HersMer Tageblatt
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis kersfel- | Bucbdruckerel in Bersfeld, (ältglled^des 8vLV.^ » a^_±________________________7 »we»m»Me»H«»HHMM»HUHmmiimin“niiiiii;i
Nr. 177 Freilag, den 31. Juli 1935
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Das Wichtigste.
— Der französische Außenminister B r i a n d wird sich nach L 0 nd 0n begehen, um mit Chainber - latn persönlich über die Sicherheitsfrage zu ver- handeln.
— Die polnische Presse wendet sich in ziemlich uiiver,ajämfem Tone gegen die Ausführungen in der deutschen S i ch e r h e i t s n 0 t e vom 16. Juli.
— 3m englischen Unterhaus ist ein heftiger Kampf um das Flottenbauprogramm ent- brannt.
Polen ge'Shrdeldea Sichecheitspatt.
Wie weit die Berharidlungen zwischen England und Frankreich, die einmal wieder mit seltsamer Rührigkeit hinter den Kulissen geführt werden, gediehen sind, läßt sich aus den Presseäußerungen nicht erkenen. Natürlich ist Paris bemüht, jegliche Nachricht von einer englisch-französischen Meinungsverschiedenheit zu dementieren, und eine Havasnote tut ihr Möglichstes, um zu beweisen, daß England in der Sicherheitsfrage denselben Standpunkt ein- nehme wie Frankreich. Was jedoch von Havasnoten zu halten ist, davon legte ein Zeugnis die letzte Havasnote ob, die die unglaublichsten Nachrichten über den vermeintlichen Inhalt der Brianoschen Note zur Sicherheitsfrage vor der Veröffentlichung in die Welt hinausschrie. Mag auch an der Wahrheit der Havasnoten faum etwas sein, so geben sie doch immerhin die Wünsche wieder, die Frankreich bewegen und die es auch gern als Wünsche seiner Verbündeten sähe.
Wir werden geduldig abmarten sönnen, was man in Paris Neues ausheckt und wie man der deutschen Note vom 16. Juli begegnen wird. Der deutsche Standpunkt steht fest. Er ist so gefaßt, daß er keine Deutung zuläßt. Was in der deutschen Note enthalten ist, sind die Mindestforderungen, die Deutschland für einen Sicherheitspakt aufzustellen hat, NWMÄW» """""
Wichtig ist es, daß wir nicht den Blick für die wahren Verhältnisse vertieren unb.uns nicht von der an sich schönen Idee einer Sicherheit und Befriedung Europas derart einfangen lassen, daß wir dabei den Blick für die Wirklichkeit verlieren.
Wie steht es nun in Wahrheit um die Sicherheit? Die Frage gegenüber unserem westlichen Nachbarn mag sich jeder selbst beantworten, über sie ist genügend geredet und geschrieben worden, und wer Frankreich kennt, wird vielleicht manchen Zweifel, die der Deutsche an seiner Sicherheit an seiner Westgrenze hat, verstehen. Unser Augenmerk sollte aber auch nach Osten gerichtet sein. Die östlichen Nachkriegs- großstaaten bedeuten eine nicht minder große Gefäährdung der Sicherheit in Europa. Um die ehemaligen russischen Randstaaten geht seit einiger Zeit ein Wettstreit zwischen Frankreich und England. Lettland zum Beispiel sucht Freundschaft bei England. Um Litauen bemüht sich neuerdings Frankreich sehr eifrig. Verfolgen wir dann unsere östliche Grenzlinie nach Süden, so ist der „Großstaat" Polen. Er nt von der imperialistischen Machtpolitik Frankreichs wohl am meisten angesteckt, die Millionenbeträge französischer Franken haben hier gute Arbeit geleistet. Erst neuerdings aibt Polen wieder einmal ein Beispiel seines Machtdünkels und seiner Großmachtpvahlerei. Mit hochtönenden Worten verkündet der polnische Kriegsminister Sikorski, daß Polen vom 11. bis 20. August seine großen Herbstmanöver abhalte. Die ganze polnische Streitmacht, Kavallerie, Infanterie, Tanks und Flieger werden sich zu einem Manöver vereinigen, das ein Schauspiel für die Freunde Polens werden soll. Polen will den Beweis ablegen, daß es die französischen Kredite gut angewandt hat und daß es den «Titel einer Großmacht in Europa mit vollstem Recht verdient. So. dürfen wir die polnischen Herbstmanöver einerseits als ein Schauspiel für die Entente ansehen, wollen aber anderer- (eits auch nicht übersehen, daß sie gleichzeitig uns Deutschen etwas sagen können. Gerade der polnische Kriegsminister Sikorski hat des mehrfachen bewiesen, daß er den Deutschen gern einmal die Stärke seiner Armee vor Augen führt. Polen beabsichtigt bannt eine Cup chuchterung Deutschlands und gleichzeitig eine Drohung für den Fall, daß Deutschland vielleicht die Absicht haben sollte, die an Polen abgetretenen Gebiete wieder zu erlangen. Wir haben in letzter Zeit ge- nirgend Beispiele von der polnischen Gehässigkeit zu er ah- reu bekommen. Kurzerhand ließ Polen die deutsch-polm- scheu Wirtschaftsverhandlungen fallen - ob zu seinem Bor- teil, das mag dahingestellt sein. Ganz ohne Grund ver- fügte Polen die Ausweisung von 35 000 deutschen, Optanten. Mr wollte nod) länger leugnen, daß die Feindseligkeit Polens zu dem äußersten fähig ist.
Etwas ruhiger verhalten sich allerdings die südlich an Polen sich anschließenden osteuropäischen Staaten Doch haben wir genügend Beweise dafür, daß auch sie in fran- eischem Solde stehen und ihr möglichstes zur Beunruhigung utschlands tun werden.
So liegen die Dinge an der deutschen Ostgrenze. Unter diesen Verhältnissen erwägt Druhchland einen Sicherheits- pakt. Was sollte aber ein solcher Pakt bezwecken, wenn nicht gerade den östlichen Nachbarn Deutschlands, insonderheit Polen, endlich einmal Einhalt in ihren gegen Deuschland
feindseligen Handlungen getan wird. Ein Pakt, der nicht Polens sofortige Abrüstung, eine gerechte Behandlung der deutschen Minderheit in Polen und eine gerechte Regelung der deutsch-polnischen Grenze in sich schließt, wäre ein Pakt, dem kein langes Leben beschieden sein dürfte. Es kann gar nicht genügend darauf hingewiesen werden, daß für Deutsch- land die Gefahr im Osten nicht minder groß ist als die Gefahr im Westen. Erwägt man dies, so kann man daran zweifeln, daß ein Sicherheitspakt von heute auf morgen überhaupt möglich ist. Es sind so viele Vorbedingungen zu erfüllen, daß sich die Alliierten gewaltig umstellen müßten, sollten sie einen Sicherheitspakt schon in nächster Zukunft zur Wirklichkeit werden lassen. Dr. M.
Briand reist nach London.
Die französische Antwort an Deutschland am 17. August?
"+ Paris, 30. Juli. Die Pariser Blätter halten die
Londoner Information, nach der sich Briand 'gemeinsam mit Caillaux nach London begibt, für sehr wahrscheinlich. In den Kreisen des Quai d'Orsay wird erklärt, das;
Briand bisher noch keine offizielle Entscheidung getroffen habe. Die Nachricht, daß der Außenminister schon in der nächsten Woche nach London reise, eile den Tatsachen vor- aus. Die Anregung zu einer persönlichen Begegnung der beiden Außenminister scheint nach einer Andeutung des
„Petit Parisien" bei der Unterredung des britischen
Geschäftsträgers mit Briand gegeben worden zu sein. Der
„Petit P a r i s i e u" glaubt, daß Briand wahrscheinlich noch vor Fertig stellung der Antwort auf die deutsche Note nach London reist. Nach einer In- formation, die auch die Londoner „Times" wiedergibt, dürfte die Antwortnote Frankreichs auf die letzte deutsche Note am 17. August nach Berlin abgehen. te,¥4"Ä rWM& MA*W begreiflich, daß sich diesmal der französische Außenminister nach London begehe, da Lhamberlain schon einmal nach Paris gekommen sei.
Wie der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet, hat der französische juristische Mit- arbeitet Fromageot gewisse Versuchsvorschläge, die sich auf spezielle Punkte des Paktes beziehen, mit nach Paris genommen. Indessen seien die Vorschläge durchaus nicht mit der französischen Auffassung in Einklang zu bringen. Wie es heißt, hat de Fleuriau weitere Instruktionen von Briand erhalten, die den französischen juristischen Stand-
Punkt näher erläutern.
Um die deutsche Abrüstung.
^ Paris, 30. Juli. Die Meldung von der Bildung einer Kommission zur Prüfung der Entwaff■ nungsnote wird von den linksstehenden französischen Blättern als ein Beweis der Versöhnlichkeit aufgefaßt, obwohl wie „O e u v r e" meint, damit noch keine eigentliche Lösung des deutschen Abriistungsproblems erzielt sei. „Journal" ist dagegen der Ansicht, daß die bloße Lm- sei-una einer Kommission keinen Fortschritt bedeute. Es liege auf der Hand, daß die Kommission die dritte Kategorie der alliierten Forderungen (u. a. die Zerstörung des Kriegsmaterials bei Krupp), die von Dr. Stresemann in ferner letzten Reichstagserklärung als undurchführbar bezeichnet worden sei, ebenfalls verwerfen werde. Die Frage sei jeSO ob die Alliierte,: sich von der deutschen Kommission bis zur Unterzeichnung des Sicherheitspaltes W^ten lasten wüthen oder ob sie sich entschlössen, die F°rM;rung der Ga- rantievertraqsverhandlungen von der vorbehaltlosen Einnahme sämtlicher Bedingungen der Entwaffnungsnote abhängig zu machen.
Räumungsvorbereitungen in Mülheim.
H. Mülheim, 30. Juli. Die Räumungsvorbereitungen in Mülheim, sind in vollem Gange. Täglich verlassen Zuge mit Kriegsmaterial den Bahnhof. In den letzten -tagen wurden allein 17 Tanks mit der Bahn abtransportiert. Die französischen Verkaufsstellen sind bereits aufgelöst worden.
Polens Jntrigen gegen den Sicherheitspakt.
^ Warchau, 30. Juli. Die polnische Presse nimmt einstimmig einen ablehnenden Standpunkt g e g e n üb e r d er d e u t s ch e n A n t w 0 r t in der Sicherheitsfrage ein. Man weist darauf hin, daß ein Garantiepakt, wie ihn Deutschland und England wünschen, die v i e r t e Teilung Polens bedeuten würde (!). Aus der Fülle der Pressestimmen greifen wir, als besonders charakteristisch, die der „Republika" heraus. Das Blatt überschreibt feine Ausführungen über die deutsche Antwort „Die pro
vokatorische Note" (!) und läßt sich hierzu wie folgt aus: „Deutschland sagt ganz offen, daß es die deutsch-polnische Grenze nicht anerkennt und daß es danach trachten wird, im Völkerbund die Angelegenheit so zu behandeln, daß die Wiedergewinnung dieses oder jenes verlorenen Gebietes möglich würde. Uns scheint es — bemerkt hierzu das Blatt —, daß die deutsche Note für Polen von positiver Bedeutung ist, denn es ist besser für die politische Taktik sowie für militärische Strategie (!), mit Tatsachen zu tun zu haben, die die klare Tendenz des Feinbes erkennen lassen, als mit einem Plan der Hinterlist und einem raffinierten Dolchstoß aus dem Hinterhalt. Die „Republika" fordert daher mehr Aktivität von der Regierung, um die Pläne der „Kreuz- ritter" zunichte zu machen.
Polnischer Hetzfeldzug in Amerika.
^ Williamstown (Mass.), 30. Juli. Der polnische Außenminister, Graf S k r z y n s k i, der zurzeit auf einer Pro- pagandareise in den Vereinigten Staaten weilt, hielt im Staate Massachusets einen Vortrag über die Sicherheitsfrage. In den Vordergrund stellte er das Programm der polnischen Rüstung und betonte, daß Polen seine Wehrmacht keineswegs vorher einschränken könne, bevor die Sicherheitsfrage geregelt sei. Ein deutsch-französischer Sicherheitspakt müsse sich auch auf die deutsch-polnische Grenze erstrecken. Wenn Polen vor Festlegung des Sicherheitspaktes an eine Abrüstung ginge, so könne es leicht die Erfahrung wieder inadjen, die es bereits im 18. Jahrhundert gemacht habe, als Polen die Waffen niederlegte und ein anderes Volk sich dann auf das Land stürzte. Ein Sicherheitspakt fei nur denkbar, wenn Deutschland vorher in den Völkerbund ein- getreten sei. Was Rußland betreffe, so denke es wohl nicht an einen Eintritt in den Völkerbund, und daher sei ein Verhandeln über diese Frage vorerst zwecklos. Die Grenze Polens nach Deutschland hin müsse garantiert werden, sonst würde der Streit um die deutsch-polnische Grenzführung den Keim zu neuen Kriegen in sich bergen. Der polnische Außenminister benutzte natürlich seinen Vortrag wieder zu einer einer deutschen Gesayr, me in auropu' aLcu/mys v->---— dem Eingreifen der Bereinigten Staaten nicht mehr existiere. Freundschaftliche Beziehungen Polens zu Deutschland seien jedoch nicht amknLvfbar, da Deutschland immer noch Gebiets- teile beanspruche, die durch den Bersailler Frieden an Polen gegeben seien und die nach der Geschichte stets polnisch gewesen feien. (?) Polen werde sich dagegen zu wchren wissen, daß ihm feine Ansprüche auf Oberschlesien oder auf den Danziger Korridor streitig gemacht würden.
Die Rede des 'polnischen Außeilministers schließt sich würdig an die bisherigen Hetzreden polnischer Regierungs- Häupter an und gibt einen neuen Beweis dafür, daß bei der Frage um einen' Sicherheitspakt Polen stets der Seunrubi- gungsfaktor in Mitteleuropa sein werde. Ehe nicht die deutsch-polnischen Grenzfragen geregelt sind unb zu einem für Deutschland befriedigenden Ergebnis geführt haben, wird an eine Befriedung Europas nicht zu denken sein.
Ein „ehrendes" Urteil.
4- Paris, 30. Juli. Der Parier „Temps" gibt seiner Freude Ausdruck, daß die deutsche Regierung zur Prüfung der Entwaffnungsfragen einen Ausschuß eingesetzt hat, der zusammen mit der interalliierten Militärkontrollkmumission eine Regelung dieser schwierigen Fragen schaffen soll. Der „Temps" lobt diesen Schritt der deutschen Regierung, der ein Zeichen dafür sei, daß Deutschland sich den Forderungen, die in der interalliierten Note niedergelegt seien, nicht weiter verschließen könne und bemüht sei, zu einer Regelung zu kommen, bevor die Kölner Zone geräumt würde. Wenngleich man auch das Ergebnis dieser Besprechungen abwarten müsse, so sei es doch äußerst anerkennenswert, daß Deutschland in dem Augenblick, in dem die französisch-britischen Besprechungen über den Sicherheitspakt eine günstige Wendung nähmen, eine ernste Anstrengung mache, um das Entwaffnungsproblem restlos zu lösen. Das Verhalten her deutschen Regierung sei dazu angetan, die Frage eines Sicherheikspaktes günstig zu beeinflussen. _ „ _
Ganz verständlich ist die Freude des „Temps" nicht. Es muß doch nochmals darauf hingewiesen werden, daß Deutschland jederzeit bereit war, das Entwaffn u n g s p r 0 b l e m z u lösen und daß es sich nicht um den ersten ©djritt Deutschlands handeln lunn, KU einer praktischen Lösung des Entwassnungsprodlems zu kommen. Sollte die Nachricht des „Temps" überhaupt wahr fein, so kann es sich doch wohl nur darum handeln, daß über die,letz- ten Forderungen der interalliierten Aulltarkommisilon zwischen deutschen unb interalliierten Sachverständigen ein engeres Zusammenarbeiten ermöglicht werden soll.
Wie die Tschechen deutsche Grundbesitzer enteignen.
4- Prag, 30. Juli. Aus Prag wird gemeldet: Bei dem ruf Grund der Friedensverträge errichteten deuhch-hchechv- doumHidjen Schiedsgericht in Genf haben Fürst von Thuen und Taxis, Prinzessin von Lowsnstern- R - i d) e nba ch und P r in z R u v p r ech t v 0 n Da Y e r n regen die tschechoslowakische Republik geklagt, weil ihnen für die infolge der Bodenreform lreschlagnahmten Guter nicht !rer wirkliM Wert, sondern ein Betrag angeboten worden