichen Verhand­lungen beginnen erst Anfang Oktober.

Bodenlose Gememheii!

H Bozen. (Telegramm.) Das von dein Bruder Musso­linis geleitete offiziöse BlattPopolo d'Italia" in Mailand droht mit der Ausweisung aller Deutschen aus Süd-Tirol, die sich an der irredentistischen Propaganda beteiligen. Das Blatt sagt, daß die Agitation unerträglich geworden und die Geduld der Italiener erschöpft sei. Die irredentistische Pro- paganda werde finanziell von Innsbruck und München aus- reichlich unterstützt. Wie Frankreich und Polen die un- erwünschten Deutschen mit Sonderzügen über die Grenze geschafft hätten, könnten auch in Südtirol eines Tages in einigen Sonderzügen alle jene Deutschen, die die Bevölke­rung verhetzten, nach Innsbruck geschafft werden.

Die Saarfrage auf der politischen Konferenz in Williamstown.

^ New Park. Auf der politischen Konferenz in Williamstown ging Rektor Rappard von der Genfer

1925

Universität auf die Ungerechtigkeit in der Saarfrage ein. Rappard erklärte, daß Amerika durch Eintritt in den Völker­bund eine gerechte Behandlung dieses Problems hätte er- reichen können. Nichts bringe den Frieden mehr in Gefahr als die Saarfrage. Die Ungerechtigkeit hätte ihren Ur­sprung in der parteiischen französischen Verwaltung; die Anwesenheit eines amerikanischen Vertreters hätte genügt, Ungerechtigkeiten in der Saarfrage zu verhindern.

Neue französische Siegesmeldungen.

^ Paris. (Telegramm.) Nach Meldungen aus Fez ist der linke Flügel des französischen Heeres zur Offensive über- gegangen. Eine Brigade hat den südlichen Teil des Lukkos- Flusses vom Feinde gesäubert und die Riftruppen durch ein überraschendes Manöver zum überstürzten (?) Rückzüge ge­zwungen. Nach heftigen Kämpfen gelang es, die früheren Stellungen bei Cheyab und Kejelrhar zurückzuerobern. Auch Djerfata soll durch Sturmangriff znrückgenommen sein. Die Riftruppen haben an verschiedenen Stellen hartnäckigen Widerstand geleistet.

Alhucemas unter dem Feuer der Rifkabylen.

Madrid. (Telegramm.) Die Rifleute haben mit Ar­tillerie und Maschinengewehren die spanische Insel Alhu- ceinas, die nicht weit von der Küste entfernt liegt, angegrif- fen. Die spanischen Verluste sollen zwanzig Mann betra­gen. Spanische Kriegsschiffe sind unterwegs. Das Feuer der Rifleute soll infolge des kleinen Raumes, den die Insel einnimmt, großen Materialschaden angerichtet haben.

Paris. Ergänzende Madrider Meldungen bestätigen, daß die Beschießung der Insel Alhucemas äußerst heftig war. Die Rifbatterien nahmen im Laufe des Tages das Feuer ver­schiedentlich wieder auf und brachten den Spaniern große Verluste bei. Die Zahl der Toten auf spanischer Seite hat sich wesentlich erhöht. Der Kommandant der Festung, Oberst Monasteric, wurde durch Granatsplitter schwer verletzt. Das KanonenbootCanalejas" hat die Verwundeten abtrans­portiert.

Ueberfall auf französische Offiziere in Syrien.

^ Paris. (Telegramm.) DerMatin" meldet, daß - £$$ ftwi^ftft^-t^fa^m &<>&&> W* -M^^mrrn ^i^xumun^- offizier, Hauptmann Degoutel, die Posten an der Eisenbahn­linie DamaskusEzraa besichtigte, von Straßenrändern Überfällen und verwundet wurde. Das Nächstliegende Dorf wurde von einer französische» Strafkompagnie besetzt. Es wird betont, daß der Zwischenfall anscheinend nicht in Verbindung mit dem Drusenauf- stand steht. ,

Evangelium und öffentliches Leben."

£ Stockholm. (Sonderbericht.) In einer öffentlichen Versammlung sprachen der Bischof Karl Brent aus New Port und Professor Dr. Brunstäd aus Erlangen über das ThemaDas Evangelium und das öffentliche Leben". Professor Brunstäd, der als Religionsphilosoph innerhalb der deutschen Wissenschaft einen Namen hat, gab zunächst einen grundsätzlichen Gedanken über die Verhält­nisse zwischen Religion und Kultur:Eine Kultur ist nur dann lebensfähig, wenn sie aus religiösen Quellen gezeugt wird. Sobald beide sich entzweien, kommt es zu einer Kulturkrisis. Die abendländische Kultur steht gegenwärtig in einer solchen Krisis. Der Krieg und die Revolution sind der Ausdruck für diesen Zustand des Konfliktes zwischen Religion und Kultur. Dieser Widerstreit ist die Tragik des Menschentums, die das Christentum mit Sünde bezeichnet. Sünde, Tod und alle anderen Uebel des menschlichen Lebens machen den Gegensatz zwischen dem Evangelium und der Menschenkultur offenbar. Von hier aus gesehen ist der Krieg ein Gericht Gottes über die Menschheit, aber ein Ge­richt, das sich notwendig immer wieder vollzieht." Der Redner wandte sich zum Schluß gegen die falsche Anschauung, aus dem Evangelium ein System des Pazifismus Herzu- leiten.

Die Kirche und die sozialen und sittlichen Fragen."

Stockholm. (Drahtbericht.) Die Konferenz begann die Behandlung des zweiten ProgrammpunktesDie Kirche und die sozialen und sittlichen Fragen". Die Vorbereitung dieses Themas war der europäischen Sektion übertragen worden. Generalsuperintendent Dr. 6 d) o e 11 Stuttgart erstattete den Generalbericht. Er sprach über die christliche Gestaltung des Geschlechtslebens, über die Bedeutung der Familie als der Grundlage einer gesunden Volkskultur, über das Problein der Jugendbewegung und über die sittliche Durchdringung der Arbeit mit christlichem Geiste. Die Her- ausarbeitung einer christlichen Gegenwartskritik bezeichnete er als die dringendste Aufgabe der Kirche. Daneben stehe gleichwertig die Vertretung christlicher Grundsätze im prak­tischen Leben. Die Kirche müsse das öffentliche Gewissen sein. Glaube und Liebe werden die Welt retten. Die Aus- führungen Dr. Schoells wurden durch Pastor tomeer« MUlhaufen (Elsaß) und durch einen Vertreter der estnsschen Regierung ergänzt. In der Diskussion tam Drrektor Dr. Spicker- Berlin noch einmal auf den Vorichlag der schwedischen Delegation über die Errichtung eines For-