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^ersfel-ee Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt" [

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfels I

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Nr. 144

Dienstag, den 23. Juni

1925

Das Wichtigste.

-Der Konfffft im französischen ßt n f s kartell hat zu einem offenen Bruch geführt. Die neue Gruppe der Sozialistenpartei erklärte ihre Gegnerschaft gegen das Kabinett PainlevL

Am Diensi

>tag und Mittwoch dieser Woche findet Unterhaus die Aussprache cherheitspakt statt. Chamberlair wird seinen Standpunkt darb Ramsey MacDonald das

im englisch über den Si

en

als erster Redner wird

wieweit die Bewegungsfreiheit der deutschen Politik in Fesseln geschlagen werden soll. Uebrigens hat die Lage sich noch dadurch wesentlich verändert, daß der Jnvestigations- beschluß (Unters uchungsbeschluß) des Völkerbundes über den Artikel 213 des Versailler Vertrages hinaus eine Verewigung der Militärkontrolle über Gesamtdeutschland mit ständigen Kontrollbehörden im entmilitarisierte Rheinlande vorgesehen hat. Don einer Gleichberechtigung Deutschlands im Völker­bund kann nicht die Rede sein, solange Oeser Investigations- beschluß besteht. Deutschland wird schwere Erwägungen an­stellen müssen, für einen etwaigen Eintritt in den Dölker-

Bei der Eröffnung der internationalen Handels­kammer hielten belgische Finanzleute Auffehen er­regende Reden über das Daw esgutachten. Sie übten scharfe Kritik und beleuchteten die Nachteile für die Gläubigerstaaten.

Deuffchland und der Völkerbund

von der Kirche die Verkündigung derTreuga h. eines von der Kirche gebotenen Stillstände!

'ei" aus, d.

ig aller Kriege

während der kirchlichen Feste und bestimmter Tage in der Woche. Später wurde dann von dem bekannten Völkerrecht­ler H u g o G r o t i u s, den man den Vater des Völkerrechts nennt, das Problem des Weltfriedens in Angriff genommen. Zwei Deutsche, Kant und Herder, haben wesentliche Bei­träge zu dem Problem des Völkerbundes und des Welt­friedens geleistet, ganz besonders Kant mit seiner Schrift Zum ewigen Frieden", die er zu einer Zeit schrieb, als der ewige Frieden ferner denn je zu stehen schien. In neuester Zeit hat der bekannte RomanDie Waffen nieder" der Frau von Suttner eine Popularisierung der Völkerbundsidee ohne gleichen gebracht, obgleich in dem Suttnerschen Roman die Friedensidee in einer Form verbreitet wurde, die die Ver­nunft hinter dem Gefühl zurücktreten läßt. Die durch den russischen Zaren vor dem Kriege veranlaßten Präger Frie­denskonferenzen stellten eine Förderung des Friedensgedan-

bund. Der Völkerbund in seiner

nur

5 Ma er bis

Wärtigen Gestalt ist mment in der Hand

, n nichts getan, um die allgemeinen' Weltfriedens der Verwirklichung

gebung allein könne keine vernünftige Sozialpolitik getrieben werden. Man müsse sozial denkende Menschen schaffen. Der Redner sprach dann von den großen Aufgaben, vor denen das Parlanwnt in den nächsten Tagen stehe. Eine der größten und schwierigsten Aufgaben sei die Regelung der Auf- wertungsgesetzgebung. Die Aufwertung müsse nach sozialen Gesichtspunkten und nicht generell erfolgen. Ein schweres Stück Arbeit für das Parlament bedeute auch die Zollgesetzgebung. Deutschland dürfe nicht in einem Augenblick den Freihandel einführen, in dem sich die andern Staaten mit starken Sckfu^ollmauern umgeben. Schutz- zölle seien nur als Abwehrzölle berechtigt. Auf keinen- Fall dürften sie dazu dienen, den Unternehmern mühelosere Ge­winne zu verschaffen. ,. . ,

näher zu bringen. Sollte Deutschland einst dem Völkerbünde beitreten, dann wird wohl auch eine grundlegende Aenderung der Völkerbundsatzung sich als notwendig erweisen. Ao.

Das Treugelöbnis der Gaardeuischen.

- Saarbrücken, 23. Juni. Die Iahrtausendfeier der Rheinland« im Saargebiet hat am Montag ihr Ende gefun­den. Während Sonntag vormittag im städtischen Saalbau der offizielle Festakt stattfand, wobei auch Begrüßungstele­gramme des Reichspräsidenten v. Hindenburg und des Bayerischen Ministerpräsidenten Held verlesen wurden, sind auf den verschiedenen Plätzen der Stadt Konzerte abgehalten worden. Mit besonders lebhaftem Interesse wurden die am Nachmittag dargebotenen wafferportlichen Vorführungen auf der Saar verfolgt, die ein buntes Bild boten. Die Ruder­vereine, der Kanuklub, Schwimmerinnen und Schwimmer führten eine Flaggenparade und ein Stafettenschwimmen vor. Mit dem Einbruch der Dunkelheit formierten sich trotz des Verbotes der Regierungskommission in den einzelnen Stadt­teilen die Fackelzüge, die dann geschlossen zum Stadion mar­schierten. Ein Zug von etwa 15 000 bis 18 000 Menschen marschierte durch die Stadt mit andauerndem Hoch- rufenaufdas deutscheBaterland und unter dem Absingen patriotischer Lieder^ Die Häuser waren li

Vernichtende Kritik am DaVesgutachten.

Die Eröffnung der Internationalen Handelskammer.

$ Paris, 23. Juni. Die französischen Blätter haben die Rede des Präsidenten der Brüsseler Bank, Desprets, und des Präsidenten der Handelsbank, William Booth, bei der Eröffnung der Jnternatioenalen Handelskammer mit Stillschweigen Übergängen. Der Grund hierfür liegt offen­bar darin, daß die beiden Redner angesichts der geradezu unlösbaren Schwierigkeiten des Uebertragungsproblems chre Ueberzeugung von der Undurchführbarkeit des Dawesgutach- tens zum Ausdruck gebracht haben. Besonderes Aufsehen erregte die Ansprache Desprets, der u. a. ausführte: Nach der fast allgemein vorherrschenden Auffassung wird angenommen, daß auf Grund des Dawesplans tatsächlich deutsche Zahlungen erfolgen und daß die Gläubigerstaaten Beträge erhalten, die sie zu Rückerstattungen der für Re» parationszwecke verausgabten Summen und zur Erleichterung der drückenden Steuerabgaben benutzen. Aus politischen Gründen hat man allgemein diese Ansicht verbreitet. In den in Frage kommenden Ländern wird sie als Wahrheit angenommen und von denjenigen vertreten, die um Ver­sprechungen angegangen wurden und schwach genug waren, sich hinreißen zu lassen. Ist es wirklich möglich, Tausende

N'heüch-lerr- cher Vorwand zur Erreichung eigener machtpolitischer Ziele gewesen waren. Es ist leicht verständlich, wenn nach den furchtbaren Erfahrungen des Weltkrieges die Idee eines all­gemeinen Weltfriedens das starke Interesse der Völker oder einzelner Personen in Anspruch nahm. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika W i l s o n wurde der Dol-

metscher dieser Gedanken. In seinen sogenannten14 Punk­ten" verlangte er die Herabsetzung der Rüstungen auf das niedrigste Ma'

niedrigste Maß und dieErrichtung einer Friedensorgani­sation, die sicherstellen soll, daß die Gesamtzahl der freien

Nationen jede Rechtsverletzung verhüten und dazu dienen wird, Frieden und Gerechtigkeit dadurch noch sicherer zu machen, daß sie ein bestimmtes Tribunal der Meinung schafft, dem alle sich beugen müssen und durch jede internationale Wiederneuordnung, über die sich die direkt beteiligten Völker nicht freundschaftlich einigen können, sanktioniert werden soll." Eine Ergänzung hierzu sollte das Verbot von Son- derbündnissen, des Abschlusses von Geheimverträgen und des wirtschaftlichen Boykotts werden.

Das Produkt dieser auf einen allgemeinen Friedenszu- stand gerichteten Wünsche der Völker ist der Genfer Völkerbund in seiner jetzigen unzulänglichen Gestalt.

an, wie die Ver

Große, mächtige Staaten gehören ihm nicht einigten Staaten von Amerika, Deutschla Rußland. Bei den verschiedensten Gelegenheiten, wie z. B. beim griechisch-türkischen Konflikt hat der jetzige Völkerbund bewiesen, daß er praktische Macht nicht besitzt. Hauptsächlich ist das darauf zurückzuführen, daß er eine geschickt aufge­machte Organisation für die Vertretung der französisischen Interessen ist. In den Organen des Völkerbundes ist der französische Einfluß maßgebend, zur Erfüllung seiner 9luf= gaben hat der Völkerbund bisher nichts getan. Im Gegensatz zu den Satzungen des Völkerbundes bestehen Geheimabkom­men zwischen Frankreich und Polen, vielleicht auch mit der Tschechoslowakei. Die Idee der allgemeinen Abrüstung ist überhaupt noch nicht durchgeführt. Deutschland hat abge­rüstet, vollkommen. Das ist eine anerkannte Tatsache. Da­gegen hat Frankreich, was den Mannschaftsbestand und seine Militärmacht anbetrifft, seine Rüstungen ungeheuer gestei­gert. Die Folge dieser französischen Rüstungen war, daß England sich diesen militariftifd)en Bestrebungen in Frank- reich durch gleichzeitige Rüstungen anpassen mußte. Aus der kürzlich gehaltenen Rede des polnischen Kriegsministers S i - korski ging hervor, daß der kleine polnische Staat in einem Ausmaß Kriegsrüstungen betreibt, wie sie durchaus nicht durch die momentane Staaten-Konstellation notwendig sind.

utfdjlanb und Sowjet

des Winterberges und des des Wahrzeichen Saarbrückens, ein und bildete so den Abschluß der Feier. Der bekannte Bismarck- Redner Pfarrer Reinhard sprach bei dem Festakt vor den Toren der Stadt zu etwa 40 000 Zuhörern:Es wird immer zu den größten Lüch>erlichkeiten der Weltgeschichte gehören," so führte er unter stürmischer Zustimmung aus,ein Volk, das in so überwältigender und eindringlicher Geschlossenheit wie in diesen Tagen das Saarvolk seine Liebe und Treue zur deutschen Heimat ausdrückt, darüber im Jahre 1935 abstimmen zu lassen, ob es zu Deutschland zurück wolle. So sicher, wie zwei mal zwei vier ist, müssen nach der in zehn Jahren erfol­genden Abstimmung die Fremdlinge im deutschen Saargebiet den Staub von den Füßen schütteln, wenn sie es nicht vor­ziehen, schon früher zu gehen." Reinhard erinnerte dann weiter an den folgenschweren Betrug Elemenceaus auf der Pariser Konferenz. Zehntausendfaches Gelächter antwortete ihm, als er fragte:Wo sind die 150 000 Saarfranzosen?" Nicht endenwollender Irrbel erfüllte das stille Waldtal, als der Redner mit einem Hoch auf Heimat und Vaterland der Hoff­nung auf baldige Befreiung Ausdruck gab. Am Montag fanden in den einzelnen Stadtteilen noch Veranstaltungen für die Jugend statt. Zu Zwifchenfüllen, die man sehr befürchtet hatte, ist es nicht gekommen, so daß die von der Regierungs­kommission angeforderten zwei Regimenter ffanzösischer Jäger nicht in Tätigkeit zu treten brauchten.

nd wie können wir an Stell« von Barzahlungen entschädigt werden? Wenn das Schuldnerland in Ware» zahlen wird, so ist die Frage die, wie weit es solche Zahlun­gen vornehmen kann, ohne den Gläubigerstaat zu benachtei- ligen, der ohne Zweifel auch die Güter erzeugt, die » als Zahlungen entgegennehmen soll. Und wenn nicht in Waren gezahlt wird, kann der Schuldnerstaat durch Dienstleistungen entschädigen? Und welcher Art werden diese sein, ohne daß dem Gläubigerstaat in feiner Wirtschaft und Industrie Scha­den zugefügt wird? Hans ien pflichtete dem Redner bei und legte das Schwergewicht feiner Ausführungen auf die Feststellung der Unlösbarkeit des Uebertragungsproblems. Der Brüsseler Vertreter desNew York Herold hört von unterrichteter Seite, daß die aufsehenerregenden Aeutze- rnngen der beiden Finanzleute eine ganze Reihe von Er­klärungen einleiten, die dazu bestimmt sind, die von inter­essierten Politikern bewußt irregeführte öffentliche Meinung über die Schwierigkeiten einer Durchführung des Dawesgut- achtens aufzuklären.

In der französischen Sicherheitsnote wird der bedin­gungslose Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gefor­dert', von dem das deutsche Memorandum überhaupt nicht gesprochen hatte. Mit dieser Forderung verläßt die fran­zösische Note den Boden des deutschen Memorandums oom September vorigen Jahres. Ebenso weichen die Ausgestal- tung des Gedankens der Schied so ertrüge, die Ablehnung einer zeitlichen Beschränkung des Verzichtes auf Kriege und andere grundlegende Forderungen von dem Inhalt der dcutichen Anregungen ab. Diese Tatsachen sind bedeutsam dafür, in-

Revision des Verfmtter Verlages!

Stegerwald über Deutschlands Wiederaufbau.

^ Hagen, 23. Juni. In einer Versammlung des Be­zirkskartells der Christlichen Gewerkschaften in der Stadthalle in Hagen (Wests.) sprach Ministerpräsident a. D. Steger- wa°ld über Deutschlands EozicilvoUtik. Er gab einen Rück­blick auf die sozialpolitischen Verhältnisse Deutschlands vor­dem Kriege. Die deutsche Sozialpolitik der Vergangenheit sei nicht ein organischer Bestandteil der Gesamtpolitik ge­wesen, sondern ein Fremdkörper. Die deutsche Gesamtpolitik habe, obwohl sie auf dem Gebiete des Arbeiteffchutzes und der sozialen Fürsorge führend gewesen sei, antisoziales Ge­präge gehabt. Uebertooffen würde und werde die deutsche Sozialpolitik von anderen Ländern auf dem Gebiete der Wohnungs- und Steuerpolitik sowie der Arbeitsloscnfür- sorge. Steuerlich müsse das deutsche Volk eine schwere Be­lastungsprobe durchmachen. Der Redner warf ein Streiflicht auf die Inflation und ihre Begleiterscheinungen. Die Nach­wehen der Inflation und die französische Demütigungspolitik gegenüber Deutschland seien noch ein starkes Hemmnis auf dem Wege der Wiedergesundung des deutschen Volkes. Als eines unserer ersten Siele, das wir erreichen müßten, um über den Berg zu kommen, bezeichnete er die Revision des Versailler Vertrages, wenigstens aber seine Umgestaltung zu einer durchführbaren Basis. Deutschland könne die Lasten auch die aus dem Dawesgutachten, die man ihm auf- erlege, unmöglich bewältigen neben den indiretten Ausgaben, die es geleistet und noch zu leisten habe. Eins sei not: Deutschland müsse wissen, was es wolle. Mit sozialer Gesetz-

Bruch im französischen LinkSkartell.

4- Paris, 23. Juni. Die Krise in der französischen So- zialistenpartei ist zu einem offenen Bruch geworden. Zwi­schen Leon Blum und C ompere Morel hat sich ein scharfer Gegensatz herausgebildet. Compsre Morel hat sich während der Abwesenheit Blums, der sich auf Rat seines Arztes nach Südfrankreich begeben mußte, zum Führer der Linksgruppe der Sozialistischen Partei aufgeschwungen und versucht nun, die Führung über die gesamte Partei zu er- halten. Er hat bereits erklärt, daß die Sozialisten aus dem Linkskartell ausscheiden würden, wofür er mit einer Mehr- heit von 120 Stimmen rechnet. Dieser Flügel der Sozia­listen hat eine scharfe Kampfansage gegen das Kabinett Pain- leve herausgegeben. Sie betonen allerdings, daß sie nicht in jeder Beziehung gegen Painleve Front machen würden, daß sie aber ihre Handlungsfreiheit wiedcrgewinnen wollten, um je nach den gegebenen Umständen für oder gegen das Ka­binett zu stimmen. L ...,

Nach einer letzten Mitteilung des Sozmlsstenftchrers Compsre Morel wird sich die Mehrheit der fojtahjh- schen Fraktion zweifellos für den Bruch mit dem Kabinett Painleve aussprechen. Das Kartell werde jedoch, falls ein Kabinett Herriot komme, weiter bestehen. Die Entscheidung der Sozialisten stehe schon jetzt unzweifelhaft fest. Die sozia­listische Parteigruppe des Departements Haute-Garonne hat die sozialistische Kammerfraktion in einer Entichlieyung auf­gefordert, das Kabinett nicht mehr zu unterstützen. In die- fein Zusammenhänge sei auch der heutige Leitartikel des Quotidien" erwähnt, in dem versucht wird, die Verantwort­lichkeit für Marokko auf ben nationalen Block zu schieben, der im Mai 1924 Marschall Lyautey bevollmächtigt hatte, unklugerweise den französischen Posten im Norden von Uergha vorzuschieben. Also treffe Painleve nicht die Ver­antwortung. Das Kabinett habe nur eine Erbschaft über- nommen, aber man müsse nicht gleich einen Krieg fortfuhrerp den man »orgefunben habe. Gegen eine Regierung, die auch nur eine halbe Stunde lana einen Lroberunaskriea führen