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Hersfelöer Tageblatt

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hersfel-er Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den kreis yersfelö

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Nr. 157

Mittwoch, den S. Juli

1925

Das Wichtigste.

— In d en Kreisen der Reichsregierung be­steht die Hoffnung, daß die Antwort Deutsch- l a n d s noch bis M i t t e d i e f, e s Monats erfolgt und im Reichstag noch vor Ferienbeginn zur Debatte steht.

— Ein Begleiter des Reichskanzlers Dr. Luther, der mit dem Kanzler auf dem Flug von Wyk auf Führ nach Berlin in Hamburg landete, gab in einem Interview Aufschlüsse über die Stellung der Reichsregie- rung zur Luftfahrtnote.

— Die Lage in Marokko ist äußerst ernst. Die Städte Taza, Fez und Tanger sind von den Marok­kanern bedroht. . . '

Ll. ©. A. und wir

Von Dr. Konrad Döring.

Die beim Empfang des neuen Botschafters der Ver­einigten Staaten, S ch u r m a n, gewechselten Ansprachen waren vom Geiste gegenseitiger freundschaftlicher Empfin­dungen getragen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß in den letzten Jahren ein anderer Wind von Washington her weht, ob aber die Stimmung des gesamten Volkes in der Union uns gegenüber eine so wesentlich bessere geworden ist, bleibt zu untersuchen.

Die Vereinigten Staaten sind einst aus materiellen, mili­tärischen und ideellen Beweggründen gegen uns zu Felde ge­zogen getreu dem gesamten Nationalcharakter der Aankees. Die materiellen Gründe wurzelten in der Befürchtung der amerikanischen Finanz- und Jndustriekreise, daß die Entente im Falle eines Sieges der Mittelmächte Amerika gegenüber auf lange Zeit zahlungsunfähig bleiben würde. Die mili­tärischen Gründe hingen mit der richtigen Anschauung zu­sammen, daß sich der Union nie wieder eine so günstige Ge­legenheit bieten würde, unbehindert von eine^.europäischen «WWlMWWOWHWWMbsMWWß gewaltige Rüstung zur VerwWW gung und zum Angriff zu schmieden. Die ideellen Motive ruhten in den völlig falschen Vorstellungen, die sich der Durchschnittsamerikaner von Deutschland machte. Unzählige sonst ganz brave und vernünftige Leute drüben bildeten sich allen Ernstes ein, daß die amerikanische Beteiligung am Welt­kriege diesen zu einer Art Kreuzzug gestalte, der Europa und mit ihm das von den Hohenzollern geknechtete deutsche Volk von der Herrschaft des preußischen Militarismus befreien würde. Auch heute noch ist die Wissenschaft der meisten Amerikaner über Deutschland sehr gering. Zwar weiß man jetzt schon, daß Oberschlesien keine russische Provinz ist, aber ob es eine Stadt in Ungarn oder ein Bestandteil von Ostvreußen ist, bleibt vielen Leuten drüben heute noch unklar.

Die große Masse drüben steht, soweit sie nicht aus deut-

■ schein Blut erster oder zweiter Generation stammt, dem Deutschen Reich höchstens gleichgültig gegenüber. Der Un­sinn der Hunnengreuel ist drüben in der breiten Masse noch keineswegs ausgerottet, dafür sorgt schon ein gut finan­zierter, von Frankreich beeinflußter Propagandadienst, der in der Presse und Kino noch reichlich Einfluß besitzt.

Ein gewisser Umschwung zu unseren Gunsten scheint aber in der amerikanischen Finanzwelt eingetreten zu sein. Die Union braucht Länder, die für Anlage- und Produktions- kvedite aufnahmefähig sind, d. h. die das von Uncle Sam ge­borgte Geld so anlegen, daß diesem die Zinsen pünktlich zu- fließen. Die „Siegerstaaten" sind dem Banker hierfür nicht recht vertrauenswürdig. Er befürchtet, daß sie seine Dollars schleunigst für Luftflottenrüstungen und sonstige militärisch- imperialistische Zwecke verpulvern. Deutschland hat aver den Dawesplan angenommen, der gewissermaßen unter dem Sternenbanner segelt. Er sucht die darin übernommenen furchtbaren Opfer getreulich zu bringen, zeigt also den Ame- rikanern guten Willen zur Ausführung eines weltwirtschaft­lichen Programms.

Aus dem der sportlichen Einstellung des Amerikaners entstammenden Gefühl für fair play — anständiges Spiel — wendet sich die Sympathie wieder dein unterdrückten, betroge­nen deutschen Volke zu. Je mehr Amerikaner nach Europa lammen und Gelegenheit haben, sich vom Gegenteil der fran­zösischen Propagandalügen zu überzeugen, desto günstiger wird die Stimmung für uns. Von deutscher Seite müßte mehr für die Aufklärung der öffentlichen Meinung drüben in einer Form geschehen, wie sie den Bankers mundgerecht ist. Mit allen Mitteln aber muß es verhindert werden, daß politische Dilettanten aus Deutschland sich drüben lächerlich machen. Unterbleiben derartige Dummheiten, so wird die Zeit drüben noch wirksamer als jetzt für uns weiterarbeiten.

Die deutsche Antwort aus die Sicherheitsnote Mttte Zuli?

❖ Berlin, 8. Juli. Obwohl der Reichskanzler und der Reichsaußenminister in Berlin wieder eingetroffen sind, ist «ine Kabinettssitzung, entgegen anderslautenden Nachrichten, bisher noch nicht angesetzt worden. 3» der Sitzung des Aeltestenrates wird der Reichskanzler voraussichtlich wichtige Erklärungen abgeben, von denen man annimmt, dass sie hin­sichtlich der deutschen Antwort auf die Sicherheitsnote

Briands sowie hinsichtlich des Zeitpunktes einer außenpoliti- schen Debatte im Reichstag Klarheit schaffen wird. In der. Sitzung des Aeltestenrates wird auch der weitere Arbeitsplan des Reichstages festgekegt werden. Zu gleicher Zeit tritt der Auswärtige Ausschuß des Reichstages zusammen. Die deutsche Antwort auf die französische Note erwar­tet man für Mitte dieses Monats, einem Zeit­punkt, an dem der Reichstag noch zusammen sein wird, um gegebenenfalls noch vor den Ferien in die außenpolitische DÄatte einzutreten.

Der Gicherheitspaki vor dem englischen Oberhaus.

Eine Regierungserklärung Lord Balfours.

£ London, 8. Juli. In der Oberhaussitzung ersuchte Asquith die Regierung um Aufklärung über die Stand­punkte der europäischen Mächte in der Frage der dauernden Sicherung des Friedens. Seiner Ansicht nach seien für einen wirksamen Sicherheitsvertrag folgende Vorbedingungen not­wendig: Deutschland müsse dem Völkerbund beitreten. Der Sicherheitspakt müsse das Ansehen des Völkerbundes nicht vermindern sondern vermehren.. Der Pakt müsse ferner auf breiter Grundlage abgeschlossen werden. Er müsse auch zugeben, daß Großbritannien in der Frage der Ostgrenzen und in der des Rheinlandes von verschiedenen Gesichts­punkten ausgehen müsse, doch sei es äußerst schwierig, den Osten vom Westen zu trennen. Er könne nur hoffen, daß eine Form gefunden werden möge, in der der Sicherheits- vertvag ein Teil des allgemeinen europäischen Gesetzes wer­den könne. Lord Haldane meinte, daß die Sicherheits- vorschläge zu begrüßen seien, jedoch wären die eigentlichen Verhandlungen noch nicht ausgenommen worden, und ein Vertrag könne nur nach sehr gründlicher Aussprache abge­schlossen werden. Die Meinung G r e y s ging dahin, daß der Beginn der Verhandlungen ausschließlich von der Ant- abhange. Es sei kaum zu viel gesagt, daß die Zukunft Europas von dem Ausgangs der Verhandlungen abhänge.

Das Ansehen der europäischen Zivilisation sei seit dem Weltkriege in einem Maße zurückgegangen, wie das selbst vor über 100 Ihren nicht der Fall gewesen sei. Ein Erfolg der Paktvorschlge würde der Methode der Sonder- und Gruppeubündnisse ein Ende machen. Großbritannien muffe die Verpfluhtungen die es übernehmen werde, sehr sorgfältig prüfen. Er hoffe, daß es die Grundsätze der Schiedsgerichts- barkeit annehmen werde. Der Sicherheitsvertrag habe zur Aufgabe, das gegenseitige Mißtrauen in Europa durch Ver­trauen und guten Willen zu ersetzen. Lord Balfour dankte im Namen der Regierung für die Unterstützung der Regierungspolitik. Besonders wichtig sei es, daß diese Politik von Männern unterstützt werde, deren Namen nicht nur in England, sondern auch in der ganzen Welt von Ge­wicht seien. Auf die Frage, wieweit ein Uebereinkommen mit Deutschland den Grundsatz für Schiedsgerichtsbarkeit um- fassen werde, erwiderte Balfour, daß es keine Frage zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien, Polen und Großbritannien gebe, die nicht der Schiedsgerichtsbarkeit unterliege. Wenn man von diesem Grundsatz abweichen wollte, so würde zweifellos in dem einen oder anderen Falle ein Krieg ent- stehen. Falls eine Partei die schiedsgerichtliche Lösung zu- rückweise und zur Gewalt greife, so werden die übrigen Parteien verpflichtet, den Angegriffenen mit allen Kräften zu verteidigen. Die Verpflichtungen Großbritanniens Deuschland und Polen gegenüber würden unberührt bleiben, wenn sie nicht durch besondere Umstände in Bahnen gelenkt würden wie die für die Westgrencen übernommenen Ver­pflichtungen. Deutschland habe entschieden mit seinen Vor­schlägen einen ungemein wichtigen Schritt getan, doch sollten web« Deutschland noch die Verbündeten vergessen, daß es auch jetzt von Deutschland abhänge, die Vorschläge zur Aus­führung zu bringen. Sollte heute eine der in die Vorschläge einbegriffenen Parteien aus unangebrachten Zweifeln zurück, treten, so würde das die Welt in den Grundfesten erschüttern und das größte Unglück herbeiführen.

Wir wünschen nichts, was die Lage Deutschlands un­günstig beeinflussen könnte, nichts, wogegen der deutsche Nationalstolz oder die deutsche Politik sich wenden mußte, und ich hoffe daher zuversichtlich, daß die Borschläge, welche wir, nachdem Deutschland die Initiative ergriffen hat, ge­macht haben, schließlich von der deutschen Politik angenom­men werden. Wenn infolge unzeitgemäßen Zögerns oder Zwei sein s aus irgendeinem andern Grunde irgendeine der in Frage kommenden Parteien, die an diesem Sicherheitspakt teilnehinen sollen, jetzt zurücktreten würde, so stimme ich mu Lord Grey darin. «Herein, daß ein schlimmerer Schlag gegen das Glück und die Wohlfahrt der Menschen nicht geführt werden könnte. Ich kann nicht glauben, baß irgendwelche Staatsmänner diese gewaltige Verantwortung auf sich neh­men wollen. Es scheint, daß wir Laiid in Sicht haben. Ich weiß, daß, wenn ich diese Hoffnung zum Ausdruck bringe und es gibt mir große Befriedigung, so zu denken —, die bri- tische Regierung die wärmste Sympathie aller jener haben wird, die in diesem Hause gesprochen haben, und ich glaube, daß sie nicht allein die Parteien, für die sie sprachen, sondern daß sie den besten politischen Gedanken unseres Landes ver­treten und wünschen, daß die Bemühungen der Regierung

für eine Sache, die nicht die Angelegenheit einer.einzelnen Partei noch eines einzelnen Landes, sondern der Ziviftsation an sich ist, von dem größten Erfolge gekrönt werden» _____

Sprachen- und Schicksalsgemeinschaft.

Eine Rede Dr. Hellpachs in Zürich.

4- Zürich, 8. Juli. Der Badische Staatspräsident Unter- richtsminister Dr. Hellpach sprach am Montag abend in der Aula der Universität Zürich. Der Vortragende schilderte kurz die Etappen, in denen der Bau des alten Europa immer brüchiger geworden sei bis zum Zusammenbruch 1917—1918, betrachtete die Kräfte, welche die Landkarte hauptsächlich ge­staltet hatten, und wies darauf hin, daß nur in der Neubildung der inneren Staatsform diese Kräfte Eigenkräfte der betref­fenden Völker gewesen seien. Dagegen sei die äußere Staats­gestalt, die Grenze fast durchgehends für ftemdes Diktat den Völkern auferlegt worden. Der Redner beleuchtete die völ­kische Rassentheorie und stellte fest, daß es im heutigen Europa keine Nation von einheitlicher Abstammung und einheitlicher Rasse gebe. Vielmehr sei das Deutschtum Sprachgemeinschaft oder Schicksalsgemeinschaft.

Sodann schilderte der Redner die Wesenszüge des ger­manischen Staates und der germanischen Demokratie über­haupt. DiedeutscheDemokratiehabedieüber» nationale Aufgabe der Einigung Europas. Nach seiner Auffassung wird es ohne vorherige Schaffung eines großdeutschen Kernstaates kein Pan-Europa, sonderneinenPan-Balkanin Europa geben, denn der österreichische Staat sei lebensunfähig und brauche, um leben zu können, Anschluß. Der einzig realpolitische Anschluß Oesterreichs sei der Anschluß an das Deutsche Reich.

Hieran knüpfte der Vortragende mit Betonung die folgenden Sätze: Hat man diese realpolitische Einsicht gewon­nen, so ergibt sich aus ihr ein zwingender Schluß auf die

Protesten und Resolutionen fallen die Mauern der Wider­stände nicht, das sind Biedermeierillusionen. So bleibt uns nur unendlich geduldige diplomatische und publizistische Klein- arbeit in der Ueberwindung, Ueberzeugung, Werbung und Ge­

winnung widerstrebender Interessen und Auffassungen. Aber diese ganze Kleinarbeit wird übers einstige Großdeutschland hinaus dem einstigen Gesamteuropa mit zugute kommen.

Deutschland und Oesterreich zwei Staaten, aber nur ein Volk.

GesellschaftsabenddesOesterreichisch-Deutschen Volksbundes.

4- Berlin, 8. Juli. Der Oesterreichs -Deutsche Volks­bund hafte heute aus Anlaß des Amtsantritts des neuen österreichischen Gesandten in Berlin, Vizekanzler a. D. Dr. Frank, zu einem geselligen Beisammensein eingeladen. Der Vorsitzende des Oesterreichisch - Deutschen Volksbundes, Reichstagspräsident L ö b e, wies in einer Ansprache darauf hin, daß der neue Gesandte Dr. Frank in Berlin kein Fremder sei. Er hatte sich bereits als Führer der Großdeutschen Partei in Oesterreich überall einen politischen Namen geschaffen. Der neue österreichische Gesandte wäre ebenso wie sein Vorgänger ein überzeugter Anhänger des Anschlußgedankens. Auch sein Ziel wäre die Zusammenfassung der beiden deutschen Stämme zu einer großen staatlichen Einheit. Exzellenz Frank dankte darauf für den außerordentlich herzlichen Empfang, der ihm in Berlin bereitet worden sei. Deutschland und Oesterreich wären zwei Staaten, aber nur ein Volk. Der Gesandte schil­derte das schwere Schicksal Deutschlands in den letzten Jahren und die Wege, die Oesterreich zu gehen gezwungen war. Er betonte, daß das Verständnis für die gegenseitigen politischen Notwendigkeiten bei den beiden deutschen Bruderstämmen vor­handen seien. Ein deutschfeindliches Oesterreich wäre un­denkbar. Ueber der sich allmählich anbahnenden Wirffchasts- gemeinschaft zwischen Deutschland und Oesterreich stehe die K u l t u r g eme i n s ch a ft, die im lebenben Bewußtsein beider Stämme verankert fei. Es gäbe keine ausgesprochen österreichische Kultur, die losgelöst von der großen deutschen Kultur bestehe. Gegenwärtig wäre es die Aufgabe, die ge­meinsamen Bande zwischen Oesterreich und Deutschland weiter zu vertiefen und zu vergeistigen. Er sei glücklich, die in dieser Richtung begonnene "Arbeit seines Vorgängers weiter fortsetzen zu können.

Deutschland und Rußland.

$ Moskau, 8. Juli. Während eines vorübergehenden Aufenthaltes in Leningrad erklärte der russische Botschafter in Berlin, K r e st i n s k i, man habe allen Grund, der Entwicklung d«s den tsch - r u sf i sche n Hände l s optimisttschirr (risse aft<Meuzus«hen. Die bevorstehende Getreideausfuhr wer« -en Warenumsatz erheblich steigern und den Umfang der Vareuein ftihr um ein vielfaches erweitern. Für die St» dchr aus Deutschland kämen Gebrauchsartikel und Bank vrrtschastsbedarf in Betracht. Der Ausbau der wirtschaft» 'ichen Brechungen Hänge in vielem von dem günstigen Au», «eng der deutsch-russischen Hanüelsvertragsverharrdluugenab.