Fast hätte die Kunde von dem Heldentod ihres Ältesten die Mutter nisdergsjchmsttert. Der Älteste, aus den der Fortbestand des Hoses und des Geschlechtes gegründet war. Der Einzige, der ihr noch verblieben ! Der letzte ihrer Söhne l And alle drei in einem ")ahr verloren! Fast war es nicht zu tragen. And die alte Frau hat schwer, schwer gelitten, und von Tag zu Tag wurden es der weißen Fäden in ihrem Haar immer mehr. Doch sie hat es überwunden. Sie war eine tapfere Dauernsrau mit einem festen, einem felsenfesten Glauben.
Äls sie sich dann in das Anabwendbare gefunden hatte, machte sie sich aus, ihren Ändres zur letzten Ruhestätte in
die Heimat zu holen. Sie war ja seine Mutter und wollte ihren jungen in der Heimaterde ruhen haben.
And nun liegt der Dauernsoldat neben seinen Brüdern auf unserem Friedhof vor dem Dörfchen draußen. Heimaterde umschließt ihn, der Duft der Heimatseldsr weht über sein Grab, Heimatstimmen wallen mit zartem Hauch darüber- weg, und ein Mutterherz weint und betet über der Ruhestätte. Wenn ich borbeWomme, muß ich den Hut ziehen und feiner gedenken.
Er war ein rechter Dauer, und er war ein rechter Held.
Dorffriedhof s> Don Heinrich Horst.
Das ist jo schön, Daß unser Friedhos vor dem Dorf am Rain Nicht düster träumend und versteckt muß fein, Daß er so leuchtend in der Sonne liegt, Grad wo der Weg ins Dorschen biegt. Das ist so schön.
And alle, die gezogen nach dem Glück, And all, die kehrten spät und müd zurück, Die Pflüget im Feld und die Mäher im Grund, All, die vorbeigehn jedweden Tag und jsde Sfunb, Die denken der Toten und grüßen und beten. And das ist jo schön!
Die Schläfer halten den Atem an And lauschen
And lauschen weiter der Melodie Der Arbeit, die andere schassen als sie, Grad so, wie sie's getan.
Vielleicht, daß grübelnder Menschenverstand Gin handlicher Werkzeug neu erfand And die heimische Scholle besser bestellt, Daß reicher trage das Ackerfeld — Sonst alles wie einst.
Wenn im Frühjahr Aus jungem Grün Die Lerchen steigen And Veilchen blühn, Beginnt der Reigen. Die Gänse führen die junge Stuf Froh schnatternd an des Daches Flut. And Kinder lachen.
Der Schäser treibt die Herde zur Trist, And junge Lämmer blöken und springen, And dann — und dann Kommt klirrend der erste Pflug heran! Die Pserde wiehern, stampfen übermütig. And weiter: einer nach dem andern fährt hinaus. Die jungen Fohlen tragen erstmals 3ügcl und Geschirr. Von allen Ackern schallt es Har und Hott.
Die Märzlust füllt der Duft der frischgebrochnsn Scholle . .. So geht das ganze "Zahr hindurch es weiter.
Dengelhämmer klirren; Senjenstrichs schwirren; Mähmaschinen rattern; Erntewagen rasseln. Sonne scheint;
Regen fließt.
And die Schläfer drüben freuen sich und lauern.
Es waren Bauern.
Es waren Dauern
Mit breiten Schultern und mit starken Nacken, Mit Armen, Fäusten schwer, zum festen Packen. Sonnenverbrannt, Wettsrgefurcht.
Knorrig, eckig, mit Fehlern mancherlei, Wie Menschen sind — doch willensgut und treu. Die Arbeit hieß sie oft zur Erd' sich bücken; Drum ward zuletzt gebeugt ihr starker Rücken, Bis sie dann selbst, als Saatkorn eingelegt,
In Gottes heil'gem Acker ruhn, Der in der Sonne hell am Wegs liegt.
Da ruhn und lauschen sie Noch einet andern Melodie. Die Töne schweben vom Dorf heraus Bei Tag — bei Nacht.
Einzeln, leise;
Im Lhorus, gewaltig. Stimmen der Tiere. Verworrene Laute, unbestimmbare: Jubelnde — frevelnde; Weinende — singende;
Fluchende — betende;
Freude sagende; Wehe klagende; 3ur Arbeit lenkende; Feierabend schenkende; Kinderfrohlocken; Feiertagsglocken.
And einmal im ^ahr, zur Blütezeit, Wenn alles grünt, wenn alles sich freut, Wenn alles nach oben zum Lichte drängt, Den friedlichsten Schläfer das Grab beengt, Dann reckt er sich, daß die Erde sich rührt And jedes Krümchen Leben gebiert: Dann geht ein Tönen ganz wunderbar, So erdenfrsmd und jo himmelsklar. And aus dem Kirchlein mit großem Geleit Sieht dann der Herr der Herrlichkeit Am Friedhof vorbei mit segnender Hand And segnet die Toten, die Enkel, das Land. And die Schläfer drüben frohlocken und lauern. Es waren Dauern.
Es waren Dauern
Mit breiten Schultern und mit starken Nacken, Mit Armen, Fäusten schwer, zum festen Packen. Sonnenverbrannt, Wettergefurcht.
Knorrig, eckig, mit Fehlern mancherlei, Wie Menschen sind, doch willensgut und freu. Off trat das Schicksal ihnen hart entgegen, And beten lernten sie um Gottes Segen. Bis sie der Herr dann selber ausgenommen And sprach: „3f)t freuen Knechte, seid willkommen l Drum freuen sie sich jetzt, weil Gottes Hand Gibt Segen ihren Enkeln, ihrem Land, And ihrer stillen Ruhestatt, Die in der Sonne hell am Wegs liegt.
Das ist jo schön, Daß unser Friedhof vor dem Dorf am Rain Nicht düster träumend und versteckt muß fein, Daß er jo leuchtend in der Sonne liegt, Grad wo der Weg ins Dörfchen biegt, And daß, hat man fein Lebenswerk getan, Dort selig ruhen und erlauschen kann Des Lebens Pulsschlag, der im Enkel schlägt, Wenn Haus und Hof und Feld er jorglich hegt Als echter und als rechter Bauersmann, Daß man im Grab es noch erlauschen kann — Sich das zu denken, das ist schön!--
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