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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 153

Freitag, den 3. Juli

1925

f Klarlegung der deutschen Außenpolitik.

£ Berlin, 3. Juli. Wie wir von volksparteilicher Seite erfahren, wird die Fraktion der Partei sehr bald eine Jnter- pellation zur auswärtigen Politik einbringen, die dem Reichsaußenminister Gelegenheit geben soll, seine Ansicht überdenSicherheitspaktvor dem

In- und Auslande darzulegen. Hiermit soll einmal eine Klärung 6 ex parlamenckrisichen Lage erreicht und ferner dem Ausland erneut Gelegenheit gegeben werben, sich von den ernsten Bestrebungen der Reichsregierung zum Abschluß eines Sicherheitspaktes auf paritätischer Grundlage zu überzeuge«.

Neue deutsch-spanische Verhandlungen.

£ Berlin, 3. Juli. Nach der am 21 v. M. erfolgten Ratifikation des deutsch-spanischen Handelsvertrages ist die Reichsregierung, entsprechend ihren bei der Beratung des Vertrages im Reichstag abgegebenen Erklärungen, an die spanische Regierung herangetreten, um sofort neue Ver­handlungen über die Abänderung der im Reichstage beanstandeten Bestimmungen einzuleiten. Die spanische Regierung hat sich zu Verhand­lungen bereit erklärt. Die deutsche Delegation, die aus Ver­tretern der beteiligten Ministerien besteht, ist Donnerstag mittag unter Führung des früheren bayerischen Minister­präsidenten Grafen Lerchenfeld-Köfering nach Ma­drid abgereist. Einige Vertreter des Weinbaus und des Weinhandels schließen sich ihr als Sachverständige an.

Überreichung der französischen Gegenvorschläge an Trendelenburg.

■£ Paris, 3. Juli. Die französische Preffe lenkt, soweit sie sich mit den deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen beschäftigt, sichtlich ein. „M a t i n" bestätigt, daß Lhaumet am Donnerstag swrwutiBWWuS«^ überreicht hat. Die Antwort der deutschen Abordnung wird noch vor Ablauf einer Woche erwartet.

Polens Schikane gegen Danzig.

Das polnische Einfuhrverbot.

^ Danzig, 3. Juli. Zur Fortführung der Verhandlun- gen über die Verteilung der Zolleinnahmen stoischen der Freien Stadt Danzig und der Republik Polen und über die Frage der Ausfuhrzölle ist eine polnische Delegation aus Warschau eingetrosfen, die vom Präsidenten Dr. Rasinski geführt wird. Von Danziger Seite werden die Verhandlun­gen von den Senatoren Dr. Volkmann und Dr. Frank geleitet. Ueber beide Berhandlungspunkte haben längere Sitzungen stattgefunden.

Im Zusammenhang mit der Verordnung der polnischen Regierung vom 17. Juni über das Einfuhrverbot von Waren aus Deutschland hat der Senat der Freien Stadt Danzig am 26. Juni eine Note an die polnische Regierung gerichtet, die der Regierung der Republik Polen verschiedene Vor- würfe macht und diejenigen Maßnahmen zur Kenntnis bringt, die der Senat im Zusamenhang mit dieser Verord­nung seinerseits getroffen hat. Darauf hat Minister Straß- bürger dem Präsidenteil des Senats eine Note übermit­telt, die erklärt, daß die Verordnung des Ministerrats vom 17. Juni auf Grund des Gesetzes vom 31. Juli 1924 über die Regelung der Zollverhältnisse erlassen wurde, das auf dem Gebiete der Freien Stadt Danzig Geltung habe. Die Verordnung vom 17. Juni ist somit gleichzeitig auf dem Ge­biete der Freien Stadt ^Danzig in Kraft getreten, und ihre Bestimmungen sind für die Danziger Behörden bindend.

Die „Danziger Neuesten Nachrichten" er­klären hierzu: Polen hat durch das Ausfuhrverbot gegen be- stimmte deutsche Waren Einfuhrbeschränkungen vorgenom- men, ohne sie, wie es verpflichtet war, „Danzig vor ihrer Verlautbarung zur Erklärung mitzuteilen". Danzig ijt be­rechtigt, innerhalb von 20 Tagen der Republik mitzuteilen, wiche Waren auf Kontingentscheine trotz, dieser Einfuhrver­bote für den Danziger Eigenbedarf eingeführt werden dürfen. Pol«: ist verpflichtet, die angegebenen Höchstmengen als bin­dend anzusehen. Diesen Bestimmungen hat der Senat durch Ueberreichung der Kontingentliste und durch Uebersendung einer Begleitnote an die polnische Regierung entsprochen.

Dir Zollfrage vor dem Handelspolitischen Ausschuß.

Keine Opposition der Demokraten.

£ Berlin, 3. Juli. Im handelspolitischen Ausschuß des I Reichstages wurde am Donnerstag die Generaldebatte über iden Zolltarif fortgesetzt. Der Abg. Korell (Dem.) er- I klärte, daß der demokratischen Fraktion von einem Kompro- ’ miß über die Vorlage nichts bekannt sei. Sie werde ihre endgültige Stellungnahme von dem Maße der Verbesserung abhängig machen, das sie durch ihre sachliche Mtarbeit er- reichen wolle. Von einer grundsätzlichen Oppo­sition gegen die Vorlage wisse sich seine Fraktion frei

WirtschaftSkatastrophe im Ruhrbergbau.

Ueberall Sillegung der Zechen.

- Köln, 3. Juli. In dem Bezirk Dortmund-Hörde hat sich die Wirtschaftskrise verschärft. Auf der Zeche „Admi­ral" werden 350 Mann, b. h. die Hälfte der Belegschaft, entlassen. Davon haben 50 Mann auf der Zeche „Gottes­segen" neue Arbeit gefunden. „Admiral" dürfte in kurzer Zeit völlig stillgelegt werden. Auf den Zechen „Freier Vogel" und „Unverhofft", die am 1. Juli stillgelegt werden sollte«, ist die Kündigung zurückgezogen worden. 550 Mann haben jetzt zum 15. Juli die Kündi­gung erhalten. Auf den Zechen „S ch ü r b a n k", E h a r» lottenburg" und „Wiendahlsbank" wird das Be- triebsmaterial abmontiert, so daß diese Betriebe in abseh­barer Zeit nicht wieder in Gang kommen dürfen. Auf dem Duisburger Schacht III und IV der Zeche „Westend" wurde zum 15. Juli 70 Bergleuten gekündigt.

12 Prozent Mindestaufwertung für Sparguthaben.

Aus dem Aufwertungsausschuß des Reichstages.

$ Berlin, 3. Juli. Der Aufwertungsausschuß des Reichstages setzte am Donnerstag die zweite Lesung des Gesetzentwurfes über die Aufwertung von Hypotheken und sonstigen Ansprüchen beim Kapital Auf­wertung von Sparguthaben fort. Der Beratung liegt die Kompromißvorlage der hinter der Regierung stehenden Parteien wie die Regierungsvorlage selbst zugrunde. Vor­sitzender Abgordneter Philipp (Dut.) weist darauf hin, daß, wenn die Sparkassen die Möglichkeit hätten, durch ihre Earantieverbände gegebenenfalls den Aufwertungssatz zu erhöhen, eine Möglichkeit, die ihnen nach dem Gesetz gegeben sei, die aber die Genossenschaften nicht haben, so würde das eine schwere Konkurrenz für die Genossenschaften^bedeuten. teit “offen sich nicht über rung würde sich zu gegebener Zeit mit den Ländern des­wegen in Verbindung setzen. Dann wird die Kompromiß- vorlage zu dem Kapitel angenommen. Danach sollen die Sparguthaben mindestens um zwölf Prozent aufgewertet werden.

Professor Junkers zur Luftfahrtnote der Botschafterkonferenz.

£ Berlin, 3. Juli. Professor Junkers, der Direktor der bekannten Junkerswerke, die mit ihren Flugzeugen den Luftverkehr in Deutschland nach allen Richtungen hin aus­genommen haben und das größte Verdienst um die Hebung der deutschen Luftfahrt sich zuschreiben dürfen, macht zu der Luftfahrtnote der Botschafterkonferenz folgende Mitteilungen:

Ich bin mit allen Sachverständigen darin einig, daß die sogenannten Erleichterungen eine Verschlechterung der uns durch das Londoner Ultimatum aufgezwungenen Begriffs­bestimmungen darstellen. Die deutsche Regierung hatte ent­sprechend dem technischen Fortschritte der Luftfahrzeuge eine verbessernde Veränderung dieses Luftfahrtdiktats gemäß den diesbezüglichen Zusagen der Entente gefordert. Wenn jetzt als Antwort auf diese Forderung neue, in' ihrer Wirkung einschränkende Bestimmungen vorgeschlagen werden, liegt für die deutsche Regierung keinerlei Veranlassung vor, in eine Diskussion über diese vollkommen unbefriedigende Ver- Handlungsgrundlage zu treten. Diese Note ist ein neues trauriges Dokument, wie weit die Welt noch entfernt ist von dem Wege, der allein zu dem allgemein ersehnten Wieder­aufbau führen kann, da durch Zwang und Gewalt etwas er- reicht werden soll, was, wie die Geschichte und insbesondere die Folgen des letzten verheerenden Krieges selbst lehren, nicht mit solchen Mitteln erreicht werden kann. Warten wir ab und lassen die Tatsachen arbeiten, bis sich die Ansicht derjenigen durchsetzt, die erkennen, daß solche Bestimmungen zu ihrem eigenen 'Schaden ausschlagen. Daß dieser Schaden schließlich die Erkenntnis bringen wird, steht fest. Hoffent­lich bringt er sie bald.

Immer noch Verhandlungen über eine Amnestie.

^ Berlin, 3. Juli. Die Verhandlungen über eine Am­nestie sind im Reiche noch nicht abgeschlossen, da endgültige Vereinbarungen mit den einzelnen Parteien noch mich zu- stande gekommen sind. Infolgedessen haben auch die Länder zu dieser Frage noch nicht endgültig Stellung nehmen können.

Die Plädoyers im Moskauer Studentenprozeß.

£ Moskau, 4. Juli. Der Verteidiger Duchowskoi bittet um die Enthebung von seinen Pflichten als Verteidiger, da Kindermann mit ihm im Verlaufe des Prozesses keinerlei Kontakt hinsichtlich der Fragen der Führung des Prozesses aufrechterhalten habe. Das Gericht gibt dem Ersuchen statt. In dem Plädoyer des Verteidigers von Ditmar tritt dieser dafür ein. den Angeklagten nicht die ganze Härte des Ge­setzes fühlen zu lassen, obwohl der Tatbestand des § 61 ein­

wandfrei als erfüllt zu betrachten sei. Der Verteidiger bittet, zu berücksichtigen, daß die bisherige Umgebung Ditmars die Schuld trägt, daß er in die Terrorexpedition hereingezogen worden ist. Der Verteidiger weist den Vorwurf zurück, daß Ditmar Verrat an feinen Kameraden geübt habe, da durch die Verhandlungen festgestellt worden sei, daß die Aussagen Kindermanns den Aussagen Ditmars vorausgegangen seien. Der Verteidiger zitiert das Wort Trotzkis, daß der Terror gegenüber der aufsteigenden Klasse machtlos sei, und diese daher gegenüber ihren Feinden Nachsicht üben könne.

Aus dem Tagebuch eines Größenwahnfinnigen.

Der polnische Staatspräsident über die P o mmer el l en frage.

^ Graudenz, 3. Juli. Während eines Banketts in Graudenz hielt der polnische Staatspräsident Wojciechow- ski eine Rede, in der er u. a. darauf hinwies, daß er den Rckden der Vertreter der Bevölkerung Befürchtungen über eine etwaige Revision polnischer Grenzen entnommen habe. Die Bevölkerung Pommerellens könne auf Polen rechnen, denn die Pommerellenfrage sei gleichzeitig, auch eine polnische Frage. Es gebe keine polnische Regierung, keinen Sejm und Staatspräsidenten, die es gestatten würden, daß Vertreter Polens an einem Tisch Platz nehmen, wo über die Revision polnischer Grenzen beraten werden würde. Dies sei nicht allein seine persönliche Ueberzeugung, sondern diejenige ganz Polens. Die unglücklichen Momente in der Geschichte Pom- merellens, da Polen der Frage der Meeresküste nicht gebüh- rend einschätzte, würden nicht mehr wiederholt werden. Jeder, der in die Zukunft schaue, zweifele nicht daran, daß Pomme- rellen für immer einen integrierenden Teil Polens bilde. Wie ein Mann würden alle Polen zur Verteidigung der Unver­sehrtheit der polnischen Republik und der Zugehörigkeit P»m- merelleus zu Polen aufstehen. . v - ------- „

Tschitscherin über die englisch-russischen

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Rußland warnt England.

£ Moskau, 3. Juli. Tschitfcherin, der russische Kommissar für das Auswärtige, erklärte einem Vertreter in einer Unterredung- die Hetze eines Teiles der englischen Presse und sonstiger ausländischer Blätter gegen Sowjetrußland aus Anlaß der Ereignisse in China sei nunmehr beinahe offiziell durch die Rede des Staatssekretärs für Indien, Lord Brr - kenhead, gutgcheißen worden. Diese Rede sei insofern ungewöhnlich, als in ihr zum Ausdruck komme, daß ein Mit- glied der Regierung, welche normale Beziehungen zur S^w- jetreg-ierung unterhalte, den Abbruch der diplomatischen Be- ziehungen anstrebe und auf diese Weise auf einen unfreund­lichen Akt hinarbeite, dessen letzte Konsequenz nur der Krieg sein würde. Die Gesinnungsgenossen des Lord Birkenhead suchten nach dem Anlaß für einen Konflikt, der unübersehbar schwere Folgen haben könnte. Dies finde in einem Augen- blicke statt, in welchem in England eine allgemeine politische Spannung, eine Judustriekrise uird steigende Arbeitslosigkeit herrsche, während sich zu gleicher Zeit der wirtschaftliche Auf­schwung der Sowjetunion bemerkbar mache, deren Außen- Haitdel' und namentlich deren Einfuhr im raschen Steigen be­griffen sei. Tschitscherin weist alle gegen die Sowjetregierung im Zusammenhang mit den Ereignissen in China erhobenen Beschuldigungen scharf zurück. Die Regierung und die öffent- liche Meinung der Sowjetunion hielten die Schaffung eines zentralisierten, demokratischen und von allen fremden Ein­griffen befreiten China für die beste Lösung des chinesischen Problems. Die Sympathie für diese Kampfziele des chine­sischen Volkes stelle keinesfalls eine Einmischung in die inne­ren AngeHgenheiten Chinas dar. Zum Unterschiede von an­deren Machten denke die Sowjetunion nicht daran, durch Ausspielung irgendeiner chinesischen Parteigruppe gegen eine andere den Bürgerkrieg zu fördern, vielmehr sei die Sow- jetregierung der Ansicht, daß nur das chinesische Volk über China verfügen dürfe. Die gegenwärtige englische Regierung sei einzig und allein für das Scheitern der russisch-englischen Verständigung verantwortlich. Die Sowjetregierung sei nach wie vor bereit, sich mit jedem Staat zur Konsolidierung des Welffriedens zu verständigen.

Die Marokkokpnferenz in Madrid.

- Madrid, 3. Juli. Bei seiner Ankunft in der Haupt­stadt erklärte P r i m o d e R i v e r a, der Schlüssel zur Lö­sung der Marokkofrage liege gegenwärtig in Madrid; er werde deshalb so lange dort bleiben, bis die Entschlüsse der Konferenz hinreichend gefördert seien, um beanentfpredjenb zu handeln., Der französische Unterhändler Malv y, der sich in Aladrid anflfält, brächte die Instruktionen der fran­zösischen Regierung. Er ist sofort von Prinw be Rivera empfangen worden. Die Bestimmungen zur Ucberwachung der marottanifd)en Küste werden radiotelegraphisch den see- fahrttreibenden Mächten bekanntgegeben.

Chamberlain teilte im englischen Unterhause mit, daß die britische Regierung von SsM. ien aufgefordert wor­den sei, sich an den Blockademaßnahinen in „gewissen terri­torialen Gewässern" zu beteiligen. Die Regierung werde den Vorschlag in Erwägung ziehe«.