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Reisfelder Tageblatt hersfel-er Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger Dr den kreis Hersfelö

Nr. 138 Dienstag, den 1S. Juni 1925

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Das Wichtigste.

— Staatssekretär von Trendelenburg ist am Montag n a ch Paris a b g e r e t st, um an den deutsch- französischen Handelsvertragsverhand» l u n g e n wieder teilzunehmen, die jetzt i n ein ent­scheidendes Stadium getreten sind.

— Die französische Antwort auf den deutschen Sicherheitsvorschlag wird aller Voraussicht nach heute der Reichsregierung übermittelt werden.

— In der Nacht vom 14. zum 15. Juni lief oas Abkommen, das die deutsch-polnischen Handelsbeziehungen regelte, ab.

Die Lustmacht Italiens.

Von Wilfried Diehard.

Es ist neckisch, gerade in den Tagen, in denen uns von den Allierten eine Entwaffnungsnote in einer ganz un­erhörten Form vorgelegt wird, über das Rüsten der anderen zu schreiben.

Auch dem Laien, der den Weltkrieg mit offenen Augen erlebt hat, wird es einleuchten, daß die Luftwaffe im Zu- kunftskriege die strategisch wichtigste Waffe ist. So finden wir auf dem Gebiete des Flugwesens ein Wettrüsten ohne Beispiel. War bisher Frankreich als größte Luftmacht an der Spitze der europäischen Länder, so ist jetzt eine Wandlung eingetreten.

Die Welt wurde dieser Tage mit der Nachricht überrascht, das im Verhältnis zu Deutschland so kleine Italien werde im diesjährigen Herbstmanöver mit seiner gesamten Luftflotte in Stärke von 2 0 0 0 Flugzeugen teilnehmen. Im ersten Teil des Manövers werden die Luftstreitkräste mit der Armee zusammen operieren, im zweiten Teil werden die Flugformationen allein in Aktion treten, und zwar im An­griff wie in der Abwehr. _________

-^--i^MstWE'etwas gaWMluHerordentliches, was Italien auf dem Gebiete des Flugwesens geschaffen hat. In Verkennung seiner Wichtigkeit wurden von einer schwächlichen Regierung bei Kriegsende die im Krieg geschaffenen Fliegerverbände zum größten Teil aufgelöst, so daß Italien fliegerisch zur Be­deutungslosigkeit herabsank.

Den Umschwung brächte Mussolini. Im Kriege selbst Flugzeugführer, erkannte er mit richtigem Blick, daß Italien, wenn es wieder Großmacht werden wollte, vor allem luftpolitisch einen Machtfaktor bilden mußte, militärisch wie verkehrspolitisch. Nach dem englischen Vorbild organisierte er in dem „Generalkommissariat für das Flugwesen" eine einheitliche oberste Luftbehörde und machte sich selbst zum „Generalkommissar".

Gleichfalls nach englischem Muster organisierte er die königlich italienischen Luftstreitkräfte. Die Lehren des Krieges berücksichtigend, wurde die Luftwaffe von Armee und Marine losgelöst, als selbständige Waffe formiert.

Ihre augenblickliche aktive Stärke beträgt:

15 Beobachtungsstaffeln, 10 Jagdstaffeln, 5 Bomben- staffeln, 4 Seefliegerstaffeln, 1 Lenkluftschiffer-Gruppe mit insgesamt 620 Flugzeugen erster Linie. Das Luft- rüstungsprogramm sieht bis zum Herbst eine Verdoppe­lung der aktiven Luftstreitkräfte vor.

Wie man aus der Zusammenstellung sieht, sind im Augenblick die defensiven Luftwaffen vorherrschend, jedoch nach Aufstellung der Neuformationen werden beide Waffen, defensive und offensive, gleich stark sein. Für den Ernst - fall ist eine Verdreifachung der aktiven Luststreitkräfte vorgesehen. Hierbei ist zu be­rücksichtigen, daß Italien seine gesamten Reserve­flugzeuge in Kriegsbereitschaft hält, um sie gleich bei den ersten Kampfhandlungen einsetzen zu können. Dadurch haben die italienischen Luftstreitkräfte vor allen anderen Nationen die größte Kampfkraft. Unablüßlich werden auf einer großen Zahl von Fliegerschulen Flugzeugführer herangebildet, damit im Ernstfall die Luftwaffe in jeder notwendigwerdenden Stärke eingesetzt werden kann.

Der Luftverkehr ist noch verhältnismäßig schwach entwickelt. Es werden Verbindungen nach Budapest—Wien, nach Konstantinopel und über Athen nach Aegypten vorbe­reitet. Die Luftverkehrsgesellschaften erhalten von der Re- gierung jedmögliche Unterstützung.

Die L u f t i n d u st r i e wurde durch Preisausschreiben zu neuen Bemühungen angespornt. Nach wie vor baut Italien noch Lenkluftschiffe, die allerdings nur wirtschafts- politisch zu bewerten sind.

Bedenklich liegt die B e t r i e b s st o f f r a g e. Das Mutterland bringt kein Erdöl hervor unb besitzt nur geringe Möglichkeit, Benzol und Alkohol herzustellen. Die Zufuhren über Land und See können leicht abgeschnitten werden.--

Was aber hat das bedeutend größere kräfte, die es sichern. Gegen den kleinsten wohl ein ausgeoehntes Luftverkehrsnetz. Dieses wird im Kriegsfalle aber nichts nützen; denn wir haben keine Luft st reit- kräfte, die es sichern. Gegen den kleinsten Räuber staat sind wir machtlos.

Wann wird die französische Aote überreicht?

Paris, 16. Juni. Die französische Antwortnote auf das deutsche Sicherheitsangebot soll laut „Echo de Pa- r i s" von Botschafter de Mavgerie dem Berliner Aus- wärtigen Amt überreicht worden sein. In einer Bespre­chung der Vorteile, die Deutschland aus der Unterzeichnung des Garantiepaktes erwachsen würden, weist „Echo de Paris" namentlich daraufhin, daß das Abrüstungsproblem völlig in den Hintergruird treten wird.-. " E r e N o u - velle" glaubt zu wissen, daß die 'französische Regierung gegen eine allgemeine Konferenz, wie sie von Berlin ge­wünscht werde, grundsätzlich keine Bedenken habe, voraus­gesetzt, daß die deutsche Regierung vorerst mitteilt, ob und wieweit sie die Anregungen der französischen Note als ge­eignete Verhandlungsgrundlage aussaßt.

Das Pariser Auswärtige Amt legt — aus formalen Gründen — Wert darauf, daß die Note nicht abgeht, bevor die Antworten Belgiens, Polens, Italiens und der Tschechoslowakei in Paris eingegangen sind. Die belgische Zustimmung zu dem Wortlaut der franzö­sischen Note wurde offiziell der französischen Regierung erst Sonnabend nachmittag zur Kenntnis gebracht, obwohl der belgische Botschafter bereits gestern mitteilte, daß er ent­sprechende Instruktionen seiner Regierung erhalten habe. — Die Blätter stellen fest, daß Deutschland das Sicherheits- «»gebot nicht zurückziehen werde. Die Verhandlungen wer- den daher nach einstimmiger Auffassung der Presse in einer wesentlich günstigeren Atmosphäre geführt werden.

Der Temps widersprich an leitender Stelle der Auffassung deutscher Blätter, daß Frankreich bei der mit England erzielten Verständigung über den Sicherheitsver- trag weitgehende Konzessionen habe machen müssen. Das Blatt hebt die Verdienste Briands hervor, und meint, der französische Außenminister habe trotz schwieriger Verhält­nisse einen völligen Umschwung in der inter­nationalen Situation zugunsten Frank-

„Aus vertrauenswerter Ouelle."

V London, 16. Juni. Pertinax schreibt im „Dailly Telegraph", daß nach Informationen aus vertrauenswerter Quelle Dr. Strafen um n über die Aus­sprache zwischen der französischen und englischen Regierung voll informiert sei. Er kenne deshalb den Inhalt der fran­zösischen Antwort auf die deutschen Borschläge vom Feb- rutr. Nach allen vorliegenden Anzeichen sei es wahrschein­lich, daß der deutsche Außenminister sich mit den Haupt- grundsäetzen der Antwort mit einigen Vorbehalten einver­standen erklären würde. Der erste von Deutschland zN unternehmende Schritt auf dem Wege des Abschlusses des Sicherheitspaktes bestünde in einem formellen Gesuch um Zulassung zum Völkerbund. Trotz der Dementi, die in Paris ien der letzten Woche veröffentlicht wurden, sei es sicher, daß der deutsche Zulassungsantrag bei der nächsten Versammlung des Völkerbundes ohne Bezugnahme auf die Frage der militärischen Entwaffnung ober des Sicherheitspaktes erörtert werden würde. Chamberlain und Briand seien sich darüber einig, daß zur Förderung des Erfolges ihrer Politik die Beteiligung Deutschlands an der nächsten Völkerbundssitzung in Genf im Herbst notwendig sei.

Die Deutsche VolkSpartei zur Entwaffnungsnote und dem Sicherheitspakt.

^ Köln, 16. Juni. In einer aus allen Teilen des Land­kreises KölrEachrn gut besuchten Versammlung der Ver- traunsleute der D e u t s ch e n V o l k s p a r t e i sprach Ab­geordneter Prof. Dr. Moldenhauer über die Entwaff­nungsnote und den Sicherheitspakt. Der Redner führte aus, daß aus der Note trotz des nicht unfreundlich gehaltenen Tones kein Geist des Friedens und der Versöhnung wehe; es bliebe der Eindruck bestehen, daß sich auch hinter dieser Note politisch« Zwecke verbergen. Die Weigerung Deutsch­lands, in den Völkerbund einzutreten, sei, solange uns keine Sicherheit hinsichtlich des Artikels 16 geboten fei, durchaus berechtigt. Wir müßten auf Verhandlungen dringen; in diesen Verhandlungen müßten alle unsere leitenden Staats­männer die Berhandlungsgegner davon überzeugen, daß ein Frieden nur durch Gegenseitigkeit residiert sei, daß jeder Pakt wertlos sei, wenn die französische Politik ihre bisherigen Ziele wekterverfolge.

Rheinische Lahrtausendfeier in Berlin.

- Berlin, 16. Juni. Am Sonntag veranstaltete auch die Reichshauptstadt aus Anlaß der rheinischen Jahrtausend- feier und der oft- und westpreußischen Abstimmungsgedenk- feier eine große öffentliche Feier. Die teilnehmenden Hei­matverbände hatten sich um 11 Uhr vormittags im Lustgarten versammelt. Um H12 Uhr erfolgte der Abmarsch nach dem Platz vor dem Reichstagsgebäude. Kurz nach 12 Uhr war der weite Platz vor dem Reichstag dicht besetzt. Die studen- tischen Korporationen in vollem Wichs und mit Fahnen und

die Fahnenabordnungen der Heimatverbände nahmen aus der Rampe Aufstellung. Die Kundgebung wurde eingeleitet durch Gesangsvorträge des gemischten Chors des Ost- und West­preußen-Bundes und des Aachener Gelangvereins. Staats­minister a. D. WalIras sprach für den Westen. Er gab einen kurzen Umriß der ruhmvollen Geschichte der Rhein- lande und legte das Gelöbnis ab, daß diese Provinz sich immerdar mit dem deutschen Vaterland auf das innigste ver­bunden fühle. Schriftsteller W o r g o tz k i - Allenstein entbot die Grüße des Ostens. Er erinnerte an die Abstimmungs- kämpfe des Jahres 1920, an die schwer auf dem deutschen Vaterlande lastende Grenzregelung im Osten und schloß mit der Mahnung, nicht nur rückwärts schauend die Dinge zu betrachten, sondern mit dem Blick nach vorwärts für die Sicherung des deutschen Ostens einzutreten.

Der Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Fren- ken, entbot die Grüße der Reichsregierung. Die Feier, so sagte er, die die Verbundenheit Berlins mit dem Rheinlande zeige und weiter stärke, gebe uns neuen Anlaß zu der Be­kräftigung des Vorsatzes, unsere ganze Kraft auf die Be­freiung der Rheinlande zu konzentrieren. In das Hoch auf das deutsche Vaterland stimmten die vielen Tausende be­geistert ein. An den Rheinischen Provinziallandtag ist ein Begrüßungstelegramm gerichtet worden, in dem die ver­sammelten Frauen und Männer, getragen von dem Bewußt- sein gemeinsamen Schicksals und gemeinsamen Leids, der deutschen Brüder m Osten und Westen gedenken. Musikali­sche Darbietungen und das Absingen des Deutschlandliedes gaben der Feier einen würdigen Abschluß. Zwei Flugzeuge hatten während der Feier mehrere Schleifen über dem Kö- nigsplatz gezogen und ihre Grüße entboten. _____

Für Deutschlands Freiheit und Einheit.

Die rheinische Iahrtausendfeier in Magdeburg.

$ Magdeburg, 16. Juni. Anläßlich der rheinischen Jahr- tausendfeier ver an stalfete^L^kJlLSß&ÜiS&lS^^ angsschlossen wurden, deren Veranstaltung sich über zwei Wo- chen erstrecken wird. An den Eröffnungsabend schloß sich eine Feier im Dom. Reichstag sabg. Dr. Kalle schilderte das rheinische Empfinden für das deutsche Volk. Das Rhein­land habe gerade in der schwersten Zeit gezeigt,, wie ur- deutsch es fühlt. Nichts werde auch in Zukunft das Rhein­land von Deutschland trennen können. Eine Losreißung des echt deutschen Kernlandes, des Rheinlandes, würde das deutsche Volk zwingen, eine andere Haltung als eine fried­fertige gegen seine Schädiger einzunehmen. Abg. Kalle schloß mit einem Gelöbnis zur Einigkeit und Einheit.

Die Magdeburger Sportvereine hatten eine Staffel „Quer durch Magdeburg" veranstaltet. Im Anschluß daran marschierten die gesamten Magdeburger Sportvereine unter Führung von Musikkapellen nach dem Domplatz, wo eine interne Feier abgehalten wurde. Studienrat Dr. Pro­phet führte hierbei folgendes aus: Die Verbindung unserer Sp ielplatz kundgebung mit der rheinischen Jahrtausendfeier gibt unserer Veranstaltung einen tiefen Sinn. Deutschlands Freiheit und Deutschlands Einheit, besonders die rheinische Freiheit, ist auf das schwerste bedroht. Wir Turner und Sportler sind stets die Stütze der deutschen Einheit gewesen, und keiner hat dies besser auszudrücken gewußt als unser Altmeister Iahn in seinem Schwanengesang über die Einheit Deutschlands: „Es war der Traum meines erwachenden Le- bens, das Morgenrot meiner Jugend, das Sehnen meiner Manneskraft und jetzt der Abendstern, der mir zur ewigen Ruhe leuchtet." Bei dieser Gelegenheit der allgemeinen Not fühlen wir uns mit den Rheinländern aufs innigste ver­bunden, und erneuern in dieser Stunde das Gelöbnis, daß wir treu zusammenhalten wollen, daß wir niemals ruhen und rasten wollen, bis wieder Frieden und wahre Freiheit zurückgekehrt sind. — Die eindrucksvolle Feier endete mit dem Absingen des Deutschlandliedes . Hierauf fand ein Um­zug durch die Hauptstraßen der Stadt statt.

Gegen die Knebelung der deutschen Luftfahrt.

$■ Würzburg, 16. Juni. Die seit dem 11. Juni in WUrz- burg tagende Versamlung des Deutschen Luftfahrtverbandes, dem 20 000 Mitglieder aller Stände angehören, fand am Sonntag ihr Ende. Es wurde folgendes Telegramm an die Reichsregierung abgesandt:

„Der 19. Deutsche Lustfahrertag in Würzburg, der von Vertretern der gesamten deutschen Luftfahrt besucht ist, er­hebt einstimmig schärfsten Einspruch gegen die Unterbindung des deutschen Luftverkehrs und der Fliegerei im besetzten Gebiet. Er protestiert vor aller Welt gegen die Beschränkung des deutschen Lutfahrzeugbaues, die über die Bestimmungen der Versailler Urkunde hinausgeht und nach dem offenen Zugeständnis der Gegenseite lediglich der wirtschaftlichen Be­engung unseres Luftverkehrs und Lustsports dient. Er er­blickt eine unverantwortliche Rechtsbeugung darin, daß staat­liche Flugplätze in der neutralen Zone als Mobilmachungs- anlagen erklärt werden. Der Deutsche Lustfahrtverband for- dert alle Volksgenossen auf, in der Befreiung unseres Lust- fahrzezugbaues und des Luftverkehrs im besetzten Gebiet.