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HersMer Tageblatt

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yersselöer Kreisblatt' i

Amtlicher Anzeiger für -en kreis HersfelS I

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Nr. 168

Dienstag, den 21. Juli

1925

Das WichiLgste.

-^ Die Räumung des Ruhrgebiets nimm! einen ruhigen, geordneten Verlauf. Vis Frei­tag Mitternacht soll das gesamte Ruhrgebiet ge­räumt 'sein.

— Die deutsche Antwort auf Briands Eicher- Heitsnote wurde am Montag nachmittag von dem deutschen Botschafter in Paris, von Hoesch, überreicht. Auch in London wurde die deutsche Note übermittelt.

— Die Provinzialwahlen in Frankreich am vergangenen Sonntag ergaben keine große Aende­rung der politischen Richtung.

Die Achillesferse.

Das Jahr 1925 brächte eine Verschärfung des Handels- und wirischaftspolitischLn Gegensatzes zwischen England und Rußland. Die sonst so kaltblütigen englischen Staatsmänner werden nervös. Ueberall auf der Welt, wo englische Inter­essensphären vorhanden sind, setzt Sowjetrußland mit einer Propaganda ein, in konsequenter Verfolgung der pan- slawistischen olitik der früheren zaristischen Regierung. In Aegypten fanden innerpolitische Unruhen statt. Sie waren der Ausfluß der von Sowjetrußland genährten Freiheits­bewegung der Aegypter. In China droht ein neuer Bürger­krieg auszubvechen. Der Rubel rollt, und riesige Waffen- " [e. . Die bolschewistische

lieferungen Rußlands tun das ihn» Propaganda findet den nötigen Unic

Propaganda findet den nötigen Untergrund in der wirt­schaftlichen Notlage des chinesischen Volkes. Die chinesische Regierung ist machtlos. Die chinesischen Studenten und die chinesischen Militärs haben den Einfluß auf die chinesischen Massen. Das von Rußland ausgegebene Schlagwort hat seine volle Schuldigkeit getan: Asten den Asiaten. Ruß- tanb fühlt sich nicht mehr als europäisches, sondern als asiatisches Volk. Wenn auch die verantwortlichen Politiker die Gefahren der bolschewistischen Lehre für ihr Land genau.

ihren halbzivilisierten Ländern mit blutigen und grausamen Metzeleien verbunden sein muß, so stemmen sie sich der bol­schewistischen Propaganda trotzdem nicht entgegen, weil der Kampf sich letzten Endes gegen den gemeinsamen Feind, gegen die Vormachtstellung Englands in Asien, richtet.

Um Aegypten und China ist England nicht so besorgt wie um Indien. Indien, die Kornkamimer Englands, ist die Achillesferse der englischen Weltherrschaft. Daher gehen sämtliche politischen Bestrebungen der englischen Regierung dahin, die englische Herrschaft in Indien zu sichern. Am allerwenigsten hat England von der indischen Freiheitsbe­wegung etwas zu fürchten. Gandhi, der Führer der nationalen Parteien Indiens, weiß, wie große Verdienste um die Einheit und den wirtschaftlichen Aufbau Indiens England sich erworben hat und daß eine Beseitigung der englischen Herrschaft in Indien die Zersplitterung der In- dier in unzählige kleine Maharadschastaaten und wirtschaft­liches Chaos bringen muß.

Die Bedrohung des englischen Indien kommt von Nor­den. 5X19 Pulverfaß, das jeden Augenblick zur Explosion kommen und einen neuen Weltkrieg verursachen kann, ist die Nähe des sowjetrussischen Reiches. England ist infolgedessen bemüht, Indien im Norden gegen das Vordringen der bol­schewistischen Mächt zu sichern. In Tibet besitzt England unbeschränkten Einfluß. - Der tibetanische Dalai Lama hält blind zu England. In Persien sieht es schon anders aus. Hier halten sich England und Rußland, was die Macht­stellung ihrer Interessen anbetrifft, ungefähr die Wage. Beide Staaten sind darum bemüht, die persische Regierung nröglichst schwach und ohnmächtig gestalten, um im trüben fischen zu können. In Persien ist England nur an der Aus­beutung der Crdölquellen interessiert.

Das schwierigste Problem für England ist Afgha­nistan, der Pufferstaat zwischen Indien und dem Riesen« reiche Rußland. In Kabul regiert jetzt ein Emir, der unter geschickter Ausnutzung der russisch-englischen Feindschaft seine eigene Macht zu stärken sucht. Die bolschewistische Agitation in Afghanistan ist besonders rege. Nur dem Umstand, daß das englische Imperium in der afghanischen Hauptstadt einen sehr gewandten Vertreter in dem englischen Gesandten hat, ist es zu danken, daß die bolschewistische Propaganda bisher keinen Erfolg zu verzeichnen hatte.

Afghanistan ist für Rußland das Tor nach Indien. Von dem Ausgang des Kampfes um dieses Land hängt es ab, welchen Weg die politische Konstellation der Welt einschlagen wird. Es wäre ein Unglück, wenn der afghanische Puffer­staat verschwände. Der politische Gegensatz zwischen England und Rußland könnte dann jeden Tag zum offenen Ausbruch kommen und ein neuer Weltkrieg entstehen. A—o.

j Nie Lteberreichung der Antwortnote.

* $ Paris, 20. Juli. Der deutsche Botschafter von

Hoesch hat den französischen Außenminister ersucht, ihn zur UeberrMping der deutschen Antwortnote zu empfangen. Die Rote ist am Montag nachmittag am Quai d'Orsay überreicht

Londoner Stimmen zur deutschen Antwortnote.

London, 20. Juli. „Times" schreiben, die deutsche Ant­wortnote an Frankreich sei so gefaßt, daß man glaube, die Fortsetzung der Verhandlungen rechtfertige die Aussichten auf ein endgültiges Uebereinkommen. Man hoffe, daß die Verhandlungen schnell genug vorwärts gingen, um den Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund schon auf der Septem- Vertagung in Genf erörtern zu sonnen. Der Text der deut- schen Antwortnote ist in London ebenfalls überreicht worden, doch wird der Inhalt der deutschen Note nicht vor Mittwoch vormittag veröffentlicht werden.

*

£ London, 20. Juli. „Westminster Gazette" schreibt in einem Leitartikel: Das wesentlichste Merkmal in der deutschen Antwort auf Briands Note zur Sicherheits- frage wird der Vorschlag einer baldigen Kon­ferenz sein, um alle im deutschen Paktangebot enthaltenen Probleme zu behandeln. Es verlautet, daß Downingstreet dieses Verfahren begünstigt, als den zuverlässigsten Weg, um zu einer Einigung mit Deutschland zu gelangen. Wenn Frankreich sich dieser Anschauung anschließen würde, so könnten die Verhandlungen über den Pakt in einigen Wochen beginnen. Unter diesen Umständen ist, meint das Blatt, die Zeit gekommen, wo C h a in b e r l a i n noch weitere Auf­klärungen über den Weg, den die Weiterverfolgung des deutschen Angebotes eröffnet, geben sollte. Chamberlain hat noch nicht gesagt, wie die allgemeine Abrüstung zustande kommen solle und wie seine Ansicht über die baldige Räu- mung Kölns sei. Dabei ist es äußerst wichtig, daß Deutsch­land Aussicht auf eine baldige Räumung geboten wird, wenn es überredet werden soll, um seine Aufnahme in den Völker­bund nachzusuchen. Unbestimmte Zusagen betreffend die Möglichkeit der Räumung Kölns innerhalb zwei Monaten, sollte die deutsche Regierung bei der Erfüllung der Ab- rüstungsforderungen Aufrichtigkeit zeigen, würden die deutsche Oeffentlichkeit, von der die Entscheidung der deut­schen Regierung doch letzten Endes abhängt, keineswegs be­friedigen. Die britische Regierung muß mit der französischen WMWMMWWWiWMM

Trotz der vielgepriesenen Uebereinstimmung Chamberlains und Briands seit Genf scheint die französische Politik, wie sie amtlich dargelegt wird, in wichtigen Beziehungen vom briti­schen Standpunkt abzuweichen. Jede Gefahr einer fran­zösischen Sonderaktion gegenüber Deutschland muß beseitigt werden, und trotzdem scheint Chamberlain in seiner letzten Note an Briand in Genf der Forderung stattgegeben zu haben, daß Frankreich gestattet wird, als einziger Schieds­richter im Falle eines deutschen Verzuges in die entmilitari­sierte Zone einzudringen.

Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Tele­graph" schreibt: Deutschland scheint zu versuchen, die Frage seiner eigenen Abrüstung und die einer allgemeinen Rüstungsverminderung miteinander zu verbinden. Es wird allgemein angenommen, daß die deutsche Note zu einem und einem vielleicht langwierigen Meinungsaustausch zwischen London, Paris und Brüssel führen wird, bevor der nächste Schritt unternommen werden kann. Deutschlands Eintritt in den Völkerbund in den nächsten Monaten und die Ein­berufung irgendeiner vollen internationalen Konferenz vor Oktober scheint jetzt sehr unwahrscheinlich.

„T i m e s" bemerken dagegen: Die deutsche Antwort an Frankreich ist so" verfaßt, daß sie, wie angenommen wird, die Fortsetzung der Verhandlungen mit einer Aussicht auf end­gültige Vereinbarungen ermöglichen wird. „Times" erinnern daran, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund als ein wichtiges Mittel zur Herbeiführung der befriedigenden Wirkung eines Sicherheitspaktes vorgesehen sei, und schließen, es bestehe einige Hoffnung, daß die Verhandlungen genügend schnell fortschreiten werden, um die Frage des Eintrittes Deutschlands in den Völkerbund vor die Septembersession der Völkerbundsversammlung in Genf zu bringen.

Nas Ruhrgebrei bis Freitag Mitternacht frei.

£ Paris, 20. Juli. Der Kommandeur der französischen

Besatzungstruppen, General G u i l l a u in a t, hat den Re­gierungspräsidenten in Düsseldorf offiziell davon in Kennt­nis gesetzt, daß der Rest des Ruhrgebietes bis Freitag Mitternacht geräumt werden wird.

Bochum geräumt.

Bochum, 20. Juli. Die französischen Truppen haben am Montag früh um 7 Uhr die Stadt verlassen. Der Abzug vollzog sich'ohne jede Reibung. Damit ist auch die Bochumer Etappe, zu der Witte», Hattingen, Bochum, Herne, Watten- scheid, Recklinghausen und Gelsenkirchen gehören, völlig geräumt.

Gelse»kirchen frei!

Gelsenkirchen, 20. Juli. Sonntag früh sind die fran­zösischen Truppen in der Richtung Flugplatz-Alten- essen abgezogen, um von dort aus nach Frankreich ab- transportiert zu werden. Die Räumung vollzog sich in aller Ruhe. Vor dem im Mittelpunkte der Stadt liegenden Lyzeum, welches bisher als Franzosenkaserne diente, steht jetzt ein deutscher Polizeipostem

Der „Temps" zur Räumung von Düsseldorf,

£ Paris, 20. Juli. Der „Temps" schreibt über den Sicherheitspakt und die Räumung der Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort, besonders wesentlich sei der Umstand, das Deutschland in der Sicher- Heitsfrage weiter verhandeln wolle. Aber man dürfe sich nicht zu früh freuen und darin einen glücklichen Enderfolg einer Sicherheitspolittk voraussehen wollen. Wie schon so oft, stellt heute der „Temps" noch einmal fest, daß eine Räu­mung der drei Städte von einer interalliierten Vereinbarung abhänge, und daß eine Räumung nur das Endergebnis des guten Willens Frankreichs sei, das bereits mit Belgien über die Frage einig sei. Die Alliierten wollten ein Zeichen der Versöhnung geben. ...,.....

Polen und der Sicherheitspakt.

Erklärungen des polr^ischen Außen- m i n i st e r s.

^ Warschau, 20. Juli. Der polnische Außenminister S k r z y n s k i erklärte, Polens Stellungnahme zur Frage des Sicherheitspaktes decke sich vollkommen mit der Frank- reichs. Beide Länder feien von einander abhängig. Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland und Polen näherten sich allmählich einer Einigung, und es bestehe Aussicht für eine baldige temporäre Lösung der Frage in Gestalt des Abschlusses eines modus vivendi. In einer weiteren Erklärung gab. Skrzynski der Zuversicht Ausdruck, daß es Polen gelingen werde, seine Beziehungen zu Sowjetrußland durch den Abschluß eines Handels­abkommens zu festigen. Abgesehen von einigen unbedeuten­den Mißverständnissen seien die polnisch-russischen Be­ziehungen in den letzten vier Jahren durchaus normal gewesen.

Der Sündenbock für den deutsch-polnischen Wirtschaftskrieg.

MMÄÄSÄM^ÄhjiBiiBp^^l^ kennen* ba um vom polnischen Handelsministerium, der bis vor kurzen, als zweiter polnischer Bevollmächtigter in Berlin weilte, soll von seinem Posten im Handelsministerium ab- berufen werden. Er soll sich angeblich sehr ungeschickt wäh­rend der deutsch-polnischen Zoll- bzw. Handelsverhandlun- gen verhalten haben. Die polnische Presse tritt sehr scharf gegen ihn auf und erklärt, daß er die ganze Sache mit Deutschlandverdorbenhabe,denngleichvon A n fa n g habe er das M a x i m u m polnischer Zu- geständnisse gemacht. Sein Nachfolger soll Dolezal, bisher Handelsattache in Paris, werden.

Polen plant Festungsbauten in Pommerellen und Oberschlesien.

Warschau, 20. Juli. „Eurjer Polski" veröffent­licht in einem in großer Aufmachung gebrachten Aufsatz de« Plan des polnischen Generals Burkhart, der dahin geht, in Pommerellen und Oberschlesien große polnisch Festungen zu bauen. Die Festungen sollen dem Schutze des polnischen Korridors und des polnischen Einflusses im Danziger Gebiet dienen. Die Kosten veranschlagt Burkhart aus 100 Millionen Zloty.

Das polnische Kriegsministerium gibt bekannt: Zu den in Kürze stattfindenden Hauptmanövern der polnischen Armee haben die Militärchefs von Frankreich, England, Italien, Tschechoslowakei und Jugoslawien ihren Besuch zugesagt. Vertreter auch anderer Staaten werden erwartet.

Tschechisch-polnisch« Spannung.

Warschau, 20. Jiuli. In den polnisch-tschechischen Be- Ziehungen ist eine Spannung eingetreten. Der polnisch- tschechische Handelsvertrag ist nicht ratifi­ziert worden, weil die Tschechoslowakei den Transit polni­scher Flugzeuge, die zwischen Warschau und Wien verkehren, verboten. Die polnische Presse bringt außerordentlich scharfe Artikel.

Entspannung im englischen Kabinett wegen des Flottenbauprogramms.

❖ London, 20. Juli. Nach Londoner Blättern scheint das Einvernehmen innerhalb des britischen Kabinetts über das Schiffsbauprogramm wiederhergestellt zu sein. „Da i l y Expreß" glarrbt zu wissen, daß einige Kabinettsmitglieder beschlossen hätten, in der Kabinettssitzung anzuregen, daß der Sold der Rekruten der Armee, der Marine und der Luft, schiffahrt um 20 bzw. 15 und 10 Prozent gekürzt werde, wo­durch eine jährliche Ersparnis von vier Millionen Pfund Sterling erzielt würde. Das Kabinett wird eine Entschei- dung darüber treffen, ob es dadurch möglich sein wird, sofort zwei oder drei Kreuzer in Auftrag zu geben. Wie die „Times" berichten, wird die Entschei- dung über die Äre überfrage möglicherweise erst im Laufe der Woche fallen.