Hersfelöer Tageblatt hersfel-er Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö
Nr. 176 Donnerstag, den 30. Juli 1925
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Das Wichtigste.
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— UM Haras-Not« widerrat die Nach - rtHten rsn einer euglisch-franzSsifchen MeinungsrerschieLenheit.
. — Die Rot der 74 000 ftrerLnden Saarberg- erbet ter ü? groß. Der französische Arbeit-» minister hat die Lohnfo rderungen abgelehnt.
Wo die Memel rauscht...
Wenn ftüher der v-Zug über die lange Memelbrücke ratterte, die fast unmittelbar hinter dem Tilsiter Bahnhof den stolzen Strom überspannt hatte man noch etwa zweieinhalb Stunden Fahrt bis zur nordöstlichsten Ecke des Deutschen Reiches vor sich. Die Strecke führte über Heydekrug, bar Heimatstadt Sudermanns, bis Memel. Man sollte dies Uneingeweihten immer wieder vor Augen führen, die wohl rasch über die wenigen Zeilen hinweglesen, mit denen die meisten Blätter von dem Verlust des Gebietes „Uebermemel" berichteten, das auf Grund des famosen „Selbstbestimmungsrechtes der Völker" zuerst unter englisch-französische Verwaltung kam, um dann endgültig den Litauern zugesprochen zu werden und dies, obwohl namentlich in den beiden Städten Memel und Heydekrug durchweg kerndeutsche Bürger wohnen. Wenn auch auf dem Lande schon vor dem Kriege viel Litauisch gesprochen wurde, dachte die Bevölkerung, abgesehen von einigen Fanatikern, nicht im entferntesten daran, sich zu den unter russischem Regime stehenden Litauen zu sehnen, zumal
Festen in Tilsit weite Kreise der Bürgerschaft teil. Im schein Tilsiter Park „Jakobsruhe" befindet sich seit langen Jahren ein im Stile eines litauischen Dauernhauses errichtetes Hei» matmuleum.
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Lange nach etwa der SöneLjugürecfe Berlin—Halle & entsprechet), trägt rmsgeiprochen landwirtschaftlichen Charakter ut) zeichnet p^, teilweise zur Me-melnieöerung gchörend durch große Fruchtbarkeit aus. Das feZige Litauen aber ist Ein reiner'Agrarstaat, denen wenige Industrie, große Klavier-, Maschinen- ünd^Schmubenfadriken in der Hauptstadt Storno bezeichnenderweise vor dem Kriege deutsche Firmenbezrich- nunaen trugen. Während bisher das Abiaßgebiet für die reichen landwirtschaftlichen Produkte des „Uebermemeb gebieies" die etwa 50 000 Einwohner zählende Stadt Tilsit und weitere größere Orte in deren Hinterland war, wehren jetzt die Zollwächter auf der Eisenbahnbrücke und auf der Luisenbrücke, eines der schönsten derartigen Bauten im Nord- osten bi» Ausfuhr von Mlchprodukten, Getreide und Futter- Mitteln. Die wirffchaftliche Lage der Bevölkerung, die oben- drein zu hohen Steuerleistungen vom htauudien Staack heran- gezogen wird — denn dieser braucht »um Ausbau seiner Milttärmacht aus dem Nichts, die weg.m der bedrohlichen Nähe Polens und Sowjetrußlauds notwendig erichemt, v"l Geld — ist also eine ziemlich trostlose.
Während also der neugebackene Uebermemel-Litau-r voller Sehnsucht über den Strom blickt, von bessern andern Ufer die Tilsiter Stadtkirche herübergrüßt, vermiete man dort namentlich in der ersten Zeit die reichen und verhältnismäßig billigen Zufrchrcn aus dem jetzt entrissenen Gebiet Der treffende ostpreußische Humor hatte dieser SWcfje schon beim Druck des Tilsiter Notgeldes in famoser Weise bildlichen Ausdruck gegeben. Einer der Gdjeine zeigte auf der einen Seite den d)äraltcviftifd)en Kirchturm der „Stadt ohne Glei- chen" - so nennt der Tilsiter seine Heimat voller Stolz auf die hübschen „Marjellchens" - das Mittelstuck des Geldl chems bildete der Bogeii der Suifenbrüife, während auf dem letzten . Drittel der Stadtgeldnote sich eine Pyramide aus Tilsiter Käse-Leibern befand und eine Kuh sehnsüchtig den Hals nach ' der Stadt am. jenseitigen Ufer misstreckte. Darunter befand sich der Spruch:
Tilsit, die Stadt ohne Gleichen, • Butter, die nicht zu erreichen.
Sein Wunder, daß der Schmuggel trotz aller scharfen Kontrollmaßnahmen ziemlich blüht und aUfit zum Leidwesen der eingesessenen Bürger, wie das häufig bei Grenzstädten der Fall ist, r-eichlichen Zuzug von (Schiebern und andern un- willkommenen Elementen erhalten hat.
Es wäre ungerecht, wollte man das Zusammengehörigkeitsgefühl der Ostpreußen diesseits und jenseits der Memel lediglich aus den eben geschilderten wirtschaftlichen Lebens- bedingungen herleitem Es liegt vielmchr in der augeftanim-
Äs Liese zum Preugelltum, in der historischen Entwicklung begründet.
Die nSe LanL^irahe die an den Meme-armen, der llszlesLs, vorüber durch werte BisfsMächen führ^ auf denen Dem im Frunfahr Sir Hochwa- erriuren der r- imel abgeftoffsn. der Kibitzru- vernehmbar, war sters em beliebter
Haus neben der alren Kirche, be»n Orgel bei einem Bor» pasterrgeftcht im Frühstchr 1915 durch eine Granate K'e be- fc^ötgt wurde, wohnte ernst die Königin Luise auf der Flucht vor dem korsffchen Eroberer. Von hier aus trat sie ihren Kano--a- gang nach Tilsit an, um in dem kleinen Hause dicht an der Memel Napoleon vergeblich um die Rückgabe Magdeburgs zu bitten. Aber nur etwa 20 Kilometer weiter wurde bald darauf in der Mühle von Tauroggen über den Kopf eines allzu zaudernden Königs hinweg das russisch-preußische Bündnis geschlossen. Dem vergeblichen BittWng einer edlen Frau folgte alsbald der Geburtstag der deutschen Freiheit.
W. M.
Der englisch-französische
Memungsausiausch.
Wieder einer der berüchtigten Havasberichte.
^ Paris, 29. Juli. Die an die Pariser englische Botschaft telegraphierte Note, die die Stellungnahme der englischen Regiernug zur deutschen Antwort enthält, wurde zur Kenntnis des Londoner französischen Botschafters gebracht. Das Schriftstück ist nach einem Havasbericht sehr allgemein gehalten. Der englische Eindruck von der deutschen Antwortnote entspreche in großen Zügen dem der zuständigen frort» zösischen Kreise. Indessen scheine auf englischer Seite eine starte Neigung für eine Aussprache über gewisse grundsätzliche Fragen z» bestehen, in der Hoffnnug, daß die Verhandlungen mir Deutschland dann so schnell wie möglich wirksam zu End« gerührt merden Knuten. NetnnnasnexsSt«
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mistische BrtrachtungW. Der „Marin" meirt, wahrscheinlich werde Bei and schon tu den »ächzen Tagen Stresemon» auf die letzte deutsche Rote antworten. Man werde dann sehen, ob es der deutsche Außenminifter vielleicht doch für richtig halte, persönlich nach Genf zu kommen, um in privaten Besprechun- gen die Voraussetzungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund festzulegen. .
Späte Erkenntnis.
Frankreichs Politik eine Kette verfehlter Möglichkeiten.
^ Paris, 29. Juli. Eine KetteverfehlterMög» I ichkeiten nennt das „Journal des Debüts" die Politik Frankreichs gegenüber Deutschland. Während man gegen England eine gewisse Linie innegehalten habe, habe man Deutschland gegenüber mit schwankenden Methoden gearbeitet, die mit jeder Regierung wechselten. Da oft genug die widersprechendsten Methoden angewandt worden seien, habe man natürlich niemals
wechselten. Da oft genug Die i angewandt worden seien, habe definitive Erfolge erreicht, im Gegenteil, man habe sich zahlreiche günstige Gelegenheiten entgehen lassen. 8. B. hätte man während und sofort nach dem passiven Widerstand mit Deutschland auf direktem Wege verhandeln sollen, an- statt sich auf den Separatismus zu verlassen. Man habe dar- aufhin resigniert einen Dawesplan angenommen. Seit sechs Jahren treibe man in Frankreich deutsche Politik lediglich vom französischen Standpunkt aus, ohne irgendeine objektiveKenntnisderZuständeinDeutsch-
landzu haben.
Um dir Wiederaufnahme der deutsch-polnischen ' Verhandlungen.
Die deutsche Antwortnote.
-£ Berlin, 29. Juli. Der zwlnische Bevollnmchtigte für die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen bat unter bem 18. ds. Äilts. ein Sdjreiben an den beutfdxm Be- DolImädjtigten, Staatssekretär z. D. Lewald, gerichtet, in dem er den polnischen Standpunkt noch einmal auseinander- etzt und am Schluß erklärt, daß nach polnischer Aufsatz ung die Verhandlungen ohne formelle Unterbrechung in der Weii« veitergrhen sollten, daß die beiden Delegationen fidi spätes,ens im 16. September, gegebenenfalls auch schon früher u-.el>er
seremize« lolltrsr, um die Set^anb’lungm zu einem prcvi» arischen oder dennitr-rn Abschluß zu bringen. — Der
die Sagar-bfen-ger. als zurzeit mrmeL unterbrochen betraute, im 5r.te«“e der Abkürzung des von r^üw'ch« Seite begpo '.eraen Wirrichafiskrieges jeder »ei: bereit, dir Frogr der Diederau' nähme der 2 er Handlungen zu prüfen, 'obald sich die deutsche Delegation auf Grund neuer Erklärungen der polnischen Delegcüion vor eine veränderte Verhau dlungslage gestellt söhe, die für
dmch neue Erklärungen der pol g a t i o n gefördert würden.
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Die Not des Mhrbergbaus.
Die Konferenz der Arbeitsgemeinschaft für das Ruhrgebiet.
$ Berlin, 29. Juli. Im Reichsarbeitsministerium fand unter der Leitung des Arbeitsministers eine Besprechung über die Lage im Ruhrgebiet und Mittel und Wege zu deren Be- Hebung statt. Wie der Minister in der Einleitung ausfuhrte, yandele es sich keineswegs nur um augenblickliche Abi atz- ftockunaen, sondern um eine allgemeine Krise auf dem Äeltkohlenmarkt, wie die Schwierigkeiten des englischen Bergbaues zur Genüge zeigten. .Seitens der Arbeitervertreter wurde hsroorgehaben, daß es für die bedrängte Lage der Bevölkerung und der Wirtschaft im Ruhrgebiet dem übrigen Deutschland und auch im befonberen der Reichsreme- runa an dem nötigen Berit Ärdnis fehle. Grunburfach« der d« Krika *« fete« rtwegung. Die «e»-
RshrgeÄä cufrefcez^hen Derben. Die rigorosen nen mw Bergarbeitern muß»» «k.er bunden und ausreichense EuriüLLigung der Opfer der ILgelegter. Betriebe erveichr werden. Bon Ardeitvebewen« wurde K logr we^u der Ueberpamuuifl der üeueri-cheu Lo-reu und der h^en Worerialprei^e geführt, wozu noch die zu hohen Laiten der lokalen Fürforae käme». DemeMsprechend forderte« die Arbeimeber Einführung der Lorkriegsarbeitszeit »nd du Ernssrävinng der sozialen Kersichernno auf den r-ortriegs- auftaub. Minüterioldivektor Grießer warnte dem. oeoenüber vor übertriebenen Zahlen über die '"oktale Be- Mung. Einzelne Unrernehnrerführer errechneten die sozial« Belastung für 18 Millionen Menschen auf volle 52 Wochen, während infolge Erwerbslosigkeit, KrcmHeit und sonstiger Ausfälle nur 35 bis 36 Wochen pro Jahr in Betracht kommen. Der Fragenkomplex über den Schu^ der Arbeit- nehmen bei Stillegungen und Betriebsemschrankungen wird in einer gemeinsamen Kommission, die in den nächsten Tagen zusammentritt, eingehend beraten werden, ebenso die Differenzen wegen des Ausmaßes der sozialen Relapung. Auf die Klagen von Arbeitnehmerseite über Anwerbung ausländischer Arbeiter für den deutschen Bergbau wurde vom Reichsarbeitsnttnisterimn bedauert, daß einzelne Mißgriffe den Arbeitsämtern in dieser Beziehung unter- laufen seien, die für die Folge unterbunden mürben. Auch von Arbeitgeberseite wurde die Einstellung ausländischer Arbeiter verurteilt. Auf Wunsch der Arbeitnehnrerorgani- sationen findet in der Reichskanzlei eine Besprechung zwo schon der Reichsregierung, der Landesregierung und der Arbeitnehmerverbänden über die Lage im Ruhrgebiet statt.
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Riesengehölter der französischen Beamten. — Unwürdig, Behandlung der deutschen Bergarbeiter.
^ Saarbrücken, 29. Juli. Angesichts des harten Exi tenzkampfes, den gegenwärtig 74 000 Arbeiter der ftanzö ischen Saargruben führen, wird von gewerkschastlici»er Seit, charfe Kritik an der verschwenderischen französischen Ber waltung sowie an dem mächtigen Beamteuapparat der Gruber geübt. Vor allem wird auf die enormen Gehälter der oberer Beamten, die natürlich Franzosen sind, hingewiesen, v« denen beispielsweise ein Grubendirektor nach den, Budget bei - - -lr 1925 außer Gratifikationen und freier Wohnunc 5233 granf bezieht, während verheiratete Bergleut, einschiietzlich der sozialen Zulagen für Frau und zwei Kinde, stellenweise nur 487,50 Frank verdienen. Selbst Gruden infpeftoren beziehen außer ihren sehr bedeutenden Reben tinnahmen das Fünffach« ter Bergarbeiter. Zudem wird Vi> Erbitterung der Bergleute immer wieder aufs neue gruahr
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