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HersMer Tageblatt

,,.,, kersfel-er Kreisblattt

°LM-!^ Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

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Franz Funk in

Der Bezugspreis betrügt durch die Poli bezogen monatlich 1.— M., ausschllebl. Bestellgeld, für Bersfeld L— Ufo.’bei freier Zustellung,. Abholer —.80 Mb. * Druck^und Verlag Don budmig Funks Buchdruckerel in ßersfeld, (Dltglled des VDZV.

Nr. 162

'Wel.

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Dienstag, den 14. Juli

1925

Das Wichiigste.

— Eine Reutermeldung besagt, daß das R u h r g e b i e I schon einige Wochen vor dem festgesetzten Ter- min geräumt sein werde.

— Das französisch-spanische Marokko- a b k o m m e n ist u n t e r z e i ch n e t worden. Die Frie- densbedingungen für Abd el Krim werden demnächst bekannt- gegeben. Abd el Krim hat eine Offensive gegen Fez angesetzt.

— Im Angerstein-Prozeß hat der Staatsan- walt die Todes st rafe für den Angeklagten bean­tragt.

Der deutsche Zollkrieg mit Polen

Dank den unannehmbaren Forderungen der polnischen Delegation für ein Wirtschafts krieg zwischen Polen und De

Delegation für ein Wirtschaftsabkommen ist der Wirtschafts­krieg zwischen Polen und Deutschland ausgebrochen. Wer noch nach Gründen suchte, um die Schuld Polens an dem Ausbruch des Zollkrieges nachzuweisen, dem gäbe die pol­nische Antwort genügend Anhaltspunkte.

Die Schwierigkeiten eines deutsch-polnischen Wirtschafts- abfomnnens lagen vor allem in der Einfuhr polnischer Kohle nach Deutschland. Es ist hinreichend bekannt und vielfach nachgewiesen, daß der deutsche Kohlenbergbau eine schwere Krise durchumcht und daß die Halden auf den deutschen Zechen bereits ungeheure Dimensionen angenommen haben, ohne daß sich ein genügender Absatz für die deutsche Kohle findet. Die geradezu trostlose Absatzkrise des deutschen Kohlenbergbaues läßt es aber keineswegs zu, daß nach Deutschland auch noch Kohlen eingeführt werden, für die durchaus keine Verwendung vorhanden ist und deren Be­zahlung nur eine schwere Belastung des deutschen Etats bedeuten würde. Dieser Zustand ist Polen genau so gut wie uns bekannt. Wochenlang wurde über diese schwierige Frage zwischen Polen und Deutschland konferiert. Die Polen ver­langten, daß ein großes Kohlenkontingent nach Deutschland imiäiliiiiiiiMiiiibiMia^iMHilMi^^

gegenüber, die Höhe des Kontingents nach Möglichkeit herab- zusetzen. Es bedeutete schon ein großes Entgegenkommen von Deutschland, daß es sich überhaupt auf Verhandlungen über polnische Kohleneinfuhr einließ. Jede Tonne einge­führter Kohle nimmt deutschen Zechenarbeitern die Arbeits- möglichkeit und zwingt deutsche Kohlenzechen zu weiterer Einführung von Feierschichten und Stillegung von Förder- körben.

Hatte ursprünglich Deutschland die Einfuhr eines Koh- lenkontingents von 60 000 Tonnen zugebilligt und später so­gar auf 100 000 Tonnen erhöht, so verlangt Polen in seinen letzten Forderungen trotzdem die Einfuhr eines Kohlen- kontingents von 350 000 Tonnen im Monat. Dieses Kon­tingent würde aber fast der durch den Versailler Vertrag Deutschland aufgezwungenen Kohlenmenge nahekommen. Vor allen: setzt sich diese Forderung rücksichtslos über die Weltkohlenkrise und namentlich die'Krise in der deutschen Kohlenproduktion hinweg.

Nicht minder unvernünftig ist die polnische Forderung auf Einfuhr von lebenden Rindern und Schweinen, an der Deutschland durchaus kein Interesse hat, und schließlich krönt die Unverschmntheit der polnischen Bedingungen die Forde­rung, daß Deutschland auf zolltarifliche Meistbegünstigung

verzichten solle.

Es bedarf keiner Frage, daß Deutschland diese Bedin­gungen ablehnen wird und das um so leichter, als ja nicht wir die Geschädigten sind, sondern allein Polen. Die Einfuhr deutscher Waren nach Polen beträgt nur einen ganz geringen Prozentsatz des Gesamteinfuhrkontingents, während Polen den Ausfall feiner Einfuhr nach Deutschland auf bie Dauer nicht aushalten kann. Schon machen sich in Polen die Wir­kungen des Zollkrieges mit unverkennbarer Deutlichkeit be- mertbar. Aus Warschau liegt die Meldung vor, daß fämt= liche Lebensmittel uhb Kolonialwaren und allerlei deutsche Fabrikerzeugnisse innerhalb von 10 Tagen von 5 auf 20 Prozent gestiegen sind. Kartoffeln stiegen innerhalb einer Woche um 7, Brot um 6, Schweinefleisch um 6 und Fett um 4 Prozent. Die Brotpreisverteuerung betrug in der dann kommenden Woche weitere 6 Prozent.

Die Kohlenhaldenbestände in Oberschlesien sind in stetem Steigen begriffen und haben bereits einen nie dagewesenen Umfang angenommen. Die polnische Verwaltung sieht diesem iftanbe mit größter Besorgnis zu und trifft Vorsichts- maßnahmen, um der Entzündung der Riesenhalden vorzu- beugen. Einige Zechenverwaltungen sind dazu übergegan- gen, die bereitstehenden Eisenbahnwagen mit Kohlen zu füllen und zahlen dafür Tausende von Zloti als Standgeld an die Eisenbahnverwaltung. Die Kohlenpreise im Inland- verkauf sind durch das polnische Kohlenkonsulat von 15 auf 26 Zloty erhöht worden. Schon der kurze Zeitraum seit dem Stocken der polnischen Ausfuhr läßt erkennen, welche großen Schwierigkeiten Polen aus bem Zollkriege mit Deutschland entstehen werden, und wir können mit Ruhe der kommenden Zeit entgegensehen und gemäßigte polnische Forderungen ab­warten, da wir von denn Zollkrieg so gut wie gar nicht be­

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rührt werden.

Unser Hauptaugenmerk wird weiterhin auf den Schutz der deutschen Kohlenproduktion zu richten sein. Jede über- flüssige Einfuhr von Kohle würde die ohnedies schwierige

Lage der Bergarbeiter verschlechtern. Wir entnehmen hierzu dem „Vorwärts" einige sehr vernünftige Zahlen, die mehr für die Gefahren spreche:: als viele Worte. Der Vorwärts nennt das deutsche Angebot einer Einfuhr von 100 000 Ton­nen durchaus nicht kleinlich und rechnet nach, daß zu ihrer Förderung im niederschlesischen Bergbaugebiet 35 000 Berg­arbeiter eine volle Woche arbeiten müssen.

Die Behauptung die von den Polen sehr oft ins Feld geführt wird, daß Deutschland englische Kohle ungehindert in sein Land hineinlasse, ist eine Unterstellung. Demgegen­über weist das eben genannte Blatt nach, daß die Einfuhr englischer Kohle und Koks, die im Januar 1924 noch 624 000 Tonnen betrug, im Juni desselben Jahres schon auf 546 000 Tonnen zurückgegangen war. Im Juni 1925 wurde bereits nur noch eine Einfuhrerlaubnis für 206 000 Tonnen eng­lischer Kohle erteilt.

Wir sind bereits unerfüllbare Forderungen von Polen gewöhnt, und wenn die deutschen Wirtschaftsdelegationen, die in allen Ländern z. Zt. weilen, auch die Lebensbedingungen anderer Länder berücksichtigen — manchmal vielleicht mehr als die eigenen —, so gibt es für Deutschland in der Frage eines deutsch-polnischen Wirtschaftsabkommens kein Nach­geben. Hier ist nur Deutschland der gebende Teil, während der Gegenwert, den wir aus Polen zu erwarten haben, so gering ist, daß wir ihn schließlich, wenn Polen es nicht anders will, missen können. Dr. M.

Räumung der Ruhr vor dem Termin?

ch London, 14. Juli. Der Renterkorrespvudent in Köln hört von maßgebender Seite, daß die Räumung des Ruhrgebietes mehrere Wochen vor dem ange - kü nd i gten Termin beendet fein wird. Er berichtet weiter: Die Behörden in Hattingen, Mitten, Bochum, Gelsen- kirchen und Recklinghaufen sind verständigt worden, daß alle in diesen fünf Städten requirierten Gebäude Ende der Woche freigegeben würden. In Kaiserslautern sind die Stadtbe- Hürden aufgefordert worden, hundert Quarttere für franzö-

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Eine französisch-marokkanische Division, die nach Marokko be- ordert ist, und eine andere französische Division aus dem Ruhrgebiet sind auf dem Wege nach Frankreich. Die Wir­kung der erwähnten Entscheidung wird sein, daß die f r a n - zösischen Kolontaltruppen aus dem Rhein- land so gut wie verschwinden.

Die Räumung Gelsenkirchens.

Eelsenkirchen, 14. Juli. Seit Freitag ist die gegen­wärtig noch etwa 1000 Köpfe starke Besatzung damit beschäf­tigt, Geräte, Waffen und Kleider aus den Schulen fortzu- schaffen. Die ersten Sonderzüge sind in der Richtung nach Frankreich abgefahren. Es dürfte noch eine Woche dauern, ehe das umfangreiche aufgestapelte Material endgültig ver- • laden worden ist.

Baldiger Abtransport der Marokkodivision.

Paris, 14. Juli. Die Blätter bestätigen, daß die marok­kanische Division im Ruhrgebiet ihre Vorbereitungen zum Abrücken trifft. In ungefähr zehn Tagen werden die nötigen Dispositionen getroffen sein. Die Division wird darufhin nach dem Kriegsschauplatz in Mavokka abtransportiert werden und an den Operationen teilnehmen.

Die Einweihung des AbstimmungSdenkmalS in Allenstein.

4- Allenstein, 13. Juli. Bei der Weihe des Grundsteins des AbstimmungSdenkmalS in Allenstein am Sonntag hielt Freiherr von Gayl die Weiherede. Wir bekennen uns heute, so sagte er u. a. feierlichst, zu den: Gedanken, daß das deutsche Volk ein sittliches Recht darauf hat, einen Staat der Deutschen zu bilden, der alle Glieder unseres Volkes umfaßt. Nie und nimmer verzichten wir auf einen deutschen Menschen und einen Fußbreit deutschen Bodens. Mit besonderer Liebe gedenken wir der Volksgenossen am Rhein. Die Erfahrungen mit den deutschen Volksabstimmungen von 1920 sollten die Staatsmänner Europas lehren, daß ihre Versuche zur Be- riedung eines schwer erschütterten Erdteils zum endgüb tigen Zusammenbruch führen müssen, wenn sie weiterhin das ittliche Gebot der Achtung des einen Volkes vor dem Da- einsrecht des anderen außer acht lassen. Voraussetzung für die Rolle, die Deutschland dereinst spielen will und soll, sind heldischer Sinn, innere Geschlossenheit und richtige Em- stellung aller Deutschen zum Staat. Alle drei Voraussetzungen haben wir erfüllt, als die Not unserer Heimat am größten war und als es um die Frage ging: „Deutsch oder polnisch." Dem Geist der Tage von 1920 sei das kommende Denkmal geweiht. Das Land, auf dem wir stehen, so« heiliges Land sein für das Volk der Deutschen. Der Gesang des Deutsch- landliedes folgte der mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede.

In den Grundstein des A b st i m m ^ n g s d c n k- mals wurde folgende Urkunde eingemauert: „Urkunde für den Grundstein des AbstimmungSdenkmalS. Am 11. Juli 1920 haben auf Grund des bem deutschen Volk» rnfgezwum gelten Schaudvertrages von Versailles die Bewohner des

Abstimmungsgebietes Allenstein, bestehend aus den elf Krei­sen: Allenstein Stadt und Land, Rössel, Osterode, Neiden - burg, Ortelsburg, Sensburg, Iohannisburg, Lötzen, Lyck und Oletzko sich mit 363 209 deutschen gegen 7980 polnische Stim­men für den Verbleib beim Deutschen Reiche entschieden. Die Masuren und Ermländer haben damit ein überwältigendes Bekenntnis zum Deutschtum abgelegt. Des zum Gedächtnis ist am fünften Gedenktage der Abstimmung der Grundstein ge­legt worden zu diesem Denkmal, das späteren Geschlechtern künden soll, daß Süd-Ostpreußen deutsch ist und deutsch bleibt für alle Zeit.

Der Ostdeutsche Heimatdienst Allenstein, der die Ab­stimmung im deutschen Sinne vorbereitet und geleitet hat, der die 1046 Heimatvereine im Abstimmungsgebiet ins Leben gerufen und im Masuren- und Ermländerbund zusammen­geschlossen hat, errichtet dieses Denkmal aus Spenden der elf Abstimmungskreise, von Bewohnenr des Abstimmungsgebie­tes und Heimattreuen im Reiche, die den Abstimmungssieg mit erfochten haben.

Allenstein, den 12. Juli 1925.

gez. Dr. Marks, Worgitzki, A. Funk, Berthold, Dieball, Karl Danehl, Ehlert."

Zum deutsch-polnischen Wirtschaftskrieg.

Deutschlands Antwort auf Polens Forderungen.

S-

£ Berlin, 14. Juli. Die polnische Delegation hatte, wie am 9. d. M. mitgeteilt wurde, in ihrer Antwort auf die letzten deutschen Vorschläge zum vor­läufigen deutsch-polnischen ~ abkomm e n ihre schon früher gestellten Forderun­gen, welche deutscherseits als unannehmbar bezeichnet wor­den waren, in vollem Umfange aufrechterhalten.

In seinem Antwortschreiben hat der Vorsitzende der deutschen Delegation erneut darauf hingewiesen, daß man auf deutscher Seite wiederholt den von der Gegenseite geäußerten Wünschen entgegengekommen sei, das letzte An- gevot aver oas Aeutzersie oatfteUe, was vom Standpunkt bei Interessen der deutschen Wirtschaft zugestanden werden könne. Auch der Vorschlag der polnischen Delegation, ein Abkom­men ohne zolltarifliche Me:stbegünstigung zu schließen, welches nur die Anpassung des beiderseitigen Warenaustausches seinem Werte nach bezwecken soll, sei praktisch undurchführbar und würde letzten Endes darauf hinauslaufen, daß die als Kampfmaßnahme ausschließ­lich gegen Deutschland gerichteten polnischen Einfuhrverbote vom 20. Juni aufrechterhalten und mit dem seit einem Jahr­zehnt gegenüber allen Ländern bestehenden deutschen Kohlen - einfuhrverbot gleichgestellt würden. Ein Abkommen in dieser Form könnte auch schon deshalb nicht in Frage kommen, weil für Deutschland die zolltarifliche Meistbegünstigung eine unumgängliche Voraussetzung für jede auch nur provisorische Regelung des Wirtschaftsverkehrs bildet. Bei dieser Sachlage scheine in der Tat, solange die polnische Delegation ihren Standpunkt nicht ändert, eine Einigung nicht möglich.

Gleichzeitig hat aber der Vorsitzende der deutsche Dele­gation erklärt, daß die deutsche Regierung das von ihr gemachte Angebot aufrechterhält und jederzeit be­reit ist, auf dieser Grundlage die Verhandlungen wieder a u f z u n e h m e n. Sie würde auch jede andere Anregung der polnischen Delegation, die eine Möglichkeit für die Anbahnung einer Verständigung bieten könnte, einer sorgfältigen und ernsthaften Prüfung unterziehen, um die von der deutschen Regierung lebhaft beklagte Unterbrechung des Wirtschaftsverkehrs zwischen beiden Ländern so rasch als möglich zu beseitigen.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im ZeitungSgewerbe.

^ Königsberg, 14. Juli. Die Frage der wirtschaftlichen Lage des Zeit u n g sg c w e r des fand auf der Haupt- verfammiung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Königsberg eine ausgiebige gründliche Durchberatung. Die Erörterung der Schwierigkeiten, die auch für die Leitun­gen seit Monaten bestehen und sich immer ernster gestalten, fand ihren Niederschlag in folgender Entschließung: Die Lage der deutschen Zeitungen hat sich seit der Inflations­zeit. in der die Presse unmittelbar vor dem Zusammenbruch stand, und nach einem allzu kurzen Zeitabschnitt stabiler Verhältnisse, seit dem Herbst vergangenen Jah­res von Monat zu Monat verschlechtert. Die seit diesem Zeitpunkt andauernd gestiegenen Herstellungs­kosten der Zeitungen, besonders die stetige Erhöhung der Preise aller Materialien, der Löhne und Gehälter haben schon jetzt bei dem überwiegenden Teil der Zeitungen die Erträg­nisse in so weitgehendem Mäße ungünstig gestaltet, daß bei ihnen die Wirtschaftlichkeit des Unterneh­mens in Frage gestellt ist. Diese Erscheinung, im Zusammenhänge mit der ernsten Lage der deutschen Gesamt­wirtschaft, die sich u. a. in einer zunehmenden Verknappung des Kapitals und einer Versteifung des Kredits ausdrückt. stellt auch die Zeitungsverleger vor die ernste Aufgabe, im Interesse der Erhaltung einer gesunden deutschen Presse aus höchstmögliche Steigerung der Wirtschaftlich» kett der Verlage bedacht zu sein, im Gegensatz zu «Sch